Exklusiv: ING Diba und Scalable Capital knacken im Eiltempo die 100-Millionen-Euro-Marke

Von Heinz-Roger Dohms

Führt der Markteintritt der ING Diba zum Durchbruch der digitalen Vermögensverwaltung in Deutschland? Die ersten Zahlen zumindest lesen sich beeindruckend: Denn wie Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen, hat die Kooperation mit der Diba dem Münchner Robo-Advisor Scalable Capital binnen weniger Wochen bereits Zuflüsse von rund 100 Millionen Euro beschert. Diese Zahl lässt sich aus einer Investoren-Präsentation herleiten, die der niederländische Diba-Mutterkonzerns ING Groep anlässlich der Q3-Zahlen auf seiner Website veröffentlicht hat.

In dem Fact-Sheet heißt es, ING-Diba-Kunden hätten seit dem offiziellen Start der Zusammenarbeit Mitte September pro Woche mehr als 1000 Kunden bei Scalable angelegt. Da die Kooperation inzwischen sieben Wochen alt ist und die Mindestanlagesumme bei 10.000 Euro liegt, müssen die „Assets under Management“ in jedem Falle jenseits der 70 Millionen Euro liegen. Branchenkenner gehen allerdings davon aus, dass die tatsächliche Summe deutlich höher ist – und die 100-Mio-Euro-Marke sehr wahrscheinlich schon geknackt wurde oder dieser Tage geknackt wird. Die Zusammenarbeit funktioniert so, dass die ING Diba für jeden ihrer Kunden, der bei Scalable investiert, eine Provision von jährlich 0,42 Prozent des Anlagebetrags erhält.

Unter Branchenexperten gilt die Kooperation zwischen der Frankfurter Onlinebank und dem Münchner Fintech als Lackmustest, wie schnell sich die digitale Vermögensverwaltung in Deutschland etabliert lässt. Denn: Die ING Diba ist der erste große Player am deutschen Markt, der sich ernsthaft ins Robo-Geschäft stürzt. Die Volks- und Raiffeisenbanken (über ihren Fondsdienstleister Union Investment) und die Sparkassen (über die Deka) haben zwar längst eigene Robo-Adviser gegründet – bewerben diese aber praktisch gar nicht, weil sie fürchten, damit das einträglichere Geschäft mit klassischen Investmentfonds und Zertifikaten zu kannibalisieren. Die Deutsche Bank wiederum brachte vergangenes Jahr einen Robo an den Start, der gar kein Robo war – und bei den Kunden krachend durchfiel. Und die Commerzbank schickte lieber ihren Online-Broker Comdirect vor.

Tatsächlich konnte die Comdirect im Frühjahr auf einen ähnlich fulminanten Start verweisen wie jetzt die ING Diba: Im Mai an den Markt gegangen, hatte der Cominvest genannte Robo-Berater Ende Juni schon die 100-Mio.-Euro-Grenze durchbrochen. Seitdem hat sich das Wachstum allerdings merklich verlangsamt. So stand der Comdirect-Roboter zum Ende des dritten Quartals bei rund 150 Mio. Euro. Der Broker begründet die Verlangsamung damit, dass man die Marketingausgaben nach der Startphase deutlich reduziert habe. Abgesehen von Scalable und Cominvest weiß man nur noch von einem dritten Anbieter sicher, dass er die 100-Mio.-Euro-Schwelle geknackt hat – nämlich Liqid aus Berlin.

Scalable Capital übrigens lag im Spätsommer (damals noch ohne die ING Diba) nach eigenen Angaben bereits bei 300 Mio. Euro. Addiert man dazu die rund 100 Mio. Euro, die über die Oranje-Bank kamen, und jenes Geld, das die Münchner seitdem mit eigenhändig eingewoben hat – dann dürfte in Kürze auch die Meldung kommen, dass Scalable Capital als erster deutscher Robo-Advisor die 500-Millionen-Euro-Marke überquert hat.

Acht Dinge, die Sie noch zur Silicon Valley Bank wissen sollten

Von Heinz-Roger Dohms

Am Freitag hatten wir exklusiv berichtet, dass die Silicon Valley Bank (SVB) vor dem Markteintritt in Deutschland steht. Hier noch ein paar Dinge, die wir da noch nicht wussten bzw. noch nicht geschrieben hatten:

1.) Wie aus SEC-Filings hervorgeht, läuft der Lizenzantrag bei der Bafin offenbar bereits. In einem Dokument der SVB Financial Group aus dem August ist von einer „Application in progress“ (PDF, Seite 27) die Rede, in einem Dokument von Oktober von einer „Branch application in progress“ (PDF, Seite 28). Die SVB äußert sich hierzu nicht.

2.) Neben dem Commerzbank-Main-Incubator-Gründer Christian Hoppe hat laut LinkedIn auch die frühere Deutsche-Bank-Managerin Katrin Stark (die zuvor Bereichsvorstand bei der Coba war) bei der Silicon Valley Bank angeheuert. Daneben gibt sich bei Linkedin noch eine weitere frühere Deutschbankerin neuerdings als SVB-Mitarbeiterin zu erkennen, nämlich Iris Liliana Bleck. Die SVB äußert sich zu keiner der Personalien.

3.) Wie sich aus Punkt 1 (Bafin-Lizenz …) ergibt, kann an die Spitze der deutschen Silicon Valley Bank eigentlich nur jemand rücken, der den strengen Eignungsrichtlinien der Aufseher entspricht (das ist zumindest unser Verständnis). Wenn Sie nun unter Punkt 2 die LinkedIn-Profile von Herrn Hoppe, Frau Bleck und Frau Stark vergleichen, dann werden Sie feststellen, dass Frau Stark (Ex-Bereichsvorstand Coba …) vor diesem Hintergrund für eine Vorstandsposition tendenziell eher infrage käme als Frau Bleck und Herr Hoppe. Die SVB äußert sich hierzu nicht. Grundsätzlich würde es uns nicht wundern, wenn da, was die Führungsposten angeht, demnächst noch jemand anderes aus den Kulissen träte.

4.) Wo die Silicon Valley Bank sitzen wird? Wenn man nach den bislang veröffentlichten Jobanzeigen geht, dann in Frankfurt. Wissen tun wir es allerdings nicht. Die SVB äußert sich hierzu nicht.

5.) Wie uns ein augenscheinlich sehr gut informierter Leser am Freitagabend zurief, arbeitet (arbeitete?) zumindest ein deutsches Fintech bereits mit Geld der Silicon Valley Bank, nämlich das Münchner Gutschein-Startup Globals Savings Group. Hier der entsprechende Beleg aus 2015 (bitte nicht wundern …, das Unternehmen trat damals noch unter den Markennamen Cuponation auf).

6.) Aus ebenfalls dufter Quelle bekamen wir den Zuruf: „Seit knapp zwei Monaten lässt die Silicon Valley Bank Telefoninterviews bei deutschen Startups durchführen und prüft somit das Marktpotential und die Positionierung.“ Da sich diese Information naturgemäß nicht so leicht überprüfen lässt, fragten wir die SVB, ob das denn so stimmt. Die SVB wollte auch hierzu keine Stellung nehmen.

7.) Wie sich aus unserem Artikel am Freitag herauslesen lässt, waren wir der irrigen Annahme, die Silicon Valley Bank vergebe nicht nur Fremdkapital, sondern trete auch als Equity-Investor aus. Das ist aber falsch, wurde uns von Unternehmensseite mitgeteilt. Der Begriff „Startup-Investor“ ist mithin irreführend, richtig wäre „Startup-Finanzierer“.

8.) Wobei – ist das mit dem „Startup“ überhaupt richtig? Vonseiten der SVB wird nämlich freundlich empfohlen, eher nicht „Startup-Bank“ zu schreiben, denn das sei viel zu kurz gesprungen. Freundlicherweise gibt es parallel zu dem Hinweis auch einen Link, aus dem hervorgeht, dass nur sechs Prozent des Kreditvolumens in „Startups“ fließen und 94 Prozent in „Larger Companies„. Fragt man indes nach, ob die SVB den Begriff „Startup“ womöglich tendenziell ein bisserl enger fasst, kommt heraus, dass bei der SVB alles ab „Serie B“-Finanzierung unter „Larger Companies“ firmiert. Alles eine Frage der Definition also.