Warum die neuen EU-Bankanleihen keinen Sinn machen

Von Stefan Best

Die EU will eine neue Klasse von Bankanleihen schaffen – darauf haben sich Kommission, Parlament und Ministerrat vergangene Woche verständigt.

Es handelt sich dabei um Anleihen, die in der Insolvenzhierarchie zwischen T2-Nachranganleihen und ganz normalen Senior-Anleihen angesiedelt werden. Der Fachbegriff lautet: nicht-bevorrechtigte, vorrangige Schuldtitel. Bei einem Bail-in würden diese neuen Bonds nach den T2-Anleihen, aber vor den Senior-Anleihen zur Verlustabsorption herangezogen oder in Eigenkapital umgewandelt.

Doch warum so kompliziert?

Der Hintergrund ist klar: Um zu verhindern, dass bei einer Bankenschieflage wieder die Steuerzahler einspringen müssen, sollen Europas Geldinstitute verpflichtet werden, stets ein bestimmtes Volumen an Bail-in-fähigen Anleihen vorzuhalten. Dieser sogenannte „MREL-Betrag“ würde meiner Meinung nach am besten und einfachsten mit Eigenkapital oder T2 dargestellt. Die EU-Kommission indes hofft, dass die Banken durch Einführung der neuen Anleihenkategorie günstiger davonkommen.

Dabei argumentiert die Kommission jedoch auf Basis falscher Annahmen. Sie geht davon aus, dass das Ausfallrisiko (das wiederum die Kosten der Anleihe definiert) von der Zusammensetzung der Verbindlichkeiten einer Bank abhängt. Kapitalmarkttheoretiker sind sich hingegen einig, dass das Ausfallrisiko eben nicht von der Zusammensetzung, sondern vom Risiko der Aktiva einer Bank, von ihren Eigenmitteln und von der Höhe der Verbindlichkeit abhängt. Damit läuft die komplette Begründung der Kommission ins Leere.

Es besteht sogar die Gefahr, dass durch die Einführung der neuen nicht-bevorrechtigten vorrangigen Schuldtitel zur Erfüllung der MREL die Umgehungsmöglichkeiten eines Bail-In aufrechterhalten werden sollen. Während nämlich in den Fällen fragwürdiger vorsorglicher Eigenkapitalhilfen wie jüngst bei der Banca Monte dei Paschi di Siena oder sonstiger staatlicher Beihilfen zwar Eigenmittel zum Bail-In herangezogen werden müssen, besteht ohne Abwicklungsbeschluss keine solche Pflicht für sonstige Schuldtitel, selbst wenn diese als MREL anerkannt sind.

Aus Expertensicht erscheint die Einführung der neuen Anleiheklasse daher nicht nur überflüssig sondern schädlich, da sowohl Marktdisziplin als auch Transparenz leiden. Sinnvoll wäre es gewesen, von den Banken zu fordern, die MREL-Vorgaben schlicht durch mehr Eigenmittel zu erfüllen. Stattdessen macht die EU ein ohnehin komplexes Regelwerk nun noch einmal komplizierter.

[Der Autor war Managing Director für Financial Institutions bei der Ratingagentur Standard & Poor’s und lehrt inzwischen an der Wiesbaden Business School. Seine Meinung ist nicht notwendig die der Redaktion. Die Langfassung von Bests Analyse finden Sie in der Fachzeitschrift „Risikomanager“, Ausgabe 9/2017. Der Artikel lässt sich auch kostenpflichtig im Genios-Archiv abrufen.]

 

Fünf Indizien, warum die Krypto-Blase bald platzen wird

Von Heinz-Roger Dohms

1.) Der Kurs der in Herford ansässigen Bitcoin Group SE – Betreiber einer deutschen Bitcoin-Börse – hat sich per gestern Nachmittag auf Sicht von drei Monaten ver-568-facht. Die Marktkapitalisierung lag bei 317,50 Mio. Euro, das KGV bei 469. Aktienkurs.

2.) Das Hamburger Finanz-Startup Naga plant den drittgrößten ICO der Welt (Volumen: 220 Mio. Euro). Das Vorhaben kommt einigermaßen überraschend. Denn im 360-seitigen Wertpapierprospekt, den Naga vor dem Börsengang am 10. Juli veröffentlichte und in dem das Geschäftsmodell hinlänglich beschrieben wurde, tauchte keiner der folgenden Begriffe auf: „ICO“, „Token“, „Initial Coin Offering“, „Coin“. Übrigens: Die Marktkapitalisierung von Naga betrug per gestern Nachmittag 227,04 Mio. Euro.

3.) Selbst seriöse Medien tun sich immer schwerer, dem Krypto-Wahn zu widerstehen. Ein Beispiel: Die „Welt“ beschlich vergangene Woche eine ganz starke Ahnung, dass Amazon im Zuge der Veröffentlichung seiner Q3-Zahlen ankündigen würde, demnächst Bitcoins als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Was daraus geworden ist? Nix.

4.) Wie der Kollege Niklas Wirminghaus auf Twitter bemerkt, haben ICOs inzwischen einen derart schlechten Ruf, dass erste Emittenten wie das deutsche Fintech Neufund offenbar beginnen, den Begriff als solchen zu vermeiden.

5.) Andererseits: Wenn ein börsennotiertes Unternehmen dieser Tage den Begriff „Blockchain“ in seinen Firmennamen einbindet, dann stehen die Chancen gut, dass sich der Börsenkurs binnen eines Tages um 394 Prozent erhöht.

Newsletter 01/11/2017: Kommt „George“ nach Deutschland?, Fintech-Blues, Paydirekt

Exklusiv: Größte österreichische Bank erwägt Markteintritt in Deutschland

Die österreichische Großsparkasse „Erste Group“ spielt nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ einen Markteintritt in Deutschland durch. Als Vehikel für diesen Schritt könnte das Multibanking-Tool „George“ dienen, das in der Alpenrepublik bereits von weit mehr als einer Million Menschen genutzt wird – und das die „Erste Group“ über Tochterinstitute auch schon in Tschechien, der Slowakei und demnächst Rumänien anbietet. „An uns sind einige deutsche Banken herangetreten, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Einführung von ‚George‘ in den deutschen Markt auszuloten. Uns freut dieses Interesse und wir evaluieren alle Optionen für eine mögliche Erweiterung der ‚George‘-Plattform in neue Märkte“, bestätigte ein Sprecher der „Ersten Group“ auf Anfrage von „Finanz-Szene.de“. Lesen Sie hier die Hintergründe:

Finanz-Szene.de

Analyse

Was Paydirekt der Wirecard-Deal bringt: Der bankeneigene Paypal-Klon sieht im Bündnis mit dem Münchner Payment Service Provider Wirecard „einen weiteren wichtigen Schritt im Ausbau unseres Händlerportfolios“. Branchenexperte Jochen Siegert schreibt bei „Finanz-Szene.de“, weshalb sich Paydirekt stattdessen besser auf den eigenständigen Vertrieb konzentrieren sollte. Finanz-Szene.de

News

Erkaltet die Liebe für FFM schon wieder? So ist das im Zeitalter der 140 Zeichen: Nachdem Goldman-Chef Lloyd Blankfein kürzlich noch seine Zuneigung für die Finanzmetropole Frankfurt zwitscherte, lässt er nun – ebenfalls bei Twitter – durchblicken, dass sein Herz ja eigentlich doch irgendwie eher für den Standort London schlägt. Dazu passt, dass die UBS plötzlich nur noch 250 Investmentbanker aus der britischen Hauptstadt abziehen will (statt 1000, wie es bislang hieß). Und ob diese 250 dann tatsächlich nach FFM kommen, ist ja auch noch nicht gesagt (Amsterdam und Madrid gelten als denkbare Alternativen). Kann es sein, dass wir unsere Freunde von Frankfurt MainFinance demnächst mal  ganz feste in den Arm nehmen müssen? Financial Times (Paywall)

Deutschlands erfolgreichster Landesbank fehlen die Leute für ein essentielles IT-Projekt: Die Helaba hat die im Frühjahr mit markigen Worten angekündigte Erneuerung ihres Kernbanksystems auf Eis gelegt (das alte System habe „unwiderruflich das Ende seines Lebenszyklus erreicht“, hatte Vorstand Grüntker damals gemeint). Glaubt man den in solchen Sachen ja sehr glaubwürdigen Kollegen der „Börsenzeitung“, dann hat der plötzliche Stopp allerdings nichts mit dem Systemanbieter zu tun, der in diesem Fall SAP heißt. Sondern damit, dass der Helaba offenbar schlicht die personellen Ressourcen ausgegangen sind (weil, oha, es auch noch 2-3 andere IT-Sachen in der Bank zu erledigen gibt). Börsenzeitung (Print vom Montag)

27 Prozent aller Ratenkredite hierzulande werden online abgeschlossen: … zeigt eine GfK-Studie im Auftrag des Bankenfachverbandes. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es laut der identischen Umfrage erst 21 Prozent. Studie (PDF)

Huch, ein profitables Fintech: Die in Estland beheimatete, aber vor allem am deutschen Markt aktive Lending-Plattform Bondora schreibt nach eigenen Angaben bereits schwarze Zahlen (und zwar auf Sechs-Monats-Basis). Wenn das wirklich stimmt, müssen die Balten ihre Kosten gut im Griff haben. Denn über Bondora wurden bislang gerade einmal gut 100 Mio. Euro verliehen. Zum Vergleich: Der deutsche Marktführer Auxmoney (der allerdings auch ein paar Jährchen älter ist) kommt schon auf das Fünffache. Gründerszene

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Neue Nahrung für die Bitcoin-Blase: Die altehrwürdige Chicago Mercantile Exchange will einen Terminkontrakt auf die Krypto-Währung auflegen. Der Bitcoin-Kurs tat danach, was er ohnehin immer tut – er stieg, und zwar erstmals auf mehr als 6400 Dollar. Bloomberg

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Lesetipps

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Mehr als nur hübsch? Das Hamburger Finanz-Startup Salesheads ist nun mit einem Fondsanalyse-Tool namens „Captalinside“ live. Wenn wir es richtig verstehen, läuft das Ganze auf eine Mischung aus „hübsch gemachter Vertriebsplattform“ und „Morningstar für Jedermann“ hinaus. Ist das wirklich eine „Neuerfindung der Fondsanalyse“ mit „Amazon-Machine-Learning-Ansatz“, wie die Kollegen von „Fondsprofessionell“ schreiben? Gehen wir einfach mal gutgläubig davon aus. Denn wo Fintech drauftsteht, ist gaaaaanz sicher immer auch Fintech drin. Fondsprofessionell, Hamburg Startups

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