Exklusiv: Paukenschlag im Sparkassen-Lager. Paydirekt-Beauftrager Schwab vor Ablösung

Von Heinz-Roger Dohms

Paukenschlag bei den deutschen Sparkassen: Nach Informationen des Branchen-Newsletters „Finanz-Szene.de“ steht der Geschäftsführer der für den Zahlungsdienstleister Paydirekt zuständigen GIZS, Frank Schwab, unmittelbar vor der Demission. Er soll bereits zum 1. Mai durch den bisherigen „Chief Operating Officer“ Henning vorm Walde ersetzt werden.  Vor vier Wochen hatte der Deutsche Sparkassenverlag (DSV) gegenüber „Finanz-Szene.de“ und der „Süddeutschen Zeitung“ noch dementiert, dass Schwab vor der Ablösung stehe – auch wenn die Personalie im Sparkassen-Lager längst die Runde machte.

Bei der GIZS handelt es sich um ein Ende 2015 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen des Deutschen Sparkassenverlags, der Helaba und der LBBW. Über die Gesellschaft kontrolliert der öffentlich-rechtliche Finanzsektor seinen Anteil an Paydirekt, dem Paypal-Klon der deutschen Kreditwirtschaft, an dem auch die Privatbanken und die genossenschaftlichen Institute beteiligt sind.

Mit der Berufung Schwabs an die Spitze des GIZS hatten die Sparkassen Anfang 2016 eigentlich ein Signal des Aufbruchs setzen wollen – denn: Schwab, der auf seinem LinkedIn-Profil als „Speaker, Enthusiast, Chairman, CEO, Co-Founder, Investor, Advisory Board Member“ firmiert, ist alles andere als ein Sparkassen-Gewächs. Er entstammt der Deutschen Bank, arbeitete später für die Beraterfirma McKinsey und stand von 2013 bis 2015 an der Spitze der Fidor TecS AG, einer Banking-Plattform-Tochter der Münchner Fintech-Bank Fidor.

Warum Schwab nun geht, ist unklar. Ebenso wie die Frage, ob sich die Personalie wirklich erst kurzfristig ergeben hat (wie es jetzt im Umfeld des DSV heißt). Sein Nachfolger Henning vorm Walde kam erst vor wenigen Wochen zur GIZS. „Finanz-Szene.de“ hatte Mitte Dezember exklusiv über die Personalie berichtet. Schon damals gab es (allerdings eher lose) Gerüchte, dass er Schwab womöglich ersetzen solle. In Sparkassen-Kreisen wurde damals allerdings betont, dass der Geschäftsleiter vorm Walde dem Geschäftsführer Schwab lediglich an die Seite gestellt werde. Vorm Walde arbeitete zuvor vier Jahre lang als „Medialer Referent“ für den Sparkassenverband Rheinland-Pfalz. Anders als Schwab bei dessen Start Anfang 2016 kennt er die öffentlich-rechtliche Bankenwelt also sehr gut.

06/04/18: Fintech-Studien-Irrsinn, Die N26-Kampagne, Alles auf Factoring

Warum können Fintech-Studien nicht zur Abwechslung mal seriös sein?

Viele Fintech-Studien sind – ehrlich gesagt – entweder unplausibel oder so erkennbar interessengesteuert, dass es fast schon plump ist (oder beides). Umso glücklicher waren wir, als uns dieser Tage eine Studie der London Stock Exchange in die Hände fiel. Denn: Die altehrwürdige LSE, eine der größten Börsen weltweit, kann eine Quelle seriöser sein? Zumal die Umfragebasis vergleichsweise üppig erschien: 403 interviewte Fintech-Topmanager in acht Ländern, davon allein 64 in Deutschland (und darunter z.B. explizit die Chefs von Weltsparen und Kreditech) … Was will man mehr? Doch dann lasen wir ein bisschen in die Studie hinein … und, naja, was soll man sagen, plötzlich entpuppte sich Deutschland als Heimstätte krass wachsender, unfassbar gut finanzierter, kapitalmarkt-geschwängerter Finanz-Startups. Doch lesen Sie selbst:

Finanz-Szene.de

Gehen die Deutsche-Bank-Vorstände jetzt schon freiwillig?

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Wie das „Wall Street Journal“  berichtet, verhandelt der Co-Chef des Investmentbankings, Garth Ritchie, über einen Abschied vom größten hiesigen Geldhaus. Mit der (angeblichen) Amtsmüdigkeit des 49-Jährigen stellt sich immer drängender die Frage, was aus dem I-Banking der Blaubank werden soll. Während Vorstandschef Cryan (angeblich) die Kosten senken will, sieht AR-Chef Achleitner das mit dem Kostensenken (angeblich) eher so: „Look, ist das nicht eh schon egal?“ (fiktives Zitat). Entsprechend galt die Nominierung des früheren Merrill-Lynch-Chefs John Thains für den Aufsichtsrat diese Woche als Signal, dass das I-Banking zumindest nicht geschwächt werden soll. Vor diesem Hintergrund liest sich allerdings eine neue JP-Morgan-Studie zur Deutschen Bank fast schon wie eine Provokation. Die Analysten des Wall-Street-Instituts empfehlen dem Frankfurter Konkurrenten nämlich, das US-Investmentbanking radikal zurechtzustutzen. Wall Street Journal (Paywall), Reuters (Ritchie-News), Bloomberg (JP-Morgan-Studie)

News

Deutsche-Bank-Ankeraktionär plant Befreiungsschlag: HNA will sich von seinem 26-Prozent-Paket an der Hotelkette Hilton trennen (oder zumindest von Teilen davon). Zur Einordnung: An der Börse ist der Anteil rund 6,5 Milliarden Dollar wert, also weitaus mehr als der Nicht-mehr-ganz-zehn-Prozent-Anteil von HNA an der Deutschen Bank. Spiegel Online

Die zehn größten europäischen Banken haben im vergangenen Jahr zusammen 71 Milliarden Euro verdient … während bei den zehn größten US-Instituten gut doppelt so viel herumkam. Manager Magazin

Zur Abwechslung mal eine Anregung für die Pricing-Beauftragten unter unseren Lesern (jedenfalls für jene, die bei einer Retailbank arbeiten): Die Bremer Sparkasse bietet künftig nur noch zwei Kontenmodelle an, nämlich eines für acht Euro (fast alles drin) und eines für vier Euro (Buchungen kosten extra). Die Kreditkarte kostet in beiden Fällen 36 Euro extra, allerdings unclevererweise nicht pro Monat, sondern pro Jahr. Weser-Kurier

Was macht eigentlich der Bitcoin? Nachdem die Krypto-Währung zuletzt auf die Liste der bedrohten Themen abzurutschen drohte, wollen wir noch mal ein kurzes Update geben: Gestern kostete ein Bitcoin nicht mal mehr 7000 Dollar, nachdem es vor ein paar Monaten ja mal fast 20.000 Dollar waren. Die Blase platzt nicht. Aber inzwischen ist dann doch gehörig Luft entwischen. Manager Magazin

Linktipps

„Nicht die Bank Deines Opas“: Wie die Werbekampagne aufgebaut ist, mit der N26 Europas Millennials erobern will. W&V

Warum Factoring zwar dröge klingt: … für Fintechs aber ein hochspannendes Feld ist. Capital

Nicht nur in Deutschland verharrt P2P-Payment in der Nische …, auch in den USA. Aber warum eigentlich? American Banker

Wie die Datenrevolution die Kreditvergabe verändert … und zwar womöglich/wahrscheinlich sogar zum Besseren. American Banker

Brutto mag der Brexit ein paar tausend Jobs nach Frankfurt bringen …, netto jedoch könnte er für den Finanzplatz zum Bumerang werden. Capital

Die Deutsche Bank kann an ihrem Geschäftsmodell drehen und schrauben, wie sie will …, ohne Rückenwind vom Kapitalmarkt wird sie in keinem Fall die Wende schaffen. Capital

Und wem unsere Suppe auch heute wieder zu dünn ist …, für den haben wir wie immer freitags  noch eines kleines Rinderbrühe-Würfelchen on top, nämlich die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Innovationsblogs.

Klickfavorit

… war gestern das „Finanzplatz-Manifest“ von Hubertus Väth. Finanz-Szene

06/04/18: Dt.-Bank-Vorstand vor dem Absprung?, Girokonten-Pricing, Was die Großbanken verdienen

Gehen die Deutsche-Bank-Vorstände jetzt schon freiwillig?

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Wie das „Wall Street Journal“  berichtet, verhandelt der Co-Chef des Investmentbankings, Garth Ritchie, über einen Abschied vom größten hiesigen Geldhaus. Mit der (angeblichen) Amtsmüdigkeit des 49-Jährigen stellt sich immer drängender die Frage, was aus dem I-Banking der Blaubank werden soll. Während Vorstandschef Cryan (angeblich) die Kosten senken will, sieht AR-Chef Achleitner das mit dem Kostensenken (angeblich) eher so: „Look, ist das nicht eh schon egal?“ (fiktives Zitat). Entsprechend galt die Nominierung des früheren Merrill-Lynch-Chefs John Thains für den Aufsichtsrat diese Woche als Signal, dass das I-Banking zumindest nicht geschwächt werden soll. Vor diesem Hintergrund liest sich allerdings eine neue JP-Morgan-Studie zur Deutschen Bank fast schon wie eine Provokation. Die Analysten des Wall-Street-Instituts empfehlen dem Frankfurter Konkurrenten nämlich, das US-Investmentbanking radikal zurechtzustutzen.

Wall Street Journal (Paywall), Reuters (Ritchie-News), Bloomberg (JP-Morgan-Studie)

News

Deutsche-Bank-Ankeraktionär plant Befreiungsschlag: HNA will sich von seinem 26-Prozent-Paket an der Hotelkette Hilton trennen (oder zumindest von Teilen davon). Zur Einordnung: An der Börse ist der Anteil rund 6,5 Milliarden Dollar wert, also weitaus mehr als der Nicht-mehr-ganz-zehn-Prozent-Anteil von HNA an der Deutschen Bank. Spiegel Online

Die zehn größten europäischen Banken haben im vergangenen Jahr zusammen 71 Milliarden Euro verdient … während bei den zehn größten US-Instituten gut doppelt so viel herumkam. Manager Magazin

Zur Abwechslung mal eine Anregung für die Pricing-Beauftragten unter unseren Lesern (jedenfalls für jene, die bei einer Retailbank arbeiten): Die Bremer Sparkasse bietet künftig nur noch zwei Kontenmodelle an, nämlich eines für acht Euro (fast alles drin) und eines für vier Euro (Buchungen kosten extra). Die Kreditkarte kostet in beiden Fällen 36 Euro extra, allerdings unclevererweise nicht pro Monat, sondern pro Jahr. Weser-Kurier

Finden Sie es eigentlich schlimm, dass wir hier bei „Finanz-Szene.de“ nicht jeden millimeteresken Weiterdreh des Cum-Ex-Skandals vermelden? Ja, finden Sie? Dann wollen wir wenigstens nicht verschweigen, dass jetzt auch die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream ins Visier der Behörden geraten ist. Reuters

Was macht eigentlich der Bitcoin? Nachdem die Krypto-Währung zuletzt genauso wie Cum-Ex auf die Liste der bedrohten Themen abzurutschen drohte, wollen wir noch mal ein kurzes Update geben: Gestern kostete ein Bitcoin nicht mal mehr 7000 Dollar, nachdem es vor ein paar Monaten ja mal fast 20.000 Dollar waren. Die Blase platzt nicht. Aber inzwischen ist dann doch gehörig Luft entwischen. Manager Magazin

Linktipps

Brutto mag der Brexit ein paar tausend Jobs nach Frankfurt bringen …, netto jedoch könnte er für den Finanzplatz zum Bumerang werden. Capital

Die Deutsche Bank kann an ihrem Geschäftsmodell drehen und schrauben, wie sie will …, ohne Rückenwind vom Kapitalmarkt wird sie in keinem Fall die Wende schaffen. Capital

„Nicht die Bank Deines Opas“: Wie die Werbekampagne aufgebaut ist, mit der N26 Europas Millennials erobern will. W&V

Warum Factoring zwar dröge klingt: … für Fintechs aber ein hochspannendes Feld ist. Capital

Nicht nur in Deutschland verharrt P2P-Payment in der Nische …, auch in den USA. Aber warum eigentlich? American Banker

Wie die Datenrevolution die Kreditvergabe verändert … und zwar womöglich/wahrscheinlich sogar zum Besseren. American Banker

Und wem unsere Suppe auch heute wieder zu dünn ist …, für den haben wir wie immer freitags  noch eines kleines Rinderbrühe-Würfelchen on top, nämlich die „Was wir lesen“-Linkliste des DZ-Innovationsblogs.

Aus der Szene

Viele Fintech-Studien sind – ehrlich gesagt – entweder unplausibel oder so erkennbar interessengesteuert, dass es fast schon plump ist (oder beides). Umso glücklicher waren wir, als uns dieser Tage eine Studie der London Stock Exchange in die Hände fiel. Denn: Die altehrwürdige LSE, eine der größten Börsen weltweit, kann eine Quelle seriöser sein? Zumal die Umfragebasis vergleichsweise üppig erschien: 403 interviewte Fintech-Topmanager in acht Ländern, davon allein 64 in Deutschland (und darunter z.B. explizit die Chefs von Weltsparen und Kreditech) … Was will man mehr? Doch dann lasen wir ein bisschen in die Studie hinein … und, naja, was soll man sagen, plötzlich entpuppte sich Deutschland als Heimstätte krass wachsender, unfassbar gut finanzierter, kapitalmarkt-geschwängerter Finanz-Startups. Doch lesen Sie selbst: Finanz-Szene.de

Klickfavorit

… war gestern das „Finanzplatz-Manifest“ von Hubertus Väth. Finanz-Szene

Gibt es eigentlich irgendeine seriöse Fintech-Studie da draußen?

Von Heinz-Roger Dohms

Mit den Fintech-Studien, die die „Finanz-Szene.de“-Redaktion erreichen, lassen sich ganz wunderbar Papierkörbe füllen. Denn mindestens eines der beiden folgenden Kriterien erfüllen viele dieser Untersuchungen geradezu spielend:

  • unplausibel
  • so erkennbar interessengesteuert, dass es fast schon plump ist

Umso glücklicher waren wir, als uns dieser Tage eine Studie der London Stock Exchange in die Hände fiel. Die altehrwürdige LSE, eine der größten Börsen weltweit, kann eine Quelle seriöser sein? Zumal die Umfragebasis vergleichsweise üppig erschien: 403 interviewte Fintech-Topmanager in acht Ländern, davon allein 64 in Deutschland (und darunter z.B. explizit die Chefs von Weltsparen und Kreditech) … Was will man mehr?

Doch dann lasen wir ein bisschen in die Studie hinein … und, naja, was soll man sagen. Sehen Sie selbst:

  • Die 64 befragten deutschen Finanz-Startups rechnen über die nächsten drei Jahre mit einem Wachstum von 284%. Zum Vergleich: Die US-Fintechs kalkulieren mit einem Plus von 39%, die UK-Fintechs mit 88%.

Nun mag man argumentieren, dass die deutsche Fintech-Branche in puncto Entwicklungsstand hinter der angelsächsischen hinterherhinkt, sich also ein gewisser Aufholeffekt ergeben könnte. Aber 284% vs. 39%? … Doch weiter geht’s:

  • Rund jedes dritte (!!!) deutsche Fintech hat bereits mehr als umgerechnet 100 Mio. Dollar (!!!) „geraised“. Ufftata. Selbst wenn man das Fremdkapital einbezieht (was die Studie offensichtlich tut), erscheint dieser Wert gelinde gesagt seeeehr hoch, zumal wenn zugleich laut derselben Studie bislang nur rund jedes 20. britische Fintech ein Gesamtfunding von mehr als 100 Mio. Dollar erreicht hat.

Indes, es kommt noch besser, denn:

  • Gut 35 Prozent der 64 befragten deutschen Fintechs haben sich laut der Studie schon Geld über ein „Public market listing“ besorgt (was wir mal mit „Börse“ übersetzen würden), sogar gut 40 Prozent über eine „Listed debt issuance“ (damit scheint eine „Kapitalmarktanleihe“ gemeint zu sein). Das wirft die  Frage auf, welche deutschen Fintechs da wohl befragt worden sind – Daimler? Bayer? BASF?

Naja, letzten Endes werden die Zahlen, so unglaublich sie auch sind, dann doch stimmen, sonst würde eine der renommiertesten europäischen Finanzinstitutionen sie ja kaum verbreiten.

Übrigens: Durchgeführt im Auftrag der LSE wurden die 403 Interviews vom Marktforscher Yougov, der den Stammlesern von „Finanz-Szene.de“ ja auch schon wegen seiner hochseriösen Kontowechsel-Studien ein Begriff ist. Aber das nur nebenbei.