Exklusiv: Deutschland bekommt einen zweiten Fintech-Inkubator

Von Heinz-Roger Dohms

Rund drei Jahre nach der Gründung von Finleap bekommt Deutschland einen zweiten Fintech-Inkubator. Das Finconomy getaufte Münchner Unternehmen geht an diesem Donnerstag offiziell an den Start und will sich auf die Gründung von B2B-Technologiedienstleistern für etablierte Finanzunternehmen fokussieren. Hinter dem neuen Company Builder steht der Selfmade-Unternehmer Reinhard Tahedl, der zu Jahresbeginn mit dem Verkauf des Personal-Finance-Managers Treefin an den Wüstenrot-Konzern für Aufsehen sorgte. 25 Prozent der Anteile blieben bei Tahedl und diversen Geschäftspartnern. Ihnen gehören daneben auch die Technologieplattform Fundsaccess und der „Banking as a Service“-Provider BanksAPI gehört.

Die Gründung von Finconomy darf man durchaus als Angriff auf Finleap deuten – zumal ja auch die Berliner Seriengründer zuletzt tendenziell stärker ins B2B-Geschäft gingen (bzw.: seit einiger Zeit spricht man ja hochtrabend von „B2B2C“, aber sei’s drum). Allerdings nimmt sich die Funding-Power der Münchner deutlich bescheidener aus. Während Finleap offenbar wenig Probleme hat, mal eben ein einziges Startup wie den Neo-Versicherer Element mit einer  zweistelligen Millionensumme anzuschieben, dürfte sich die gesamte Finanzierungskraft von Finconomy eher im hohen einstelligen Millionenbereich bewegen. Reinhard Tahedl sieht darin aber keinen Nachteil: „Für die Gründung eines B2B-Fintechs brauchen Sie signifikant weniger Kapital, als wenn Sie mit den entsprechenden Marketingaufwendungen ins Endkundengeschäft streben.“

Fundsaccess, Treefin und BanksAPI mitgezählt, kommt die „Tahedl-Gruppe“ auf rund 60 Mitarbeiter; davon werden zum Start rund 15 in erster Linie für den neuen Company Builder arbeiten, der auf Sicht die „Shared Services“ die für die Einzelfirmen übernehmen soll – also etwa die Buchhaltung oder die Server-Administration. Das erste komplett „neue“ Finconomy-Venture ist Tahedl zufolge bereits in der Mache. Dabei handele es sich um ein Startup im Bereich Wealth Management. Läuft alles glatt, könnte das neue Fintech bereits im ersten Quartal nächsten Jahres starten. Im Schnitt solle aus Finconomy jedes Jahr ein Fintech hervorgehen, sagt Tahedl. Auch das klingt bescheidener als bei Finleap. Die Berliner haben in nicht mal drei Jahren schon 13 Startups aufgesetzt.

Übrigens: Mit der Gründung von Finconomy ist auch das Geheimnis um die „Redesign Finance“-Kampagne gelüftet. Unter diesem Motto hatte eine namenlose Firma seit dem Frühjahr um hochqualifiziertes Personal aus der Finanzbranche geworben. Tatsächlich stand hinter der Recruiting-Initiative niemand anders als Tahedl, was man bei genauerem Hinsehen übrigens erkennen konnte. Auf der eigens eingerichteten Website von „Redesign Finance“ hieß es wörtlich:

„Im Gegensatz zu einem Startup starten wir als Company Builder nicht bei Null. Im Gegenteil – es geht los mit

  • Über 1.1 Mio. Konten und Depots
  • Über 40 Mrd. EUR Assets
  • Über 20.000 Berater als Nutzer
  • Und täglich über 150 Mio. verarbeitete Transaktionen“

Das waren genau die Kennziffern, die auf Treefin, Fundsaccess und BanksAPI zutreffen.

Interhyp-Gründer: „In München gibt es einen Pool an smarten Leuten“:

Von Heinz-Roger Dohms

In unserer Interview-Reihe „3 Fragen, 3 Antworten“ haben wir diesmal den Interhyp-Gründer Robert Haselsteiner nach dem Erfolgsrezept des Fintech-Standorts München befragt:

1.) Sie haben sich bei der Gründung von Interhyp damals für München entschieden – genau wie bei ihrem heutigen Unternehmen, der Investmentfirma HW Capital. Waren die Gründe für die Standortwahl eher subjektiv oder eher objektiv?

Haselsteiner: Subjektiv, weil wir als Gründer schon hier lebten.

2.) Gibt es so etwas wie eine Münchner Fintech/Tech-/Gründer-Szene – oder existieren eher jedes Unternehmen eher für sich?

Haselsteiner: Die „Szene“ ist historisch deutlich weniger ausgeprägt als in Berlin. In den 2000ern agierte definitiv jedes Unternehmen für sich. Clusterbildungen haben erst nach der ersten Welle erfolgreicher Gründer begonnen. Dadurch sind gewisse Netzwerke entstanden, die dann auch im Bereich Seed-Runden und Inkubation zu ersten Effekten geführt haben. Mit der starken Welle der letzten Jahre sind auch Formate wie Bits and Pretzels oder Between the Towers entstanden, die versuchen, die Münchner Szene stärker zu verbinden. Im Fintech-Bereich haben die beiden Einhörner Check24 und Interhyp – aber auch andere große Erfolge wie Pay.on – eine Vorbildfunktion übernommen.

3.) Was spricht für, was gegen München?

Haselsteiner: Für München sprechen …

  • der Pool an smarten Leuten an den guten Universitäten
  • die hohe Dichte an Dax Konzernen, großen Mittelständlern und auch internationalen Technologie-Unternehmen
  • der vorhandene Pool an IT-Leuten und Codern
  • die hier ansässigen VC-Firmen und eine gute Business-Angel-Szene
  • die sehr gute Infrastruktur in der Rechtsberatung und was öffentliche Förderstellen angeht
  • die sehr gute internationale Anbindung über den Flughafen München
  • die hohe Lebensqualität, was Talente und Mitarbeiter anzieht.

Berlin hatte früher den Vorteil niedriger Mieten und günstigerer Lebenshaltungskosten – Mieten und Immobilienpreise steigen aber auch dort inzwischen schnell. Und aus Unternehmersicht steigen auch die Gehaltserwartungen in Berlin inzwischen rasant. Gegen München spricht also wenig.

Newsletter 18/10/17: „Säkulare Zäsur“, 9-stelliger Fintech-Deal, WLAN-Banking

Exklusiv: Commerzbank warnt vor „säkularer Zäsur“ für die eigene Branche

Es ist eines der krassesten Papiere, die in letzter Zeit zur Zukunft der Finanzbranche verfasst wurden: Die Research-Abteilung der Commerzbank warnt ihre Kunden vor einer „säkularen Zäsur“ für die europäischen Bankenindustrie. In der „What if the game changes?“ betitelten Kurzstudie, die „Finanz-Szene.de“ vorliegt, entwerfen die Coba-Analysten ein Szenario, wonach viele Banken schon in wenigen Jahren in existenzielle Schwierigkeiten geraten könnten. Dabei weisen die Autoren explizit auf steigende Risiken für die Besitzer nachrangiger Anleihen hin. Besonders spannend: Anders als man meinen könnte, beginnen die Analysten bei ihrer Argumentation nicht etwa mit dem Zinstief. Sondern knüpfen das Schicksal der europäischen Finanzindustrie quasi einzig und allein an die Frage, inwieweit die Banken die Digitalisierung meistern. Hier unsere Zusammenfassung der Sprengsatz-Studie:

Finanz-Szene.de

News

Ist WLAN-Banking noch sicher? Mit seiner Warnung vor Problemen bei der Verschlüsselungstechnologie WPA2 hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gestern für Aufsehen gesorgt – und für Kritik. So warnte der Bitkom vor „Hysterie“. Manager Magazin, Zeit, Reuters

Deutschlands erste Onlinebank treibt Kunden zur Verzweiflung: Auch eine Woche nach der Migration ihrer Kundendaten scheint die Netbank die Probleme nicht wirklich in den Griff zu bekommen. Wirtschaftswoche

Wer wird Deutschlands wichtigster Sparkassen-Chef? Laut „Kölner Stadtanzeiger“ gibt es noch drei Kandidaten für den frei werdenden Posten bei der Großsparkasse Köln-Bonn; einer soll Harald Langenfeld, bislang Chef der Sparkasse Leipzig, sein. Attraktiv ist das Amt allemal: Der scheidende Vorstandsvorsitzende kassierte zuletzt fast 800.000 Euro. KStA

Deutsche Bank sucht IPO-Berater: Für alle Häretiker da draußen, die sich fragen, worauf der Branchenführer beim angekündigten Börsengang seines Asset Managements denn überhaupt noch wartet … Immerhin wird laut „Reuters“ jetzt schon mal nach IPO-Beratern Ausschau gehalten!!! Die BÖZ schließt daraus, dass April/Mai 2018 ein realistisches Zeitfenster für die Erstnotiz sei. Schaun mer mal. HB/Reuters, Börsenzeitung (Paywall)

Retten? Uns doch nicht! Die NordLB hat einen NDR-Bericht dementiert, wonach das angeschlagene Geldhaus eine milliardenschwere staatliche Kapitalspritze benötigt. Handelsblatt, NDR

Beyond .de

Eine der bislang größten Fintech- Übernahmen: Wie gestern Abend bekannt wurde, schluckt JP Morgan den US-Zahlungsdienstleister WePay. Der Kaufpreis soll jenseits der 200 Mio. Dollar liegen, zu denen Investoren WePay zuletzt bewertet hatten. Seeking Alpha 

Warum eine Aufspaltung der Credit Suisse … auf den ersten Blick Sinn macht, bei etwas genauerer Betrachtung dann aber schon nicht mehr so sehr. Breakingviews

Lesetipps

Mal was für die Payment-Geeks (die wir im Sinne der Zielgruppen-Manifestierung ja auch bei Laune halten wollen): Einer unserer Lieblings-Blogger, nämlich Rudolf Linsenbarth, hat die kontaktlose Girocard der Targobank getestet – und dabei einige Überraschungen erlebt. IT-Finanzmagazin

Schlechte Nachrichten für die Middelhoff-Bank: Wer auch immer von Ihnen, liebe LeserInnen, bei der Bank arbeitet, die die Pfandrechte auf die Ex-Villa des Ex-Starmanagers besitzt … Mmmmhhhh … Bad news … Denn der Makler bietet das ostwestfälische Luxusanwesen inzwischen für weniger als zwei Millionen Euro feil. Welt

Apropos zwei Millionen Euro: Was kriegt man dafür wohl noch im Frankfurter Westend, wenn demnächst die von der Main-Finance-Lobby prognostizierten 850.000 Brexit-Banker nach FFM kommen? Einen Flur mit Fußmatte? Mithin: Irgendwie verständlich, dass nicht alle Frankfurter die Brexit-Euphorie teilen, wie „Bloomberg“-Reporter bei einem Besuch in Boomtown Bembel festgestellt haben. Bloomberg

Klickfavorit

… war gestern der Artikel „Diese fünf Blockchain-Initiativen sollten CFOs kennen“ (Hinweis an die Germanisten: Uns selber ist bewusst, dass eigentlich die CFOs die Initiativen kennen sollten und nicht umgekehrt. War aber nicht unsere eigene Geschichte). Finance Magazin

Back-End

Liebe Banker (es sind tatsächlich meist die Banker, nie die Bankerinnen und nur selten die Nerds), können Sie uns nicht einfach mal einen klassischen Leserbrief schreiben? Einen, den wir mit Namensangabe veröffentlichen dürfen? Müssen es stattdessen immer die kleinen, bösen Off-the-record-E-Mails sein? Und müssen Sie darin immer über ihre Standesgenossen herziehen? Das jüngste Beispiel ist die gestrige Zuschrift eines nicht unprominenten Bankmanagers, dessen im Grunde sehr netten Worte in die Pointe mündeten: „Besondere Freude machen mir Ihre Nachrichten über Herrn D. […] Er weiß nicht, wovon er spricht. […] Ein Spaßmacher wider Willen.“

Wie soll das nur enden?

Newsletter 18/10/17: Commerzbank-Warnung, Sparkassen, Boomtown Bembel

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Es ist eines der krassesten Papiere, die in letzter Zeit zur Zukunft der Finanzbranche verfasst wurden: Die Research-Abteilung der Commerzbank warnt ihre Kunden vor einer „säkularen Zäsur“ für die europäischen Bankenindustrie. In der „What if the game changes?“ betitelten Kurzstudie, die „Finanz-Szene.de“ vorliegt, entwerfen die Coba-Analysten ein Szenario, wonach viele Banken schon in wenigen Jahren in existenzielle Schwierigkeiten geraten könnten. Dabei weisen die Autoren explizit auf steigende Risiken für die Besitzer nachrangiger Anleihen hin. Besonders spannend: Anders als man meinen könnte, beginnen die Analysten bei ihrer Argumentation nicht etwa mit dem Zinstief. Sondern knüpfen das Schicksal der europäischen Finanzindustrie quasi einzig und allein an die Frage, inwieweit die Banken die Digitalisierung meistern. Hier unsere Zusammenfassung der Sprengsatz-Studie:

Finanz-Szene.de

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Wer wird Deutschlands wichtigster Sparkassen-Chef? Laut „Kölner Stadtanzeiger“ gibt es noch drei Kandidaten für den frei werdenden Posten bei der Großsparkasse Köln-Bonn; einer soll Harald Langenfeld, bislang Chef der Sparkasse Leipzig, sein. Attraktiv ist das Amt allemal: Der scheidende Vorstandsvorsitzende kassierte zuletzt fast 800.000 Euro. KStA

Ist WLAN-Banking noch sicher? Mit seiner Warnung vor Problemen bei der Verschlüsselungstechnologie WPA2 hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gestern für Aufsehen gesorgt – und für Kritik. So warnte der Bitkom vor „Hysterie“. Manager Magazin, Zeit, Reuters

Deutsche Bank sucht IPO-Berater: Für alle Häretiker da draußen, die sich fragen, worauf der Branchenführer beim angekündigten Börsengang seines Asset Managements denn überhaupt noch wartet … Immerhin wird laut „Reuters“ jetzt schon mal nach IPO-Beratern Ausschau gehalten!!! Die BÖZ schließt daraus, dass April/Mai 2018 ein realistisches Zeitfenster für die Erstnotiz sei. Schaun mer mal. HB/Reuters, Börsenzeitung (Paywall)

Retten? Uns doch nicht! Die NordLB hat einen NDR-Bericht dementiert, wonach das angeschlagene Geldhaus eine milliardenschwere staatliche Kapitalspritze benötigt. Handelsblatt, NDR

Deutschlands erste Onlinebank treibt Kunden zur Verzweiflung: Auch eine Woche nach der Migration ihrer Kundendaten scheint die Netbank die Probleme nicht wirklich in den Griff zu bekommen. Wirtschaftswoche

Beyond .de

Eine der bislang größten Fintech- Übernahmen: Wie gestern Abend bekannt wurde, schluckt JP Morgan den US-Zahlungsdienstleister WePay. Der Kaufpreis soll jenseits der 200 Mio. Dollar liegen, zu denen Investoren WePay zuletzt bewertet hatten. Seeking Alpha 

Warum eine Aufspaltung der Credit Suisse … auf den ersten Blick Sinn macht, bei etwas genauerer Betrachtung dann aber schon nicht mehr so sehr. Breakingviews

Lesetipps

Schlechte Nachrichten für die Middelhoff-Bank: Wer auch immer von Ihnen, liebe LeserInnen, bei der Bank arbeitet, die die Pfandrechte auf die Ex-Villa des Ex-Starmanagers besitzt … Mmmmhhhh … Bad news … Denn der Makler bietet das ostwestfälische Luxusanwesen inzwischen für weniger als zwei Millionen Euro feil. Welt

Apropos zwei Millionen Euro: Was kriegt man dafür wohl noch im Frankfurter Westend, wenn demnächst die von der Main-Finance-Lobby prognostizierten 850.000 Brexit-Banker nach FFM kommen? Einen Flur mit Fußmatte? Mithin: Irgendwie verständlich, dass nicht alle Frankfurter die Brexit-Euphorie teilen, wie „Bloomberg“-Reporter bei einem Besuch in Boomtown Bembel festgestellt haben. Bloomberg

Und noch was für die Payment-Geeks (die wir im Sinne der Zielgruppen-Manifestierung ja auch bei Laune halten wollen): Einer unserer Lieblings-Blogger, nämlich Rudolf Linsenbarth, hat die kontaktlose Girocard der Targobank getestet – und dabei einige Überraschungen erlebt. IT-Finanzmagazin

Klickfavorit

… war gestern der Artikel „Diese fünf Blockchain-Initiativen sollten CFOs kennen“ (Hinweis an die Germanisten: Uns selber ist bewusst, dass eigentlich die CFOs die Initiativen kennen sollten und nicht umgekehrt. War aber nicht unsere eigene Geschichte). Finance Magazin

Back-End

Liebe Banker (es sind tatsächlich meist die Banker, nie die Bankerinnen und nur selten die Nerds), können Sie uns nicht einfach mal einen klassischen Leserbrief schreiben? Einen, den wir mit Namensangabe veröffentlichen dürfen? Müssen es stattdessen immer die kleinen, bösen Off-the-record-E-Mails sein? Und müssen Sie darin immer über ihre Standesgenossen herziehen? Das jüngste Beispiel ist die gestrige Zuschrift eines nicht unprominenten Bankmanagers, dessen im Grunde sehr netten Worte in die Pointe mündeten: „Besondere Freude machen mir Ihre Nachrichten über Herrn D. […] Er weiß nicht, wovon er spricht. […] Ein Spaßmacher wider Willen.“

Wie soll das nur enden?

Exklusiv: Commerzbank warnt vor „säkularer Zäsur“ für die eigene Branche

Von Heinz-Roger Dohms

Zu sagen, dieses Papier habe es in sich, wäre eine Untertreibung.

Die Research-Abteilung der Commerzbank hat ihre Buy-Side-Kunden gestern vor einer „säkularen Zäsur“ in der europäischen Bankenindustrie gewarnt. In der „What if the game changes?“ betitelten Kurzstudie, die „Finanz-Szene.de“ vorliegt, entwerfen die Coba-Analysten ein Szenario, wonach viele Institute schon in wenigen Jahren in existenzielle Schwierigkeiten geraten könnten. Dabei weisen die Autoren explizit auf steigende Risiken für die Besitzer nachrangiger Anleihen hin. Soll wohl heißen: Für die Banken geht es in Zukunft gar nicht mehr darum, die Ansprüche ihrer Aktionäre zu befriedigen. Sondern nur mehr darum, aus ihren notwendig kargen Gewinnen irgendwie die Schulden bei den Bondholdern zu begleichen.

Besonders spannend ist, dass die Analysten – anders als man meinen sollte – ihre Argumentation nicht etwa vom Zinstief her denken (das Wort „Zinsen“ taucht in dem siebenseitigen Papier überhaupt nicht auf). Stattdessen knüpft die Commerzbank das Schicksal der europäischen Finanzindustrie quasi eins zu eins an die Frage, ob die Branche die Digitalisierung meistert. So heißt es gleich zu Beginn des Papers wörtlich:

„Es besteht die reale Möglichkeit, dass sich die Wertschöpfungskette und die Marktstruktur in der Bankenbranche in den kommenden zehn Jahren signifikant verändern werden. Falls es wirklich so kommt – dann wird sich dies auf die Art und Weise auswirken, wie Banken arbeiten und wie sich ihre Marktposition, ihre Ertragskraft und ihre Bonität entwickeln. Bislang basieren die Digitalstrategien der Banken auf der Annahme, dass der Status quo erhalten bleibt – die Bank also die zentrale Anlaufstelle des Kunden bleibt. Wir dagegen halten es für möglich, dass die Banken stattdessen disintermediert und auf eine Rolle reduziert werden, in der sie nur noch ihre Bilanzsumme zur Verfügung stellen.“

Um es kurz zu machen: Der Rest der Sprengsatz-Studie ist etwas für Digitalisierungs-Feinschmecker, Transformations-Anhänger, Disruptions-Bejaher, API-Jünger und PSD2-Fetischisten. In drei Sätzen zusammengefasst: Ihre Preishoheit haben die Banken bereits verloren. Ihre Kundenhoheit drohen sie zu verlieren. Der Rest wird bitter.