Exklusiv: Die Silicon Valley Bank kommt nach Deutschland

Von Heinz-Roger Dohms

Diese Geschichte beginnt Ende August. Denn da verliert die Commerzbank überraschend einen ihrer wichtigsten Digitalmanager – Christian Hoppe, Gründer und CEO des hauseigenen Fintech-Investors „Main Incubator“. Die Begründung? Bleibt vage. Stattdessen machen ein paar Gerüchte die Runde. Hoppe sei nicht ganz freiwillig gegangen, heißt es. So richtig plausibel ist dieses Gemurmel zwar nicht. Es hält sich allerdings hartnäckig.

Seit gestern wissen Eingeweihte, was wirklich hinter der Trennung steckte. Denn da zeigte sich auf Hoppes Linkedin-Profil plötzlich eine spektakuläre Veränderung – und zwar eine, die ganz stark dafür spricht, dass da jemand aus freien Stück gegangen und nicht etwa gegangen worden ist. Hoppe hat nämlich bereits einen neuen Arbeitgeber. Und der ist, mit Verlaub, ein bisschen cooler als der „Main Incubator“. Hoppe arbeitet jetzt für die legendäre Silicon Valley Bank (SVB).

An dieser Stelle könnte die Geschichte nun enden. Doch stattdessen fängt sie gerade erst an. Denn wie Recherchen von „Finanz-Szene.de“ nahelegen, ist es offenbar nicht so, dass Christian Hoppe ins Silicon Valley geht. Sondern so, dass das Silicon Valley sozusagen zu ihm kommt. Anders ausgedrückt: Die SVB bereitet offenkundig einen Markteintritt in Deutschland vor. Und Hoppe? Könnte ein (der?) Schlüsselmanager bei diesem Vorhaben sein. Äußern wollte er sich gestern nicht dazu, ebenso wenig wie eine SVB-Sprecherin.

Der Reihe nach: Die 1983 gegründete SVB ist eine Bank, wie es sie kein zweites Mal gibt auf der Welt. Einerseits ist sie eine riesige Venture-Capital-Bude, die nach eigenen Angaben im Zuge ihrer Historie in mehr als 30.000 Start-ups investiert hat.* Zugleich versteht sie sich allerdings auch als Dienstleister und Beratungshaus für andere High-Tech-Investoren. Und nicht zuletzt sammelt die SVB auch wie eine ganz normale Bank Einlagen ein, im Silicon Valley etwa gilt sie im Depositengeschäft sogar als klarer Marktführer. Sonst noch was? Ja: Obwohl die SVB keine typische Bilanzsummen-Bank ist, gehört sie mit Assets von rund 45 Milliarden Dollar auch in dieser Kategorie zu den 50 größten Banken der USA.

Schon 2014 deutete CEO Greg Becker in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ an, dass er sich einen Markteintritt in Deutschland vorstellen könne. Dann hörte man nichts mehr von der Sache. Doch nun – gut drei Jahr später – werden die Pläne nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ plötzlich konkret. Seit Mitte dieser Woche hält die SVB in deutschen Jobportalen auch nach einem „Relationship Manager“ und einem „Associate Commercial/Corporate Banking“ Ausschau. Schon vor zwei Wochen ging bei LinkedIn überdies eine Stellenanzeige online, derzufolge die SVB einen „Director Sales“ für den deutschen Markt sucht.

Branchenkenner halten es für möglich, dass die Expansion auch mit dem Brexit zusammenhängen könnte.* Dafür spricht, dass sich die Silicon Valley Bank in den vergangenen Monaten öffentlich auffällig besorgt zeigte, was den möglichen Exodus von Startups aus UK angeht (dort übrigens ist die SVB schon seit vielen Jahren vertreten). So lancierte das Institut jüngst Studie, wonach 38 Prozent aller britischen Startups im Zuge des EU-Austritts überlegen, ihre Zentrale auf den Kontinent zu verlegen. Folgt man dieser Argumentation, dann würde die Silicon Valley Bank mit ihrer Expansion nach Deutschland gewissermaßen der eigenen Klientel folgen. Auch eine spannende Geschichte.

* Ergänzung 3. November, 11:28 Uhr:

Zwei Punkte, auf die uns aufmerksame Leser hingewiesen haben: 1.) Die Formulierung, die Silicon Valley Bank „investiere“ in Startups, ist insofern missverständlich/irreführend, als sie das nicht auf Eigenkapitalbasis tut, sondern ausschießlich in Form von Krediten. 2.) Wie erwähnt, trug sich die Silicon Valley Bank schon vor drei Jahren mit dem Gedanken, nach Deutschland zu expandieren. Ein Leser, der offensichtlich noch deutlich näher an den Sache ist, als die von uns zitierten „Branchenkenner“, meinte daher, mit dem Brexit habe die Entscheidung eher weniger zu tun.

Newsletter 02/11/2017: Warum die Krypto-Blase platzt, Robo Adviser, Nonsens-Anleihen

Machen die neuen EU-Bankanleihen überhaupt Sinn?

Die Meldung kam scheinbar aus dem Nichts: Ohne dass es größere öffentliche Debatten gab, hat die Europäische Union vergangene Woche eine neue Kategorie von Bankanleihen eingeführt. Im Fachjargon werden die Papiere mit dem Attribut „nicht-bevorrechtigt, vorrangig“ versehen. Das bedeutet, dass sie im Rang zwischen normalen Senior-Anleihen und sogenannten T2-Nachranganleihen angesiedelt sind. Wozu das Ganze? Einerseits sollen die neuen Anleihen „bail-in-fähig“ sein (also als Puffer im Verlustfall dienen). Zugleich soll ihre Emission die Banken aber weniger kosten, als wenn diese echtes Haftungskapital begeben müssten. Alles klar also? Nein, meint einer der renommiertesten deutschsprachigen Fachleute auf dem Feld, nämlich Stefan Best, langjähriger Bankenanalyst von Standard & Poor’s. In der Fachzeitschrift „Risikomanager“ wirft der Anleiheexperte der EU-Kommission vor, sich bei der Einführung der neuen Schuldtitel auf „falsche Annahmen“ zu stützen. Für „Finanz-Szene.de“ hat Best seine Argumentation zusammengefasst.

Finanz-Szene.de (Analyse von Stefan Best), Handelsblatt (Meldung von vergangener Woche)

Warum die Krypto-Blase bald platzen wird

Eine deutsche Provinzfirma, deren Aktienkurs sich in drei Monaten ver600facht. Ein Hamburger Irgendwas-Fintech, das den drittgrößten ICO der Welt ankündigt. Und ein britisches Unternehmen, dessen Aktienkurs binnen eines Tages um fast 400 Prozent steigt, weil es seinen Firmennamen um den Begriff „Blockchain“ ergänzt. Zweifeln Sie noch daran, dass die Krypto-Blase bald platzen wird? Wir nicht mehr. Hier noch ein paar Indizien: Finanz-Szene.de

News

Deutsche Bank sucht neue (d.h.: zusätzliche) Büros in Frankfurt: Nach „Bloomberg“-Informationen geht es um 15.000 bis 20.000 Quadratmeter, auf denen binnen zwei Jahren bis zu 1600 Mitarbeiter untergebracht werden könnten. Hintergrund (Sie ahnen es schon …) ist der Brexit. Bereits im August hatte Bloomberg berichtet, dass das größte deutsche Geldhaus im Zuge des britischen EU-Austritts rund 4000 Jobs von London nach Frankfurt und Berlin verlegen könnte. Hieb- und stichfest sind diese Zahlen freilich alle noch nicht. Denn noch weiß niemand, wie die Verhandlungen zwischen der EU und der britischen Regierung ausgeht (und ehrlich gesagt weiß auch niemand, wie viel von dem Jobgeklingel  ernstzunehmen ist und wieviel lediglich dazu dient, politischen Druck zu erzeugen). Jedenfalls: Die Suche nach den neuen Büros soll in den nächsten Wochen offiziell beginnen. Bloomberg (Deutsche-Bank-News), Skylineatlas (Diese zehn neuen Bürotürme entstehen in Frankfurt)Main-Finance (Wie der Brexit den Frankfurter Büromarkt belebt)

Beyond .de

Powell wird neuer Fed-Chef: Hat Bloomberg, kurz bevor wir uns nochmal schlafen gelegt haben, unter Verweis auf drei Quellen gescooped. Hoffentlich hat die News, jetzt, wo sie sie lesen, auch weiterhin Gültigkeit. Bloomberg

Ergebnisse des EBA-Stresstests kommen ein paar Monate später: Laut „Börsenzeitung“ liegt das daran, dass sich die Banken außerstande sehen, ihre Daten fristgerecht zu liefern. Irgendwie auch schräg. Börsenzeitung (Paywall)

Europas Banken haben vergangenes Jahr 18,2 Mrd. Euro in Software investiert: … hat die Branchenlobby EBF gestern mitgeteilt. Wir hätten  aus dem Bauch heraus vermutet, dass es ein bisschen mehr sein würde – aber wir sind ja auch Laien. Drum, bevor wir uns mit unseren Mutmaßungen jetzt völlig verrennen: Die „Chief Digital Officers“ unter unseren Lesern werden die Zahl schon einzuordnen wissen. Pressemitteilung

Lesetipps

Robo-Advice zwischen Schein und Sein: „Die Robo-Frontends sind modern und schön, die Produkte kostengünstig. Aber alles, was danach kommt, hat eine mindestens zwanzig Jahre alte Legacy und ist dementsprechend teuer und ineffizient“, bloggt der Asset-Management-Consultant Jan Altmann. two and a half cent

Wie Fintech-PR richtig geht: … erklären Juliane Wolff von Mastercard und Susanne Krehl von Barzahlen. t3n

Wo wird das alles enden mit der Digitalisierung des Bankgeschäfts? Dieser Frage sind die beiden Bloomberg-View-Kolumnisten Tyler Cowen und Matt Levine nachgegangen. Bloomberg

Ignoriert

Die britische Notenbank fürchte im Zuge des Brexits um 75.000 Finanzjobs, war gestern in vielen Online-Medien zu lesen. Wie die FAZ heute früh allerdings anmerkt, hat sich BoE-Mann Woods lediglich auf eine knapp ein Jahr alte Oliver-Wyman-Studie berufen, in der von 3000 bis 75.000 Stellen die Rede gewesen sei. Was bringt uns die Zahl also? Zumal es ja auch noch ganz andere Schätzungen gibt. Sogar von mehr als 200.000 war schon mal zu lesen. Und, nicht zu vergessen: Das eigentliche Jobmassaker im Bankgewerbe droht ja ohnehin in einem ganz anderem Zusammenhang, wie der Nordea-Chef dieser Tage angemerkt hat.

Aus der Szene

Bei einer im Frankfurter Westhafen ansässigen Investmentgesellschaft niederländischer Provenienz ist der Umgangston offenbar leicht schulmeisterlich. Woher wir das wissen? Weil die E-Mail, mit der die eine Kollegin die andere gestern Vormittag mal so richtig schön auf den Pott gesetzt hat, versehentlich an den  größtmöglichen Verteiler Frankfurter Finanzjournalisten ging. Nicht in Erfahrung zu bringen war leider, was sich die schulmeisterliche Kollegin ihrerseits von der Chefin anhören musste, als herauskam, dass sie die Sache mit dem „Cc.“ nicht ganz beherrscht. Und: Bedauernswerterweise dürfen wir aus rechtlichen Gründen auch den Namen der betreffenden Firma nicht nennen. Unser Jurist – der ein alter Lateiner ist – empfahl uns, stattdessen „N.N.“ zu schreiben.  

Personalien

NN Investment Partners baut Vertrieb  aus: Die im Frankfurter Westhafen ansässige Deutschland-Niederlassung der holländischen Investmentgesellschaft hat sich mit Christian Gohlke (Ex Citigroup Global Markets) verstärkt. Pressemitteilung

Klickfavorit

… war gestern unser exklusives Stück über die Deutschland-Pläne der österreichischen Großsparkasse „Erste Group“. Finanz-Szene.de

Newsletter 02/11/2017: Nonsens-Anleihen, Deutsche Bank auf Bürosuche, Powell wird’s

Machen die neuen EU-Bankanleihen überhaupt Sinn?

Die Meldung kam scheinbar aus dem Nichts: Ohne dass es größere öffentliche Debatten gab, hat die Europäische Union vergangene Woche eine neue Kategorie von Bankanleihen eingeführt. Im Fachjargon werden die Papiere mit dem Attribut „nicht-bevorrechtigt, vorrangig“ versehen. Das bedeutet, dass sie im Rang zwischen normalen Senior-Anleihen und sogenannten T2-Nachranganleihen angesiedelt sind. Wozu das Ganze? Einerseits sollen die neuen Anleihen „bail-in-fähig“ sein (also als Puffer im Verlustfall dienen). Zugleich soll ihre Emission die Banken aber weniger kosten, als wenn diese echtes Haftungskapital begeben müssten. Alles klar also? Nein, meint einer der renommiertesten deutschsprachigen Fachleute auf dem Feld, nämlich Stefan Best, langjähriger Bankenanalyst von Standard & Poor’s. In der Fachzeitschrift „Risikomanager“ wirft der Anleiheexperte der EU-Kommission vor, sich bei der Einführung der neuen Schuldtitel auf „falsche Annahmen“ zu stützen. Für „Finanz-Szene.de“ hat Best seine Argumentation zusammengefasst.

Finanz-Szene.de (Analyse von Stefan Best), Handelsblatt (Meldung von vergangener Woche)

News

Deutsche Bank sucht neue (d.h.: zusätzliche) Büros in Frankfurt: Nach „Bloomberg“-Informationen geht es um 15.000 bis 20.000 Quadratmeter, auf denen binnen zwei Jahren bis zu 1600 Mitarbeiter untergebracht werden könnten. Hintergrund (Sie ahnen es schon …) ist der Brexit. Bereits im August hatte Bloomberg berichtet, dass das größte deutsche Geldhaus im Zuge des britischen EU-Austritts rund 4000 Jobs von London nach Frankfurt und Berlin verlegen könnte. Hieb- und stichfest sind diese Zahlen freilich alle noch nicht. Denn noch weiß niemand, wie die Verhandlungen zwischen der EU und der britischen Regierung ausgeht (und ehrlich gesagt weiß auch niemand, wie viel von dem Jobgeklingel  ernstzunehmen ist und wieviel lediglich dazu dient, politischen Druck zu erzeugen). Jedenfalls: Die Suche nach den neuen Büros soll in den nächsten Wochen offiziell beginnen. Bloomberg (Deutsche-Bank-News), Skylineatlas (Diese zehn neuen Bürotürme entstehen in Frankfurt)Main-Finance (Wie der Brexit den Frankfurter Büromarkt belebt)

Beyond .de

Powell wird neuer Fed-Chef: Hat Bloomberg, kurz bevor wir uns nochmal schlafen gelegt haben, unter Verweis auf drei Quellen gescooped. Hoffentlich hat die News, jetzt, wo sie sie lesen, auch weiterhin Gültigkeit. Bloomberg

Ergebnisse des EBA-Stresstests kommen ein paar Monate später: Laut „Börsenzeitung“ liegt das daran, dass sich die Banken außerstande sehen, ihre Daten fristgerecht zu liefern. Irgendwie auch schräg. Börsenzeitung (Paywall)

Europas Banken haben vergangenes Jahr 18,2 Mrd. Euro in Software investiert: … hat die Branchenlobby EBF gestern mitgeteilt. Wir hätten  aus dem Bauch heraus vermutet, dass es ein bisschen mehr sein würde – aber wir sind ja auch Laien. Drum, bevor wir uns mit unseren Mutmaßungen jetzt völlig verrennen: Die „Chief Digital Officers“ unter unseren Lesern werden die Zahl schon einzuordnen wissen. Pressemitteilung

Lesetipps

Warum die Krypto-Blase bald platzen wird: Eine deutsche Provinzfirma, deren Aktienkurs sich in drei Monaten ver600facht. Ein Hamburger Irgendwas-Fintech, das den drittgrößten ICO der Welt ankündigt. Und ein britisches Unternehmen, dessen Aktienkurs binnen eines Tages um fast 400 Prozent steigt, weil es seinen Firmennamen um den Begriff „Blockchain“ ergänzt. Zweifeln Sie noch daran, dass die Krypto-Blase bald platzen wird? Wir nicht mehr. Hier noch ein paar Indizien: Finanz-Szene.de

Robo-Advice zwischen Schein und Sein: „Die Robo-Frontends sind modern und schön, die Produkte kostengünstig. Aber alles, was danach kommt, hat eine mindestens zwanzig Jahre alte Legacy und ist dementsprechend teuer und ineffizient“, bloggt der Asset-Management-Consultant Jan Altmann. two and a half cent

Wie Fintech-PR richtig geht: … erklären Juliane Wolff von Mastercard und Susanne Krehl von Barzahlen. t3n

Wo wird das alles enden mit der Digitalisierung des Bankgeschäfts? Dieser Frage sind die beiden Bloomberg-View-Kolumnisten Tyler Cowen und Matt Levine nachgegangen. Bloomberg

Ignoriert

Die britische Notenbank fürchte im Zuge des Brexits um 75.000 Finanzjobs, war gestern in vielen Online-Medien zu lesen. Wie die FAZ heute früh allerdings anmerkt, hat sich BoE-Mann Woods lediglich auf eine knapp ein Jahr alte Oliver-Wyman-Studie berufen, in der von 3000 bis 75.000 Stellen die Rede gewesen sei. Was bringt uns die Zahl also? Zumal es ja auch noch ganz andere Schätzungen gibt. Sogar von mehr als 200.000 war schon mal zu lesen. Und, nicht zu vergessen: Das eigentliche Jobmassaker im Bankgewerbe droht ja ohnehin in einem ganz anderem Zusammenhang, wie der Nordea-Chef dieser Tage angemerkt hat.

Aus der Szene

Bei einer im Frankfurter Westhafen ansässigen Investmentgesellschaft niederländischer Provenienz ist der Umgangston offenbar leicht schulmeisterlich. Woher wir das wissen? Weil die E-Mail, mit der die eine Kollegin die andere gestern Vormittag mal so richtig schön auf den Pott gesetzt hat, versehentlich an den  größtmöglichen Verteiler Frankfurter Finanzjournalisten ging. Nicht in Erfahrung zu bringen war leider, was sich die schulmeisterliche Kollegin ihrerseits von der Chefin anhören musste, als herauskam, dass sie die Sache mit dem „Cc.“ nicht ganz beherrscht. Und: Bedauernswerterweise dürfen wir aus rechtlichen Gründen auch den Namen der betreffenden Firma nicht nennen. Unser Jurist – der ein alter Lateiner ist – empfahl uns, stattdessen „N.N.“ zu schreiben.  

Personalien

NN Investment Partners baut Vertrieb  aus: Die im Frankfurter Westhafen ansässige Deutschland-Niederlassung der holländischen Investmentgesellschaft hat sich mit Christian Gohlke (Ex Citigroup Global Markets) verstärkt. Pressemitteilung

Klickfavorit

… war gestern unser exklusives Stück über die Deutschland-Pläne der österreichischen Großsparkasse „Erste Group“. Finanz-Szene.de

Warum die neuen EU-Bankanleihen keinen Sinn machen

Von Stefan Best

Die EU will eine neue Klasse von Bankanleihen schaffen – darauf haben sich Kommission, Parlament und Ministerrat vergangene Woche verständigt.

Es handelt sich dabei um Anleihen, die in der Insolvenzhierarchie zwischen T2-Nachranganleihen und ganz normalen Senior-Anleihen angesiedelt werden. Der Fachbegriff lautet: nicht-bevorrechtigte, vorrangige Schuldtitel. Bei einem Bail-in würden diese neuen Bonds nach den T2-Anleihen, aber vor den Senior-Anleihen zur Verlustabsorption herangezogen oder in Eigenkapital umgewandelt.

Doch warum so kompliziert?

Der Hintergrund ist klar: Um zu verhindern, dass bei einer Bankenschieflage wieder die Steuerzahler einspringen müssen, sollen Europas Geldinstitute verpflichtet werden, stets ein bestimmtes Volumen an Bail-in-fähigen Anleihen vorzuhalten. Dieser sogenannte „MREL-Betrag“ würde meiner Meinung nach am besten und einfachsten mit Eigenkapital oder T2 dargestellt. Die EU-Kommission indes hofft, dass die Banken durch Einführung der neuen Anleihenkategorie günstiger davonkommen.

Dabei argumentiert die Kommission jedoch auf Basis falscher Annahmen. Sie geht davon aus, dass das Ausfallrisiko (das wiederum die Kosten der Anleihe definiert) von der Zusammensetzung der Verbindlichkeiten einer Bank abhängt. Kapitalmarkttheoretiker sind sich hingegen einig, dass das Ausfallrisiko eben nicht von der Zusammensetzung, sondern vom Risiko der Aktiva einer Bank, von ihren Eigenmitteln und von der Höhe der Verbindlichkeit abhängt. Damit läuft die komplette Begründung der Kommission ins Leere.

Es besteht sogar die Gefahr, dass durch die Einführung der neuen nicht-bevorrechtigten vorrangigen Schuldtitel zur Erfüllung der MREL die Umgehungsmöglichkeiten eines Bail-In aufrechterhalten werden sollen. Während nämlich in den Fällen fragwürdiger vorsorglicher Eigenkapitalhilfen wie jüngst bei der Banca Monte dei Paschi di Siena oder sonstiger staatlicher Beihilfen zwar Eigenmittel zum Bail-In herangezogen werden müssen, besteht ohne Abwicklungsbeschluss keine solche Pflicht für sonstige Schuldtitel, selbst wenn diese als MREL anerkannt sind.

Aus Expertensicht erscheint die Einführung der neuen Anleiheklasse daher nicht nur überflüssig sondern schädlich, da sowohl Marktdisziplin als auch Transparenz leiden. Sinnvoll wäre es gewesen, von den Banken zu fordern, die MREL-Vorgaben schlicht durch mehr Eigenmittel zu erfüllen. Stattdessen macht die EU ein ohnehin komplexes Regelwerk nun noch einmal komplizierter.

[Der Autor war Managing Director für Financial Institutions bei der Ratingagentur Standard & Poor’s und lehrt inzwischen an der Wiesbaden Business School. Seine Meinung ist nicht notwendig die der Redaktion. Die Langfassung von Bests Analyse finden Sie in der Fachzeitschrift „Risikomanager“, Ausgabe 9/2017. Der Artikel lässt sich auch kostenpflichtig im Genios-Archiv abrufen.]

 

Fünf Indizien, warum die Krypto-Blase bald platzen wird

Von Heinz-Roger Dohms

1.) Der Kurs der in Herford ansässigen Bitcoin Group SE – Betreiber einer deutschen Bitcoin-Börse – hat sich per gestern Nachmittag auf Sicht von drei Monaten ver-568-facht. Die Marktkapitalisierung lag bei 317,50 Mio. Euro, das KGV bei 469. Aktienkurs.

2.) Das Hamburger Finanz-Startup Naga plant den drittgrößten ICO der Welt (Volumen: 220 Mio. Euro). Das Vorhaben kommt einigermaßen überraschend. Denn im 360-seitigen Wertpapierprospekt, den Naga vor dem Börsengang am 10. Juli veröffentlichte und in dem das Geschäftsmodell hinlänglich beschrieben wurde, tauchte keiner der folgenden Begriffe auf: „ICO“, „Token“, „Initial Coin Offering“, „Coin“. Übrigens: Die Marktkapitalisierung von Naga betrug per gestern Nachmittag 227,04 Mio. Euro.

3.) Selbst seriöse Medien tun sich immer schwerer, dem Krypto-Wahn zu widerstehen. Ein Beispiel: Die „Welt“ beschlich vergangene Woche eine ganz starke Ahnung, dass Amazon im Zuge der Veröffentlichung seiner Q3-Zahlen ankündigen würde, demnächst Bitcoins als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Was daraus geworden ist? Nix.

4.) Wie der Kollege Niklas Wirminghaus auf Twitter bemerkt, haben ICOs inzwischen einen derart schlechten Ruf, dass erste Emittenten wie das deutsche Fintech Neufund offenbar beginnen, den Begriff als solchen zu vermeiden.

5.) Andererseits: Wenn ein börsennotiertes Unternehmen dieser Tage den Begriff „Blockchain“ in seinen Firmennamen einbindet, dann stehen die Chancen gut, dass sich der Börsenkurs binnen eines Tages um 394 Prozent erhöht.