Analyse: Die Europäisierung der Fintech-Branche

Von Heinz-Roger Dohms

Einerseits ist es nur eine kleine Nachricht – andererseits könnte sie aber für einen interessanten Trend stehen. Nämlich für die allmähliche Europäisierung der anfangs ja doch eher entlang der Landesgrenzen aufgestellten Fintech-Branche (weniger verschwurbelt ausgedrückt könnte man auch sagen: Die B2C-Finanz-Startups treten jetzt nicht mehr nur gegen die heimische Banken an, sondern auch gegen die eigene europäische Sippschaft).

Was ist passiert? Die Nachricht lautet, dass das Berliner Fintech Raisin („Weltsparen.de“) den britischen Konkurrenten PBF Solutions übernommen hat. Das ist einerseits eine neue Entwicklung. Denn bislang war es eher so, dass deutsche von ausländischen Fintechs geschluckt wurden, zum Beispiel Zencap von Fundings Circle oder Sofortüberweisung und Billpay von Klarna. Andererseits: So neu ist die Entwicklung nun auch wieder nicht. Denn eine Akquisition ist ja zunächst mal nur ein Mittel der Expansion. Und über die Grenzen hinweg expandieren (allerdings meist ohne zu akquirieren) tun die Fintechs momentan wie wild.

Ist die Europäisierung die richtige Strategie? Schaun mer mal. Erinnert sei an Check24, das heimliche Vorbild vieler Finanz-Gründer. Soweit wir das erkennen können, ist der Münchner Gigant bis heute nur in Deutschland tätig (und vermutlich nicht aus Dummheit, sondern aus guten Gründen). Genau das gleiche gilt für Ur-Fintechs wie Smava oder Auxmoney. Und Kreditech musste für seine übereilte Auslandsexpansion 2015 bekanntlich teuer bezahlen.

Exklusiv: Finnen-Fintech Holvi baut Deutschland-Präsenz aus

Von Heinz-Roger Dohms

Das finnische Fintech Holvi – eine Art N26 für Selbständige und Geschäftskunden – will sein kleines Berliner Büro zu einer richtigen Deutschland-Dependance ausbauen. „Wir planen, die Mitarbeiterzahl bis Jahresende von zuletzt zwei auf zehn Mitarbeiter zu erhöhen“, erklärte CEO Antti-Jussi Suominen gegenüber Finanz-Szene.de. Damit begibt sich  das skandinavische Startup in direkte Konkurrenz zum Berliner Fintech Kontist, das mehr oder weniger auf die gleiche Klientel zielt. Was den Kontist-Leuten zu denken geben sollte: Letztes Jahr war die spanische Großbank BBVA dick bei Holvi eingestiegen. Entsprechend tief dürften die Taschen der Finnen sein.

Was Suominen sonst noch zu seinen Deutschland-Plänen verraten hat? Finanz-Szene.de fasst die wichtigsten Aussagen zusammen:

  • „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren das Fundament für unseren Erfolg in Deutschland geschaffen und sind jetzt bereit, den nächsten Schritt zu machen. Gerade für die letzten Monate verzeichnen wir einen starken Anstieg an Neukunden, von denen rund 80 Prozent aus Deutschland und Österreich kommen – es gibt aber noch Platz für Wachstum. In den nächsten Jahren wollen wir Holvi zum führenden Financial Hub für Freelancer und Selbstständige ausbauen.“
  • „Deutschland ist ein wichtiger Markt für Holvi. Sieht man sich die Entwicklung des letzten Jahrzehnts in Deutschland an, so ist die Anzahl der Selbständigen im Vergleich zu den Arbeitnehmern überproportional gestiegen und beläuft sich auf über fünf Millionen.“

 

Newsletter 20/09/17: Deutsche Bank, Sparkassen-Erträge, Immo-Crowd-Pleite

„Die Deutsche Bank braucht ein Wunder“

Das größte deutsche Geldhaus ist in der jüngeren Vergangenheit ja von einigen Analysten abgewatscht worden. Aber so? Stuart Graham, streitbarer Chef der Londoner Researchfirma „Autonomous“, argwöhnt in seiner neuen Studie, die Deutsche Bank sei womöglich „nicht mehr zu reparieren“ – es sei denn, es geschehe „ein Wunder“. Dabei hat es Graham laut „Bloomberg“ bei seiner Kritik vor allem auf die einstige Cash Cow des Instituts abgesehen, nämlich den Handel mit Anleihen und Devisen. Dieser Bereich falle als Erlösquelle aus, schreibt Graham, zu weit sei die Deutsche Bank inzwischen hinter die Konkurrenz von der Wall Street zurückgefallen. Als Beleg führt er die (angeblich) viel zu niedrigen IT-Ausgaben des Frankfurter Instituts an. Rivale JP Morgan investiere fast doppelt so viel.

Bloomberg, Seeking Alpha

Das Gebühren-Hämmerchen der Sparkässchen

Wie gestern berichtet, ist der Provisionsüberschuss der deutschen Banken im vergangenen Jahr von 30,5 auf 29,8 Mrd. Euro zurückgegangen. Nicht jeden da draußen mag diese Nachricht elektrisieren – uns schon. Darum legen wir mithilfe der Datenspezialisten von Barkow Consulting heute gleich mal mit der Detailanalyse nach. Also, auf geht’s: 1.) Während die Provisionen der Großbanken eingebrochen sind, konnten die Genos ihr Ergebnis halten, die Sparkassen ihres sogar weiter steigern. Heißt: Im Retailbanking sind die Provisionen nicht wirklich zurückgegangen. 2.) Obwohl die Sparkassen zulegten, kann von einem „Gebühren-Hammer“ („Bild“) keine Rede sein. Umgelegt auf die rund 50 Mio. Sparkassen-Kunden zahlte jeder im Schnitt gut 30 Cent mehr im Monat (die Gebührenerhöhungen aus 2017 sind hier freilich noch nicht drin). 3.) Wie die Langfrist-Grafik von Barkow zeigt, haben Sparkassen und Genos ihre Provisionseinnahmen seit 2006 signifikant gesteigert – ganz anders als die Großbanken. Barkow Consulting

News

Wo die Deutsche Bank noch richtig gr0ß ist: Sollen die Stuart Grahams dieser Welt doch sagen, was sie wollen – zumindest auf dem New Yorker Immobilienmarkt macht den Deutschbankern niemand was vor (auch wenn einer ihrer besten Kunden jetzt in Washington lebt). Financial Times (Paywall)

Vergibt Varengold nun Marketplace-Kredite in UK? Laut „Bloomberg“ will die Hamburger Varengold-Bank über ein Londoner Online-Kredit-Portal namens MarketInvoice jährlich 45 Mio. Pfund an britische Kleinunternehmer vergeben. Gemessen an der Varengold-Bilanzsumme (rund 600 Mio. Euro Ende 2015) klingt das ganz schön sportlich. Aber wenn „Bloomberg“ es sagt …  Bloomberg

Immobilien-Crowdinvesting verliert seine Unschuld: Dem Boom-Markt droht die erste Pleite. Es geht um ein 7,5 Mio.-Euro-Projekt in Berlin, zu dem der Schwarm 1,25 Mio. Euro beigesteuert hatte. Der Anbieter? Zinsland aus Hamburg. Manager Magazin

Lesetipps

Warum es so viele Sparkassen-Skandale gibt: Die „Wirtschaftswoche“ kommt zu der – erstmal nicht sehr originellen – Vermutung, dass dies mit der engen politischen Verflechtung zu tun haben könnte. Spannend ist allerdings, wie Autor Mark Fehr die These u.a. begründet: Ausgerechnet jene beiden großen Sparkassen, die dem direkten Zugriff ihrer Kommunen entzogen sind (nämlich die in Hamburg und die Frankfurt), „arbeiten auffällig skandalfrei“, schreibt er. Ist was dran. Wiwo

[Jede weitere Berichterstattung zum Sparkasse-Köln-Bonn-Gustav-Adolf-Schröder-Josef-Esch-Prozess sparen wir uns übrigens. Sorry – aber es interessiert uns einfach nicht. Mögen die Richter weise urteilen.]

Karriere

Was so ein N26-Manager für eine Vita hat … Bei aller Liebe zur Fintech-Community-Meldung: Wenn N26 einen neuen Chief Technology Officer einstellt, dann ist das nicht mal uns eine Nachricht wert. Andererseits: Vielleicht lesen Sie sich die entsprechende Pressemitteilung ja doch mal durch. Denn: Was manche dieser Fintech-Banker so für Lebensläufe haben (und was da für seltsame Wörter in der Vita vorkommen) – da staunt man als Analog-Banker dann doch ganz schön. Pressemitteilung als PDF

Klickfavorit

… war gestern unsere exklusive Analyse der delikaten Gemengelage beim Multibanking-Fintech Outbank. Finanz-Szene.de

Newsletter 20/09/17: N26, Deutsche Bank, Erste Immo-Crowd-Pleite

„Die Deutsche Bank braucht ein Wunder“

Das größte deutsche Geldhaus ist in der jüngeren Vergangenheit ja von einigen Analysten abgewatscht worden. Aber so? Stuart Graham, streitbarer Chef der Londoner Researchfirma „Autonomous“, argwöhnt in seiner neuen Studie, die Deutsche Bank sei womöglich „nicht mehr zu reparieren“ – es sei denn, es geschehe „ein Wunder“. Dabei hat es Graham laut „Bloomberg“ bei seiner Kritik vor allem auf die einstige Cash Cow des Instituts abgesehen, nämlich den Handel mit Anleihen und Devisen. Dieser Bereich falle als Erlösquelle aus, schreibt Graham, zu weit sei die Deutsche Bank inzwischen hinter die Konkurrenz von der Wall Street zurückgefallen. Als Beleg führt er die (angeblich) viel zu niedrigen IT-Ausgaben des Frankfurter Instituts an. Rivale JP Morgan investiere fast doppelt so viel.

Bloomberg, Seeking Alpha

Das Gebühren-Hämmerchen der Sparkässchen

Wie gestern berichtet, ist der Provisionsüberschuss der deutschen Banken im vergangenen Jahr von 30,5 auf 29,8 Mrd. Euro zurückgegangen. Nicht jeden da draußen mag diese Nachricht elektrisieren – uns schon. Darum legen wir mithilfe der Datenspezialisten von Barkow Consulting heute gleich mal mit der Detailanalyse nach. Also, auf geht’s: 1.) Während die Provisionen der Großbanken eingebrochen sind, konnten die Genos ihr Ergebnis halten, die Sparkassen ihres sogar weiter steigern. Heißt: Im Retailbanking sind die Provisionen nicht wirklich zurückgegangen. 2.) Obwohl die Sparkassen zulegten, kann von einem „Gebühren-Hammer“ („Bild“) keine Rede sein. Umgelegt auf die rund 50 Mio. Sparkassen-Kunden zahlte jeder im Schnitt gut 30 Cent mehr im Monat (die Gebührenerhöhungen aus 2017 sind hier freilich noch nicht drin). 3.) Wie die Langfrist-Grafik von Barkow zeigt, haben Sparkassen und Genos ihre Provisionseinnahmen seit 2006 signifikant gesteigert – ganz anders als die Großbanken. Barkow Consulting

News

Vergibt Varengold nun Marketplace-Kredite in UK? Laut „Bloomberg“ will die Hamburger Varengold-Bank über ein Londoner Online-Kredit-Portal namens MarketInvoice jährlich 45 Mio. Pfund an britische Kleinunternehmer vergeben. Gemessen an der Varengold-Bilanzsumme (rund 600 Mio. Euro Ende 2015) klingt das ganz schön sportlich. Aber wenn „Bloomberg“ es sagt …  Bloomberg

Immobilien-Crowdinvesting verliert seine Unschuld: Dem Boom-Markt droht die erste Pleite. Es geht um ein 7,5 Mio.-Euro-Projekt in Berlin, zu dem der Schwarm 1,25 Mio. Euro beigesteuert hatte. Der Anbieter? Zinsland aus Hamburg. Manager Magazin

Wo die Deutsche Bank noch richtig gr0ß ist: Sollen die Stuart Grahams dieser Welt doch sagen, was sie wollen – zumindest auf dem New Yorker Immobilienmarkt macht den Deutschbankern niemand was vor (auch wenn einer ihrer besten Kunden jetzt in Washington lebt). Financial Times (Paywall)

Karriere

Was so ein N26-Manager für eine Vita hat … Bei aller Liebe zur Fintech-Community-Meldung: Wenn N26 einen neuen Chief Technology Officer einstellt, dann ist das nicht mal uns eine Nachricht wert. Andererseits: Vielleicht lesen Sie sich die entsprechende Pressemitteilung ja doch mal durch. Denn: Was manche dieser Fintech-Banker so für Lebensläufe haben (und was da für seltsame Wörter in der Vita vorkommen) – da staunt man als Analog-Banker dann doch ganz schön. Pressemitteilung als PDF

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Warum es so viele Sparkassen-Skandale gibt: Die „Wirtschaftswoche“ kommt zu der – erstmal nicht sehr originellen – Vermutung, dass dies mit der engen politischen Verflechtung zu tun haben könnte. Spannend ist allerdings, wie Autor Mark Fehr die These u.a. begründet: Ausgerechnet jene beiden großen Sparkassen, die dem direkten Zugriff ihrer Kommunen entzogen sind (nämlich die in Hamburg und die Frankfurt), „arbeiten auffällig skandalfrei“, schreibt er. Ist was dran. Wiwo

[Jede weitere Berichterstattung zum Sparkasse-Köln-Bonn-Gustav-Adolf-Schröder-Josef-Esch-Prozess sparen wir uns übrigens. Sorry – aber es interessiert uns einfach nicht. Mögen die Richter weise urteilen.]

Klickfavorit

… war gestern unsere exklusive Analyse der delikaten Gemengelage beim Multibanking-Fintech Outbank. Finanz-Szene.de