Newsletter 08/12/17: Fintech-Analyse, Fidor mit Riesenverlust, Commerzbank-Fiasko

Analyse: Haben Deutschlands Fintechs wirklich ein Funding-Problem?

Zugegeben – bei „Finanz-Szene.de“ packen wir einzelne Fintech gern mal etwas fester an (siehe Outbank in den Wochen vor der Insolvenz, siehe Smava neulich, siehe Companisto gestern, siehe das Sonderfall-Fintech Paydirekt). Aber: Die seit einigen Wochen von immer mehr befreundeten Medien verbreitete These, mit dem Fintech-Standort Deutschland stimme ganz grundsätzlich was nicht, bleibt für uns schwer nachzuvollziehen. Gestern zum Beispiel berichteten „Reuters“ bzw. das „Handelsblatt“, dass „Fintechs in Deutschland nur schwer an Geld kommen“. Mal abgesehen davon, dass die anekdotische Evidenz just der letzten Tage (Deposit Solutions, Billie, FintecSystems) eher gegen diese Behauptung spricht: Auch die richtige Evidenz (sprich: die aggregierten Funding-Zahlen für 2017) sagen aus unserer Sicht etwas anderes. Was ist also dran an der Funding-Klemmen-These? Eine Analyse in fünf Punkten:

Finanz-Szene.de

Exklusiv: Neugeschäft eingekracht – Commerzbank legt teuren Fehlstart bei Ratenkrediten hin

Es ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen, die die Commerzbank in diesem Jahr getroffen hat: Nachdem das Geschäft mit Ratenkrediten jahrelang in ein Joint-Venture mit der BNP Paribas ausgelagert war, betreibt die Gelbbank das vermeintlich langweilige Business nun wieder selbst. Die Ziele, die Privatkunden-Chef Mandel mit dem Strategieschwenk verknüpft, sind gewaltig: Bis 2020 soll das Volumen von zuletzt 2,3 Mrd. Euro auf 6 Mrd. Euro hochgefahren werden. Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen nun jedoch: Statt durchzustarten hat die Commerzbank bei der Internalisierung des Ratenkredit-Geschäfts erst einmal einen klassischen Fehlstart hingelegt. Das Neugeschäft brach ein, der Roll-Out musste zwischenzeitlich sogar gestoppt werden. Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Finanz-Szene.de

24 Mio. Verlust bei 539 Mio. Euro Bilanzsumme: Das dunkle Geheimnis der Fidor Bank

Der Deal galt als Ritterschlag für den Fintech-Standort Deutschland: Vor gut einem Jahr wurde die Münchner Fidor-Bank an die französische Großbank BPCE verkauft. Nun indes erscheint der Exit urplötzlich in einem neuen Licht. Denn wie die „Börsen-Zeitung“ heute Morgen berichtet, hat Fidor 2016 (also just im Jahr des Verkaufs) einen Verlust von 24 Mio. Euro erlitten – was gewaltig erscheint vor dem Hintergrund, dass die Bilanzsumme der Münchner Fintech-Bank per Ende letzten Jahres bei gerade einmal 539 Mio. Euro lag. Die „BÖZ“ macht missglückte Kreditgeschäfte im Ausland für das Minus verantwortlich und spricht von einem „Worst Case“. Wörtlich heißt es: „Britische Kreditbearbeiter, die ihre Bestände an die Bayern veräußerten, gerieten in Schieflage.“ Und damit nicht genug: Laut Geschäftsbericht ist „für das Portfoliogeschäft der Gebrauchtwagenfinanzierung im britischen Raum mit weiterem Wertberichtigungsbedarf für die künftigen Jahre zu rechnen“. Börsen-Zeitung (News, frei zugänglich), Börsen-Zeitung (Hintergrund, Paywall), Geschäftsbericht

News

Bei „Basel III“ (und „Basel IV“) herrscht endlich Einigkeit: … wobei es auf der Zielgeraden, soweit wir das sehen, keine Überraschungen mehr gegeben hat: Der sogenannte Output-Floor (die Connaisseure wissen, was gemeint ist, den anderen ist’s wurscht) wird bei 72,5 Prozent liegen. Börsen-Zeitung (frei zugänglich)

Auch die Deutsche Bank könnte unter Trumps „Steuergeschenk“ leiden: Die Steuerreform des US-Präsident zwingt Banken zu milliardenschweren Abschreibungen. Das könnte laut „Handelsblatt“ auch für den deutschen Marktführer zum Problem werden. Handelsblatt (Paywall)

Commerzbank lagert Wertpapierabwicklung an HSBC aus: Was wir im März bereits unter damals noch fremder Adresse gemutmaßt hatten, ist jetzt tatsächlich so gekommen. Spannende Frage am Rande (ohne dass wir ad-hoc eine Antwort hätten): Was bedeutet das für die DWP Bank? Börse-Online

Bräunig wird’s tatsächlich: Siehe die gestern Nachmittag versandte Pressemittelung der KfW. Pressmitteilung

Beyond .de

Jetzt dreht der Bitcoin völlig durch: Bei Coinbase näherte sich die Krypo-Währung gestern der 20.000-Dollar-Marke, an anderen Börsen krachte sie zumindest vorübergehend ein. Bloomberg, Manager Magazin

Bis zu 360 Mio. Dollar für Chris Hohn: Hatte der Nordea-Chef nicht diese Woche prophezeit, dass für Banker die Zeiten der Millionensaläre bald vorbei sein könnten? Nun denn: In der Hedge-Fonds-Branche scheint es den ein oder anderen Manager bereits zu erwischen. So kam der ja auch hierzulande nicht ganz unbekannte TCI-Gründer Hohn zuletzt tatsächlich nur noch auf hoch sechsstellige Einkünfte – allerdings pro Tag. Bloomberg

Lesetipps

Zwei Drittel der Bundesbürger haben noch nie die Bank gewechselt: So jedenfalls das Ergebnis einer BdB-Umfrage. Hätte der Bitkom die gleiche Untersuchung in Auftrag gegeben, wäre jetzt überall zu lesen, „Jeder dritte Deutsche flüchtet vor seiner Bank“. BdB

Wie können Fintechs realistisch bewertet werden? Am wichtigsten (und schwierigsten) ist die Bewertung der Software, erklärt Patrick Steiner vom DZ Innovationsblog (falls irgendwer meint, wir hätten den Artikel schon einmal verlinkt … nope, das war nur der erste Teil, dies jetzt ist der zweite). DZ Innovationsblog

Das „D“ in DBank steht für Doom: Nachdem Chefvolkswirt David Folkerts-Landau die Lage am Anleihemarkt vorgestern als „größte Blase in der Geschichte der Menschheit“ titulierte, präsentierte die Deutsche Bank gestern ihre „30 (!) Marktrisiken für 2018“. Geht’s auch ’ne Nummer kleiner? (wobei: Vielleicht sollte ein Newsletter, in dessen Betreffzeile andauernd von „Schock“, „Fiasko“,  „Riesenverlust“ oder dergleichem die Rede ist, hier nicht den Tugendwächter geben …) Fondsprofessionell, Bloomberg

Haben die Zentralbanken ihre Bilanzen wirklich noch im Griff? Bei der Fed mag das der Fall sein – bei der EZB weniger. Bloomberg

Und immer wieder freitags: … die ebenso umfängliche wie unbestechliche „Was wir lesen“-Liste (die Sie, liebe „Chief Digital Officers ohne Vorstandsrang“ und „Head of Innovation Manager ohne eigenen Stab“, bitte auch an diesem Wochenende wieder komplett durcharbeiten, weil sonst: wird der Chef sauer). DZ Innovationsblog

Klickfavorit

… war gestern die „PSD2-Gebrauchsanweisung für Fintechs“ von Katharina Schneider (übrigens mit knappem Vorsprung vor dem Paydirekt-Bashing des Jochen Siegert). Handelsblatt

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

… dieser Newsletter kurz und auf den Punkt ist. Er liefert tiefe Einblicke in das breite Themenspektrum der Finanzwelt und ordnet die Ereignisse ein. So bin ich morgens schon optimal informiert.“

Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman

Newsletter 08/12/17: Commerzbank-Fiasko, Fidor mit Riesenverlust, Fintech-Fundings

Exklusiv: Neugeschäft eingekracht – Commerzbank legt teuren Fehlstart bei Ratenkrediten hin

Es ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen, die die Commerzbank in diesem Jahr getroffen hat: Nachdem das Geschäft mit Ratenkrediten jahrelang in ein Joint-Venture mit der BNP Paribas ausgelagert war, betreibt die Gelbbank das vermeintlich langweilige Business nun wieder selbst. Die Ziele, die Privatkunden-Chef Mandel mit dem Strategieschwenk verknüpft, sind gewaltig: Bis 2020 soll das Volumen von zuletzt 2,3 Mrd. Euro auf 6 Mrd. Euro hochgefahren werden. Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zeigen nun jedoch: Statt durchzustarten hat die Commerzbank bei der Internalisierung des Ratenkredit-Geschäfts erst einmal einen klassischen Fehlstart hingelegt. Das Neugeschäft brach ein, der Roll-Out musste zwischenzeitlich sogar gestoppt werden. Lesen Sie hier die ganze Geschichte:

Finanz-Szene.de

24 Mio. Verlust bei 539 Mio. Euro Bilanzsumme: Das dunkle Geheimnis der Fidor Bank

Der Deal galt als Ritterschlag für den Fintech-Standort Deutschland: Vor gut einem Jahr wurde die Münchner Fidor-Bank an die französische Großbank BPCE verkauft. Nun indes erscheint der Exit urplötzlich in einem neuen Licht. Denn wie die „Börsen-Zeitung“ heute Morgen berichtet, hat Fidor 2016 (also just im Jahr des Verkaufs) einen Verlust von 24 Mio. Euro erlitten – was gewaltig erscheint vor dem Hintergrund, dass die Bilanzsumme der Münchner Fintech-Bank per Ende letzten Jahres bei gerade einmal 539 Mio. Euro lag. Die „BÖZ“ macht missglückte Kreditgeschäfte im Ausland für das Minus verantwortlich und spricht von einem „Worst Case“. Wörtlich heißt es: „Britische Kreditbearbeiter, die ihre Bestände an die Bayern veräußerten, gerieten in Schieflage.“ Und damit nicht genug: Laut Geschäftsbericht ist „für das Portfoliogeschäft der Gebrauchtwagenfinanzierung im britischen Raum mit weiterem Wertberichtigungsbedarf für die künftigen Jahre zu rechnen“. Börsen-Zeitung (News, frei zugänglich), Börsen-Zeitung (Hintergrund, Paywall), Geschäftsbericht

Analyse: Haben Deutschlands Fintechs wirklich ein Funding-Problem?

Zugegeben – bei „Finanz-Szene.de“ packen wir einzelne Fintech gern mal etwas fester an (siehe Outbank in den Wochen vor der Insolvenz, siehe Smava neulich, siehe Companisto gestern, siehe das Sonderfall-Fintech Paydirekt). Aber: Die seit einigen Wochen von immer mehr befreundeten Medien verbreitete These, mit dem Fintech-Standort Deutschland stimme ganz grundsätzlich was nicht, bleibt für uns schwer nachzuvollziehen. Gestern zum Beispiel berichteten „Reuters“ bzw. das „Handelsblatt“, dass „Fintechs in Deutschland nur schwer an Geld kommen“. Mal abgesehen davon, dass die anekdotische Evidenz just der letzten Tage (Deposit Solutions, Billie, FintecSystems) eher gegen diese Behauptung spricht: Auch die richtige Evidenz (sprich: die aggregierten Funding-Zahlen für 2017) sagen aus unserer Sicht etwas anderes. Was ist also dran an der Funding-Klemmen-These? Eine Analyse in fünf Punkten: Finanz-Szene.de

News

Bei „Basel III“ (und „Basel IV“) herrscht endlich Einigkeit: … wobei es auf der Zielgeraden, soweit wir das sehen, keine Überraschungen mehr gegeben hat: Der sogenannte Output-Floor (die Connaisseure wissen, was gemeint ist, den anderen ist’s wurscht) wird bei 72,5 Prozent liegen. Börsen-Zeitung (frei zugänglich)

Auch die Deutsche Bank könnte unter Trumps „Steuergeschenk“ leiden: Die Steuerreform des US-Präsident zwingt Banken zu milliardenschweren Abschreibungen. Das könnte laut „Handelsblatt“ auch für den deutschen Marktführer zum Problem werden. Handelsblatt (Paywall)

Commerzbank lagert Wertpapierabwicklung an HSBC aus: Was wir im März bereits unter damals noch fremder Adresse gemutmaßt hatten, ist jetzt tatsächlich so gekommen. Spannende Frage am Rande (ohne dass wir ad-hoc eine Antwort hätten): Was bedeutet das für die DWP Bank? Börse-Online

Bräunig wird’s tatsächlich: Siehe die gestern Nachmittag versandte Pressemittelung der KfW. Pressmitteilung

Beyond .de

Jetzt dreht der Bitcoin völlig durch: Bei Coinbase näherte sich die Krypo-Währung gestern der 20.000-Dollar-Marke, an anderen Börsen krachte sie zumindest vorübergehend ein. Bloomberg, Manager Magazin

Bis zu 360 Mio. Dollar für Chris Hohn: Hatte der Nordea-Chef nicht diese Woche prophezeit, dass für Banker die Zeiten der Millionensaläre bald vorbei sein könnten? Nun denn: In der Hedge-Fonds-Branche scheint es den ein oder anderen Manager bereits zu erwischen. So kam der ja auch hierzulande nicht ganz unbekannte TCI-Gründer Hohn zuletzt tatsächlich nur noch auf hoch sechsstellige Einkünfte – allerdings pro Tag. Bloomberg

Lesetipps

Zwei Drittel der Bundesbürger haben noch nie die Bank gewechselt: So jedenfalls das Ergebnis einer BdB-Umfrage. Hätte der Bitkom die gleiche Untersuchung in Auftrag gegeben, wäre jetzt überall zu lesen, „Jeder dritte Deutsche flüchtet vor seiner Bank“. BdB

Wie können Fintechs realistisch bewertet werden? Am wichtigsten (und schwierigsten) ist die Bewertung der Software, erklärt Patrick Steiner vom DZ Innovationsblog (falls irgendwer meint, wir hätten den Artikel schon einmal verlinkt … nope, das war nur der erste Teil, dies jetzt ist der zweite). DZ Innovationsblog

Das „D“ in DBank steht für Doom: Nachdem Chefvolkswirt David Folkerts-Landau die Lage am Anleihemarkt vorgestern als „größte Blase in der Geschichte der Menschheit“ titulierte, präsentierte die Deutsche Bank gestern ihre „30 (!) Marktrisiken für 2018“. Geht’s auch ’ne Nummer kleiner? (wobei: Vielleicht sollte ein Newsletter, in dessen Betreffzeile andauernd von „Schock“, „Fiasko“,  „Riesenverlust“ oder dergleichem die Rede ist, hier nicht den Tugendwächter geben …) Fondsprofessionell, Bloomberg

Haben die Zentralbanken ihre Bilanzen wirklich noch im Griff? Bei der Fed mag das der Fall sein – bei der EZB weniger. Bloomberg

Und immer wieder freitags: … die ebenso umfängliche wie unbestechliche „Was wir lesen“-Liste (die Sie, liebe „Chief Digital Officers ohne Vorstandsrang“ und „Head of Innovation Manager ohne eigenen Stab“, bitte auch an diesem Wochenende wieder komplett durcharbeiten, weil sonst: wird der Chef sauer). DZ Innovationsblog

Klickfavorit

… war gestern die „PSD2-Gebrauchsanweisung für Fintechs“ von Katharina Schneider (übrigens mit knappem Vorsprung vor dem Paydirekt-Bashing des Jochen Siegert). Handelsblatt

Ich lese „Finanz-Szene.de“, weil …

… dieser Newsletter kurz und auf den Punkt ist. Er liefert tiefe Einblicke in das breite Themenspektrum der Finanzwelt und ordnet die Ereignisse ein. So bin ich morgens schon optimal informiert.“

Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman

Analyse: Haben Deutschlands Fintechs wirklich ein Funding-Problem?

Von Heinz-Roger Dohms

Zugegeben – bei „Finanz-Szene.de“ packen wir einzelne Fintech gern mal etwas fester an (siehe Outbank in den Wochen vor der Insolvenz, siehe Smava neulich, siehe Companisto gestern, siehe das Sonderfall-Fintech Paydirekt). Aber: Die seit einigen Wochen von immer mehr befreundeten Medien verbreitete These, mit dem Fintech-Standort Deutschland stimme ganz grundsätzlich was nicht, bleibt für uns schwer nachzuvollziehen. Gestern zum Beispiel berichteten „Reuters“ bzw. das „Handelsblatt“, dass „Fintechs in Deutschland nur schwer an Geld kommen“. Mal abgesehen davon, dass die anekdotische Evidenz just der letzten Tage (Deposit Solutions, Billie, FintecSystems) eher gegen diese Behauptung spricht: Auch die richtige Evidenz (sprich: die aggregierten Funding-Zahlen für 2017) sagen aus unserer Sicht etwas anderes. Was ist also dran an der Funding-Klemmen-These? Eine Analyse in fünf Punkten:

1.) Die Fintech-Fundings erreichen in diesem Jahr ein Rekordniveau

Allen Doom-Berichten zum Trotz: Laut den belastbarsten öffentlich zugänglichen Daten (nämlich jenen, die Barkow Consulting vor einigen Wochen für die Comdirect erstellt hat) lagen die VC-Fintech-Investitionen hierzulande per Q3 bereits wieder beim 0,93-Fachen des gesamten Vorjahres. Nun führen wir bei „Finanz-Szene.de“ zwar keine geheimen Strichlisten – und über einen API-Schnittstellen-basierten Exklusiv-Zugang zum Barkowschen Datenschatz verfügen wir auch nicht … Aber: Wenn man einzig und allein mal auf die beachtlichten Dimensionen der jüngsten Funding-Runden bei Deposit Solutions (20 Mio. Dollar nur 17 Monate nach der vorangegangenen Finanzierung), Billie (10 Mio. Euro nur wenige Monate nach der Gründung) oder Compeon (12 Mio. Euro) schaut, dann kann es keinen vernünftigen Zweifel geben, dass die 2017er-Zahlen die Rekordzahlen aus 2016 übertreffen werden.

2.) Wer ein einigermaßen plausibles Geschäftsmodell hat, der bekommt auch Geld

Natürlich funden die VCs nicht (mehr) alles – was zum Beispiel Outbank zu spüren bekam, wo u.a. den Starinvestor Frank Thelen irgendwann im Laufe dieses Sommer das Gefühl beschlich, er habe nun genug Geld mit dem Finanz-App-Anbieter verbrannt. Charakteristisch ist dieser Fall trotz aller „Das Fintech-Sterben hat begonnen“-Berichte allerdings nicht. Stattdessen erzählen Fintech-Gründer (jedenfalls solche mit einem einigermaßen plausiblen Geschäftsmodell), dass, wer Geld will, auch weiterhin welches kriegt. Dies deckt sich mit Schilderungen von VC-Managern, die insgeheim beklagen, es sei bei den wirklich guten deutschen Fintechs gar nicht so leicht, überhaupt zum Zuge zu kommen. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist Compeon, wo die Serie-B-Finanzierung komplett über die Altinvestoren gestemmt wurde. Und übrigens: Es ist nicht so, dass jeder, der  funded, dies auch kommuniziert. Der Manager eines nicht ganz kleinen deutschen Fintechs erzählte neulich unter dem Siegel größter Vertraulichkeit, er habe weder die jüngste Finanzierungs-Runde noch die davor publik gemacht. Grund: Nur so könne er sich das Heer der „Ich will eine Scheibe vom Fintech-Boom abhaben“-Sales-Menschen da draußen (Headhunter, SEO/Web-Agenturen, externe Software-Developer etc. pp.) vom Leibe halten. Gäbe es eine Funding-Krise, gäbe es auch dieses Heer nicht.

3.) Was stimmt: Die „Early Stage“-Finanzierungen gehen zurück (behaupten wir jetzt einfach mal, ohne die passenden Daten bei der Hand zu haben) …

… was aber in erster Linie daran liegen dürfte, dass es im Jahr sechs (oder sind wir schon im Jahr sieben oder acht?) des Fintech-Zeitalters schlicht nicht mehr so viele „Early Stage“-Fintechs gibt. Denn: Im Grunde wurde ja inzwischen für jedes noch so kleinen Glied in der Finanzdienstleistungs-Wertschöpfungskette ein eigenes Startup gegründet (Kryptos sind ein Sonderfall, aber die brauchen ja keine VCs, weil sie ihre ICOs haben. Hihi …).

4.) Was ebenfalls stimmt: Mega-Finanzierungen gibt es in Deutschland bislang wirklich nicht

Für deutsche Finanz-Startups scheint bislang eine Art virtuelles Funding-Limit zu existieren, dass irgendwo bei 30 Mio. Euro oder so liegt. Diese Schwelle erreichen mitunter sogar Fintechs, denen man das vorher nicht unbedingt zugetraut hätte (siehe, ohne dass es böse gemeint ist: Finanzcheck) – so richtig darüber hinaus kommt mit ein, zwei Ausnahmen wie Kreditech aber auch niemand. Die Folge: Auch wenn es in Deutschland mittlerweile mindestens ein halbes Dutzend Finanz-Startups mit dreistelliger Millionbewertung gibt (Kreditech, N26, Solaris, Finleap, Deposit Solutions, Raisin …), fehlt bislang ein echtes Unicorn oder selbst ein Semi-Unicorn. Woran das liegt? Vielleicht tragen deutsche Fintechs mit globalen Ambitionen tatsächlich aus Investorensicht einen kleinen „Made in Germany“-Malus mit sich herum, verglichen zum Beispiel mit britischen Fintechs wie Revolut, Monzo oder Transferwise. Womöglich liegt es aber auch schlicht daran, dass einem abgesehen von Kreditech, N26 und Solaris gar keine deutschen Finanz-Startups einfallen, die die ganz großen internationale Ambitionen hegen.

5.) N26 wird der große Testfall

Können deutsche Fintechs Finanzierungsrunden von 50 bis 100 Mio. Euro (oder wenigstens Dollar)? Können deutsche Fintechs Unicorn? Können deutsche Fintechs zu globalen Marken werden? Oder können sie  – siehe zum Beispiel Auxmoney – nur Inland bzw. können sie – siehe zum Beispiel Solarisbank – nur B2B? Um es kurz zu machen: Die anstehende Funding-Runde von N26 könnte die Antwort auf diese Fragen geben

Exklusiv: Commerzbank legt bei Ratenkrediten teuren Fehlstart hin

Von Heinz-Roger Dohms

Kostenloses Girokonto, 50 Euro Startguthaben – und obendrein noch eine „Zufriedenheits-Garantie“: Wenn es darum geht, neue Retailkunden zu gewinnen, lässt die Commerzbank  nichts unversucht. Der Ertrag dieser Strategie: Hunderttausende neue Kunden hat die Gelbbank in den vergangenen Jahren gewonnen. Womit sich allerdings zugleich die Frage stellt:  Was macht die Coba in Zeiten des EZB-Strafzinses eigentlich mit den entsprechenden Einlagen?

Die Antwort gab es Mitte August. Da verkündete die Commerzbank den Austritt aus der „Commerz Finanz GmbH“, eines Joint Ventures, über das die Frankfurter Großbank ihr deutsches  Ratenkreditgeschäft seit vielen Jahren gemeinsam mit der BNP Paribas betrieben hatte. Im Zuge der Trennung landete das gesamte Bestandsportfolio in Höhe von 3,5 Mrd. Euro bei der Commerzbank. Zudem erklärte Privatkunden-Vorstand Michael Mandel, das sein Haus im jahrelang eher stiefmütterlich betriebenen Geschäft mit Konsumentenkrediten nun kräftig expandiere: „Ratenkredite sind für uns ein wichtiges Wachstumsfeld, das wir wieder selbst betreiben, digitalisieren und ausbauen wollen.“ Um welche gewaltigen Dimensionen es dabei geht, hatte zuvor auch schon der zuständige Bereichsleiter Falko Schöning skizziert: Nachdem die Commerzbank 2016 Neugeschäft in Höhe von 2,3 Mrd. Euro an das BNP-Joint-Venture vermittelt habe, wolle man bis 2020 auf ein Volumen von stolzen 6 Mrd. Euro kommen.

So weit, so schlüssig. Immerhin fahren Konkurrenen wie Santander oder die Targobank mit Ratenkrediten seit Jahren hübsche Margen ein. Die Sache ist nur: So schön der Plan klang, so krachend ging nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ zumindest der Start schon mal schief. Ein bislang öffentlich unentdeckter Hinweis darauf findet sich sogar im kürzlich vorgestellten Zwischenbericht für das dritte Quartal. Dort ist auf Seite 11 eher unvermittelt von einem „vorübergehend geringeren Neugeschäft mit Ratenkrediten“ die Rede. Exakt quantifiziert wird der Effekt zwar nicht. Allerdings führt die Commerzbank den Rückgang explizit als Grund dafür an,  dass die operativen Erträge des Privat- und Firmenkundengeschäfts im dritten Quartal nicht etwa gestiegen, sondern leicht zurückgegangen sind. (und das operative Ergebnis fiel sogar relativ deutlich von 845 Mio. Euro auf nur noch 717 Mio. Euro).

Was sind nun die Gründe für den Rückgang?

„Finanz-Szene.de“ sprach mit mehreren Insidern über das Thema. Sie führen im wesentlichen drei Punkte an:

  • Die Mitarbeiter in den Filialen seien unzureichend auf das neue System vorbereitet worden
  • Die Umstellung auf das neue Scoring-Tool (und den dahinter stehenden Kontoanalyse-Service, den die Coba bei einem Fintech einkaufte) habe unerwartet große Probleme bereitet – und zu einer deutlichen Einschränkung des Neugeschäfts geführt
  • Die Vertriebsunterstützung aus der Zentrale – einer der Stärken in der „Commerz Finanz“-Ära – habe gefehlt

Fakt ist: Der Zeitplan, den sich die Commerzbank setzte, war ambitioniert. Schon im April (während das Joint-Venture mit der BNP Paribas noch lief) gab es einen Soft-Launch, um die neuen Systeme zu testen. Dieser Roll-out wurde jedoch wieder abgebrochen, wohl auch, weil die Vorbereitungsphase mit neun Monaten eher knapp bemessen war.

Im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“ bestätigte Bereichsleister Falko Schöning gestern den „temporären Stopp“ des Roll-outs. Ein Problem sehe er darin aber nicht. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht etwa das System der ‚Commerz Finanz‘ zu übernehmen, sondern ein neues System mit eigener Antragsstrecke und eigenem Scoring zu bauen. Denn nur so kann man im Zuge der Digitalisierung den nächsten Schritt machen. Dabei ist es unsere Philosophie, solche Prozesse möglichst schnell umzusetzen – und dann gegebenenfalls zu adaptieren und nachzubessern.“

Dass Mitarbeiter unzureichend geschult worden seien, weist Schöning zurück – auch sei das Vertriebsteam der „Commerz Finanz“, das bereits seit Jahren die Filialen der Commerzbank unterstütze, übernommen worden. Gleichwohl: „Natürlich gibt es Filialen, in denen so eine Umstellung besser klappt, und solche, in denen es etwas länger dauert. Das ist ein ganz normaler Change-Prozess, in dem wir uns gerade befinden.“ Was das Kredit-Scoring betrifft, sagt Schöning: „Wir haben die Tore zu Beginn absichtlich etwas enger gemacht, dann aber das Volumen sukzessive gesteigert.“

Bleibt die Frage, wie viel Neugeschäft die Probleme beim Systemwechse wirklich gekostet haben. Die Insider sagen übereinstimmend, dass die Rückgänge gravierend gewesen seien, einer spricht von zeitweilig mehr als 50 Prozent.

Die Commerzbank äußert sich hierzu nicht.