Nur bei einer der 50 größten deutschen Banken hat eine Frau das Sagen

Carola Gräfin von Schmettow (Quelle: HSBC)

Von Heinz-Roger Dohms

Nur bei einer der 50 führenden deutschen Banken hat eine Frau das Sagen, nämlich Carola Gräfin von Schmettow bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Hinzu kommt bei großzügiger Auslegung noch die Deutsche Hypo, wo sich Sabine Barthauer die Verantwortung mit ihrem Vorstandskollegen Andreas Rehfus teilt, es aber keinen formellen Vorstandsvorsitzenden gibt. Ansonsten? Werden Deutschlands große Banken weiterhin ausschließlich von Männern geführt, zeigt eine Auswertung von „Finanz-Szene.de“. Und damit nicht genug: Auch weibliche Finanzchefs gibt es gerade einmal zwei, nämlich Nicole Handschuher bei der Sparkasse Köln-Bonn und Sonja Kardorf bei der Investitionsbank Berlin.

Doch auch jenseits von CEO und CFO sind  Frauen in den Vorstandsetagen der deutschen Kreditwirtschaft weiterhin krass unterrepräsentiert. Laut der Auswertung von „Finanz-Szene.de“ haben die 50 nach Bilanzsumme größten deutschen Banken momentan im Schnitt rund viereinhalb Vorstände bzw. Geschäftsführer. Oder genauer: Insgesamt geht es um 224 C-Level-Positionen, von denen Frauen aber gerade einmal 21 bekleiden, also ein Anteil von 9,4%. Ebenfalls frappierend: In zwei Dritteln der Institute findet sich überhaupt keine Top-Managerin – was übrigens nicht nur an den mittelgroßen Banken liegt, wo der Vorstand oft nur aus zwei oder drei Mitglieder überhaupt besteht. Sondern: Auch sechs der Top-Ten-Banken kommen ohne Vorstandsfrau aus.

Daneben kommt die Auswertung noch zu einigen weiteren interessanten Befunden:

  • Besonders klein wird Frauenförderung in der genossenschaftlichen Bankengruppe geschrieben. So finden sich immerhin sieben Geno-Institute (DZ Bank, Schwäbisch Hall, Apobank, Münchener Hyp, WL Bank, DG Hyp, DVB Bank) unter den 50 größten deutschen Geldinstituten. Die Zahl der weiblichen Vorstände beträgt trotzdem exakt null (wobei man fairerweise hinzufügen sollte, dass die frühere Nord-LB-Finanzchefin Ulrike Brouzi denselben Posten zum 1. Januar 2019 bei der DZ Bank übernehmen soll, womit sich dann zugleich auch die weibliche CFO-Quote verbessert).
  • Genauso schaut es bei den fünf großen Landesbanken (LBBW, BayernLB, NordLB, Helaba und HSH Nordbank) aus: Zusammen 27 männliche Vorstände. Aber keine Frau.
  • Jeweils zwei Frauen sitzen im Vorstand der HVB (Sandra Betocchi und Ljiljana Cortan) sowie der Aareal (Dagmar Knopek und Christiane Kunisch-Wolff). Bei der neu geschaffenen DB Privat- und Firmenkundenbank AG (die wir anstelle der Postbank in die Top-50-Liste aufgenommen haben) sind es sogar drei, nämlich Susanne Klöß-Braekler, Britta Lehfeld und Zvezdana Seeger.
  • Scheidet eine Frau aus dem Vorstand aus, werden sie gern mal durch einen Mann ersetzt. So firmiert bei der Deutschen Bank nach der Demission von Kim Hammonds nun Frank Kuhnke als Chief Information Officer. Als bei der NordLB besagte Ulrike Brouzi ging, nahm Olof Seidel, bis dahin Chef des hauseigenen Restrukturierungsprogramms, den Posten ein. Und die ING Diba wird nach dem Abgang von Katharina Herrmann zur niederländischen Mutter auch wieder komplett von Männern dominiert.
  • Allerdings: Keine Regel ohne Ausnahme, bei der Comdirect macht das, was unlängst Martina Palte (die übrigens im September bei der Berliner Volksbank anfängt) machte, nämlich Personal, inzwischen Frauke Hegemann. Da diese allerdings bis zur Bafin-Zulassung noch als „Generalbevollmächtige“ firmiert, haben wir sie aus pingelig-formal-journalistischen Gründen noch nicht zu den Vorständen gezählt.

Sonst noch was? Ja, hier jetzt noch die obligatorische Übersicht. Dazu noch als Anmerkung: Die Auswahl der 50 Banken beruht auf der einschlägigen Liste der Fachzeitschrift „Die Bank“ – wobei diese Liste wiederum auf den 2016er-Zahlen basiert. Die Postbank haben wir wie gesagt durch die DB Privat- und Firmenkundenbank AG ersetzt, die OLB (aufgrund der Übernahme) durch die Bremer Kreditbank.

Institut Vorstände davon Frauen
Deutsche Bank 9 1
DZ Bank 7 0
KfW 5 1
Commerzbank 7 1
HVB 7 2
LBBW 6 0
BayernLB 6 0
NordLB 5 0
Helaba 6 0
ING Diba 5 0
DB Privat- und Firmenkundenbank 11 3
NRW.Bank 4 1
Rentenbank 3 0
Deka 5 1
HSH Nordbank 4 0
DKB 5 0
L-Bank 4 1
Schwäbisch-Hall 4 0
PBB 3 0
Volkswagen Bank 4 0
Aareal 5 2
Landesbank Berlin 4 1
Haspa 5 1
Santander Consumer Bank 6 0
Apobank 5 0
Münchener Hyp 3 0
WL Bank 2 0
DG Hyp 2 0
BHW 3 0
Dexia Kommunalbank 2 0
DVB Bank 3 0
Sparkasse Köln-Bonn 6 1
Mercedes-Benz-Bank 5 0
Berlin Hyp 3 0
BMW Bank 3 0
Deutsche Hypothekenbank 2 1
Kreissparkasse Köln, 5 0
HSBC Deutschland 5 1
LfA Förderbank Bayern 4 0
Wüstenrot 7 0
SEB AG 3 0
Comdirect 3 0
IKB 4 0
IB Schleswig-Holstein 2 0
IBB Investitionsbank Berlin 4 1
Frankfurter Sparkasse AG 4 0
LBS Südwest 4 0
Stadtsparkasse München 4 1
Targobank 4 1
Bremer Kreditbank 2 0
224 21

Frühere Sofort-Manager machen Ex-Firma mit neuer „Sofort Pay“ Konkurrenz

Von Heinz-Roger Dohms

Es ist die Story, über die die deutsche Payment-Branche  den Rest der Woche tratschen wird: Irgendwann im Laufe des gestrigen Tages muss die Website „sofort-pay.com“ livegegangen sein. Wir selber wurden jedenfalls gegen 22 Uhr von einem sehr freundlichen Leser (erstaunlich, wer alles unsere Telefonnummer hat …) darauf aufmerksam gemacht. Und genau wie der Leser trauten auch wir unseren Augen nicht. Denn: Gibt es nicht längst ein extrem erfolgreiches deutsches Payment-Fintech, das auf den Namen „Sofort“ hört? Nämlich die Klarna-Tochter Sofort GmbH, der wir neulich erst die Geschichte „Dieses Fintech macht fast 60% Ebit-Marge“ gewidmet haben? Natürlich. Und nun? Gibt es  halt auch noch die „Sofort Pay“.

Dabei hat die „Sofort Pay“ mit der Sofort GmbH nichts zu tun. Denn ausweislich des Impressums steht hinter der Marke das Münchner Finanz-Startup Fintecsystems. Und hinter dem wiederum stehen zwei Herren namens Stefan Krautkrämer und Dirk Rudolf. Und bei denen wiederum handelt es sich um frühere Manager der heutigen Sofort GmbH (die damals noch Sofort AG hieß). Krautkrämer firmierte, wie sich unter anderem auf seinen Xing-Profil nachlesen lässt, von 2011 bis 2014 als Chief Operating Officer dieser Firma. Und Dirk Rudolf (ebenfalls siehe Xing) war von 2010 bis 2014 ihr Chief Information Officer.

Kurzum, wenn wir die Sache nicht völlig fehlinterpretieren, dann wollen zwei frühere Sofort-Leute der Sofort GmbH Konkurrenz machen mit einer Marke, die (jedenfalls bislang) ebenfalls Sofort heißt. Um kurz vor Mitternacht erhielten wir auf Anfrage (erstaunlich, wenn man spätabends noch so alles erreicht …) übrigens noch ein schriftliches Statement von Herrn Rudolf. Er schreibt uns:

„FinTecSystems bietet neben Kontoinformationsdiensten auch Zahlungsauslösedienste an und hat im Rahmen der PSD2 die entsprechende Erlaubnis bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragt. Zahlungsauslösedienste erbringen wir schon von Anbeginn – vor allem als technischer Dienstleister – für einige Kunden, darunter namhafte Payment Service Provider. Die neue Marke, die als Instant Payment Lösung – ähnlich wie sie einige Kreditinstitute auch umsetzen  – konzipiert ist, sehen wir als Ergänzung am Markt der elektronischen Zahlverfahren.“

Die Grafik: Bei Paydirekt ist das Wachstum bereits wieder erlahmt

Von Heinz-Roger Dohms

Ehre, wem Ehre gebührt. Die erste Ausgabe unserer neuen (aus Kapazitätsgründen erst einmal nur unregelmäßig erscheinenden) Rubrik „Die Grafik“ wollten wir nicht irgendeinem x-beliebigen Unternehmen widmen – sondern dem Payment-Powerhouse der deutschen Bankenbranche, sprich: Paydirekt. Denn: Wenn nicht alle Stricke reißen, dann wird Paydirekt demnächst die Gewinnung des zweimillionsten Kunden verkünden. Einerseits wäre das irgendwie ein Erfolg. Andererseits: Kann es sein, dass das Wachstum – nachdem es im zweiten Halbjahr 2017 noch kräftig nach oben ging – zuletzt schon wieder erlahmt ist?

Die Grafik:

Das Ergebnis:
  • Während Paydirekt im zweiten Halbjahr 2017 rund 600.000 Kunden gewonnen haben dürfte, sind es laut den Berechnungen  von „Finanz-Szene.de“ im ersten Halbjahr dieses Jahres nur noch rund 200.000 gewesen.
Anmerkungen:
  • Bislang existiert keine offizielle Zahlenreihe zur Kundenentwicklung bei Paydirekt. Allerdings hat das Unternehmen in der Vergangenheit punktuell immer mal wieder Kundenzahlen genannt.
  • „Finanz-Szene.de“ hat eine große Zahl öffentlicher Quellen ausgewertet, um möglichst viele Datenpunkte zu erfassen. Bei den Quellen handelte es sich um offizielle Pressemitteilungen des Unternehmens, Medienberichte (die mutmaßlich auf Nachfragen bei Paydirekt beruhen) sowie um Geschäftsberichte von Banken, die bei Paydirekt mitmachen.
  • Insgesamt kamen auf diese Weise 15 Datenpunkte für den Zeitraum von April 2016 bis Juni 2018 zusammen.
  • Wir haben die Daten einzelnen Monaten zugeordnet. Hierbei ließen sich kleinere Ungenauigkeiten nicht vermeiden. Ein Beispiel: Es ist davon auszugehen, dass Paydirekt schon im September 2017 bei 1,3 Millionen Kunden war, auch wenn sich erst für Oktober eine entsprechende Veröffentlichung findet.
  • Die Monate ohne Datenpunkt haben wir für die Grafik durch Annahmen ergänzt. Dabei haben wir einfach ein lineares Wachstum zwischen jenen Monaten unterstellt, zu denen es Datenpunkte gibt
  • Aus Gründen der Anschaulichkeit haben wir uns in der Grafik auf den Zeitraum von Juni 2017 bis Juni 2018 beschränkt. Hier der Vollständigkeit halber sämtliche Werte:
2016 April 250.000
2016 Mai
2016 Juni 500.000
2016 Juli
2016 August 600.000
2016 September
2016 Oktober 750.000
2016 November 800.000
2016 Dezember 850.000
2017 Januar
2017 Februar 900.000
2017 März
2017 April 1.000.000
2017 Mai 1.000.000
2017 Juni
2017 Juli 1.200.000
2017 August
2017 September
2017 Oktober 1.300.000
2017 November 1.500.000
2017 Dezember 1.700.000
2018 Januar
2018 Februar
2018  März
2018 April 1.800.000
2018 Mai
2018 Juni 1.900.000

Wie die Deutsche Bank die Analysten überraschte

Die Deutsche Bank hat die Börse mit ihren vorläufigen Q2-Zahlen positiv überrascht – im Tagesverlauf steig die Aktie um bis zu 9%. Hier der Vergleich zwischen den offiziellen Zahlen und den am 11. Juli veröffentlichten Konsens-Schätzungen der Analysten:

Q2 (vorl.) Analysten
Erträge 6,6 Mrd. € 6,4 Mrd. €
Zinsunabhängige Aufwendungen 5,8 Mrd. € 6,0 Mrd. €
Gewinn vor Steuern 700 Mio. € 321 Mio. €
Gewinn nach Steuern 400 Mio. € 159 Mio. €
Harte EK-Quote 13,6 Prozent 13,3 Prozent
Leverage Ratio 3,9 Prozent 3,7 Prozent
Erträge CIB (Investmentbank) 3,5 Mrd. € 3,4 Mrd. €

Die Ad-hoc-Meldung der Deutschen Bank zu den Q2-Zahlen

Die Deutsche Bank erwartet für das zweite Quartal 2018 einen Gewinn vor Steuern von etwa 700 Millionen Euro und einen Gewinn nach Steuern von etwa 400 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr rechnet die Bank mit einem Gewinn vor Steuern von rund 1,15 Milliarden Euro. Das Management sieht in diesen Ergebnissen einen Beleg für die Stabilität des Geschäfts der Deutschen Bank.

Die Ergebnisse liegen erheblich über dem Konsens der Analystenschätzungen, der von der Bank zusammengestellt und am 11. Juli 2018 veröffentlicht wurde. Aus diesem Grund veröffentlicht die Bank entsprechend der Vorgaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Ad-hoc-Mitteilung. Im Durchschnitt lagen die Schätzungen der Analysten für den Gewinn vor Steuern zuletzt bei 321 Millionen Euro und für den Gewinn nach Steuern bei 159 Millionen Euro.

Für das zweite Quartal 2018 rechnet die Deutsche Bank mit Konzernerträgen von etwa 6,6 Milliarden Euro im Vergleich zu einer Konsensschätzung von 6,4 Milliarden Euro. Darin enthalten sind Erträge der Unternehmens- und Investmentbank (CIB) von rund 3,5 Milliarden Euro. Davon gehen rund 100 Millionen Euro zurück auf den Verkauf eines Vermögenswertes sowie auf positive Effekte aus forderungsbezogenen Bewertungsanpassungen (Debt Valuation Adjustments – DVA). Verglichen mit dem Vorjahresquartal ist zu erwarten, dass die Erträge im Bereich Sales & Trading um etwa 15 Prozent geringer und die Erträge im Bereich Origination & Advisory um 2 Prozent höher ausfielen.

Die Deutsche Bank rechnet auf Konzernebene für das zweite Quartal mit zinsunabhängigen Aufwendungen von etwa 5,8 Milliarden Euro gegenüber einer Konsensschätzung von 6,0 Milliarden Euro. In den zinsunabhängigen Aufwendungen sind voraussichtlich Restrukturierungskosten und Abfindungen von etwa 0,2 Milliarden Euro enthalten sowie eine kleine Auflösung von Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Der Konzern hat im zweiten Quartal bei seiner Restrukturierung schnell Fortschritte erzielt. Die Anzahl der Vollzeitstellen ist um etwa 1.700 auf rund 95.400 gesunken.

Die vorläufig erwarteten Kapitalquoten zum 30. Juni 2018 liegen ebenfalls über dem Konsens der Analystenschätzungen. Die harte Kernkapitalquote (CET 1) betrug den bisherigen Berechnungen zufolge etwa 13,6 Prozent gegenüber einer Konsensschätzung von 13,3 Prozent. Die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) bei Vollumsetzung der CRR/CRD4-Regulierung lag voraussichtlich bei rund 3,9 Prozent gegenüber einer Konsensschätzung von 3,7 Prozent. Alle Zahlen für das zweite Quartal 2018 sind vorläufig. Die Deutsche Bank wird ihre vollständigen Ergebnisse wie geplant am 25. Juli 2018 veröffentlichen.

Check24 bietet 100 Euro pro Sparer

Von Heinz-Roger Dohms

An der neuen Einlagenplattform „Anlagecheck“ von Check24 ist nicht nur interessant, dass die dahinter stehende Plattform teilweise vom Hamburger Konkurrenten Deposit Solutions („Zinspilot“) kommt, wie wir in unserer gestrigen Ausgabe beschrieben haben. Sondern bemerkenswert ist auch, wie offensiv (um nicht zu sagen: aggressiv) die Münchner wieder mal bei der Kundengewinnung auftreteten.

So stieß „Finanz-Szene.de“ im Zuge der Recherchen auf eine Offerte, die sich offenbar an Affiliate-Partner (sprich: an spezielle Online-Vermarkter) richet. Demnach bietet das Vergleichsportal „für alle Angebote des Check24 Anlageservice“ eine CPO (also quasi eine Prämie) in Höhe von 100 Euro. Nun zahlen manche Banken zwar ähnliche Willkommensboni. Dabei geht es allerdings um Girokonten, nicht um Tages- oder Festgeld …

Die Ratio hinter dem Check24-Angebot bestehe darin, „dass der Kunde, der einmal auf der Einlagenplattform ist, dort auch bleibt“, sagt der Online-Experte Stefan Swertz von Adisfaction. Trotzdem: Der Konkurrent Weltsparen bietet ausweislich einer „Finanz-Szene.de“ vorliegenden Liste deutlich weniger als Check24, nämlich nur 45 Euro

Exklusiv: Deposit Solutions macht gemeinsame Sache mit Check24

Commerzbank spart eine ihrer beiden Vorstandsetagen ein

Von Heinz-Roger Dohms

Der Commerzbank-Tower ist 259 Meter hoch, hat 56 Stockwerke, und im 47. und 48. Stockwerk sind die Vorstände untergebracht. So steht’s bei Wikipedia. Und so ist’s falsch. Denn wie „Finanz-Szene.de“ dieser Tage in Erfahrung gebracht hat, hat sich die Commerzbank-Führung eine Art Selbstzusammenpferchung verordnet und residiert seit Kurzem nur noch auf einer Etage.

Wieso? Da sind wir uns nicht zu 100% sicher. Vermutlich hat es aber mit dem internen Umbauprogramm „Campus 2.0“ und damit zu tun, dass der Vorstand  irgendwie mit gutem Beispiel vorangehen will. Kurz gesagt, handelt „Campus 2.0“ vom  Wandel zur agilen Organisation, also das, was die ING Diba weitgehend hinter sich hat und die Deutsche Bank auch plant. Bei der Coba lautet das Ziel, ausweislich einer internen Rundmail: „Alle Mitarbeiter, die an einem Produkt oder Service beteiligt sind, sollen fachübergreifend in einem Team zusammenarbeiten.“ Und in einem weiteren Rundschreiben (von vorigen Freitag) steht, dass nun erst einmal 15 Key Areas und 53 Cluster gebildet würden, was immer das heißt.

Offen ist übrigens noch, was der Betriebsrat macht. Denn: Manche Mitarbeiter fühlen sich ja in einer nicht-agilen Organisation ganz wohl.

Mehr zur Commerzbank:

http://finanz-szene.de/exklusiv-die-commerzbank-hat-fuer-ihre-digitalbank-sogar-schon-eine-gmbh-gegruendet/

http://finanz-szene.de/projektname-copernicus-wie-konkret-sind-die-coba-plaene-fuer-eine-europaeische-digitalbank/

http://finanz-szene.de/exklusiv-commerzbank-beerdigt-plaene-fuer-einen-eigenen-robo-advisor/

 

Deposit Solutions macht gemeinsame Sache mit Check24

Von Heinz-Roger Dohms

Eines der größten deutschen Fintechs, nämlich der Einlagen-Vermittler Deposit Solutions („Zinspilot“), macht nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ gemeinsame Sache mit dem Vergleichsriesen Check24 – und das offenbar schon seit Monaten. Zwar will auf Anfrage keines der beiden Unternehmen die Zusammenarbeit bestätigen („Das kommentieren wir nicht“, heißt es jeweils). Allerdings ist für Szenekenner offensichtlich, dass die „Anlageservice“ genannte neue Einlagenplattform von Check24 zumindest teilweise auf einer Integration des entsprechenden Deposit-Solutions-Tools beruht.

So finden sich viele der Hochzins-Banken, die bei Zinspilot (also dem B2C-Angebot von Deposit Solutions) gelistet sind, auch bei Check24. Beispiele? Die HSH Nordbank, die französische Oney, die rumänische Alphabank, die lettische JSC Rietumu Bank und so weiter und so fort. „Das geht schon seit längerem so“, sagt ein Brancheninsider.

Der Pakt ist  insofern bemerkenswert, als Check24-Geschäftsführer Christoph Röttele vor einem Jahr in einem „Capital“-Interview eine Art Generalangriff auf die deutsche Fintech-Branche verkündet hatte. Damals ging es neben einem Multibanking-Tool namens „Kontoblick“ (gerichtet gegen Finanz-Startups wie Numbrs) und einem digitalen Versicherungsordner (gerichtet gegen neuartige Online-Makler wie Clark) eben auch um den „Anlageservice“.

Dieser ist mittlerweile live und funktioniert offenbar sehr ähnlich wie die Fintech-Einlagen-Vermittler Weltsparen (gehört zum Berliner Startup Raisin) und Zinspilot. Das heißt: Anders als im klassischen Zinsvergleich üblich, muss der Kunde bei einem Wechsel von einem Angebot zum nächsten kein neues Konto mehr eröffnen. Stattdessen kann er seine Ersparnisse über den „Anlageservice“ quasi wie ein Liquiditätsmanager hin- und herschieben.

Der Fall zeigt, dass Check24 bei seiner Attacke auf die Fintechs vor strategischen Bündnissen mit einzelnen Startups nicht zurückschreckt. Dabei fällt auf, dass sich im „Anlageservice“ des Münchner Internetkonzerns zumindest eine Banken findet, die bei Zinspilot fehlen. Nämlich die Liechtensteiner Union Bank. Das könnte darauf hindeuten, dass Check24 die White-Label-Lösung von Deposit Solutions nicht 1:1 übernommen hat, sondern das Tool womöglich in eine eigene Plattform integriert hat oder integrieren will.

Was in diesem Kontext spannend ist: Beim Baufinanzierungs-Vergleich setzte Check24 jahrelang auf eine Kooperation mit Interhyp, ersetzte deren Tool aber schließlich durch eine eigene Lösung. Es ist zumindest denkbar, dass die Münchner eine ähnliche Strategie jetzt beim „Anlageservice“ verfolgen. In diesem Fall wäre die Kooperation mit Deposit Solutions womöglich nur vorübergehend angelegt.

Aus Sicht der Hanseaten muss man hierin freilich noch keine strategische Falle sehen. Siehe wiederum das Beispiel Interhyp: Die ING-Groep-Tochter hat in der Baugeldvermittlung eine derart starke Marktposition, dass sie die (neue) Konkurrenz durch Check24 vermutlich verkraften kann. Eine ähnliche Position strebt Deposit Solutions im Einlagenmarkt an. Hinzu kommt: Die Hamburger sehen sich ja ohnehin eher als B2B- denn als B2C-Anbieter und kooperieren ja auch mit einer Reihe von klassischen Banken, darunter die Deutsche Bank.

Brüsseler Alchemie: Warum sich die Refikosten von Banken nicht künstlich senken lassen

Ein Gastbeitrag von Stefan Best*

Kann man durch die Veränderung der Kapitalstruktur die Kapitalkosten senken und somit den Unternehmenswert steigern? Diese Frage beschäftigt Praktiker und Theoretiker seit Langem. Die Antwort der Theoretiker ist seit den Arbeiten von Modigliani und Miller klar: Eine Veränderung der Kapitalstruktur schafft keinen zusätzlichen Wert. Die Praktiker kümmert dies nicht, denn immer wieder versuchen Finanzmarktakteure, ähnlich wie in der Alchemie, quasi aus dem Nichts Gewinne zu generieren. Auf den ersten Blick scheint dies sogar oftmals zu gelingen. Tatsächlich handelt es sich aber lediglich um eine Umverteilung von Werten bei der es, wie in einem Nullsummenspiel üblich, Gewinner und Verlierer gibt.

Politiker scheint dies jedoch nicht zu interessieren. So präsentierte die Europäische Kommission in jüngster Zeit gleich zwei Gesetzesvorschläge, die darauf abzielen, die Kapitalstruktur von Banken zu verändern. Und in beiden Fällen wurden die Vorschläge unter anderem mit einer Reduzierung der Refinanzierungskosten begründet.

Fall 1: Eine neue Klasse von Fremdkapital zur Herstellung der Abwicklungsfähigkeit

Im ersten Fall ging es um die Frage, mit welchen Kapitalinstrumenten Banken die – für eine Bankenabwicklung im Krisenfall notwendigen – Mindestanforderungen an Eigenmitteln und berücksichtigungsfähigen Verbindlichkeiten (MREL) finanzieren sollen. Diese Anforderungen zu MREL sind notwendig, damit im Abwicklungsfall eine ausreichende Höhe an Eigen- und Fremdkapital zur Verlustabsorption und Rekapitalisierung der Bank zur Verfügung steht, ohne dass öffentliche Mittel herangezogen werden müssen, um größeren Schaden für das Gemeinwesen abzuwenden.

Statt aber, wie es naheliegend gewesen wäre, den Banken vorzuschreiben, die MREL-Anforderungen ausschließlich mit Eigenmitteln – also Eigenkapital und nachrangigem Fremdkapital – zu erfüllen, wurde die Einführung einer neuen Klasse von Verbindlichkeiten beschlossen. Diese neuen sogenannten „nicht bevorrechtigten, vorrangige Schuldtitel“ dienen quasi als Puffer zwischen Nachranganleihen und den klassischen bevorrechtigten Verbindlichkeiten. Im Falle einer Bankenabwicklung würden also, da Eigenmittel im Regelfall nicht ausreichen, zunächst diese neuen nicht bevorrechtigten Fremdkapitaltitel abgeschrieben oder in Eigenkapital gewandelt („Bail-In“), bevor sonstige Verbindlichkeiten herangezogen würden.

Die Kommission begründete ihre Richtlinie offiziell wie folgt: Die Begebung von für Investoren risikoreicheren und somit aus Sicht der Banken teureren Schuldtiteln lasse sich durch die neue Anleiheklasse auf den zur Erfüllung der MREL notwendigen Betrag begrenzen. Gleichzeitig könne hingegen das risikoärmere und somit für Banken billigere Fremdkapital vorwiegend zur Finanzierung der Geschäftstätigkeit genutzt werden könne. Tatsächlich ist jedoch zu vermuten, dass mit der Einführung der neuen Titel die Umgehungsmöglichkeiten eines „Bail-In“ für klassische Verbindlichkeiten aufrechterhalten werden sollen.

Fall 2: Förderung von Covered Bonds durch harmonisierte Mindestanforderungen

Im zweiten, noch nicht beschlossenen Fall geht es um die Etablierung von EU-weiten Mindeststandards für Covered Bonds (Gedeckte Schuldverschreibungen), zu denen auch Pfandbriefe gehören. Die „Covered Bond Initiative“ ist eine von zwölf Maßnahmen zur Schaffung der sogenannten Kapitalmarktunion.

Charakteristisch für Covered Bonds ist, dass sie Investoren neben dem Anspruch gegenüber dem Schuldner einen vorrangigen Anspruch auf die Deckungswerte einräumen, mit denen die Covered Bonds besichert sind. Covered Bonds, obwohl sie bislang in der EU nicht umfassend definiert sind, werden seit vielen Jahren regulatorisch privilegiert, da sie aus Investorensicht als risikoarme Anleihen gelten. Entsprechend ist die Begebung von Covered Bonds für Banken kostengünstiger als die Begebung unbesicherter Anleihen.

Durch die Maßnahmen zur Förderung von Covered Bonds erhofft sich die Kommission, dass Banken aufgrund niedrigerer Finanzierungskosten besser in der Lage sein werden, die Realwirtschaft zu günstigeren Konditionen zu finanzieren. Zudem glaubt sie, dass durch die Verbreitung von Covered Bonds als sicherem Refinanzierungsinstrument für Banken ein positiver Beitrag zur allgemeinen Finanzmarktstabilität und Kreditversorgung geleistet werden kann. Dies wird damit begründet, dass Covered Bonds in der jüngsten Finanzmarktkrise sich als im Vergleich zu nicht besicherten Instrumenten stabil erwiesen hätten. Da die bislang am Markt üblichen Covered Bonds jedoch nur zur Finanzierung, insbesondere von Immobilien und des öffentlichen Sektors zugelassen sind, prüft die Kommission, ob zu einem späteren Zeitpunkt mit einer weiteren Initiative auch die besicherte Finanzierung von Unternehmen und Infrastrukturprojekten durch die Begebung sogenannter European Secured Notes zugelassen werden soll.

Was ist nun von den Argumenten beider Vorschläge zu halten? Zunächst einmal ist es nicht nur unmittelbar einleuchtend, sondern auch am Markt beobachtbar, dass besicherte Instrumente niedriger verzinst werden als unbesichertes Fremdkapital. Ebenso gilt, dass bei einer Abwicklung vorrangiges Fremdkapital geringer verzinslich ist als nachrangige Instrumente. Der Verzinsungsanspruch der Gläubiger, also die erwartete Risikoprämie, richtet sich nach der Besicherung und dem Rang bei Abwicklung bzw. Insolvenz. Ist es daher aus Sicht der Banken nicht naheliegend den Vorschlägen der Kommission zu folgen und einen möglichst hohen Anteil an besicherten Instrumenten und „nicht bevorrechtigten, vorrangigen Schuldtiteln“ zu begeben, um so die Refinanzierungskosten zu minimieren? Könnte man vielleicht durch geschickte Kapitalstrukturpolitik in anderen Branchen ähnliche Vorteile erzielen?

Zur Beantwortung dieser Frage ist es hilfreich, sich in Erinnerung zu rufen, dass die Höhe der gesamten Fremdkapitalkosten letztlich abhängt vom Risiko der Aktiva und vom Anteil der Eigenmittel an der Bilanzsumme. Diese Faktoren bestimmen maßgeblich die Ausfallwahrscheinlichkeit des Schuldners und die Verlustquote bei einem Ausfall für die Gläubiger. Die Zusammensetzung des Fremdkapitals spielt hierbei jedoch keine Rolle. Sie bestimmt lediglich, wie Verluste sich auf die Bestandteile des Fremdkapitals verteilen.

Erhöht eine Bank die Eigenmittel durch Begebung teurerer Nachranganleihen zur Erfüllung der MREL, dann sinkt das Risiko und somit der Verzinsungsanspruch für vorrangige Gläubiger gleichermaßen. Die Einführung einer neuen Klasse von Verbindlichkeiten erscheint daher überflüssig und führt zu einer unnötigen Erhöhung der Komplexität auf dem Kapitalmarkt.

Erhöht eine Bank den Anteil an billigerer besicherter Refinanzierung (z.B. Covered Bonds), werden informierte unbesicherte Gläubiger unweigerlich eine höhere Verzinsung als Ausgleich für das erhöhte Risiko fordern. Dies gilt umso mehr, als die für Covered Bonds zugelassenen Deckungswerte im Vergleich zu den restlichen Aktiva des Emittenten eine überdurchschnittliche Qualität aufweisen.

Auch die Behauptung, dass eine Förderung der Begebung von Covered Bonds zu mehr Stabilität beitrage, ist wenig überzeugend. Je höher der Anteil der von einer Bank begebenen Covered Bonds, desto höher ist folglich der Anteil ihrer verpfändeten Aktiva. Dieser Zusammenhang, der auch als Asset Encumbrance bezeichnet wird, gilt natürlich für jede Form der besicherten Refinanzierung. Ein hohes Maß an Asset Encumbrance kann die Flexibilität der Refinanzierung und somit die Bonität einer Bank stark einschränken. Zentralbanken dürfen nicht insolvenzbedrohten Banken Liquidität nur gegen qualitativ hochwertige Sicherheiten zentralbankfähige Sicherheiten zur Verfügung stellen. Daher kann es geradezu krisenverschärfend wirken, wenn Banken sich in normalen Marktphasen in zu starkem Maße auf besicherte Finanzierungsformen stützen.

Die Harmonisierung der Mindeststandards und die damit verbundene umfassendere Definition dieser regulatorisch privilegierten Instrumente ist sicherlich überfällig. Dabei haben EU-Institutionen aufgrund der Finanzkrise möglicherweise bewusst auf eine Anhebung der Standards verzichtet und so, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, neue Risiken zugelassen. Ein Beispiel hierfür ist der Ankauf von Covered Bonds durch die EZB. Die Argumente zur Förderung von Covered Bonds oder zur bereits beschlossenen Einführung „nicht bevorrechtigter, vorrangiger Schuldtitel“ erscheinen jedoch fragwürdig.

*Stefan Best, Diplom-Volkswirt, war Managing Director, Financial Institutions, bei der Ratingagentur Standard & Poor´s und ist Dozent an der Wiesbaden Business School, Hochschule RheinMain University of Applied Sciences.

Commerzbank beerdigt Pläne für eigenen Robo-Advisor

Von Heinz-Roger Dohms

Die Commerzbank begräbt ihre Pläne für eine eigenständige digitale Vermögensverwaltung – und vermittelt ihre Kunden stattdessen seit Kurzem an den „Cominvest“ genannten Robo-Advisor der Tochter Comdirect. Das geht aus einem Blog-Eintrag hervor, den die Coba vor wenigen Tagen auf ihre Internet-Seite gestellt hat. („Finanz-Szene.de“ hat das Procedere einmal durchgespielt: Es ist wirklich so, dass die Commerzbank das Angebot nicht vollintegriert hat, sondern einfach nur auf die Tochter verlinkt).

Das stille Aus für den Coba-Robo kommt überraschend. Schließlich galt der eigene Anlage-Roboter als wichtiger Baustein der im September 2016 verkündeten „Commerzbank 4.0“-Strategie (hier der Link zur damaligen PM). Im August 2017 legte ein hochrangiger Gelbbank-Manager dann in einem Interview mit der „BÖZ“ noch einmal nach: „Wir werden ein digitales Asset-Management nicht nur rein quantitativ aufbauen“, hieß es damals. Mit anderen Worten: Der eigene Robo sollte nicht nur auf Algorithmen basieren, sondern eine menschliche Beratungskomponente beinhalten und sich damit explizit vom Comdirect-Robo abheben.

Dagegen heißt es jetzt plötzlich: „Natürlich haben wir über verschiedene Lösungen nachgedacht, aber uns hat die Strategie von Cominvest überzeugt.“ Daraus lässt sich erstens das Eingeständnis ablesen, dass die Commerzbank den Glauben an die lange Zeit favorisierte Lösung eines „Robos mit menschlichen Antlitz“ offensichtlich verloren hat. Und zweitens: Strategisch schwenkt die Gelbbank statt auf das „Modell Deutsche Bank“ (die mit Robin einen eigenen Robo gebaut hat) jetzt quasi auf das „Modell ING Diba“ ein. Einziger Unterschied: Die ING vermittelt ihre Kunden an Scalable Capital und damit an einen unabhängigen digitalen Vermögensverwalter, die Commerzbank hingegen setzt auf den Roboter der eigenen Tochter.

Hier die zentralen Aussagen von Commerzbank-Projektleiter Jörg Schneider im hauseigenen Blog (Aussagen, die den Comdirekt-Bankern in Quickborn natürlich runtergehen werden wie Öl …):

  • Wir haben mit der Comdirect eine Konzerntochter mit großem digitalen Know-how und langer Erfahrung bei automatisierten Geldanlage. „cominvest“ ist die digitale Weiterentwicklung. Sie wurde im Mai 2017 erfolgreich eingeführt und wächst seitdem stark. Natürlich haben wir über verschiedene Lösungen nachgedacht, aber uns hat die Strategie von „Cominvest“ überzeugt. Daher haben wir mit der Comdirect über eine Kooperation gesprochen, um unseren Kunden den Zugang zu einer hervorragenden Dienstleistung anzubieten. Gleichzeitig heben wir damit auch im eigenen Konzern digitale Synergieeffekte. Das gehört schließlich zu den Zielen der Strategie „Commerzbank 4.0“.
  • „[Die digitale Vermögensverwaltung] wendet sich an onlineaffine Anlagekunden, also diejenigen, die sich online zu Geldanlagen informieren, über ein Onlinedepot verfügen und ihre Wertpapiergeschäfte online abwickeln. Diese Kunden sind offen für digitale Anlageangebote und auch bereit, einmal etwas Neues auszuprobieren.“

Projektname „Copernicus“: Wie konkret sind die Coba-Pläne für eine europäische Digitalbank?

Von Heinz-Roger Dohms

Es war ein hübscher kleiner Scoop, der aber so ein bisschen unterging: Die  Commerzbank denke über die Gründung eine europaweiten Digitalbank nach, war im März in der „Wirtschaftswoche“ zu lesen. Unklar blieb: Sind die Pläne wirklich konkret? Eine Antwort auf diese Frage findet sich nun (sofern“Google Translate“ keinen Mist erzählt) in einem offenbar seriös recherchierten Artikel der polnischen Wirtschaftszeitung „Puls Biznesu“. Sie lautet: Die Pläne sind erstaunlich konkret! Denn dem Bericht zufolge arbeiten bei der hippen Warschauer Coba-Tochter mBank Dutzende Leute an dem „Copernicus“ genannten Projekt. Wie es weiter heißt, liegt die Verantwortung für die Initiative direkt bei mBank-CEO Cezary Stypulkowski – Beleg für eine hohe Priorität. Und: Parallel sei auch in Frankfurt eine größere Truppe mit „Copernicus“ beschäftigt.

Im Umfeld der Coba heißt es zwar, bislang sei keine Entscheidung gefallen, wirklich mit einer neuen Direktbank auf europaweite Expansionstour zu gehen. Indes: Die Pläne würden in jedem Fall gut in die Zeit passen, schließlich gibt es da draußen auch schon ein paar ähnlich gelagerte Versuche: ->Erste Group/My George, –>Goldman Sachs/Marcus, ->Alior/Solarisbank. Hier weitere Details aus dem „Puls Biznesu“-Artikel:

  • Die Idee soll in Warschau entstanden sein, sei in Frankfurt aber rasch auf großes Interesse gestoßen
  • Tatsächlich ist es offenbar die mBank, die das Projekt technologisch und inhaltlich vorantreibt. Als Beleg für die digitale Schlagkraft des Instituts wird angeführt, dass die mBank schon jetzt grenzüberschreitendes Lizenzgeschäft mit selbst entwickelten Retailbanking-Lösungen betreibe. Einer der Kunden: die französische Banque Postale
  • Spätestens wenn es ernst würde, bräuchte die polnische Tochter allerdings die Unterstützung der deutschen Mutter, nicht nur wegen der benötigten Kapitals, sondern auch in regulatorischer und politischer Hinsicht
  • Der Artikel spekuliert auch darüber, wo die letzten Endes europaweit tätige „mBank powered by Commerzbank“ zuerst livegehen könnte. Das wäre dann vermutlich (so heißt es jedenfalls) Deutschland, womöglich gefolgt von Österreich, Frankreich und Benelux
  • Was könnte die Commerzbank veranlassen, das Projekt letztlich doch zu stoppen? Auch dieser Frage geht der Bericht nach. Ein Punkt: Die neue Bank würde frühestens nach fünf Jahren Gewinn abwerfen. Nicht die sicherste Perspektive

Die Commerzbank hat für ihre Digitalbank sogar schon eine GmbH gegründet …

Von Heinz-Roger Dohms

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen – dieses Motto gilt dieser Tage  bei der Commerzbank in Bezug auf ihr digitales Geheimprojekt „Copernicus“ (an dem die Coba zurzeit gemeinsam mit der polnischen Tochter mBank tüftelt, siehe unsere gestrige Ausgabe). Selbst Gelbbanker, die sonst zu fast allen Themen was zu sagen haben, winken diesmal ab: „Ich weiß nichts.“ Handelt es sich bei den Plänen zum Aufbau einer paneuropäischen Digitalbank am Ende vielleicht um ein Hirngespinst unbekannter polnischer Wirtschaftszeitungen bzw. halbseidener deutscher Finanz-Newsletter?

Wir würden weiterhin behaupten: Nein!  Denn ein Blick ins Handelsregister verrät, dass die Commerzbank sogar schon eine „Copernicus Germany GmbH“ gegründet hat. Natürlich heißt das nicht, dass das Projekt am Ende wirklich umgesetzt wird. Aber immerhin – es zeigt, wie konkret die Pläne sind, zumal die Details des Registereintrags eindeutig sind: Gegenstand der GmbH ist die „Vorbereitung der Gesellschaft auf die künftige Erbringung von Bankgeschäften, Finanzdienstleistungen und sonstigen Dienstleistungen.“ Und weiter heißt es: „Bis zur Erteilung einer Erlaubnis nach § 32 KWG durch die [Bafin] wird die Gesellschaft keine erlaubnispflichtigen Bankgeschäfte und Finanzdienstleistungen i.S. von § 1 Abs. 1 und Abs. 1a) KWG […] erbringen.“

Vielleicht auch noch interessant: Zwei Geschäftsführer und drei Prokuristen hat die Firma. Und zwar nicht irgendwelche Strohleute. Sondern eine kleine Auslese führender Coba- und mBank-Digitalbanker. Im Einzelnen:

  • Christoph Beeck: Laut seines Linkedin-Profils Absolvent der Frankfurt School und Coba-Eigengewächs. Als „Bereichsleiter GM-DS CEE Head Office“ (das CEE steht für Zentral- und Osteuropa, den Rest sparen wir uns) koordiniert der  41-Jährige die Konzernaktivitäten der Commerzbank in Bezug auf Mittel- und Osteuropa.
  • Jakub Fast: Leitet laut der polnischen Wirtschaftszeitung „Puls Biznesu“ die „Copernicus“-Arbeitsgruppe in Warschau. Gemäß mBank-Organigramm amtiert der 38-Jährige als „Managing Director for
    Retail Banking Products and Clients“.
  • Patrick Guette: Wie Beeck einer der Osteuropa-Leute der Coba. Sein Linkedin-Profil weist den 33-Jährigen als „Strategist @ Projekt Manager CEE Head Office“ aus. Fokus: Digitale und innovative Kooperationen zwischen der mBank und der Commerzbank.
  • Felix Kremer: Ausweislich seines Linkedin-Profils stellvertretender Direktor der „Corporate Governance“-Abteilung der mBank. 37 Jahre.
  • Sebastian Mazurkiewicz: Laut seines Xing-Profils seit knapp vier Jahren als Project-Manager im Business Development der Commerzbank aktiv. Mit 32 Jahren das jüngste Mitglied des „Copernicus Germany GmbH“-Quintetts.

Deutsche Banken (und Fintechs) fordern drastische Vereinfachung der KYC-Regeln

Von Heinz-Roger Dohms

Die deutsche Kreditwirtschaft verlangt eine deutliche Vereinfachung der Know-Your-Customer-Regeln. Das geht aus einem Positionspapier des Bankenverbands hervor, das „Finanz-Szene.de“ exklusiv vorliegt. Hintergrund: Die immer detaillierteren Geldwäschegesetze (nächste Woche tritt bereits die 5. Fassung der entsprechenden EU-Richtlinie in Kraft …) machen es für die Banken teuer, die KYC-Daten ihrer Kunden zu erheben. Hinzu kommt, dass die Regeln von Land zu Land abweichen, was eine Wiederverwertung der Daten (zum Beispiel wenn ein französischer Student in Deutschland ein Konto eröffnen will) erschwert. Der „Digital Banking“-Ausschuss des BdB fordert daher, die KYC-Prozesse europaweit zu vereinheitlichen – wozu auch gehöre, dass überall die gleichen Identifikationsmerkmale gelten sollen. „Dadurch ließen sich die Kosten deutlich senken, zudem würde den Verbrauchern viel Aufwand erspart“, sagte BdB-Geschäftsführer Andreas Krautscheid gegenüber „Finanz-Szene.de“. Auch auf Identifikation spezialisierte Fintechs wie ID Now stehen hinter die Forderungen. Motiv: Bei einer Standardisierung der Prozesse winkt ihnen neues Geschäft – auch grenzüberschreitend.

Hier die wesentlichen Forderungen aus dem Positionspapier in Detail:

  • Private Banken und Fintechs fordern, dass die zu erhebenden KYC-Daten EU-weit abschließend und im Hinblick auf alle Produkte einheitlich festgelegt werden.
  • Jeder in der EU ansässigen natürlichen Person sollte ein eindeutiges Identifikationsmerkmal (z. B. Identifikationsnummer oder ein Zertifikat) zugeordnet werden. Dieses EU-Identifikationsmerkmal sollte alle bisherigen Identifikationsnummern (Nationalnummer in Belgien, Steueridentifikationsnummer in Deutschland, Nummern auf Reisepässen und Personalausweisen etc.) ersetzen.
  • In einem Mitgliedstaat zugelassene Verifizierungsverfahren müssen, entsprechend dem Meistbegünstigungsprinzip, automatisch EU-weit zugelassen sein.
  • Die Kommission sollte eine Liste der in den Mitgliedstaaten zugelassenen Verifizierungsverfahren inklusive der danach jeweils nötigen Verfahrensanforderungen öffentlich führen und pflegen, um die Nutzung des Meistbegünstigungsprinzips bei der Zulassung von Verifizierungsverfahren für die Praxis zu ermöglichen.
  • Hilfreich wäre zugleich, nicht nur die europäischen Reisepässe zu vereinheitlichen, sondern auch die Personalausweise und die Führerscheine. Dies müsste auch die Sicherheitsmerkmale miteinschließen und ihre Ausstattung mit dem geforderten analog- und maschinenlesbaren EU-Identifikationsmerkmal.
  • Erst-Verifizierungen, die nach den Maßstäben des EU-Rechts durchgeführt wurden, sollten EU-weit für weitere Verifizierungen an anderen Stellen wiederverwendet werden können. Hierbei hätte die erst-verifizierende Stelle die Aufgabe, die Daten richtig zu erfassen und zu übermitteln.
  • Die Übernahme einer Erst-Verifizierung – anstelle der Forderung nach einer neuen Verifizierung an den Kunden – sollte eine risikobasierte Entscheidung des KYC-Verpflichteten sein, sodass dieser – etwa im Hinblick auf das Alter der Erst-Verifizierung – risikobasiert zwischen Wiederverwendung und erneuter Verifizierung wählen kann. An der Aufteilung der Verantwortung für die KYC-Prüfung würde sich also nichts ändern. Auch heute hat eine Bank, die eine neue Geschäftsbeziehung begründet, die alleinige Verantwortung für die Durchführung des KYC-Prozesses. Dies gilt selbst dann, wenn ein per se oder vertraglich zuverlässiger Dritter in den KYC-Prozess eingeschaltet ist.

Große Analyse: Sind Deutschlands Banker zukunftsblind?

Von Heinz-Roger Dohms

Eigentlich eine Unverschämtheit: Da malen Heerscharen von Fintech-Jüngern, Gafa-Predigern, Digital Na(t)ives, Mega-Influencern, Edel-Consultants und Sonst-nix-zu-tun-Bloggern (zur letzten Kategorie zählen ja bekanntlich auch wir selbst) Tag für Tag den Untergang der klassischen Banken an die Wand …

Doch was machen die klassischen Banken? Weigern sich unterzugehen. Und nicht nur das: Wie aus dem jüngsten „E&Y Bankenbarometer Deutschland“ hervorgeht (siehe „Finanz-Szene.de“ vom vorvergangenen Freitag), besitzt die angestammte Kreditwirtschaft auch noch die Chuzpe, ihre eigene Lage eher rosarot als schwarz zu malen.  Das operative Geschäft laufe „positiv“ bis „sehr positiv, geben 97% der 120 befragten Banker und Sparkässler zu Protokoll. Und 92 % sagen, speziell im Retailgeschäft seien die Aussichten „gut“ oder wenigstens „eher gut“.

Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Sind die Szenarien der selbsternannten „Ahead of the curve“-Menschen einfach nur maßlos überzeichnet? Oder leugnen die Banken und Sparkassen  die Realität? Und, ganz konkret: Warum geben sich die Banker eigentlich so zufrieden?

Zehn mögliche Erklärungen:

1.) Der Super-GAU kommt wohl doch nicht

Während die „Ahead of the curve“-Menschen die disruptiven Folgen der Digitalisierung beschwören, beschäftigte viele Normalbanker (sprich: die Vorstände von Sparkassen und Volksbanken) zuletzt ein ganz anderes Drohszenario – nämlich ein abrupter Zinsanstieg, der die Refikosten rasch steigen ließe und mutmaßlich verheerende Folgen für die GuV hätte. „Sämtliche Parameter sprechen allerdings gegenwärtig dafür, dass die Zinswende noch auf sich warten lässt und dann auch nur sehr langsam kommen wird“, sagt ein Manager aus einem der beiden großen Verbünde. „Das ist ein ganz wesentlicher Grund dafür, dass viele Banker momentan mit dem Status quo relativ gut leben können.“

2.) Mit dem Null-Zins lässt es sich leben

Apropos Zinsen: Gemessen an den Szenarien, die vor einigen Jahren gezeichnet wurden, kommen viele Banken mit den anhaltend niedrigen Zinsen erstaunlich gut zurecht. Wie aus den Monatsberichten der Bundesbank hervorgeht, konnte die deutsche Kreditwirtschaft den Zinsüberschuss bis 2015 steigern (siehe Seite 66), bevor er 2016 erstmals leicht sank (siehe Seite 54). 2017 ging das Zinsergebnis  zwar weiter zurück, allerdings immer noch nicht wirklich dramatisch. Bei den Sparkassen lag das Minus bei 3,0%, bei den Genobanken waren es 1,6%.

3.) Die Zahlen sind eigentlich immer noch ganz gut

Darüber hinaus ist es vielen deutschen Retailbanken – wiederum entgegen den Prognosen vieler Experten – gelungen, den Rückgang des Zinsüberschusses durch eine Steigerung des Provisionsergebnisses nicht nur zu kompensieren, sondern zum Teil sogar überzukompensieren. So stieg der Provisionsüberschuss z.B. der Postbank im vergangenen Jahr um 12%: Bei einzelnen Sparkassen wie jener in Potsdam waren es sogar bis zu 31% – und aggregiert kamen die öffentlich-rechtlichen Institute immerhin auf ein Plus von 8,4%, die Volks- und Raiffeisenbanken auf ein Wachstum von 8,1%. Hinzu kommt die bei vielen Geldhäusern rekordniedrige Risikovorsorge, die dazu beiträgt, dass die Zahlen im deutschen Retailbanking zuletzt viel besser waren als es die Kassandrarufer wahrhaben wollen.

Exklusiv: Wie die Gebühren-Keule die Bilanzen der Sparkassen und Volksbanken rettet

4.) Der Kunde ist treuer (bzw.: träger) als befürchtet

Was viele Bankvorstände zudem hoffnungsfroh macht: Die Erhöhung der Kontoführungsgebühren (die den steigenden Provisionseinnahmen zugrunde liegen) führte – anders als befürchtet – zu keinem dramatischen Kundenexodus. „Die Wechselbereitschaft ist viel geringer, als man das vor zwei, drei Jahren noch befürchten musste“, sagt der Chef einer mittelgroßen Sparkasse. Ähnlich sieht das Oliver Keine von Crossconsulting: „Das Hausbankprinzip verliert zwar seit Jahren immer mehr an Bedeutung, trotzdem bleiben Kunden ihrer Bank oftmals doch treu. Auch weil der Wechsel zu einem anderen Institut trotz mehr oder weniger gut funktionierender Kontowechselservices immer noch nervenaufreibend ist.“

5.) Die Fintechs sind dann doch nicht so bedrohlich

Was die Tragweite der sog. Fintech-Revolution betrifft, nehmen viele Normalbanker die Realität anders wahr als viele Fintech-Menschen selbst. Denn während die Digitalnerds auch noch das blasseste 0-8-15-Finanz-Startup mit irgendwelchen „Fintech des Jahres“-Preisen bedenken, fragen viele Bankmanager inzwischen: Ja, wo sind sie denn, die Fintechs? „Die Banken fürchten den disruptiven Effekt der Fintechs nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren“, sagt Berater Keine. Ähnlich sieht das der Sparkassen-Chef: „Die Startups werden zwar ernst genommen, allerdings nicht mehr unbedingt als Herausforderer, sondern eher als Kooperationspartner.“ Der Verbundbanker drückt es so aus: „Wir haben gelernt, dass die Erfolge der angeblich so bedrohlichen Fintechs dann doch nicht so schnell kommen, wie anfänglich herbeigeredet wurde, und dass – wie schön – auch mal ein paar Misserfolge dabei sind.“ Seine  Conclusio fällt gleichwohl pessimistisch aus: „Dieses Paket führt zu einer Illusion von Sicherheit – dabei wären in Wirklichkeit Veränderungen nötig.“

6.) Es gibt zum Optimismus keine richtige Alternative …

Was, bitteschön, soll er denn tun, der Normalbanker? Alles umwerfen? Sich allein mitsamt seiner mittelgroßen Sparkasse oder Volksbank gegen den Lauf der Dinge stemmen? Dirk Müller-Tronnier, Banken-Chef bei Ernst & Young, sagt: „Überraschend wenige Banken beschäftigen sich momentan mit der Entwicklung neuer Geschäftschancen, neuer Kunden oder neuer Märkte.“ Warum? Müller-Tronnier hat eine Vermutung: „Eine Rolle mag spielen, dass es nicht allzu viele leuchtende Beispiele gibt, bei denen es rückschauend betrachtet eine gute Idee war, neuartige Aktivitäten zu betreiben.“ Ohnehin könne man ja „im wettbewerbsintensiven Kerngeschäft einer inländischen Bank keine sensationellen Renditen erwarten. Wenn also stabile Verhältnisse bestehen und die nötigen internen Verbesserungen in Bearbeitung sind, dann besteht kein Grund zu lautem Klagen.“

7.) … zumal zum Pessimismus die Anreize fehlen

Oder anders gefragt: Was hätte er denn davon, der Normalbanker, wenn er plötzlich alles umwirft? Ein Sparkassen-Mensch drückt es so aus: „Sowohl die Genossenschaftsbanken als auch die Sparkassen haben eine große und vielschichtige Organisation um sich herum, so dass es im Zweifel immer jemand anderen gibt, der Schuld ist, wenn sich die Zahlen mal verschlechtern sollten. Für die eigene Karriere – und manchmal auch für den eigenen Anspruch – reicht es oftmals, wenn man  einfach nur mit dem Strom schwimmt.“ Viel kritischer werde der beäugt, der auch mal was ausprobiere. „Im Finanzwesen ist das Gegenteil von Startup-Kultur noch der Standard.“

8.) Die Banker unterschätzen den Ernst ihrer Lage

Banker haben in den letzten Jahren so viele Krisen überlebt, dass sie die wahren Gefahren für die Geschäftsmodelle vielleicht gar nicht mehr als solche erkennen – Motto: Et hätt noch emmer joot jejange. Karsten Junge von Consileon entwirft folgende Skizze: „Jedes Thema (Zinsen, Fintechs, Regulierung …) zieht eine Anpassung nach sich. Allerdings ist das neue Equilibrium nach der Anpassung immer unter dem Altzustand. Inkrementale Änderung im Umfeld führt zu einer inkrementalen Änderung des Geschäftsmodells. Das sichert ein Überleben, ist aber keine Vorwärtsstrategie. Hier läuft man schlicht Gefahr, dass man irgendwann gegen die harte Wand der Realität im eigenen Geschäftsmodell prallt. Eben der Ort, an dem es nicht mehr inkrementell weiter geht. Es gibt im Anlagegeschäft einen schönen Satz: ‚Markets can stay irrational longer than you can stay solvent‘ – das gilt inzwischen auch für Geschäftsmodelle.“

9.) Die Banken wollen einfach mal durchatmen

Unterschätzen die Banker wirklich den Ernst der Lage? Warum schließen sie dann so viele Filialen? Und warum streichen sie dann so viele Stellen? Zwei interessante Vergleiche

  • In der E&Y-Umfrage von 2016 gaben noch 61% der befragten Institute zu Protokoll, der Personalbestand werde „in den nächsten zwölf Monaten voraussichtlich sinken“ – in diesem Jahr waren es nur noch 12%.
  • In der E&Y-Umfrage von 2017 erklärten noch 74% der befragten Banken, Kostensenkungen hätte derzeit „große Bedeutung“. Aktuell sind es nur noch 44%.

Natürlich kann man daraus schlussfolgern, der Reformeifer der Banken sei schon wieder erschlafft. Vielleicht lässt es sich aber auch anders deuten: Nach Jahren des Dauerreformierens wollen manche Banker und Sparkässler einfach mal durchschnaufen.

10.) Die E&Y-Umfrage verleitet zu Fehldeutungen

„Fintechs sind wenig relevant“. Das ist einer der Schlüsse, die Ernst & Young aus der eigenen Umfrage zieht. Tatsächlich sagen nur 8% Prozent der befragten Banken, Kooperationen mit Fintechs hätten aktuell eine „große Bedeutung“ für sie (was Übernahmen von Fintechs angeht, sind es sogar bloß 3%). Was man allerdings hinzufügen sollte: Die Banken bekamen insgesamt 16 mögliche Antworten vorgegeben; darin tauchten die Stichwörter „Digital“ bzw. „Digitalisierung“ nicht ein einziges Mal auf. Mag also sein, dass die klassische Kreditwirtschaft momentan ein bisschen Fintech-müde ist. Das heißt aber nicht zwingend, dass die Banken auch Digitalisierungs-müde sind.

Eine kleine Exegese des Bloomberg-Interviews von N26-Chef Valentin Stalf

Von Heinz-Roger Dohms

Haben Sie gestern das Bloomberg-Interview mit N26-Chef Valentin Stalf gelesen? Dann sind Sie ja vielleicht auch an ein paar Einordnungen interessiert, die sich beim flüchtigen Drüberschauen nicht gleich aufdrängen. Voilà:

1.) Die Aussage, dass N26 im kommenden Jahr in den USA an den Start gehen will, ist insofern interessant, als der Amerika-Launch ursprünglich für Mitte 2018 geplant war. Dann hieß es irgendwann, es werde Herbst 2018. Und jetzt ist plötzlich von 2019 die Rede. Das ist eine üppige Verspätung, wenn man bedenkt, dass die US-Pläne überhaupt erst Ende Oktober letzten Jahres verkündet wurden – also zu einem Zeitpunkt, zu dem man eigentlich schon über eine gewisse Planungssicherheit hätte verfügen können.

2.) Schon 2019 könnte es eine weitere Finanzierungsrunde geben, sagt Stalf – und das, obwohl N26 gerade erst die Rekordsumme von 130 Mio. Euro gefunded hat. Die Zeit der ganz, ganz, ganz strikten Kostenkontrolle scheint also vorbei zu sein. Stattdessen geht es jetzt um brutalstmögliche Expansion, worauf auch die Aussage hindeutet, bis Jahresende noch einmal 200 Mitarbeiter einzustellen (offenbar unter anderem für den Auf- bzw. Ausbau eines Bancassurance-Angebots).

3.) Ganz nebenbei gibt Stalf in dem Interview auch noch dem ehemaligen Whitelabel-Partner Wirecard eins mit, indem er den Münchnern indirekt Wucher oder wenigstens Ertragsabschöpfung vorwirft. Oder wie sonst ist folgende Aussagen zu verstehen? „Im Vergleich zu Deutschland gibt es in den USA unter den so genannten White-Label-Banken eine stärkere Konkurrenz, was sich in besseren Konditionen widerspiegelt. Die schöpfen nicht gleich alle Erträge ab.“