Newsletter 22/09/17: Lob den deutschen Banken; Staatsanwälte bei Berenberg

Wie die Welt auf die deutschen Banken blickt

Welch traurige Perspektive den deutschen Banken beschieden ist, können Sie hier und anderswo fast jeden Tag lesen. Doch sind die Aussichten eigentlich wirklich sooo katastrophal? Nur mal blöd gefragt: Wieso erwirbt Cerberus fünf Prozent an der Commerzbank? Weshalb schnappt sich dieselbe (derselbe?) Cerberus via Bawag die Südwestbank? Warum kauft sich Apollo im Nordwesten der Republik still und leise eine Regionalbank zusammen? Und hat es wirklich nur mit Verzweiflung zu tun, wenn die Deutsche Bank gegenüber angelsächsischen Investoren urplötzlich das „Deutsche“ betont? Eines fiel gestern jedenfalls auf: Die englischen Leitmedien nehmen das Szenario einer Commerzbank-Übernahme im Schnitt deutlich ernster als die deutschen. „Es gibt [mit Blick auf den deutschen Bankenmarkt] gute Gründe für die Annahme, dass das Glas nicht halbleer, sondern halbvoll ist“, schrieben die Lex-Kolumnisten der „Financial Times“. Und der „Reuters“-Ableger Breakingviews urteilte fast gleichlautend: „Es gibt gute Gründe, warum andere Institute [die Commerzbank] momentan attraktiv finden.“ Die Investoren übrigens sahen das (zumindest gestern) ähnlich: Die Commerzbank-Aktie stieg um weitere 3,5 Prozent.

Lex-Kolumne (Paywall), Breakingviews, Aktienkurs

News

Ermittlungen gegen Berenberg-Mitarbeiter: Wird bei der letzten deutschen Gel-Banker-Bank immer nur gehobelt, oder fallen auch mal Späne? Jedenfalls: Laut „Wirtschaftswoche“ ermittelt die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen mindestens einen Mitarbeiter wegen „des Verdachts auf einen heimlichen Beteiligungsaufbau“. Konkret gehe es um die Aktien des TecDax-Unternehmens Pfeiffer Vacuum. Laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft wurden auch Büroräume durchsucht. (Hinweis: Falls Sie noch im Halbschlaf sind und sich jetzt gerade fragen, ob Berenberg nicht die Bank ist, deren Chef auch Chef des Bankenverbands ist … Ja, genau um die Bank geht es). Handelsblatt, Abendblatt

Und noch mehr Commerzbank: Wie die „Wirtschaftswoche“ erfahren haben will, könnte der Bund sehr viel früher aus der Coba aussteigen als allgemein angenommen. Dabei werde in Berlin aus politischen Gründen (von wegen Bankenunion, deutsch-französische Achse und so …) ein Zusammenschluss mit der BNP Paribas favorisiert. Wirtschaftswoche

Kann’s bei der Deutschen Bank überhaupt keiner? Glaubt man dem „Manager Magazin“, dann zweifeln die Großaktionäre nicht nur an CEO John Cryan, sondern auch an dessen Stellvertretern Marcus Schenck und Christian Sewing. Zitat eines Investors: „Die Schonfrist läuft ab. Es ist viel wahrscheinlicher, dass der nächste CEO von außen kommt.“ Manager Magazin

Exklusiv: „Das ist ein Warnzeichen für alle Plattformen“: Nach der ersten Pleite im Crowd-Immobilienmarkt nimmt Simon Brunke, Chef des Marktführer Exporo, die eigene Branche in die Pflicht. Und er stellt klar: Die bislang üblichen Nachrangstrukturen sind nicht alternativlos. Finanz-Szene.de

Lex Kengeter mal anders: Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hat wie erwartet einen Gehaltsdeckel für die Vorstände beschlossen. Er liegt bei 9,5 Mio. Euro. Handelsblatt

Ösi-Investor piesackt weiter die Commerzbank: Der aktivistische Fonds Petrus Advisers will seinen Anteil an der Comdirect aufstocken. „Wir werden Aktien zukaufen und auch die fünf Prozent überschreiten“, sagte der österreichische Petrus-Mitgründer Klaus Umek der „Wirtschaftswoche“. Handelsblatt

Exklusiv: Kommt bald das erste Fintech in den Dax?

Der bayerische Payment-Dienstleister Wirecard klopft jetzt tatsächlich an die Tür zum Dax, zeigt eine Analyse von Finanz-Szene.de. Hintergrund: Um in die oberste deutsche Börsenliga zu kommen, müssen Unternehmen zwei notwendige Kriterien erfüllen, nämlich sowohl beim Market Cap (es zählt nur der Streubesitz) als auch beim Handelsumsatz zu den Top-35 gehören. In der einen Kategorie liegt Wirecard inzwischen auf Platz 33, in der anderen auf Platz 36. Viel fehlt also nicht mehr. Zwei Probleme allerdings bleiben: Es gibt mit ProSieben Sat.1 momentan nur einen möglichen Abstiegskandidaten – wohl aber noch zwei weitere Aufstiegskandidaten. Lesen Sie hier unsere komplette Analyse: Finanz-Szene.de

Lesetipps

Die großen Pläne unseres Sparkassen-Gates: Erinnern Sie sich noch an unsere kleine Geschichte neulich über den „deutschen Bill Gates“, der in den 90er-Jahren mal gemeinsame Sachen mit den Sparkassen machte? Ufff, was waren wir da wieder, ohne es auch nur zu ahnen, ahead of the curve. Denn: Der gute Mann ist Titelgeschichte des neuen „Manager Magazins“. Die Überschrift der Online-Kurzfassung lautet: „Das deutsche Start-up, das die Welt erobern will – und es vielleicht sogar schafft.“ Manager Magazin

Wochenend-Lektüre für Fintech-Streber: Offiziell firmiert Dirk Elsner als „Senior Manager Innovation und Digitalisierung der DZ Bank“. Er reißt uns aber bestimmt nicht den Kopf ab, wenn wir ihn stattdessen von heute an unter dem Titel „Senior Lecturer Fintech-Volkshochschule Germany“ führen. Hier finden Sie seine ultimate Must-Read-Liste für diese Woche: DZ-Bank Innovationsblog

Goodbye, London: Die Geschichte eines sehr erfolgreichen deutschen Fintech-Unternehmers, der sagt, wegen des Brexits müsse er jetzt London verlassen (und zwar wirklich), lesen Sie hier: Süddeutsche

Sie haben genug von der Commerzbank? Wir noch nicht. Hier noch rasch der Überblick „Diese Banken könnten bei der Coba einsteigen“. Manager Magazin

Klickfavorit

… war gestern die kleine Geschichte über die Mittelabflüsse bei unser aller Flossbach von Storch. Fondsprofessionell

In dem Sinne: Wir versuchen, am Dienstag wieder für Sie da zu sein. Bleiben Sie uns gewogen, sagen Sie Ihren Bürokollegen, dass es Finanz-Szene.de gibt, schönes Wochenende!,

Heinz-Roger Dohms

Exporo-Chef Brunke: „Das ist ein Warnzeichen für jede Immobilien-Plattform“

In Deutschland droht erstmals ein Immobilien-Crowdinvesting auszufallen (wir berichteten). Grund genug, in unserer Rubrik „Drei Fragen, drei Antworten“ diesmal Exporo-Chef Simon Brunke um Stellungnahme zu bitten. Schließlich ist das Hamburger Startup (das bislang jeden Schwarm-Euro verzinst zurückgezahlt hat) der mit Abstand wichtigste Player im Markt.

1.) Dem Markt für Immobilien-Crowdinvesting droht der erste Ausfall. Was bedeutet das für die boomende Branche?

Brunke: Wir hoffen, dass dies ein rechtzeitiges Warnzeichen für jede Plattform ist, bei jedem Projekt gründlich zu prüfen und offen zu kommunizieren. Der Trend direkter und online-gestützter Investments wird dadurch aber nicht beeinträchtigt. Dennoch ist es natürlich ein kleiner Dämpfer.

2.) Es klingt immer so, als wäre es gottgegeben, dass der Schwarm im Nachrang steht. Können Sie die Investments nicht anders strukturieren?

Brunke: Selbstverständlich geht das und wird auch erfolgen. Das Nachrangdarlehen war ein gutes und effizientes Vehikel, um kleinere Projekte zu finanzieren und wird es auch bleiben. Wichtig ist dennoch, möglichst viele Sicherheiten vollstreckbar zu vereinbaren. Darüber hinaus wird Exporo sehr zeitnah die Prinzipien des Crowdinvestings auf den voll-regulierten Markt übertragen.

3.) Wenn die Erde keine Scheibe ist, dann wird es – trotz Ihres bislang makellosen Track Records – irgendwann auch Exporo mal erwischen. Was machen Sie dann?

Brunke: Wir werden immer offen mit unseren Projekten – sowohl positiv als auch negativ – umgehen. Das ist für uns selbstverständlich. Für uns ist wichtig, dass der Kleinanleger auf viele Projekte streut, um alleine damit schon das Risiko zu minimieren. In jedem Fall werden wir aber im Vorwege – z.B. durch genaue Prüfung und fortlaufendes Tracking – alles versuchen, einen potentiellen Ausfall zu verhindern.

(Anm. der Redaktion: Die Kurzinterviews in unserer Rubrik „Drei Fragen, drei Antworten“ werden i.d.R. schriftlich geführt. So war das auch in diesem Fall.)

Newsletter 21/09/17: Fintech-Trends, Unicredit/Commerzbank, Holvi

Die Europäisierung der Fintech-Branche

Es ist bloß eine kleine Nachricht – aber sie könnte für einen hochinteressanten Trend stehen: Das Berliner Finanz-Startup Raisin („Weltsparen.de“) hat den britischen Konkurrenten PBF Solutions übernommen. Denkt man da nicht gleich an ein anderes Hauptstadt-Fintech, nämlich SumUp? Der Kartenlese-Spezialist hatte jüngst verkündet, nach Skandinavien zu expandieren, obwohl dort mit iZettle bereits ein mächtiger Konkurrent wartet. Umgekehrt (siehe unsere Exklusiv-News weiter unten) macht sich hierzulande jetzt die finnische Freelancer-Bank Holvi breit und heizt damit dem deutschen Platzhirsch Kontist ein. Dazu passt, dass der „Country Manager DACH“ des britischen N26-Pendants Revolut diese Woche fröhlich rumzwitscherte, man sei „growing like crazy in Germany“. Wenn nicht alles täuscht, dann hat die Europäisierung der Fintech-Branche so richtig Fahrt aufgenommen. Es heißt jetzt nicht mehr nur Startups gegen Banken. Sondern Fintechs gegen Fintechs.

Finanz-Szene.de (Analyse), Handelsblatt/Gründerszene (News)

Will Unicredit die Commerzbank kaufen?

Es wird nicht heute und nicht morgen passieren – aber vielleicht in ein bis zwei Jahren? Wie „Reuters“  einigermaßen glaubhaft berichtet, haben Vertreter der Unicredit in Berlin wegen eines möglichen Zusammenschlusses mit der Commerzbank vorgefühlt (womit dann hierzulande neben der Deutschen Bank eine „Deutsche Superbank“ aus HVB und Coba entstünde). Dass das Ganze nicht wirklich akut sein kann, erkennt man schon daran, dass der Großaktionär Bund erstmal einen neuen CEO wählt, bevor überhaupt irgendwas geht. Und: Wenn die Bundesregierung wirklich nicht unter 18 Euro verkaufen will, wie das „Handelsblatt“ heute Früh schreibt – dann hat der Aktienkurs auch noch ein paar Meter zurückzulegen. Gestern, immerhin, stiegen die Coba-Anteile getrieben durch den „Reuters“-Scoop aber schon mal um 2,41 Prozent auf 10,84 Euro. Reuters/Handelsblatt, Aktienkurs

News

Frankfurts Chancen auf EBA-Ansiedlung schwinden: Die Pläne für eine Fusion der drei europäischen Finanzaufsichtsbehörden sind vom Tisch. Damit geht wohl auch das Kalkül der Bundesregierung nicht auf, die Londoner Bankenaufsicht EBA mit der ohnehin schon in Frankfurt ansässigen Versicherungsaufsicht Eiopa zusammenzulegen. Andere EBA-Kandidaten hätten nun bessere Chancen, urteilt die FAZ.

Neue Zweifel an Deutsche-Bank-Großaktionär: Diesmal geht es um einen HNA-Deal in der Schweiz – und um ein paar Fragen, die eine eidgenössische Behörde in diesem Zusammenhang hat … Süddeutsche

Paydirekt bekommt Konkurrenz: Der Benelux-Zahlungsdienstleister Payconiq will nach Deutschland expandieren. Pikant: Zu den Gesellschaftern gehört die niederländische ING Groep, deren Tochter ING Diba bei Paydirekt engagiert ist (und die gestern explizit erklärte, dies entgegen anders lautender Gerüchte auch bleiben zu wollen). Börsenzeitung (Paywall)

Edelkunden fliehen aus Flossbachs Parade-Fonds: Die eigene VV-Klientel genießt beim Kölner Fondshaus Vorzugsbehandlung (keine Performance-Fee, geringere Grundgebühren). Trotzdem – so hat „Fondsprofessionell“ recherchiert – kehren ausgerechnet diese Kunden dem zwölf Mrd. Euro schweren „FvS Multiple Opportunities“ den Rücken. Fondsprofessionell

Exklusiv – Finnen-Fintech Holvi attackiert Kontist: Die Freelancer-Bank baut ihr kleines Berliner Büro zu einer veritablen Deutschland-Dependance aus, verrät CEO Suominen gegenüber Finanz-Szene.de.

Online-Makler Getsafe kooperiert mit Munich Re: Das Heidelberger Insurtech will vom Münchner Dax-Konzern Versicherungslizenzen „mieten“ und auf diesem Wege künftig auch eigene Policen anbieten. Gründerszene

Lesetipps

Frankfurts verzweifelter Kampf um die Fintechs: Die Bankenstadt hat den Startup-Boom lange verschlafen, schreibt SZ-Redakteur Jan Willmroth – ist es jetzt womöglich schon zu spät? Sueddeutsche

Wo sollen die 10% RoE denn herkommen? Die Deutsche Bank hat kein hochprofitables heimisches Retailgeschäft (wie z.B. Barclays), sie hat kein prosperierendes Wealth Management (wie z.B. die Credit Suisse) – dafür aber ist sie ausgerechnet da groß, wo die Renditen momentan für alle Banken klein sind (sprich: im FICC-Bereich). Breakingviews

Geht Inkasso auch ohne einzuschüchtern? Die Branche müsse „weg von der Drohkulisse“, sagt Stephan Stricker, Chef des Geldeintreib-Fintechs Pair Finance. Dank moderner Verhaltensforschung, künstlicher Intelligenz und Big Data sei es heutzutage möglich, den Kunden viel individueller (und offenbar auch netter) anzusprechen als früher. Motto: „Hey, hast Du Deine Rechnung noch nicht bezahlt?“ Handelsblatt

Beyond .de

Das ist gestern Abend bei der Fed-Sitzung rumgekommen: Im Oktober beginnt  der Ausstieg aus QE (der sich über rund zwei Jahre erstrecken soll), im Dezember folgt (vermutlich) die nächste Zinserhöhung. Also alles wie erwartet. FAZ

Nächster Payment-Milliardendeal in Europa? Der Schweizer Börsenkonzern SIX lotet nach „Reuters“-Informationen die Abspaltung seines Kartenzahl-Geschäfts aus. Potenzieller Erlös: Bis zu zwei Mrd. Franken. Handelsblatt

Zweite russische Großbank bettelt um Hilfe: Nach der Otkritie (das siebtgrößte Institut des Landes) will nun auch die B&N Bank (das zwölftgrößte Institut des Landes) auf den staatlichen Notfallfonds zugreifen. Dräut die nächste russische Bankenkrise? Das hätte gerade noch gefehlt. Reuters

Geht die Bawag schon im Oktober an die Börse? Die Entscheidung über einen IPO der österreichischen Großbank (die mithilfe ihres Haupteigners Cerberus ja auch in Deutschland ordentlich wildert) soll unmittelbar bevorstehen. Kurier

Karriere

Acht Tipps, wie Sie einen Brexit-Bank-Job bekommen: 1.) Bewerben Sie sich auf Englisch, aber bitte gemäß deutschen Formalien. 2.) Bringen Sie wegen der sog. Social-Media-Auffindbarkeit irgendwie das Wort „Frankfurt“ in Ihrem Linkedin-Profil unter (selbst wenn Sie eigentlich in, sagen wir, Düsseldorf arbeiten). Und die sechs anderen Tipps? Lesen Sie hier: efinancialcareers

Klickfavorit

Sollten gestern Früh bei einer bekannten Berliner Smartphonk-Bank die Server zusammengebrochen sein – nostra culpa. Die Verlinkung des Lebenslaufs des neuen Chief Technology Officers von N26 wurde nämlich geklickt wie Bolle. Eine verrückte (aber offenbar komplett reale) Vorstellung ist das: Wie so ein gestandener Frankfurter Hinterzimmer-Banker morgens beim Frühstück nichts Besseres zu tun hat, als auf seinem Smartphone die Vita eines 35-jährigen britisch-australischen Technerds namens Patrick Kua zu durchstöbern. N26-Pressemitteilung als PDF

Newsletter 21/09/17: Unicredit/Coba, Rückschlag für Finanzplatz, Fintech-Trends

Will Unicredit die Commerzbank kaufen?

Es wird nicht heute und nicht morgen passieren – aber vielleicht in ein bis zwei Jahren? Wie „Reuters“  einigermaßen glaubhaft berichtet, haben Vertreter der Unicredit in Berlin wegen eines möglichen Zusammenschlusses mit der Commerzbank vorgefühlt (womit dann hierzulande neben der Deutschen Bank eine „Deutsche Superbank“ aus HVB und Coba entstünde). Dass das Ganze nicht wirklich akut sein kann, erkennt man schon daran, dass der Großaktionär Bund erstmal einen neuen CEO wählt, bevor überhaupt irgendwas geht. Und: Wenn die Bundesregierung wirklich nicht unter 18 Euro verkaufen will, wie das „Handelsblatt“ heute Früh schreibt – dann hat der Aktienkurs auch noch ein paar Meter zurückzulegen. Gestern, immerhin, stiegen die Coba-Anteile getrieben durch den „Reuters“-Scoop aber schon mal um 2,41 Prozent auf 10,84 Euro.

Reuters/Handelsblatt, Aktienkurs

Die Europäisierung der Fintech-Branche

Es ist bloß eine kleine Nachricht – aber sie könnte für einen hochinteressanten Trend stehen: Das Berliner Finanz-Startup Raisin („Weltsparen.de“) hat den britischen Konkurrenten PBF Solutions übernommen. Denkt man da nicht gleich an ein anderes Hauptstadt-Fintech, nämlich SumUp? Der Kartenlese-Spezialist hatte jüngst verkündet, nach Skandinavien zu expandieren, obwohl dort mit iZettle bereits ein mächtiger Konkurrent wartet. Umgekehrt (siehe unsere Exklusiv-News weiter unten) macht sich hierzulande jetzt die finnische Freelancer-Bank Holvi breit und heizt damit dem deutschen Platzhirsch Kontist ein. Dazu passt, dass der „Country Manager DACH“ des britischen N26-Pendants Revolut diese Woche fröhlich rumzwitscherte, man sei „growing like crazy in Germany“. Wenn nicht alles täuscht, dann hat die Europäisierung der Fintech-Branche so richtig Fahrt aufgenommen. Es heißt jetzt nicht mehr nur Startups gegen Banken. Sondern Fintechs gegen Fintechs. Finanz-Szene.de (Analyse), Handelsblatt/Gründerszene (News)

News

Frankfurts Chancen auf EBA-Ansiedlung schwinden: Die Pläne für eine Fusion der drei europäischen Finanzaufsichtsbehörden sind vom Tisch. Damit geht wohl auch das Kalkül der Bundesregierung nicht auf, die Londoner Bankenaufsicht EBA mit der ohnehin schon in Frankfurt ansässigen Versicherungsaufsicht Eiopa zusammenzulegen. Andere EBA-Kandidaten hätten nun bessere Chancen, urteilt die FAZ.

Neue Zweifel an Deutsche-Bank-Großaktionär: Diesmal geht es um einen HNA-Deal in der Schweiz – und um ein paar Fragen, die eine eidgenössische Behörde in diesem Zusammenhang hat … Süddeutsche

Paydirekt bekommt Konkurrenz: Der Benelux-Zahlungsdienstleister Payconiq will nach Deutschland expandieren. Pikant: Zu den Gesellschaftern gehört die niederländische ING Groep, deren Tochter ING Diba bei Paydirekt engagiert ist (und die gestern explizit erklärte, dies entgegen anders lautender Gerüchte auch bleiben zu wollen). Börsenzeitung (Paywall)

Edelkunden fliehen aus Flossbachs Parade-Fonds: Die eigene VV-Klientel genießt beim Kölner Fondshaus Vorzugsbehandlung (keine Performance-Fee, geringere Grundgebühren). Trotzdem – so hat „Fondsprofessionell“ recherchiert – kehren ausgerechnet diese Kunden dem zwölf Mrd. Euro schweren „FvS Multiple Opportunities“ den Rücken. Fondsprofessionell

Exklusiv – Finnen-Fintech Holvi attackiert Kontist: Die Freelancer-Bank baut ihr kleines Berliner Büro zu einer veritablen Deutschland-Dependance aus, verrät CEO Suominen gegenüber Finanz-Szene.de.

Lesetipps

Frankfurts verzweifelter Kampf um die Fintechs: Die Bankenstadt hat den Startup-Boom lange verschlafen, schreibt SZ-Redakteur Jan Willmroth – ist es jetzt womöglich schon zu spät? Sueddeutsche

Wo sollen die 10% RoE denn herkommen? Die Deutsche Bank hat kein hochprofitables heimisches Retailgeschäft (wie z.B. Barclays), sie hat kein prosperierendes Wealth Management (wie z.B. die Credit Suisse) – dafür aber ist sie ausgerechnet da groß, wo die Renditen momentan für alle Banken klein sind (sprich: im FICC-Bereich). Breakingviews

Geht Inkasso auch ohne einzuschüchtern? Die Branche müsse „weg von der Drohkulisse“, sagt Stephan Stricker, Chef des Geldeintreib-Fintechs Pair Finance. Dank moderner Verhaltensforschung, künstlicher Intelligenz und Big Data sei es heutzutage möglich, den Kunden viel individueller (und offenbar auch netter) anzusprechen als früher. Motto: „Hey, hast Du Deine Rechnung noch nicht bezahlt?“ Handelsblatt

Beyond .de

Das ist gestern Abend bei der Fed-Sitzung rumgekommen: Im Oktober beginnt  der Ausstieg aus QE (der sich über rund zwei Jahre erstrecken soll), im Dezember folgt (vermutlich) die nächste Zinserhöhung. Also alles wie erwartet. FAZ

Nächster Payment-Milliardendeal in Europa? Der Schweizer Börsenkonzern SIX lotet nach „Reuters“-Informationen die Abspaltung seines Kartenzahl-Geschäfts aus. Potenzieller Erlös: Bis zu zwei Mrd. Franken. Handelsblatt

Zweite russische Großbank bettelt um Hilfe: Nach der Otkritie (das siebtgrößte Institut des Landes) will nun auch die B&N Bank (das zwölftgrößte Institut des Landes) auf den staatlichen Notfallfonds zugreifen. Dräut die nächste russische Bankenkrise? Das hätte gerade noch gefehlt. Reuters

Geht die Bawag schon im Oktober an die Börse? Die Entscheidung über einen IPO der österreichischen Großbank (die mithilfe ihres Haupteigners Cerberus ja auch in Deutschland ordentlich wildert) soll unmittelbar bevorstehen. Kurier

Karriere

Acht Tipps, wie Sie einen Brexit-Bank-Job bekommen: 1.) Bewerben Sie sich auf Englisch, aber bitte gemäß deutschen Formalien. 2.) Bringen Sie wegen der sog. Social-Media-Auffindbarkeit irgendwie das Wort „Frankfurt“ in Ihrem Linkedin-Profil unter (selbst wenn Sie eigentlich in, sagen wir, Düsseldorf arbeiten). Und die sechs anderen Tipps? Lesen Sie hier: efinancialcareers

Klickfavorit

Sollten gestern Früh bei einer bekannten Berliner Smartphonk-Bank die Server zusammengebrochen sein – nostra culpa. Die Verlinkung des Lebenslaufs des neuen Chief Technology Officers von N26 wurde nämlich geklickt wie Bolle. Eine verrückte (aber offenbar komplett reale) Vorstellung ist das: Wie so ein gestandener Frankfurter Hinterzimmer-Banker morgens beim Frühstück nichts Besseres zu tun hat, als auf seinem Smartphone die Vita eines 35-jährigen britisch-australischen Technerds namens Patrick Kua zu durchstöbern. N26-Pressemitteilung als PDF

Analyse: Die Europäisierung der Fintech-Branche

Von Heinz-Roger Dohms

Einerseits ist es nur eine kleine Nachricht – andererseits könnte sie aber für einen interessanten Trend stehen. Nämlich für die allmähliche Europäisierung der anfangs ja doch eher entlang der Landesgrenzen aufgestellten Fintech-Branche (weniger verschwurbelt ausgedrückt könnte man auch sagen: Die B2C-Finanz-Startups treten jetzt nicht mehr nur gegen die heimische Banken an, sondern auch gegen die eigene europäische Sippschaft).

Was ist passiert? Die Nachricht lautet, dass das Berliner Fintech Raisin („Weltsparen.de“) den britischen Konkurrenten PBF Solutions übernommen hat. Das ist einerseits eine neue Entwicklung. Denn bislang war es eher so, dass deutsche von ausländischen Fintechs geschluckt wurden, zum Beispiel Zencap von Fundings Circle oder Sofortüberweisung und Billpay von Klarna. Andererseits: So neu ist die Entwicklung nun auch wieder nicht. Denn eine Akquisition ist ja zunächst mal nur ein Mittel der Expansion. Und über die Grenzen hinweg expandieren (allerdings meist ohne zu akquirieren) tun die Fintechs momentan wie wild.

Ist die Europäisierung die richtige Strategie? Schaun mer mal. Erinnert sei an Check24, das heimliche Vorbild vieler Finanz-Gründer. Soweit wir das erkennen können, ist der Münchner Gigant bis heute nur in Deutschland tätig (und vermutlich nicht aus Dummheit, sondern aus guten Gründen). Genau das gleiche gilt für Ur-Fintechs wie Smava oder Auxmoney. Und Kreditech musste für seine übereilte Auslandsexpansion 2015 bekanntlich teuer bezahlen.

Exklusiv: Finnen-Fintech Holvi baut Deutschland-Präsenz aus

Von Heinz-Roger Dohms

Das finnische Fintech Holvi – eine Art N26 für Selbständige und Geschäftskunden – will sein kleines Berliner Büro zu einer richtigen Deutschland-Dependance ausbauen. „Wir planen, die Mitarbeiterzahl bis Jahresende von zuletzt zwei auf zehn Mitarbeiter zu erhöhen“, erklärte CEO Antti-Jussi Suominen gegenüber Finanz-Szene.de. Damit begibt sich  das skandinavische Startup in direkte Konkurrenz zum Berliner Fintech Kontist, das mehr oder weniger auf die gleiche Klientel zielt. Was den Kontist-Leuten zu denken geben sollte: Letztes Jahr war die spanische Großbank BBVA dick bei Holvi eingestiegen. Entsprechend tief dürften die Taschen der Finnen sein.

Was Suominen sonst noch zu seinen Deutschland-Plänen verraten hat? Finanz-Szene.de fasst die wichtigsten Aussagen zusammen:

  • „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren das Fundament für unseren Erfolg in Deutschland geschaffen und sind jetzt bereit, den nächsten Schritt zu machen. Gerade für die letzten Monate verzeichnen wir einen starken Anstieg an Neukunden, von denen rund 80 Prozent aus Deutschland und Österreich kommen – es gibt aber noch Platz für Wachstum. In den nächsten Jahren wollen wir Holvi zum führenden Financial Hub für Freelancer und Selbstständige ausbauen.“
  • „Deutschland ist ein wichtiger Markt für Holvi. Sieht man sich die Entwicklung des letzten Jahrzehnts in Deutschland an, so ist die Anzahl der Selbständigen im Vergleich zu den Arbeitnehmern überproportional gestiegen und beläuft sich auf über fünf Millionen.“

 

Newsletter 20/09/17: Deutsche Bank, Sparkassen-Erträge, Immo-Crowd-Pleite

„Die Deutsche Bank braucht ein Wunder“

Das größte deutsche Geldhaus ist in der jüngeren Vergangenheit ja von einigen Analysten abgewatscht worden. Aber so? Stuart Graham, streitbarer Chef der Londoner Researchfirma „Autonomous“, argwöhnt in seiner neuen Studie, die Deutsche Bank sei womöglich „nicht mehr zu reparieren“ – es sei denn, es geschehe „ein Wunder“. Dabei hat es Graham laut „Bloomberg“ bei seiner Kritik vor allem auf die einstige Cash Cow des Instituts abgesehen, nämlich den Handel mit Anleihen und Devisen. Dieser Bereich falle als Erlösquelle aus, schreibt Graham, zu weit sei die Deutsche Bank inzwischen hinter die Konkurrenz von der Wall Street zurückgefallen. Als Beleg führt er die (angeblich) viel zu niedrigen IT-Ausgaben des Frankfurter Instituts an. Rivale JP Morgan investiere fast doppelt so viel.

Bloomberg, Seeking Alpha

Das Gebühren-Hämmerchen der Sparkässchen

Wie gestern berichtet, ist der Provisionsüberschuss der deutschen Banken im vergangenen Jahr von 30,5 auf 29,8 Mrd. Euro zurückgegangen. Nicht jeden da draußen mag diese Nachricht elektrisieren – uns schon. Darum legen wir mithilfe der Datenspezialisten von Barkow Consulting heute gleich mal mit der Detailanalyse nach. Also, auf geht’s: 1.) Während die Provisionen der Großbanken eingebrochen sind, konnten die Genos ihr Ergebnis halten, die Sparkassen ihres sogar weiter steigern. Heißt: Im Retailbanking sind die Provisionen nicht wirklich zurückgegangen. 2.) Obwohl die Sparkassen zulegten, kann von einem „Gebühren-Hammer“ („Bild“) keine Rede sein. Umgelegt auf die rund 50 Mio. Sparkassen-Kunden zahlte jeder im Schnitt gut 30 Cent mehr im Monat (die Gebührenerhöhungen aus 2017 sind hier freilich noch nicht drin). 3.) Wie die Langfrist-Grafik von Barkow zeigt, haben Sparkassen und Genos ihre Provisionseinnahmen seit 2006 signifikant gesteigert – ganz anders als die Großbanken. Barkow Consulting

News

Wo die Deutsche Bank noch richtig gr0ß ist: Sollen die Stuart Grahams dieser Welt doch sagen, was sie wollen – zumindest auf dem New Yorker Immobilienmarkt macht den Deutschbankern niemand was vor (auch wenn einer ihrer besten Kunden jetzt in Washington lebt). Financial Times (Paywall)

Vergibt Varengold nun Marketplace-Kredite in UK? Laut „Bloomberg“ will die Hamburger Varengold-Bank über ein Londoner Online-Kredit-Portal namens MarketInvoice jährlich 45 Mio. Pfund an britische Kleinunternehmer vergeben. Gemessen an der Varengold-Bilanzsumme (rund 600 Mio. Euro Ende 2015) klingt das ganz schön sportlich. Aber wenn „Bloomberg“ es sagt …  Bloomberg

Immobilien-Crowdinvesting verliert seine Unschuld: Dem Boom-Markt droht die erste Pleite. Es geht um ein 7,5 Mio.-Euro-Projekt in Berlin, zu dem der Schwarm 1,25 Mio. Euro beigesteuert hatte. Der Anbieter? Zinsland aus Hamburg. Manager Magazin

Lesetipps

Warum es so viele Sparkassen-Skandale gibt: Die „Wirtschaftswoche“ kommt zu der – erstmal nicht sehr originellen – Vermutung, dass dies mit der engen politischen Verflechtung zu tun haben könnte. Spannend ist allerdings, wie Autor Mark Fehr die These u.a. begründet: Ausgerechnet jene beiden großen Sparkassen, die dem direkten Zugriff ihrer Kommunen entzogen sind (nämlich die in Hamburg und die Frankfurt), „arbeiten auffällig skandalfrei“, schreibt er. Ist was dran. Wiwo

[Jede weitere Berichterstattung zum Sparkasse-Köln-Bonn-Gustav-Adolf-Schröder-Josef-Esch-Prozess sparen wir uns übrigens. Sorry – aber es interessiert uns einfach nicht. Mögen die Richter weise urteilen.]

Karriere

Was so ein N26-Manager für eine Vita hat … Bei aller Liebe zur Fintech-Community-Meldung: Wenn N26 einen neuen Chief Technology Officer einstellt, dann ist das nicht mal uns eine Nachricht wert. Andererseits: Vielleicht lesen Sie sich die entsprechende Pressemitteilung ja doch mal durch. Denn: Was manche dieser Fintech-Banker so für Lebensläufe haben (und was da für seltsame Wörter in der Vita vorkommen) – da staunt man als Analog-Banker dann doch ganz schön. Pressemitteilung als PDF

Klickfavorit

… war gestern unsere exklusive Analyse der delikaten Gemengelage beim Multibanking-Fintech Outbank. Finanz-Szene.de

Newsletter 20/09/17: N26, Deutsche Bank, Erste Immo-Crowd-Pleite

„Die Deutsche Bank braucht ein Wunder“

Das größte deutsche Geldhaus ist in der jüngeren Vergangenheit ja von einigen Analysten abgewatscht worden. Aber so? Stuart Graham, streitbarer Chef der Londoner Researchfirma „Autonomous“, argwöhnt in seiner neuen Studie, die Deutsche Bank sei womöglich „nicht mehr zu reparieren“ – es sei denn, es geschehe „ein Wunder“. Dabei hat es Graham laut „Bloomberg“ bei seiner Kritik vor allem auf die einstige Cash Cow des Instituts abgesehen, nämlich den Handel mit Anleihen und Devisen. Dieser Bereich falle als Erlösquelle aus, schreibt Graham, zu weit sei die Deutsche Bank inzwischen hinter die Konkurrenz von der Wall Street zurückgefallen. Als Beleg führt er die (angeblich) viel zu niedrigen IT-Ausgaben des Frankfurter Instituts an. Rivale JP Morgan investiere fast doppelt so viel.

Bloomberg, Seeking Alpha

Das Gebühren-Hämmerchen der Sparkässchen

Wie gestern berichtet, ist der Provisionsüberschuss der deutschen Banken im vergangenen Jahr von 30,5 auf 29,8 Mrd. Euro zurückgegangen. Nicht jeden da draußen mag diese Nachricht elektrisieren – uns schon. Darum legen wir mithilfe der Datenspezialisten von Barkow Consulting heute gleich mal mit der Detailanalyse nach. Also, auf geht’s: 1.) Während die Provisionen der Großbanken eingebrochen sind, konnten die Genos ihr Ergebnis halten, die Sparkassen ihres sogar weiter steigern. Heißt: Im Retailbanking sind die Provisionen nicht wirklich zurückgegangen. 2.) Obwohl die Sparkassen zulegten, kann von einem „Gebühren-Hammer“ („Bild“) keine Rede sein. Umgelegt auf die rund 50 Mio. Sparkassen-Kunden zahlte jeder im Schnitt gut 30 Cent mehr im Monat (die Gebührenerhöhungen aus 2017 sind hier freilich noch nicht drin). 3.) Wie die Langfrist-Grafik von Barkow zeigt, haben Sparkassen und Genos ihre Provisionseinnahmen seit 2006 signifikant gesteigert – ganz anders als die Großbanken. Barkow Consulting

News

Vergibt Varengold nun Marketplace-Kredite in UK? Laut „Bloomberg“ will die Hamburger Varengold-Bank über ein Londoner Online-Kredit-Portal namens MarketInvoice jährlich 45 Mio. Pfund an britische Kleinunternehmer vergeben. Gemessen an der Varengold-Bilanzsumme (rund 600 Mio. Euro Ende 2015) klingt das ganz schön sportlich. Aber wenn „Bloomberg“ es sagt …  Bloomberg

Immobilien-Crowdinvesting verliert seine Unschuld: Dem Boom-Markt droht die erste Pleite. Es geht um ein 7,5 Mio.-Euro-Projekt in Berlin, zu dem der Schwarm 1,25 Mio. Euro beigesteuert hatte. Der Anbieter? Zinsland aus Hamburg. Manager Magazin

Wo die Deutsche Bank noch richtig gr0ß ist: Sollen die Stuart Grahams dieser Welt doch sagen, was sie wollen – zumindest auf dem New Yorker Immobilienmarkt macht den Deutschbankern niemand was vor (auch wenn einer ihrer besten Kunden jetzt in Washington lebt). Financial Times (Paywall)

Karriere

Was so ein N26-Manager für eine Vita hat … Bei aller Liebe zur Fintech-Community-Meldung: Wenn N26 einen neuen Chief Technology Officer einstellt, dann ist das nicht mal uns eine Nachricht wert. Andererseits: Vielleicht lesen Sie sich die entsprechende Pressemitteilung ja doch mal durch. Denn: Was manche dieser Fintech-Banker so für Lebensläufe haben (und was da für seltsame Wörter in der Vita vorkommen) – da staunt man als Analog-Banker dann doch ganz schön. Pressemitteilung als PDF

Lesetipps

Warum es so viele Sparkassen-Skandale gibt: Die „Wirtschaftswoche“ kommt zu der – erstmal nicht sehr originellen – Vermutung, dass dies mit der engen politischen Verflechtung zu tun haben könnte. Spannend ist allerdings, wie Autor Mark Fehr die These u.a. begründet: Ausgerechnet jene beiden großen Sparkassen, die dem direkten Zugriff ihrer Kommunen entzogen sind (nämlich die in Hamburg und die Frankfurt), „arbeiten auffällig skandalfrei“, schreibt er. Ist was dran. Wiwo

[Jede weitere Berichterstattung zum Sparkasse-Köln-Bonn-Gustav-Adolf-Schröder-Josef-Esch-Prozess sparen wir uns übrigens. Sorry – aber es interessiert uns einfach nicht. Mögen die Richter weise urteilen.]

Klickfavorit

… war gestern unsere exklusive Analyse der delikaten Gemengelage beim Multibanking-Fintech Outbank. Finanz-Szene.de

Newsletter 19/09/17: Die Krise in Zahlen, Deutsche-Bank-Krimi, Blockchain

So schlimm ist die deutsche Bankenkrise wirklich

Die Bundesbank hat gestern die 2016er-Zahlen zur Ertragslage der deutschen Banken veröffentlicht. Was sind die wesentlichen Erkenntnisse? 1.) Die operativen Erträge sind zwar minimal auf 128,1 Mrd. Euro gestiegen, bereinigt um Einmaleffekte (vor allem: mehrere Milliarden durch die Neubewertung von Pensionsverpflichtungen) sähe das Ganze aber sehr viel schlechter aus. 2.) Bei den Sparkassen, die wir hier mal pars pro toto nehmen, ist der Zinsüberschuss erstmals seit Beginn der „Zinskrise“ unter 23 Mrd. Euro gesunken. Heißt: Der Einbruch der Zinserträge lässt sich nicht länger durch die Steigerung des Kreditvolumens und geringere Zinsaufwendungen kompensieren. 3.) Der Provisionsüberschuss – auf den ja jetzt alle setzen – ist über alle Banken hinweg nicht etwa gestiegen, sondern von 30,5 auf 29,8 Mrd. Euro gefallen. Autsch!

Monatsbericht (PDF), Börsenzeitung (Paywall)

News

Bundesbank erteilt Blockchain ihren Segen: Die neue Technologie könne für mehr Transparenz und mehr Sicherheit sorgen, urteilen die Notenbanker in ihrem Monatsbericht. Für ein Allheilmittel halten sie die Blockkette allerdings nicht. Bundesbank

Was ist die Wahrheit in Sachen Kontowechsel? Keine Woche ohne neue Studie zu dem Thema. Laut Verbraucherzentralen haben nur zwei Prozent aller deutschen Bankkunden in den vergangenen zwölf Monaten ihr Konto gewechselt (während andere Umfragen auf deutlich höhere Werte kommen). Wenn irgendjemand da draußen weiß, wie man die Zahlen faktenbasiert statt umfragebasiert ermitteln kann – wir wären extremst interessiert. Handelsblatt

„Jeder Typ, den ich kenne, will jetzt einen ICO machen“: Dieses Zitat stammt … naaa? Vom Präsidenten des Bundesverbands Blockchain. Kann man schöner ausdrücken, dass es da draußen vielleicht doch gaaaanz zarte Tendenzen einer Krypto-Blase gibt? Gründerszene

Bis zu 40 Millionen Euro Bonus für Kengeter? Im (aus Sicht des Deutsche-Börse-Chefs) günstigsten Fall gibt sein Vertrag das offenbar her. Darum plant der Aufsichtsrat die Vergütung nun neu zu regeln. Manager Magazin

Lesetipps

Auf den Spuren des größten Deutsche-Bank-Aktionärs: Die „Süddeutsche Zeitung“ räumt für den mysteriösen chinesischen Investor HNA heute ihre komplette Seite 3 frei. Und verspricht einen „Krimi“. Süddeutsche

Wie die „Konsumerisierung“ das Edel-Banking erreicht: Der digital geprägte Endkunde verlangt die besten Produkte zum billigsten Preis. Diesem Trend müssen sich auch die Vermögensverwalter stellen, erläutern Prof. Dr. Ernst Mohr und Robert Ruttmann vom Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen. NZZ

Die versteckte Gefahr des Smartphone-Bankings: Sind Spareinlagen weniger anfällig für einen Bank-Run, als es Wholesale-Funding ist? In Zeiten von Online- und Mobile-Konten (und Cyber-Crime …) nicht wirklich, urteilt die Financial Times (Paywall).

So will Amsterdam Frankfurt Konkurrenz machen: Im Rennen um die Brexit-Banker setzt die niederländische Finanzmetropole unter anderem auf ihre internationalen Schulen und die (angeblich!!!) höhere Lebensqualität. efinancialcareers

Hintergrund Deutsche Bank

Vorstand und Aufsichtsrat des größten deutschen Geldhauses befinden sich seit gestern Früh (und auch heute noch) in Klausur. Es geht, mal wieder – um die Strategie. Nun ist newsmäßig von dem Treffen zwar nicht arg viel zu erwarten, zumal die Vizechefs Sewing und Schenck am Wochenende via „Welt“-Interview ja schon die Richtung vorgegeben haben (Heimat, Heimat, Heimat). Trotzdem wollen wir den Anlass nutzen, um Sie in Sachen Deutsche-Bank-Strategie auf den neuesten Stand zu bringen.

  • „Die Heimatgetriebenen“: „Capital“ erläuterte kürzlich, warum die Heimat-Strategie der Deutschen Bank, wenn auch aus der Not geboren, so doch nicht ohne Ratio ist. Das Kalkül: Der Profit Pool im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft betrage summa summarum rund 20 Mrd. Euro (netto). Wenn es der Deutschen Bank gelinge, sich daraus ein sattes Stück abzuschneiden, sei schon viel gewonnen. Capital
  • Frankfurt statt London: Was genau hat eigentlich Marcus Schenck, der oberste Chef des Investmentbankings, mit „seinem“ Teil der Instituts vor? Grob gesagt sollen das Corporate Banking (und damit Frankfurt) wichtiger, der Handel (und damit London) weniger wichtig werden, analysiert „Bloomberg“. Kurzfassung, Langfassung
  • Fast alles hängt am IPO: Das Asset Management (mit der DWS) soll möglichst schon 2018 an die Börse, deutete Spartenchef Nicolas Moreau jüngst im „Handelsblatt“ an. Warum der IPO – jedenfalls gemessen am erhofften Erlös – allerdings kein Selbstgänger wird, analysierte unlängst das „Manager Magazin“.
  • Und hinterm Horizont? Bei aller ja auch manchmal rituellen Kritik an der Deutschen Bank: Das Sparprogramm „Horizon“, das unter anderem die Schließung von rund 200 Stellen vorsah, ist weitgehend abgeschlossen (und das mehr oder weniger geräuschfrei). Im operativen Geschäft hingegen gehe kaum etwas voran, schreibt die „Wirtschaftswoche“.

Der Bitcoin-Clash

Drohen Sie in Sachen Krypto auch den Überblick zu verlieren? Hier eine kurze Zusammenfassung der turbulenten letzten Tage: Nachdem JP-Morgan-Chef Dimon angekündigt hatte, jeden Händler rauszuwerfen, den er beim Bitcoin-Handel erwischt, behaupten die renommierten Blogger von Zerohedge, dass JP Morgan genau das tue – nämlich mit Bitcoins handeln +++ In China hat jetzt auch die zweite große Bitcoin-Börse auf Druck der Behörden dichtgemacht, weitere dürften folgen +++  Die Bitcoin-Community schießt aus allen virtuellen Rohren gegen den JP-Morgan-Chef +++ Viel spannender allerdings: Zwei der wichtigsten Bitcoin-Protagonisten, nämlich Fintech-Guru Chris Skinner und Ex-UBS-CIO Oliver Bussmann, geben es sich bei Twitter inzwischen auch untereinander +++ Und was sagen die Aufseher zu all dem? Die BIZ (so etwas wie die Zentralbank der Zentralbanken) mahnt, den Bitcoin nicht länger zu ignorieren

Analyse – Das delikateste deutsche Fintech

Das delikateste deutsche FintechEine neue Chefin, ein nur halb ausgeschiedener Gründer – und zwei Investoren mit Promi-Faktor: Die Konstellation beim Multibanking-Fintech Outbank ist durchaus delikat. Aus Anlass des Flirts mit der Quirin-Bank (wir berichteten exklusiv) eine Skizze der Gemengelage in fünf Punkten. Finanz-Szene.de

Klickfavorit

… war am Freitag unsere Reportage über die „neue Finanz-Community“. Davon abgesehen klafften die Interessen zwischen „Fintech-Lesern“ und „Banking-Lesern“ allerdings deutlich auseinander. Während die strebsamen Startup-Jungs (und -Mädels) auch das eher kleinteilige Interview mit dem Fino-Chef begierig lasen, klickte die Fressgass-Fraktion lieber auf den „Wurstsemmel-Banker“. Um ehrlich zu sein, liebe Banker: So wird das mit Euch nicht gut enden. Man kann nicht immer nur den Trash lesen.

Back-End

„Vergessen Sie mir Hamburg nicht“: Mit kaum verhohlener Jubelgeste hatten wir vergangene Woche berichtet, dass Frankfurt im „Global Financial Centres Index“ einen Sprung von Platz 23 auf Rang 11 gemacht hat. Einer unserer Lieblingsleser, nämlich Bernd Lüthje, Ex-Chef der NRW Bank (hier sein Wikipedia-Eintrag), machte uns allerdings darauf aufmerksam, dass wir eine mindestens ebenso wichtige News verpasst haben: Erstmals überhaupt taucht nämlich auch Hamburg in dem Ranking auf, und zwar auf Platz 67. „Immerhin vor Rom“, mailt uns Herr Lüthje, der – by the way – am 26. September in seiner Geburtsststadt Hamburg seinen 78. Geburtstag feiert.

In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser: Falls auch Sie einen namhaften Banker kennen, der sich für die FAZ noch deutlich zu jung fühlt – empfehlen Sie uns immer gerne weiter! (hier der Link zur kostenlosen Anmeldung)

Newsletter 19/09/17: Outbank-Analyse, Deutsche-Bank-Krimi, Bitcoin-Clash

So schlimm ist die deutsche Bankenkrise wirklich

Die Bundesbank hat gestern die 2016er-Zahlen zur Ertragslage der deutschen Banken veröffentlicht. Was sind die wesentlichen Erkenntnisse? 1.) Die operativen Erträge sind zwar minimal auf 128,1 Mrd. Euro gestiegen, bereinigt um Einmaleffekte (vor allem: mehrere Milliarden durch die Neubewertung von Pensionsverpflichtungen) sähe das Ganze aber sehr viel schlechter aus. 2.) Bei den Sparkassen, die wir hier mal pars pro toto nehmen, ist der Zinsüberschuss erstmals seit Beginn der „Zinskrise“ unter 23 Mrd. Euro gesunken. Heißt: Der Einbruch der Zinserträge lässt sich nicht länger durch die Steigerung des Kreditvolumens und geringere Zinsaufwendungen kompensieren. 3.) Der Provisionsüberschuss – auf den ja jetzt alle setzen – ist über alle Banken hinweg nicht etwa gestiegen, sondern von 30,5 auf 29,8 Mrd. Euro gefallen. Autsch!

Monatsbericht (PDF), Börsenzeitung (Paywall)

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Bundesbank erteilt Blockchain ihren Segen: Die neue Technologie könne für mehr Transparenz und mehr Sicherheit sorgen, urteilen die Notenbanker in ihrem Monatsbericht. Für ein Allheilmittel halten sie die Blockkette allerdings nicht. Bundesbank

Was ist die Wahrheit in Sachen Kontowechsel? Keine Woche ohne neue Studie zu dem Thema. Laut Verbraucherzentralen haben nur zwei Prozent aller deutschen Bankkunden in den vergangenen zwölf Monaten ihr Konto gewechselt (während andere Umfragen auf deutlich höhere Werte kommen). Wenn irgendjemand da draußen weiß, wie man die Zahlen faktenbasiert statt umfragebasiert ermitteln kann – wir wären extremst interessiert. Handelsblatt

„Jeder Typ, den ich kenne, will jetzt einen ICO machen“: Dieses Zitat stammt … naaa? Vom Präsidenten des Bundesverbands Blockchain. Kann man schöner ausdrücken, dass es da draußen vielleicht doch gaaaanz zarte Tendenzen einer Krypto-Blase gibt? Gründerszene

Bis zu 40 Millionen Euro Bonus für Kengeter? Im (aus Sicht des Deutsche-Börse-Chefs) günstigsten Fall gibt sein Vertrag das offenbar her. Darum plant der Aufsichtsrat die Vergütung nun neu zu regeln. Manager Magazin

Analyse – Das delikateste deutsche Fintech

Eine neue Chefin, ein nur halb ausgeschiedener Gründer – und zwei Investoren mit Promi-Faktor: Die Konstellation beim Multibanking-Fintech Outbank ist durchaus delikat. Aus Anlass des Flirts mit der Quirin-Bank (wir berichteten exklusiv) eine Skizze der Gemengelage in fünf Punkten. Finanz-Szene.de

Lesetipps

Auf den Spuren des größten Deutsche-Bank-Aktionärs: Die „Süddeutsche Zeitung“ räumt für den mysteriösen chinesischen Investor HNA heute ihre komplette Seite 3 frei. Und verspricht einen „Krimi“. Süddeutsche

Wie die „Konsumerisierung“ das Edel-Banking erreicht: Der digital geprägte Endkunde verlangt die besten Produkte zum billigsten Preis. Diesem Trend müssen sich auch die Vermögensverwalter stellen, erläutern Prof. Dr. Ernst Mohr und Robert Ruttmann vom Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen. NZZ

Die versteckte Gefahr des Smartphone-Bankings: Sind Spareinlagen weniger anfällig für einen Bank-Run, als es Wholesale-Funding ist? In Zeiten von Online- und Mobile-Konten (und Cyber-Crime …) nicht wirklich, urteilt die Financial Times (Paywall).

So will Amsterdam Frankfurt Konkurrenz machen: Im Rennen um die Brexit-Banker setzt die niederländische Finanzmetropole unter anderem auf ihre internationalen Schulen und die (angeblich!!!) höhere Lebensqualität. efinancialcareers

Der Bitcoin-Clash

Drohen Sie in Sachen Krypto auch den Überblick zu verlieren? Hier eine kurze Zusammenfassung der turbulenten letzten Tage: Nachdem JP-Morgan-Chef Dimon angekündigt hatte, jeden Händler rauszuwerfen, den er beim Bitcoin-Handel erwischt, behaupten die renommierten Blogger von Zerohedge, dass JP Morgan genau das tue – nämlich mit Bitcoins handeln +++ In China hat jetzt auch die zweite große Bitcoin-Börse auf Druck der Behörden dichtgemacht, weitere dürften folgen +++  Die Bitcoin-Community schießt aus allen virtuellen Rohren gegen den JP-Morgan-Chef +++ Viel spannender allerdings: Zwei der wichtigsten Bitcoin-Protagonisten, nämlich Fintech-Guru Chris Skinner und Ex-UBS-CIO Oliver Bussmann, geben es sich bei Twitter inzwischen auch untereinander +++ Und was sagen die Aufseher zu all dem? Die BIZ (so etwas wie die Zentralbank der Zentralbanken) mahnt, den Bitcoin nicht länger zu ignorieren

Hintergrund Deutsche Bank

Vorstand und Aufsichtsrat des größten deutschen Geldhauses befinden sich seit gestern Früh (und auch heute noch) in Klausur. Es geht, mal wieder – um die Strategie. Nun ist newsmäßig von dem Treffen zwar nicht arg viel zu erwarten, zumal die Vizechefs Sewing und Schenck am Wochenende via „Welt“-Interview ja schon die Richtung vorgegeben haben (Heimat, Heimat, Heimat). Trotzdem wollen wir den Anlass nutzen, um Sie in Sachen Deutsche-Bank-Strategie auf den neuesten Stand zu bringen.

  • „Die Heimatgetriebenen“: „Capital“ erläuterte kürzlich, warum die Heimat-Strategie der Deutschen Bank, wenn auch aus der Not geboren, so doch nicht ohne Ratio ist. Das Kalkül: Der Profit Pool im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft betrage summa summarum rund 20 Mrd. Euro (netto). Wenn es der Deutschen Bank gelinge, sich daraus ein sattes Stück abzuschneiden, sei schon viel gewonnen. Capital
  • Frankfurt statt London: Was genau hat eigentlich Marcus Schenck, der oberste Chef des Investmentbankings, mit „seinem“ Teil der Instituts vor? Grob gesagt sollen das Corporate Banking (und damit Frankfurt) wichtiger, der Handel (und damit London) weniger wichtig werden, analysiert „Bloomberg“. Kurzfassung, Langfassung
  • Fast alles hängt am IPO: Das Asset Management (mit der DWS) soll möglichst schon 2018 an die Börse, deutete Spartenchef Nicolas Moreau jüngst im „Handelsblatt“ an. Warum der IPO – jedenfalls gemessen am erhofften Erlös – allerdings kein Selbstgänger wird, analysierte unlängst das „Manager Magazin“.
  • Und hinterm Horizont? Bei aller ja auch manchmal rituellen Kritik an der Deutschen Bank: Das Sparprogramm „Horizon“, das unter anderem die Schließung von rund 200 Stellen vorsah, ist weitgehend abgeschlossen (und das mehr oder weniger geräuschfrei). Im operativen Geschäft hingegen gehe kaum etwas voran, schreibt die „Wirtschaftswoche“.

Klickfavorit

… war am Freitag unsere Reportage über die „neue Finanz-Community“. Davon abgesehen klafften die Interessen zwischen „Fintech-Lesern“ und „Banking-Lesern“ allerdings deutlich auseinander. Während die strebsamen Startup-Jungs (und -Mädels) auch das eher kleinteilige Interview mit dem Fino-Chef begierig lasen, klickte die Fressgass-Fraktion lieber auf den „Wurstsemmel-Banker“. Um ehrlich zu sein, liebe Banker: So wird das mit Euch nicht gut enden. Man kann nicht immer nur den Trash lesen.

Back-End

„Vergessen Sie mir Hamburg nicht“: Mit kaum verhohlener Jubelgeste hatten wir vergangene Woche berichtet, dass Frankfurt im „Global Financial Centres Index“ einen Sprung von Platz 23 auf Rang 11 gemacht hat. Einer unserer Lieblingsleser, nämlich Bernd Lüthje, Ex-Chef der NRW Bank (hier sein Wikipedia-Eintrag), machte uns allerdings darauf aufmerksam, dass wir eine mindestens ebenso wichtige News verpasst haben: Erstmals überhaupt taucht nämlich auch Hamburg in dem Ranking auf, und zwar auf Platz 67. „Immerhin vor Rom“, mailt uns Herr Lüthje, der – by the way – am 26. September in seiner Geburtsststadt Hamburg seinen 78. Geburtstag feiert.

In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser: Falls auch Sie einen namhaften Banker kennen, der sich für die FAZ noch deutlich zu jung fühlt – empfehlen Sie uns immer gerne weiter! (hier der Link zur kostenlosen Anmeldung)

Analyse: Outbank – Das momentan delikateste deutsche Fintech

Von Heinz-Roger Dohms

Eine neue Chefin, ein nur halb ausgeschiedener Gründer – und zwei Investoren mit Promi-Faktor: Die Konstellation beim Multibanking-Fintech Outbank ist durchaus delikat. Eine Skizze der Gemengelage in fünf Punkten.

1.) Seit April firmiert Anya Schmidt als Outbank-Chefin. Als eine ihrer ersten Amtshandlungen erklärte sie gleich mal das maßgeblich von ihrem Vorgänger Tobias Stöger ersonnene Geschäftsmodell für gescheitert.

2.) In besagtem „Die Outbank-Chefin erklärt ihr Geschäftsmodell für gescheitert“-Interview bei „t3n“ fiel Schmidt zum Ancien Regime des Firmengründers Stöger folgende Formulierung ein: „Das war praktisch eine One-Man-Show. Inzwischen sind wir aber an einem Punkt, wo wir uns ernsthaft um die Skalierung, Internationalisierung und Monetarisierung kümmern müssen. Und als Entwickler hat sich Tobias nicht gut damit gefühlt, diese Verantwortung zu übernehmen.“

3.) Ob sich Stöger mit der Verantwortung wirklich „nicht gut fühlte“, sei mal dahingestellt. Tatsache allerdings ist, dass Stöger zwar operativ nicht mehr tätig, allerdings weiterhin Schmidts größter Anteilseigner ist. Das lässt sich dem Handelsregister entnehmen. Laut der jüngsten einsehbaren Gesellschafterliste besitzt Stöger immer noch 21.134 der insgesamt 54.058 Anteile.

4.) Was die Gemengelage noch verkompliziert: Bei Outbank mischen auch zwei der prominenten deutschen VC-Investoren mit. Der eine ist Klaus Hommels (dessen Beteiligungsvehikel Lakestar laut Handelsregister 19.411 Anteile hält), der andere Frank Thelen. Letzterer ist momentan übrigens durch die Vox-Sendung „Die Höhle des Löwen“, in der er den TV-VC gibt, arg eingespannt.

5.) Und als wäre das alles noch nicht genug, dient sich Outbank nun auch noch der Berliner Quirin-Bank an, wie Finanz-Szene.de vergangene Woche berichtete.

Wie gesagt, durchaus delikat. Fortsetzung folgt.

 

 

 

Newsletter 15/09/07: Deutsche Bank, „Neue Finanz-Community“, Wurstsemmel-Banker

Reportage: Die neue deutsche Finanz-Community

Twitter vs. Fressgass, Jeans vs. Dreiteiler, Startup vs. Platzhirsch – sind solche Unterscheidungen eigentlich noch zielführend? Oder ist das alles nicht doch eher Klischee? Unsere These lautet: Die Fintech-Community und die Banking-Community sind sich viel ähnlicher, als es scheint. Beziehungsweise: Vielleicht entsteht da draußen sogar gerade eine neue Finanz-Community – eine, der Fintech-Entrepreneure (abzgl. der Radikal-Turnschuh-Fraktion) und Frankfurt-Banker (abzgl. der Radikal-Goldknöpfchen-Fraktion) gleichermaßen angehören. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie doch übers Wochenende mal in Ruhe unsere Reportage „Fleisch vom Fleische“. Der Text erschien kürzlich im „International Bankers Forum“. Mit freundlicher Genehmigung der Kollegen dürfen wir das Stück nun zweitverwerten.

Finanz-Szene.de

News

Ist Kengeter trotzdem bald weg? „Wir gehen nicht davon aus, dass er noch lange im Amt bleibt“, zitiert die SZ einen Deutsche-Börse-Großaktionär. Auch das „Handelsblatt“ konstatiert: Der Unmut unter Investoren und Mitarbeitern wächst. Süddeutsche, Handelsblatt (Paywall)

Deutsche Bank lädt Assets bei Ibero-Banken ab: Letzte Woche wurde bekannt, dass die BBVA die Spanien-Tochter der Frankfurter Großbank übernehmen will. Nun berichtet „Reuters“, dass sich Santander und ein portugiesisches Institut um Assets der Deutschen Bank in Polen balgen. Reuters

Frankfurter Personalien: Tanja Birkholz, langjährige Investor-Relations-Chefin der Commerzbank, hat als Partnerin im Financial-Services-Team von Oliver Wyman angedockt; der Investmentbanker Helmut Kaschenz wechselt innerhalb nach 19 Jahren bei Morgan Stanley zur Frankfurter BNP-Paribas-Dependance. Finanz-Szene.de, efinancialcareers 

Exklusiv

Fino wandelt sich zum Mini-Inkubator: Das für seinen Kontowechsel-Service bekannte Finanz-Startup Fino bläst zum Angriff auf den Berliner Fintech-Inkubator Finleap. Wie Gründer Florian Christ gegenüber Finanz-Szene.de bestätigte, hat Fino kürzlich eine Gesellschaft namens Fino Create GmbH gegründet. Sie soll wie eine „Produktfabrik“ funktionieren, aus der zukünftig möglichst viele neue Fintechs hervorgehen sollen. Nicht nur strukturell, sondern auch inhatlich begibt sich Fino dabei in direkte Konkurrenz zu diversen Finleap-Startups.“Ich will gar nicht bestreiten, dass wir bei gewissen Themen im Wettbewerb zueinander stehen“, sagt Christ. Das komplette Interview lesen Sie hier: Finanz-Szene.de

Lesetipps

Was die Aktionäre am Deutsche-Bank-Chef stört: Die Mängelliste reiche von fehlenden Visionen bis hin zu viel zu hohen EDV-Kosten, schreibt SZ-Redakteurin Meike Schreiber. Süddeutsche

So funktioniert die Liaison zwischen ING und Scalable: Die Kooperation läuft darauf hinaus, dass die Direktbank den Service des Münchner Robo-Advisors komplett bei sich integriert. Das Ziel: Binnen eines Jahres sollen die „Assets under Management“ die Ein-Milliarden-Euro Grenze durchbrechen. Handelsblatt, Börsenzeitung (Paywall)

Beyond .de

Eine der weltgrößten Krypto-Börse macht dicht: Die Betreiber von BTC China begründen ihren Rückzug mit dem wachsenden Druck durch die chinesischen Behörden. Als Reaktion auf die Ankündigung sacken weltweit die Bitcoin-Kurse ab. Handelszeitung

Brüssel will Finanzaufsicht zentralisieren:  Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die nationalen Aufsichtsbehörden künftig europaweit einheitliche Regeln befolgen (sobald die Briten raus sind, könnte dieser Plan sogar realisierbar sein). Handelsblatt

Ignoriert

Die Investitionsbank Berlin prognostiziert, dass in der Hauptstadt 40.000 Fintech-Jobs entstehen werden. Nicht nur, dass wir die Zahl für krass zu hoch halten: Im März war die IBB mit exakt der gleichen Prognose schon einmal hausieren gegangen. 

Klickfavorit

… war gestern unser Stück über die mauen Gehälter bei den deutschen Landesbanken. efinancialcareers

Back-End

Einen, liebe Leserinnen und Leser, haben wir dann doch noch: Vor sechs Jahren ging durch Österreichs Medien die Geschichte von einem Banker, der Heinz-Christian Strache, den damaligen und heutigen Chef der rechtspopulistischen FPÖ, mit einer Wurstsemmel beworfen hatte. Wenn stimmt, was erzählt wird – dann handelt es sich beim „Wurstsemmel-Banker“ um jemanden, der dieser Tage in der deutschen Finanzbranche (und auch bei Finanz-Szene.de) von sich reden gemacht hat. Viel Spaß beim Rätselraten!

Schönes Wochenende,

Heinz-Roger Dohms

Newsletter 15/09/07: Fintech-Reportage, Fino-Attacke auf Finleap, Wurstsemmel-Banker

Reportage: Die neue deutsche Finanz-Community

Twitter vs. Fressgass, Jeans vs. Dreiteiler, Startup vs. Platzhirsch – sind solche Unterscheidungen eigentlich noch zielführend? Oder ist das alles nicht doch eher Klischee? Unsere These lautet: Die Fintech-Community und die Banking-Community sind sich viel ähnlicher, als es scheint. Beziehungsweise: Vielleicht entsteht da draußen sogar gerade eine neue Finanz-Community – eine, der Fintech-Entrepreneure (abzgl. der Radikal-Turnschuh-Fraktion) und Frankfurt-Banker (abzgl. der Radikal-Goldknöpfchen-Fraktion) gleichermaßen angehören. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie doch übers Wochenende mal in Ruhe unsere Reportage „Fleisch vom Fleische“. Der Text erschien kürzlich im „International Bankers Forum“. Mit freundlicher Genehmigung der Kollegen dürfen wir das Stück nun zweitverwerten.

Finanz-Szene.de

Exklusiv

Fino wandelt sich zum Mini-Inkubator: Das für seinen Kontowechsel-Service bekannte Finanz-Startup Fino bläst zum Angriff auf den Berliner Fintech-Inkubator Finleap. Wie Gründer Florian Christ gegenüber Finanz-Szene.de bestätigte, hat Fino kürzlich eine Gesellschaft namens Fino Create GmbH gegründet. Sie soll wie eine „Produktfabrik“ funktionieren, aus der zukünftig möglichst viele neue Fintechs hervorgehen sollen. Nicht nur strukturell, sondern auch inhatlich begibt sich Fino dabei in direkte Konkurrenz zu diversen Finleap-Startups.“Ich will gar nicht bestreiten, dass wir bei gewissen Themen im Wettbewerb zueinander stehen“, sagt Christ. Das komplette Interview lesen Sie hier: Finanz-Szene.de

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Ist Kengeter trotzdem bald weg? „Wir gehen nicht davon aus, dass er noch lange im Amt bleibt“, zitiert die SZ einen Deutsche-Börse-Großaktionär. Auch das „Handelsblatt“ konstatiert: Der Unmut unter Investoren und Mitarbeitern wächst. Süddeutsche, Handelsblatt (Paywall)

Deutsche Bank lädt Assets bei Ibero-Banken ab: Letzte Woche wurde bekannt, dass die BBVA die Spanien-Tochter der Frankfurter Großbank übernehmen will. Nun berichtet „Reuters“, dass sich Santander und ein portugiesisches Institut um Assets der Deutschen Bank in Polen balgen. Reuters

Frankfurter Personalien: Tanja Birkholz, langjährige Investor-Relations-Chefin der Commerzbank, hat als Partnerin im Financial-Services-Team von Oliver Wyman angedockt; der Investmentbanker Helmut Kaschenz wechselt innerhalb nach 19 Jahren bei Morgan Stanley zur Frankfurter BNP-Paribas-Dependance. Finanz-Szene.de, efinancialcareers 

Beyond .de

Eine der weltgrößten Krypto-Börse macht dicht: Die Betreiber von BTC China begründen ihren Rückzug mit dem wachsenden Druck durch die chinesischen Behörden. Als Reaktion auf die Ankündigung sacken weltweit die Bitcoin-Kurse ab. Handelszeitung

Brüssel will Finanzaufsicht zentralisieren:  Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die nationalen Aufsichtsbehörden künftig europaweit einheitliche Regeln befolgen (sobald die Briten raus sind, könnte dieser Plan sogar realisierbar sein). Handelsblatt

Lesetipps

Was die Aktionäre am Deutsche-Bank-Chef stört: Die Mängelliste reiche von fehlenden Visionen bis hin zu viel zu hohen EDV-Kosten, schreibt SZ-Redakteurin Meike Schreiber. Süddeutsche

So funktioniert die Liaison zwischen ING und Scalable: Die Kooperation läuft darauf hinaus, dass die Direktbank den Service des Münchner Robo-Advisors komplett bei sich integriert. Das Ziel: Binnen eines Jahres sollen die „Assets under Management“ die Ein-Milliarden-Euro Grenze durchbrechen. Handelsblatt, Börsenzeitung (Paywall)

Ignoriert

Die Investitionsbank Berlin prognostiziert, dass in der Hauptstadt 40.000 Fintech-Jobs entstehen werden. Nicht nur, dass wir die Zahl für krass zu hoch halten: Im März war die IBB mit exakt der gleichen Prognose schon einmal hausieren gegangen. 

Klickfavorit

… war gestern unser Stück über die mauen Gehälter bei den deutschen Landesbanken. efinancialcareers

Back-End

Einen, liebe Leserinnen und Leser, haben wir dann doch noch: Vor sechs Jahren ging durch Österreichs Medien die Geschichte von einem Banker, der Heinz-Christian Strache, den damaligen und heutigen Chef der rechtspopulistischen FPÖ, mit einer Wurstsemmel beworfen hatte. Wenn stimmt, was erzählt wird – dann handelt es sich beim „Wurstsemmel-Banker“ um jemanden, der dieser Tage in der deutschen Finanzbranche (und auch bei Finanz-Szene.de) von sich reden gemacht hat. Viel Spaß beim Rätselraten!

Schönes Wochenende,

Heinz-Roger Dohms

Reportage: Fleisch vom Fleische – Die neue deutsche Finanz-Community

Von Heinz-Roger Dohms

Neulich hat Roland Folz für ein Vorstandsfoto posiert. Und was trug der Kollege neben ihm auf dem Kopf? Eine Wollmütze. Nicht weil es kalt war. Sondern als modisches Accessoire. Spätestens in diesem Moment dürfte Folz, 53 Jahre, langjähriger Manager der Deutschen Bank, klar geworden sein, dass er in einer völlig anderen Welt gelandet ist.

Wobei: Stimmt das überhaupt? Oder ist das jetzt bloß wieder eines dieser üblichen Klischees?

Hier die Banken, dort die Fintechs. Das ist eines der wichtigsten Narrative in der deutschen Finanzberichterstattung der vergangenen Jahre. Tatsächlich lassen sich gewisse kulturelle Unterschiede zwischen den beiden Lagern ja kaum negieren. Hier die Kamingespräche. Dort die Tech-Konferenzen. Hier die graumelierten Anzugträger. Dort die Jungs in Jeans und Sneaker. Hier die Freßgass-Seilschaften. Dort die Twitter-Netzwerker.

Jenseits solcher Stereotypen stellt sich allerdings die Frage, ob das Bild von der Banken-Szene auf der einen und der Fintech-Szene auf der anderen Seite überhaupt noch stimmt. Roland Folz, seit Anfang Februar Chef des Berliner Fintechs Solarisbank, ist ja nicht der einzige namhafte Bankmanager, der zuletzt rübergemacht hat. Markus Gunter, Ex-Vorstandschef der DAB Bank, steht seit rund einem Jahr an der Spitze der Smartphone-Bank N26. Und Holger Hohrein, zuvor Finanzvorstand der Comdirect, firmiert seit April als COO des Hamburger Spareinlagen-Vermittlers Deposit Solutions. Umgekehrt funktioniert das Ganze natürlich auch. Dirk Elsner, ein früherer Berater, der sich als Fintech-Blogger einen Namen machte, trägt heute den Titel des Senior Managers für Innovation und Digitalisierung bei der DZ Bank.

Kann es sein, dass die Grenzen zwischen Banken und Fintechs
verschwimmen?

Es war vor allem die Lust, noch mal etwas Neues zu wagen, die Roland Folz getrieben hat. Von 2002 bis 2005 stand er an der Spitze der Daimler-Chrysler Bank, danach war er vier Jahre lang Bereichsvorstand bei der Telekom, seit 2009 gehörte er rund siebeneinhalb Jahre lang als „Managing Director“ der zweiten Führungsebene der Deutschen Bank an. Er klingt nicht so, als wäre er beim größten Geldhaus des Landes unglücklich gewesen. Aber gebrannt für seinen Job hat er am Ende wohl auch nicht mehr. „Zweite Ebene ist zweite Ebene. Da verpufft eben auch viel, was Sie machen.“ Das Angebot, den Vorstandsvorsitz bei der erst 2015 gegründeten Solarisbank zu übernehmen, kam daher zur richtigen
Zeit. „Es gibt viele Fintechs, zu denen ich sicher nicht gewechselt wäre.
Aber hinter der Solarisbank habe ich ein Konzept erkannt.“

Ortswechsel, von Berlin zurück nach Frankfurt, von Roland Folz zu Lars Reiner. Auch der war mal bei der Deutschen Bank. Aber von Folz unterscheiden ihn dann doch ein paar Dinge. Reiner hat zum Beispiel
keinen Wikipedia-Eintrag. Und er ist fast 25 Jahre jünger.

Lars Reiner sagt, im Grunde gebe es drei Gruppen von Ex-Bankern, die in der Fintech-Branche arbeiteten. Die kleinste und zuletzt entstandene Gruppe, das sind die Markus Gunters und Roland Folzens, also gestandene Manager, die auf der Zielgeraden ihrer Berufslaufbahn noch mal die Seiten wechseln. Dabei achten solche Kaliber natürlich darauf, dass sie bei den Start-ups anheuern, die aufgrund des Geschäftsmodells und der Funding-Tiefe nicht gleich wieder umkippen. Was im Falle von N26 und Solaris hinzukommt: Beide besitzen – im Gegensatz zu den meisten anderen Fintechs – eine Vollbanklizenz. Auch darum sind sie auf Banker mit einem gewissen Senior-Status angewiesen. „Die Aufseher sehen es ja eher ungern, wenn das halbe Management aus Studienabbrechern ohne Finanzhintergrund besteht“, lacht Lars Reiner.

Die zweite Gruppe? Das sind jene Banker, die relativ früh und aus unterschiedlichen Motiven den Sprung aus der Banken- in die Fintech-Branche wagten. Oliver Prill ist so ein Fall, ehemals Royal Bank of Scotland, später C&A Bank, inzwischen COO bei Kreditech, dem mit mehr als 300 Mio. Euro mutmaßlich höchstbewerteten deutschen Fintech. Oder: Daniel Berndt, von 2008 bis 2013 Head of Sales Service Center bei der Deutschen Bank, inzwischen seit mehr als vier Jahre Chief Client Officer bei Weltsparen.

Und die dritte Gruppe? Das sind die eigentlichen Gründer – zu denen auch Lars Reiner selbst gehört. Er hat vor drei Jahren seinen Job in der Strategieabteilung der Deutschen Bank aufgegeben, um Ginmon aufzusetzen, einen der führenden Robo-Adviser, die um das Geld der deutschen Kleinanleger buhlen.

Tatsächlich beruht der weitverbreitete Glaube, bei der Fintech-Revolution handele es sich um einen externen Angriff auf die Bankenbranche, um ein Missverständnis. Klar – es gibt Gründer wie Sebastian Diemer, den mittlerweile zurückgetretenen Chef von Kreditech. Diemer hatte mit der Bankenbranche nichts zu tun, bevor er zu deren Herausforderer wurde. Er studierte an der London School of Economics, arbeitete ein knappes Jahr für die Samwer-Brüder, gründete dann mit Mitte 20 und einem Jugendfreund Kreditech. Von Diemer heißt es, er habe Investoren gegenüber gezielt die Anti-Banker-Karte gespielt und sei auch deshalb von vielen Venture-Fonds hofiert worden.

Mag sein, dass es tatsächlich so gewesen ist. Doch die Diemers sind nicht die Regel. Hinter Scalable Capital, dem rasant wachsenden Münchner Robo-Advisor, stehen ehemalige Goldman-Sachs-Manager. Einer der Gründer von Firstwire – einem webbasierten Marktplatz für Private Placement – ist Jens Michael Otto, der langjährige Kommunalfinanzierungschef der Deutschen Bank. Reinhard Tahedl wiederum, der Chef der kürzlich von der W&W-Gruppe übernommenen Treefin GmbH, entstammt der Fondsbranche. Und Florian Christ firmierte, bevor er 2015 den Kontowechsel-Anbieter Fino gründete, fünf Jahre lang als Abteilungsdirektor Business Development bei der Commerzbank. Selbst auf Figo-Chef André Bajorat, den omnipräsenten Fintech-Blogger, Fintech-Redner und Fintech-Twitterer, trifft das Klischee des hippen Start-up-Entrepreneurs nur bedingt zu. Als ehemaliger Giropay-Geschäftsführer ist er nichts anderes als ein Kind des Sparkassenlagers. Fleisch vom Fleische.

Zurück von Frankfurt nach Berlin. Lunch mit Ramin Niroumand, dem Jungstar der deutschen Fintech-Branche. Als Chef des Company Builders Finleap hat er inzwischen zwölf Finanz-Start-ups aufgebaut [Anm.: inzwischen sind es 13], die zusammen schon fast 500 Mitarbeiter beschäftigen; das US-Magazin Forbes setzte ihn darum jüngst auf seine europäische „Top 30 unter 30“-Liste. Wenn man Niroumand gegenübersitzt, dichte schwarze Haare, schelmisches Grinsen, Jungsgesicht, meint man, er wäre direkt von der Uni auf den Chefsessel gefallen. Dabei blickt der 30-Jährige schon auf eine mehr als zehnjährige Berufslaufbahn zurück. So arbeitete Niroumand unter anderem als Innovationsmanager für die DKB.

„Fintech ist von der Wertschöpfungskette her viel tiefer als E-Commerce. Darum wäre es ein Fehler zu glauben, man könnte die Finanzbranche mit exakt denselben Methoden revolutionieren wie den Einzelhandel“, sagt Niroumand. Bei Finleap haben sie darum auf die Balance zwischen Start-up-Expertise und Finanz-Know-how geachtet. Jan Beckers, ein Veteran der deutschen Gründerszene, setzte den Inkubator zwar 2014 auf. Zum CEO allerdings machte er nicht sich selber, sondern den DKBler Niroumand. Zudem umgab sich das Gründerteam von Anfang an mit erfahrenen Branchenmanagern. So gehörte der bereits erwähnte Ex-Deutschbanker Otto ebenso zu den Finleap-Beratern wie der frühere Mastercard-Manager Jochen Siegert. Darüber hinaus finden sich unter den Investoren neben den üblichen Venture-Capital-Fonds auch zwei prominente strategische Investoren, nämlich die Hannover Rück und Unicredit – was kein Einzelfall ist: Die Researchfirma CB Insights stellte zuletzt fest, dass bei immer mehr Fintech-Deals Banken im Spiel sind. Dasselbe gilt im kleineren Umfang für Versicherer und inzwischen auch für Vermögensverwalter. Jüngstes Beispiel: Der Einstieg von Blackrock bei Scalable Capital. Daneben investieren prominente Banker auch mit eigenem Geld in Finanz-Start-ups. So soll der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beim Konto-App-Spezialisten Centralway Numbrs eingestiegen sein. Ein anderes Beispiel ist die Beteiligung des Ex-HRE-Chefs Axel Wieandt beim Düsseldorfer Online-Lender Auxmoney.

Am Beispiel Finleaps lässt sich studieren, wie neue Netzwerke entstehen, bei deren Mitgliedern sich immer schwerer auseinanderhalten lässt, wer eigentlich der Fintech-Szene und wer der Bankenbranche zuzuordnen ist. Ein kleiner Ausschnitt: Die Solarisbank, der seit Kurzem der Ex-Deutschbanker Folz vorsteht, wurde 2015 gemeinsam von Finleap und einem Münchner VC namens Yabeo Capital aufgesetzt. Der Yabeo-Gründer ist Matthias Sohler, früherer COO der Unicredit, die sowohl bei Finleap als auch bei Solaris investiert ist. Zum Management-Team von Yabeo wiederum gehört Gerrit Seidel, Ex-Chef des deutschen Ur-Fintechs Sofort AG („Sofortüberweisung“). Seidel war es, der Folz ansprach, ob der sich vorstellen könne, zur Solarisbank zu wechseln. Zwar kannten die beiden sich nicht persönlich. Folz aber kannte den Seidel-Kompagnon Sohler. Warum? Weil der einst bei der DAB Bank sein IT-Chef gewesen war. Zudem kannte Folz den Solaris-Gründungsvorstand Andreas Bittner. Denn: Der war auch mal bei der DAB. Zudem kannte Bittner wiederum Seidel. Die beiden arbeiteten Ende der Nullerjahre bei der Fondsdepot Bank.

Natürlich spielt immer auch der Zufall eine Rolle, wenn sich solche Netzwerke bilden. Darüber hinaus lassen sich, wenn man die Schnittmengen zwischen Banken- und Fintech-Szene untersucht, aber auch immer mehr Strukturen erkennen. Eine wichtige personelle Verbindungsachse zwischen alter und neuer Finanzwelt scheinen zum Beispiel die Consulting-Firmen zu sein. Beispiele gefällig?

  • Vaamo-Co-Gründer Oliver Vins: Von 2004 bis 2013 bei McKinsey. Zuständigkeit? Financials.
  • Fino-Chef Christ: In den Jahren 2004 bis 2010 (also vor seiner Coba-Zeit) bei Accenture. Spezialität: Customer Relationship Management unter anderem für Banken.
  • Matthias Eireiner, CEO des Fino-Konkurrenten Finreach: Ex-Bain, Ex-Boston, Beratungsschwerpunkt: Banken.
  • Weltsparen-Chef Tamaz Georgadze: Von 2003 bis 2012 McKinsey. Über ihn sagt man, ähnlich wie über Vins, er sei bei der Deutschen Bank früher ein- und ausgegangen.
  • Marco Adelt, Co-Gründer des Insurtechs Clark: Von 2006 bis 2008 „Consultant Financial Services“ bei Capgemini, danach rund sieben Jahre bei Horváth & Partners für den Bereich Versicherungen zuständig.

Das zweite und vielleicht noch wichtigere personelle Scharnier sind die Direktbanken, was insofern logisch ist, als die Direktbanken entwicklungsgeschichtlich gewissermaßen den Übergang von der Filial- zur Fintechwelt markieren. Nicht nur Solaris-Chef Folz ist ein früherer DAB’ler. N26-Chef Gunter ist es auch. Und nicht zu vergessen: An der Spitze der DAB stand sehr lange Matthias Kröner – derselbe Matthias Kröner, der mit Fidor als erster Banker (zumindest marketingmäßig) voll auf die Fintech-Karte setzte. Vor dem Hintergrund ihrer Direktbank-Vergangenheit versteht man dann auch, warum Roland Folz und Markus Gunter die Berliner Start-up-Szene, deren Teil sie jetzt ja irgendwie sind, als gar nicht so neu empfinden – Wollmütze hin oder her. „Auch bei der DAB Bank trieb uns damals schon die Attitüde, das Banking verändern zu wollen“, sagt Gunter.

Bei N26 übrigens soll es inzwischen einen – halbironischen – „Ü50“-Klub geben. Vielleicht ist es bei Banken und Fintechs ja so wie im richtigen Leben. Die Alten machen sich jünger. Und die Jungen machen sich älter. Großbanken stellen Blogger ein. Und Fintechs verpflichten Manager, die man auf dem Weg in den Vorruhestand wähnte. Arno Walter, Comdirect-Chef, legt, wenn er Interviews gibt, inzwischen fast habituell zwei Smartphones vor sich auf den Tisch. Wozu er ein zweites Handy braucht, traut man sich nicht zu fragen. Aber die Aussage ist klar: Auch Banker sind jetzt Digital Natives.

Dazu passt die erfolgreiche Konversion des früheren UBS-Vorstands Oliver Bussmann zum Fintech-Missionar. Der sichtbarste Ertrag: bald 25 000 Twitter-Follower. Bussmann ist jetzt der Justin Bieber des Bankings. Derweil sagt Simon Brunke, Chef des neuen Hamburger Hype-Start-ups Exporo, den bemerkenswerten Satz: „An die Duzerei in meiner eigenen Firma habe ich mich erst einmal gewöhnen müssen.“ Brunke stammt aus der Versicherungswirtschaft.

Die Grenzen verschwimmen. Es scheint inzwischen sogar einen Banking-Fintech-Dresscode zu geben: Jacket ja. Krawatte nein. Lars Reiner erzählt, wenn sich Fintech- Gründer und Bankmanager in Frankfurt bei „Between the Towers“ oder im „Tech-Quartier“ träfen, dann sei „das Verhältnis inzwischen immer ungefähr fifty-fifty.“ Goldene Knöpfe sieht man bei solchen Gelegenheiten natürlich eher nicht. Aber auch kaum noch Wollmützen.

Hinweis:

  • Die Reportage „Fleisch vom Fleisch“ erschien zunächst im „International Bankers Forum“ (IBF) . Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion durften wir den Artikel zweitverwerten. 
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Interview mit Fino-Chef: „Ich würde uns als Produktfabrik bezeichnen“

Von Heinz-Roger Dohms

Finanz-Szene.de: Herr Christ, uns ist zu Ohren gekommen, dass Fino eine neue Gesellschaft gegründet hat …

Florian Christ: Was Ihnen so alles zu Ohren kommt … Aber ja, es stimmt: Vor wenigen Wochen haben wir die Fino Create GmbH gegründet.

Finanz-Szene.de: Fino ist bekannt für seine Kontowechsel-Services. Zu Ihren Kunden zählen beispielsweise die Commerzbank, die BBBank oder die Wüstenrot Bank. Wozu brauchen Sie eine neue GmbH? Es gibt doch bereits die Fino Digital, unter der Sie Ihr operatives Geschäft angesiedelt haben.

Christ: Der Kontowechsel-Service ist zwar nach wie vor unser Kernprodukt. Daneben machen wir inzwischen aber auch viele andere Sachen, nicht nur rund ums Konto, sondern beispielsweise auch im Kreditbereich. Um im Zuge dieser Entwicklung nicht den Fokus zu verlieren, haben wir unternehmensintern im vergangenen Jahr bereits verschiedene Atome gebildet. Für jedes Thema gibt es jetzt seitdem ein Atom, das sind gewissermaßen Firmen in den Firmen.

Finanz-Szene.de: Die Fino Create ist aber keines dieser Atome, oder?

Christ: Nein. Die Fino Create soll die Gesellschaft werden, in der wir alle neuen Themen bündeln. Und daraus sollen wiederum neue Gesellschaften hervorgehen, in denen die Mitarbeiter dann als Unternehmer ihre eigenen Themen verantworten  – eigenständig, aber weiterhin unter dem Dach von Fino.

Finanz-Szene.de: Das klingt strukturell ein bisschen nach Check24, wo sich unter der eigentlichen Holding inzwischen mehr als 50 sogenannte Verticals befinden. Es klingt aber, um ehrlich zu sein, auch ein bisschen nach dem Berliner Company Builder Finleap. Kann es sein, dass Fino gerade zum Inkubator mutiert?

Christ: Den Begriff Inkubator mag ich nicht so sehr. Ich würde uns eher als Produktfabrik bezeichnen. Das Ziel ist es, alle paar Monate neue Produktideen zu kreieren und mit denen auf unsere Partner zuzugehen, um die Neuentwicklungen gemeinsam zu testen. Die neue Struktur verschafft uns dabei übrigens völlig neue Kooperationsmöglichkeiten. Wir werden schon seit langem immer mal wieder von Finanzdienstleistern gefragt, ob wir nicht auch mal was gemeinsam entwickeln könnten. Bislang waren wir in dieser Hinsicht eher zurückhaltend, weil wir uns auf unsere eigenen Kernprodukte konzentrieren wollten. Mit der Fino Create hingegen werden wir viel flexibler.

Finanz-Szene.de: Lassen Sie uns einmal über die Produkte sprechen, mit denen Sie bereits am Markt sind. Es gibt den Kontowechsel-Service, klar …

Christ: Den Wechsel bieten wir neben dem Konto auch für Depots und Kreditkarten an. Mit der digitalen Selbstauskunft haben wir zudem ein Bonitäts-Tool, mit dem Endkunden überprüfen können, ob sie sich ein Produkt oder Kredit leisten können. Umgekehrt kann dieses Produkt natürlich auch bankenseitig eingesetzt werden. Es gibt inzwischen mehrere Institute, die das bei der Kreditprüfung nutzen.

Finanz-Szene.de: Und was machen Sie noch?

Christ: Den Wechsel-Bereich unterstützen wir z.B. noch mit unserer Antragsstrecke, die es dem Endkunden erlaubt, in wenigen Minuten ein Konto digital zu eröffnen. Außerdem entwickeln wir gerade unseren Vertragscoach weiter, mit dem Endkunden ihre laufenden Verträge intelligent im Blick behalten und Sparpotenziale entdecken können. Dabei geht der Vertragscoach deutlich über die bloßen Sparpotenziale hinaus, indem er Kunden wertvolle Tipps passend zu Ihrer Lebensphase gibt. So fließen z. B. zunehmend auch Impulse aus der eigenen Peer-Group ein.

Finanz-Szene.de: Wir wollen jetzt keinen Konflikt zwischen Fino und Finleap heraufbeschwören …

Christ: … natürlich wollen Sie das nicht …

Finanz-Szene.de: … aber kann es sein, dass Sie in sehr ähnlichen Feldern unterwegs sind? Beim Thema Kontowechsel ist ja bekannt, dass Sie mit dem Finleap-Unternehmen Finreach konkurrieren. Aber was Sie in Sachen Kreditprüfung machen, das erinnert ein wenig an Finleaps Solarisbank (wenn auch bei Ihnen ohne Banklizenz). Und Vertragsmanagement macht Finleap mit Moneymap ja auch.

Christ: Ich will gar nicht bestreiten, dass wir in gewissen Themen im Wettbewerb zueinander stehen. Aber es gibt bei den einzelnen Produkten dann doch Unterschiede. Unser Vertragscoach-Atom verfolgt zum Beispiel ein viel größeres Zielbild. Es geht uns nicht nur darum zu schauen, bei welchen Verträgen ich schnell Geld sparen kann, sondern darum, alle Vertragsbeziehungen des Kunden dauerhaft zu begleiten. So steht der Vertragscoach Kunden in wichtigen Momenten proaktiv mit Rat und Tat zur Seite.

Finanz-Szene.de: Finleap ist mit einem wahnsinnigen Hebel unterwegs. Nicht nur der Company Builder selber, sondern auch die einzelnen Startups sind mit enormen Summen gefunded. Wie wollen Sie da mithalten? Angeblich ist Fino ja rein Cash-Flow-finanziert …

Christ: Nicht nur „angeblich“. Das ist so! Wir sind bei Fino seit dem dritten Monat profitabel – und wir wollen auch in Zukunft ohne externe Kapitalgeber auskommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass das für uns der richtige Weg ist. Wir wollen uns mit den Kunden beschäftigten, nicht mit den Geldgebern. Und wir wollen weiterhin selber entscheiden, was wir bauen. Ich glaube, unter Strich sind wir mit dieser Methode schneller.

Finanz-Szene.de: Ein schöner Nebeneffekt ist, dass Richtung Exit die Anteile nicht verwässert werden.

Christ: Richtig ist, dass die Mehrheit der Anteile bei mir liegen und der Rest beim Team. Allerdings – um auch das klarzustellen: Wir sind null Exit-getrieben.