Exklusiv: HVB investiert bei den Samwers, Earlybird und Fintech

Die Hypo-Vereinsbank hat klammheimlich hohe Millionensummen in einige der bekanntesten deutschen Startup-Vehikel investiert. Das zeigen Recherchen des Finanzportals „Finanz-Szene.de“. So hielt die HVB zum 31. Dezember 2016 einen 4,9-prozentigen Anteil am milliardenschweren Samwer-Fonds „Rocket Internet Capital Partners“. Mit sogar 9,7 Prozent war die Unicredit-Tochter bei einem Beteiligungskonstrukt von Earlybird engagiert – einem der prominentesten deutschen Venture-Capital-Investoren. Darüber hinaus paktiert die HVB allem Anschein nach sehr viel intensiver mit dem Berliner Fintech-Inkubator Finleap, als dies bislang bekannt war.

Während die direkte Beteiligung an Finleap per Ende 2016 vergleichsweise bescheiden ausfiel (4,1 Prozent), besaß die Hypo-Vereinsbank erstaunliche 14,2 Prozent am wichtigsten Einzelunternehmen aus der Finleap-Familie, nämlich an der Fintech-Bank Solaris. Noch verblüffender: Ein weiteres (vermeintliches) Finleap-Unternehmen, nämlich der Vertragsmanager MoneyMap, gehörte der deutsch-italienischen Großbank per Ende letzten Jahres sogar zu 46,4 Prozent. Wie sich die diversen Beteiligungen seitdem entwickelt haben, ist unklar. Es gibt allerdings keine Hinweise, dass die HVB ihr Engagement zurückgefahren hat

Ein Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren. Seltsam: In einer Pressemitteilung im April hatte die Hypo-Vereinsbank so getan, als würde sie mit MoneyMap lediglich zusammenarbeiten, um die eigenen Kontodienstleistungen zu verbessern. Von einer „Service-Partnerschaft“ war damals seitens der HVB die Rede – während MoneyMap in einer eigenen Mitteilung davon sprach, den „ersten Bankenpartner“ akquiriert zu haben.

Dass es sich bei den vermeintlichen B2B-Partnern – etwas zugespitzt formuliert – quasi um Mutter- und Tochterunternehmen handelt, davon fand sich in den damaligen Verlautbarungen kein Wort. Was man fairerweise hinzufügen muss: „Gründerszene.de“ entdeckte seinerseits im Handelsregister bereits Hinweise auf eine Beteiligung. Wie hoch diese in Wirklichkeit ist, ahnte jedoch niemand. Spannend wird zu beobachten sein, wie sich vor dem Hintergrund der engen Beziehungen zur HVB die von MoneyMap-Gründer Frank Broer geäußerte Hoffnung auf „weitere Bankpartnerschaften“ erfüllen wird.

Während sich das strategische Interesse der HVB an Finleap, der Solarisbank und MoneyMap ein Stück weit selbst erklärt (es geht vermutlich um den Zugriff auf Knowhow und die Entwicklung technologiebasierter Services), ist schwerer zu ergründen, warum die Münchner Traditionsbank in Großfonds der Samwers und von Earlybird investiert. Auch hierzu wollte sich der Sprecher nicht äußern. Genauso machte er zur absoluten Höhe der Investments keine Angaben. Die drei Fintech-Investments dürfen zusammengenommen aber in jedem Fall einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen. Noch teurer dürfte die Bank die Beteiligung am „Rocket Internet Capital Partners“ gekommen sein. Laut den Samwers handelt es sich mit einem Volumen von einer Milliarde Dollar um Europas größten Fonds für den Internetsektor. Zu der Frage, ob sich aus den Angaben von Rocket automatisch ergibt, dass der 4,9-prozentige Anteil die HVB 49 Millionen Dollar gekostet hat, äußerte sich die Bank am Montag nicht.

Analyse: Wie viel Geld verwaltet Ginmon wirklich?

Ginmon gehört zu den führenden deutschen Robo-Advisern – dieser Eindruck hat sich irgendwie festgesetzt, weil die Frankfurter Firma in den einschlägigen Assets-under-Management-Rankings immer weit vorne auftaucht. So verwaltete Ginmon laut „Extra-Magazin“ bereits Anfang März rund 85 Millionen Euro.

Diese 85 Mio. Euro gelten seitdem quasi als Fakt, die Zahl wird auch gerne so zitiert, wenn auch mit dem Zusatz, es handle sich um eine Schätzung. Umso mehr verwundert, dass die mit dem Frankfurter Fintech-Forum verbandelten Researcher von „Techfluence“ nun plötzlich auf eine völlig andere Zahl kommen. Die behaupten nämlich, es seien weniger als 30 Mio. Euro (womit Ginmon selbst für deutsche Verhältnisse eher ein Mini-Robo wäre).

Wie kann das sein?

Die Info mit den 85 Mio. Euro soll nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ von Ginmon selbst gekommen sein (wenn auch nur als grobe Indikation). Die „weniger als 30 Mio. Euro“ sind hingegen ausdrücklich eine Schätzung – offenbar halten die „Techfluence“-Leute die 85 Mio. Euro für viel zu hoch gegriffen.

Ginmon-Chef Lars Reiner weist im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“ die Zahlen und das Ranking von „Techfluence“ zurück. Zu den 85 Mio. Euro des „Extra-Magazins“ und zu der Frage, ob er selbst die Quelle für diese Zahl sei, sagt Reiner: „Auch bei den im März veröffentlichten Zahlen des ‚Extra-Magazins‘ handelte es sich um Schätzungen. Sie spiegelten die damaligen Werte und Relationen aber deutlich realgetreuer wider, als die jetzt veröffentlichten Zahlen das tun.“ Er selbst, so Reiner, sehe Ginmon „was die Assets under Management auf dem deutschen Markt betrifft unter den Top-3 der unabhängigen Robo-Adviser“.

Zur Einordnung: Scalable aus München und Liqid aus Berlin haben die 100-Mio-Euro-Marke nach eigener Darstellung längst geknackt. Wenn es bei Ginmon im März wirklich schon 85 Mio. Euro waren, dann müssten eigentlich auch hier die 100 Mio. Euro allmählich fallen (oder schon gefallen sein). PR-technisch würde es durchaus Sinn machen, mit so einer Zahl offensiv nach draußen zu gehen.

Ein weiteres Thema, über das „Finanz-Szene.de“ mit Reiner sprach, ist die aktuelle Funding-Runde. Hintergrund: Schon im Februar hatte das „Handelsblatt“ getitelt: „Frankfurter Robo-Advisor Ginmon sammelt zweistelligen Millionenbetrag ein.“

Im Lauftext las sich die vermeintliche News dann zwar nicht mehr ganz so faktisch …

„Wie das Handelsblatt erfuhr, hat der Frankfurter Anbieter Ginmon gerade eine Finanzierungsrunde gestartet, bei der Kapital im zweistelligen Millionenbereich eingesammelt werden soll. Ginmon-Gründer Lars Reiner ist optimistisch: ‚Wir haben verbindliche Zusagen, unter anderem von Passion Capital, und können schon jetzt bestätigen, dass wir dieses Mal eine achtstellige Summe bekommen‘, sagt er.“

… und doch stellt sich die Frage: Wenn sich das „Handelsblatt“ und Reiner im Februar ihrer Sache schon so sicher waren, müssten sich dann nicht im Handelsregister irgendwann mal die entsprechenden Veränderungen in der Gesellschafterstruktur zeigen? (bislang tun sie das nicht).

Reiner sagt hierzu, zum Stand der Finanzierungsrunde wolle er „mit Blick auf bald anstehende Veröffentlichungen noch nichts verraten“.