Newsletter 13/10/17: Deposit Solutions landet Coup / Elinvar / Kreditech

Exklusiv: Deposit Solutions flirtet mit Sparkassen

Auch wenn die Formulierung abgegriffen ist – dies hier ist ein Paukenschlag: Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ loten der deutsche Sparkassenverband und der Hamburger Einlagenvermittler Deposit Solutions („Zinspilot“) eine mögliche Zusammenarbeit aus. Seit rund zwei Monaten wird auf Fachebene geflirtet, angeblich durfte Deposit Solutions sein Modell jüngst sogar auf einer Sparkassen-Veranstaltung präsentieren. Was die Sache so pikant macht: Kritiker werfen Anbietern wie „Zinspilot“ oder dem Berliner Konkurrenten „Weltsparen“ vor, Einlagensicherungs-Arbitrage zu betreiben – also unter dem Verweis auf den europaweit einheitlichen gesetzlichen Einlagenschutz dafür zu sorgen, dass Spargelder gezielt zu ausländischen Banken mit schwächerer Bonität (aber eben höheren Zinsen) geleitet werden. Ideologisch erscheint eine Zusammenarbeit zwischen Sparkassen und Deposit Solutions deshalb schwer vorstellbar. Pragmatisch gesehen allerdings könnte sie durchaus Sinn ergeben. Hier die Details:

Finanz-Szene.de

News

Warburg wendet sich dem Volke zu: Mithilfe der Fintechs Elinvar hat die Hamburger Privatbank den digitalbasierten Vermögensverwalter „Warburg Navigator“ aufgesetzt – und will auf diesem Wege nun auch Normalanleger ab einer Mindestsumme von 20.000 Euro umwerben (vom Prinzip her macht Warburg mit seinem „Navigator“ also ungefähr das, was HQ Trust mit dem Robo-Advisor Liqid macht). FAZ Plus (Paywall)

Dreht Kreditech jetzt durch? Sein Unternehmen solle in Indien das werden, was Tencent und Alipay in China sind, sagt Vorstandschef Alexander Graubner-Müller im Interview mit der „Börsenzeitung“. Ist das noch gesunder Ehrgeiz? Oder schon ungesunde Hybris? Jedenfalls: Wenn der Plan aufgeht, werden in Hamburg (und nicht nur dort) ein paar Menschen sehr, sehr reich. Börsenzeitung (Paywall)

Die wahre Bitcoin-News des Tages: Sie werden sicher schon gelesen haben, dass ein Bitcoin gestern erstmals mehr als 5000 Dollar „wert“ war. Aber was Sie womöglich noch nicht wissen: In Deutschland gibt es ein Unternehmen namens Bitcoin Group SE. Klicken Sie sich doch mal ein bisschen durch die Website der Firma. Und dann geben Sie bei Google mal die Suchwort-Kombination „Bitcoin Group SE“ + „Marktkapitalisierung“ ein. Danach wissen Sie so ungefähr, was momentan los ist da draußen (bitte auch auf das KGV achten).

Neues vom grundsoliden Deutsche-Bank-Ankeraktionär: Die chinesischen Aufseher erhöhen den Druck auf HNA – und verbieten dem Konglomerat, sich weiterhin Geld bei der eigenen Versicherungstochter zu pumpen. Süddeutsche

Bund spielt bei der Commerzbank auf Zeit: „Wir haben definitiv nicht vor zu verkaufen“, zitiert die „Welt“ einen Regierungsvertreter (soll vermutlich heißen: „definitiv nicht zum aktuellen Kurs“). Reuters

Analyse

Warum die Commerzbank die Deutsche Bank seit Monaten an der Börse abhängt: Die Kapitalposition der gelben Bank ist solide, ihr Börsenwert zum Teil über Beteiligungsbesitz (Comdirect, Polen-Tochter) gedeckt – und zudem ist die Coba eine natürlich Wette für all jene, die an bald wieder steigende Zinsen glauben, analysiert Christian Kirchner. Capital

Warum die Commerzbank vieles gebrauchen kann …, aber keine Großfusion mit wem auch immer, erklärt Meike Schreiber in der „Süddeutschen Zeitung“. Ihre These: Die Coba sei „längst noch nicht reif für eine derart komplizierte Operation, die erst einmal weite Teile der Belegschaft vom Geschäft ablenkt und die Führungsmannschaft verscheucht“. SZ

Wie viel Geld Deutsche Bank und Citigroup mit Osram verloren haben: Zusammen bis zu 50 Mio. Euro, schätzt das „Handelsblatt“ – und erläutert, warum Schnellplatzierungen großer Aktienpakete häufig gut, manchmal aber eben auch schiefgehen. Handelsblatt (Paywall)

Lesetipps:

Die „Must reads“ in Sachen Banken/Digitalisierung: Sind Sie womöglich auf die Idee gekommen, sich ein eigenes Lesezeichen für die wöchentliche „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Innovationsblogs zu setzen? Um es kurz zu machen: Brauchense nüscht! Dafür sind wir ja da. Denn genau das ist die ausgeklügelte Idee hinter „Finanz-Szene.de“: Bei uns bekommen Sie alle für Sie relevanten medialen Zielpunkte in einem Tool. Neudeutsch  nennt man das „Multiblogging-Funktion“. Hat der freundliche Herr Pertlwieser von der Deutschen Bank mal eben für uns mitkonzeptioniert. DZ-Innovationsblog – „Was wir lesen“

Die deutsche Fintech-Szene auf einen Blick: … frisch zusammengestellt von Deutschlands mutmaßlich wohlhabendster Blogger-Crew. Paymentandbanking

Aus der Szene

Was machen die Sparkassen im Silicon Valley? Siehe oben der Flirt mit den Deposit Devils: Bei den Sparkassen gibt es offenbar nichts mehr, was es nicht gibt. Dazu passt die schöne Geschichte (so wurde sie uns jedenfalls detailgetreu erzählt), wie eine 14-köpfige Sparkassen-Delegation jüngst eine Viereinhalb-Tages-Tour ins Silicon Valley unternahm. Mit dabei: Neben sechs lokalen Sparkassen-Chefs auch die Großkopferten Bernd Wittkamp (Chef der Starfinanz), Stefan Roesler (DSV-Geschäfsführer) und Franz-Theo Brockhoff (Chef der Finanz Informatik). Laut dem Itinerar, das uns aus zuverlässiger Quelle übermittelt wurde, schaute die Truppe bei Coinbase (berüchtigte Krypto-Firma), bei Plug and Play (berühmter Accelerator), bei der Stanford University und gleich zweimal bei Google vorbei. Sage keiner, die Sparkassen würden sich nicht bewegen.

Karriere

So viel verdienen die deutschen Santander-Banker: Kaum ein anderes relevantes Finanzinstitut gibt soooooooo wenig von sich Preis wie die Deutschland-Tochter der spanischen Santander. Umso verdienstvoller, dass die Kollegen von „efinancialcareers“ nun die Gehaltsstruktur des Ratenkredit-Spezialisten schön breit ausrollen. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern … nein, nicht unser Interview mit dem Compeon-Chef, obwohl auch das exzeptionell gut geklickt wurde. Sondern: Der Link auf das LinkedIn-Profil von Finleap-Chef Ramin Niroumand.

In diesem Sinne: Bleiben Sie uns gewogen, empfehlen Sie uns weiter (hier lässt sich der kostenlose Newsletter mit quasi zwei Klicks abonnieren)– und schönes Wochenende! Wir versuchen, am Dienstag wieder für Sie da zu sein.

Heinz-Roger Dohms

Newsletter 13/10/17: Sparkassen-Tabubruch, Coba vs. Deutsche Bank, Warburg

Exklusiv: Sparkassen flirten mit dem Tabubruch

Auch wenn die Formulierung abgegriffen ist – dies hier ist ein Paukenschlag: Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ loten der deutsche Sparkassenverband und der Hamburger Einlagenvermittler Deposit Solutions („Zinspilot“) eine mögliche Zusammenarbeit aus. Seit rund zwei Monaten wird auf Fachebene geflirtet, angeblich durfte Deposit Solutions sein Modell jüngst sogar auf einer Sparkassen-Veranstaltung präsentieren. Was die Sache so pikant macht: Kritiker werfen Anbietern wie „Zinspilot“ oder dem Berliner Konkurrenten „Weltsparen“ vor, Einlagensicherungs-Arbitrage zu betreiben – also unter dem Verweis auf den europaweit einheitlichen gesetzlichen Einlagenschutz dafür zu sorgen, dass Spargelder gezielt zu ausländischen Banken mit schwächerer Bonität (aber eben höheren Zinsen) geleitet werden. Ideologisch erscheint eine Zusammenarbeit zwischen Sparkassen und Deposit Solutions deshalb schwer vorstellbar. Pragmatisch gesehen allerdings könnte sie durchaus Sinn ergeben. Hier die Details:

Finanz-Szene.de

Analyse

Warum die Commerzbank die Deutsche Bank seit Monaten an der Börse abhängt: Die Kapitalposition der gelben Bank ist solide, ihr Börsenwert zum Teil über Beteiligungsbesitz (Comdirect, Polen-Tochter) gedeckt – und zudem ist die Coba eine natürlich Wette für all jene, die an bald wieder steigende Zinsen glauben, analysiert Christian Kirchner. Capital

Warum die Commerzbank vieles gebrauchen kann …, aber keine Großfusion mit wem auch immer, erklärt Meike Schreiber in der „Süddeutschen Zeitung“. Ihre These: Die Coba sei „längst noch nicht reif für eine derart komplizierte Operation, die erst einmal weite Teile der Belegschaft vom Geschäft ablenkt und die Führungsmannschaft verscheucht“. SZ

Wie viel Geld Deutsche Bank und Citigroup mit Osram verloren haben: Zusammen bis zu 50 Mio. Euro, schätzt das „Handelsblatt“ – und erläutert, warum Schnellplatzierungen großer Aktienpakete häufig gut, manchmal aber eben auch schiefgehen. Handelsblatt (Paywall)

News

Neues vom grundsoliden Deutsche-Bank-Ankeraktionär: Die chinesischen Aufseher erhöhen den Druck auf HNA – und verbieten dem Konglomerat, sich weiterhin Geld bei der eigenen Versicherungstochter zu pumpen. Süddeutsche

Bund spielt bei der Commerzbank auf Zeit: „Wir haben definitiv nicht vor zu verkaufen“, zitiert die „Welt“ einen Regierungsvertreter (soll vermutlich heißen: „definitiv nicht zum aktuellen Kurs“). Reuters

Warburg wendet sich dem Volke zu: Mithilfe der Fintechs Elinvar hat die Hamburger Privatbank den digitalbasierten Vermögensverwalter „Warburg Navigator“ aufgesetzt – und will auf diesem Wege nun auch Normalanleger ab einer Mindestsumme von 20.000 Euro umwerben (vom Prinzip her macht Warburg mit seinem „Navigator“ also ungefähr das, was HQ Trust mit dem Robo-Advisor Liqid macht). FAZ Plus (Paywall)

Dreht Kreditech jetzt durch? Sein Unternehmen solle in Indien das werden, was Tencent und Alipay in China sind, sagt Vorstandschef Alexander Graubner-Müller im Interview mit der „Börsenzeitung“. Ist das noch gesunder Ehrgeiz? Oder schon ungesunde Hybris? Jedenfalls: Wenn der Plan aufgeht, werden in Hamburg (und nicht nur dort) ein paar Menschen sehr, sehr reich. Börsenzeitung (Paywall)

Die wahre Bitcoin-News des Tages: Sie werden sicher schon gelesen haben, dass ein Bitcoin gestern erstmals mehr als 5000 Dollar „wert“ war. Aber was Sie womöglich noch nicht wissen: In Deutschland gibt es ein Unternehmen namens Bitcoin Group SE. Klicken Sie sich doch mal ein bisschen durch die Website der Firma. Und dann geben Sie bei Google mal die Suchwort-Kombination „Bitcoin Group SE“ + „Marktkapitalisierung“ ein. Danach wissen Sie so ungefähr, was momentan los ist da draußen (bitte auch auf das KGV achten).

Lesetipps:

Die „Must reads“ in Sachen Banken/Digitalisierung: Sind Sie womöglich auf die Idee gekommen, sich ein eigenes Lesezeichen für die wöchentliche „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Innovationsblogs zu setzen? Um es kurz zu machen: Brauchense nüscht! Dafür sind wir ja da. Denn genau das ist die ausgeklügelte Idee hinter „Finanz-Szene.de“: Bei uns bekommen Sie alle für Sie relevanten medialen Zielpunkte in einem Tool. Neudeutsch  nennt man das „Multiblogging-Funktion“. Hat der freundliche Herr Pertlwieser von der Deutschen Bank mal eben für uns mitkonzeptioniert. DZ-Innovationsblog – „Was wir lesen“

Die deutsche Fintech-Szene auf einen Blick: … frisch zusammengestellt von Deutschlands mutmaßlich wohlhabendster Blogger-Crew. Paymentandbanking

Aus der Szene

Was machen die Sparkassen im Silicon Valley? Siehe oben der Flirt mit den Deposit Devils: Bei den Sparkassen gibt es offenbar nichts mehr, was es nicht gibt. Dazu passt die schöne Geschichte (so wurde sie uns jedenfalls detailgetreu erzählt), wie eine 14-köpfige Sparkassen-Delegation jüngst eine Viereinhalb-Tages-Tour ins Silicon Valley unternahm. Mit dabei: Neben sechs lokalen Sparkassen-Chefs auch die Großkopferten Bernd Wittkamp (Chef der Starfinanz), Stefan Roesler (DSV-Geschäfsführer) und Franz-Theo Brockhoff (Chef der Finanz Informatik). Laut dem Itinerar, das uns aus zuverlässiger Quelle übermittelt wurde, schaute die Truppe bei Coinbase (berüchtigte Krypto-Firma), bei Plug and Play (berühmter Accelerator), bei der Stanford University und gleich zweimal bei Google vorbei. Sage keiner, die Sparkassen würden sich nicht bewegen.

Karriere

So viel verdienen die deutschen Santander-Banker: Kaum ein anderes relevantes Finanzinstitut gibt soooooooo wenig von sich Preis wie die Deutschland-Tochter der spanischen Santander. Umso verdienstvoller, dass die Kollegen von „efinancialcareers“ nun die Gehaltsstruktur des Ratenkredit-Spezialisten schön breit ausrollen. efinancialcareers

Klickfavorit

… war gestern … nein, nicht unser Interview mit dem Compeon-Chef, obwohl auch das exzeptionell gut geklickt wurde. Sondern: Der Link auf das LinkedIn-Profil von Finleap-Chef Ramin Niroumand.

In diesem Sinne: Bleiben Sie uns gewogen, empfehlen Sie uns weiter (hier lässt sich der kostenlose Newsletter mit quasi zwei Klicks abonnieren)– und schönes Wochenende! Wir versuchen, am Dienstag wieder für Sie da zu sein.

Heinz-Roger Dohms

Exklusiv: Sparkassen flirten mit dem Tabubruch

Von Heinz-Roger Dohms

Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ loten der deutsche Sparkassenverband und der Hamburger Einlagenvermittler Deposit Solutions („Zinspilot“) eine mögliche Zusammenarbeit aus. Seit rund zwei Monaten wird auf Fachebene geflirtet, angeblich durfte Deposit Solutions sein Modell jüngst sogar auf einer Sparkassen-Veranstaltung präsentieren. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

1.) Was macht Deposit Solutions?

Das Hamburger Fintech ist auf die Vermittlung deutscher Spareinlagen an vorwiegend ausländische Banken spezialisiert. Das entsprechende B2C-Tool heißt „Zinspilot“. Das größere Wachstumspotenzial rechnet sich das Unternehmen aber vermutlich im B2B-Geschäft aus. Dafür hat das Unternehmen eine Plattform gebaut, auf der zum Beispiel der „Zinsmarkt“ der Deutschen Bank basiert. Über den „Zinsmarkt“ können die Kunden ihr Geld bei anderen Finanzinstituten (mit höheren Zinsen) anlegen, bleiben aber Kunden der Deutschen Bank.

2.) Warum passt das Modell eigentlich nicht zu den Sparkassen?

Kritiker werfen Anbietern wie „Zinspilot“ oder dem Berliner Konkurrenten „Weltsparen“ vor, die Einlagensicherung zu arbitrieren. Das heißt: Sie werben – zumindest implizit – unter Verweis auf die europaweit gültigen Regeln für den Einlagenschutz damit, dass ausländische Hochzinsbanken (trotz oftmals deutlich schlechterer Bonitätsnoten) für den deutschen Sparer genauso sicher seien wie Sparkassen oder Volksbanken (jedenfalls bis zu einer Summe von 100.000 Euro).

3.) Warum bandelt der DSGV dann trotzdem mit Deposit Solutions an?

Die Zeiten sind, wie sie sind.

4.) Wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Insider sagen, der DSGV-Digitalchef Joachim Schmalzl und Deposit-Solutions-Chef Tim Sievers hätten sich im Fintech-Rat (eine Einrichtung des Finanzministeriums) kennen und wohl auch schätzen gelernt. Wie das Leben halt manchmal so spielt.

5.) Worauf könnte eine mögliche Zusammenarbeit hinauslaufen?

Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ geht es um zwei Modelle.

  • „Modell A“ betrifft nur den Verbund – und läuft darauf hinaus, dass der Kunde der Sparkasse A sein Geld zur Sparkasse B transferieren kann, wenn diese ihm bessere Konditionen bietet. Angeblich birgt das Konzept nicht nur Vorteile für den Kunden, sondern auch für die Sparkassengruppe, weil sich auf diese Weise neue Möglichkeiten des verbundinternen Liquiditätsmanagements ergeben (hier wird die Sache regulatorisch extrem komplex). Jedenfalls: Dieses Modell könnte aus  ideologischer Sicht durchaus Sparkassen-kompatibel sein.
  • „Modell B“ geht über den Verbund hinaus – der Kunde der Sparkassen A kann sein Geld also auch dann bei Bank B anlegen, wenn Bank B gar keine Sparkasse ist. Ob auch dieses Modell ideologisch kompatibel ist? Naja, vielleicht so gerade noch, wenn es sich bei Bank B um ein solides deutsches Geldhaus handelt. Ansonsten ist das Ganze schwer vorstellbar. Aber wer weiß.