Exklusiv: Die HSH Nordbank mutiert zur Retailbank

Von Heinz-Roger Dohms

Paukenschlag in Hamburg: Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ wagt sich die HSH Nordbank als erste Landesbank überhaupt ins Einlagengeschäft für Retailkunden – und das mitten im Privatisierungs-Prozess. Bestandskunden der Einlagenplattform „Zinspilot.de“ können demnach offenbar schon seit einigen Wochen Festgelder mit Laufzeiten von drei bis zwölf Monaten bei der HSH anlegen. Am heutigen Donnerstag werde das Angebot nun für sämtliche Anleger freigeschaltet, sagte Tim Sievers, CEO des Hamburger Fintechs Deposit Solutions (das hinter „Zinspilot“ steht), auf Anfrage von „Finanz-Szene.de“.

Die Konditionen sind erstaunlich. So bringt das einjährige Festgeld den Nutzern eine Verzinsung von 0,95 Prozent – das ist mehr, als irgendeine andere deutsche Bank den Kunden bei gleicher Laufzeit momentan auf Portalen wie Zinspilot, Weltsparen, Check24, Verivox, Biallo oder FMH bietet. Und selbst, wer seine Ersparnisse nur für drei Monate bei der HSH Nordbank deponieren möchte, wird noch mit 0,85 Prozent entschädigt.  Angesichts der relativ hohen Zinsen scheint nicht ausgeschlossen, dass nach Öffnung des Angebots für sämtliche Anleger nun sogar ein kleiner Run auf die Festgeld-Angebote des Instituts einsetzt.

Die HSH Nordbank muss bekanntlich bis Ende Februar 2018 privatisiert werden. Misslingt der Verkauf, droht die EU-Kommission mit der Abwicklung des krisengeplagten Instituts. Vor drei Wochen hatten die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein erklärt, dass aus dem Kreis der potenziellen Bieter  erste verbindliche Kaufofferten eingegangen seien. „Nach erster Sichtung bieten diese eine gute Grundlage, um den Verkaufsprozess fortsetzen zu können”, hieß es in der Mitteilung.

Dem Vernehmen nach stehen die Retail-Pläne in direktem Zusammenhang mit der angestrebten Privatisierung. Hintergrund: Als Landesbank gehört das Institut bislang dem Einlagensicherungs-System des öffentlich-rechtlichen Bankensektors an. Dieses müsste die HSH allerdings nach dem Verkauf verlassen – womit als Alternative lediglich das freiwillige Sicherungssystem der Privatbanken bliebe.

Beim privaten Bankenverband BdB indes, der die freiwillige Einlagensicherung betreibt, soll sich die Vorfreude auf das mögliche neue Mitglied in Grenzen halten. So meinte BdB-Präsident Hans-Walter Peters kürzlich: „Die Glaubwürdigkeit der Einlagensicherung lebt von den hohen Standards, die sich die privaten Banken selbst gesetzt haben.“ Die Aussage war zwar nicht explizit, vermutlich aber implizit auf die HSH gemünzt. 

Das Einwerben normaler Spareinlagen hat für die HSH Nordbank den großen Vorteil, dass Depositen bis zu einer Höhe von 100.000 Euro vom gesetzlichen Einlagenschutz gedeckt sind. Zudem bieten einfache Kundengelder auch einen regulatorischen Vorteil: Sie wirken sich positiv auf die Liquiditäts-Kennziffern aus, weil die Aufseher dieses Geld für stabiler halten als Wholesale-Funding, das von großen Anleihegläubigern kommt.

Deposit Solutions darf es unterdessen als Prestigeerfolg verbuchen, einen großen Player wie die HSH Nordbank auf seinen „Zinspilot“-Markplatz gelockt zu haben. Das Hamburger Fintech hatte als reiner B2B-Dienstleister zuletzt auch schon die „Zinsmarkt“ genannte Einlagenplattform der Deutschen Bank gebaut. Dem größten Geldhaus hierzulande geht es bei dem Tool allerdings darum, seinen eigenen Kunden die Möglichkeit zu geben, ihre Geld bei anderen Banken zu parken; also sozusagen die gegenteilige Motivlage im Vergleich zur HSH. „Finanz-Szene.de“ hatte zudem neulich exklusiv berichtet, dass auch die Sparkassen überlegen, die Technologie von Deposit Solutions zu nutzen. Hier dürfte es allerdings in erster Linie um verbundinterne Lösungen gehen.

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HVB startet Instant-Pressemitteilungs-Angebot: Kaum dass die Echtzeit-Zahlungsplattform der Eba Clearing gestern freigeschaltet war, landete in unserem Postfach auch schon die Nachricht, die HVB habe „als erste Bank im deutschen Markt“ ihr Instant-Payments-Angebot gestartet. Konkret sei eine „Zahlung von Deutschland nach Italien ausgeführt worden“. Ob es sich dabei um die Dividende für die Unicredit handelte, blieb unklar. HVB-Presse 

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(Hinweis: In dieser und den nächsten vier Wochen erklärt täglich ein Leser, warum er „Finanz-Szene.de“ liest. Die Serie ist auf 20 Ausgaben begrenzt)

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