Deutsche Fintech-Fundings im Segmentvergleich

Von Heinz-Roger Dohms

Die deutschen Robo Adviser ließen sich bislang grob gesagt in zwei Kategorien unterteilen. Nämlich einmal Scalable Capital (> 30 Mio. Euro Funding, > 1 Mrd. AuM). Und dann die anderen (also Liqid, Cominvest, Quirion, Robin, Investify etc. pp.). Nun allerdings steigt der Berliner Anbieter Liqid  am Funding gemessen auf einen Schlag in die Scalable-Liga auf: Stolze 33 Mio. Euro spült die neue Finanzierungsrunde in die Kasse des 20xx gegründeten digitalen Vermögensverwalters, eine der kräftigsten Kapitalspritzen für ein deutsches Fintech jemals. Angeführt wird die Runde von einem britischen Finanzinvestor namens Toscafund (und übrigens nicht von der Schweizer UBS, wie zuletzt in der Fintech-Szene gemunkelt worden war); das Geld soll u.a. der internationalen Expansion dienen. Ein vielleicht nicht ganz uninteressanter Nebenaspekt: Mit dem Funding für Liqid zeigt sich bei den Robo Advisern ein Muster, dass auch in einigen anderen deutschen Fintech-Segmenten erkennbar ist: Aus der Masse der Anbieter schälen sich irgendwann exakt zwei heraus, auf die sich ein beträchtlicher Teil des Segment-Fundings fokussiert (bzw. die die übrigen Wettbewerber abzuhängen drohen). Glauben Sie nicht? Dann hier der grafisch untermauerte Beleg:

1.) Robo Adviser

2.) Kreditvergleich

Anmerkungen: Finanzcheck wurde mittlerweile für fast 300 Mio. Euro verkauft, an die Finanzierungsrunde von Smava hatten wir im Januar ein paar Fragezeichen gemacht, die seitdem nicht verschwunden sind.

3.) Einlagen-Vermittlung

4.) Fintech-Bank

5.) Baufinanzierung (nicht Funding, sondern Ebit!!!)

Anmerkung: Als „Ur-Fintechs“ sind Hypoport und Interhyp schon so lange am Markt, dass sie schon seit vielen Jahren nicht mehr zu funden brauchen. Drum haben wir als Vergleichsmaßstab das Ebit genommen.

6.) Insurtech

Anmerkung: Okay, okay, alle Insurtechs in einen Hut zu werfen (und dann zwei rauszupicken), ist natürlich reichlich undifferenziert. Aber Versicherungen sind ja auch nicht unsere Baustelle

7.) Factoring

Anmerkung: Factoring-Fintechs sind noch ein junges Segment, sodass alles andere als sicher ist, ob sich die Platzhirsche hier schon herauskristallisiert haben.

8. KMU-Finanzierung

 

Und noch zwei generelle Anmerkungen:

  • Check24 haben wir einfach mal außen vor gelassen
  • Ebenfalls haben wir außen vor gelassen die Angaben, um die wievielte Runde es sich jeweils handelte, auch wenn wir wissen, dass das natürlich einen Unterschied macht. Man muss es ja nicht zu kompliziert machen

26/09/18: Große Fintech-Funding-Grafik, 33 Mio. Euro für Liqid, Marcus Mosen, Investify

33 Mio. Euro für Berliner Robo Advisor: Liqid steigt in die Scalable-Capital-Liga auf

Die deutschen Robo Adviser ließen sich bislang grob gesagt in zwei Kategorien unterteilen. Nämlich einmal Scalable Capital (> 30 Mio. Euro Funding, > 1 Mrd. AuM). Und dann die anderen (also Liqid, Cominvest, Quirion, Robin, Investify etc. pp.). Nun allerdings steigt der Berliner Anbieter Liqid  am Funding gemessen auf einen Schlag in die Scalable-Liga auf: Stolze 33 Mio. Euro spült die neue Finanzierungsrunde in die Kasse des 2015 gegründeten digitalen Vermögensverwalters (hier Auszüge aus der Pressemitteilung). Angeführt wird die Runde von einem britischen Finanzinvestor namens Toscafund (und übrigens nicht von der UBS, wie zuletzt in der Fintech-Szene gemunkelt worden war); das Geld soll u.a. der internationalen Expansion dienen. Ein vielleicht nicht ganz uninteressanter Nebenaspekt: Mit dem Funding für Liqid zeigt sich bei den Robo Advisern ein Muster, dass auch in einigen anderen deutschen Fintech-Segmenten erkennbar ist: Aus der Masse der Anbieter schälen sich irgendwann exakt zwei heraus, auf die sich ein beträchtlicher Teil des Segment-Fundings fokussiert. Glauben Sie nicht? Dann hier für insgesamt acht Segmente der grafisch untermauerte Beleg: Finanz-Szene.de

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Lustig, das liefe dann also auf eine von Axel Weber kontrollierte Doppelspitze Blessing/Sewing hinaus

Liebe Leserinnen und Leser, sehen Sie uns die  Prise Sarkasmus bitte nach. Denn die Fusionsspekulationen rund um die Deutsche Bank werden immer skurriler: Wie das „Handelsblatt“ heute Morgen berichtet (und der Artikel liest sich vollkommen glaubwürdig), haben Vorstand und Aufsichtsrat des wichtigsten hiesigen Geldhauses bei ihrer jüngsten Strategiesitzung nicht nur einen Zusammenschluss mit der Commerzbank, sondern auch einen Merger mit der UBS durchgespielt. Nachdem man in den letzten Wochen also lesen durfte, wie viel zwingende Logik hinter einer Fusion von Blau und Gelb steht, liest man nun, dass hinter einer Fusion von Blau und Rot sogar noch eine viel zwingendere Logik steht, jedenfalls und offenbar aus Sicht der blauen Strategen. Denn, O-Ton „Handelsblatt“ unter Verweis auf die beim Strategietreffen aufgetischten Argumente: „Deutsche Bank und UBS würden sich mit ihren unterschiedlichen Stärken im Investmentbanking beziehungsweise in der Vermögensverwaltung gut ergänzen.“ Fehlt bloß noch das Plazet der Bundesregierung. Ist aber vermutlich nur Formsache. Handelsblatt (Paywall), Reuters

News

Die deutsche Industrie brauche „ein starkes deutsches Bankinstitut“, hat BDI-Chef Dieter Kempf gestern beim „Tag der  Industrie“ in Berlin gesagt. Vermutlich meinte er die Commerzbank, die ja stand-alone so richtig durchstarten wird, sobald die Deutsche Bank erst einmal in der UBS aufgegangen ist. Finanzen.net

Apropos Durchstarten: Die verrückte Kursrally der Wirecard-Akie geht nach dem Dax-Aufstieg unvermindert weiter. Allein gestern betrug das Kursplus 4,9%, womit der bayerische Zahlungsdienstleister sich an einem einzigen Tag mal eben die halbe Marktkapitalisierung der Aareal-Bank auf die Rippen gepackt hat. Muss man nicht verstehen. Aktienkurs

Was macht ein Finanzinvestor wie Cerberus eigentlich mit einem Regionalinstitut wie der Südwestbank? Er kehrt  (wie nicht anders zu erwarten) mit eisernem Besen. Und er richtet (was dann doch aufhorchen lässt) angeblich das Geschäftsmodell aus: Mehr Ratenkredite, weniger Unternehmensfinanzierung. Vielleicht macht das Beispiel ja Schule: Nachdem sich am Beginn des Jahrzehnts alle auf die Firmenkunden stürzten, sind nun die Verbraucher dran. FAZ (Print, Seite 19), Südwest-Presse

Exklusiv: Was wurde eigentlich aus Marcus Mosen, dem (hinter Wirecard-Chef Braun) wichtigsten deutschen Payment-Manager der letzten fünf Jahre? Also, wenn wir aus den sog. „Payment-Kreisen“ nichts völlig Falsches hören, dann tritt der ehemalige Concardis-Chef ins europäische Advisory Board der US-Investmentbank Raymond James ein. Aus drei miteinander verknüpften Gründen finden wir das vermeldenswert. 1.) Raymond James verfolgt in Deutschland/Europa ehrgeizige Ziele, war neulich zu lesen; 2.) Mosen ist nicht nur in der Payment-, sondern auch in der Fintech-Branche gut verdrahtet, so sitzt er z.B. im Beirat von N26; und 3.) ergibt sich aus 1.) und 2.) der Schluss, dass aus Investmentbanker-Sicht im hiesigen Payment-/Fintech-Bereich in den nächsten Jahren offenbar noch einiges zu holen sein wird, M&A-mäßig ohnehin, aber vielleicht ja auch IPO-mäßig …

Apropos: Concardis hat einen neuen CFO, und zwar Carsten Höltkemeyer, den langjährigen Chef von Barclaycard Deutschland. Auch keine ganz unspannende Personalie. Finance Magazin

Nach der Scheidung von der Hamburger Sparkasse hat der Robo Advisor Investify nun mit der Pax Bank angebandelt – bemerkenswert, dass ausgerechnet ein katholisches Geldinstitut diese Form der Wiederverheiratung ermöglicht. Extra-Funds

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Linktipps

Welche (traditionellen Finanz-)Technologieunternehmen haben im vergangenen Jahr das meiste Geschäft mit Finanzdienstleistern gemacht? Hier das entsprechende Ranking von IDC Financial Insights (wenn wir uns nicht verguckt haben, kommt der beste deutsche Anbieter auf Platz 40, nämlich GFT Technologies). PDF

Wie konnte es eigentlich so weit kommen, dass die Deutsche Bank jetzt schon wieder die Bafin am Hals hat? Hier ein Erklärungsansatz in der SZ heute Morgen:  „[Vize-Chef] Ritchie wollte offenbar ungestört seinen Geschäften im Investmentbanking nachgehen, [und CEO] Sewing hat ihn fröhlich machen lassen.“ Süddeutsche (Kommentar), Süddeutsche (Analyse)

Und wie kann es eigentlich sein, dass die Finanzaufsicht ausgerechnet KPMG damit beauftragt, die Deutsche Bank zu überwachen, wo KPMG doch schon seit Jahrzehnten die Bücher des wichtigsten Geldhauses prüft? Nochmal die Süddeutsche.

Im Bitcoin-Quellcode werden immer wieder gefährliche Fehler gefunden: … einer dieser Fehler hätte vergangene Woche fast zu einem neuerlichen Kursrutsch führen können, schreiben die Kollegen von Gründerszene.

Was genau ist gemeint, wenn Paydirekt (also der Online-Bezahldienst der deutschen Banken) jetzt einen „Relaunch“ plant? Die Antwort gibt der oberste Paydirekt-Beauftrage der deutschen Sparkassen, Henning vorm Walde, in der natürlich nicht komplett unabhängigen Sparkassen-Zeitung.

Klickfavorit

… war gestern unsere Exklusiv-Geschichte über das Millionenfunding für die deutsche Bitcoin-Bank Bitwala. Finanz-Szene.de

Nachtrag

Die Frühaufsteher unter Ihnen werden gemerkt haben, dass wir heute Morgen etwas später dran waren als sonst. Der Grund: IT-Probleme. Wenn man so will, ging es uns diese Nacht also mal so, wie es dem armen Martin Zielke regelmäßig geht. Wenn unsere Commerzbank-Berichterstattung in Zukunft eine mitfühlende Note bekommen sollte, wissen Sie, warum.

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26/09/18: Dt. Bank spielt Fusion mit UBS durch, Alles auf Ratenkredite, Marcus Mosen, Investify

Lustig, das liefe dann also auf eine von Axel Weber kontrollierte Doppelspitze Blessing/Sewing hinaus

Liebe Leserinnen und Leser, sehen Sie uns nach, wenn wir Sie diesmal mit einer Prise Sarkasmus begrüßen. Aber die Fusionsspekulationen rund um die Deutsche Bank werden immer skurriler: Wie das „Handelsblatt“ heute Morgen berichtet (und der Artikel liest sich vollkommen glaubwürdig), haben Vorstand und Aufsichtsrat des wichtigsten hiesigen Geldhauses bei ihrer jüngsten Strategiesitzung nicht nur einen Zusammenschluss mit der Commerzbank, sondern auch einen Merger mit der UBS durchgespielt. Nachdem man in den letzten Wochen also lesen durfte, wie viel zwingende Logik hinter einer Fusion von Blau und Gelb steht, liest man nun, dass hinter einer Fusion von Blau und Rot sogar noch eine viel zwingendere Logik steht, jedenfalls und offenbar aus Sicht der blauen Strategen. Denn, O-Ton „Handelsblatt“ unter Verweis auf die beim Strategietreffen aufgetischten Argumente: „Deutsche Bank und UBS würden sich mit ihren unterschiedlichen Stärken im Investmentbanking beziehungsweise in der Vermögensverwaltung gut ergänzen.“ Fehlt bloß noch das Plazet der Bundesregierung. Ist aber vermutlich nur Formsache. Handelsblatt (Paywall), Reuters

Die deutsche Industrie brauche „ein starkes deutsches Bankinstitut“, hat BDI-Chef Dieter Kempf gestern beim „Tag der  Industrie“ in Berlin gesagt. Vermutlich meinte er die Commerzbank, die ja stand-alone so richtig durchstarten wird, sobald die Deutsche Bank erst einmal in der UBS aufgegangen ist. Finanzen.net

Apropos Durchstarten: Die verrückte Kursrally der Wirecard-Akie geht nach dem Dax-Aufstieg unvermindert weiter. Allein gestern betrug das Kursplus 4,9%, womit der bayerische Zahlungsdienstleister sich an einem einzigen Tag mal eben die halbe Marktkapitalisierung der Aareal-Bank auf die Rippen gepackt hat. Muss man nicht verstehen. Aktienkurs

Was macht ein Finanzinvestor wie Cerberus eigentlich mit einem Regionalinstitut wie der Südwestbank? Er kehrt  (wie nicht anders zu erwarten) mit eisernem Besen. Und er richtet (was dann doch aufhorchen lässt) angeblich das Geschäftsmodell aus: Mehr Ratenkredite, weniger Unternehmensfinanzierung. Vielleicht macht das Beispiel ja Schule: Nachdem sich am Beginn des Jahrzehnts alle auf die Firmenkunden stürzten, sind nun die Verbraucher dran. FAZ (Print, Seite 19), Südwest-Presse

Exklusiv: Was wurde eigentlich aus Marcus Mosen, dem (hinter Wirecard-Chef Braun) wichtigsten deutschen Payment-Manager der letzten fünf Jahre? Also, wenn wir aus den sog. „Payment-Kreisen“ nichts völlig Falsches hören, dann tritt der ehemalige Concardis-Chef ins europäische Advisory Board der US-Investmentbank Raymond James ein. Aus drei miteinander verknüpften Gründen finden wir das vermeldenswert. 1.) Raymond James verfolgt in Deutschland/Europa ehrgeizige Ziele, war neulich zu lesen; 2.) Mosen ist nicht nur in der Payment-, sondern auch in der Fintech-Branche gut verdrahtet, so sitzt er z.B. im Beirat von N26; und 3.) ergibt sich aus 1.) und 2.) der Schluss, dass aus Investmentbanker-Sicht im hiesigen Payment-/Fintech-Bereich in den nächsten Jahren offenbar noch einiges zu holen sein wird, M&A-mäßig ohnehin, aber vielleicht ja auch IPO-mäßig …

Apropos: Concardis hat einen neuen CFO, und zwar Carsten Höltkemeyer, den langjährigen Chef von Barclaycard Deutschland. Auch keine ganz unspannende Personalie. Finance Magazin

Und noch ein Blick über den Tellerrand: Santander hat als neuen CEO den bisherigen UBS-Investmentbanker Andrea Orcel verpflichtet (wobei Herr Orcel bei der spanischen Großbank de facto nicht die Nummer eins, sondern die Nummer zwei hinter Ana Botin sein dürfte …), die UBS füllt die Lücke mit einer Doppelspitze. Finews.ch, Financial Times Lex-Kolumne (Paywall)

Nach der Scheidung von der Hamburger Sparkasse hat der Robo Advisor Investify nun mit der Pax Bank angebandelt – bemerkenswert, dass ausgerechnet ein katholisches Geldinstitut diese Form der Wiederverheiratung ermöglicht. Extra-Funds

Das 33-Mio.-Euro-Funding für Liqid

Der Berliner Robo Advisor Liqid hat in seiner jüngsten Finanzierungsrunde 33 Mio. Euro eingenommen. „Finanz-Szene.de“ dokumentiert Auszüge aus der Pressemitteilung: 

Der digitale Vermögensverwalter Liqid aus Berlin hat eine
Finanzierungsrunde abgeschlossen und erhält 33 Millionen Euro für sein weiteres Wachstum.[…]  Hauptkapitalgeber ist Toscafund Asset Management LLP, eine in London ansässige Multi-Asset-Alternative-Investment-Gesellschaft, die über vier Milliarden US-Dollar verwaltet. Bestehende Investoren, darunter Project A, HQ Trust und Dieter von Holtzbrinck Ventures, nahmen ebenfalls an der Finanzierungsrunde teil.

Mit seiner Beteiligung über den Tosca Private Investments Fund („TPIF“) wird Toscafund ein signifikanter Gesellschafter des schnell wachsenden Fintechs. TPIF versteht sich als Private- Equity-Investor mit dem Schwerpunkt auf kleine und mittelständische Unternehmen im europäischen Finanzdienstleistungssektor. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Bafin.

[…] Knapp zwei Jahre nach dem Start verwaltet LIQID fast 300 Millionen Euro für seine Kunden. Christian Schneider-Sickert, CEO und Mitgründer von LIQID sieht den Grund für das schnelle Wachstum in einer klaren Kundenzentrierung und der aktiven Unterstützung seiner Investoren: „Unsere Investoren haben entscheidend den Aufbau von LIQID unterstützt und uns dabei geholfen, das Vertrauen der Anleger zu gewinnen. Wir freuen uns, mit TPIF einen so starken und international erfahrenen Partner gefunden zu haben, mit dessen Hilfe diese Entwicklung weiter vorangetrieben werden kann.“ […]