04/05/18: Posse um Verimi-Chefin, Erdbeben bei Kreditech, Auch COO Prill ist weg

Das größte „deutsche“ Fintech ist jetzt gar kein „deutsches“ Fintech mehr

Es war ein ziemlicher Kracher, der da gestern Morgen verkündet wurde: Kreditech, das nach Mitarbeitern größte deutsche Finanz-Startup, ersetzt seinen Mitgründer und CEO Alexander Graubner-Müller durch einen anglo-amerikanischen Manager namens David Chan (Ex-Barclaycard). Und damit nicht genug: Denn laut gemeinsamen Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und Gründerszene wurde eine ebenso brisante Personalie einfach mal verschwiegen: COO Oliver Prill, so etwas wie das Herz von Kreditech, ist auch weg! Pikanterweise wurde er bereits bei Finiata gesichtet, dem neuen Startup des Ende 2015 im Unfrieden geschiedenen zweiten Kreditech-Gründers Sebastian Diemer. Stoff für jede Menge Community-Trash also!!! Doch stattdessen wollen wir das Thema mal kurz auf eine ernste Ebene heben. Denn: Neulich wurde ja auch schon die Demission von CFO Rene Griemens vermeldet. Das heißt: Bei Kreditech, dem einstigen „deutschen“ Vorzeige-Fintech, haben die mittlerweile mehrheitlich ausländischen Investoren binnen weniger Wochen die komplett deutsche Führungsriege durch eine komplett internationale ersetzt. Was sagt das eigentlich über den Fintech- und VC-Standort Deutschland? Aber sei’s drum – hier nun der Trash: Finanz-Szene.de

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Wo Insurtech nicht draufsteht – aber drinsteckt! Die Deutsche Familienversicherung ist der erste volldigitale Versicherer hierzulande. Auch darum hat das Frankfurter Insurtech in nur elf Jahren seit Aufnahme des Vertriebs schon über 500.000 Kunden gewonnen. Und bis Ende 2019 sollen es sogar eine Million Kunden sein. Mehr erfahren: deutsche-familienversicherung.de/ueber-uns/unternehmen/ 

Ist Verimi das nächste Fintech-Engagement deutscher Banken, das zur Posse gerät?

Es roch nach einem PR-Stunt. War aber nicht so. Gestern Abend, Punkt 20:05:14 Uhr MESZ, trudelte allen Ernstes eine Mail ein, in der stand, dass die gerade erst gestartete Identitäts- und Datenplattform Verimi (hinter der neben der halben deutschen Industrie z.B. auch die Deutsche Bank steht) die Vorstandschefin Donata Hopfen austauscht. Begründung: „Unterschiedliche Auffassungen in der strategischen Führung des Unternehmens.“ Nun sind wir zu wenig im Thema, als dass wir ein Urteil abgeben wollen. Aber wenn eine Frage erlaubt sei: Wäre es vielleicht eine Überlegung wert gewesen, ein technologisch so hochambitioniertes Projekt wie Verimi in der Aufbauphase statt von einer anerkannten Medienmanagerin (Hopfen ist Ex-Axel-Springer) von jemandem mit einem MINT-mäßigeren Lebenslauf führen zu lassen? Aber auch hier: Sei’s drum. Nachfolger wird auf Interimsbasis die T-Systems-Managerin Jeanette von Ratibor, bislang Vize der Gesellschafterversammlung. Also eine Art Horst-Hrubesch-Lösung. FAZ

News

Zu den Stichworten „Fintech-Engagements deutscher Banken“ und „Posse“ wirft unsere selbstprogrammierte Nachrichten-Suchmaschine gleich noch eine weitere News aus. Denn was wir neulich schon vermutet hatten, ist jetzt offiziell: Nach bzw. neben der Haspa zieht sich auch die Bremer Sparkasse erst einmal aus dem Yomo-Projekt zurück (die Älteren werden sich erinnern: Yomo sollte mal das N26 des öffentlich-rechtlichen Bankensektors werden). Unabhängig von der Frage, in welcher Alpha-, Gamma- oder Beta-Phase sich Yomo momentan befindet (wir haben den Überblick verloren): Wäre schön, wenn bis zum ganz, ganz offiziellen Start noch so viele Sparkassen an Bord blieben, dass die Finanzierung der Launch-Party sichergestellt ist. Mobiflip

So, und jetzt endlich mal eine schöne, klassische Banken-Meldung: Sachsen-Anhalt weigert sich, an der bzw. an einer Kapitalerhöhung der NordLB teilzunehmen. Das macht einen Einstieg privater Investoren (sprich: Cerberus) zumindest nicht unwahrscheinlicher. Reuters/HB

Und noch eine schöne klassische Banken-Meldung: M.M. Warburg hat in Sachen Cum-Cum (oder war es Cum-Ex?) Rückstellungen in Höhe von 45 Millionen Euro gebildet. Metaphorisch gesprochen legt sich die Hamburger Privatbank also endlich ein paar Jodtabletten ins Notfallschränkchen, was vermutlich nicht nur in rechnungslegerischer, sondern auch in diplomatischer Hinsicht eine kluge Entscheidung ist, jedenfalls im Vergleich zur bisherigen „Uns kann keiner was“-Haltung. Reuters

Wenn’s weiter nichts ist: Die Deutsche Bank zahlt dem früheren Co-Chef ihres Investmentbankings, Colin Fan, offenbar als Entschädigung für nicht geleistete Boni-Zahlungen sechs Millionen Dollar. Manager Magazin

Die ING Diba will in den kommenden drei Jahren 150 Firmenkunden-Banker einstellen (ja, Sie lesen richtig, einstellen, nicht einsparen). efinancialcareers

Wahnsinn: Wirecard ist jetzt mehr wert als die Commerzbank. Börse-Online

Und für alle Mitglieder der Felix-Hufeld-Freundesgruppe bei Facebook haben wir noch zwei Artikel aus der heutigen „Börsen-Zeitung“ im Angebot: Wenn wir es richtig verstehen, geht es um die Pläne der EU-Kommission, die Finanzaufsicht noch weiter als ohnehin schon zu europäisieren, was der Bafin-Chef aus inhaltlichen und womöglich auch aus sonstigen Erwägungen heraus nicht so dolle findet. Und das hat Hufeld gestern offenbar auch klar zum Ausdruck gebracht hat. Börsen-Zeitung (News), Börsen-Zeitung (Kommentar)

Linktipps

Oh Gott, ist unser kleiner (wo wir herkommen, sagt man: pisseliger) Newsletter jetzt wirklich schon der Agenda-Setter für die orange-farbene Konkurrenz? Nein, selbstverständlich nicht. Trotzdem freuen wir uns, dass das „Handelsblatt“ den Deutschland-Plänen der Silicon Valley Bank (über die wir im Herbst zunächst exklusiv und an diesem Mittwoch dann noch mal in mikrowellenesker Form berichtet hatten) heute die Seite 1, die Seite 6 und auch noch die Seite 7 widmet. (Wenn wir selber der Silicon Valley Bank eine Frage stellen dürften, dann würde diese inzwischen allerdings eher lauten: Warum sind Eure ursprünglich durchaus ambitionierten Deutschland-Pläne eigentlich plötzlich so klein (um nicht zu sagen: pis…)? Im HB ist von einem „Team von bis zu zehn Mitarbeitern“ die Rede, was umgerechnet bedeutet: Eine Seite Berichterstattung je 0,3 bis 3,3 Mitarbeiter). Titelgeschichte, Seite 6, Seite 7 (jeweils Paywall)

Unter der leider etwas wirren Überschrift „Warum Europas Facebook ein Fintech wird“ … findet sich bei „t3n“ eine griffige Analyse zu den Erfolgsaussichten der deutschen bzw. europäischen Finanz-Startups. t3n

Wie funktioniert digitale Identität, Teil 6: Welche Lösungen liefert die Blockchain? IT-Finanzmagazin

Und wie immer freitags sparen wir uns die Arbeit, die sich Dirk Elsner schon gemacht hat, … und verweisen zur weiteren Fortbildung auf die „Was wir lesen“-Liste des DZ-Innovationsblogs.

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… dieser Newsletter längst Pflichtlektüre und ein perfekter Start in den Arbeitstag ist. “

Nico Baader ist CEO der Baader Bank – und einer von mittlerweile mehr als 5000 Abonnenten

Klickfavorit

… war gestern (kein Witz) der Streit bei den ostdeutschen Sparkassen. Reuters/HB

Und der übliche Nachtrag am Freitag

1.) Wenn Sie noch kein Abonnent sind (Ihnen der Newsletter also weitergeleitet wurde), dann können Sie unter diesem Link hier kostenlos einer werden. Willkommen sind Sie allemal!!!

2.) Wir sind auch kommende Woche nicht erst am Dienstag, sondern erneut schon am Montag wieder für sie da (warum das so ist, das erraten Sie nie. Aber verraten werden wir es Ihnen auch nicht. Weil Sie uns dann nämlich für schön blöd halten würden).

Schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms

04/05/18: Verimi-Fiasko, ING Diba stellt ein, Sargnagel für Yomo?, Erdbeben bei Kreditech

Das größte „deutsche“ Fintech ist jetzt gar kein „deutsches“ Fintech mehr

Es war ein ziemlicher Kracher, der da gestern Morgen verkündet wurde: Kreditech, das nach Mitarbeitern größte deutsche Finanz-Startup, ersetzt seinen Mitgründer und CEO Alexander Graubner-Müller durch einen anglo-amerikanischen Manager namens David Chan (Ex-Barclaycard). Und damit nicht genug: Denn laut gemeinsamen Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und Gründerszene wurde eine ebenso brisante Personalie einfach mal verschwiegen: COO Oliver Prill, so etwas wie das Herz von Kreditech, ist auch weg! Pikanterweise wurde er bereits bei Finiata gesichtet, dem neuen Startup des Ende 2015 im Unfrieden geschiedenen zweiten Kreditech-Gründers Sebastian Diemer. Stoff für jede Menge Community-Trash also!!! Doch stattdessen wollen wir das Thema mal kurz auf eine ernste Ebene heben. Denn: Neulich wurde ja auch schon die Demission von CFO Rene Griemens vermeldet. Das heißt: Bei Kreditech, dem einstigen „deutschen“ Vorzeige-Fintech, haben die mittlerweile mehrheitlich ausländischen Investoren binnen weniger Wochen die komplett deutsche Führungsriege durch eine komplett internationale ersetzt. Was sagt das eigentlich über den Fintech- und VC-Standort Deutschland? Aber sei’s drum – hier nun der Trash: Finanz-Szene.de

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Ist Verimi das nächste Fintech-Engagement deutscher Banken, das zur Posse gerät?

Es roch nach einem PR-Stunt. War aber nicht so. Gestern Abend, Punkt 20:05:14 Uhr MESZ, trudelte allen Ernstes eine Mail ein, in der stand, dass die gerade erst gestartete Identitäts- und Datenplattform Verimi (hinter der neben der halben deutschen Industrie z.B. auch die Deutsche Bank steht) die Vorstandschefin Donata Hopfen austauscht. Begründung: „Unterschiedliche Auffassungen in der strategischen Führung des Unternehmens.“ Nun sind wir zu wenig im Thema, als dass wir ein Urteil abgeben wollen. Aber wenn eine Frage erlaubt sei: Wäre es vielleicht eine Überlegung wert gewesen, ein technologisch so hochambitioniertes Projekt wie Verimi in der Aufbauphase statt von einer anerkannten Medienmanagerin (Hopfen ist Ex-Axel-Springer) von jemandem mit einem MINT-mäßigeren Lebenslauf führen zu lassen? Aber auch hier: Sei’s drum. Nachfolger wird auf Interimsbasis die T-Systems-Managerin Jeanette von Ratibor, bislang Vize der Gesellschafterversammlung. Also eine Art Horst-Hrubesch-Lösung. FAZ

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Zu den Stichworten „Fintech-Engagements deutscher Banken“ und „Posse“ wirft unsere selbstprogrammierte Nachrichten-Suchmaschine gleich noch eine weitere News aus. Denn was wir neulich schon vermutet hatten, ist jetzt offiziell: Nach bzw. neben der Haspa zieht sich auch die Bremer Sparkasse erst einmal aus dem Yomo-Projekt zurück (die Älteren werden sich erinnern: Yomo sollte mal das N26 des öffentlich-rechtlichen Bankensektors werden). Unabhängig von der Frage, in welcher Alpha-, Gamma- oder Beta-Phase sich Yomo momentan befindet (wir haben den Überblick verloren): Wäre schön, wenn bis zum ganz, ganz offiziellen Start noch so viele Sparkassen an Bord blieben, dass die Finanzierung der Launch-Party sichergestellt ist. Mobiflip

So, und jetzt endlich mal eine schöne, klassische Banken-Meldung: Sachsen-Anhalt weigert sich, an der bzw. an einer Kapitalerhöhung der NordLB teilzunehmen. Das macht einen Einstieg privater Investoren (sprich: Cerberus) zumindest nicht unwahrscheinlicher. Reuters/HB

Und noch eine schöne klassische Banken-Meldung: M.M. Warburg hat in Sachen Cum-Cum (oder war es Cum-Ex?) Rückstellungen in Höhe von 45 Millionen Euro gebildet. Metaphorisch gesprochen legt sich die Hamburger Privatbank also endlich ein paar Jodtabletten ins Notfallschränkchen, was vermutlich nicht nur in rechnungslegerischer, sondern auch in diplomatischer Hinsicht eine kluge Entscheidung ist, jedenfalls im Vergleich zur bisherigen „Uns kann keiner was“-Haltung. Reuters

Wenn’s weiter nichts ist: Die Deutsche Bank zahlt dem früheren Co-Chef ihres Investmentbankings, Colin Fan, offenbar als Entschädigung für nicht geleistete Boni-Zahlungen sechs Millionen Dollar. Manager Magazin

Die ING Diba will in den kommenden drei Jahren 150 Firmenkunden-Banker einstellen (ja, Sie lesen richtig, einstellen, nicht einsparen). efinancialcareers

Wahnsinn: Wirecard ist jetzt mehr wert als die Commerzbank. Börse-Online

Und für alle Mitglieder der Felix-Hufeld-Freundesgruppe bei Facebook haben wir noch zwei Artikel aus der heutigen „Börsen-Zeitung“ im Angebot: Wenn wir es richtig verstehen, geht es um die Pläne der EU-Kommission, die Finanzaufsicht noch weiter als ohnehin schon zu europäisieren, was der Bafin-Chef aus inhaltlichen und womöglich auch aus sonstigen Erwägungen heraus nicht so dolle findet. Und das hat Hufeld gestern offenbar auch klar zum Ausdruck gebracht hat. Börsen-Zeitung (News), Börsen-Zeitung (Kommentar)

Linktipps

Oh Gott, ist unser kleiner (wo wir herkommen, sagt man: pisseliger) Newsletter jetzt wirklich schon der Agenda-Setter für die orange-farbene Konkurrenz? Nein, selbstverständlich nicht. Trotzdem freuen wir uns, dass das „Handelsblatt“ den Deutschland-Plänen der Silicon Valley Bank (über die wir im Herbst zunächst exklusiv und an diesem Mittwoch dann noch mal in mikrowellenesker Form berichtet hatten) heute die Seite 1, die Seite 6 und auch noch die Seite 7 widmet. (Wenn wir selber der Silicon Valley Bank eine Frage stellen dürften, dann würde diese inzwischen allerdings eher lauten: Warum sind Eure ursprünglich durchaus ambitionierten Deutschland-Pläne eigentlich plötzlich so klein (um nicht zu sagen: pis…)? Im HB ist von einem „Team von bis zu zehn Mitarbeitern“ die Rede, was umgerechnet bedeutet: Eine Seite Berichterstattung je 0,3 bis 3,3 Mitarbeiter). Titelgeschichte, Seite 6, Seite 7 (jeweils Paywall)

Unter der leider etwas wirren Überschrift „Warum Europas Facebook ein Fintech wird“ … findet sich bei „t3n“ eine griffige Analyse zu den Erfolgsaussichten der deutschen bzw. europäischen Finanz-Startups. t3n

Wie funktioniert digitale Identität, Teil 6: Welche Lösungen liefert die Blockchain? IT-Finanzmagazin

Und wie immer freitags sparen wir uns die Arbeit, die sich Dirk Elsner schon gemacht hat, … und verweisen zur weiteren Fortbildung auf die „Was wir lesen“-Liste des DZ-Innovationsblogs.

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… dieser Newsletter längst Pflichtlektüre und ein perfekter Start in den Arbeitstag ist. “

Nico Baader ist CEO der Baader Bank – und einer von mittlerweile mehr als 5000 Abonnenten

Klickfavorit

… war gestern (kein Witz) der Streit bei den ostdeutschen Sparkassen. Reuters/HB

Und der übliche Nachtrag am Freitag

1.) Wenn Sie noch kein Abonnent sind (Ihnen der Newsletter also weitergeleitet wurde), dann können Sie unter diesem Link hier kostenlos einer werden. Willkommen sind Sie allemal!!!

2.) Wir sind auch kommende Woche nicht erst am Dienstag, sondern erneut schon am Montag wieder für sie da (warum das so ist, das erraten Sie nie. Aber verraten werden wir es Ihnen auch nicht. Weil Sie uns dann nämlich für schön blöd halten würden).

Schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms

Exklusiv: Das Erdbeben bei Kreditech – und was dahintersteckt

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Caspar Schlenk, Gründerszene

Als am Mittwochnachmittag durchsickerte, dass Kreditech einen neuen CEO bekommen soll – da schaltete das Unternehmen kurzerhand auf stumm. Keine Auskünfte mehr, niemand zu erreichen. Dafür ließ sich der scheidende Vorstandschef (und künftige „Deputy CEO“) Alexander Graubner-Müller gestern Vormittag dann ausführlich bei „Handelsblatt.com“ zitieren. Der Impuls zum  Chefwechsel sei von ihm selbst gekommen, sagte er. Und: „Das ist kein Abschied auf Raten. Als Vorstandsmitglied und Anteilseigner werde ich weiter eine tragende Rolle spielen und kann mich stärker auf die Strategie- und Expansionsthemen konzentrieren.“

Fragt sich nur: Wie glaubwürdig ist das? Legt jemand aus freien Stücken seinen CEO-Titel ab, um fortan den „Deputy CEO“ zu geben, also den Chef, der kein Chef mehr ist?

Zumal sich nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und Gründerszene im Laufe des gestrigen Tages plötzlich noch eine weitere Frage aufdrängte: Warum eigentlich hat Kreditech in der Donnerstagfrüh versandten Pressemitteilung eine zweite Schlüssel-Personalie schlicht unerwähnt gelassen? Denn: Nicht nur Graubner-Müller ist entmachtet (bzw.: hat sich selber entmachtet). Sondern auch der Mann, der Kreditech in den vergangen, oftmals wilden Jahren zusammengehalten hat, ist nach „Finanz-Szene.de“-Informationen nicht mehr da: Oliver Prill, der „Chief Operating Officer“. Stattdessen wurde Prill – so erzählen es Insider – bereits beim Berliner Factoring-Fintech Finiata gesichtet, also ausgerechnet bei der neuen Firma von Sebastian Diemer, dem schillernden Gründer von Kreditech, der dort Ende 2015 geräuschvoll ausgeschieden war.

Hä, was ist da los?

Der Reihe nach: Festzuhalten ist erstens, dass Kreditech binnen weniger Wochen de facto seine dreiköpfige Spitze ausgewechselt hat. Denn neben dem nicht mehr anwesenden Prill und dem degradierten Graubner-Müller ist ja auch Finanzchef René Griemens  weg, der stattdessen inzwischen beim Heli-Startup Volocopter angeheuert hat.

Damit lässt sich, zweitens, festhalten, dass die Charakterisierung Kreditechs als „deutsches“ Unternehmen mal abgesehen davon, dass Kreditech halt zufällig noch in Hamburg sitzt, seine Berechtigung endgültig verloren hat. Denn: Geschäft hat das Fintech hierzulande ohnehin nie betrieben (außer ganz am Anfang ein bisschen). Die Belegschaft war immer schon international (und zwar mehr noch als bei den meisten anderen „deutschen“ Fintechs). Und auf der Investorenseite hatten die Ausländer im Zuge diverser Funding-Runden ohnehin schon die Mehrheit übernommen.

Blieb noch das C-Level. Doch da sitzen anstelle des Dreigestirns Graubner-Müller/Griemens/Prill künftig als CEO der Anglo-Amerikaner David Chan, also CFO der Pole Mariusz Dabrowski und als CPTO (das „P“ steht für „Produkte“) der Amerikaner Todd Simmerman. Und neuer „Chairman of the Board“ ist übrigens der Brite Giles Andrews. Ob die Position Prills neu besetzt wird, scheint unklar. Denn: Prills  Expertise lag nicht zuletzt im Geschäft mit Konsumentenkrediten. Damit allerdings dürfte sich auch Chan ganz gut auskennen. Und wenn man Graubner-Müller dann doch noch dem C-Level zuschlagen will, dann ist für ein weiteres „C“ ja kaum noch Platz.

Bleibt die Frage, was das alles für die Zukunft von Kreditech bedeutet. Vieles spricht dafür, dass sich der Fokus von Europa zunehmend auf Indien verlagern wird, wo der Großaktionär PayU (hinter dem wiederum der südafrikanische Konzern Naspers steht) einen beträchtlichen Teil seines Geschäfts macht. Unbestätigten Angaben zufolge soll es bereits im vergangenen Sommer einen Deal zwischen wichtigen Großaktionären und dem damaligen Management gegeben haben. Das Arrangement soll so ausgesehen haben, dass Prill noch wie geplant das Indien-Geschäft aufbaut, dann aber gehen darf. Eine Bestätigung hierfür gibt es nicht, Prill war gestern nicht zu erreichen. (glaubt man Unternehmenskennern und indischen Medien, dann war der Start in Indien aber offenbar erfolgreich).

Die Frage ist nun, ob die (freiwillige) Zurücksetzung Graubner-Müllers genauso von langer Hand geplant war wie der Abschied Prills? Als „Finanz-Szene.de“ den Gründer gestern Nachmittag erreichte, stellte er die Dinge noch einmal genau so dar. Man solle das Thema nicht so stark an Titeln aufhängen, meinte  er. Und: Auch wenn er selber jetzt als Vize-CEO amtiere, so bilde er mit Chan trotzdem „eine Doppelspitze“. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass Graubner-Müller seinen Posten aus freien Stücken geräumt hat. Doch selbst wenn dem so war – ungelegen kam den großen Investoren dieser Schritt ganz sicher nicht.