Newsletter 05/10/17: Commerzbanque, Goldmans FFM-Pläne, Volksbanker-Panik

Goldman macht Ernst mit Frankfurt-Plänen

Müssen wir (und alle anderen Brexit-Skeptiker) demnächst Abbitte leisten bei den wackeren Propheten von Frankfurt Main Finance? Goldman Sachs jedenfalls schafft nun tatsächlich die Voraussetzungen, um im Zuge des Brexits bzw. im Zuge eines harten Brexits die Mitarbeiterzahl in Frankfurt zu vervielfachen. Wie gestern Abend bekannt wurde, hat die US-Investmentbank im Marientum (der gerade gegenüber der Deutschen Bank entsteht und 2019 bezugsfertig sein soll) mal eben 10.000 Quadratmeter Bürofläche angemietet. Bis zu 1000 Mitarbeiter könnten dort Platz finden. Wenn wir uns nicht verrechnet haben, müsste das reichen, um die aktuelle Zahl der Frankfurter Goldmänner (rund 200) zu verdrei- oder gar zu vervierfachen, wie es die Bank nach eigenen Angaben ja vorhat.

Bloomberg

News

Wird aus der Coba die Banque de Commerce? Huch, womöglich ist an den ewigen BNP/Commerzbank-Gerüchten ja tatsächlich was dran. Zumindest sieht es so aus, als würde der M&A-erprobte Ex-Investmentbanker im Élysée solch eine Liaison ganz gerne sehen. „Es ist gut, dass sie [Anm.: die BNP Paribas] sich auch Deutschland und einer so wichtigen Bank wie der Commerzbank zuwendet“, ließ sich ein französischer Regierungssprecher gestern zitieren. Zuvor hatte „Le Canard Enchainé“ berichtet, Präsident Emmanuel Macron würde eine Annäherung der beiden Großbanken gutheißen. AFP, Handelsblatt

Fusionspanik unter Deutschlands Volksbankern: Sieht so aus, als bekäme mancher Genobanker angesichts der anrollenden Fusionswelle Angst, am Ende allein zurückzubleiben. In NRW jedenfalls will sich die Volksbank Greven im letzten Moment dem bereits verabredeten Bündnis der Schwesterinstitute aus Münster und Steinfurt anschließen. Durch die Dreierfusion entsteht eine der 20 größten deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Bilanzsumme: 5,5 Milliarden Euro. Westfälische Nachrichten, Liste der VR-Banken

Wird Crowdinvesting jetzt pfandbrieftauglich? … oder wie müssen wir es deuten, dass die sparkasseneigene Berlin Hyp eine Millionensumme in eine britische Gewerbeimmobilien-Crowd-Plattform namens Brickvest investiert? Spannend klingt der Deal allemal. Aber aus der nonchalanten Perspektive des überzeugten Laien (und nichts anderes sind wir ja) auch ein bisschen abgedreht. Handelsblatt, Immobilienzeitung

Zur Blockchain drängt doch alles: Die Handelsfinanzierung scheint eines der Felder zu werden, in denen die vermeintliche (oder tatsächliche) Wundertechnologie schon bald konkret angewendet werden könnte. So haben sich die Commerzbank, die Erste Group und weitere Institute nun einer entsprechenden Initiative von UBS und IBM angeschlossen (für Connaisseure, und das sind ja nicht wenige unserer Leser: die entsprechende Plattform heißt Batavia). Reuters

Sparkassen testen kontaktloses Bezahlen: Das entsprechende Pilotprojekt ist zunächst auf zehn Institute beschränkt, ab Mitte 2018 soll der ganze NFC-Kram dann aber bundesweit ausgerollt werden. IT-Finanzmagazin

Migration in Rekordzeit: Nur 14 Monate nach der Fusion ist der Datenbestand der WGZ Bank in den IT-Systemen der DZ Bank aufgegangen (wobei den Genossen natürlich zupass kam, dass sie als Zentralinstitute keine Retailkunden haben). Börsenzeitung (Paywall)

Beyond .de

EZB will Banken zu mehr Rückstellungen zwingen: Non Performing Loans sollen von 2018 an schrittweise mit bis zu 100 Prozent abgeschirmt werden. Wirtschaftswoche

Die nächste Bankenpleite in Italien? Wenn wir es richtig verstehen, hat das Mailänder Probleminstitut Caribe gestern Abend SOS gefunkt. Reuters/HB

Lesetipps

Was ist los bei den britischen P2P-Lendern? Der milliardenschwere UK-Markt ist das große Vorbild für deutsche Kreditplattformen wie Auxmoney oder Lendico. Das Problem allerdings: Ausgerechnet bei den britischen Marketplace-Lendern häufen sich jetzt die Probleme (die angeblich bis hin zu Kreditausfallraten von 25 Prozent reichen …). Für alle, die das Thema interessiert – wir haben ein paar News, Analysen und Grafiken aus den letzten Tagen und Wochen verlinkt: FT Alphaville, Business Insider, Telegraph, FT Alphaville

Stimme aus dem Off: In einem Interview mit der heute erscheinenden „Zeit“ hat Josef Ackermann (@Fintech-Nerds: das ist der frühere Deutsche-Bank-Chef) seine Sicht der Dinge kundgetan. Tenor: Die Altlasten hätten mit den heutigen Problemen der DBank „relativ wenig zu tun“. Vorabmeldung

Klickfavorit

… war gestern unsere Analyse zu der Frage, wie viele Menschen denn wirklich ihr Konto wechseln. Finanz-Szene.de

Back-End

Mehr als 80 Jahre stand Harold Stanley im Schatten des allmächtigen Morgan-Clans. Nun ist ihm – der Dank gebührt dem „Handelsblatt“ – späte Gerechtigkeit widerfahren. Twitter

Newsletter 04/10/17: Immo-Crowd-Rekord, Lendico, PSD2, Kontowechsel

Exklusiv: Immobilien-Crowdinvesting knackt die 100-Mio.-Euro-Marke

Über deutsche Crowdplattformen wie Exporo, Zinsland oder Bergfürst sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr als 100 Mio. Euro in Immobilienprojekte investiert worden. Das geht aus Daten hervor, die „Finanz-Szene.de“ vorab vom Branchenportal crowdfunding.de zur Verfügung gestellt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeuten die exakt 100,2 Mio. Euro ein Wachstum von 337 Prozent – wobei abzuwarten bleibt, inwiefern  dieses Tempo zu halten ist, nachdem die Branche Mitte September ihren ersten Ausfall erlebte. Bemerkenswert: Mehr als 60 Prozent des vermittelten Volumens entfielen auf einen einzigen Anbieter, nämlich Exporo aus Hamburg. Finanz-Szene.de

UBS-Chef Ermotti sagt Job-Beben voraus

Es ist erst wenige Wochen her, dass Deutsche-Bank-Chef John Cryan den Siegeszug des Robo-Bankers prophezeite. Nun schlägt sein UBS-Kollege Sergio Ermotti noch drastischere Töne an. In einem Interview mit „Bloomberg Markets“ meinte der CEO der Schweizer Großbank, der technologische Fortschritt werde in den kommenden Jahren 25 bis 30 Prozent der Arbeitsplätze in seinem Haus überflüssig machen. Gemessen an den derzeit knapp 95.000 Beschäftigten wären das bis zu 28.500 Jobs. Weiter meinte Ermotti, mit demselben Aufwand, mit dem sich heute 50 Kunden betreuen ließen, ließen sich in zehn Jahren 100 Kunden betreuen – „und zwar auf anspruchsvollere Art und Weise“

Reuters (News), Finanz-Szene.de (Dokumentation der zentralen Aussagen), Bloomberg Markets (komplettes Interview)

Analyse

Was hinter Lendicos Schleier zu sehen ist: Der Berliner Kreditmarktplatz hat – soweit wir das erkennen – erstmals halbwegs brauchbare Angaben zu seinem Geschäftsvolumen gemacht. So würden momentan Darlehen im Umfang von durchschnittlich fünf Millionen Euro monatlich vergeben. Ob man darob aber gleich „das große Geschäft wittern“ muss (O-Ton „Handelsblatt“), sei mal dahingestellt. Bei einer durchschnittlichen Losgröße von laut „Handelsblatt“ 120.000 Euro kommt unser Taschenrechner zu dem Ergebnis, dass Lendico an einem normalen Arbeitstag zwei Kredite vergibt (5 Mio. durch 120k durch 21 Arbeitstage). Das ist nicht sooooo wahnsinnig viel für eine Firma, die sich vor zwei Jahren bereits rühmte, „über 330.000 registrierte Nutzer“ zu haben. Und noch ein zweiter Hinweis für kritische Geister: Im dieser Tage veröffentlichten Halbjahresbericht von Rocket Internet lässt sich auf Seite 46 nochmal schön nachlesen, dass die Samwers schon 2016 für Lendico eine „Wertminderungsaufwendung“ in Höhe von 19,5 Millionen Euro geltend gemacht haben. Das war, bevor sie den Marketplace-Lender in diesem Sommer an einen Hedgefonds namens Arrowgrass weiterreichten.

News

Exklusiv – Wie viele Menschen wechseln wirklich ihr Girokonto? Zu dieser Frage kursierten zuletzt die wildesten Studien. „Finanz-Szene.de“ glaubt, nun zumindest eine einigermaßen belastbare Näherungsgröße ermittelt zu haben. Finanz-Szene.de

Wird die Deutsche Bank zum großen Mifid-Verlierer? So zumindest prognostiziert es eine gestern veröffentlichte UBS-Studie. Bloomberg

Kurzes Wochenende für die Deutsche Bank: Für alle, die ihren DBank-Alert übers lange Wochenende ausgeschaltet hatten, fassen wir nochmal kurz die übrigen News zusammen: Also, unsere Freunde aus den doppelten Türmen haben ihr A-Rating verloren +++Sie müssen 190 Mio. Dollar latzen, um in den USA den sog. Devisenskandal beizulegen +++ Sie haben ganz nebenbei die sog. Axa-Affäre abgeschlossen +++ Und sie haben in Q3 angeblich schlecht gewirtschaftet.

Postbank macht auf Fintech: Als nach eigenen Angaben „erste Großbank in Deutschland“ bietet das Bonner Institut nun einen papierlosen Ratenkredit über bis zu 50.000 Euro an. Anders ausgedrückt: Das Thema „Instant-Kredit“ erreicht allmählich das Establishment – und die Summen werden dabei immer höher. IT-Finanzmagazin (News), SZ (Hintergrund)

Lesetipps

Einen exzellenten Überblick zu allen offenen Fragen bezüglich PSD2: … gibt André Bajorat (wobei Sie beim Lesen im Hinterkopf behalten sollten, dass Bajorat als Chef des API-Fintechs Figo natürlich nicht ganz ohne eigene Interessen ist). Paymentandbanking

Wie die klassische Finanzindustrie die Fintechs absorbiert: … beschreibt Finews am Beispiel der Schweizer Bankenbranche. Finews.ch

Welche Rolle der Mensch im Robo Advisory spielt: … erklärt Scalable-Gründer Erik Podzuweit im Interview mit Fondsprofessionell.

Pleiten, Pech und Payment: Die Fintech-Revolution begann hierzulande mit den Payment-Startups. Entsprechend ist die Entwicklung in diesem Segment nun so weit fortgeschritten, dass viele Anbieter bereits wieder verschwunden sind (bzw. neudeutsch „konsolidiert wurden“). Der Zahlungsverkehrs-Experte Jochen Siegert hat das Phänomen grafisch festgehalten. Paymentandbanking

Goldman Sachs adelt Bitcoin: Die US-Investmentbank prüft den Einstieg ins Geschäft mit Kryptowährung (angeblich auf Druck großer Kunden … jaja, es sind immer die Kunden …). Handelsblatt

Aus der Szene

Die Chuzpe der Weißkittel-Banker: Erinnert sich noch jemand an die  Finanzkrise? Da verzockte sich die vornehme Apotheker- und Ärztebank mit Subprime-Papieren – und die Volks- und Raiffeisenbanken mussten ausrücken, die weißbekittelten Genossen zu retten. Vor diesem Hintergrund verblüfft, dass die Apobank nun offenbar die erstbeste Gelegenheit nutzt, den Volks- und Raiffeisenbanken den ausgestreckten …, ähem: die kalte Schulter zu zeigen. Denn wie die „Börsenzeitung“ berichtet, hat sich das Düsseldorfer Institut bei der Auswahl seines neuen IT-Anbieters gegen die genossenschaftliche Fiducia & GAD und für die Schweizer Software-Firma Avaloq entschieden (die damit, nebenbei bemerkt, nach dem Debakel mit der BHF Bank nun doch in Deutschland Fuß fasst). Private Banking Magazin

Klickfavorit

… war am Freitag unser Scoop über die Kunden-Erosion bei der Postbank. Finanz-Szene.de

In eigener Sache

Das Journalistenbüro SchreiberDohms, das den „Finanz-Szene.de“-Newsletter herausgibt, ist mit dem Deutschen Journalistenpreis in der Kategorie „Fintech“ ausgezeichnet worden. Der prämierte Artikel „Die Bastelbank“ beschreibt die Folgen von PSD2 und erschien im Frühjahr in „Capital“. Die Kollegen haben den Artikel online noch einmal zugänglich gemacht.

Newsletter 04/10/17: Job-Beben bei UBS, Immo-Crowd-Rekord, Deutsche Bank

UBS-Chef Ermotti sagt Job-Beben voraus

Es ist erst wenige Wochen her, dass Deutsche-Bank-Chef John Cryan den Siegeszug des Robo-Bankers prophezeite. Nun schlägt sein UBS-Kollege Sergio Ermotti noch drastischere Töne an. In einem Interview mit „Bloomberg Markets“ meinte der CEO der Schweizer Großbank, der technologische Fortschritt werde in den kommenden Jahren 25 bis 30 Prozent der Arbeitsplätze in seinem Haus überflüssig machen. Gemessen an den derzeit knapp 95.000 Beschäftigten wären das bis zu 28.500 Jobs. Weiter meinte Ermotti, mit demselben Aufwand, mit dem sich heute 50 Kunden betreuen ließen, ließen sich in zehn Jahren 100 Kunden betreuen – „und zwar auf anspruchsvollere Art und Weise“

Reuters (News), Finanz-Szene.de (Dokumentation der zentralen Aussagen), Bloomberg Markets (komplettes Interview)

Exklusiv: Immobilien-Crowdinvesting knackt die 100-Mio.-Euro-Marke

Über deutsche Crowdplattformen wie Exporo, Zinsland oder Bergfürst sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr als 100 Mio. Euro in Immobilienprojekte investiert worden. Das geht aus Daten hervor, die „Finanz-Szene.de“ vorab vom Branchenportal crowdfunding.de zur Verfügung gestellt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeuten die exakt 100,2 Mio. Euro ein Wachstum von 337 Prozent – wobei abzuwarten bleibt, inwiefern  dieses Tempo zu halten ist, nachdem die Branche Mitte September ihren ersten Ausfall erlebte. Bemerkenswert: Mehr als 60 Prozent des vermittelten Volumens entfielen auf einen einzigen Anbieter, nämlich Exporo aus Hamburg. Finanz-Szene.de

News

Exklusiv – Wie viele Menschen wechseln wirklich ihr Girokonto? Zu dieser Frage kursierten zuletzt die wildesten Studien. „Finanz-Szene.de“ glaubt, nun zumindest eine einigermaßen belastbare Näherungsgröße ermittelt zu haben. Finanz-Szene.de

Wird die Deutsche Bank zum großen Mifid-Verlierer? So zumindest prognostiziert es eine gestern veröffentlichte UBS-Studie. Bloomberg

Kurzes Wochenende für die Deutsche Bank: Für alle, die ihren DBank-Alert übers lange Wochenende ausgeschaltet hatten, fassen wir nochmal kurz die übrigen News zusammen: Also, unsere Freunde aus den doppelten Türmen haben ihr A-Rating verloren +++Sie müssen 190 Mio. Dollar latzen, um in den USA den sog. Devisenskandal beizulegen +++ Sie haben ganz nebenbei die sog. Axa-Affäre abgeschlossen +++ Und sie haben in Q3 angeblich schlecht gewirtschaftet.

Postbank macht auf Fintech: Als nach eigenen Angaben „erste Großbank in Deutschland“ bietet das Bonner Institut nun einen papierlosen Ratenkredit über bis zu 50.000 Euro an. Anders ausgedrückt: Das Thema „Instant-Kredit“ erreicht allmählich das Establishment – und die Summen werden dabei immer höher. IT-Finanzmagazin (News), SZ (Hintergrund)

Bei Cum-Ex geht’s jetzt ans Eingemachte: Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen frühere Aktienhändler der Hypo-Vereinsbank sowie einen aus Hessen stammenden Rechtsanwalt erhoben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

Analyse

Was hinter Lendicos Schleier zu sehen ist: Der Berliner Kreditmarktplatz hat – soweit wir das erkennen – erstmals halbwegs brauchbare Angaben zu seinem Geschäftsvolumen gemacht. So würden momentan Darlehen im Umfang von durchschnittlich fünf Millionen Euro monatlich vergeben. Ob man darob aber gleich „das große Geschäft wittern“ muss (O-Ton „Handelsblatt“), sei mal dahingestellt. Bei einer durchschnittlichen Losgröße von laut „Handelsblatt“ 120.000 Euro kommt unser Taschenrechner zu dem Ergebnis, dass Lendico an einem normalen Arbeitstag zwei Kredite vergibt (5 Mio. durch 120k durch 21 Arbeitstage). Das ist nicht sooooo wahnsinnig viel für eine Firma, die sich vor zwei Jahren bereits rühmte, „über 330.000 registrierte Nutzer“ zu haben. Und noch ein zweiter Hinweis für kritische Geister: Im dieser Tage veröffentlichten Halbjahresbericht von Rocket Internet lässt sich auf Seite 46 nochmal schön nachlesen, dass die Samwers schon 2016 für Lendico eine „Wertminderungsaufwendung“ in Höhe von 19,5 Millionen Euro geltend gemacht haben. Das war, bevor sie den Marketplace-Lender in diesem Sommer an einen Hedgefonds namens Arrowgrass weiterreichten.

Lesetipps

Einen exzellenten Überblick zu allen offenen Fragen bezüglich PSD2: … gibt André Bajorat (wobei Sie beim Lesen im Hinterkopf behalten sollten, dass Bajorat als Chef des API-Fintechs Figo natürlich nicht ganz ohne eigene Interessen ist). Paymentandbanking

Wie die klassische Finanzindustrie die Fintechs absorbiert: … beschreibt Finews am Beispiel der Schweizer Bankenbranche. Finews.ch

Welche Rolle der Mensch im Robo Advisory spielt: … erklärt Scalable-Gründer Erik Podzuweit im Interview mit Fondsprofessionell.

Pleiten, Pech und Payment: Die Fintech-Revolution begann hierzulande mit den Payment-Startups. Entsprechend ist die Entwicklung in diesem Segment nun so weit fortgeschritten, dass viele Anbieter bereits wieder verschwunden sind (bzw. neudeutsch „konsolidiert wurden“). Der Zahlungsverkehrs-Experte Jochen Siegert hat das Phänomen grafisch festgehalten. Paymentandbanking

Goldman Sachs adelt Bitcoin: Die US-Investmentbank prüft den Einstieg ins Geschäft mit Kryptowährung (angeblich auf Druck großer Kunden … jaja, es sind immer die Kunden …). Handelsblatt

Aus der Szene

Die Chuzpe der Weißkittel-Banker: Erinnert sich noch jemand an die  Finanzkrise? Da verzockte sich die vornehme Apotheker- und Ärztebank mit Subprime-Papieren – und die Volks- und Raiffeisenbanken mussten ausrücken, die weißbekittelten Genossen zu retten. Vor diesem Hintergrund verblüfft, dass die Apobank nun offenbar die erstbeste Gelegenheit nutzt, den Volks- und Raiffeisenbanken den ausgestreckten …, ähem: die kalte Schulter zu zeigen. Denn wie die „Börsenzeitung“ berichtet, hat sich das Düsseldorfer Institut bei der Auswahl seines neuen IT-Anbieters gegen die genossenschaftliche Fiducia & GAD und für die Schweizer Software-Firma Avaloq entschieden (die damit, nebenbei bemerkt, nach dem Debakel mit der BHF Bank nun doch in Deutschland Fuß fasst). Private Banking Magazin

Klickfavorit

… war am Freitag unser Scoop über die Kunden-Erosion bei der Postbank. Finanz-Szene.de

In eigener Sache

Das Journalistenbüro SchreiberDohms, das den „Finanz-Szene.de“-Newsletter herausgibt, ist mit dem Deutschen Journalistenpreis in der Kategorie „Fintech“ ausgezeichnet worden. Der prämierte Artikel „Die Bastelbank“ beschreibt die Folgen von PSD2 und erschien im Frühjahr in „Capital“. Die Kollegen haben den Artikel online noch einmal zugänglich gemacht.

Dokumentation: Die Aussagen des UBS-Chefs zum Job-Beben

In einem Interview mit „Bloomberg Markets“ hat UBS-Chef Sergio Ermotti erklärt, der technologische Fortschritt könne in den nächsten Jahren 25 bis 30 Prozent der Arbeitsplätze in seiner Bank überflüssig machen. Wir dokumentieren die beiden wichtigsten Antworten Ermottis:

  • Eventually, when we look back 3, 5, 10 years from now, you’ll realize how much has changed. But I don’t believe we’re going to go through those changes in a way that’s going to be perceived as disruptive to anyone. Think about where we were 10 years ago. So many changes have come through. You don’t see them because, of course, here we are every day. The impact of technology over the next 10 years is going to be very similar to the impact of regulation over the last 10. It’s not the Big Bang; it’s going to be very gradual. But you’re going to be faster—much more efficient, proficient. Instead of serving 50 clients, you’ll be able to serve 100 and in a more sophisticated way. And so I’m convinced that you need to continue to invest in that sense. Technology will help you reduce your cost base. But you’re also going to have to reinvest a lot of your savings to keep your tech capabilities up to speed.
  • I’m not telling you anything new: We see a lot of contraction in the number of people in our industry. I think the jobs that are still going to be there are still relevant. You talk to people who are process-oriented firms, and they say they’ll have 50 percent less. It’s not 5 percent or 10 percent but probably something in the middle: 25 percent, 30 percent. If you look at UBS, we employ a meaningful amount of people—almost 95,000, including contractors. You can have 30 percent less, but the jobs are going to be much more interesting jobs, where the human content is crucial to the delivery of the service. I’m totally convinced that our jobs and industry will continue to be very interesting and challenging.

Das komplette Interview lesen Sie hier.

Exklusiv: Immo-Crowd-Markt knackt 100-Mio-Marke

Von Heinz-Roger Dohms

Über deutsche Crowdplattformen wie Exporo, Zinsland oder Bergfürst sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr als 100 Mio. Euro in Immobilienprojekte investiert worden. Das geht aus Daten hervor, die „Finanz-Szene.de“ vorab vom Branchenportal crowdfunding.de zur Verfügung gestellt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr bedeuten die exakt 100,2 Mio. Euro ein Wachstum von 337 Prozent – wobei abzuwarten bleibt, inwiefern  dieses Tempo zu halten ist, nachdem die Branche Mitte September ihren ersten Ausfall erlebte.

Bemerkenswert: Mehr als 60 Prozent des vermittelten Volumens entfielen auf einen einzigen Anbieter, nämlich Exporo aus Hamburg (lesen Sie hier unser Interview mit Exporo-Chef Simon Brunke aus der vorletzten Woche). Und ebenfalls bemerkenswert: Immobilien machen mittlerweile rund 80 Prozent des gesamten Crowdinvesting-Markts aus. Von Januar bis September flossen nämlich nur 17,0 Mio. Euro in Startups (plus 28 Prozent), in Energieprojekte steckte der Schwarm 8,1 Mio. Euro (plus 161 Prozent).

Unsere Grafik listet segmentübergreifend die zehn größten Anbieter auf. Weitere Details finden Sie im Laufe des heutigen Mittwochs auf crowdfunding.de unter diesem Link.

Anbieter Segment Volumen
1. Exporo Immobilien 61.643.162 €
2. Zinsland Immobilien 13.350.000 €
3. Zinsbaustein Immobilien 8.925.000 €
4. Bergfürst Immobilien 6.738.470 €
5. Companisto Unternehmen 6.366.930 €
6. Kapilendo Unternehmen 4.049.000 €
7. Vestinas Immobilien 2.500.000 €
8. Bettervest Energie 2.343.750 €
9. WIWIN Energie 2.300.000 €
10. Seedmatch Unternehmen 2.246.000 €

Analyse: So viele Menschen wechseln ihr Girokonto wirklich

Von Heinz-Roger Dohms

Die Stammleser von „Finanz-Szene.de“  wissen, dass wir einigen der da draußen kursierenden Kontowechselservice-Studien nur bedingt vertrauen (bzw.: wenn sie von Yougov kommen, dann vertrauen wir ihnen gar nicht). Zwar haben wir leider immer noch keinen Weg gefunden, wie sich die  Zahl der Kontowechseler exakt ermitteln lässt.  Aber: Wir glauben, dass sich auf Basis plausibler Annahmen jetzt eine vernünftge Näherungsgröße bestimmen können.

Auf geht’s:

1.) Wie wir vergangene Woche gezeigt haben, hat die Postbank binnen zwölf Monaten brutto mindestens 550.000 Giro-Kunden verloren. Wenn wir das „mindestens“ streichen, indem wir es mit den vermuteten Sterbefällen verrechnen, kommen wir auf 500.000 bis 550.000 Kündigungen (=Kontowechseln). Bei einem Ausgangswert von 5,25 Millionen Postbank-Konten macht das ziemlich exakt zehn Prozent.

2.) Diese zehn Prozent sind aber ganz sicher keine Zahl, die sich 1:1 auf die Branche übertragen lässt. Denn:

  • Es gibt ja viele Direktbanken, die ihre Kontogebühren gar nicht erhöht haben. Hier wird die Kündigungsquote  extrem gering sein.
  • Kaum eine Bank stand öffentlich derart in der Diskussion (bzw. in der Kritik) wie die Postbank. Darum dürfte sie von Kontokündigungen stärker betroffen sein als Konkurrenzinstitute, die ähnliche Erhöhungen vorgenommen haben.
  • Hinzu kommt, dass die Postbank-Kunden im Schnitt preissensitiver sein dürften als die Sparkassen- und Volksbank-Kunden (das ist die Kehrseite der üppigen Neukunden-Boni, die das Bonner Institut einst auslobte). Auch dieser Umstand spricht dafür, dass die Kündigungswelle die Deutsche-Bank-Tochter besonders hart getroffen hat.

Pi mal Daumen dürfte die Zahl der Kontowechsler also über die gesamte Branche hinweg sehr deutlich unter zehn Prozent liegen.

3.) Dazu würde das Ergebnis der jüngsten Marktwächter-Umfrage passen, wonach die Zahl der Kontowechsler bei rund zwei Prozent liegt.

4.) Und dann könnte auch die jüngste GfK-Studie, wonach rund 40 Prozent aller Kontowechsel auf die Postbank zurückgehen, so einigermaßen stimmen. Denn wenn 40 Prozent 525.000 sind, dann wären 100 Prozent 1,31 Millionen (diese Zahl kann man dann, je nach Gusto, durch die Zahl aller Girokonten teilen – angeblich rund 100 Millionen – oder die Zahl derer, die mindestens ein Girokonto besitzen).

Die diversen Yougov-Studien, die eine Wechslerquote von neun und mehr Prozent suggerieren, sollte man hingegen vermutlich dahin kloppen, wo sie hingehören.