Exklusiv: ING Diba kauft Lendico – und macht als erste große deutsche Bank wirklich ernst mit Fintech

Von Heinz-Roger Dohms

Es ist die erste große Fintech-Akquisition durch eine führende deutsche Bank: Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat die ING Diba den ursprünglich von den Samwers gegründeten Berliner Online-Kreditmarktplatz Lendico gekauft. Die Übernahme wurde Ende vergangener Woche beim Bundeskartellamt angemeldet und dürfte in den nächsten Tagen offiziell verkündet werden. Eine Sprecherin der Online-Bank bestätigte die Informationen am Wochenende gegenüber „Finanz-Szene.de“.

Die Transaktion ist aus mindestens zwei Gründen einschneidend für die deutsche Bankenbranche. Erstens: Nach den Kooperationen mit dem Robo-Advisor Scalable Capital und dem digitalen Versicherungs-Makler Clark signalisiert die ING Diba mit dem Lendico-Deal, dass sie so konsequent wie keine andere große deutsche Bank die „Fintechisierung“ des eigenen Geschäftsmodells anstrebt. Und zweitens: Anders als die meisten bekannten Online-Kreditmarketplätze wie Lending Club in den USA oder Auxmoney in Deutschland fokussiert sich Lendico nicht auf Verbraucherkredite, sondern auf Darlehen für kleine und mittlere Unternehmen – das heißt, die ING Diba beschreitet nach der weitgehenden Digitalisierung des Retailgeschäfts nun offenbar denselben Weg im KMU-Bereich, was so im hiesigen Bankenmarkt noch kaum verbreitet ist.

Schon bei der Bilanz-Pressekonferenz Anfang Februar hatte ING-Diba-Chef Nick Jue angedeutet, mit einem speziellen Online-Kredit für kleine und mittelgroße Firmen an den Markt gehen zu wollen – Beobachter waren allerdings davon ausgegangen, dass die Oranje-Bank das entsprechende Tool selber bauen würde. Nicht nur deshalb kommt der Kauf von Lendico auf den ersten Blick überraschend. Denn: Der 2013 als große Fintech-Hoffnung der Samwer-Brüder gestartete Kreditmarktplatz kam – soweit sich das von außen beurteilen lässt – nie wirklich in die Gänge.

Bezeichnend: Wie aus einem Geschäftsbericht von Rocket Internet hervorgeht, mussten die Samwers 2016 auf Lendico eine „Wertminderungsaufwendung“ in Höhe von 19,5 Millionen Euro vornehmen. Auch ansonsten ging bei Lendico einiges schief  – so wurde zum Beispiel das Neugeschäft in Spanien, Polen und Südafrika wieder eingestellt. Im vergangenen Herbst wendete sich Lendico dann nochmal mit einer vermeintlichen Erfolgsmeldung an die Öffentlichkeit – so würden nun Darlehen im Umfang von durchschnittlich fünf Millionen Euro monatlich vergeben. Berechnungen von „Finanz-Szene.de“ zeigten jedoch, dass über Lendico damit im Schnitt gerade mal zwei Kredite täglich vermittelt wurden.

Warum also sucht sich die ING Diba ausgerechnet diesen scheinbar lahmen Fintech-Player aus? Lendico-Insider sagen: Es stimme zwar, dass die Firma – verglichen etwa mit Konkurrenten wie Auxmoney – am Markt nie wirlich durchgestartet sei. Das ändere aber nichts daran, dass die dahinterstehende Technologie für eine Bank, die ins Geschäft mit SME-Onlinekrediten einsteige, hochinteressant sei.  „Es ist nicht so, dass man bei Lendico damals einfach mal ein Frontend gebaut und dann losgelegt hat. Sondern: Das ist echt ‚Full Stack‘, also eine komplette Technologie, mit der die ING Diba zeitnah loslegen kann“, meint ein Kenner der Materie. Und ein anderer sagt: „Natürlich kann eine Bank wie die Diba so etwas auch selber bauen. Aber das würde dann erst mal anderthalb Jahre die IT-Kapazitäten unnötig belasten. Lendico und damit die Lendico-Technologie zu übernehmen, macht insofern absolut Sinn.“

Bleibt die Frage nach dem Kaufpreis. Hierzu war am Wochenende allerdings nichts wirklich Belastbares in Erfahrung zu bringen. Interessant ist derweil auch, wer welchen Anteil kriegt. Im vergangenen Juli hießt es, Rocket wolle Lendico an einen britischen Hedge-Fonds namens Arrowgrass verkaufen – Vollzug wurde aber  offiziell nie gemeldet. Vermutlich hielten zuletzt sowohl Rocket als auch Arrowgrass nennenswerte Anteile.

19/02/18: ING Diba kauft Lendico, ICO-Regulierung light, PSD2, Provisionswunder

Exklusiv: ING Diba kauft Lendico – und macht als erste deutsche Großbank wirklich ernst mit Fintech

Es ist die bislang bedeutendste Fintech-Akquisition durch eine große deutsche Bank: Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat die ING Diba den Online-Kreditmarktplatz Lendico gekauft. Die Übernahme wurde Ende vergangener Woche beim Bundeskartellamt angemeldet, wie eine Sprecherin der  Online-Bank gegenüber „Finanz-Szene.de“ bestätigte. Aus mindestens zwei Gründen ist die Transaktion einschneidend für die deutsche Bankenbranche. Erstens: Nach den Kooperationen mit dem Robo-Advisor Scalable Capital und dem digitalen Versicherungs-Makler Clark signalisiert die ING Diba mit dem Lendico-Deal endgültig, dass sie so konsequent wie keine andere führende deutsche Bank die „Fintechisierung“ des eigenen Geschäftsmodells anstrebt. Und zweitens: Anders als Lending Club in den USA oder Auxmoney in Deutschland fokussiert sich Lendico nicht auf Verbraucherkredite, sondern auf Darlehen für kleine und mittlere Unternehmen. Das heißt, die ING Diba beschreitet nach der weitgehenden Digitalisierung des Retailgeschäfts nun offenbar denselben Weg im KMU-Bereich – ein Novum unter den deutschen Großbanken. Lesen Sie hier alle Details:

Finanz-Szene.de

News

Unter welchen Umständen eine deutsche Regionalbank auch heutzutage ihr Ergebnis noch steigern kann: Trotz Zinskrise hat die Mittelbrandenburgische Sparkasse ihr Vorsteuerergebnis von 80 Mio. Euro auf 84 Mio. Euro gesteigert. Das hatte nicht zuletzt mit der Erhöhung der Kontogebühren zu tun, die zu einer fast sensationellen Steigerung des Provisionsergebnisses um knapp ein Drittel beitrugen. Hinzu kommt (wir reden hier u.a. von Potsdam …) der Berlin-Speckgürtel-Effekt, der sich zum Beispiel in einem 18-prozentigen Plus bei der Immobilien-Finanzierung zeigte, aber auch in einer erhöhten Nachfrage nach Wertpapieren. Und noch eine Kennziffer, die das Herz von Sparkassen-Connaisseuren höher schlagen lässt: Das „Betriebsergebnis vor Bewertung in Prozent der DBS“ betrug 1,45 (Nicht-Sparkassen-Connaisseuren sei gesagt: Das ist sehr, sehr ordentlich). Pressemitteilung (PDF), Börsen-Zeitung (Paywall), MOZ

Dass es auch anders geht … zeigt derweil das Beispiel der Sparkasse Essen, wo das Geschäft mit der Baufinanzierung nicht etwa gestiegen, sondern um mehr als 13 Prozent eingebrochen ist. Falls Sie das „Betriebsergebnis vor Bewertung in Prozent der DBS“ auch in diesem eher tristen Fall interessiert: Es lag 2017 bei 0,75 Prozent. Börsen-Zeitung (Paywall)

Die HSH Nordbank wird wie durch ein Wunder zur 1a-Ertragsperle mit Sternchen … und dann wird das Ganze durch weitere mirakulöse Umstände auch noch mitten im Verkaufsverfahren publik. Und das dritte Wunder: Weil der HSH-Vorstand bis zuletzt offiziell an seiner konservativen 120-Mio.-Euro-Prognose festgehalten hat, lesen sich die nun lancierten angeblich „knapp 300 Mio. Euro“ Vorsteuerergebnis gemessen an der Prognose gleich noch ein wenig besser. Handelsblatt/Reuters

Warum HNA plötzlich „nur“ noch 8,8 Prozent an der Deutschen Bank hält … und was die UBS damit zu tun hat, erklärt Yasmin Osman im „HB“. Darüber hinaus haben wir einen „BÖZ“-Artikel vom Wochenende verlinkt, aus dem hervorgeht, dass die Chinesen ihren Anteil in keinem Fall weiter reduzieren wollen (sagen sie jedenfalls bzw. lassen sie ihren austriakischen Vasall sagen)  Handelsblatt, Börsen-Zeitung

Beyond .de

Wie die Finanzaufsicht in der selbst ernannten Krypto-Nation Schweiz mit dem Thema ICOs umgeht: In ihrem am Freitag veröffentlichen Regelwerk nimmt die Finma u.a. eine Unterscheidung zwischen drei Arten von Coins bzw. Token vor. Finanz und Wirtschaft, Finews

Lesetipps

Am Freitag hatten wir ja schon auf die Frankfurter Fintech-Offensive hingewiesen … wer zu dem Thema aber noch ein paar tiefer gehende Informationen sucht, dem empfehlen wir das Stück von Katharina Schneider im „HB“ zur Lektüre. Handelsblatt 

Wie Machine Learning die Beratung im (Online-)Banking verbessern kann … und warum der Kunde keine Angst davor zu haben braucht. ZEB-Bankinghub

„Bankvorstände setzen auf die falschen Projekte – und die falschen Berater“: … sagt der Consultant Friedrich-W. Kersting. Finletter

Und noch Link, der zu ein paar weiterführenden Links zu der Frage führt … wie Banken die PSD2- und die Mifid-II-Richtlinie nutzen können, um ihre Position am Markt zu stärken. Der Bank-Blog

Karriere

Wie gut die Investmentbanker der UBS (und anderer Schweizer Banken) verdienen … wissen die Kollegen von efinancialcareers.

Klickfavoriten

… war am Freitag nahezu gleichauf das BayernLB-Dokument zum Steinhoff-Schuldschein und die Geschäftszahlen der Solarisbank

19/02/18: ING Diba landet Coup, Sparkasse mit Provisionswunder, HNA/Deutsche Bank

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Dass es auch anders geht … zeigt derweil das Beispiel der Sparkasse Essen, wo das Geschäft mit der Baufinanzierung nicht etwa gestiegen, sondern um mehr als 13 Prozent eingebrochen ist. Falls Sie das „Betriebsergebnis vor Bewertung in Prozent der DBS“ auch in diesem eher tristen Fall interessiert: Es lag 2017 bei 0,75 Prozent. Börsen-Zeitung (Paywall)

Die HSH Nordbank wird wie durch ein Wunder zur 1a-Ertragsperle mit Sternchen … und dann wird das Ganze durch weitere mirakulöse Umstände auch noch mitten im Verkaufsverfahren publik. Und das dritte Wunder: Weil der HSH-Vorstand bis zuletzt offiziell an seiner konservativen 120-Mio.-Euro-Prognose festgehalten hat, lesen sich die nun lancierten angeblich „knapp 300 Mio. Euro“ Vorsteuerergebnis gemessen an der Prognose gleich noch ein wenig besser. Handelsblatt/Reuters

Kommt die DWS schon in Kürze an die Börse? Trotz des jüngsten Ausverkaufs an den Aktienmärkten will die Deutsche Bank den IPO ihres Asset Managers noch vor April durchziehen – behauptet jedenfalls Bloomberg.

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Eine SPD-Finanzpolitikerin von nachrangiger Prominenz mahnt die Bafin zu härterem Durchgreifen in Sachen Deutsche Bank/HNA … was wir insofern vermelden, als  die SPD ja demnächst wieder den Finanzminister stellen wird. Welt

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Und noch Link, der zu ein paar weiterführenden Links zu der Frage führt … wie Banken die PSD2- und die Mifid-II-Richtlinie nutzen können, um ihre Position am Markt zu stärken. Der Bank-Blog

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