90 Tage, in denen die deutsche Fintech-Branche erwachsen wurde

Von Heinz-Roger Dohms

In den nächsten Tagen wird der Düsseldorfer Datenguru Peter Barkow auf seinen berühmten Knopf drücken – und dann wird ihm seine untrügliche „Barkow Consulting Fintech MoneyMap“ die Q1-Funding-Zahlen zur deutschen Fintech-Branche ausspucken.

Was dabei herauskommen wird? Zugegeben: Im Gegensatz zu Herrn Barkow haben wir hier bei „Finanz-Szene.de“ keine Datenbank, sondern nur einen Datenbauch. Und so ein Bauch kann sich ja auch mal irren. Aber, mal angenommen, unser Bauchgefühl irrt sich nicht, dann dürfte herauskommen:

  • Die Funding-Zahlen haben sich, wenn man nur auf das Volumen schaut, positiv entwickelt
  • Das liegt aber fast ausschließlich an den Mega-Finanzierungen für N26 und Solarisbank
  • Dagegen ist die Zahl der Fundings merklich zurückgegangen, nicht zuletzt, weil immer weniger Finanz-Startups nachkommen

Oder anders ausgedrückt: Die deutsche Fintech-Branche ist jetzt nicht mehr „Early Stage“. Sie ist jetzt „Later Stage“. Oder noch anders ausgedrückt: Das erste Quartal 2018 wird einmal als das Quartal betrachtet werden, in dem die deutsche Fintech-Branche erwachsen wurde.

Woran machen wir das fest, abgesehen von der spektakulären Höhe der Finanzierungen bei N26 (130 Mio. Euro) und Solarisbank (57 Mio. Euro)?

  1. Bei den wichtigen deutschen Fintechs steigen inzwischen große, strategische, meist ausländische Investoren ein, namentlich Visa (Solarisbank, Payworks), BBVA und Amro (beide Solarisbank) sowie Tencent und als nicht-ausländisches Beispiel die Allianz (beide N26). Damit hat sich im ersten Quartal ein Trend manifestiert, der sich 2017 bereits zart angedeutet hatte (Aegon bei Auxmoney, Blackrock bei Scalable und Paypal bei Weltsparen).
  2. Zugleich nähern sich die erfolgreicheren unter den „Fintechs im engeren Sinne“ (siehe unsere Definition) allmählich der Profitabilität. Auxmoney hat kürzlich kundgetan, erstmals auf 6-Monats-Sicht schwarze Zahlen geschrieben zu haben, N26 scheint sich zumindest einer Art Pseudo-Profitabilität zu erfreuen, und Payment-Fintechs wie Billpay oder Ratepay haben nachgewiesen, dass sie sogar auf 12-Monats-Basis Geld verdienen können.
  3. Das Thema Börse könnte für einige der größeren Fintechs bald konkret werden. N26 beschäftigt sich mit dieser Option (wie Gründer Valentin Stalf vor wenigen Tagen betonte), bei Auxmoney würden wir auf spekulativer Basis davon ausgehen, dass es ähnlich ist (wissen tun wir es nicht), der Raisin/Weltsparen-Chef wird zumindest schon mal auf das Thema angesprochen.
  4. Dagegen ist auf „Early-Stage“-Niveau zuletzt nicht mehr wirklich viel los gewesen. Oder ist Ihnen, vielleicht mit Ausnahme der beiden neuen Inkubatoren- Ventures  von Finleap und Finconomy, im ersten Quartal eine Neugründung untergekommen, bei der Sie „Aha!“ gedacht haben? (wobei das natürlich ein wohlfeiles Indiz ist, weil man jedem neuen Fintech die Chance zugestehen muss, sich zu entwickeln. Aber Sie wissen hoffentlich, wie wir’s meinen …)
  5. Dazu auch noch was Anekdotisches: Als wir zuletzt als Jury-Mitglied beim „Fintech des Jahres“-Award aus einem ganzen Bündel von neuen „Early Stage“-Fintechs unsere Favoriten auswählen sollten, da waren darunter doch einige mit beträchtlichem „Who the f***“-Faktor … Natürlich: Das war in erster Linie mangelnder Branchenkenntnis unsererseits geschuldet. Aber vielleicht ja auch nicht nur.

Wie es nun weitergeht?

Wenn wir noch einen letzten Gedanken äußern dürfen, der unserem Bauch beim Rückblick aufs erste Quartal gekommen ist: Schon auffällig, dass die größeren Fintechs das Thema Internationalisierung höchst unterschiedlich angehen, nämlich …

  • fast schon maximal ambitioniert (N26)
  • sehr ambitioniert (Solarisbank, SumUp)
  • im dritten Gang, nachdem der fünfte nicht funktioniert hat (Kreditech)
  • bedächtig (z.B. Raisin, Deposit Solutions, Scalable, Finreach … )
  • bislang gar nicht (Auxmoney, Smava, Finanzcheck)

Diese unterschiedlichen Strategien mögen in erster Linie den unterschiedlichen Geschäftsmodellen geschuldet sein. Aber: Es hat schon auch ein kleines bisschen damit zu tun, dass die Fintech-Macher in Deutschland bei der Frage, was geht und was nicht geht, zu abweichenden Einschätzungen gelangen. Spannend zu sehen, welche Sicht sich durchsetzen wird.

Hat die DKB wirklich gegenüber der ING Diba aufgeholt?

Von Heinz-Roger Dohms

Holt die DKB  gegenüber der ING Diba auf? Nicht wirklich, wenn man die Zahlen direkt vergleicht. Zwar hat sich die DKB gestern bei ihrer Bilanz-PK offenbar erstaunlich offensiv gegeben (siehe die Berichterstattung der Konkurrenz). Und in der Tat: Die vorgelegten Zahlen lesen sich okay, was  besonders für den stark gestiegene Zinsüberschuss gilt. Allerdings: So toll, wie die DKB tut, sind die Kennziffern nun auch wieder nicht.

  • Warum z.B. finden sich weder in der Pressemitteilung noch in der ergänzenden Infografik auf der Homepage irgendwelche Angaben zum Provisionsergebnis? Vielleicht weil das Provisionsergebnis sogar negativ war?
  • Und weshalb finden sich auf der Homepage keine Angaben zum Return on Equity? Vielleicht, weil die Rendite von 12,4% auf 9,6% gesunken ist?
  • Und was ist mit der Cost-Income-Ratio? Die ist von 46% auf 51% Prozent gestiegen

Nun haben die Verschlechterungen in erster Linie damit zu tun, dass es 2016 einen satten Sonderertrag gab (Verkauf der Anteile an Visa Europa). Aber das ändert ja nichts an der Grundaussage der 2017er-Zahlen: Die ING Diba ist der DKB weiterhin weit voraus.

ING Diba DKB
2017 2016 2017 2016
Bilanzsumme in Mrd. 162 158 77,3 76,5
Ergebnis in Mio. 1269 1234 265 331
Zinsergebnis in Mio. 2134 1972 935 795
Prov.-Ergebnis in Mio. 124 104 -39 7
Return on Equity 11 11,2 9,6 12,4
Cost-Income-Ratio 44% 40% 51% 46%
Kunden in Mio. 9,1 8,8 3,7 3,3
Girokonten in Mio. 2,1 1,7 2,7 2,5

 

Die Deutsche Bank sucht angeblich einen Nachfolger für John Cryan

Es ist nur ein einziger Medienbericht – doch der hat es dermaßen in sich, dass wir Ihnen den heute Früh nicht vorenthalten wollen, auch auf die Gefahr hin, halbgares Zeug zu verbreiten (tun wir ja eh dauernd). Also: Laut der nun nicht ganz unseriösen britischen Zeitung „The Times“ befindet sich die Deutsche Bank bereits auf der Suche nach einem Nachfolger für ihren Vorstandschef John Cryan. Demnach wurden mögliche Kandidaten sogar schon kontaktiert, darunter der Vize-Chairman von Goldman Sachs, Richard Gnodde (der allerdings gleich mal abgewinkt habe). Weitere Namen, die genannt werden, sind Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier und der Chef von Standard Chartered, Bill Winters. Laut „Reuters“ war die Deutsche Bank zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aber was soll sie auch sagen? „Klar, stimmt“ ja wohl kaum.

The Times, Handelsblatt

Lesen Sie in diesem Zusammenhang in unserem Newsletter heute morgen folgende kleine Schmonzette:

Formvollendete Posse um Frau Hammonds

Dass die IT-Chefin der Deutschen Bank auf einem wackligen Stuhl sitzt, hatten neulich ja schon die Kollegen von „Bilanz“ geschrieben. Nicht besser wurde die Sache dadurch, dass ein gefühlter Deutschbanker der „FAZ“ steckte, Hammonds habe ihren eigenen Arbeitgeber bei einer Führungskräfte-Tagung jüngst als das “dysfunktionalste Unternehmen” bezeichnet, für das sie je gearbeitet habe. In einem gestern veröffentlichten „Handelsblatt“-Interview versuchte Hammonds zu retten, was zu retten ist. Das war aber gar nicht so leicht, weil sie das ihr zugeschriebene Zitat nicht dementieren konnte/wollte. So gilt bis auf weiteres, was ein Großinvestor gestern in Bezug auf Hammonds berufliche Situation sagte: „Es wird eng.“ Reuters

Ach herrje, was sind die Helaba und die LBBW skrupulös

Von Heinz-Roger Dohms

Sind die Helaba und die LBBW die neuen Low-Performer unter den Landesbanken (jedenfalls unter denen südlich von Norddeutschland)? Sieht so aus, wenn man die 2017er-Ergebnisse der Frankfurter (447 Mio. Euro) und der Stuttgarter (515 Mio. Euro) mit dem der BayernLB (677 Mio. Euro) vergleicht. Nun gibt es für dieses Abschneiden eine Reihe von Gründen, und einige dieser Gründe mögen sogar „operativer“ Natur sein. Bevor sich die Herren Grüntker und Neske (@Fintech-Nerds: Das sind die Chefs von Helaba und LBBW) jetzt aber nicht mehr zum nächsten VÖB-Meeting trauen, wollen wir mal eine Lanze für die beiden brechen. Denn das als schwach empfundene 2017er-Abschneiden hatte nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ mit gewissen, nun ja: bilanz-de-optimierenden Skrupeln zu tun, die die BayernLB eher nicht kennt …

Und zwar:

Es geht um Schuldscheindarlehen, wie sie offenbar von vielen Landesbanken zur Refinanzierung genutzt werden. Die Bank ist also der Schuldner, die Gläubiger sind institutionelle Investoren wie Versicherer oder Pensionskassen. Anders als bei Inhaberschuldverschreibungen handelt es sich bei Schuldscheindarlehen nicht um Anleihen, sondern um Kredite. Das hat zur Folge, dass die Papiere  wie andere Kredite auch nach zehn Jahren kündbar sind. Spätestens an dieser Stelle werden Sie nun merken, worauf wir mit unserer umständlichen Erklärung hinauswollen: Viele dieser Kredite wurden um 2006/2007 herum zu den damals üblichen Zinsen aufgenommen – womit die Institute jetzt (wo das Zinsniveau deutlich niedriger ist) vor einer kniffligen Entscheidung standen: Beißen sie noch ein paar Jahre auf die Zähne, um sich ihre Investoren gewogen zu halten (wer weiß, vielleicht kommen ja nochmal Zeiten, in denen Geld kein überschüssiges Gut ist …)?  Oder machen sie von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch?

Die BayernLB, das wird jedenfalls in München nicht bestritten, ging letzteren Weg. Sie kündigte also (wie in unserem Newsletter am Freitag schon angedeutet) – und zwar in offenbar beträchtlichem Umfang. So sollen die Kündigungen allein 2017 einen positiven Effekt auf die GuV in hohem zweistelligem Millionenumfang gehabt haben  – nachdem der Effekt auch schon 2016 durchaus merklich gewesen sein soll. Dass die Kündigungen legal waren, daran besteht nun nicht der kleinste Zweifel. Und für legitim darf man sie selbstredend auch halten, zumal es sich bei den Gegenparteien ja um keine Lehman-Omas, sondern um Instis handelte. Bloß: Waren die Kündigungen auch tatsächlich „branchenüblich“, wie es in München hinter vorgehaltener Hand heißt?

Offiziell äußern will sich natürlich niemand. In Frankfurt und Helaba geben sich die Aus-dem-Off-Einflüsterer aber durchaus Mühe, den Eindruck zu vermeiden, auch bei Helaba und LBBW sei es zu „branchenüblichen“ Kündigungen gekommen. Im Gegenteil, dort hält man es eher für gute Praxis, die Kredite eben nicht vorzeitig zu kündigen – und genau deshalb habe man das auch nicht gemacht, obwohl es die Gelegenheit 2016 und 2017 gegeben hätte (so wird es jedenfalls behauptet).

Was man hinzufügen muss: Bei der Helaba und der LBBW ging es nach allem, was man hört, um kleinere Volumina als bei der BayernLB. Vielleicht haben sie sich auch darum mit ihren Skrupeln leichter getan.

27/03/18: Deutsche Bank auf Chefsuche?, Professoren als Fintech-Maskottchen, Weltsparen, Penta

Die Deutsche Bank sucht ANGEBLICH bereits nach einem neuen Chef

Es ist nur ein einziger Medienbericht – doch der hat es dermaßen in sich, dass wir Ihnen den heute Früh nicht vorenthalten wollen, auch auf die Gefahr hin, halbgares Zeug zu verbreiten (tun wir ja eh dauernd). Also: Laut der nun nicht ganz unseriösen britischen Zeitung „The Times“ befindet sich die Deutsche Bank bereits auf der Suche nach einem Nachfolger für ihren Vorstandschef John Cryan. Demnach wurden mögliche Kandidaten sogar schon kontaktiert, darunter der Vize-Chairman von Goldman Sachs, Richard Gnodde (der allerdings gleich mal abgewinkt habe). Weitere Namen, die genannt werden, sind Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier und der Chef von Standard Chartered, Bill Winters. Laut „Reuters“ war die Deutsche Bank zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aber was soll sie auch sagen? „Klar, stimmt“ ja wohl kaum.

The Times, Handelsblatt

Gibt es eigentlich noch ein deutsches Fintech ohne Finanzprofessor als Maskottchen?

Vom spektakulären Angriff des Berliner Tagesgeld-Spezialisten Weltsparen auf den Münchner Robo-Advisor Scalable Capital hatten wir ihnen ja schon am 9. März erzählt (weshalb wir das heute nicht nochmal tun, sondern stattdessen auf den sozusagen aktuellen Bericht im „Handelsblatt“ verweisen).  Was wir aber durchaus spannend  finden an der offiziellen Verlautbarung gestern, das ist der Umstand, dass Weltsparen zum Start seines „Light-Robos“ einen Beirat gegründet hat, dem u.a. Finanzprofessor Weber aus Mannheim angehört. Das trifft sich insofern hervorragend, als Prof. Hackethal von der Goethe-Uni beim Robo Vaamo dem Aufsichtsrat vorsitzt, Prof. Mittnik aus München bei Scalable als  Gründer firmiert, Prof. di Giorgi aus St. Gallen beim Robo Liqid den Beirat schmückt und Hackethals Goethe-Kollege Prof. König beim Robo Ginmon den Titel „Senior Advisor“ trägt. Wie beruhigend, dass man sich um den Praxis-Bezug des  Elfenbeinturms keine Sorgen mehr machen muss. Ginmon, Liqid, Weltsparen, Vaamo, Scalable

News

Deutsche-Bank-Vorstand bringt Ende klassischer Konten ins Spiel: Er halte es für denkbar, dass irgendwann in 5, 10, 15 oder 20 Jahren die Bankkonten „verschwinden und durch etwas Neues ersetzt werden“, hat Marcus Schenck bei einer Konferenz in London gesagt (das war zwar schon Ende letzter Woche. Aber weil die Aussage bemerkenswert ist, sie aber, soweit wir das sehen, von hiesigen Medien nicht groß aufgegriffen wurde, verkaufen wir das jetzt einmal mal als „News“). Business Insider

Ein herzliches Willkommen den Lesern, die wir dieser Tage im Commerzbank Tower hinzugewonnen haben. Leider können wir Ihnen heute aber nur Standardware bieten, nämlich die Verlautbarung ihres Arbeitgebers aus Anlass des gestern vorgestellten Geschäftsberichts. Tenor: 2017 war bekanntermaßen nicht so dolle, 2018 wird aber deutlich besser (weil die Belastungen kleiner werden). Schaun mer mal. Manager Magazin

Formvollendete Posse um Frau Hammonds: Dass die IT-Chefin der Deutschen Bank auf einem wackligen Stuhl sitzt, hatten neulich ja schon die Kollegen von „Bilanz“ geschrieben. Nicht besser wurde die Sache dadurch, dass ein gefühlter Deutschbanker der „FAZ“ steckte, Hammonds habe ihren eigenen Arbeitgeber bei einer Führungskräfte-Tagung jüngst als das “dysfunktionalste Unternehmen” bezeichnet, für das sie je gearbeitet habe. In einem gestern veröffentlichten „Handelsblatt“-Interview versuchte Hammonds zu retten, was zu retten ist. Das war aber gar nicht so leicht, weil sie das ihr zugeschriebene Zitat nicht dementieren konnte/wollte. So gilt bis auf weiteres, was ein Großinvestor gestern in Bezug auf Hammonds berufliche Situation sagte: „Es wird eng.“ Reuters

Dabei sollte die mutmaßliche Personal-Kabale nicht den Blick auf eine interessante Äußerung Hammonds‘ in dem Interview gestern versperren: Dort sagte sie nämlich, man wolle „noch aktiver“ werden, was direkte Investitionen in Fintechs betrifft. Wenn uns nicht alles täuscht, hat die Deutsche Bank in diesem Punkt nun einen kompletten Strategiewechsel vollzogen, nämlich von „Wir investieren nicht direkt in Fintechs“ (2015) über „Naja, vielleicht doch ein bisschen“ (siehe die Investments in TrustBills und Dwins in 2017) hin zu „Jetzt aber mal so richtig“ (2018).

Während die Deutsche Bank ihre Fintech-Strategie adjustiert und die Commerzbank angeblich über die Gründung einer internationalen Online-Bank nachdenkt …, ist die BBVA mal wieder deutlich weiter und lässt ihr Silicon-Valley-Fintech Denizen das (angeblich) weltweit erste Konto mit kostenlosen Cross-Border-Überweisungen launchen. Financial Times (Paywall)Pressemitteilung

Verblüffendes von der Alster: Die Warburg Bank will ihren Robo-Service (von dem man ja eigentlich dachte, er sei eher was für Mass Affluents, die sich endlich mal als richtige Privatbank-Kunden fühlen wollen) jetzt auch für semi-institutionelle Investoren anbieten. Bloomberg

Wie groß muss der Mehrwert sein, den ein Fintech bietet? Diese Frage drängt sich auf, wenn die Berliner KMU-Challenger-Bank Penta jetzt stolz verkündet, Gründer könnten bei ihr binnen 48 Stunden ein Geschäftskonto einrichten und das erforderliche Stammkapital einzahlen. Mal angenommen, bei einer herkömmlichen Bank dauert der Prozess wirklich zwei, drei Tage mehr – schlimm? (Wir sind ja selber selbständig, unsere Einschätzung lautet: Nö, das ist nun wirklich das allerkleinste Problem da draußen.).

… und was einen dann wieder mal an der Ernsthaftigkeit mancher Fintechs zweifeln lässt: Bei Gründerszene ist von „weniger als 48 Stunden“ die Rede, in der Mail, die uns Penta gestern schrieb, steht etwas von „in der Regel in unter 48 Stunden“. Und bei den englischen Kollegen liest man dann (vermutlich wegen der Zeitumstellung), es gehe „in under 24 hours“, ergänzt um die Formulierung, „shortening the overall incorporation process by several weeks“. An manchen Tagen fühlen wir uns bei unserer piefigen  Volksbank immer noch ganz wohl.

Noch eine gute Nachricht: Ayondo hat es in Singapur an die Börse geschafft. The Straits Times

Noch eine schlechte Nachricht: Der Skandal um die estnische Versobank (Lizenzentzug wegen Geldwäsche etc.pp.) wirft kein gutes Licht auf das Fintech Savedo/Deposit Solutions, das deutsche Spareinlagen an die estnische Bank vermittelte. Handelsblatt (Paywall)

Linktipps

Da ja jetzt überall von Yes, Verimi usw. die Rede ist: Sind die Banken (und ihre kleinen Helferlein, die ID-Fintechs) überhaupt prädestiniert für die Verwaltung digitaler Identitäten?, fragt der Blogger und Berater Ralf Keuper. Bankstil

Dazu passend, aber leider hinter der Paywall, ein „Special Report“ der „Financial Times“ zu mehr oder weniger dem gleichen Thema. FT

Und wenn Sie jetzt schon den PR-igsten PR-Text des Jahres lesen wollen: … dann schauen Sie doch mal, wie sich die Marktforscher von Yougov auf „wiwo.de“ bei der Commerzbank einschmeicheln dürfen (dabei hat Yougov doch neulich schon den Auftrag für die große Coba-Studie zur Altersvorsorge gekriegt, reicht das nicht?). Wirtschaftswoche 

Aus der Szene

Ach herrje, was sind die Helaba und die LBBW skrupulös: Sind die Helaba und die LBBW die neuen Low-Performer unter den Landesbanken (jedenfalls unter denen südlich von Norddeutschland)? Sieht so aus, wenn man die 2017er-Ergebnisse der Frankfurter (447 Mio. Euro) und der Stuttgarter (515 Mio. Euro) mit dem der BayernLB (677 Mio. Euro) vergleicht. Nun gibt es für dieses Abschneiden eine Reihe von Gründen, und einige dieser Gründe mögen sogar „operativer“ Natur sein. Bevor sich die Herren Grüntker und Neske (@Fintech-Nerds: Das sind die Chefs von Helaba und LBBW) jetzt aber nicht mehr zum nächsten VÖB-Meeting trauen, wollen wir mal eine Lanze für die beiden brechen. Denn das als schwach empfundene 2017er-Abschneiden hatte nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ mit gewissen, nun ja: bilanz-de-optimierenden Skrupeln zu tun, die die BayernLB eher nicht kennt … Finanz-Szene.de

Klickfavorit

… war am Freitag unser Stück über das Tafelsilber der Commerzbank. Finanz-Szene.de

Verstorben

Der langjährige KfW-Chef Ulrich Schröder ist tot. Wie die Förderbank gestern mitteilte, starb der Bankmanager am Sonntag knapp eine Woche nach seinem 66. Geburtstag. Schröder stand seit 2008 an der Spitze der KfW. Bereits 2015 hatte er ein Krebsleiden öffentlich gemacht, das ihn Ende vergangenen Jahres zwang, von seinem Posten zurückzutreten. Schröder hinterlässt seine Frau und drei Kinder. FAZ

27/03/18: Deutsche Bank schon auf Chefsuche?, Die brave Helaba, Kim Hammonds, Das Ende des Bankkontos

Die Deutsche Bank sucht ANGEBLICH bereits nach einem neuen Chef

Es ist nur ein einziger Medienbericht – doch der hat es dermaßen in sich, dass wir Ihnen den heute Früh nicht vorenthalten wollen, auch auf die Gefahr hin, halbgares Zeug zu verbreiten (tun wir ja eh dauernd). Also: Laut der nun nicht ganz unseriösen britischen Zeitung „The Times“ befindet sich die Deutsche Bank bereits auf der Suche nach einem Nachfolger für ihren Vorstandschef John Cryan. Demnach wurden mögliche Kandidaten sogar schon kontaktiert, darunter der Vize-Chairman von Goldman Sachs, Richard Gnodde (der allerdings gleich mal abgewinkt habe). Weitere Namen, die genannt werden, sind Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier und der Chef von Standard Chartered, Bill Winters. Laut „Reuters“ war die Deutsche Bank zunächst für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Aber was soll sie auch sagen? „Klar, stimmt“ ja wohl kaum.

The Times, Handelsblatt

Ach herrje, was sind die Helaba und die LBBW skrupulös (verglichen mit der BayernLB)

Sind die Helaba und die LBBW die neuen Low-Performer unter den Landesbanken (jedenfalls unter denen südlich von Norddeutschland)? Sieht so aus, wenn man die 2017er-Ergebnisse der Frankfurter (447 Mio. Euro) und der Stuttgarter (515 Mio. Euro) mit dem der BayernLB (677 Mio. Euro) vergleicht. Nun gibt es für dieses Abschneiden eine Reihe von Gründen, und einige dieser Gründe mögen sogar „operativer“ Natur sein. Bevor sich die Herren Grüntker und Neske (@Fintech-Nerds: Das sind die Chefs von Helaba und LBBW) jetzt aber nicht mehr zum nächsten VÖB-Meeting trauen, wollen wir mal eine Lanze für die beiden brechen. Denn das als schwach empfundene 2017er-Abschneiden hatte nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ mit gewissen, nun ja: bilanz-de-optimierenden Skrupeln zu tun, die die BayernLB eher nicht kennt … Finanz-Szene.de

News

Deutsche-Bank-Vorstand bringt Ende klassischer Konten ins Spiel: Er halte es für denkbar, dass irgendwann in 5, 10, 15 oder 20 Jahren die Bankkonten „verschwinden und durch etwas Neues ersetzt werden“, hat Marcus Schenck bei einer Konferenz in London gesagt (das war zwar schon Ende letzter Woche. Aber weil die Aussage bemerkenswert ist, sie aber, soweit wir das sehen, von hiesigen Medien nicht groß aufgegriffen wurde, verkaufen wir das jetzt einmal mal als „News“). Business Insider

Ein herzliches Willkommen den Lesern, die wir dieser Tage im Commerzbank Tower hinzugewonnen haben. Leider können wir Ihnen heute aber nur Standardware bieten, nämlich die Verlautbarung ihres Arbeitgebers aus Anlass des gestern vorgestellten Geschäftsberichts. Tenor: 2017 war bekanntermaßen nicht so dolle, 2018 wird aber deutlich besser (weil die Belastungen kleiner werden). Schaun mer mal. Manager Magazin

Formvollendete Posse um Frau Hammonds: Dass die IT-Chefin der Deutschen Bank auf einem wackligen Stuhl sitzt, hatten neulich ja schon die Kollegen von „Bilanz“ geschrieben. Nicht besser wurde die Sache dadurch, dass ein gefühlter Deutschbanker der „FAZ“ steckte, Hammonds habe ihren eigenen Arbeitgeber bei einer Führungskräfte-Tagung jüngst als das “dysfunktionalste Unternehmen” bezeichnet, für das sie je gearbeitet habe. In einem gestern veröffentlichten „Handelsblatt“-Interview versuchte Hammonds zu retten, was zu retten ist. Das war aber gar nicht so leicht, weil sie das ihr zugeschriebene Zitat nicht dementieren konnte/wollte. So gilt bis auf weiteres, was ein Großinvestor gestern in Bezug auf Hammonds berufliche Situation sagte: „Es wird eng.“ Reuters

Dabei sollte die mutmaßliche Personal-Kabale nicht den Blick auf eine interessante Äußerung Hammonds‘ in dem Interview gestern versperren: Dort sagte sie nämlich, man wolle „noch aktiver“ werden, was direkte Investitionen in Fintechs betrifft. Wenn uns nicht alles täuscht, hat die Deutsche Bank in diesem Punkt nun einen kompletten Strategiewechsel vollzogen, nämlich von „Wir investieren nicht direkt in Fintechs“ (2015) über „Naja, vielleicht doch ein bisschen“ (siehe die Investments in TrustBills und Dwins in 2017) hin zu „Jetzt aber mal so richtig“ (2018).

Während die Deutsche Bank ihre Fintech-Strategie adjustiert und die Commerzbank angeblich über die Gründung einer internationalen Online-Bank nachdenkt …, ist die BBVA mal wieder deutlich weiter und lässt ihr Silicon-Valley-Fintech Denizen das (angeblich) weltweit erste Konto mit kostenlosen Cross-Border-Überweisungen launchen. Financial Times (Paywall)Pressemitteilung

Verblüffendes von der Alster: Die Warburg Bank will ihren Robo-Service (von dem man ja eigentlich dachte, er sei eher was für Mass Affluents, die sich endlich mal als richtige Privatbank-Kunden fühlen wollen) jetzt auch für semi-institutionelle Investoren anbieten. Bloomberg

Wie groß muss der Mehrwert sein, den ein Fintech bietet? Diese Frage drängt sich auf, wenn die Berliner KMU-Challenger-Bank Penta jetzt stolz verkündet, Gründer könnten bei ihr binnen 48 Stunden ein Geschäftskonto einrichten und das erforderliche Stammkapital einzahlen. Mal angenommen, bei einer herkömmlichen Bank dauert der Prozess wirklich zwei, drei Tage mehr – schlimm? (Wir sind ja selber selbständig, unsere Einschätzung lautet: Nö, das ist nun wirklich das allerkleinste Problem da draußen.).

… und was einen dann wieder mal an der Ernsthaftigkeit mancher Fintechs zweifeln lässt: Bei Gründerszene ist von „weniger als 48 Stunden“ die Rede, in der Mail, die Penta uns gestern schrieb, steht etwas von „in der Regel in unter 48 Stunden“. Und bei den englischen Kollegen liest man dann (vermutlich wegen der Zeitumstellung), es gehe „in under 24 hours“, ergänzt um die Formulierung, „shortening the overall incorporation process by several weeks“. An manchen Tagen fühlen wir uns bei unserer piefigen  Volksbank immer noch ganz wohl.

Und noch eine Nachricht: Der Skandal um die estnische Versobank (Lizenzentzug wegen Geldwäsche etc.pp.) wirft kein gutes Licht auf das Fintech Savedo/Deposit Solutions, das deutsche Spareinlagen an die estnische Bank vermittelte. Handelsblatt (Paywall)

Und dann noch eine, und zwar aus der FAZ heute Früh: Die Bethmann Bank gibt ihren Stammsitz nahe der Paulskirche auf und zieht stattdessen ins  gerade im Bau befindliche Marienforum. FAZ

Linktipps

Da ja jetzt überall von Yes, Verimi usw. die Rede ist: Sind die Banken (und ihre kleinen Helferlein, die ID-Fintechs) überhaupt prädestiniert für die Verwaltung digitaler Identitäten?, fragt der Blogger und Berater Ralf Keuper. Bankstil

Dazu passend, aber leider hinter der Paywall, ein „Special Report“ der „Financial Times“ zu mehr oder weniger dem gleichen Thema. FT

Und wenn Sie jetzt schon den PR-igsten PR-Text des Jahres lesen wollen: … dann schauen Sie doch mal, wie sich die Marktforscher von Yougov auf „wiwo.de“ bei der Commerzbank einschmeicheln dürfen (dabei hat Yougov doch neulich schon den Auftrag für die große Coba-Studie zur Altersvorsorge gekriegt, reicht das nicht?). Wirtschaftswoche 

Aus der Szene

Gibt es eigentlich noch ein deutsches Fintech ohne Finanzprofessor als Maskottchen? Vom spektakulären Angriff des Berliner Tagesgeld-Spezialisten Weltsparen auf den Münchner Robo-Advisor Scalable Capital hatten wir ihnen ja schon am 9. März erzählt (weshalb wir das heute nicht nochmal tun, sondern stattdessen auf den sozusagen aktuellen Bericht im „Handelsblatt“ verweisen).  Was wir aber durchaus spannend  finden an der offiziellen Verlautbarung gestern, das ist der Umstand, dass Weltsparen zum Start seines „Light-Robos“ einen Beirat gegründet hat, dem u.a. Finanzprofessor Weber aus Mannheim angehört. Das trifft sich insofern hervorragend, als Prof. Hackethal von der Goethe-Uni beim Robo Vaamo dem Aufsichtsrat vorsitzt, Prof. Mittnik aus München bei Scalable als  Gründer firmiert, Prof. di Giorgi aus St. Gallen beim Robo Liqid den Beirat schmückt und Hackethals Goethe-Kollege Prof. König beim Robo Ginmon den Titel „Senior Advisor“ trägt. Wie beruhigend, dass man sich um den Praxis-Bezug des  Elfenbeinturms keine Sorgen mehr machen muss. Ginmon, Liqid, Weltsparen, Vaamo, Scalable

Klickfavorit

… war am Freitag unser Stück über das Tafelsilber der Commerzbank. Finanz-Szene.de

Verstorben

Der langjährige KfW-Chef Ulrich Schröder ist tot. Wie die Förderbank gestern mitteilte, starb der Bankmanager am Sonntag knapp eine Woche nach seinem 66. Geburtstag. Schröder stand seit 2008 an der Spitze der KfW. Bereits 2015 hatte er ein Krebsleiden öffentlich gemacht, das ihn Ende vergangenen Jahres zwang, von seinem Posten zurückzutreten. Schröder hinterlässt seine Frau und drei Kinder. FAZ