Wie zwei US-Investoren einen neuen deutschen Payment-Champion formen

Von Heinz-Roger Dohms

Die spannendsten Firmen sind manchmal die, die man nicht sieht. Eine solche Firma ist die Eagle Eschborn GmbH.

Gegründet wurde sie Ende 2016, der offizielle Gegenstand des Gesellschaft lautete:  Der „Erwerb, das Halten, die Verwaltung und/oder der Verkauf von Beteiligungen an Unternehmen im In- und Ausland auf eigene Rechnung.“ Gut zwölf Monate schlummerte das Unternehmen im Handelsregister scheinbar tatenlos vor sich hin. Doch dann geschah Anfang Januar etwas Bemerkenswertes: Als Geschäftsführer trat laut Registerauszug ein gewisser Marcus Mosen in die Eagle Eschborn GmbH ein. Mosen ist der Chef von Concardis (zu Concardis gleich mehr) und damit einer der wichtigsten deutschen Payment-Manager. Was hatte das zu bedeuten: Hat Mosen einen neuen Job?

Die Antwort auf diese Frage, so zeigen Recherchen von „Finanz-Szene.de“, lautet: Ja und Nein. Doch die Recherchen zeigen noch mehr: Nämlich, dass sich unter dem Mantel der Eagle Eschborn GmbH nicht nur ein ganzes Bündel spannender deutscher Payment-Firmen angesiedelt hat, sondern inzwischen auch eine erste ausländische Tochter. Und: Zu diesen Unternehmen könnte sich bald noch ein weiteres gesellen könnte, nämlich ein milliardenschwerer Player aus der Schweiz. Zudem ergeben die Recherchen noch etwas anderes, und zwar, dass die Eagle Eschborn GmbH in Kürze einen weiteren Geschäftsführer bekommen dürfte – einen der renommiertesten Internet-Manager hierzulande.

Doch der Reihe nach. Beginnen wir mit Marcus Mosen. Beziehungsweise mit dem Unternehmen, dem Mosen eigentlich vorsteht. Beginnen wir mit Concardis.

Bei Concardis, angesiedelt in besagtem Eschborn bei Frankfurt, handelt es sich von Haus aus um einen Acquirer, also um eine jener Firmen, die bei Kreditkarten-Transaktionen zwischen Visa und Mastercard auf der einen und dem Händler auf der anderen Seite stehen (und die dafür sorgen, dass der Händler von der Kreditkartenfirma und die Kreditkartenfirma  vom Endkunden auch tatsächlich ihr Geld erhalten).

Bis vor einem Jahr gehörte Concardis – das Unternehmen hieß ursprünglich übrigens mal „Gesellschaft für Zahlungsverkehr“ – den deutschen Banken und Sparkassen. So richtig wussten die Kreditinstitute allerdings nicht, was sie mit Concardis anfangen sollten. Denn: Der Zahlungsverkehr gehörte zwar traditionell zum Kerngeschäft der Banken. Aber das heißt nicht, dass er auch zu ihren Stärken gehörte. Mit dem Zahlungsverkehr war es eher so, dass er halt immer irgendwie dazugehörte. Ein Geschäft, dass im Hintergrund mitlief. Langweilig und unsexy.

Dann aber kam vor zehn Jahren Paypal. Und plötzlich hieß Zahlungsverkehr nicht mehr Zahlungsverkehr, sondern „Payment“. Und plötzlich war Zahlungsverkehr auch nicht mehr unsexy, sondern ganz heißer Scheiß. Irgendwann merkten das auch die deutschen Banken. Darum gründeten sie 2014 ihr eigenes Paypal, genannt „Paydirekt“, ein Klon-Unternehmen, das seitdem mehr oder weniger erfolglos vor sich hin hinwerkelt.  Doch was passierte derweil mit Concardis?

Während die deutschen Banken unbedingt ihr eigenes Paypal haben wollten, hatten sie für jenen Anbieter, der ihnen seit Jahrzehnten gehört, sprich: für Concardis, plötzlich keine Verwendung mehr. Das lag – etwas provokativ ausgedrückt – zum einen daran, dass sich Concardis für manche Entscheidungsträger in der deutschen Kreditwirtachft eher nach „Zahlungsverkehr“ als nach „Payment“ anhörte. Es lag zum anderen aber auch am üblichen Interessen-Gewirr im deutschen Finanzsektor. Die Sparkassen haben nämlich mit der BS Payone (ehemals: B+S Card) einen eigenen Acquirer, weshalb sie nie so genau wussten, was sie eigentlich mit ihrer Beteiligung an Concardis anfangen sollten. Dasselbe gilt so ähnlich auch für die Genobanken (deren Acquirer auf den Namen Card Process hört).

Zwar gab es 2016 aufseiten der Banken angeblich kurzzeitig die Idee, Concardis doch zu behalten, und zwar unter dem Dach der DZ Bank und der Helaba. Dieser Plan allerdings wurde wieder verworfen. Wohl auch, weil Ende 2016 zwei US-Finanzinvestoren aufkreuzten,  Bain und Advent, die bereit waren, einen scheinbar viel zu hohen Preis für Concardis zu zahlen. Satte 700 Millionen Euro.

Ob sich dieser Kaufpreis irgendwann wird rechtfertigen lassen? Für dieses Urteil ist es noch zu früh. Was sich aber, rund ein Jahr nach dem Kauf, bereits sagen lässt: Anders als die deutschen Banken haben die beiden amerikanischen Private-Equity-Gesellschaften einen Plan für Concardis, vielleicht sogar eine Vision. Der Plan sieht so aus, dass sich Concardis vom Dienstleister im Hintergrund zu einem Unternehmen wandeln soll, dass dorthin geht, wo im Zahlungsverkehr der Paypal-Ära das große Geld zu verdienen ist – nämlich am Point of Sale, im Internet, in der Cloud. Und die Vision? Dürfte sein, aus Concardis einen neuen deutschen und vielleicht ja sogar europäischen Payment-Champion zu formen.

Dabei leitete CEO Mosen die Neuausrichtung von Concardis vom Acquirer zum Rundumanbieter schon vor der Übernahme durch Bain und Advent ein. So stiegen die Eschborner 2014 als Hauptinvestor bei Orderbird ein, einem Fintech, das ein Kassensystem entwickelt hatte, mit denen kleine Händler über ihr iPad abrechnen können; speziell in der Gastronomie ist Orderbird schon relativ weit verbreitet. Ebenfalls zum Angebot gehört ein ähnliches Kassensystem für das Smartphone, es heißt Optipay (nicht zu verwechseln mit dem Fintech Optiopay). Gleichwohl: Für größere Projekte als es Orderbird oder Optipay waren, fehlte vor dem Einstieg der beiden Finanzinvestoren das Geld. Die Banken sahen wenig Sinn darin, Concardis mit Kapital für den Einstieg in neue Geschäftsfelder auszustatten. Im Gegenteil: Die Frage war vielmehr, wie viel Geld der Acquirer an seine Eigner ausschütten sollte.

Unter der Ägide von Bain und Advent änderte sich das. Mit der Übernahme des Berliner Fintechs Ratepay für einen mutmaßlich höheren zweistelligen Millionenbetrag schlug Concardis 2017 erstmals richtig zu – wobei: in Wirklichkeit tätigte eben nicht Concardis die Übernahme, sondern die von Bain und Advent aufgesetzte Eagle Eschborn GmbH, die sich de facto allerdings offenbar als „Concardis Holding“ beschreiben lässt. Ratepay (die Firma ermöglicht Onlinehändlern, ihren Kunden das Zahlen auf Rechnung oder per Lastschrift anzubieten) war allerdings nur der Anfang. Denn Ende vergangenen Jahres stemmte Concardis gleich noch zwei Akquisitionen, nämlich die der PCS PayCard Service aus Mannheim und die der Simplepay GmbH.

Doch während diese beiden Transaktionen stolz verkündet wurden, blieb ein vermutlich deutlich größerer Deal unveröffentlicht. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ gehört inzwischen nämlich auch einer der größten südosteuopäischen Payment-Dienstleister, nämlich die Mercury Processing, zur Eagles Eschborn GmbH und damit also zum Reich von Concardis (ein Hinweis hierauf findet sich auf einer Mercury-Homepage). Dies deutet darauf hin, dass die Ambitionen des neuen Konglomerats über Deutschland bereits hinausreichen, wobei der Fokus zunächst auf der DACH-Region liegen dürfte. In diesem Zusammenhang spannend: Bain und Advent gehören auch zu den Interessenten für die milliardenschwere Payment-Sparte des Schweizer Finanztechnologie-Konzerns SIX. Kommen die beiden US-Investoren zum Zuge, dann ist laut Branchenkennern davon auszugehen, dass auch sie unter das Dach der Eagle Eschborn kommen könnte. Spätestens in diesem Augenblick wäre die scheinbar altbackene Concardis plötzlich ein Player von internationalem Format.

Am Ehrgeiz mangelt es jedenfalls nicht. Darauf deutet eine spektakuläre Personalie hin:  Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ wird der frühere CEO von 1&1 Internet, Robert Hoffmann, neuer Chef der Eagle Eschborn GmbH, in der Concardis-Chef Mosen bereits sitzt. Nach Ansicht von Szene-Kennern macht das Sinn: Mosen ist ein langjähriger Payment-Manager mit starker Fintech-Affinität; Hoffmann kennt sich im Internet-Vertrieb aus und gilt zudem als Cloud-Experte (was insofern vorteilhaft ist, als moderne Payment-Lösungen wie Orderbird längst aus der Cloud kommen). Die Kombination könnte Sinn machen.

Wird der Adler also tatsächlich fließen? Das ist nicht gesagt. Denn die Payment-Branche ist seit einigen Jahren wahnwitzig schnellebig, die ganz großen US-Techkonzerne (Apple, Google, Amazon) tummeln sich hier ebenso wie smarte europäische Herausforder (Klarna, Adyen). Und doch: Nicht auszuschließen, dass die deutschen Banken in ein paar Jahren auf Concardis blicken und sich fragen: Und dieses Unternehmen hat mal uns gehört?

Exklusiv: Früherer 1&1-CEO Hoffmann wird Chef der Payment-Holding von Advent und Bain

Von Heinz-Roger Dohms

Spannende Personalie in der deutschen Payment-Branche: Der frühere CEO des Internetunternehmens 1&1, Robert Hoffmann, wird nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ neuer Chef der Eagle Eschborn GmbH – das ist die Holding, unter der die US-Finanzinvestoren Advent und Bain ihre deutschen Payment-Aktivitäten angesiedelt haben. Laut Handelsregister gehört auch Concardis-CEO Marcus Mosen der Holding-Führung an. Er ist verantwortlich für die operativ tätige Concardis GmbH, um die herum Advent und Bain momentan ein neues Schwergewicht auf dem europäischen Payment-Markt formen.

Unter dem Holding-Dach befindet sich neben dem Acquirer Concardis auch schon das aufstrebende Berliner Fintech Ratepay. Es ermöglicht Online-Händlern, ihren Kunden das Zahlen auf Rechnung oder per Lastschrift anzubieten. Darüber hinaus verkündete Concardis Ende vergangenen Jahres die Übernahme der PCS PayCard Service aus Mannheim und der Simplepay GmbH aus Berlin. Das ist allerdings noch nicht alles. Denn nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ gehört inzwischen auch der osteuropäische Payment-Dienstleister Mercury Processing zur Concardis-Familie.

Überdies sind Bain und Advent an der milliardenschweren Payment-Sparte des Schweizer Finanztechnologie-Konzerns SIX interessiert. Auch diese könnte Teil der Holding werden. Dagegen scheint der Sparkassen-Acquirer BS Payone  nicht mehr im Fokus der beiden US-Investoren zu stehen. Ein Grund könnte sein, dass die Sparkassen nicht bereit sind, einen Mehrheitsanteil an der Tochter abzugeben.

13/03/18: DWS wird zum Discount-IPO, N26 kurz vor Mega-Funding, Der künftige Goldman-Chef

Deutsche Bank bietet DWS-Aktien schon jetzt mit deutlichem Abschlag an

Erinnert sich noch jemand an unsere häretische Schlagzeile vom 26. Januar? „Ist die DWS tatsächlich reif für einen IPO?“, titelten wir damals unter Verweis auf die aus unserer Sicht eher mäßigen 2017er-Zahlen des Asset Managers der Deutschen Bank. Mit sechswöchiger Verspätung hat die Blaubank nun die Antwort auf unsere Frage gegeben. Sie lautet: Ja, die DWS ist reif für den geplanten Börsengang. Aber irgendwie auch nicht so richtig. Denn noch bevor die Roadshow beginnt, rücken die Frankfurter bereits von ihren Preisvorstellungen ab. Die gestern vorgestellte Spanne von 30 bis 36 Euro je Aktie bedeutet, dass das Frankfurter Geldhaus selbst im besten Fall (25% der Anteile werden zu je 36 Euro platziert) nur 1,8 Mrd. Euro erlösen wird – statt der erhofften 2,0 Mrd. Euro. Im schlechtesten kalkulierten Fall (20% der Anteile zu je 30 Euro) wären es gar nur 1,2 Mrd. Euro. Immerhin, der erste Großaktionär ist gefunden (es handelt sich, wie vermutet, um Nippon Life). Und: Die Januar-Zuflüsse der DWS waren kräftig.

Archiv (Newsletter vom 26.01. mit  weiterführenden Links), Handelsblatt (Paywall), Manager Magazin (zu Nippon Life), Fondsprofessionell (Januar-Zahlen), Welt (mit DWS-Aufsichtsrats-Personalien)

Exklusiv: Berliner Fintech N26 soll unmittelbar vor Mega-Funding stehen

Perfekt ist noch nichts. Aber: Wenige Tage nach dem 57-Millionen-Euro-Funding für die Berliner Solarisbank soll bereits das nächste deutsche Fintech vor einer Rekordfinanzierung stehen – nämlich die ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Smartphone-Bank N26. Läuft alles glatt, könnte das Funding laut gemeinsamen Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ bereits in den nächsten Tagen perfekt gemacht und anschließend offiziell verkündet werden. „Sie können damit rechnen, dass das Funding sogar noch über dem der Solarisbank liegen wird“, sagte eine der Quellen. Lesen Sie hier weitere Details – und warum die im internationalen Vergleich bislang eher schwach finanzierten deutschen Fintechs urplötzlich Runden von 50 Millionen Euro und mehr einstreichen. Finanz-Szene.de

News

Erlöse aus DWS-Börsengang würden selbst im allerbesten Fall nicht reichen, um die Boni, die sich die Deutschbanker im dritten Verlustjahr in Folge redlich verdient haben, zu finanzieren: Wer es noch nicht mitbekommen hat – die Prämienzahlungen für 2017 sollen bei gut 2 Mrd. Euro liegen. Die Kollegen von „efinancialcareers“ stellen erste Mutmaßungen an, welche Sparten besonders profitieren – und vergleichen die Boni bei der Deutschen Bank (üppig) mit denen bei der Credit Suisse (weniger üppig). efinancialcareers

Will der gute Herr Lin von der Société Générale die Deutsche Bank eigentlich sturmreif schießen? Naja, zumindest hat der Analyst die gestrigen Verlautbarungen zum DWS-Börsengang zum Anlass genommen, die Aktie des größten deutschen Geldhauses ein weiteres Mal herabzustufen, diesmal auf nur noch 10 Euro.

Schafft die Eba ein Kapitalproblem für (manche) deutsche Banken? Wenn ein Gewinnabführungs-Vertrag zwischen einem Kreditinstitut und seiner Tochter besteht, soll das harte Eigenkapital der Tochter in Zukunft nicht mehr als solches anerkannt werden, berichtet die Börsen-Zeitung.

Commerzbank buhlt um großen Ösi-Auftrag: Die österreichische Post will nach dem Absprung der Bawag bis Jahresmitte einen neuen Partner für die Abwicklung von Bankgeschäften finden. Zu den aussichtsreichsten Kandidaten zählt angeblich die Coba. Reuters/HB

Beyond.de

Das ist der mutmaßlich künftige Chef von Goldman Sachs: David Solomon hat das Cage Match (O-Ton „Financial Times“) um die Thronfolger-Position  bei der US-Investmentbank gewonnen. Schon Ende des Jahres könnte er womöglich die Nachfolge von Lloyd Blankfein antreten. Manager Magazin (Kurzporträt mit wohltuend klarem Fokus auf Solomons privaten Interessen), Financial Times (Paywall), Wikipedia

Linktipps

Eigentlich schert uns die B2C-Sicht auf die Dinge ja nicht die Bohne: … aber was der „Finanzrocker“ und der „Finanzwesir“ (zwei angesehene Blogger) zu Mifid II zu sagen haben, das dürfte nicht nur den Kleinanleger, sondern auch den Banker und den Fintech-Menschen interessieren. Finanzrocker

Ebenso eigentlich hatten wir uns vorgenommen, die ZDF-Serie „Bad Banks“ (und v.a. die ganzen „Sind echte Banker wirklich so?“-Artikel) zu ignorieren … für Christian Kirchners schnuckelige Bestandsaufnahme zu den Drehorten („Gibt es die Büros und dem Turm der ‚Deutschen Global Invest‘ wirklich?“) gilt dieser Boykott allerdings nicht. Capital

Der undurchsichtige Herr Chen: Das „Manager Magazin“ hat den Chef des Deutsche-Bank-Ankeraktionärs HNA porträtiert. MM

Der „Cashback“ war nur der Anfang: Denn bald sollen Kunden an der Ladenkasse auch Geld aufs Konto einzahlen können. Wie das geht, erklärt (leider hinter der Bezahlschranke) die FAZ.

Und bevor die digitalen Super-Nerds jetzt wieder zum Füllfederhalter greifen, … um uns in schönstem Sütterlin einen Leserbrief zu schreiben, in dem dann stehen wird, dass Kunden von N26, Fidor und einzelnen Sparda-Banken bei „ausgewählten Partnern im deutschen Einzelhandel“ auch jetzt schon Geld einzahlen können … Wissen wir … Bislang haben wir allerdings, ehrlich gesagt, an der Penny-Kasse noch nie jemanden gesehen, der sich als N26-Kunde geoutet hätte, um 16,23 Euro zu depositieren. Handelsblatt (Archiv-Artikel von November)

By the way: Bundesbank-Vorstand Thiele hat „die Verlagerung der Bankfiliale in den Handel“ dieser Tage eine „kleine Revolution“ genannt. Hier der entsprechende Auszug aus seiner Rede: Bundesbank

That’s not news

Weil „Finanz-Szene.de“ montags nichts erscheint, fassen wir immer dienstags die wesentlichen Nachrichten des Wochenendes kurz zusammen:

  • Bafin entlastet HNA: Laut Finanzaufsicht hat der chinesische Ankeraktionär der Deutschen Bank beim Erwerb seiner Anteile korrekte Angaben zu den Stimmrechten gemacht. Süddeutsche
  • Jetzt kommen die Brexit-Banker wirklich: Die UBS will Teile ihrer Verwaltung von London nach Frankfurt verlegen. Handelszeitung
  • Theodor Weimer erinnert sich an seine Anfänge: … und verpflichtet McKinsey (wo er früher selbst mal gearbeitet hat) als Strategieberatung für die Deutsche Börse. Handelsblatt
  • Die Deutsche Börse baut ihren Verwaltungsrat um: Ann-Kristin Achleitner verlässt das Gremium, drei neue Mitglieder kommen hinzu. Handelsblatt
  • HSH-Chef schielt auf die  Börse: „Wenn der nächste Schritt in einigen Jahren ein Börsengang sein sollte, wäre das eine gute Sache“, sagte Stefan Ermisch dem „Spiegel“. HB

Klickfavorit

… war am Freitag das Linkedin-Profil des „Director Talent Acquisition“ bei Amazon (also des Typen, der auffällig viele deutsche Banker anzubaggern scheint). Linkedin

13/03/18: N26 kurz vor Mega-Funding, Übersicht „Cashback“, 94 Mio. Pfund für Fintech-Fonds

Exklusiv: Berliner Fintech N26 soll unmittelbar vor Mega-Funding stehen

Perfekt ist noch nichts. Aber: Wenige Tage nach dem 57-Millionen-Euro-Funding für die Berliner Solarisbank soll bereits das nächste deutsche Fintech vor einer Rekordfinanzierung stehen – nämlich die ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Smartphone-Bank N26. Läuft alles glatt, könnte das Funding laut gemeinsamen Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ bereits in den nächsten Tagen perfekt gemacht und anschließend offiziell verkündet werden. „Sie können damit rechnen, dass das Funding sogar noch über dem der Solarisbank liegen wird“, sagte eine der Quellen. Lesen Sie hier weitere Details – und warum die im internationalen Vergleich bislang eher schwach finanzierten deutschen Fintechs urplötzlich Runden von 50 Millionen Euro und mehr einstreichen.

Finanz-Szene.de

Deutsche Bank bietet DWS-Aktien schon jetzt mit deutlichem Abschlag an

Erinnert sich noch jemand an unsere häretische Schlagzeile vom 26. Januar? „Ist die DWS tatsächlich reif für einen IPO?“, titelten wir damals unter Verweis auf die aus unserer Sicht eher mäßigen 2017er-Zahlen des Asset Managers der Deutschen Bank. Mit sechswöchiger Verspätung hat die Blaubank nun die Antwort auf unsere Frage gegeben. Sie lautet: Ja, die DWS ist reif für den geplanten Börsengang. Aber irgendwie auch nicht so richtig. Denn noch bevor die Roadshow beginnt, rücken die Frankfurter bereits von ihren Preisvorstellungen ab. Die gestern vorgestellte Spanne von 30 bis 36 Euro je Aktie bedeutet, dass das Frankfurter Geldhaus selbst im besten Fall (25% der Anteile werden zu je 36 Euro platziert) nur 1,8 Mrd. Euro erlösen wird – statt der erhofften 2,0 Mrd. Euro. Im schlechtesten kalkulierten Fall (20% der Anteile zu je 30 Euro) wären es gar nur 1,2 Mrd. Euro. Handelsblatt (Paywall), Manager Magazin

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Erlöse aus DWS-Börsengang würden selbst im allerbesten Fall nicht reichen, um die Boni, die sich die Deutschbanker im dritten Verlustjahr in Folge redlich verdient haben, zu finanzieren: Wer es noch nicht mitbekommen hat – die Prämienzahlungen für 2017 sollen bei gut 2 Mrd. Euro liegen. Die Kollegen von „efinancialcareers“ stellen erste Mutmaßungen an, welche Sparten besonders profitieren – und vergleichen die Boni bei der Deutschen Bank (üppig) mit denen bei der Credit Suisse (weniger üppig). efinancialcareers

Beyond.de

94 Mio. Pfund für Fintech-Fonds: Das neue Investmentvehikel übernimmt mit dem frisch eingesammelten Geld die Finanz-Startup-Beteiligungen von Augmentum (darunter Zopa). Finextra

Das ist der mutmaßlich künftige Chef von Goldman Sachs: David Solomon hat das Cage Match (O-Ton „Financial Times“) um die Thronfolger-Position  bei der US-Investmentbank gewonnen. Schon Ende des Jahres könnte er womöglich die Nachfolge von Lloyd Blankfein antreten. Manager Magazin (Kurzporträt mit wohltuend klarem Fokus auf Solomons privaten Interessen), Financial Times (Paywall), Wikipedia

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Der „Cashback“ war nur der Anfang: Denn bald sollen Kunden an der Ladenkasse auch Geld aufs Konto einzahlen können. Wie das geht, erklärt (leider hinter der Bezahlschranke) die FAZ.

Und bevor die digitalen Super-Nerds jetzt wieder zum Füllfederhalter greifen, … um uns in schönstem Sütterlin einen Leserbrief zu schreiben, in dem dann stehen wird, dass Kunden von N26, Fidor und einzelnen Sparda-Banken bei „ausgewählten Partnern im deutschen Einzelhandel“ auch jetzt schon Geld einzahlen können … Wissen wir … Bislang haben wir allerdings, ehrlich gesagt, an der Penny-Kasse noch nie jemanden gesehen, der sich als N26-Kunde geoutet hätte, um 16,23 Euro zu depositieren. Handelsblatt (Archiv-Artikel von November)

By the way: Bundesbank-Vorstand Thiele hat „die Verlagerung der Bankfiliale in den Handel“ dieser Tage eine „kleine Revolution“ genannt. Hier der entsprechende Auszug aus seiner Rede: Bundesbank

Eigentlich schert uns die B2C-Sicht auf die Dinge ja nicht die Bohne: … aber was der „Finanzrocker“ und der „Finanzwesir“ (zwei angesehene Blogger) zu Mifid II zu sagen haben, das dürfte nicht nur den Kleinanleger, sondern auch den Banker und den Fintech-Menschen interessieren. Finanzrocker

Ebenso eigentlich hatten wir uns vorgenommen, die ZDF-Serie „Bad Banks“ (und v.a. die ganzen „Sind echte Banker wirklich so?“-Artikel) zu ignorieren … für Christian Kirchners schnuckelige Bestandsaufnahme zu den Drehorten („Gibt es die Büros und dem Turm der ‚Deutschen Global Invest‘ wirklich?“) gilt dieser Boykott allerdings nicht. Capital

Der undurchsichtige Herr Chen: Das „Manager Magazin“ hat den Chef des Deutsche-Bank-Ankeraktionärs HNA porträtiert. MM

That’s not news

Weil „Finanz-Szene.de“ montags nichts erscheint, fassen wir immer dienstags die wesentlichen Nachrichten des Wochenendes kurz zusammen:

  • Bafin entlastet HNA: Laut Finanzaufsicht hat der chinesische Ankeraktionär der Deutschen Bank beim Erwerb seiner Anteile korrekte Angaben zu den Stimmrechten gemacht. Süddeutsche
  • Jetzt kommen die Brexit-Banker wirklich: Die UBS will Teile ihrer Verwaltung von London nach Frankfurt verlegen. Handelszeitung
  • Theodor Weimer erinnert sich an seine Anfänge: … und verpflichtet McKinsey (wo er früher selbst mal gearbeitet hat) als Strategieberatung für die Deutsche Börse. Handelsblatt
  • Die Deutsche Börse baut ihren Verwaltungsrat um: Ann-Kristin Achleitner verlässt das Gremium, drei neue Mitglieder kommen hinzu. Handelsblatt
  • HSH-Chef schielt auf die  Börse: „Wenn der nächste Schritt in einigen Jahren ein Börsengang sein sollte, wäre das eine gute Sache“, sagte Stefan Ermisch dem „Spiegel“. HB

Klickfavorit

… war am Freitag das Linkedin-Profil des „Director Talent Acquisition“ bei Amazon (also des Typen, der auffällig viele deutsche Banker anzubaggern scheint). Linkedin

Exklusiv: Vorzeige-Fintech N26 soll kurz vor Mega-Funding stehen

Von Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de) und Caspar Schlenk (Gründerszene)

Wenige Tage nach dem 57-Millionen-Euro-Funding für die Berliner Solarisbank soll ein weiteres deutsches Fintech unmittelbar vor einer Rekordfinanzierung stehen – nämlich die ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Smartphone-Bank N26. Das haben „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ aus Finanzkreisen erfahren. Läuft alles glatt, könnte das Funding bereits in den nächsten Tagen perfekt gemacht und anschließend offiziell verkündet werden. Angeblich soll es um eine hohe zweistellige Millionensumme gehen. „Sie können damit rechnen, dass das Funding sogar noch über dem der Solarisbank liegen wird“, sagte eine der Quellen. Eine Sprecherin von N26 wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Kommt es tatsächlich so, hätte die deutsche Fintech-Szene binnen kurzer Zeit gleich zweimal den Beweis angetreten, dass Funding-Runden in einer Bandbreite von 50 und 100 Millionen Euro inzwischen auch für hiesige Finanz-Startups möglich sind. Daran gab es in den vergangenen Jahren durchaus Zweifel, weil abgesehen von Kreditech kein einziges deutsches Fintech Kapitalerhöhungen in dieser Größenordnung gestemmt hatte. Die bislang höchsten Finanzierungen für  Raisin („Weltsparen“), Finleap, Scalable oder Finanzcheck bewegten sich stattdessen allesamt in einer Spanne irgendwo zwischen 30 und 40 Millionen Euro. Auch N26 lag bei der bislang letzten Runde in diesem Bereich.  Ein Sonderfall ist Smava: Das Kreditvergleichsportal berichtete jüngst zwar von einer Finanzierung von umgerechnet deutlich über 50 Millionen Euro; ob es sich dabei aber komplett um Eigenkapital handelte, ist ungewiss.

Dass nun ausgerechnet die Solarisbank und voraussichtlich auch N26 die 50-Millionen-Euro-Marke überspringen, kommt nicht von ungefähr. Zwar unterscheiden sich die Geschäftsmodelle der beiden Fintechs grundlegend. So ist N26 als mobile Retailbank ein reiner B2C-Anbieter, während sich die Solarisbank als White-Label-Spezialist quasi ausschließlich aufs B2B-Geschäft fokussiert. Davon abgesehen, gibt es aber viele Gemeinsamkeiten: Beide reklamieren für sich, ein zumindest am deutschen Markt  singuläres Geschäftsmodell zu verfolgen; beide unterstrichen ihre Eigenständigkeit, indem sie sich frühzeitig eine eigene Banklizenz besorgten; und beide hegen große internationale Ambitionen. Vor allem letzteres scheint für ausländische Investoren ein wichtiges Argument zu sein.

Tatsächlich dürfte N26 das Ziel verfolgen, mit den frischen Millionen die internationale Ausbreitung voranzutreiben. Zuletzt hatten die Berliner bereits die Expansion in die USA und nach Großbritannien verkündet; daneben ist das Fintech auf Basis seiner deutschen Banklizenz auch schon in vielen anderen Euro-Ländern unterwegs. Dabei sind die Erfolge in der Kunden-Akquisition zum Teil erstaunlich. So kommt N26 in Frankreich gut ein Jahr nach dem Start bereits auf mehr als 200.000 Kunden; rechnet man alle Märkte (also auch den deutschen) zusammen, dürften es mittlerweile sogar schon mehr als 750.000 Kunden sein.