07/05/18: Das 1,5-Mrd.-Ertragsloch, Sparfuchs Sewing, Erstes deutsches Scharia-Fintech

Exklusiv: Fintechs kosten deutsche Retail-Banken schon jetzt bis zu 1,5 Mrd. Euro Ertrag pro Jahr

Wie weh tun die Fintechs den deutschen Banken wirklich? Zu dieser Frage gab es bislang kaum belastbare Zahlen. Entsprechend bedeutsam ist eine neue, „Finanz-Szene.de“ exklusiv vorliegende Oliver-Wyman-Studie. Die kommt nämlich – aus unserer Sicht plausibel hergeleitet – zu dem Ergebnis, dass die Fintech-Revolution die hiesigen Institute in deren Retail-Geschäft schon jetzt bis zu 1,5 Milliarden Euro Ertrag pro Jahr kostet. Der größere Teil dieser Erträge, nämlich an die 900 Millionen Euro, wechselt sozusagen die Seite – landet also nun bei den Fintechs. Bei den übrigen bis zu 600 Millionen Euro geht es um indirekte Effekte z.B. in dem Sinne, dass durch erhöhte Transparenz und Konkurrenz die Margen bröckeln. In diesem Falle profitieren also nicht die Fintechs, sondern die Kunden. Bleibt zu fragen: Wie kommt Oliver Wyman auf diese Zahlen? Wo genau fallen die Erträge weg? Welche Finanz-Startups profitieren? Und wie dürften sich die Zahlen in den nächsten Jahren entwickeln? Hier alle Details: Finanz-Szene.de

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News

Exklusiv – Erstes Islam-Fintech unmittelbar vor Deutschland-Start: Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ will die türkische Scharia-Bank Albaraka hierzulande mit einem rein digitalen Produkt an den Start gehen. Das „Insha“ getaufte Mobile-Angebot soll zunächst nur aus einem Girokonto, einer Debitkarte sowie den grundlegenden Zahlungsfunktionen bestehen. In einer späteren Entwicklungsstufe sind dann aber auch Kreditangebote geplant (womit die Sache spannend wird, weil islamisches Banking ja auf dem Prinzip der Zinslosigkeit beruht). Eine Bafin-Lizenz braucht die Albaraka-Bank anscheinend nicht. Stattdessen bedient sich „Insha“ in regulatorischer und technologischer Hinsicht einer Kooperation mit dem Berliner White-Label-Anbieter Solarisbank. Und falls uns irgendein Leser die Geschichte aus welchen Gründen auch immer nicht abnimmt – hier ist die noch etwas beta-phasen-mäßig anmutende Landing-Page: https://www.getinsha.com/de#

Sparen aus Leidenschaft, Vol. I: Die Deutsche Bank demonstriert jetzt, wie ernst ihr die Sache mit den Kürzungen ist, und schließt ihr Büro in Houston. Von dort aus bediente die Bank bislang Corporate-Finance-Kunden aus der Öl- und Gasindustrie. Wall Street Journal (Paywall), Bloomberg/Welt

Sparen aus Leidenschaft, Vol. II:  Zudem will die Deutsche Bank bis 2021 ihr langjähriges New Yorker Hauptquartier (das mitten im Finanzviertel liegt) aufgeben, um sich stattdessen auf kleinerer Fläche mitten in Manhatten anzusiedeln. Bloomberg

Sparen aus Leidenschaft, Vol. III: Diesem Investmentbanker braucht die Deutsche Bank schon mal nicht mehr zu kündigen (wobei fraglich ist, ob sie den denn überhaupt hätten loswerden wollen) – Thomas Piquemal, bislang weltweit für das M&A-Geschäft verantwortlich, wechselt nämlich zur französischen Holding-Firma Fimalac, sprich: zu der Gesellschaft, die jahrelang hinter Fitch stand, sich nun aber von ihren restlichen Anteilen an der Ratingagentur trennt. Angeblich will die Deutsche Bank Piquemals Posten nicht neu besetzen. Bloomberg/Welt

Die „Roten“ drücken bei Instant Payment aufs Tempo: Dass die Frankfurter Sparkasse zu den Vorreitern bei Echtgeld-Überweisungen gehört, hatten wir Ihnen kürzlich ja schon mitgeteilt. Das „Handelsblatt“ gibt nun einen Überblick, was die anderen öffentlich-rechtlichen Institute machen – und vor allem: wo der neue Service wie viel kostet. HB

Bei der Credit Suisse Deutschland ersetzen zwei Männer eine Frau: Nach dem Abgang von Helene von Roeder sollen COO Björn Storim und Investmentbank-Chef Joachim Ringer die Geschäfte gemeinsam leiten. Als weiterer Vorstand wurde Joachim Appenzeller berufen. Börsen-Zeitung (Paywall)

Und noch eine Meldung zu unser aller Amüsemang: In Düsseldorf geht der Zoff zwischen Stadt und Sparkasse in die nächste Runde. Rheinische Post

Aus der Szene

Nachdem wir Fintech-PR in diesem Newsletter schon so oft kritisiert haben, hier mal ein Beispiel, wie gute Fintech-PR funktioniert: Wenn man a) inhaltlich was Belastbares zu berichten hat, dann ist es nicht unclever, das Ganze b) entsprechend zu tranchieren, um ein Maximum an Aufmerksamkeit zu erzielen. Genau so exerziert das dieser Tage der  Online-Versicherungsmakler Clark, der am 19. April seine White-Label-Lösung präsentierte, der am 25. April seine 24-Mio-Euro-Finanzierung verkündete (aber natürlich „in Dollar“, weil das nach mehr klingt), und dem dann am 4. Mai einfiel, dass er für seine 14 Tage vorher präsentierte White-Label-Lösung ja sogar schon einen Kunden hat (und nicht den schlechtesten). Bevor andere Fintechs jetzt aber auf die Idee kommen, aus einer Pressemitteilung drei zu machen und die ohnehin schon üppigen Etats bei Hering Schuppenbär, Edelmann Aggro oder Fakekontor entsprechend zu verdreifachen … – entscheidend bleibt das „a“. Und bei dem kann der Schuppenbär leider nicht helfen.

Linktipps

Wer sich schon mal auf die Commerzbank-HV am morgigen Dienstag einstimmen will, der sollte heute Morgen nicht „Finanz-Szene.de“ lesen, sondern das „Handelsblatt“: Die Kollegen aus der schönsten aller Stadt zwischen Neuss und  Mettmann haben sich nämlich zum einen mit der Bilanz der Gelbbank auseinandergesetzt (Tenor: Bei den Kosten geht’s in die richtige Richtung, bei den Erträgen nicht) und wagen zum zweiten die analytisch unterfütterte Behauptung, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Commerzbank übernommen werde. Anm.: Beide Artikel verbergen sich hinter der Paywall.

Wenn aus „weniger als 8 Minuten“ 33 Stunden werden: Die junge Kollegin Lea Nischelwitzer hat versucht, ein Konto bei N26 zu eröffnen – und dabei eine kleine Odyssee erlebt. Handelsblatt Orange

Was steckt hinter dem Abgang von Donata Hopfen bei Verimi? Wie aus einem Gerangel um Kompetenzen ein Zerwürfnis wurde (so jedenfalls die kolportierte Darstellung). Süddeutsche, Handelsblatt (Paywall)

„Eine ‚Sparkasse Bayern‘ wird es nicht geben“: Am Beispiel des hessischen Genosektors hatten wir ja neulich bereits skizziert, wie lokale Institute allmählich zu regionalen Instituten mutieren. Das soll aber nicht heißen, dass aus Volksbanken und Sparkassen bald neue „Landesbanken“ werden – betont jedenfalls für seinen Sprengel und seine Institute der Präsident der bayerischen Sparkassen. Handelsblatt

Warum JP Morgan sein Investmentbanking nicht mit einem Investmentbanker verstärkt …, sondern mit einer AI-Forscherin von der Carnegie Mellon University. Trib Live

Und erinnern Sie sich noch, wie wir letzte Woche beklagt haben, dass sich niemand findet, der die (vermutete) Megarelevanz der Blockchain für die Zukunft des Bankings einfach mal infrage stellt (und sei es nur um der Antithese selber willen?): Unsere wunderbare Leserschaft wäre nicht unsere wunderbare Leserschaft, hätte sich nicht umgehend ein Leser gefunden (in diesem Fall: Herr F. von der Consultingfirma B.), der uns mit einem entsprechenden Link versorgt.  Konkret geht es um einen Mitte März bei Linkedin erschienenen Beitrag von Patrick McConnell zum Ende des Blockchain-Experiments bei Swift. Linkedin

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… dieser Newsletter so „to the point“ geschrieben ist, dass ich ihn auch wirklich regelmäßig lese, um einen umfassenden Überblick zu erhalten, was in Deutschland Spannendes läuft.“

Andreas Kubli ist „Head Multichannel Management & Digitization“ bei der UBS Schweiz – und einer von mittlerweile mehr als 5500 Abonnenten

Klickfavorit

… war am Freitag unser Beitrag über das „Erdbeben“ bei Kreditech (wobei sich, was wir nicht verschweigen wollen, weil wir, ohne Habermas je im Original gelesen zu haben, den deliberativen Diskurs natürlich megacool finden … ähem, wo war noch mal der gedankliche Faden? Ach ja: wobei sich einige unserer liebsten Leser bei Twitter einig waren, dass wir mit der Kreditech-Geschichte und ihrer reißerischen Verkaufe mal wieder weit übers Ziel hinausgeschossen sind).

Und übrigens: Falls Ihnen unser kleiner diskursiver Newsletter über die deutsche Banken- und Fintech-Branche heute früh weitergeleitet wurde und Sie uns morgen wieder lesen möchten – die Anmeldung zur kostenlosen Original-Quelle finden Sie hier. Mit zwei Klicks sind Sie dabei. Und mit einem Klick können Sie sich jederzeit wieder abmelden.

Deutsche Retailbanken verlieren durch Fintechs schon jetzt bis zu 1,5 Mrd. Euro Ertrag

Von Heinz-Roger Dohms

Die Fintech-Revolution kostet die deutschen Banken in deren Privatkundengeschäft schon jetzt bis zu 1,5 Milliarden Euro Ertrag pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest ein Whitepaper der Consultingfirma Oliver Wyman, das „Finanz-Szene.de“ exklusiv vorliegt. Der größere Teil dieser Erträge, nämlich an die 900 Millionen Euro, wechselt den Berechnungen zufolge gewissermaßen die Seite – landet also nun bei den Fintechs statt bei den Banken. Bei den übrigen bis zu 600 Millionen Euro handelt es sich um indirekte Effekte beispielsweise in dem Sinne, dass durch erhöhte Transparenz und größeren Konkurrenz die Margen sinken. In diesem Falle profitieren also nicht die Fintechs, sondern die Kunden. Zur Einordnung: Den gesamten Ertragspool im deutschen Retailbanking schätzt Oliver Wyman auf rund 54  Mrd. Euro.

Naturgemäß handelt es sich bei den 1,5 Mrd. Euro letztlich um einen Annäherungswert. Allerdings erscheint die Zahl plausibel hergeleitet – und sie vermittelt (soweit wir das sehen) erstmals überhaupt einen quantitativen Eindruck davon, wie weh die Fintechs den Banken da, wo es drauf ankommt (also bei den Erträgen), wirklich schon tun. Als Datenbasis verweist Oliver Wyman auf veröffentlichte Kunden- bzw. Volumenzahlen, entsprechende Margenannahmen, Einträge im Bundesanzeiger sowie auf eigene Projekterfahrungen und Kundenumfragen. „Auf dieser Grundlage haben wir die Zahlen dann für das gesamte im Privatkundengeschäft tätige Fintech-Spektrum im deutschen Markt hochgerechnet“, erläutert Partner René Fischer.

Fischer war dabei nach eigener Aussage selber „etwas überrascht, dass die Ertragseffekte nicht schon ein bisschen höher sind“. In der Tat: Dramatisch muten die Ergebnisse noch nicht an – was allerdings auch daher rührt, dass die Untersuchung bewusst eng gefasst wurde. So klammerte Oliver Wyman nicht nur das Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking aus. Auch Zahlungsdienstleister und Wallet-Anbieter blieben außen vor, was Fischer damit begründet, „dass diese ihre Erträge in erster Linie im Geschäft mit dem Einzelhandel generieren – ganz abgesehen davon, dass dieser Bereich ja auch nicht zum Privatkunden-Ertragspool gehört“. So fokussiert sich die Studie letztlich auf sechs bzw. fünf Arten von Fintechs:

  • Neo-Banken wie N26
  • Allgemeine Aggregatoren wie Check24, Verivox/Outbank oder Treefin
  • Spezifische Marktplätze wie Hypoport/Dr. Klein, Interhyp, Smava oder Finanzcheck.de (wenn man die allgemeinen Aggregatoren und die spezischen Markplätze zusammenfasst, kommt man auf fünf statt sechs Kategorien …)
  • Produktspezialisten, zu denen Oliver Wyman z.B. Robo Adviser wie Scalable Capital oder P2P-Plattformen wie Auxmoney rechnet
  • Banking-Services-Anbieter wie IDNow, Gini oder Fino
  • Plattformbanken wie Solaris

Der größte Teil der direkten Effekte in Höhe von bis zu 900 Millionen Euro entfällt erwartungsgemäß auf die allgemeinen Aggregatoren und die spezifischen Marktplätze (sprich: auf Check24, Interhyp und Co.) – nämlich rund 700 Millionen Euro. Im Vergleich dazu nehmen sich die Erträge der Neobanken (20-30 Mio. Euro), der Plattformbanken 20-25 Mio. Euro) und der Produktspezalisten (30-50 Mio. Euro) noch sehr bescheiden aus. Dagegen kommen die Banking-Services-Anbieter (übrigens sehr zur Freude der Vermarktungsstrategen von „Finanz-Szene.de“, aber das wirklich nur nebenbei bemerkt …) immerhin schon auf 80-100 Mio. Euro.

Hier das Ganze als Grafik:

Darüber hinaus enthält die Studie natürlich auch eine Prognose. Und die fällt so aus, dass allein die direkten Erosionseffekte bis 2022 auf rund zwei Milliarden Euro anschwillen könnten, wobei absolut weiterhin die Aggregatoren und Marktplätze am stärksten wachsen, relativ gesehen die stärkste Dynamik nun aber aus den übrigen Kategorien kommt.

Auch hier die Grafik (aufgepasst: Aggregatoren und Marktplätze sind hier nun zusammengefasst):

Die vielleicht wichtigste Schlussfolgerung, die sich aus der Studie ziehen lässt: Wenn die Banken die Ertragseffekte durch die Fintech-Konkurrenz auch künftig in erträglichem Ausmaß halten wollen (wobei: Was ist in Zeiten niedriger Zinsen und strenger Regulierung schon „erträglich“?), dann müssen sie den Kampf um die Schnittstelle zum Kunden gewinnen – ein Kampf, der in erster Linie gegen die Aggregatoren (bzw. Vergleichsportalen, Marktplätzen oder wie immer man sie nennen will …)  geführt werden wird. Consultant Fischer: „Wenn die Aggregatoren dauerhaft die Kundenschnittstelle besetzen, dann werden sie den Banken künftig einen ganz signifikanten Teil der Marge streitig machen. Bei zugleich zunehmendem Preis- bzw. Provisionsdruck ließen sich über diese Kanäle dann keine positiven Nettomargen mehr erwirtschaften.“

Exklusiv: Erstes Islam-Fintech unmittelbar vor Deutschland-Start

Von Heinz-Roger Dohms

Deutschland bekommt ein islamkonformes Fintech-Angebot: Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ will die türkische Scharia-Bank Albaraka hierzulande mit einem rein digitalen Produkt an den Start gehen. Das „Insha“ getaufte Mobile-Angebot soll zunächst nur aus einem Girokonto, einer Debitkarte sowie den grundlegenden Zahlungsfunktionen bestehen. In einer späteren Entwicklungsstufe sind dann aber auch Kreditangebote geplant (womit die Sache spannend wird, weil islamisches Banking ja auf dem Prinzip der Zinslosigkeit beruht).

Eine Bafin-Lizenz braucht die Albaraka-Bank anscheinend nicht. Stattdessen bedient sich „Insha“ in regulatorischer und technologischer Hinsicht einer Kooperation mit dem Berliner White-Label-Anbieter Solarisbank.

Und falls uns irgendein Leser die Geschichte aus welchen Gründen auch immer nicht abnimmt – hier ist die noch etwas beta-phasen-mäßig anmutende Landing-Page: https://www.getinsha.com/de#

04/05/18: Posse um Verimi-Chefin, Erdbeben bei Kreditech, Auch COO Prill ist weg

Das größte „deutsche“ Fintech ist jetzt gar kein „deutsches“ Fintech mehr

Es war ein ziemlicher Kracher, der da gestern Morgen verkündet wurde: Kreditech, das nach Mitarbeitern größte deutsche Finanz-Startup, ersetzt seinen Mitgründer und CEO Alexander Graubner-Müller durch einen anglo-amerikanischen Manager namens David Chan (Ex-Barclaycard). Und damit nicht genug: Denn laut gemeinsamen Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und Gründerszene wurde eine ebenso brisante Personalie einfach mal verschwiegen: COO Oliver Prill, so etwas wie das Herz von Kreditech, ist auch weg! Pikanterweise wurde er bereits bei Finiata gesichtet, dem neuen Startup des Ende 2015 im Unfrieden geschiedenen zweiten Kreditech-Gründers Sebastian Diemer. Stoff für jede Menge Community-Trash also!!! Doch stattdessen wollen wir das Thema mal kurz auf eine ernste Ebene heben. Denn: Neulich wurde ja auch schon die Demission von CFO Rene Griemens vermeldet. Das heißt: Bei Kreditech, dem einstigen „deutschen“ Vorzeige-Fintech, haben die mittlerweile mehrheitlich ausländischen Investoren binnen weniger Wochen die komplett deutsche Führungsriege durch eine komplett internationale ersetzt. Was sagt das eigentlich über den Fintech- und VC-Standort Deutschland? Aber sei’s drum – hier nun der Trash: Finanz-Szene.de

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Wo Insurtech nicht draufsteht – aber drinsteckt! Die Deutsche Familienversicherung ist der erste volldigitale Versicherer hierzulande. Auch darum hat das Frankfurter Insurtech in nur elf Jahren seit Aufnahme des Vertriebs schon über 500.000 Kunden gewonnen. Und bis Ende 2019 sollen es sogar eine Million Kunden sein. Mehr erfahren: deutsche-familienversicherung.de/ueber-uns/unternehmen/ 

Ist Verimi das nächste Fintech-Engagement deutscher Banken, das zur Posse gerät?

Es roch nach einem PR-Stunt. War aber nicht so. Gestern Abend, Punkt 20:05:14 Uhr MESZ, trudelte allen Ernstes eine Mail ein, in der stand, dass die gerade erst gestartete Identitäts- und Datenplattform Verimi (hinter der neben der halben deutschen Industrie z.B. auch die Deutsche Bank steht) die Vorstandschefin Donata Hopfen austauscht. Begründung: „Unterschiedliche Auffassungen in der strategischen Führung des Unternehmens.“ Nun sind wir zu wenig im Thema, als dass wir ein Urteil abgeben wollen. Aber wenn eine Frage erlaubt sei: Wäre es vielleicht eine Überlegung wert gewesen, ein technologisch so hochambitioniertes Projekt wie Verimi in der Aufbauphase statt von einer anerkannten Medienmanagerin (Hopfen ist Ex-Axel-Springer) von jemandem mit einem MINT-mäßigeren Lebenslauf führen zu lassen? Aber auch hier: Sei’s drum. Nachfolger wird auf Interimsbasis die T-Systems-Managerin Jeanette von Ratibor, bislang Vize der Gesellschafterversammlung. Also eine Art Horst-Hrubesch-Lösung. FAZ

News

Zu den Stichworten „Fintech-Engagements deutscher Banken“ und „Posse“ wirft unsere selbstprogrammierte Nachrichten-Suchmaschine gleich noch eine weitere News aus. Denn was wir neulich schon vermutet hatten, ist jetzt offiziell: Nach bzw. neben der Haspa zieht sich auch die Bremer Sparkasse erst einmal aus dem Yomo-Projekt zurück (die Älteren werden sich erinnern: Yomo sollte mal das N26 des öffentlich-rechtlichen Bankensektors werden). Unabhängig von der Frage, in welcher Alpha-, Gamma- oder Beta-Phase sich Yomo momentan befindet (wir haben den Überblick verloren): Wäre schön, wenn bis zum ganz, ganz offiziellen Start noch so viele Sparkassen an Bord blieben, dass die Finanzierung der Launch-Party sichergestellt ist. Mobiflip

So, und jetzt endlich mal eine schöne, klassische Banken-Meldung: Sachsen-Anhalt weigert sich, an der bzw. an einer Kapitalerhöhung der NordLB teilzunehmen. Das macht einen Einstieg privater Investoren (sprich: Cerberus) zumindest nicht unwahrscheinlicher. Reuters/HB

Und noch eine schöne klassische Banken-Meldung: M.M. Warburg hat in Sachen Cum-Cum (oder war es Cum-Ex?) Rückstellungen in Höhe von 45 Millionen Euro gebildet. Metaphorisch gesprochen legt sich die Hamburger Privatbank also endlich ein paar Jodtabletten ins Notfallschränkchen, was vermutlich nicht nur in rechnungslegerischer, sondern auch in diplomatischer Hinsicht eine kluge Entscheidung ist, jedenfalls im Vergleich zur bisherigen „Uns kann keiner was“-Haltung. Reuters

Wenn’s weiter nichts ist: Die Deutsche Bank zahlt dem früheren Co-Chef ihres Investmentbankings, Colin Fan, offenbar als Entschädigung für nicht geleistete Boni-Zahlungen sechs Millionen Dollar. Manager Magazin

Die ING Diba will in den kommenden drei Jahren 150 Firmenkunden-Banker einstellen (ja, Sie lesen richtig, einstellen, nicht einsparen). efinancialcareers

Wahnsinn: Wirecard ist jetzt mehr wert als die Commerzbank. Börse-Online

Und für alle Mitglieder der Felix-Hufeld-Freundesgruppe bei Facebook haben wir noch zwei Artikel aus der heutigen „Börsen-Zeitung“ im Angebot: Wenn wir es richtig verstehen, geht es um die Pläne der EU-Kommission, die Finanzaufsicht noch weiter als ohnehin schon zu europäisieren, was der Bafin-Chef aus inhaltlichen und womöglich auch aus sonstigen Erwägungen heraus nicht so dolle findet. Und das hat Hufeld gestern offenbar auch klar zum Ausdruck gebracht hat. Börsen-Zeitung (News), Börsen-Zeitung (Kommentar)

Linktipps

Oh Gott, ist unser kleiner (wo wir herkommen, sagt man: pisseliger) Newsletter jetzt wirklich schon der Agenda-Setter für die orange-farbene Konkurrenz? Nein, selbstverständlich nicht. Trotzdem freuen wir uns, dass das „Handelsblatt“ den Deutschland-Plänen der Silicon Valley Bank (über die wir im Herbst zunächst exklusiv und an diesem Mittwoch dann noch mal in mikrowellenesker Form berichtet hatten) heute die Seite 1, die Seite 6 und auch noch die Seite 7 widmet. (Wenn wir selber der Silicon Valley Bank eine Frage stellen dürften, dann würde diese inzwischen allerdings eher lauten: Warum sind Eure ursprünglich durchaus ambitionierten Deutschland-Pläne eigentlich plötzlich so klein (um nicht zu sagen: pis…)? Im HB ist von einem „Team von bis zu zehn Mitarbeitern“ die Rede, was umgerechnet bedeutet: Eine Seite Berichterstattung je 0,3 bis 3,3 Mitarbeiter). Titelgeschichte, Seite 6, Seite 7 (jeweils Paywall)

Unter der leider etwas wirren Überschrift „Warum Europas Facebook ein Fintech wird“ … findet sich bei „t3n“ eine griffige Analyse zu den Erfolgsaussichten der deutschen bzw. europäischen Finanz-Startups. t3n

Wie funktioniert digitale Identität, Teil 6: Welche Lösungen liefert die Blockchain? IT-Finanzmagazin

Und wie immer freitags sparen wir uns die Arbeit, die sich Dirk Elsner schon gemacht hat, … und verweisen zur weiteren Fortbildung auf die „Was wir lesen“-Liste des DZ-Innovationsblogs.

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… dieser Newsletter längst Pflichtlektüre und ein perfekter Start in den Arbeitstag ist. “

Nico Baader ist CEO der Baader Bank – und einer von mittlerweile mehr als 5000 Abonnenten

Klickfavorit

… war gestern (kein Witz) der Streit bei den ostdeutschen Sparkassen. Reuters/HB

Und der übliche Nachtrag am Freitag

1.) Wenn Sie noch kein Abonnent sind (Ihnen der Newsletter also weitergeleitet wurde), dann können Sie unter diesem Link hier kostenlos einer werden. Willkommen sind Sie allemal!!!

2.) Wir sind auch kommende Woche nicht erst am Dienstag, sondern erneut schon am Montag wieder für sie da (warum das so ist, das erraten Sie nie. Aber verraten werden wir es Ihnen auch nicht. Weil Sie uns dann nämlich für schön blöd halten würden).

Schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms

04/05/18: Verimi-Fiasko, ING Diba stellt ein, Sargnagel für Yomo?, Erdbeben bei Kreditech

Das größte „deutsche“ Fintech ist jetzt gar kein „deutsches“ Fintech mehr

Es war ein ziemlicher Kracher, der da gestern Morgen verkündet wurde: Kreditech, das nach Mitarbeitern größte deutsche Finanz-Startup, ersetzt seinen Mitgründer und CEO Alexander Graubner-Müller durch einen anglo-amerikanischen Manager namens David Chan (Ex-Barclaycard). Und damit nicht genug: Denn laut gemeinsamen Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und Gründerszene wurde eine ebenso brisante Personalie einfach mal verschwiegen: COO Oliver Prill, so etwas wie das Herz von Kreditech, ist auch weg! Pikanterweise wurde er bereits bei Finiata gesichtet, dem neuen Startup des Ende 2015 im Unfrieden geschiedenen zweiten Kreditech-Gründers Sebastian Diemer. Stoff für jede Menge Community-Trash also!!! Doch stattdessen wollen wir das Thema mal kurz auf eine ernste Ebene heben. Denn: Neulich wurde ja auch schon die Demission von CFO Rene Griemens vermeldet. Das heißt: Bei Kreditech, dem einstigen „deutschen“ Vorzeige-Fintech, haben die mittlerweile mehrheitlich ausländischen Investoren binnen weniger Wochen die komplett deutsche Führungsriege durch eine komplett internationale ersetzt. Was sagt das eigentlich über den Fintech- und VC-Standort Deutschland? Aber sei’s drum – hier nun der Trash: Finanz-Szene.de

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Ist Verimi das nächste Fintech-Engagement deutscher Banken, das zur Posse gerät?

Es roch nach einem PR-Stunt. War aber nicht so. Gestern Abend, Punkt 20:05:14 Uhr MESZ, trudelte allen Ernstes eine Mail ein, in der stand, dass die gerade erst gestartete Identitäts- und Datenplattform Verimi (hinter der neben der halben deutschen Industrie z.B. auch die Deutsche Bank steht) die Vorstandschefin Donata Hopfen austauscht. Begründung: „Unterschiedliche Auffassungen in der strategischen Führung des Unternehmens.“ Nun sind wir zu wenig im Thema, als dass wir ein Urteil abgeben wollen. Aber wenn eine Frage erlaubt sei: Wäre es vielleicht eine Überlegung wert gewesen, ein technologisch so hochambitioniertes Projekt wie Verimi in der Aufbauphase statt von einer anerkannten Medienmanagerin (Hopfen ist Ex-Axel-Springer) von jemandem mit einem MINT-mäßigeren Lebenslauf führen zu lassen? Aber auch hier: Sei’s drum. Nachfolger wird auf Interimsbasis die T-Systems-Managerin Jeanette von Ratibor, bislang Vize der Gesellschafterversammlung. Also eine Art Horst-Hrubesch-Lösung. FAZ

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Zu den Stichworten „Fintech-Engagements deutscher Banken“ und „Posse“ wirft unsere selbstprogrammierte Nachrichten-Suchmaschine gleich noch eine weitere News aus. Denn was wir neulich schon vermutet hatten, ist jetzt offiziell: Nach bzw. neben der Haspa zieht sich auch die Bremer Sparkasse erst einmal aus dem Yomo-Projekt zurück (die Älteren werden sich erinnern: Yomo sollte mal das N26 des öffentlich-rechtlichen Bankensektors werden). Unabhängig von der Frage, in welcher Alpha-, Gamma- oder Beta-Phase sich Yomo momentan befindet (wir haben den Überblick verloren): Wäre schön, wenn bis zum ganz, ganz offiziellen Start noch so viele Sparkassen an Bord blieben, dass die Finanzierung der Launch-Party sichergestellt ist. Mobiflip

So, und jetzt endlich mal eine schöne, klassische Banken-Meldung: Sachsen-Anhalt weigert sich, an der bzw. an einer Kapitalerhöhung der NordLB teilzunehmen. Das macht einen Einstieg privater Investoren (sprich: Cerberus) zumindest nicht unwahrscheinlicher. Reuters/HB

Und noch eine schöne klassische Banken-Meldung: M.M. Warburg hat in Sachen Cum-Cum (oder war es Cum-Ex?) Rückstellungen in Höhe von 45 Millionen Euro gebildet. Metaphorisch gesprochen legt sich die Hamburger Privatbank also endlich ein paar Jodtabletten ins Notfallschränkchen, was vermutlich nicht nur in rechnungslegerischer, sondern auch in diplomatischer Hinsicht eine kluge Entscheidung ist, jedenfalls im Vergleich zur bisherigen „Uns kann keiner was“-Haltung. Reuters

Wenn’s weiter nichts ist: Die Deutsche Bank zahlt dem früheren Co-Chef ihres Investmentbankings, Colin Fan, offenbar als Entschädigung für nicht geleistete Boni-Zahlungen sechs Millionen Dollar. Manager Magazin

Die ING Diba will in den kommenden drei Jahren 150 Firmenkunden-Banker einstellen (ja, Sie lesen richtig, einstellen, nicht einsparen). efinancialcareers

Wahnsinn: Wirecard ist jetzt mehr wert als die Commerzbank. Börse-Online

Und für alle Mitglieder der Felix-Hufeld-Freundesgruppe bei Facebook haben wir noch zwei Artikel aus der heutigen „Börsen-Zeitung“ im Angebot: Wenn wir es richtig verstehen, geht es um die Pläne der EU-Kommission, die Finanzaufsicht noch weiter als ohnehin schon zu europäisieren, was der Bafin-Chef aus inhaltlichen und womöglich auch aus sonstigen Erwägungen heraus nicht so dolle findet. Und das hat Hufeld gestern offenbar auch klar zum Ausdruck gebracht hat. Börsen-Zeitung (News), Börsen-Zeitung (Kommentar)

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Oh Gott, ist unser kleiner (wo wir herkommen, sagt man: pisseliger) Newsletter jetzt wirklich schon der Agenda-Setter für die orange-farbene Konkurrenz? Nein, selbstverständlich nicht. Trotzdem freuen wir uns, dass das „Handelsblatt“ den Deutschland-Plänen der Silicon Valley Bank (über die wir im Herbst zunächst exklusiv und an diesem Mittwoch dann noch mal in mikrowellenesker Form berichtet hatten) heute die Seite 1, die Seite 6 und auch noch die Seite 7 widmet. (Wenn wir selber der Silicon Valley Bank eine Frage stellen dürften, dann würde diese inzwischen allerdings eher lauten: Warum sind Eure ursprünglich durchaus ambitionierten Deutschland-Pläne eigentlich plötzlich so klein (um nicht zu sagen: pis…)? Im HB ist von einem „Team von bis zu zehn Mitarbeitern“ die Rede, was umgerechnet bedeutet: Eine Seite Berichterstattung je 0,3 bis 3,3 Mitarbeiter). Titelgeschichte, Seite 6, Seite 7 (jeweils Paywall)

Unter der leider etwas wirren Überschrift „Warum Europas Facebook ein Fintech wird“ … findet sich bei „t3n“ eine griffige Analyse zu den Erfolgsaussichten der deutschen bzw. europäischen Finanz-Startups. t3n

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… dieser Newsletter längst Pflichtlektüre und ein perfekter Start in den Arbeitstag ist. “

Nico Baader ist CEO der Baader Bank – und einer von mittlerweile mehr als 5000 Abonnenten

Klickfavorit

… war gestern (kein Witz) der Streit bei den ostdeutschen Sparkassen. Reuters/HB

Und der übliche Nachtrag am Freitag

1.) Wenn Sie noch kein Abonnent sind (Ihnen der Newsletter also weitergeleitet wurde), dann können Sie unter diesem Link hier kostenlos einer werden. Willkommen sind Sie allemal!!!

2.) Wir sind auch kommende Woche nicht erst am Dienstag, sondern erneut schon am Montag wieder für sie da (warum das so ist, das erraten Sie nie. Aber verraten werden wir es Ihnen auch nicht. Weil Sie uns dann nämlich für schön blöd halten würden).

Schönes Wochenende, Heinz-Roger Dohms

Exklusiv: Das Erdbeben bei Kreditech – und was dahintersteckt

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Caspar Schlenk, Gründerszene

Als am Mittwochnachmittag durchsickerte, dass Kreditech einen neuen CEO bekommen soll – da schaltete das Unternehmen kurzerhand auf stumm. Keine Auskünfte mehr, niemand zu erreichen. Dafür ließ sich der scheidende Vorstandschef (und künftige „Deputy CEO“) Alexander Graubner-Müller gestern Vormittag dann ausführlich bei „Handelsblatt.com“ zitieren. Der Impuls zum  Chefwechsel sei von ihm selbst gekommen, sagte er. Und: „Das ist kein Abschied auf Raten. Als Vorstandsmitglied und Anteilseigner werde ich weiter eine tragende Rolle spielen und kann mich stärker auf die Strategie- und Expansionsthemen konzentrieren.“

Fragt sich nur: Wie glaubwürdig ist das? Legt jemand aus freien Stücken seinen CEO-Titel ab, um fortan den „Deputy CEO“ zu geben, also den Chef, der kein Chef mehr ist?

Zumal sich nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und Gründerszene im Laufe des gestrigen Tages plötzlich noch eine weitere Frage aufdrängte: Warum eigentlich hat Kreditech in der Donnerstagfrüh versandten Pressemitteilung eine zweite Schlüssel-Personalie schlicht unerwähnt gelassen? Denn: Nicht nur Graubner-Müller ist entmachtet (bzw.: hat sich selber entmachtet). Sondern auch der Mann, der Kreditech in den vergangen, oftmals wilden Jahren zusammengehalten hat, ist nach „Finanz-Szene.de“-Informationen nicht mehr da: Oliver Prill, der „Chief Operating Officer“. Stattdessen wurde Prill – so erzählen es Insider – bereits beim Berliner Factoring-Fintech Finiata gesichtet, also ausgerechnet bei der neuen Firma von Sebastian Diemer, dem schillernden Gründer von Kreditech, der dort Ende 2015 geräuschvoll ausgeschieden war.

Hä, was ist da los?

Der Reihe nach: Festzuhalten ist erstens, dass Kreditech binnen weniger Wochen de facto seine dreiköpfige Spitze ausgewechselt hat. Denn neben dem nicht mehr anwesenden Prill und dem degradierten Graubner-Müller ist ja auch Finanzchef René Griemens  weg, der stattdessen inzwischen beim Heli-Startup Volocopter angeheuert hat.

Damit lässt sich, zweitens, festhalten, dass die Charakterisierung Kreditechs als „deutsches“ Unternehmen mal abgesehen davon, dass Kreditech halt zufällig noch in Hamburg sitzt, seine Berechtigung endgültig verloren hat. Denn: Geschäft hat das Fintech hierzulande ohnehin nie betrieben (außer ganz am Anfang ein bisschen). Die Belegschaft war immer schon international (und zwar mehr noch als bei den meisten anderen „deutschen“ Fintechs). Und auf der Investorenseite hatten die Ausländer im Zuge diverser Funding-Runden ohnehin schon die Mehrheit übernommen.

Blieb noch das C-Level. Doch da sitzen anstelle des Dreigestirns Graubner-Müller/Griemens/Prill künftig als CEO der Anglo-Amerikaner David Chan, also CFO der Pole Mariusz Dabrowski und als CPTO (das „P“ steht für „Produkte“) der Amerikaner Todd Simmerman. Und neuer „Chairman of the Board“ ist übrigens der Brite Giles Andrews. Ob die Position Prills neu besetzt wird, scheint unklar. Denn: Prills  Expertise lag nicht zuletzt im Geschäft mit Konsumentenkrediten. Damit allerdings dürfte sich auch Chan ganz gut auskennen. Und wenn man Graubner-Müller dann doch noch dem C-Level zuschlagen will, dann ist für ein weiteres „C“ ja kaum noch Platz.

Bleibt die Frage, was das alles für die Zukunft von Kreditech bedeutet. Vieles spricht dafür, dass sich der Fokus von Europa zunehmend auf Indien verlagern wird, wo der Großaktionär PayU (hinter dem wiederum der südafrikanische Konzern Naspers steht) einen beträchtlichen Teil seines Geschäfts macht. Unbestätigten Angaben zufolge soll es bereits im vergangenen Sommer einen Deal zwischen wichtigen Großaktionären und dem damaligen Management gegeben haben. Das Arrangement soll so ausgesehen haben, dass Prill noch wie geplant das Indien-Geschäft aufbaut, dann aber gehen darf. Eine Bestätigung hierfür gibt es nicht, Prill war gestern nicht zu erreichen. (glaubt man Unternehmenskennern und indischen Medien, dann war der Start in Indien aber offenbar erfolgreich).

Die Frage ist nun, ob die (freiwillige) Zurücksetzung Graubner-Müllers genauso von langer Hand geplant war wie der Abschied Prills? Als „Finanz-Szene.de“ den Gründer gestern Nachmittag erreichte, stellte er die Dinge noch einmal genau so dar. Man solle das Thema nicht so stark an Titeln aufhängen, meinte  er. Und: Auch wenn er selber jetzt als Vize-CEO amtiere, so bilde er mit Chan trotzdem „eine Doppelspitze“. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass Graubner-Müller seinen Posten aus freien Stücken geräumt hat. Doch selbst wenn dem so war – ungelegen kam den großen Investoren dieser Schritt ganz sicher nicht.

03/05/18: Funding Circle mit 12% Ausfällen, Numbrs-Coup, Die Sticheleien des N26-Chefs, iZettle

Liebe Banker, dürfen wir Ihnen heute einfach mal eine Glückspille verabreichen? Ja?

… dann sehen Sie sich doch bitte mal die Ausfallraten des  größten europäischen Kreditmarktplatzes (sprich: Funding Circle) in dessen Deutschland-Geschäft an. Die sind nämlich, seit wir uns das Ganze im August zum bislang letzten Mal angeschaut hatten, noch einmal deutlich gestiegen. Bei Krediten, die im ersten Halbjahr 2016 vergeben wurden, lag die Ausfallquote bei 11,8 Prozent – und das, obwohl die Darlehen bei Erhebung der Daten im Schnitt erst 22 Monate alt und auch erst zu 46% getilgt waren. Zwei Fußnoten müssen wir allerdings setzen: 1.) Der bloße Umstand, dass Funding Circle mit den Daten so transparent umgeht, ist aus unserer Sicht ein Indiz, dass die Briten trotz allem ein gutes Gefühl haben bei dem, was sie da tun. Und 2.) Just im zweiten Halbjahr 2016 hat Funding Circle seine Methodik grundlegend überarbeitet – weshalb man in der Berliner Deutschland-Zentrale überzeugt ist, dass die Ausfallraten deutlich sinken werden (worauf erste Indikatoren offenbar schon hindeuten). Mithin:  Gut möglich, liebe Banker, dass die Glückspille nur vorübergehend wirkt. Hier die Daten im Detail: Finanz-Szene.de

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Wo Insurtech nicht draufsteht – aber drinsteckt! Die Deutsche Familienversicherung ist der erste volldigitale Versicherer hierzulande. Auch darum hat das Frankfurter Insurtech in nur elf Jahren seit Aufnahme des Vertriebs schon über 500.000 Kunden gewonnen. Und bis Ende 2019 sollen es sogar eine Million Kunden sein. Mehr erfahren: deutsche-familienversicherung.de/ueber-uns/unternehmen/ 

News

Kann es sein, dass N26-Chef Stalf die Kundenzahlen des Konkurrenten Revolut öffentlich anzweifelt, auch wenn er es ganz so natürlich nicht sagt? Lesen Sie doch dazu, wenn Sie mögen, einfach mal sein Interview im IT-Finanzmagazin.

Alexa, ist das alles, was Du draufhast? Die Volks- und Raiffeisenbanken starten offiziell ins Voice-Banking-Zeitalter, auch wenn die Funktionen mit richtigem Voice Banking noch nicht wirklich viel zu tun haben. Pressemitteilung BVR

Banken sollen Hackerangriffe künftig nach festen Regeln simulieren: Das entsprechende Rahmenwerk heißt „TIBER-EU“ und wurde gestern von der EZB vorgestellt. Reuters/HB

Deutsche Bank bleibt Liebling der Anleger: … allerdings nur solcher, die auf fallende Kurse setzen. Denn wie Zahlen von Markit zeigen, liegt der Anteil ausgeliehener Aktien momentan bei 3,2 Prozent, was nicht nur eine Verdopplung (jedenfalls fast) binnen zwei Monaten bedeutet, sondern auch, dass die Deutsche Bank gemessen an der Zahl ihrer Aktien so viele Leerverkäufer anzieht wie kein anderer Dax-Konzern. Börsen-Zeitung

Die Zahlen der BHF Bank sind 2017, anders als Herr Oddo angekündigt hatte, dann doch nicht schwarz gewesen …, sondern so wie immer, also rot. Das hat der umtriebige Franzose in einem Interview mit „Euro am Sonntag“ eingeräumt (dass wir erst gestern auf diese drei Tage alte Meldung gestoßen sind, zeigt, wie wenig umtriebig wir selber manchmal sind). Indes: Die Verluste seien immerhin um 90 Prozent reduziert worden, so Oddo. Euro am Donnerstag

Das muss man auch erst mal bringen: 20 Milliarden versenken (naja, vielleicht waren es ja auch nur 16 Milliarden), und sich dann als Role Model für die gesamte Branche gerieren. Aber seien wir fair: Stefan Ermisch hat die Suppe ja nun wirklich nicht eingebrockt. Und so sei dem HSH-Chef gegönnt, dass er anderen Landesbanken (sprich: der NordLB) nun mehr oder weniger explizit ans Herz legt, den Weg der Privatisierung ebenfalls zu gehen. Reuters, Börsen-Zeitung

Und eine Meldung, die allen Abonnenten, deren E-Mail-Endung ein „ksk“, „spk“, „sparkasse“oder „dsgv“ enthält, das Blut in den Adern gefrieren lässt:  Im Ostdeutschen Sparkassen-Verband bahnt sich  (so die Formulierungen der Reuters-Kollegen) ein „Showdown“ bzw. ein „ungewöhnliches Gerangel“ um den Präsidenten-Posten an. Brrrrrrrrr. Reuters/HB

Beyond .de

Die nächste Hammer-Finanzierung für Numbrs: Diesmal sollen angeblich 24 Millionen Euro in die Schweizer Banking-App geflossen sein, wodurch sich das Gesamt-Funding auf rund 150 Millionen Euro erhöht habe. Wenn irgendjemand einen sachdienlichen Hinweis hat, wo das viele Geld eigentlich so hinfließt (Produkt? Marketing? Irgendwas anderes, was man sehen kann?) – gerne melden. Gründerszene

Und noch eine etwas greifbarere Meldung: Das schwedische Unicorn iZettle will in den nächsten Tagen seinen Börsengang verkünden. Finextra

Linktipps

Fragen Sie sich, wenn Sie von Verimi oder Yes lesen, eigentlich auch manchmal, was „Digitale Identität“ eigentlich mit „Bezahllösung“ zu tun hat? Einer unserer Lieblingsblogger, nämlich Ralf Keuper, hat sich ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht, und es sind, wie immer, nicht die dümmsten. Bankstil

Bislang gibt es noch keinen Anwendungsfall, bei dem die Blockchain herkömmlichen Datenbanken überlegen wäre, schreibt ein anderer hier gern zitierter Blogger, nämlich Tobias Baumgarten. Leider kommt er im weiteren Verlauf seines Artikels dann aber zu der Standard-Conclusio, dass sich Banker trotzdem mit der Wunderkette beschäftigen sollten. Viel spannender oder wenigstens provokativer fänden wir ja, wenn endlich mal jemand sagen würde, „Liebe Banker, vergesst die Blockchain, konzentriert Euch lieber, sagen wir, aufs Pricing.“ Oder auf die Verschönerung der Filialen). About Fintech

An die 30 Fintech-Unicorns gibt es laut „Pitchbook“ mittlerweile in den USA … Was die Startups wirklich wert sind, werde sich (siehe das Desaster von Lending Circle) aber erst nach einem möglichen Börsengang zeigen, prophezeit Bloomberg.

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… dieser Newsletter für mich eine erfrischende Informationsdusche noch vor dem Frühstück ist.“

Gerrit Seidel ist Managing Director des Fintech-Investors Yabeo, Aufsichtsratschef der Solarisbank – und einer von mittlerweile mehr als 5000 Abonnenten

Klickfavorit

… ach, was heißt hier Favorit? Die Analyse von Thomas Borgwerth zum Geschäftsmodell von Savedroid war der mutmaßlich bestgeklickte Artikel in der Geschichte von Finanz-Szene.de

03/05/18: Wilde Wetten gegen die Dt. Bank, Kredit-Fintech mit 12% Ausfällen, Die HSH Mordsbank

Liebe Banker, dürfen wir Ihnen heute einfach mal eine Glückspille verabreichen? Ja?

… dann sehen Sie sich doch bitte mal die Ausfallraten des  größten europäischen Kreditmarktplatzes (sprich: Funding Circle) in dessen Deutschland-Geschäft an. Die sind nämlich, seit wir uns das Ganze im August zum bislang letzten Mal angeschaut hatten, noch einmal deutlich gestiegen. Bei Krediten, die im ersten Halbjahr 2016 vergeben wurden, lag die Ausfallquote bei 11,8 Prozent – und das, obwohl die Darlehen bei Erhebung der Daten im Schnitt erst 22 Monate alt und auch erst zu 46% getilgt waren. Zwei Fußnoten müssen wir allerdings setzen: 1.) Der bloße Umstand, dass Funding Circle mit den Daten so transparent umgeht, ist aus unserer Sicht ein Indiz, dass die Briten trotz allem ein gutes Gefühl haben bei dem, was sie da tun. Und 2.) Just im zweiten Halbjahr 2016 hat Funding Circle seine Methodik grundlegend überarbeitet – weshalb man in der Berliner Deutschland-Zentrale überzeugt ist, dass die Ausfallraten deutlich sinken werden (worauf erste Indikatoren offenbar schon hindeuten). Mithin:  Gut möglich, liebe Banker, dass die Glückspille nur vorübergehend wirkt. Hier die Daten im Detail: Finanz-Szene.de

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News

Deutsche Bank bleibt Liebling der Anleger: … allerdings nur solcher, die auf fallende Kurse setzen. Denn wie Zahlen von Markit zeigen, liegt der Anteil ausgeliehener Aktien momentan bei 3,2 Prozent, was nicht nur eine Verdopplung (jedenfalls fast) binnen zwei Monaten bedeutet, sondern auch, dass die Deutsche Bank gemessen an der Zahl ihrer Aktien so viele Leerverkäufer anzieht wie kein anderer Dax-Konzern. Börsen-Zeitung

Die Zahlen der BHF Bank sind 2017, anders als Herr Oddo angekündigt hatte, dann doch nicht schwarz gewesen …, sondern so wie immer, also rot. Das hat der umtriebige Franzose in einem Interview mit „Euro am Sonntag“ eingeräumt (dass wir erst gestern auf diese drei Tage alte Meldung gestoßen sind, zeigt, wie wenig umtriebig wir selber manchmal sind). Indes: Die Verluste seien immerhin um 90 Prozent reduziert worden, so Oddo. Euro am Donnerstag

Das muss man auch erst mal bringen: 20 Milliarden versenken (naja, vielleicht waren es ja auch nur 16 Milliarden), und sich dann als Role Model für die gesamte Branche gerieren. Aber seien wir fair: Stefan Ermisch hat die Suppe ja nun wirklich nicht eingebrockt. Und so sei dem HSH-Chef gegönnt, dass er anderen Landesbanken (sprich: der NordLB) nun mehr oder weniger explizit ans Herz legt, den Weg der Privatisierung ebenfalls zu gehen. Reuters, Börsen-Zeitung

Und eine Meldung, die allen Abonnenten, deren E-Mail-Endung ein „ksk“, „spk“, „sparkasse“oder „dsgv“ enthält, das Blut in den Adern gefrieren lässt:  Im Ostdeutschen Sparkassen-Verband bahnt sich  (so die Formulierungen der Reuters-Kollegen) ein „Showdown“ bzw. ein „ungewöhnliches Gerangel“ um den Präsidenten-Posten an. Brrrrrrrrr. Reuters/HB

Kann es sein, dass N26-Chef Stalf die Kundenzahlen des Konkurrenten Revolut öffentlich anzweifelt, auch wenn er es ganz so natürlich nicht sagt? Lesen Sie doch dazu, wenn Sie mögen, einfach mal sein Interview im IT-Finanzmagazin.

Bei der Deutschen Börse sollen 300 Stellen wegfallen, berichtet das „Handelsblatt“ heute früh. Das entspricht grob gesagt jedem 20. Job. HB (Paywall)

Alexa, ist das alles, was Du draufhast? Die Volks- und Raiffeisenbanken starten offiziell ins Voice-Banking-Zeitalter, auch wenn die Funktionen mit richtigem Voice Banking noch nicht wirklich viel zu tun haben. Pressemitteilung BVR

Banken sollen Hackerangriffe künftig nach festen Regeln simulieren: Das entsprechende Rahmenwerk heißt „TIBER-EU“ und wurde gestern von der EZB vorgestellt. Reuters/HB

Linktipps

Fragen Sie sich, wenn Sie von Verimi oder Yes lesen, eigentlich auch manchmal, was „Digitale Identität“ eigentlich mit „Bezahllösung“ zu tun hat? Einer unserer Lieblingsblogger, nämlich Ralf Keuper, hat sich ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht, und es sind, wie immer, nicht die dümmsten. Bankstil

Bislang gibt es noch keinen Anwendungsfall, bei dem die Blockchain herkömmlichen Datenbanken überlegen wäre, schreibt ein anderer hier gern zitierter Blogger, nämlich Tobias Baumgarten. Leider kommt er im weiteren Verlauf seines Artikels dann aber zu der Standard-Conclusio, dass sich Banker trotzdem mit der Wunderkette beschäftigen sollten. Viel spannender oder wenigstens provokativer fänden wir ja, wenn endlich mal jemand sagen würde, „Liebe Banker, vergesst die Blockchain, konzentriert Euch lieber, sagen wir, aufs Pricing.“ Oder auf die Verschönerung der Filialen). About Fintech

An die 30 Fintech-Unicorns gibt es laut „Pitchbook“ mittlerweile in den USA … Was die Startups wirklich wert sind, werde sich (siehe das Desaster von Lending Circle) aber erst nach einem möglichen Börsengang zeigen, prophezeit Bloomberg.

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… dieser Newsletter für mich eine erfrischende Informationsdusche noch vor dem Frühstück ist.“

Gerrit Seidel ist Managing Director des Fintech-Investors Yabeo, Aufsichtsratschef der Solarisbank – und einer von mittlerweile mehr als 5000 Abonnenten

Klickfavorit

… ach, was heißt hier Favorit? Die Analyse von Thomas Borgwerth zum Geschäftsmodell von Savedroid war der mutmaßlich bestgeklickte Artikel in der Geschichte von Finanz-Szene.de

Analyse: Was es bedeutet, wenn ein deutsches Kredit-Fintech eine Ausfallrate von 12% hat

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe Banker, dürfen wir Ihnen heute einfach mal eine Glückspille verabreichen? Ja?

… dann sehen Sie sich doch bitte mal die Kreditausfallraten des  größten europäischen Kreditmarktplatzes (sprich: Funding Circle) in dessen Deutschland-Geschäft an. Die sind nämlich, seit wir uns das Ganze im August zum bislang letzten Mal angeschaut hatten, noch einmal deutlich gestiegen. Bei Krediten, die im ersten Halbjahr 2016 vergeben wurden, lag die Ausfallquote bei 11,8 Prozent – und das, obwohl die Darlehen bei Erhebung der Daten im Schnitt erst 22 Monate alt und auch erst zu 46% getilgt waren. Zwei Fußnoten müssen wir allerdings setzen: 1.) Der bloße Umstand, dass Funding Circle mit den Daten so transparent umgeht, ist aus unserer Sicht ein Indiz, dass die Briten trotz allem ein gutes Gefühl haben bei dem, was sie da tun. Und 2.) Just im zweiten Halbjahr 2016 hat Funding Circle seine Methodik grundlegend überarbeitet – weshalb man in der Berliner Deutschland-Zentrale überzeugt ist, dass die Ausfallraten deutlich sinken werden (worauf erste Indikatoren offenbar schon hindeuten). Mithin: Gut möglich, liebe Banker, dass die Glückspille nur vorübergehend wirkt. Hier die Daten im Detail (Quelle: Funding Circle):

(Kleiner Tipp: Halten Sie das Smartphone quer, dann müsste es von der Darstellung her passen …)

’14/’15 ’16   H1 ’16 H2 ’17 H1 ’17 H2
Ausgez. Kredite (in Mio. €) 33,2 14,5 4,0 14,9 39,8
Erfolgte Tilgung 71% 46% 38% 23% 4%
Zahlungsrückstand > 45 Tage 0,9% 1,15% 0,0% 0,0% 0,7%
Kreditausfälle (in %) 10,1% 11,8% 4,9% 0,3% 0,1%
Jährliche Nettorendite (in %) -0,8% -0,5% 3,4% 8,3% 8,2%
Durchschnittliches Alter der Kredite (in Monaten) 30 22 13 8 2

02/05/18: Die ultimative Savedroid-Analyse, Fintech Group, SVB vor Deutschland-Start

Kennen Sie das Geschäftsmodell von Savedroid? Nein? Dann erklären wir es Ihnen einfach mal …

Tagelang ereiferte sich die deutsche Finanzbranche über den PR-Stunt des Frankfurter Fintechs Savedroid. Dabei sind die Fragen, um die es eigentlich gehen sollte, doch ganz andere: Was ist das eigentlich für eine Firma, die da kürzlich mittels „Initial Coin Offering“ (ICO) bei mehr als 35.000 Anlegern rund 40 Millionen Euro eingeworben hat? Warum hat sich Savedroid überhaupt per „Krypto-Börsengang“ statt auf normalem Wege Geld besorgt? Und gibt es irgendeine notwendige oder auch nur hinreichende Verknüpfung zwischen Geschäftsmodell und Funding-Methode? Diese und weitere Fragen haben wir dem Finanzierungsexperten Thomas Borgwerth aufgeladen, der die Redaktion von „Finanz-Szene.de“ neuerdings  bei komplexen analytischen Themen unterstützt. Sie werden erstaunt sein, was Herr Borgwerth so alles herausgefunden hat. (wobei Sie sich  2-3 Minuten zum Lesen nehmen müssen). Finanz-Szene.de

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Wo Insurtech nicht draufsteht – aber drinsteckt! Die Deutsche Familienversicherung ist der erste volldigitale Versicherer hierzulande. Auch darum hat das Frankfurter Insurtech in nur elf Jahren seit Aufnahme des Vertriebs schon über 500.000 Kunden gewonnen. Und bis Ende 2019 sollen es sogar eine Million Kunden sein. Mehr erfahren: deutsche-familienversicherung.de/ueber-uns/unternehmen/ 

News

Aktionärsberater Glass Lewis macht Stimmung gegen Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Achleitner: „Wir glauben, dass die meisten Aktionäre das Scheitern des Unternehmens, eine kohärente und effektive Strategie zu entwickeln, zumindest teilweise dem Aufsichtsrat anlasten werden“, heißt es in einem Antrag des Stimmrechtsberater zur Hauptversammlung der Blaubank. Anders ausgedrückt: Die Aktionäre sollen dem Kontrollgremium (und damit dessen Vorsitzendem) die Entlastung verweigern. Handelsblatt, Financial Times (Paywall)

Leser: Warum habt Ihr denn am Montag nicht vermeldet, dass die Integration der Postbank in die Deutsche Bank schon Ende Mai finalisiert sein soll? Wir: Weil wir den Neuigkeitswert überschaubar fanden. Leser: Sonst vermeldet Ihr doch auch alles. Wir: Stimmt auch wieder. Handelsblatt (Paywall), Manager Magazin

Silicon Valley Bank macht Deutschland-Start quasi offiziell: Als wir im November exklusiv über die Frankfurt-Pläne des legendären Startup-Finanzierers berichteten, gaben sich die Kalifornier noch wortkarg. Nun ist es mit der Zurückhaltung vorbei. Für Ende Mai hat SVB-Manager Christian Hoppe (also der Ex-Chef des Main Incubators der Commerzbank) zu einer Veranstaltung „im Rahmen unserer bevorstehenden Expansion nach Deutschland“ eingeladen. Und Geschäftsführerin Katrin Stark (Ex-CFO der Eurohypo AG) tritt unter ihrem neuem Jobtitel sogar schon als Jury-Mitglied beim „German Innovation Award“ auf. Archiv (Acht Fakten zur Silicon Valley Bank)

Die Fintech Group (also die Veranstaltung, die früher mal Flatex hieß, der zudem die einstige biw bank zuzurechnen ist und die sich neuerdings als Anbieter eines eigenen Kernbanksystems zu positionieren versucht) ... überlegt, nach Frankreich zu expandieren. So zumindest sagte es CEO Frank Niehage gegenüber der „Börsen-Zeitung“ (Paywall).

Und eine „News“, von der wir dachten, wir hätten sie längst vermeldet, haben wir aber komischerweise nicht: In Hamburg soll mit „finhaven“ ein neuer Hotspot für  die Fintech-Szene der Hansestadt entstehen. Die Macher hinter dem Coworking-Space sind Betahaus-Mitgründer Lars Brücher, Betahaus-Geschäftsführer Robert Beddies und Fintech-Week-Organisator Clas Beese. Für alle Nicht-so-Insider: das Betahaus ist, wo die Fintech Week stattfindet und wo früher zum Beispiel Figo mal saß. (Lustig übrigens, dass man beim Thema Fintech jetzt schon Sätze mit „früher“ bildet). Hamburg Startups

Linktipps

N26 ist nicht das Ende der etablierten Retailbanken: … sondern ein Weckruf, endlich wieder die angestammte Rolle als „Lebensbegleiter des Kunden“ einzunehmen. So sieht das zumindest Matthias Wellin, Director Financial Services bei Fjord. Bank-Blog

Ob Elinvar, WeAdvise oder Fincite …:  Diverse B2B-Fintechs helfen den Banken (und anderen Finanzdienstleistern) bei der Digitalisierung ihrer Vermögensverwaltung. Über dieses und andere Themen hat Fincite-Chef (ist er überhaupt der Chef?) Ralf Heim mit dem Paymentandbanking-Blog gesprochen. PAB (Podcast)

Wer beim Thema PSD2 längst gähnend abwinkt („kennen wir schon“) …, für den haben wir die finalen (!!!) „Regulatory Technical Standards“ (RTS) im Angebot, den Connaisseuren unter unseren Lesern (also quasi allen) auch als konkretisierende Anforderungen zur PSD2 bekannt.  Bi­anca Zylka und Sven Korschinowski (beide KPMG) erklären, was genau es damit auf sich hat. IT-Finanzmagazin

Wie kooperiere ich als Bank mit möglichst vielen Fintechs, ohne mir dabei gleich eine „New Legacy“ ans Bein zu binden? Ein paar Tipps vom Accenture Banking-Blog

„Krypto-Netzwerke sind ein Anziehungspunkt für betrügerische Vorhaben, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“: Carl Ludwig Thiele, Bundesbank-Vorstand und in dieser Funktion Repräsentant des sog. Fiat-Systems, rechnet mit der anderen Seite ab. Bundesbank

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… der Newsletter mir gleich früh am Morgen einen pointierten, gut recherchierten und tagesaktuellen Überblick über alles bietet, was Banken und Fintechs umtreibt. Immer wieder ein gelungener Auftakt für meinen Arbeitstag!“

Dr. Ingrid Hengster ist Vorstandsmitglied der KfW – und eine von mittlerweile mehr als 5000 Abonnentinnen und Abonnenten

Klickfavoriten

… waren am Montag naheliegenderweise unsere Analyse und unser Überblick zu den Fintech-Beteiligungen der deutschen Banken – wobei wir, sorry, bei der Commerzbank sogar zwei Investments unterschlagen haben, nämlich Tillhub und Vermietet.de. Danke an den bei der C. beschäftigten Leser W. für den Hinweis! Wir haben das entsprechend ergänzt: Finanz-Szene.de (Analyse), Finanz-Szene.de (Überblick)

02/05/18: Achleitners mächtiger Gegner, US-Bank vor Deutschland-Start, Ingrid Hengster, Savedroid

Kennen Sie das Geschäftsmodell von Savedroid? Nein? Dann erklären wir es Ihnen einfach mal …

Tagelang ereiferte sich die deutsche Finanzbranche über den PR-Stunt des Frankfurter Fintechs Savedroid. Dabei sind die Fragen, um die es eigentlich gehen sollte, doch ganz andere: Was ist das eigentlich für eine Firma, die da kürzlich mittels „Initial Coin Offering“ (ICO) bei mehr als 35.000 Anlegern rund 40 Millionen Euro eingeworben hat? Warum hat sich Savedroid überhaupt per „Krypto-Börsengang“ statt auf normalem Wege Geld besorgt? Und gibt es irgendeine notwendige oder auch nur hinreichende Verknüpfung zwischen Geschäftsmodell und Funding-Methode? Diese und weitere Fragen haben wir dem Finanzierungsexperten Thomas Borgwerth aufgeladen, der die Redaktion von „Finanz-Szene.de“ neuerdings  bei komplexen analytischen Themen unterstützt. Sie werden erstaunt sein, was Herr Borgwerth so alles herausgefunden hat. (wobei Sie sich  2-3 Minuten zum Lesen nehmen müssen). Finanz-Szene.de

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Wo Insurtech nicht draufsteht – aber drinsteckt! Die Deutsche Familienversicherung ist der erste volldigitale Versicherer hierzulande. Auch darum hat das Frankfurter Insurtech in nur elf Jahren seit Aufnahme des Vertriebs schon über 500.000 Kunden gewonnen. Und bis Ende 2019 sollen es sogar eine Million Kunden sein. Mehr erfahren: deutsche-familienversicherung.de/ueber-uns/unternehmen/ 

News

Aktionärsberater Glass Lewis macht Stimmung gegen Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Achleitner: „Wir glauben, dass die meisten Aktionäre das Scheitern des Unternehmens, eine kohärente und effektive Strategie zu entwickeln, zumindest teilweise dem Aufsichtsrat anlasten werden“, heißt es in einem Antrag des Stimmrechtsberater zur Hauptversammlung der Blaubank. Anders ausgedrückt: Die Aktionäre sollen dem Kontrollgremium (und damit dessen Vorsitzendem) die Entlastung verweigern. Handelsblatt, Financial Times (Paywall)

Leser: Warum habt Ihr denn am Montag nicht vermeldet, dass die Integration der Postbank in die Deutsche Bank schon Ende Mai finalisiert sein soll? Wir: Weil wir den Neuigkeitswert überschaubar fanden. Leser: Sonst vermeldet Ihr doch auch alles. Wir: Stimmt auch wieder. Handelsblatt (Paywall), Manager Magazin

Silicon Valley Bank macht Deutschland-Start quasi offiziell: Als wir im November exklusiv über die Frankfurt-Pläne des legendären Startup-Finanzierers berichteten, gaben sich die Kalifornier noch wortkarg. Nun ist es mit der Zurückhaltung vorbei. Für Ende Mai hat SVB-Manager Christian Hoppe (also der Ex-Chef des Main Incubators der Commerzbank) zu einer Veranstaltung „im Rahmen unserer bevorstehenden Expansion nach Deutschland“ eingeladen. Und Geschäftsführerin Katrin Stark (Ex-CFO der Eurohypo AG) tritt unter ihrem neuem Jobtitel sogar schon als Jury-Mitglied beim „German Innovation Award“ auf. Archiv (Acht Fakten zur Silicon Valley Bank)

Die Fintech Group (also die Veranstaltung, die früher mal Flatex hieß, der zudem die einstige biw bank zuzurechnen ist und die sich neuerdings als Anbieter eines eigenen Kernbanksystems zu positionieren versucht) ... überlegt, nach Frankreich zu expandieren. So zumindest sagte es CEO Frank Niehage gegenüber der „Börsen-Zeitung“ (Paywall).

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N26 ist nicht das Ende der etablierten Retailbanken: … sondern ein Weckruf, endlich wieder die angestammte Rolle als „Lebensbegleiter des Kunden“ einzunehmen. So sieht das zumindest Matthias Wellin, Director Financial Services bei Fjord. Bank-Blog

Ob Elinvar, WeAdvise oder Fincite …:  Diverse B2B-Fintechs helfen den Banken (und anderen Finanzdienstleistern) bei der Digitalisierung ihrer Vermögensverwaltung. Über dieses und andere Themen hat Fincite-Chef (ist er überhaupt der Chef?) Ralf Heim mit dem Paymentandbanking-Blog gesprochen. PAB (Podcast)

Wer beim Thema PSD2 längst gähnend abwinkt („kennen wir schon“) …, für den haben wir die finalen (!!!) „Regulatory Technical Standards“ (RTS) im Angebot, den Connaisseuren unter unseren Lesern (also quasi allen) auch als konkretisierende Anforderungen zur PSD2 bekannt.  Bi­anca Zylka und Sven Korschinowski (beide KPMG) erklären, was genau es damit auf sich hat. IT-Finanzmagazin

Wie kooperiere ich als Bank mit möglichst vielen Fintechs, ohne mir dabei gleich eine „New Legacy“ ans Bein zu binden? Ein paar Tipps vom Accenture Banking-Blog

„Krypto-Netzwerke sind ein Anziehungspunkt für betrügerische Vorhaben, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“: Carl Ludwig Thiele, Bundesbank-Vorstand und in dieser Funktion Repräsentant des sog. Fiat-Systems, rechnet mit der anderen Seite ab. Bundesbank

„Ich lese Finanz-Szene.de, weil …

… der Newsletter mir gleich früh am Morgen einen pointierten, gut recherchierten und tagesaktuellen Überblick über alles bietet, was Banken und Fintechs umtreibt. Immer wieder ein gelungener Auftakt für meinen Arbeitstag!“

Dr. Ingrid Hengster ist Vorstandsmitglied der KfW – und eine von mittlerweile mehr als 5000 Abonnentinnen und Abonnenten

Klickfavoriten

… waren am Montag naheliegenderweise unsere Analyse und unser Überblick zu den Fintech-Beteiligungen der deutschen Banken – wobei wir, sorry, bei der Commerzbank sogar zwei Investments unterschlagen haben, nämlich Tillhub und Vermietet.de. Danke an den bei der C. beschäftigten Leser W. für den Hinweis! Wir haben das entsprechend ergänzt: Finanz-Szene.de (Analyse), Finanz-Szene.de (Überblick)

Die ultimative Analyse des Geschäftsmodells des Fintech-Startups Savedroid

Von Heinz-Roger Dohms und Thomas Borgwerth

Tagelang diskutierte die deutsche Finanzbranche über den PR-Stunt des Frankfurter Fintechs Savedroid. Dabei sind die Fragen, um die es eigentlich gehen sollte, ganz andere: Was ist das eigentlich für eine Firma, die da kürzlich mittels „Initial Coin Offering“ (ICO) bei mehr als 35.000 Anlegern rund 40 Millionen Euro eingeworben hat? Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Und warum hat sich Savedroid überhaupt per „Krypto-Börsengang“ statt auf normalem Wege Geld besorgt? Gibt es irgendeine notwendige oder auch nur hinreichende Verknüpfung zwischen Business Case und Funding-Methode? All diese und weitere Fragen hat Finanz-Szene.de-Betreiber Heinz-Roger Dohms dem Finanzierungsexperten Thomas Borgwerth aufgeladen, der die Redaktion von „Finanz-Szene.de“ neuerdings  bei komplexen analytischen Themen unterstützt. Sie werden erstaunt sein, was wir so alles herausgefunden haben.

Finanz-Szene.de: Herr Borgwerth, fangen wir ganz einfach an: Was ist bzw. war die ursprüngliche Idee von Savedroid?

Thomas Borgwerth: Savedroid ist knapp gesagt die Spardose auf dem Smartphone. „Geld sparen ohne daran denken zu müssen“, lautet der Slogan.  Das funktioniert mittels automatischer Sparregeln – sogenannter Smooves. Wer sein Smartphone als ständigen Begleiter und Alltagsassistent nutzt, kann z.B. festlegen, dass bei jedem Fitness-Center-Besuch 5 Euro auf das Sparkonto überwiesen werden. Er hat aber zum Beispiel auch die Möglichkeit, bei Eingang des Gehalts gleich 5 Prozent zur Seite zu legen. Selbst verrücktere Sparregeln sind denkbar, der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt.

Finanz-Szene.de: War das eine gute Idee?

Zumindest war sie nicht schlecht. Sparen hat volkswirtschaftlich eine wichtige Funktion, bildet es doch die Grundlage für Investitionen. Und: Sparen kann man durchaus als Tugend bezeichnen; man ist nicht sofort auf die Hilfe anderer angewiesen, wenn es finanziell mal knapper wird. Das Problem allerdings: Sparen ist sozusagen nicht instagrammable – also nichts für junge Leute. Darum ist die Idee von Savedroid, das Sparen gewissermaßen App-kompatibel zu machen, zu begrüßen.

Finanz-Szene.de: Wie wollte Savedroid mit dieser Idee Geld verdienen?

Erst einmal hat das Unternehmen bei diesem Geschäftsmodell keine Einnahmen. Denn sämtliche Dienstleistungen, die Savedroid anbietet (die App, die Spartransaktionen, die Rücküberweisungen, das Sparkonto, die virtuelle Sparkarte …), sind für den Kunden kostenlos. Laut den AGBs werden die Nutzerdaten nicht verkauft. Die Guthaben werden nicht verzinst. Erlöse lassen sich für Savedroid prima facie also nicht generieren (nebenbei bemerkt: Wir leben in Nullzinszeiten!). Abzuziehen sind dann noch die Aufwendungen, die die abwickelnde Bank (Wirecard) hat.  Savedroid zahlt der Wirecard-Bank die Kontoführungsgebühren und die Transaktionskosten für Kleinstüberweisungen.

Finanz-Szene.de: Woher kommen dann die Einnahmen?

Savedroid  will die „situative Relevanz“ der gesammelten Daten nutzen, um Geld zu verdienen. Einfacher ausgedrückt: Wenn die Firma weiß, wofür jemand spart, dann kann sie ihm auch entsprechende Angebote machen. Spart also jemand für eine Reise nach Mexiko, dann kann Savedroid ihm den Reiseveranstalter vermitteln und von diesem eine entsprechenden Provision vereinnahmen. Tatsächlich geht Savedroid laut AGBs bei der Optimierung von Laufzeitverträgen der Nutzer (etwa Strom- oder Mobilfunkverträge) schon genauso vor – macht dem User also individuelle Vorschläge und vermittelt ihn an die entsprechenden Anbieter.

Finanz-Szene.de: Kann diese Geschäftsidee funktionieren?

Ja. Allerdings klingt das Geschäftsmodell vermutlich plausibler, als es letztlich ist. Denn viele Fintechs bzw. Banken verfolgen die Idee, an der Vermittlung von Verträgen zu verdienen – der Konkurrenzkampf ist womöglich größer als der Kuchen, den es zu verteilen gibt. Hinzu kommt: Da die Sparziele und die Vorlieben der Konsumenten stark variieren, dürfte es (künstliche Intelligenz hin oder her) extrem schwierig sein, für jedes Sparziel gleich das richtige Angebot parat zu haben.

Finanz-Szene.de: Heißt das, dass Savedroid mit seinem urspünglichen Geschäftsmodell womöglich gescheitert ist?

Schaut man sich die Historie des Unternehmens an, dann darf man durchaus auf die Idee kommen, dass Savedroid vor dem Urproblem vieler Startups stand: Die Aufwendungen übersteigen die Erlöse so deutlich, dass irgendwann das Geld knapp wird. Vielleicht brauchte es den „Initial Coin Offering“, um Geld ins Unternehmen zu spülen. Lässt sich nicht beweisen. Ist aber sehr naheliegend.

Finanz-Szene.de: Das heißt, der ICO diente allein der Finanzierung?

Savedroid selber stellt es so dar, als handele es sich beim „Initial Coin Offering“ sozusagen um eine inhärente Erweiterung des Geschäftsmodells. Motto: Mit dem Geld aus dem ICO soll jetzt auch noch das Sparen in Kryptowährungen ermöglicht werden. In Wirklichkeit ist es allerdings so: Wo „Sparen“ draufsteht, steckt jetzt „Spekulation“ drin. Denn: Für die Teilnahme an dem ICO gibt es nur ein einziges rationales Argument – die Hoffnung auf steigende Preise. Der Token als Tulpe (wobei die Tulpe wenigstens noch einen ästhetischen Wert hat). Im Grunde wurde mit dem ICO die ursprüngliche Geschäftsidee von Savedroid pervertiert. Denn Spekulation widerspricht den zentralen Grundgedanken des Sparens.

Finanz-Szene.de: Kann die neue Idee aber nicht trotzdem aufgehen?

Savedroid formuliert es im Whitepaper, dem Grundlagenpapier zum ICO, folgendermaßen: Wir erschaffen ein einzigartiges Ökosystem des Sparens und  Investierens in Kryptowährungen für die Massen. Unsere Nutzer werden von dem einfachen Zugang zu Krypto-Sparplänen in Bitcoin, Ethereum, Ripple und vielen weiteren Währungen profitieren. Nun ist es aber so, dass ich bei meinen Recherchen auf keinerlei „Crypto saving plans“ gestoßen bin, die diesen Namen auch verdienen. Stattdessen investieren die Vehikel, die sich so nennen,  unmittelbar in Kryptowährungen und hoffen auf Kurssteigerungen – also wiederum Spekulation statt Sparen.

Finanz-Szene.de: Wobei der Kauf von Aktien dann ja auch nichts anderes als Spekulation wäre. IPO statt ICO, sozusagen.

Falsch, da besteht ein materieller Unterschied: Die ICO-Investoren haben keinerlei Rechte am Unternehmen, bekommen von möglichen zukünftigen Erträgen also nichts ab. Nicht einmal die Möglichkeit, zukünftig mit den Token Dienstleistungen des Unternehmens einzukaufen, ist garantiert. Die Anleger erhalten auch keinen Rückzahlungsanspruch, sollte es Savedroid unmöglich sein, die offerierte Leistung zu erbringen.

Finanz-Szene.de: Das heißt, die Token, die der Anleger beim ICO erhält, haben gar keinen Wert?

Savedroid definiert den inneren Wert des Tokens (der Savedroid-Token wird übrigens als „SVD“ bezeichnet) in etwa so: Der innere Wert des SVD resultiert aus seiner Funktionalität im rasant wachsenden Savedroid-Ökosystem  – das wiederum auf KI-basiertem  Sparen und auf Investieren in Kryptowährungen beruht. Anders ausgedrückt: Der Token referenziert also auf die wirtschaftliche Entwicklung von Savedroid. Da die ausgegebenen Token aber nicht am Erfolg des Unternehmens partizipieren, muss Savedroid zur Wertsteigerung mit einem anderen Mechanismus nachhelfen, indem der Token kontinuierlich deflationiert werden soll.

Finanz-Szene.de: Okay, bis hierhin haben wir es verstanden …

Savedroid hat also ein Modell zur Deflationierung des SVD entwickelt. Vier einfache Excel-Sheets, die sich jeder Anleger herunterladen kann. Nach diesem Modell sollen 100 SVD, die zu einem Euro emittiert wurden, im vierten Quartal 2022 knapp über 9 Euro wert sein. Wie das funktioniert? Der Wert des SVD soll gesteigert werden, indem das Angebot des SVD abhängig von der Nachfrage der von Savedroid angebotenen Leistungen verknappt wird. Jedes Mal, wenn ein Nutzer eine Leistung mit SVD bezahlt, wird ein Prozentsatz hiervon „verbrannt“, also vernichtet. Je mehr Leistungen nachgefragt werden, desto größer die Menge an vernichteten SVDs. Der SVD verbraucht sich sozusagen, und wenn eine steigende Nachfrage auf ein verknapptes Angebot stößt, steigen die Preise.

Finanz-Szene.de: Noch kommen wir mit. Bitte weiter …

Für die SVD-Preis-Modellierung werden drei Parameter eingeführt. 1.) Der „sell pressure per quarter“, 2.) eine „burn rate per start“ und 3.) ein „burn ratio adjustment per start“. Alle Angaben sind Prozentangaben. Im Modell können diese Angaben nun variiert werden und es ergibt sich ein veränderter Preis für den SVD. Das ist eine schöne Spielerei, sagt aber nichts darüber aus, welche Prozentsätze in der Realität von Savedroid angesetzt werden. Im Whitepaper und in den „Token Sale Terms & Conditions“  sucht man vergeblich nach diesen Begriffen. Es liegt wohl im Ermessen von Savedroid, welche Werte angesetzt werden. Und das Unternehmen geht noch weiter: Hält es den Markt für den SVD-Token für überhitzt, behält sich Savedroid das Recht vor, durch Verkauf von Reserve-Token den Markt abzukühlen.

Finanz-Szene.de: Klingt, als lege der Anleger  sein finanzielles Schicksal komplett in die Hände von Savedroid.

Zumindest sollte an dieser Stelle jeder Verständige aufhorchen. Denn: Im Whitepaper wird  vom Geld der Notenbanken nur abwertend von Fiat-Geld gesprochen, das ohne inneren Wert sei. Weil: Die Inflationierung des Fiat-Geldes liegt im Ermessen der Notenbanken. Die De- bzw. Reinflationierung des SVD liegt nun aber im Ermessen von Savedroid. Warum soll ich ausgerechnet Savedoid mehr vertrauen als den Notenbanken?

Finanz-Szene.de: Wobei in diesem Modell für Savedroid dann ja trotzdem ein lukratives Geschäftsmodell liegen kann – oder nicht?

Das Preismodell enthält in der Tat auch ein Erlösmodell. Danach sollen in Q4 2018 über 5 Mio. Euro Gebühren aus Kryptowährungs-Transaktionen generiert werden. Diese Umsätze sollen in den Folgejahren dramatisch gesteigert werden 2019: 56 Mio. Euro, 2020: 136 Mio. Euro. 2022: 416 Mio. Euro.

Finanz-Szene.de: Klingt gelinde gesagt ambitioniert …

Ist es natürlich auch. Was man dazu allerdings wissen muss: Savedroid hat in seinem Erlösplan eine Transaktionsgebühr von durchschnittlich 15 Prozent unterstellt. Sollte dieser Gebührensatz tatsächlich Realität werden, bedeutet das: Wer in Kryptowährungen sparen will, dem werden von 100  Euro  erst einmal 15 Euro abgezogen. Will der Sparer seine Wünsche erfüllen, muss wieder in Euro zurückgetauscht werden. Wieder werden 15 Prozent Gebühren fällig. Bleibt der Kurs der Kryptowährung zum Euro während der Sparzeit stabil, hat der Sparer 27,75 Euro Gebühren gezahlt, die verloren sind, und bekommt von seinen 100 Euro nur 72,25 Euro zurück.

Finanz-Szene.de: Okay, das Fazit aus Sicht des Sparers kann man sich damit denken. Wie lautet das Fazit aus Sicht des Unternehmens?

Das ursprüngliche „Geschäftsmodell“ war sinnstiftend und originell – aber schwer zu monetarisieren. Das neue „Geschäftsmodell“ ist zwar mit einem grundsätzlich nachvollziehbaren Preismodell hinterlegt, aber nicht wirklich neu. Auf die Idee, per App unterschiedliche Kryptowährungen zu kaufen und mittels Wallet zu verwalten, sind bereits auch andere gekommen.