„Mussten 35.000 KYCs händisch nacharbeiten“: Die Antworten des Savedroid-Chefs

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de

In unserem Artikel „Die Savedroid-Analyse, Teil II: Ist das noch Krypto oder ist das schon gaga“ sind wir der Frage nachgegangen, warum die Savedroid-Token auch dreieinhalb Monate nach dem Abschluss des ICOs noch an keiner Börse gehandelt werden – und warum das ganze Procedere so lange dauert. Am Montag hatten wir Savedroid hierzu Fragen geschickt mit der Bitte, diese bis Mittwoch zu beantworten. Dem war das Franfurter Fintech trotz mehrmaligem Nachsuchens, Telefonaten und Mailwechsel nicht nachgekommen.

Nachdem wir unsere Analyse am Donnerstag veröffentlichten, hat Savedroid-Chef Yassin Hankir nun aber doch ausführlich Stellung genommen. Zusammengefasst betont er noch einmal, dass es tatsächlich 35.000 Käufer seien, die die Savedroid-Token gezeichnet haben. Die großen Verzögerungen erklärt er unter anderem damit, dass bei Token, die mit Kreditkarte bezahlt wurden, eine 180-tägige Zuteilungs-Sperrfrist bestehe. Zudem habe es „massive Probleme“ mit einem „externen KYC-Dienstleister“ gegeben. Daher habe man letztlich die KYCs („Know your Customer“) der 35.000 Token-Käufern händisch nacharbeiten müssen.

Hier die Fragen und Antworten im Überblick:

Finanz-Szene.de: Es heißt immer, es hätten sich rund 35.000 Anleger am ICO beteiligt, es seien 6 Mrd. Token verkauft und bis zu 40 Mio. Euro eingenommen worden. Stimmen diese Zahlen – und wenn nein, welches sind die richtigen Zahlen?

Yankir: Im Rahmen unseres ICOs standen maximal 6 Mrd. Token zum Verkauf, davon wurden letztlich rund 4,2 Mrd. Token an mehr als 35.000 Käufer verkauft. Alle nicht verkauften Token werden verbrannt.

Finanz-Szene.de: Laut Whitepaper wurden 40% der Token anderweitig zugeteilt. Reden wir also insgesamt von 10 Mrd. Token?

Yankir: Savedroid hält zunächst 40% aller geschaffenen und nicht verbrannten Token selbst. Diese 40% verteilen sich auf unterschiedliche Verwendungszwecke und unterliegen größtenteils einer Vesting-Periode von 20 Quartalen, siehe Whitepaper. Damit liegt die Gesamtzahl aller Token bei rund 7 Mrd.

Finanz-Szene.de: Sehen wir es richtig, dass die Token noch immer an keiner Börse gehandelt werden?

Yankir: Ja.

Finanz-Szene.de: Wir haben versucht, auf Etherscan die Umsetzung des ICOs nachzuvollziehen, und kommen per 19. Juni zu folgenden Ergebnissen:

  • Per 19. Juni hatten ca. 22.800 Anleger (von insgesamt, siehe oben, 35.000) ihre Token erhalten
  • Insgesamt waren exakt 3.207 Mio. Token ausgegeben. Aber: Von diesen 3.207 Mio. Token entfielen 2.150 Mio. Token (also gut zwei Drittel) auf nur 19 Adressen. Bei diesen 19 Adressen ist die Verteilung wie folgt:
  • 3 Adressen bekamen je 500 Mio. Token
  • 12 Adressen bekamen je 50 Mio. Token
  • 4 Adressen bekamen zwischen 16 Mio. und 19 Mio. Token

Ist das soweit korrekt?

Yankir: Nein, das ist so nicht korrekt. Etherscan zeigt nur den Teil der Token, die bis heute auch tatsächlich an Käufer zugeteilt wurden. Darin sind folgende Token nicht enthalten: a) Alle Token, die mit Kreditkarte bezahlt wurden, da diese einer Zuteilungssperrfrist von 180 Tagen unterliegen, b) alle Token, deren Käufer sich bewusst dafür entschieden haben ihre Token zunächst auf der savedroid Wallet zu verwahren, c) die 40% der Token, die savedroid zunächst selbst hält.

Finanz-Szene.de: Wir fragen uns: Wer sind diese 19 Adressen? (BTW: Hinter den „Adressen“ müssen sich nicht zwingend einzelne „Anleger“ verbergen, oder). Hieß es im Whitepaper nicht, dass kein Anleger mehr als 10 Mio. Token erhalten sollte? Wer von den 19 Adressen hat für die Token bezahlt? Oder entsprechen diese 2.150 Mio. Token jenen 40% der Token-Bezieher, denen die Token unentgeltlich überlassen werden sollten?

Yankir: Ein Limit von 10 Mio. Token, sprich 100 Tsd. Euro, gab es nur im Rahmen des Crowd-Sale via unserer Webseite. Wir haben dieses Limit aus Sicherheitsgründen gesetzt, um Betrugsversuche zu verhindern. Im Private-Sale, der bilateral zwischen großen Käufern und Savedroid abgewickelt wurde, gab es hingegen keine Limits. Bei diesen Token handelt es sich daher nicht um die 40%, die Savedroid zunächst selbst hält, sondern um die Token großer Private-Sale-Käufer.

Finanz-Szene.de: Wenn man von den bislang insgesamt ausgegebenen 3,2 Mrd. Token die besagten 2,2 Mrd. Token abzieht, dann bleiben gut 1 Mrd. Token, für die Savedroid auch Geld bekommen hat. Dies wären dann per 19. Juni 10 Mio. Euro gewesen. Ein Betrag in gleicher Höhe wird laut Angaben des den ICO begleitenden Bonner Rechtsanwalts Axel Hellinger von der Bank Fick in Lichtenstein und von ihm selbst treuhänderisch verwahrt. Dann müssten aber noch für 30 Mio. Euro Token auf Anleger verteilt werden, wenn es denn die 40 Mio. werden sollen, oder?

Yankir: Nein, das ist so nicht korrekt. Alle Einnahmen aus dem Private-Sale sowie alle Einnahmen der von uns akzeptierten 55+ Alt-Coins liegen an anderen Stellen. Zudem sind bei Crypto-Währungen immer die Wertschwankungen zu beachten, daher ist der Euro-Betrag ohnehin immer eine Zeitpunktbetrachtung.

Finanz-Szene.de: In den letzten vier Wochen bis zum 19. Juni wurden an 883 Anleger für 425.000 Euro Token verteilt. Davon in den letzten zwei Wochen 70.000 Euro an 161 Anleger. Wenn Savedroid in diesem Tempo weitermacht, dann wird es theoretisch noch 75 Monate dauern, bis alle Anleger bedient sind. Das ist doch so, oder? (auch wenn das vielleicht ein bisschen provokativ gerechnet ist)

Yankir: Die Zahlen der vergangenen 4 Wochen sind korrekt. Allerdings haben wir alle anderen Token, die zugeteilt werden konnten, bereits vorher an die betreffenden Käufer zugeteilt. D.h. die Zuteilung der Token ist für alle Käufer mit vollständigem KYC, die nicht mit Kreditkarte bezahlt und eine Wallet-Adresse zur Zuteilung angegeben haben bereits komplett abgeschlossen. Nur zur Klarstellung und wie bereits oben beschrieben: In der Token-Zuteilung sind folgende Token nicht enthalten: a) Alle Token, die mit Kreditkarte bezahlt wurden, da diese einer Zuteilungssperrfrist von 180 Tagen unterliegen, b) alle Token, deren Käufer sich bewusst dafür entschieden haben ihre Token zunächst auf der savedroid Wallet zu verwahren, c) die 40% der Token, die savedroid zunächst selbst hält.

Finanz-Szene.de: Und das führt dann zu der Kernfrage, die wir uns stellen: Warum dauert das alles so lange?

Yankir: Hier sind vier Faktoren zu beachten: 1) Im Rahmen unseres ICOs haben wir im Vergleich zu anderen ICOs sehr viele unterschiedliche Zahlungsmethoden akzeptiert. Dies waren BTC, ETH, mehr als 55 verschiedene Alt-Coins, Banküberweisung, SOFORT-Überweisung und Kreditkarte. Die Akzeptanz vieler verschiedener Zahlungsmethoden erhöht die Komplexität der Abwicklung drastisch. 2) Wir hatten massive Probleme mit unserem externen KYC-Dienstleister. Daher musste unser Team letztlich die KYCs von allen mehr als 35.000 Token-Käufern händisch nacharbeiten. 3) Wir haben parallel an unserer Krypto-Beta gearbeitet, die bereits diesen Freitag live gehen wird. Ein neues Produkt in so kurzer Zeit zu bauen, ist eine Herausforderung. Dieser schnelle Go-live ist uns aber sehr wichtig, da das Produkt für alle Token-Käufer den größten Mehrwert schafft. 4) Wir sind ein Startup mit rund 15 Mitarbeitern, das Team arbeitet mit höchster Motivation und größter Ausdauer bis spät in die Nach und auch am Wochenende und ich bin sehr stolz auf unser Team.

Finanz-Szene.de: Und der letzte Punkt: Wir haben eine Stichprobe von 14.000 der insgesamt 22.800 Adressen ausgewertet – und kommt zu dem Ergebnis, dass rund 8.500 Anleger lediglich den Mindestbetrag von 1 € investiert haben. Das sind satte 37% aller Anleger. Von den 883 in den letzten vier Wochen versorgten Anlegern erhielten sogar 561 Anleger nur den Mindestbetrag. Was hat es damit auf sich? Das sind doch vermutlich auch Give-aways, oder?

Yankir: Der Mindestkaufbetrag lag bei 10 Euro. Alle Unterstützer unserer Telegram-Community haben im Rahmen unseres Bounty-Programms jeweils 1 Euro bzw. 100 Token als Dankeschön erhalten.

Finanz-Szene.de. Allerletzte Frage: Kann man sagen, wie viele der rund 35.000 Anleger denn jetzt schon ihre Token erhalten haben?

Yankir: Alle Käufer mit vollständigem KYC, die nicht mit Kreditkarte bezahlt und eine Wallet-Adresse zur Zuteilung angegeben haben, haben alle ihre Token bereits erhalten (siehe dazu auch oben).

Die Arnulf-Keese-Pressemitteilung der DKB

Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) mit Sitz in Berlin gewinnt einen der führenden Köpfe im Digital-Business und begrüßt zum 1. Juli 2018 Arnulf Keese als Chief Digital Officer (CDO). In seiner neuen Funktion wird Arnulf Keese die Digitalisierung einer der führenden deutschen Direktbanken weiter vorantreiben und maßgeblich an der Entwicklung der DKB zu einem Technologiekonzern mit Banklizenz (TechBank) mitwirken.

Stefan Unterlandstättner, Chief Executive Officer (CEO) der DKB: „Wir freuen uns sehr, mit Arnulf Keese einen national und international sehr angesehenen Digitalexperten zu gewinnen, der neue Impulse setzt und digitale Innovationen im DKB-Konzern vorantreibt. Davon werden sowohl unsere Kunden als auch Mitarbeiter profitieren, indem wir digitale Projekte noch stärker bündeln, die technologische Vernetzung von unseren Produkten und Services weiter verbessern und kundenorientiertes Banking von morgen bereits heute erlebbar machen.“

Arnulf Keese, CDO der DKB: „Der Bankenmarkt befindet sich in einem starken Umbruch. Die DKB ist als Direktbank einer der Vorreiter im digitalen Banking und damit auch ein Pionier der deutschen Finanzszene. Jetzt geht es darum, die Schlagkraft hin zur TechBank im digitalen Bereich zu erhöhen und technologische Innovationen für die DKB und ihre Kunden optimal einzusetzen. Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe und die Möglichkeit, aktiv die digitale Zukunft der DKB mitzugestalten. “

Der studierte Physiker und passionierte Läufer begann seine Karriere als Mitglied der Geschäftsführung der AOL Deutschland GmbH. Nach verschiedenen Führungspositionen war er Mitbegründer und Geschäftsführer des Bezahlverfahrens giropay und von 2011 bis 2016 Geschäftsführer für die DACH-Region des führenden Online-Bezahldienstes PayPal. Von 2016 bis Ende 2017 hat Keese als General Partner bei der internationalen Investoren-Gruppe eVentures mit namhaften Start-ups gearbeitet. Zuletzt war Keese als freier Berater für digitale Transformation tätig.

Zum Auftakt der Digitaloffensive eröffnet die DKB am 1. Juli 2018 ihre eigene Code-Factory im größten FinTech Hub Europas, dem H:32 in Berlin. Mit der neuen hundertprozentigen Tochtergesellschaft setzt die DKB auf ein eigenes Start-up mit hoher Flexibilität, ausgeprägter Digitalexpertise und dem Anspruch, neue innovative Produkte und Services für ihre Kunden zu entwickeln. Als zweitgrößte deutsche Direktbank erweitert die DKB damit ihre Präsenz in der Hauptstadt und investiert in Berlin als angesehenen Standort der deutschen sowie internationalen Gründer- und Techszene. Geschäftsführer der Gesellschaft werden, neben seiner Tätigkeit als Chief Digital Officer, Arnulf Keese sowie Alexander Lehsten, der zuvor bereits als IT-Projektleiter bei der DKB maßgeblich an der Modernisierung der IT-Infrastruktur mitgewirkt hat. Beide Experten werden das DKB-Entwicklerzentrum schrittweise ausbauen und ihr langjähriges Technologie-Know-how einbringen.

Alexander Lehsten freut sich auf die neue Aufgabe: „Mit der Code-Factory investiert die DKB in ihre digitale Zukunft und bietet IT-Profis im Herzen von Berlin einen einzigartigen und sehr modernen Coworking-Space mit dem Ziel – losgelöst von Konzernstrukturen – in agilen, internationalen Teams an den digitalen Innovationen von morgen zu arbeiten. Wir verstehen uns als neugierige Entdecker und setzen den Fokus auf nachhaltige, kundenorientierte Finanzprodukte, zum Beispiel im Bereich Erneuerbare Energien oder dem Private Banking mit den rund vier Millionen DKB-Kunden.“

Die Savedroid-Analyse, Teil II: Ist das noch Krypto oder ist das schon gaga?

Von Thomas Borgwerth

Was ist eigentlich aus dem ICO von Savedroid geworden? Der ist längst umgesetzt, glauben Sie? Die Anleger haben die Token? Savedroid den Emissionserlös? Und jetzt geht es endlich an die Arbeit? Ha!, weit gefehlt. Denn rund dreieinhalb Monate nach dem Ende des größten deutschen Krypto-Börsengangs befindet sich selbiger weiterhin in der technischen Abwicklung.

Das bedeutet konkret: Nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ warten noch immer Milliarden von Token darauf, auf die Wallets ihrer rechtmäßigen Erstzeichner gebucht zu werden. Warum das Ganze so lange dauert? Wir wissen es nicht. Und Savedroid will es uns nicht sagen.

(Anmerkung, Do, 28. Juni, 10.47 Uhr: Nach Veröffentlichung des Artikels ist Savedroid doch noch auf unsere Fragen eingegangen. Hier die Antworten)

Jedenfalls zeigen Berechnungen von „Finanz-Szene.de“: Geht es mit der Abwicklung des ICO in dem jetzigen Tempo weiter, dann dürfte die Buchung der Token erst im Herbst 2024 abgeschlossen sein.

Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie doch bitte mal unsere Analyse:

Erstes Kapitel: Das war der Stand nach dem ICO
  1. Die Öffentlichkeit geht davon aus, dass Savedroid von etwa 35.000 Anlegern rund 40 Mio. Euro eingesammelt hat. Zumindest war es so im März/April in verschiedensten Medien zu lesen. Ob das Frankfurter Fintech diese Zahlen jemals offiziell genannt hat, ist allerdings unklar. „Finanz-Szene.de“ fragte bei Savedroid Anfang der Woche explizit nach, ob die Zahlen richtig sind. Bislang haben wir keine Antwort erhalten (Anmerkung, Do, 28. Juni, 10.47 Uhr: Nach Veröffentlichung des Artikels ist Savedroid doch noch auf unsere Fragen eingegangen. Hier die Antworten).
  2. Nur nochmal zur Klarstellung – weil dies ein beliebtes Missverständnis ist: Bei den 40 Mio. Euro (wenn die Zahl denn stimmt) muss es sich nicht zwingend um echtes Geld handeln. Viele Anleger dürften ihre Token auch mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen bezahlt haben.
  3. Laut Whitepaper zum ICO gingen 60 % der ausgegebenen Token in den freien Verkauf. Dabei durfte ein einzelner Anleger maximal 10 Mio. Token erwerben (anders ausgedrückt: Er durfte nicht mehr als 100.000 Euro anlegen).
  4. Die übrigen 40% der Token sollten gemäß Whitepaper folgenden Akteuren zugute kommen:
  • 10% für Gemeinschaftsinitiativen, Geschäftsentwicklung und Expansion
  • 5% für Teilnehmer des „Bounty-Programms“.
  • 10% für Berater, Community-Manager, Vertragsentwickler und Juristen
  • 15% für Savedroid-Aktieninvestoren und für das Savedroid-Team
Zweites Kapitel: Das ist der aktuelle Stand, wie er für jeden ersichtlich ist
  1. Dreieinhalb Monate nach dem Ende des Public Offering (9. März) werden die Savedroid-Token noch immer an keiner Krypto-Börse gehandelt.
  2. Die Anleger-Community wird zunehmend unruhig. Auf CoinForum.de, einem beliebten Forum für virtuelle Währungen, lautet die seit Wochen alles beherrschende Frage in Bezug auf Savedroid: Wann kommt das Listing?
Drittes Kapitel: Das ergaben unsere Recheren bei Etherscan

Etherscan beschreibt sich selbst als den führenden „BlockExplorer“ für die Ethereum-Blockchain. Anders ausgedrückt: Es handelt sich um eine frei zugängliche Suchmaschine, die es den Nutzern ermöglicht, Transaktionen, die auf der Ethereum-Blockchain stattgefunden haben, einfach zu suchen und zu validieren. Über Etherscan lässt sich also auch die Abwicklung des Savedroid-Tokensales minutiös nachvollziehen. Ist zwar einigermaßen aufwendig. Macht aber riesigen Spaß. Hier, was wir herausgefunden haben:

  1. Per 19. Juni hatten ca. 22.800 Anleger (von insgesamt – wenn denn die Medienberichte stimmen – 35.000 Anlegern) ihre Token erhalten
  2. Insgesamt waren exakt 3.207 Mio. Token ausgegeben. Aber: Von diesen 3.207 Mio. Token entfielen 2.150 Mio. Token (also gut zwei Drittel) auf nur 19 Adressen. Bei diesen 19 Adressen ist die Verteilung wie folgt:
  • 3 Adressen bekamen je 500 Mio. Token
  • 12 Adressen bekamen je 50 Mio. Token.
  • 4 Adressen bekamen zwischen 16 Mio. und 19 Mio. Token
  1. Diese Verteilung wirft ein paar Fragen auf: Wer sind die 19 Adressen? (Hinweis: Hinter den „Adressen“ müssen sich nicht zwingend einzelne „Anleger“ verbergen). Hieß es im Whitepaper nicht, dass kein Anleger mehr als 10 Mio. Token erhalten sollte? Wer von den 19 Adressen hat für die Token bezahlt? Oder entsprechen diese 2.150 Mio. Token jenen 40% der Token-Bezieher, denen die Token unentgeltlich überlassen werden sollten?
  2. Wenn man von den bislang insgesamt ausgegebenen 3,2 Mrd. Token die besagten 2,2 Mrd. Token abzieht, dann bleiben gut 1 Mrd. Token, für die Savedroid auch Geld bekommen hat. Dies wären dann per 19. Juni ziemlich genau 10 Mio. Euro gewesen. Ein Betrag in gleicher Höhe wird laut Angaben des den ICO begleitenden Bonner Rechtsanwalts Axel Hellinger von der Bank Frick in Lichtenstein und von ihm selbst treuhänderisch verwahrt. Dann müssten aber noch Token für 30 Mio. Euro auf Anleger verteilt werden, wenn es denn die in Medienberichten genannten 40 Mio. Euro werden sollen.
  3. In den letzten vier Wochen wurden an 883 Anleger für 425.000 Euro Token verteilt. Davon in den letzten zwei Wochen für 70.000 Euro an 161 Anleger. Wenn Savedroid in diesem Tempo weitermacht, dann wird es noch 75 Monate dauern, bis alle Anleger bedient sind. Also: bis Herbst 2024.
  4. Auffällig ist überdies die große Anzahl an Anlegern, die lediglich 100 Token gekauft und also nur 1 Euro angelegt haben. „Finanz-Szene.de“ hat eine Stichprobe von 14.000 der insgesamt 22.800 Adressen ausgewertet – und kommt zu dem Ergebnis, dass rund 8.500 Anleger lediglich den Mindestbetrag investiert haben (immer vorausgesetzt, es handelt sich hierbei nicht auch um irgendwelche „Give-aways“). Das sind satte 37% aller Anleger. Und noch auffälliger: Von den 883 in den letzten vier Wochen versorgten Anlegern erhielten sogar 561 Anleger nur den Mindestbetrag.

Nochmal die Frage: Warum dauert das alles so lange? Beziehungsweise: Was soll das alles? Ist das noch Krypto – oder ist es schon gaga?

„Finanz-Szene.de“ hat Savedroid am Montagmittag mit den Recherche-Ergebnissen und den sich daraus ergebenden Fragen konfrontiert. Trotz mehrmaligen  Nachsuchens, diverser Mailwechsel und Telefonate hat das Frankfurter Fintech die Fragen bis gestern Abend nicht beantwortet. Begründet wurde dies mit dem bevorstehenden Beta-Launch der Savedroid-Krypto-Spar-App.

(Anmerkung, Do, 28. Juni, 10.47 Uhr: Nach Veröffentlichung des Artikels ist Savedroid doch noch auf unsere Fragen eingegangen. Hier die Antworten)

Und hier noch aus unserem Archiv der erste Teil unserer großen Savedroid-Analyse:

Die ultimative Analyse des Geschäftsmodells des Fintech-Startups Savedroid

Apobank zahlt Mega-Abfindung an 0-8-15-Mitarbeiter

Von Heinz-Roger Dohms

Für exzessive Saläre ist die Düsseldorfer Apobank eher nicht bekannt. Exakt 100.924 Euro betrug 2016 der durchschnittliche Personalaufwand je Mitarbeiter, wie neulich der große Gehaltsreport von „Finanz-Szene.de“ zeigte. Damit lag die Standesbank der deutschen Heilberufler irgendwo im Mittelfeld der rund 30 untersuchten Institute, knapp hinter der KfW und der Helaba, knapp vor der ING Diba und der NRW Bank. Ähnlich durchschnittlich kamen auch die Vorstandsvergütungen daher. Die sechs Spitzenkräfte (unter ihnen ein scheidender Vorstand) teilten eine Grundvergütung von 3,0 Mio. Euro unter sich auf. Hinzu kamen Boni und eine Abfindung in Höhe von zusammen 2,2 Mio. Euro.  Machte im Schnitt knapp 900.000 Euro je Vorstand. Nicht schlecht (zumal die Altersvorsorge noch obendrauf kam). Aber auch nicht mehr als anderwo.

Gleichwohl: Ein ehemaliger Mitarbeiter (oder eine ehemalige Mitarbeiterin?) der Apobank kann über solche Summen nur schmunzeln. 900.000 Euro? Ha! Wie wenig ist das denn! Er bzw. sie  kassierte im gleichen Jahr, also in 2016, nämlich eine Abfindung, für die der Begriff „exzessiv“ noch untertrieben erscheint. Irgendwo zwischen zwei und drei Millionen. Euro muss die Abstandszahlung (bzw.: die Vergütung inklusive Abstandszahlung) gelegen haben, geht aus dem Vergütungsbericht der Ärzte- und Apothekerbank hervor. Und was die Sache noch mysteriöser macht: Allem Anschein nach handelte es sich bei dem Abfindungsmillionär weder um einen scheidenden Vorstand noch um einen sonstigen Risikoträger – sondern um einen vermeintlich x-beliebigen Apobanker. So heißt es im Vergütungsbericht wörtlich:

„Für einen Mitarbeiter, der im Berichtsjahr nicht zu denjenigen Mitarbeiterkategorien zählte, deren Tätigkeit sich wesentlich auf das Risikoprofil auswirkt, betrug die Vergütung aufgrund einer in 2016 gezahlten Abfindung zwischen 2,0 und 3,0 Mio. Euro. Diese Angabe erfolgt i.S.d. § 24 Abs. 1a Nr. 8 KWG, wonach der Aufsichtsbehörde und der Deutschen Bundesbank jährlich Informationen über Geschäftsleiter, Mitglieder des Verwaltungs- oder Aufsichtsorgans und Mitarbeiter mit jeweils einer Gesamtvergütung von jährlich mindestens 1 Mio. Euro im Sinne des Art. 75 Abs. 3 der Richtlinie 2013/36/EU anzuzeigen sind.“

Wie hoch diese Summe ist, zeigt sich, wenn man versucht, sie ins Verhältnis zu setzen:

  • Auf die Abfindung entfielen (je nachdem, wie hoch sie genau war) rund 1% der gesamten Personalkosten der Apobank; zudem wäre der Vorsteuergewinn ohne die Abfindung um bis zu 2% höher gewesen.
  • Ein Apobank-Vorstand, der ebenfalls 2016 aus dem Unternehmen ausschied, erhielt laut Vergütungsbericht gerade mal eine Abfindung in Höhe von 0,4 Mio. Euro.
  • Die höchste in 2016 gezahlte Abfindung bei der Commerzbank betrug zum Beispiel „nur“ rund 970.000 Euro.
  • Und noch ein Vergleich: Die durchschnittliche Abfindungshöhe bei der Deutschen Bank (Zahl der Begünstigten insgesamt: 114) lag im gleichen Jahr bei knapp 370.000 Euro.

„Finanz-Szene.de“ konfrontierte einen hochrangigen Personaler, einen anerkannten Vergütungsexperten und einen Aufseher mit dem Fall. Die waren sich zwar einig darin, dass der Fall höchst außergewöhnlich (wenn nicht sogar singulär) sei. Eine wirklich überzeugende Erklärung, wie es zu der Zahlung kommen konnte, allerdings hatte keiner parat. Handelt es sich bei dem Empfänger der Millionenabfindung um einen Altkader, der noch im Unternehmen „geparkt“ war und jetzt schnell raus musste? Um einen genialen Vertriebler, mit dem sich die Bank warum auch immer überworfen hatte? Um einen hochrangigen Mitarbeiter, der womöglich trotzdem nicht zu den Risikoträgern zählte, etwa weil er dem hauseigenen Asset Management angehörte (das nicht der Institutsvergütungs-Verordnung sondern den Regeln des Esma unterliegt)?

Irgendeine Begründung muss es letztlich geben. Die Apobank aber will sich nicht äußern.

Was die E&Y-Bankenstudie über das Mindset der deutschen Banken verrät

Von Heinz-Roger Dohms

Es ist dann doch erstaunlich, zu welch unterschiedlichen Grundaussagen die diversen Studien über den deutschen Bankenmarkt immer wieder kommen. Während beispielsweise Bain im Dezember (mal wieder) den Untergang der deutschen Kreditwirtschaft ausrief, liefert Ernst &  Young nur sechs Monate später die Antithese: Alles halb so wild! Das operative Geschäft? Positiv bis sehr positiv, berichten 97% der von E&Y befragten Banken und Sparkassen.  Die Aussichten im Retailgeschäft? Gut oder eher gut, sagen 92%.  Krise? Welche Krise?! Nun sollte man solche Studien natürlich nicht zu ernst nehmen. Bemerkenswert finden wir allerdings schon, dass in der E&Y-Studie von 2016 noch drei von fünf Banken berichteten, den Personalbestand reduzieren zu wollen. Und jetzt? Tut dies nur mehr eines von acht Instituten. Zugleich misst lediglich jedes zwölfte Institut dem Thema „Kooperationen mit Fintechs“ eine gesteigerte Bedeutung bei. Mal vorausgesetzt, die E&Y-Befragung war methodisch einigermaßen valide: Kann es sein, dass viele Banken, nachdem sie die Kosten ein wenig gesenkt und die Gebühren ein wenig erhöht haben, jetzt erst mal wieder ein wenig durchschnaufen wollen?

Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Eine alternative (und kundige) Deutung der „HSH Nordbank finanziert wieder Schiffe“-Meldung

„Reuters“ meldete vergangene Woche unter Berufung auf den HSH-Nordbank-Manager Christian Nieswandt: Die HSH Nordbank erwägt den Kauf von Schiffskrediten anderer Banken und will dafür künftig viel Geld in die Hand nehmen. (…) Dafür stehe bis 2022 ein Etat von jährlich 700 Millionen Euro bereit, das eigene Neugeschäft eingerechnet. 

„Finanz-Szene.de“ schrieb daraufhin: Die HSH Nordbank hat gestern allen Ernstes angekündigt, wieder in die Schiffsfinanzierung einzusteigen. Und zwar nicht nur in homöopathischen Dosen, sondern immerhin mit 700 Mio. Euro jährlich. Nun mag dieser Schritt betriebswirtschaftlich ja durchaus sinnvoll sein, von wegen Preisverfall und Opportunität etc. pp. Eine andere Frage ist allerdings, welches politische Signal von so einer Meldung ausgeht.

Ein sehr kundiger Leser (der übrigens in keinerlei Beziehung zur HSH Nordbank steht) schrieb uns daraufhin: Ich denke, die Nachricht mit der HSH zur Schiffsfinanzierung ist keine. Auch in den letzten Jahren hatte die HSH immer ein Ziel von 500 Mio. Euro Neugeschäft, dass zum Teil nicht einmal vollständig realisiert wurde (Anm. der Red.: 2016 wurden zum Beispiel nur 300 Mio. Euro realisiert). Jetzt auf 700 Mio. Euro zu gehen, sagt a) überhaupt nichts darüber aus, wie viel realisierbar ist (aufgrund der internen Kriterien an das Geschäft) und b) wieviel davon direkt wieder syndiziert wird. Es ist eher eine Botschaft an die Reeder, um auch mit einem Mickerportfolio von 5,5 Mrd. Euro noch als Partner im Gespräch zu bleiben. Die Bank hat verständlicherweise ein Interesse daran, von den Kunden (Reedern) noch ernst genommen zu werden. Nur so lässt sich das Portfolio auch mal verjüngen (alte Schiffe in neue Schiffe tauschen); neben der Konjunktur ist ja auch die technische Entwicklung (insbesondere auch die Größenentwicklung in der Handelsschifffahrt) ein wichtiger Risikotreiber. Ist ja doch keine Immobilienfinanzierung. Ich würde behaupten, die Zielgruppe hat die Botschaft verstanden, alle anderen haben sie falsch verstanden.

Die bilanziellen Coups der Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser

Von Thomas Borgwerth und Heinz-Roger Dohms

Es ist der Job seines Lebens. Im Auftrag des chinesischen Investors Fosun, ausgestattet mit frischem Kapital und frischen Kompetenzen, soll Vorstandschef Michael Bentlage, 53, der altersmüden Privatbank Hauck & Aufhäuser neues Leben einhauchen. Es geht nicht nur darum, das schwachbrüstige Traditionsinstitut – das zuletzt sogar rote Zahlen schrieb – in  die Gewichtsklasse der Metzlers und Berenbergs zurückzuführen. Es geht um eine sehr viel größere Frage: Sind deutsche Geldhäuser bei chinesischen Geldgebern gut aufgehoben?

Die Antwort hierauf gab Bentlage vor wenigen Tagen selber. Da ließ der Hauck-Aufhäuser-Chef nämlich auf Grundlage der 2017er-Zahlen eine Pressemitteilung verschicken, in der vom „besten Ergebnis seit der Finanzkrise“ und einer „deutlichen Steigerung der operativen Profitabilität“ die Rede war. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ geriet  daraufhin in geradezu euphorische Wallung: Hauck & Aufhäuser entwickele sich „prächtig“, wachse „stürmisch“ und werfe „ordentlich Ertrag ab“, war zu lesen.

Bereits im Newsletter des nächsten Tages meldete „Finanz-Szene.de“  allerdings ein paar zarte Zweifel an dieser Darstellung an. Denn: Im „Jahresbericht“ auf der H&A-Homepage fand sich ein nicht näher erläuterter Posten namens „sonstiger Überschuss“, der mit 29,5 Mio. Euro fast  genauso groß war wie der Vorsteuergewinn. Dies deuteten wir als ein erstes Indiz, dass das Ergebnis (anders als  es die Losung von der „deutlichen Steigerung der operativen Profitabilität“ suggeriert) eher nicht rein operativ erwirtschaftet worden war.

Offen blieb: Was hatte es mit dem „sonstigen Überschuss“ genau auf sich? Wo kam er her? Handelte es sich um einen Einmaleffekt? Und wie steht „Hauck & Aufhäuser“ in Wirklichkeit da? Diesen Fragen ist „Finanz-Szene.de“ in den vergangenen Tagen noch einmal in Ruhe nachgegangen. Eine Analyse in fünf Kapiteln:

1. Kapitel: Die „sonstigen betrieblichen Erträge“ im testierten Konzernabschluss

Was uns bei der Ad-hoc-Analyse neulich entgangen war: Beim „Jahresbericht“ auf der H&A-Homepage handelte es sich bei genauerer Betrachtung um gar keinen richtigen Abschluss – sondern eher  um eine Attrappe:  Viele hübsche Bilder. Wenig Substanz. Kein WP-Stempel. Deutlich mehr Aussagekraft hat das eigentliche  Testatsexemplar, das sich mit ein bisschen Suchen ebenfalls auf der H&A-Homepage findet. In diesem Testatsexemplar ist nicht nur von besagtem „sonstigen Überschuss“ die Rede, sondern auch von „sonstigen betrieblichen Erträge“ in Höhe von 34,6 Mio. Euro. Ein Aufriss dieser 34,6 Mio. Euro wird allerdings nicht geliefert. Was hat es mit dieser Position also auf sich?

2. Kapitel: Ganz ohne guten Willen – der „Lucky Buy“ von Hauck & Aufhäuser

Hauck & Aufhäuser hat 2017 zwei bedeutende Zukäufe getätigt, nämlich die Deutsche-Bank-Töchter  Sal. Oppenheim jr. & Cie. Luxembourg S.A. und Sal. Oppenheim Asset Management Services S.à r.l.

Hierzu ein kleiner Exkurs: Wenn ein Unternehmen ein anderes kauft, dann entsteht dabei häufig ein rechnerischer Verlust. Das liegt normalerweise  daran, dass der Käufer dem Unternehmen eine höhere Ertragskraft zubilligt und mehr bezahlt, als das akquirierte Unternehmen Eigenkapital ausweist. Um diesen „rechnerischen Verlust“ im Zuge der Erstkonsolidierung auszugleichen, wird ein sog. aktiver Unterschiedsbetrag gebildet, besser bekannt als „Goodwill“.

Einen ähnlichen Effekt würde man zunächst auch bei den Hauck-Aufhäuser-Sal-Oppenheim-Transaktionen vermuten. Die Analyse von „Finanz-Szene.de“ zeigt jedoch: Die Erstkonsolidierung führte gerade nicht zu einem aktiven Unterschiedsbetrag – sondern im Gegenteil zu einem passiven Unterschiedsbetrag. Das heißt: H&A zahlte für die beiden Gesellschaften weniger, als die beiden Firmen Vermögen aufwiesen.

Für den passiven Unterschiedsbetrag aus der Erstkonsolidierung gibt es nun zwei Fachbegriffe mit unterschiedlichen Bedeutungen: „Badwill“ und „Lucky Buy“. Handelt es sich um einen „Badwill“, dann erwartet der Käufer eine zunächst schwache Geschäftsentwicklung – und zahlt darum weniger, als die Vermögenswerte auf dem Papier wert sind. Der „Badwill“ ist also eine Art Schuld, die zu passivieren und im Zeitablauf aufzulösen ist, um die erwarteten Verluste zu decken. Ganz anders verhält es sich mit dem „Lucky Buy“. Hier geht der Käufer sozusagen davon aus, ein Schnäppchen getätigt  zu haben. Also kann er sich, wenn er möchte, den  Unterschiedsbetrag gleich als Profit in der GuV schreiben. Genau das ist bei „Hauck & Aufhäuser“ offenkundig geschehen.

3. Kapitel: Eine rechnerische Annäherung an den passiven Unterschiedsbeitrag

Der Wert der Anteile, die „Hauck & Aufhäuser“ an verbundenen Kreditinstituten hält, hat sich 2017 laut Jahresabschluss um 71 Mio. Euro verändert – diese Differenz muss auf die beiden Sal.-Oppenheim-Gesellschaften zurückzuführen sein (jedenfalls gibt es keine andere schlüssige Erklärung). Das Eigenkapital dieser beiden Firmen betrug per Jahresende 114 Mio. Euro. Hieraus ergibt sich ein passiver Unterschiedsbetrag von 114 – 71 = 43 Mio. Euro. Da es sich bei einer der beiden Sal.-Oppenheim-Gesellschaften um die Tochter der anderen handelt (das geht aus dem luxemburgischen Handelsregister hervor), muss hiervon das Eigenkapital der kleineren Gesellschaft (6 Mio. Euro) noch abgezogen werden. Bleibt ein passiver Unterschiedsbetrag (bzw. ein „Lucky Buy“) von 37 Mio. Euro.

Diese 37 Mio. Euro entsprechen von der Größenordnung her nun mehr oder weniger den besagten „sonstigen betrieblichen Erträgen“ in Höhe von 34,6 Mio. Euro. „Finanz-Szene.de“ schlussfolgert daher, dass diese Bilanzposition im Großen und Ganzen aus der Erstkonsolidierung der beiden Sal.-Oppenheim-Gesellschaften stammen dürfte. Daraus wiederum ergibt sich aus unserer Sicht die folgende Vermutung: Der ausgewiesene Vorsteuergewinn in Höhe von rd. 29,5 Mio. Euro dürfte ganz wesentlich nicht operativ erzielt worden sein.

Hauck & Aufhäuser stellt hierzu auf Anfrage klar, dass der Verdacht, 2017 könnte es einen operativen Verlust gegeben haben, „falsch“ sei. Eine Sprecherin verweist in diesem Zusammenhang unter anderem darauf, dass die „sonstigen betrieblichen Erträge“ zum Beispiel auch auf Erträge aus Devisengeschäften zurückzuführen seien.

Darüber hinaus teilt H&A in einer schriftlichen Stellungnahme mit:

  • „Das veröffentlichte operative Ergebnis (Lagebericht Abschnitt 3.6.2.1) reflektiert die Erfolgsspaltung der Gewinn- und Verlustrechnung und unterscheidet zwischen dem „operativen Ergebnis“ und dem „außerordentlichen Ergebnis“. Hauck & Aufhäuser hat als Kreditinstitut bei der Bilanzierung über die allgemeinen Rechnungslegungsvorschriften auch die speziell für Kreditinstitute geltenden Bestimmungen der §§ 340 ff. HGB und der RechKredV zu beachten. Hieraus ergeben sich formelle und materielle Unterschiede zur Bilanzierung bei Nichtbanken.“
  • In der Analyse von „Finanz-Szene.de“ fehle „die vollständige Anwendung der Konsolidierungsgrundsätze nach deutschem Handelsrecht“.
  • „Im Konzern entstand zum Zeitpunkt der Erstkonsolidierung von beiden Oppenheim-Gesellschaften im Zuge der Kapitalkonsolidierung ein passiver Unterschiedsbetrag, der auf Grund seines Eigenkapitalcharakters erfolgswirksam im Konzern vereinnahmt wurde. Ferner mussten im Konzern Wertberichtigungen auf Beteiligungen vorgenommen werden und in der Bank entstanden Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen.“
4. Kapitel: Der Verkauf einer alten H&A-Tochter an eine der neuen Gesellschaften

Neben der Erstkonsolidierung der Sal.-Oppenheim-Gesellschaften stieß „Finanz-Szene.de“ bei den Recherchen auf eine weitere spannende Begebenheit: Am 28. Dezember 2017 – also kurz vor Jahresende – verkaufte H&A eine ihrer schon bestehenden Töchter (es handelte sich um die Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft S.A.) an eine der frisch hinzugewonnenen Sal.-Oppenheim-Gesellschaften. Auch wenn im Geschäftsbericht an keiner Stelle explizit erwähnt wird, welcher Preis hierfür floss, so lassen sich doch auch zu dieser Transaktion ein paar Rückschlüsse ziehen.

An mehreren Stellen im Abschluss heißt es nämlich, dass der Gewinn aus der Veräußerung der bilanziellen Rücklagenposition „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ zugeführt wurde. De facto ging es also um eine stille Reserve, die auf Basis eines Wertgutachtens in der Bank gehoben und sodann in den Risikenfonds eingestellt wurde. Diese Zuführung betrug laut Lagebericht 54,4 Mio. Euro. Zugleich ist aus der eigentlichen Bank ein Buchwert von 8,9 Mio. Euro abgegangen – womit sich ein Kaufpreis von 63,3 Mio. Euro. ergibt. Diese Summe deckt sich mit Angaben, die sich wiederum im luxemburgischen Handelsregister finden.

Hauck & Aufhäuser betont in diesem Zusammenhang, dass der Kaufpreis „durch eine externe Bewertung von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer bestimmt wurde“. Weiter heißt es in der Stellungnahme: „In der Bank entstand aus dem konzerninternen Verkauf […] ein Ertrag von außerordentlicher Höhe, der dem Fonds für allgemeine Bankrisiken der Bank zugeführt wurden. Der Fonds für allgemeine Bankrisiken erhöhte sich in der Bank im Berichtsjahr um 54.367 Tsd. Euro auf 64.569 Tsd. Euro. Im Konzern erhöhte sich der Fonds für allgemeine Bankrisiken von 4.427 Tsd. Euro auf 9.744 Tsd. Euro.“

5. Kapitel: Wie H&A den Speck vom Schwein trennt, obwohl das Schwein noch lebt

Wie ist der „Tochter an die Tochter verkauft“-Deal nun bilanziell einzuordnen? Zunächst einmal hat die Transaktion keinen (größeren) GuV-Effekt in der Konzernbilanz, da die gehobenen Reserven ja dem „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ zugutekamen. Allerdings: Durch den Deal wurde quasi der Speck vom Schwein getrennt. Und diesen Speck könnte Hauck & Aufhäuser als Muttergesellschaft nun theoretisch nach Bedarf verzehren, in dem die Rücklagen aus dem Fonds einfach aufgelöst werden (alternativ kann das Eigenkapital natürlich auch genutzt werden, um mehr Geschäft zu machen). Per se ist gegen die ganze Transaktion natürlich nichts einzuwenden. Die Frage allerdings lautet: Ist die Tochter wert, was das Gutachten ermittelt hat? War also die Reserve, die gehoben wurde, überhaupt in der Form vorhanden?

Hier lautet die Antwort aus Sicht von „Finanz-Szene.de“: Naja … Denn den Recherchen zufolge bewertet das Gutachten die Gesellschaft  mit dem gut 20-Fachen des Eigenkapitals bzw. mit dem knapp 20-Fachen des Nachsteuerergebnisses. Zum Vergleich: Die von der Deutschen Bank mit Ach und Krach an die Börse gebrachte DWS kommt gerade mal auf ein KGV von 13.

Hauck & Aufhäuser merkt hierzu an: „Die Bewertung basiert auf den Prinzipien aus dem Standard S1 ‚Grundsätze für die Durchführung von Unternehmensbewertungen‘ (IDW S1) und den IDW Accounting Principles ‚Anwendung der Grundsätze von IDW S1 bei der Bewertung von Beteiligungen und anderen Gesellschaftsanteilen für die Zwecke der Erstellung von Abschlüssen in Übereinstimmung mit Deutsches Handelsrecht‘ (IDW RS HFA 10′)“.

Jedenfalls: Einfacher werden die Zeiten nicht. Denn auch wenn die „FAZ“ zu wissen glaubt, dass für 2018 „nun eine weitere Gewinnsteigerung geplant“ sei – die Primärquellen stützen diese Einschätzung eher nicht. Im Gegenteil: Selbst im dürren „Jahresbericht“ von Hauck & Aufhäuser heißt es im Kapital „Prognose“ unmissverständlich:

  • Jahresüberschuss – „stark sinkend“
  • Ergebnis vor Steuern – „stark sinkend“
  • Eigenkapitalrentabilität – „stark sinkend“.

Die Fintech-Kooperationen der ING Diba

Kaum eine deutsche Bank arbeitet mit so vielen Fintechs zusammen wie die ING Diba. Hier ein Überblick über die Kooperationspartner.

  • easyfolio
  • Finapi
  • Gini
  • Kobil
  • Kontowechsel24
  • paydirekt
  • Smava
  • Trendlink
  • Scalable Capital
  • Yareto
  • Clark (bis Sommer 2018)
  • Mypension
  • Cloudscraper
  • Smartsteuer
  • Lendico

Wie viel Geld hat Rocket Internet mit Lendico verbrannt?

Von Heinz-Roger Dohms

Erfolgreicher Exit oder desperater Notverkauf? Diese Frage stellte sich die Finanzgemeinde, als die ING Diba im Februar die Übernahme des Rocket-Internet-Fintechs  Lendico ankündigte. Eine belastbare Antwort auf diese Frage gibt es bis heute nicht. Allerdings deuten inzwischen immer mehr Indizien darauf hin, dass man mit „Antwort B“ (also mit dem Notverkauf) vermutlich nicht so falsch liegt.

So hat die ING Diba, nachdem der Deal geclosed war (was laut Handelsregister am 24. April geschah), im Bundesanzeiger die jüngsten Geschäftsberichte der Lendico Deutschland GmbH offengelegt. Damit lässt sich nun folgende Verlusthistorie ableiten (Anmerkung: Es gab verschiedene Lendico-Gesellschaften, die Deutschland GmbH dürfte aber die operativ wichtigste gewesen sein):

2014 4.985.671,25 €
2015 7.830.343,57 €
2016 9.455.161,45 €
2017 5.112.848,97 €

Alles in allem summieren sich die Jahresfehlbeträge des Berliner  Online-Kreditmarktplatzes von 2014 bis 2017 also auf gut 27 Mio. Euro.

Nun ist der Cashburn für sich genommen natürlich kein Beleg für eine schwache Geschäftsentwicklung. Was aber stutzig machen sollte: Laut den nun offengelegten Geschäftsberichten beschäftigte die Lendico Deutschland GmbH in 2017 im Durchschnitt weniger Mitarbeiter (nämlich 17) als ein Jahr zuvor (da waren es noch 22 gewesen). Das spricht eher gegen ein rasantes Wachstum. Und in Erinnerung ist auch noch, dass Lendico seit der Gründung bis Juli 2017 nach eigenen Angaben gerade einmal Kredite in Höhe von 100 Mio. Euro vergeben hatte. Zur Einordnung: Beim Marktführer Auxmoney waren es allein im vergangenen Jahr mehr als 300 Mio. Euro.

Und noch ein Indiz, dass für einen geringen Kaufpreis spricht: Bislang sah es so aus, als sei bei dem Lendico-Deal neben Rocket Internet und der ING Diba noch ein weiterer Akteur im Spiel gewesen – nämlich der britische Hedge-Fonds Arrowgrass,  der den Berliner Kreditmarktplatz laut „Handelsblatt“ ja eigentlich schon letztes Jahr übernehmen sollte. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ ist die damals angekündigte Transaktion allerdings nie vollzogen worden. Womöglich waren die Briten von dem Fintech also doch nicht so „vollständig überzeugt“, wie der damalige Lendico-Chef und heutige Commerzbank-Manager Dominik Steinkühler seinerzeit dem „Handelsblatt“ anvertraute.

War Lendico also letztlich ein Schnäppchen? Weder die ING Diba noch Rocket Internet wollten sich gegenüber „Finanz-Szene.de“ äußern.

Das Digital-Manifest der Bafin

Bafin-Präsident Felix Hufeld hat dieser Tage in einer Grundsatzrede die Folgen der Digitalisierung für die deutsche Bankenbranche skizziert – und dabei u.a. gewarnt, dass kleine und mittlere Institute gegenüber den „Bigtechs“ den Anschluss verlieren. „Finanz-Szene.de“ dokumentiert die wichtigsten Passagen aus Hufelds Rede:

„Erste These: In der digitalisierten Welt interessieren sich Privatkunden immer weniger für Filialen und deren Öffnungszeiten. Sie erwarten von den Finanzdienstleistern schlicht und einfach die Annehmlichkeiten, die sie aus anderen Branchen gewohnt sind, das schließt Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit ebenso ein wie einen bequemen Zugang zu Dienstleistungen oder kundenindividuellen Service. Bei den bekanntesten und größten Online-Plattformanbietern gehört das wie selbstverständlich zur DNA. Diese Bigtechs bieten ihren Kunden eigene und fremde Waren und Dienstleistungen – passgenau aus einer Hand in kompakten Ökosystemen.

Vollends komplett wird ein solches Ökosystem, wenn neben der Plattform auch der technische Zugang vom selben Anbieter stammt. Jeder von uns kennt so etwas von seinem Smartphone. Mit einem einzigen Gerät können wir Musik herunterladen, Flugtickets kaufen und theoretisch sogar unsere Hausgeräte steuern. Möglich gemacht haben dies Unternehmen, die irgendwann die Plattform dafür aufgebaut haben und nun im Zentrum eines digitalen Ökosystems stehen und dies kontrollieren.

[…]

Weil Platformication offensichtlich einen Mehrwert schafft und Kosten reduziert, werden auch im Finanzsektor immer mehr Banken und Versicherungen versuchen, sich als Plattformanbieter zu positionieren und so aus einer Hand eigene und fremde Produkte anzubieten. Gleichzeitig erleben wir schon jetzt, dass auf dem Finanzmarkt Wertschöpfungsketten zunehmend aufgespalten und dezentralisiert werden. Die Anfang des Jahres in Kraft getretene Zweite Zahlungsdiensterichtlinie, die PSD 2, und die Verpflichtung, offene Programmierschnittstellen, so genannte APIs bereitzustellen, schaffen und fördern die rechtlichen und technischen Voraussetzungen für so eine Plattformwirtschaft.

Die sich daraus ergebenden Chancen werden aber nicht nur die Newcomer am Markt, sondern auch die großen Bigtechs für sich nutzen wollen. In China wickeln solche Bigtech-Konzerne bereits heute Bankdienstleistungen für Millionen Menschen ab.

Diese oft global agierenden Technologieriesen haben nicht nur entsprechendes Know-how und Kapital in der Hinterhand, sie verfügen vor allem schon jetzt über den erforderlichen Kundenzugang.

Damit sind wir mittendrin in These Nummer Zwei, nämlich der Annahme, dass es an der Kundenschnittstelle schon bald sehr eng werden könnte. So mancher etablierten Bank und so manchem klassischen Versicherer droht bei einem Markteintritt der Bigtechs, viel Ertragspotenzial und vor allem die Kenntnis über ihre Kunden aus erster Hand verloren zu gehen. Insbesondere die kleineren und mittleren Kreditinstitute, die sich nicht selbst zu einer Plattform weiterentwickeln können, laufen außerdem Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

Für einige dieser Unternehmen könnte nur die Rolle als hochfokussierter Spezialanbieter übrig bleiben. Dass inzwischen auch Vergleichsplattformen erkannt haben, welche Möglichkeiten ihnen Open Banking und der Trend zur Platformication auf den Finanzmärkten bieten, wird den Wettbewerb um die Kundenschnittstelle zusätzlich verschärfen. Schwieriger ist es, Prognosen darüber anzustellen, wie sich dieser Wettbewerb genau entwickeln wird.

Eine Möglichkeit wäre ein echter Wettbewerb um Marktanteile, den verschiedene Plattformen miteinander ausfechten würden. Denkbar wäre aber auch ein „The winner takes it all“-Szenario, bei dem der eigentliche Konkurrenzkampf letzten Endes darum entbrennt, wer überhaupt an einer dominanten Plattform teilnehmen kann und wer nicht.

So wichtig Wettbewerbsfragen sein mögen, sie sind nicht der Hometurf eines Finanzregulierers oder eines Aufsehers. Ich sehe den Ball hier in erster Linie im Feld des Kartell- und des Wettbewerbsrechts sowie der dafür zuständigen Behörden. Als Aufseher sollten wir aber durchaus darauf achten, dass kein Marktteilnehmer in einer Plattformökonomie von vornherein diskriminiert wird. Ein verzerrter Wettbewerb könnte im Übrigen auch Folgen für die Stabilität und Integrität der Finanzmärkte haben.

Nun zu These Nummer Drei, die lautet: Künstliche Intelligenz kann menschliche Verantwortung nicht ersetzen. Natürlich ermöglicht die Digitalisierung, viele Prozesse effizienter und innovativer zu gestalten.

So sind Versicherer mittlerweile in der Lage, Vorgänge wie die Risikobewertung und die Schadenbearbeitung automatisch, ohne den Einsatz eines einzigen Menschen, abzuwickeln. Allerdings sollten die Geschäftsleitungen nicht in Versuchung kommen, neben den Arbeitsprozessen auch die Verantwortung auf Maschinen und Algorithmen abzuwälzen. Die rechtliche Letztverantwortung hat unverändert beim jeweiligen Management zu verbleiben. Sollte jemand in der Industrie das anders sehen, müssen Gesetzgeber und Finanzaufseher eingreifen. Was wir dabei auf keinen Fall zulassen können, sind Versuche, die Methoden des maschinellen Lernens, die Grundlage vieler automatisierter Prozesse sind, zu einer wundersamen Black Box zu verklären.

Eine solche Black Box würde es auch erschweren, einen möglichen bias der Algorithmen zu verhindern. Die oft gelobte Objektivität computergestützter Entscheidungen gibt es nur, wenn sie auch bei der Entwicklung der Algorithmen und der Auswahl geeigneter Daten gewahrt bleibt.

Glücklicherweise haben die Unternehmen aber selbst bei den allerkomplexesten Modellen die Möglichkeit, Einblicke in deren Funktionsweisen zu erlangen und die Gründe für bestimmte Entscheidungen kenntlich zu machen. Sie müssen es nur tun. Aufsichtlich brisant sind auch solche Anwendungen der Big Data-Analyse, bei denen selbst die allerpersönlichsten Merkmale von Verbrauchern offengelegt werden, denn sie berühren unmittelbar Fragen des kollektiven Verbraucherschutzes. Und für den hat die BaFin ebenfalls einen gesetzlichen Auftrag.

[…]

Meine vierte These besagt, dass Regulierung und Aufsicht in Zukunft mehr denn je auf multilateraler Ebene stattfinden müssen. Zwar sind die Finanzmärkte schon jetzt global vernetzt. Tempo und Ausmaß dieser Entwicklung haben aber nochmals stark zugenommen. Technologische Innovationen und digitale Geschäftsmodelle heben mittlerweile die letzten noch vorhandenen Grenzen auf. Aus den unterschiedlichsten Ländern heraus können Unternehmen im Nu und ohne erwähnenswerte Grenzkosten an einer Plattform andocken und ihr Angebot auf die jeweiligen Märkte hin anpassen. Außerdem wickeln viele Konzerne Teile ihrer Wertschöpfung heutzutage an ganz verschiedenen Standorten ab. Nicht zu vergessen das Cloud-Computing, bei dem Daten auf IT-Infrastrukturen im Ausland ausgelagert werden können.

Diesem Mix der digitalen Möglichkeiten steht auf vielen Gebieten eine immer noch heterogene Regulierungs- und Aufsichtspraxis gegenüber, was auch die Gefahr von Aufsichtsarbitrage nicht geringer werden lässt. Darum drängt die Zeit, auch international ein echtes Level-Playing-Field zu schaffen, natürlich nach der Maßgabe „gleiches Geschäft, gleiches Risiko, gleiche Regel“.

[…]

Meine fünfte und letzte These ist eher eine Frage und lautet sinngemäß: „Wen beaufsichtigen wir eigentlich künftig? Werden es Menschen, Maschinen oder Infrastrukturen sein?“ Noch stehen bei der BaFin vor allem Finanzintermediäre im Fokus. Noch! In Zukunft werden wir es aber verstärkt mit dezentralen Ökosystemen zu tun haben, die ohne Intermediäre auskommen. Um diesen Perspektivwechsel zu verstehen, müssen wir zunächst eine einheitliche Auffassung darüber bekommen, was solche Ökosysteme für Regulierung und Aufsicht bedeuten.

Schauen wir uns die Arbeitsprozesse und Transaktionen an den Finanzmärkten an, so laufen sie immer dann reibungslos, wenn zwischen zuvor unbekannten Partnern ausreichend Vertrauen herrscht.

Bislang haben dafür Intermediäre wie Banken oder Zentrale Gegenparteien im Wertpapiergeschäft gesorgt. Kritiker stoßen sich allerdings seit langem an der Macht, die solche Intermediäre ausüben können. Sie möchten lieber auf solche Vermittler verzichten und hoffen darauf, dass Vertrauen zukünftig nicht durch Institutionen, sondern durch Technologien – wie eben der Blockchain – hergestellt wird. Käme es tatsächlich in weiten Teilen zu einer Blockchain-Ökonomie, also zu dezentralen Ökosystemen, dann brauchten auch Regulierung und Aufsicht ein Update. Zudem erwarte ich, dass alleine schon die Aufspaltung von Wertschöpfungsketten Teile der bisherigen Aufsichtspraxis in Frage stellen wird. […]“

Die komplette Rede lesen Sie hier

Lenny Fischers „Zukunftsfonds“ generiert kaum Zuflüsse – außer vom eigenen Fondsmanager

Von Heinz-Roger Dohms

Der mit riesigem medialen Brimborium gestartete „Zukunftsfonds“ – hinter dem der frühere „Bild“-Chef Kai Diekmann und der Ex-Investmentbanker Lenny Fischer stehen – generiert momentan offenbar kaum Zuflüsse von normalen Anlegern. Wie Auswertungen von „Finanz-Szene.de“ auf Basis von Morningstar- und Universal-Daten zeigen, betrugen die Assets under Management Anfang dieser Woche immer noch nur 12,01 Mio. Euro. Zum Vergleich: Vor drei Wochen, als der „Zukunftsfonds“ offiziell an den Start ging, waren es 11,97 Mio. Euro. Selbst wenn man kleinere Performance-Veränderungen berücksichtigt, spielen sich die Nettozuflüsse bislang also irgendwo im Bereich weniger Zehntausend Euro ab.

Entwicklung der Assets under Management
Ende April 11,92 Mio. €
Verkaufsstart im Mai 11,97 Mio. €
11. Juni 12,01 Mio. €

Gemessen am geäußerten Ziel, mit dem „Zukunftsfonds“ auf Sicht auf ein Volumen von 20 Mrd. Euro zu kommen, ist die bisherige Entwicklung ein Debakel. Zumal der Fonds ja eigentlich schon seit vergangenem Herbst am Markt ist – Anleger die Anteile also schon seit Monaten zeichnen dürften. Die einzige materielle Veränderung, die mit dem offiziellen Verkaufsstart im Mai verknüpft war: Seitdem können Investoren den „Zukunftsfonds“ nicht mehr nur über ihre Bank, sondern auch direkt über die Website von Diekmanns und Fischers „Deutscher Fondsgesellschaft“ (DFG) kaufen. Wie viele Anleger von dieser Möglichkeit bislang Gebrauch gemacht haben, dazu schweigt die DFG. Mehr als ein paar Dutzend können es aber kaum gewesen sein.

Keine Angaben macht die DFG auch zu der Frage, von welchen Anlegern jene knapp 12 Mio. Euro kommen, die sich laut den Auswertungen von „Finanz-Szene.de“ bereits Ende April im „Zukunftsfonds“ befanden – und bei denen es sich um eine Art Grundstock zu handeln scheint. Was sich herausfinden lässt: Knapp zwei Mio. Euro entfielen per 30. April auf einen Dachfonds namens „Managed ETF Plus – Porfolio Balance“. Und ebenfalls recherchierbar: Ein weiterer mittelgroßer deutscher Dachfonds – nämlich der „Multi Leaders Fund“ – hielt zum 31. Mai ausweislich einer Morningstar-Erhebung 40.100 Anteile im Gesamtwert von 1,97 Mio. Euro.

Das Pikante daran: Das Verwaltungsmandat für den „Multi Leaders Fund“ liegt bei der Freiburger Greiff Capital Management AG – deren Vorstand Volker Schilling wiederum Fondsmanager des „Zukunftsfonds“ ist. Eine zweifelhafte Verquickung sehen die Protagonisten hierin allerdings nicht. Schließlich lege die Greiff AG bei ihren Dachfondsmandaten „sehr viel Wert“ auf die qualitative Analyse, die Kostenstrukturen sowie das aktive Management, heißt es in einer Stellungnahme. Unter diesen Gesichtspunkten sei der „Zukunftsfonds“ als Anlageobjekt für den „Multi Leaders Fund“ sehr gut geeignet. Zudem betrage das Volumen des MLF rund 162 Mio. Euro – wovon nur 1,2% auf den Zukunftsfonds entfielen.

Glaubt man der offiziellen Stellungnahme der „Deutschen Fondsgesellschaft“ gegenüber „Finanz-Szene.de“, dann besteht trotz der bislang enttäuschenden Entwicklung der Assets under Management kein Grund zur Beunruhigung: „Über konkrete Zahlen möchten wir uns vor Ablauf der ersten 12 Monate nicht äußern, denn das wäre schlichtweg unseriös. Beim Launch eines digitalen neuen Produkts steht in den ersten Monaten das Kennenlernen im Vordergrund – das Wachstum tritt erst nach 12-­15 Monaten ein. Entscheidend wird die Entwicklung der kommenden 12 Monate sein. Im Übrigen haben wir mit dem Start der Abverkaufs-Kampagne noch nicht begonnen. Der Launch dieser Kampagne ist für die nächsten Wochen geplant.“

Zahlungsabwickler Telecash verliert seinen Geschäftsführer

Von Heinz-Roger Dohms

Der Zahlungsabwickler Telecash verliert seinen Geschäftsführer: Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ wird Thomas Hellweger die Deutschland-Tochter des US-Payment-Riesen First Data nach gut zehn Jahren verlassen. Branchenspekulationen besagen, der erfahrene Manager wechsele zum Netzbetreiber Intercard (der ja ebenfalls einem großen US-Konzern untersteht, nämlich Verifone) – hierfür war allerdings keine Bestätigung zu erhalten. Telecash hatte jüngst im Bieterwettstreit um die Sparkassen-Tochter BS Payone den Kürzeren gezogen und gilt nun selber als möglicher Übernahmekandidat.

Mehr Hintergrund zum Thema finden Sie in diesen drei Archivartikeln:

http://finanz-szene.de/analyse-sechs-thesen-zur-zukunft-der-deutschen-payment-branche/

http://finanz-szene.de/exklusiv-verbuenden-sich-die-sparkassen-mit-ingenico/

http://finanz-szene.de/exklusiv-steigt-us-konzern-first-data-beim-sparkassen-acquirer-bs-payone-ein/

Sponsored Content: Ist Ihre Authentifizierungs-Lösung fit für PSD2?

Von Jonathan Knoll, Direktor Zentral-Europa Entersekt

Bei der Umsetzung der PSD2-Richtlinie läuft den Banken die Zeit davon. Stichtag für die Umsetzung der PSD2 (Payment Services Directive) ist der 14. September 2019. Dann muss Ihre Organisation in der Lage sein, gegenüber den Regulierungsbehörden die Konformität zur Richtlinie nachzuweisen. Jedoch schon sechs Monate vorher, am 14. März 2019, muss eine Dokumentation der technischen Schnittstelle sowie eine entsprechende Testumgebung zur Verfügung stehen. Dies ist in den Regulatory Technical Standards (RTS) der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde festgeschrieben. Sie legen unter anderem fest, welche Anforderungen hinsichtlich starker Kundenauthentifizierung (SCA) erfüllt werden müssen.

Neben den reinen Compliance-Aspekten sollten Sie bei der Überprüfung Ihrer Authentifizierungs-Lösung auf folgende Punkte achten: Bietet Ihre SCA-Lösung eine konsistente und überzeugende Anwendungserfahrung, trägt sie dazu bei, Kosten zu senken und ermöglichst sie die Weiterentwicklung digitaler Services.

  1. Audit-fähige SCA-Compliance sicherstellen

Bei der Umsetzung der PSD2-Anforderungen im Bereich starke Kundenauthentifizierung müssen Banken folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Die starke Kundenauthentifizierung ist für alle Nahfeld- und Online-Transaktionen über sämtliche Kanäle erforderlich. Im Rahmen von SCA werden zwei von drei möglichen Faktoren (Wissen, Besitz und Eigenschaft) zur Authentifizierung eingesetzt. Wir glauben, dass dem Faktor Besitz dabei die wichtigste Rolle zukommt. Das Smartphone eignet sich dafür im besonderen Maße – also ein mobiles Endgerät, das Kunden immer mit sich führen. In Kombination mit anderen Faktoren, wie zum Beispiel PIN/Passwort oder biometrischen Verfahren, entsteht so ein mehrschichtiger Ansatz.
  • Der Authentifizierungs-Code für jede Transaktion muss dynamisch mit dem Betrag und dem Zahlungsempfänger verknüpft sein.
  • SCA-Elemente müssen voneinander getrennt und unabhängig sein. Dies lässt sich durch vollständig verschlüsselte so genannte „Out-of-Band“-Authentifizierungskanäle erzielen. Out-of-Band bedeutet, dass ein unabhängiger zweiter Kommunikationskanal genutzt wird. Dann können sogar Transaktionen in einer einzigen App auf einem einzigen Gerät sowohl initiiert als auch authentifiziert werden.
  • Es muss gewährleistet sein, dass personalisierte Anmeldeinformationen zur Authentifizierung genutzter Geräte sowie jegliche im Authentifizierungsprozess verwendete Software zuverlässig dem jeweiligen Kunden zugeordnet werden können. Anders formuliert: One-Time-Passwörter (OTP) sind keine brauchbare Option mehr – führende Analysten wie Gartner sowie Regulierungs- und Branchenorganisationen bestätigen dies bereits seit Jahren.
  • Der Zugriff von Drittanbietern (TPP= Third-Party Provider) auf Kundendaten muss überwacht und durch Verfahren geschützt werden, die die eindeutige Zustimmung des Kunden einholen. Damit Drittanbieter das Recht zum Datenzugriff erhalten, ist ein verbindlicher und signierter Nachweis der Kundenzustimmung erforderlich. Dies kann durch Einholung digital signierter Kundenmandate für alle Transaktionen erreicht werden.
  1. Konsistente und überzeugende Anwendungserfahrung bieten

Bankkunden erwarten eine sichere Lösung, die gleichzeitig einfach zu bedienen ist. Wenn Sie wollen, das die Anzahl der Transaktionen steigt und es nicht zu unnötigen Abbrüchen kommt, stellen Sie sicher, dass Ihre Lösung in folgenden Punkten „State-of-the-Art“ ist. Nur so stärken Sie mit jeder einzelnen Interaktion das Kundenvertrauen und schaffen die Infrastruktur für die Einführung neuer Services und Angebote.

  • Sorgen Sie für eine hohe Konvergenz der Authentifizierung. Verwenden Sie also dieselbe SCA-Methode für mehrere Anwendungsszenarien, sodass die Anwendungserfahrung über alle Kanäle hinweg konsistent ist. Auf diesem Weg wird Authentifizierung nicht nur einfacher, sondern stärkt auch das Anwendervertrauen und führt zu reduzierten Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO), da nur noch eine einzige Authentifizierungsplattform unterstützt werden muss.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Authentifizierungsmethode so einfach zu bedienen ist wie möglich, sodass Kunden sie für alle Anwendungsfälle nutzen. Anstatt eine Kundeninteraktion bei der Authentifizierung zu vermeiden, sollten Sie sie als Chance begreifen: Jede Kundeninteraktion über Ihren SCA-Kanal stärkt das Vertrauen. Sobald PSD2 in Kraft ist, können viele neue Drittanbieter (TPPs) mit Ihren Anwendern interagieren, deshalb ist die Herstellung eines besonderen Vertrauensverhältnisses so wichtig.
  • Die Verschlüsselung sensibler Daten innerhalb der Mobile-Banking-App sollte selbstverständlich sein. Positionieren Sie sich als vertrauenswürdiger Partner für den Schutz der Vermögenswerte Ihrer Kunden in einer digitalisierten Welt. Ermöglichen Sie Ihren Kunden die volle Kontrolle bei risikobehafteten Interaktionen durch Echtzeit-Eingabeaufforderungen über einen vertrauenswürdigen Kanal.
  • Die meisten Interaktionen mit Drittanbietern, die durch PSD2 möglich werden, erfolgen voraussichtlich über mobile Kanäle. Mobile Interaktion ist deshalb der Schlüssel für den Erfolg Ihrer Organisation.
  1. Kosten senken und Weiterentwicklung ermöglichen

Kann man verpflichtende Compliance-Anforderungen in einen strategischen Vorteil verwandeln? Das funktioniert, wenn Sie auf folgende Punkte achten:

  • Implementieren Sie eine Lösung, die den gesamten Anwender- und Authentifizierungs-Lebenszyklus abdeckt, von Rollout, Wartung und Kontowiederherstellung bis zum Off-Boarding-Prozess und dem Hinzufügen neuer Kanäle. Investieren Sie in eine Lösung, die von Grund auf für die mobile und Online-Welt entwickelt wurde. Dies gibt Ihnen die nötige Flexibilität, um sich – ohne neue Lösungen implementieren zu müssen – an zukünftige technische Standards der Regulierungsbehörden anzupassen.
  • Senken Sie Kosten durch Nutzung einer einzigen Authentifizierungsplattform für alle Authentifizierungsszenarien. Damit können Sie Kunden schneller, effizienter und damit wirtschaftlicher bedienen. Stärken Sie das Kundenvertrauen durch Aufbau einer konsistenten Anwendungserfahrung für alle Kanäle.
  • Sobald ein sicherer Kanal zum Kunden verfügbar ist, können Sie neue digitale Services einführen, auf die Kunden zu jeder Zeit und an jedem Ort Zugriff haben. Damit stärken Sie die Bindung Ihrer bestehenden Kunden und ziehen gleichzeitig Neukunden an. Ein wesentliches Prinzip von PSD2 ist es, Kunden dabei zu unterstützen, ihre eigenen Daten zu kontrollieren. Indem Sie Kunden die Möglichkeit geben, jede einzelne Banking- oder andere Transaktion auf dem Mobilgerät freizugeben, bieten Sie genau die von PSD2 geforderte Kontrolle.

Fazit:

Wenn eine Bank als Wächter der Vermögenswerte ihrer Kunden in einer digitalisierten Welt wahrgenommen wird, verändert sich dadurch ihre strategische Position gegenüber Kunden und Drittanbietern. Die Bank bietet dann mehr als einen alltäglichen Standard-Service und wird zum Verwalter aller aktuellen und zukünftigen Vermögenswerte, welche Form diese auch haben mögen. Durch Services, die auf den Zugriff und das Management dieser Vermögenswerte fokussiert sind, untermauern Banken ihre Positionierung als wichtiger Bestandteil der Wertschöpfungskette. Banken schützen und erhalten ihre Kundenbeziehungen, während Drittanbieter zusätzliche Services bereitstellen.

Auf diesem Weg ist PSD2 nicht länger nur ein Kostentreiber. Stattdessen ist PSD2 eine Chance für Banken, ihr Leistungsversprechen auch in einer digitalen Welt der Zukunft zu unterstreichen. Banken, die diese Chance ergreifen, werden langfristig davon profitieren. Wer diese Gelegenheit hingegen nicht nutzt, befindet sich auf dem Weg zu einem austauschbaren Anbieter von Allerweltsdienstleistungen.

Verwandter Link: SRC bestätigt PSD2-Konformität von Transakt

Frauen werden nichts in Banken-Deutschland? Doch, doch: Sie werden CIO

Von Heinz-Roger Dohms

Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Wo immer in den vergangenen Monaten ein bedeutender CIO-Posten in der deutschen Finanzbranche frei wurde, ging die Stelle mit einiger Wahrscheinlichkeit an eine Frau. Glauben Sie nicht? Dann haben wir hier mal ein paar Belege:

  • Melanie Kehr (Ex-BayernLB) wurde im April zur künftigen IT-Generalbevollmächtigten der KfW ernannt, soll auf Sicht in den Vorstand aufsteigen
  • Christiane Vorspel (Ex-Commerzbank) wird im Juli Bereichsvorständin IT bei der LBBW
  • Simone Bock (Ex-Allianz) amtiert seit Mitte Mai als Chief Information Officer von Consorsbank und DAB
  • Jana Brendel (Ex-Deutsche-Bank) wird zum 1. Juli Chief Information Officer und Mitglied der Geschäftsführung beim Eschborner Zahlungsdienstleister Concardis
  • Irene Lehrbach-Appenheimer übernahm im Herbst den CIO-Posten bei der Union Investment
  • Anke Sax (Ex-Daimler-Financial-Services) ist seit gut einem Jahr Chief Information Officer bei der DWP Bank
  • Manuela Bieß leitet seit Januar den Bereich Informationstechnologie bei der Helaba (allerdings: gemeinsam mit einem Mann, nämlich Jürgen Wiedmann)
  • Zvezdana Seeger, langjährige IT-Vorständin der Postbank, hat den gleichen Posten seit Kurzem nun auch bei der neuen „DB Privat- und Firmenkundenbank AG“ inne (sprich: bei der neuen Privatkundeneinheit der Deutschen Bank/Postbank)

Nun gilt der Satz mit der Regel und der Ausnahme natürlich auch bei den weiblichen CIOs. Der bereits angesprochene Helaba-Mann ist ein Gegenbeispiel. Der neue Deutsche-Bank-COO Frank Kuhnke (bei dessen Rolle es sich ja im Grunde um die eines CIO de luxe handelt) ist ein anderes. Und: Unterhalb des Ober-CIOs Kuhnke hat die Deutsche Bank seit einigen Monaten ja auch einen echten CIO, nämlich Pascal Boillat.

Und doch: Gemessen daran, dass es in der deutschen Finanzbranche vor C-Level-Frauen ja nicht gerade wimmelt, ist die weibliche CIO-Dichte fast schon frappierend. Zumal es sich um keinen gänzlich neuen Trend handelt. Wer durfte sich jahrelang um die IT der Deutschen Bank kümmern? Kim Hammonds (wiewohl auch sie genau wie ihr Nachfolger Kuhnke genau genommen als COO firmierte). Wer verantwortete jahrelang die IT der KfW? Edeltraud Leibrock. Wer managt als COO die IT der Hypo-Vereinsbank? Sandra Betocchi. Wie heißt der bzw. die CIO der deutschen Santander? Carolina Soto. Und die It-Chefin der Postbank? Siehe oben, hatten wir ja schon.

Bleibt noch die Analyse: Woran liegt es, dass Frauen (provokativ formuliert) in der deutschen Finanzbranche nichts werden, wohl aber CIO? Eine sehr spannende Frage, der wir uns in den nächsten Tagen in einem separaten Artikel widmen werden.

Die „neuen“ CIOs im Überblick:

 

Payment-Fintech „Sofortüberweisung“ macht fast 60 Prozent Ebit-Marge

Von Heinz-Roger Dohms

Was passiert eigentlich, wenn so ein Fintech nicht mehr nur ein Versprechen ist? Sondern eine Erfüllung. Wenn sich die Produkte also am Markt etabliert haben.  Und wenn die Digitalisierung schließlich ihren Dienst tut – sprich: wenn die erhofften Skaleneffekte einsetzen.

Was dann passiert, lässt sich am Beispiel der Sofort GmbH studieren. Das ist jenes 2005 gegründete Münchner Payment-Unternehmen, das sich in vielen Online-Shops hierzulande längst als Alternative zu Kreditkarte, Rechnung, Lastschrift oder Paypal etabliert hat. Zwar gehört die Sofort GmbH mittlerweile zu Klarna, dem schwedischen Fintech-Unicorn. Allerdings fertigt die Firma immer noch brav und regelmäßig einen eigenen Jahresabschluss an. Der für 2017 ist dieser Tage offengelegt worden. „Finanz-Szene.de“ hat ihn analysiert, zudem mit Insidern gesprochen – und kommt zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Sofort GmbH erwirtschaftete 2017 Umsatzerlöse in Höhe von gut 58 Mio. Euro. Der überwiegende Teil dieses Umsatzes stammte aus einem einzigen Produkt, nämlich der „Sofortüberweisung“ (es handelt sich beim Umsatz also quasi um jene Gebühren, die die Händler an die Sofort GmbH zahlen, wenn der Endkunde „Sofortüberweisung“ nutzt).
  • Den Umsatzerlösen standen im wesentlichen zwei Kostenblöcke gegenüber, nämlich Personal (14,9 Mio. Euro) und „Sonstige betriebliche Aufwendungen“ (8,8 Mio. Euro).
  • Unterm Strich kam die Sofort GmbH auf ein operatives Ergebnis von rund 34 Mio. Euro – und damit auf eine spektakuläre Ebit-Marge von fast 60 Prozent.

Auffällig ist dabei, dass die Aufwendungen seit einigen Jahren kaum noch steigen …

Quelle: Jahresabschlüsse

Quelle: Jahresabschlüsse

… während das Rohergebnis (das grob gesagt den Umsatzerlösen entspricht) geradezu explodiert ist:

Quelle: Jahresabschlüsse

Da die Sofort GmbH 2015 von Klarna übernommen wurde und ungefähr zu jener Zeit auch Erlöse und Kosten beginnen auseinanderzulaufen, stellt sich die Frage: Wo stünde Sofort heutzutage „standalone“? Beziehungsweise: Welcher Anteil der Ebit-Marge ist hausgemacht? Beziehungsweise: Ist die spektakuläre Marge überhaupt „echt“?

Tatsächlich sollen wesentliche Zentralfunktionen (Finanzen, HR und Marketing) zumindest teilweise auf die schwedische Klarna AB übertragen worden sein; andere Aufgaben wie den Vertrieb soll wiederum die deutsche Klarna GmbH (die ebenfalls oberhalb der Sofort GmbH angesiedelt ist) wenigstens teilweise übernommen haben. Dabei bildet die Mutter diese Funktionen natürlich nicht kostenlos ab. Stattdessen dürften die Dienstleistungen intern verrechnet werden – und sich in den „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“ der Sofort GmbH wiederfinden.

Dass dieser Kostenposten nicht einmal leicht steigt, ist zum einen mit Synergien zu erklären. Und zum anderen: Das Bezahlmodell „Sofortüberweisung“ lebt davon, dass die Sofort GmbH per API-Schnittstelle auf das Konto des Endkunden zugreift. Bevor die neue europäische Zahlungsrichtlinie PSD2 in Kraft trat, war diese Methode umstritten – entsprechend üppig dürften die Rechts- bzw. Lobbying-Kosten der Sofort GmbH gewesen sein. Denkbar, dass dieser Kostenblock zuletzt abgeschmolzen ist.

Kurzum: Die Ebit-Marge von fast 60% dürfte echt sein – auch wenn sie ohne Klarna vermutlich nicht ganz so hoch wäre. Betriebswirtschaftlich gesprochen, liegt das Geheimnis der Sofort GmbH vermutlich darin, dass die „Herstellungskosten“ (Fachbegriff: COST, Cost of Goods Sold) für die Sofortüberweisung gen Null gehen, das Rohergebnis also mittlerweile fast den Bruttoerlösen entspricht.

Vielleicht sind „die 60%“ also noch nicht einmal das letzte Wort.