Exklusiv: Verschweigt das Bankhaus Lampe einen operativen Verlust?

Von Heinz-Roger Dohms

Die Düsseldorfer Privatbank Lampe hat im vergangenen Jahr einen deutlichen operativen Verlust erlitten. Das zumindest ergeben Berechnungen von Finanz-Szene.de in Kooperation mit zwei renommierten Bankenanalysten; Lampe selbst widerspricht dieser Darstellung. Den Kalkulationen zufolge machte die Oetker-Tochter im operativen Geschäft ein Minus von mindestens 10 Mio. Euro und maximal 22 Mio. Euro. Die Gründe dafür lagen unter anderem in gestiegenen Personal- und Sachkosten sowie in einem stark gesunkenen Provisionsüberschuss.

Bei der Bilanz-PK im März hatte der Vorstand einen Gewinn von 55 Mio. Euro präsentiert. Zwar hieß es damals bereits, dass das Ergebnis durch den Verkauf der Lampe-Anteile am Fondsanbieter Universal Investment „begünstigt“ worden sei. Auf die Quantifizierung dieses Effekts verzichtete die Bank aber. Deshalb schöpfte offenbar niemand Verdacht, dass Lampe operativ sogar Geld verloren haben könnte. Die „Börsenzeitung“ schrieb seinerzeit: „Zahlen zum operativen Gewinn nennt Lampe nicht.“ Das „Handelsblatt“ titelte: „Bankhaus Lampe verdoppelt Gewinn.“

Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, führte der Universal-Deal zu einem Ergebniseffekt von satten 137,4 Mio. Euro. Dem standen nach Angaben der Bank zwar „maximale Rückstellungen für alle möglichen Verpflichtungen aus dem Kaufvertrag“ gegenüber – dennoch zeigte sich in der Gewinn- und Verlustrechnung ein außerordentlicher Ertrag von 108,4 Mio. Euro. Dadurch gelang es der Privatbank offenkundig, die zum Teil eklatanten Verschlechterungen bei einigen anderen Kennziffern überzukompensieren. So sanken die Provisionen von 110,3 auf nur noch 100,0 Mio. Euro, während zugleich die Personalkosten auf 93,3 Mio. Euro (nach 84,6 Mio. Euro 2015) und die Sachkosten auf 62,5 Mio. Euro (54,7 Mio. Euro) stiegen. Das Handelsergebnis fiel von 4,3 Mio. Euro auf 0,3 Mio. Euro.

Den Anstieg der Personal-und Sachaufwendungen begründete eine Lampe-Sprecherin gegenüber Finanz-Szene.de mit „Einmaleffekten“. Diese resultierten den Angaben zufolge vor allem aus Investitionen in die Niederlassungen, das Asset Management und die IT. Daneben wies die Sprecherin auf die Bildung von Reserven „in signifikanter Höhe“ und darauf hin, dass der Jahresüberschuss von 55 Mio. Euro an die Gesellschafter ausgeschüttet worden sei. Zum Handelsergebnis äußerte sich die Sprecherin nicht. Auch die Frage, ob es „besondere Ereignisse“ gegeben habe, die den (nach unserer Rechnung) Verlust erklären könnten, wurde nicht explizit beantwortet. Das gleiche galt für die Frage, warum der Zinsüberschuss entgegen des Branchentrends deutlich gestiegen ist.

Die beiden Bankenanalysten, die Finanz-Szene.de um Rat bat, kamen unabhängig voneinander zum gleichen Ergebnis. Bei einem der beiden Experten handelte es sich um Stefan Best, ehemaliger Bankenanalyst bei S&P, der inzwischen an der Rhein-Main-Hochschule in Wiesbaden lehrt. Von ihm stammt die weiter unten abgebildete Kalkulation. Entscheidend ist die sechste Spalte von unten, also das „Ergebnis nach Risiko“ in Höhe von minus 22,3 Mio. Euro. Best weist darauf hin, dass sich in der Lampe-PM vom März der Satz findet: „Die im Kreditgeschäft geplanten Risikokosten wurden nicht benötigt.“ Das, so Best, könnte theoretisch bedeuten, dass das Bewertungsergebnis von minus 12,2 Mio. teilweise oder ganz für Reservebildung verwendet wurde. In diesem Fall läge der operative Verlust vor Bewertungsergebnis bei 10 Mio. Euro.

Wir baten das Bankhaus Lampe, die Berechnung zu überprüfen. Daraufhin hieß es: „Ihre Berechnungen und ihre Analyse unserer Ertragssituation des Jahres 2016 teilen wir nicht, da diese nicht der Komplexität der jährlichen Rechnungslegung gerecht wird.“ Konkreter wurde die Bank zunächst nicht. Auf nochmalige Nachfrage hin schrieb die Sprecherin am Dienstag: „Gerne kann ich Ihnen zusätzlich noch versichern, dass wir im Geschäftsjahr 2016 ein positives operatives Ergebnis hatten.“ Wie Lampe zu dieser Feststellung kommt, blieb unklar.

€ Mio.
2016
2015
Zinsen
48,519
38,958
Provisionen
100,022
110,341
Handel
0,276
4,323
Saldo sonst.
2,845
4,24
Erträge
151,662
157,862
Personal
93,29
84,618
Sach
62,482
54,694
Afa
5,845
3,876
sonst Steuern
0,062
0,096
Aufwand
161,679
143,284
Ergebnis vor Risiko
-10,017
14,578
Risiko
12,244
0
Ergebnis nach Risiko
-22,261
14,578
Außerordentlich
108,431
9,198
Ertragsteuern
10,828
4,582
Gewinn n.Steuern
75,342
19,194
Zuführung zu Fonds
20,000
0
Jahresüberschuss
52,342
19,194

Newsletter 29/08/17: Funding Circle Deutschland, Quirion, Figo

Exklusiv: So hoch sind die Ausfallraten bei Funding Circle in Deutschland

Unterhält man sich mit einem Banker über „Kreditplattformen“, fällt irgendwann ein Satz im Sinne von: „Deren Ausfallraten würde ich mal gerne sehen.“ Um es kurz zu machen: Jetzt haben Sie die Gelegenheit dazu! Denn der europäische Marktführer Funding Circle veröffentlicht neuerdings seine Ausfallquoten für KMU-Kredite in Deutschland, hat Finanz-Szene.de entdeckt (alle Details siehe Link). Ebenfalls spannend in diesem Zusammenhang: Der Versicherer Aegon (News ist ein paar Tage alt) will via Funding Circle in den nächsten zwölf Monaten Kredite in Höhe 160 Mio. Pfund an britische SMEs vergeben. Dasselbe machen die Niederländer in Deutschland bekanntlich bereits über Auxmoney. Schöne neue Welt.

Finanz-Szene.de, Pressemitteilung zu Aegon

News

Exklusiv – Deutsche Börse bewertet Figo mit 27 Mio. Euro: Während andere Fintechs ihre (angebliche) Bewertung rausposaunen, macht der Hamburger API-Spezialist ein großes Geheimnis darum. Finanz-Szene.de hat nun errechnet, was Figo nach dem Einstieg der Deutschen Börse wert ist. Finanz-Szene.de

„Sofortüberweisung“ heißt jetzt „Sofort“: Der schwedische Payment-Dienstleister Klarna verordnet seiner deutschen Tochter ein neues Label. Die Strategie dahinter: Einheitlicher Markenauftritt > Eingeführter Markenname. „Dumm“, kommentiert Payment-Experte Jochen Siegert bei Twitter. Handelsblatt, IT-Finanzmagazin, Twitter

Exklusiv – Robo Quirion nähert sich der 100-Mio-Euro-Marke: Das geht aus dem vergangene Woche veröffentlichten Halbjahresbericht der Quirin-Bank hervor. Dazu passt eine Untersuchung von Oliver Wyman, wonach die deutschen Robo-Adviser in diesem Jahr bereits 800 Mio. Euro eingesammelt haben. Finanz-Szene.de, Börsenzeitung (Paid)

Ex-Kreditech-CIO startet Insurtech: Andrew Shaw will mit Coya (so heißt die Firma) unter anderem dem Finleap-Versicherer Element Konkurrenz machen. An der 10 Mio. Euro (stolze Summe!) hohen Seed-Finanzierung beteiligt sich neben den Kreditech-Gründern auch der umstrittene Starinvestor Peter Thiel. Gründerszene.

Auch Deka wälzt Mifid-II-Kosten auf Kunden ab: Damit folgt der Fondsdienstleiter der Sparkassen dem genossenschaftlichen Wettbewerber Union Investment. Einige ausländische Anbieter haben dagegen angekündigt, die Research-Gebühren selbst zu schultern. Börsenzeitung (Paid)

LBBW bleibt hinter Bayern LB zurück: 279 Mio. Euro hat die Stuttgarter Landesbank im ersten Halbjahr verdient – und damit weniger als der Erzrivale in München. Gut lief’s am Kapitalmarkt, schlecht im Geschäft mit den Sparkassen. Handelsblatt

Karriere

Diese Bank-Jobs werden demnächst überflüssig: Die Digitalisierung setze vor allem den verwaltenden Abteilungen zu, sagt Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance. Sein Ratschlag: Selbst gewöhnliche Kundenberater sollten fleißig IT büffeln. Finews, Handelsblatt

Klickfavorit

… unserer Leser war am Freitag das Stück über Jens Spahn, den Finanz-Staatssekretär und Fintech-Beauftragten der Bundesregierung, der ausgerechnet in ein Fintech für Steuersoftware investiert hat. n-tv

Back-End

Nicht nur wegen des Klickerfolgs von letzter Woche fühlen wir uns kaum jemandem derart tief verbunden wie Jens Spahn. Schließlich gelten viele Attribute, die auf ihn zutreffen, genauso für uns (Katholisch. Hipsterkritisch. Selbsternannte Fintech-Experten mit begrenzter Ahnung von der Materie.) Trotzdem wollen wir Spahns Einlassung, bei der Pareton GmbH handle es sich „nicht um ein Fintech-Startup im eigentlichen Sinne“, dezent widersprechen. Denn wie eine Anfrage von Finanz-Szene.de ergab, stand das schwäbische Startup sogar auf einer offiziellen Fintech-Liste des Finanzministeriums. Finanz-Szene.de

Newsletter 29/08/17: Gefährdete Bankjobs, LBBW, Funding Circle

Exklusiv: So hoch sind die Ausfallraten bei Funding Circle in Deutschland

Unterhält man sich mit einem Banker über „Kreditplattformen“, fällt irgendwann ein Satz im Sinne von: „Deren Ausfallraten würde ich mal gerne sehen“. Um es kurz zu machen: Jetzt haben Sie die Gelegenheit dazu! Denn der europäische Marktführer Funding Circle veröffentlicht neuerdings seine Ausfallquoten für KMU-Kredite in Deutschland, hat Finanz-Szene.de entdeckt (alle Details siehe Link). Ebenfalls spannend in diesem Zusammenhang: Der Versicherer Aegon (News ist ein paar Tage alt) will via Funding Circle in den nächsten zwölf Monaten Kredite in Höhe 160 Mio. Pfund an britische SMEs vergeben. Dasselbe machen die Niederländer in Deutschland bekanntlich bereits über Auxmoney. Schöne neue Welt.

Finanz-Szene.de, Pressemitteilung zu Aegon

News

Auch Deka wälzt Mifid-II-Kosten auf Kunden ab: Damit folgt der Fondsdienstleiter der Sparkassen dem genossenschaftlichen Wettbewerber Union Investment. Einige ausländische Anbieter haben dagegen angekündigt, die Research-Gebühren selbst zu schultern. Börsenzeitung (Paid)

LBBW bleibt hinter Bayern LB zurück: 279 Mio. Euro hat die Stuttgarter Landesbank im ersten Halbjahr verdient – und damit weniger als der Erzrivale in München. Gut lief’s am Kapitalmarkt, schlecht im Geschäft mit den Sparkassen. Handelsblatt

Allgäu-Sparkasse droht Millionenstrafe: Das Institut soll mehr als 900 Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen haben. Das Geld lag auf geheimen Konten bei einer Filiale im österreichischen Kleinwalsertal, berichtet die SZ. Süddeutsche

Exklusiv – Deutsche Börse bewertet Figo mit 27 Mio. Euro: Während andere Fintechs ihre (angebliche) Bewertung rausposaunen, macht der Hamburger API-Spezialist ein großes Geheimnis darum. Finanz-Szene.de hat nun errechnet, was Figo nach dem Einstieg der Deutschen Börse wert ist. Finanz-Szene.de

„Sofortüberweisung“ heißt jetzt „Sofort“: Der schwedische Payment-Dienstleister Klarna verordnet seiner deutschen Tochter ein neues Label. Die Strategie dahinter: Einheitlicher Markenauftritt > Eingeführter Markenname. „Dumm“, kommentiert Payment-Experte Jochen Siegert bei Twitter. Handelsblatt, IT-Finanzmagazin, Twitter

Exklusiv – Robo Quirion nähert sich der 100-Mio-Euro-Marke: Das geht aus dem vergangene Woche veröffentlichten Halbjahresbericht der Quirin-Bank hervor. Dazu passt eine Untersuchung von Oliver Wyman, wonach die deutschen Robo-Adviser in diesem Jahr bereits 800 Mio. Euro eingesammelt haben. Finanz-Szene.de, Börsenzeitung (Paid)

Karriere

Diese Bank-Jobs werden demnächst überflüssig: Die Digitalisierung setze vor allem den verwaltenden Abteilungen zu, sagt Philipp Sandner von der Frankfurt School of Finance. Sein Ratschlag: Selbst gewöhnliche Kundenberater sollten fleißig IT büffeln. Finews, Handelsblatt

Klickfavorit

… unserer Leser war am Freitag das Stück über Jens Spahn, den Finanz-Staatssekretär und Fintech-Beauftragten der Bundesregierung, der ausgerechnet in ein Fintech für Steuersoftware investiert hat. n-tv

Back-End

Nicht nur wegen des Klickerfolgs von letzter Woche fühlen wir uns kaum jemandem derart tief verbunden wie Jens Spahn. Schließlich gelten viele Attribute, die auf ihn zutreffen, genauso für uns (Katholisch. Hipsterkritisch. Selbsternannte Fintech-Experten mit begrenzter Ahnung von der Materie.) Trotzdem wollen wir Spahns Einlassung, bei der Pareton GmbH handle es sich „nicht um ein Fintech-Startup im eigentlichen Sinne“, dezent widersprechen. Denn wie eine Anfrage von Finanz-Szene.de ergab, stand das schwäbische Startup sogar auf einer offiziellen Fintech-Liste des Finanzministeriums. Finanz-Szene.de