Warum die Deutsche Bank plötzlich zwei Millionen Kunden weniger hat

Von Heinz-Roger Dohms

Ist Ihnen mal aufgefallen, dass im Zuge der Verschmelzung von Deutscher Bank und Postbank jetzt immer von „20 Mio. Privatkunden“ die Rede ist (alternativ findet sich die Formulierung „mehr als 20 Mio. Privatkunden“). Das ist mathematisch insofern bemerkenswert, als auf der 2016er HV in Bezug auf die Deutsche Bank noch von „über acht Millionen Privatkunden“ (hier als Beleg das entsprechende Manuskript als PDF) die Rede war, während es in Bezug auf die Postbank noch vor wenigen Jahren hieß, das Bonner Institut komme „nach eigenen Angaben“ auf 14 Millionen Kunden. (hier ein entsprechender Wiwo-Artikel aus 2012 und ein MM-Artikel aus 2016). Schlicht gefragt: Seit wann sind 8 plus 14 gleich 20?

Oder anders gewendet: Wie kann es sein, dass der Deutschen Bank und der Postbank binnen weniger Jahre und im Zuge ihrer Verschmelzung offenbar irgendwie bis zu 2 Mio. Kunden abhandengekommen sind?

  1. Ein Teil dieser Summe ist – so hören wir – auf einen technischen Effekt zurückzuführen. Rund 900.000 Kunden, die der Deutschen Bank AG zugeordnet sind (und nicht dem neuen Deutsche-Bank-Postbank-Vehikel), werden bei der Kommunikation der neuen Privatkunden-Zahlen ausgeklammert.
  2. Zudem zählt die Deutsche Bank jene Kunden, die bei beiden Häusern Konten haben bzw. hatten, einzeln und nicht doppelt.
  3. Und schließlich haben die Deutsche Bank und die Postbank ihre Kundenzahlen früher offenbar kräftiger nach oben gerundet, als sie das heute tun (so hören wir das jedenfalls, belegen können wir es nicht)

Dennoch wird im Umfeld der Deutschen Bank nicht bestritten, dass in den letzten drei, vier Jahren auch Kunden ganz einfach abgewandert sind. Und zwar nicht wenige! „Finanz-Szene.de“ geht davon aus, dass es sich zumindest um mehrere Hunderttausend handelt. Wenn also wieder einmal die Frage gestellt wird, wo die vielen Neukunden zum Beispiel der ING Diba, der DKB oder der Comdirect herkommen, dann lautet die Antwort: nicht zuletzt von der Deutschen Bank und von der Postbank.

Auf der Postbank-Homepage übrigens lässt sich sogar nachlesen, dass das Institut Ende 2015 noch 5,25 Mio. Girokonten zählte, während es im Herbst 2017 nur noch 4,97 Mio. waren. Dazwischen lag freilich eine ordentliche Erhöhung der Kontoführungs-Gebühren, was der ganzen Debatte einen weiteren, nicht ganz unwichtigen Aspekt hinzufügt: Mit den 4,97 Mio. Kunden dürfte die Postbank heute deutlich mehr Ertrag machen als zuvor mit den 5,25 Mio. Kunden.

21/09/18: Der neue deutsche Fintech-VC, Finlab/Awamo, Dt. Bank „verliert“ 2 Mio. Kunden

Mythos Kundenwachstum: Dichtung und Wahrheit am Beispiel der Hamburger Sparkasse

Wer die deutsche Bankenbranche verstehen will, der muss die Hamburger Sparkasse verstehen. Denn die Haspa ist Deutschlands größte Kleinbank. Und Deutschlands kleinste Großbank. Ein lokaler Player. Aber mit überregionalem Anspruch. Wenn sich die Finanzszene also dieser Tage fragt, wie es sein kann, dass fast alle Banken wachsen (oder dies zumindest vorgeben), die Branche insgesamt aber stagniert – dann hilft ein Blick auf die Haspa, um die Dinge besser einordnen zu können. Also: Folgt man den offiziellen Aussagen, dann erlebt die Hamburger Sparkasse imposante Zuwächse. Satte 436.000 Neukunden hat sie seit 2012 gewonnen – trotz regionalen Begrenzung. Noch beeindruckender: Die Zahl der Joker-Konten (ein Haspa-spezifisches Giroprodukt) hat sich in 15 Jahren fast verdoppelt, saldiert wohlgemerkt. Doch dann guckt man in den Geschäftsbericht. Und liest, dass die Zahl der Girokonten seit Jahren stagniert. Wie passt das zusammen? Hier das Ergebnis unserer Recherchen: Finanz-Szene.de

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News

Nachdem wir uns im heutigen Aufmacher mit dem Beispiel einer stagnierenden Bank beschäftigt haben, wollen wir Ihnen nun auch noch eine schrumpfende Bank vorstellen – nämlich die Deutsche Bank …: Ist Ihnen mal aufgefallen, dass im Zuge der Verschmelzung von Deutscher Bank und Postbank jetzt immer von „20 Mio. Privatkunden“ die Rede ist (alternativ findet sich die Formulierung „mehr als 20 Mio. Privatkunden“). Das ist mathematisch insofern bemerkenswert, als auf der 2016er HV in Bezug auf die Deutsche Bank noch von „über acht Millionen Privatkunden“ (hier als Beleg das entsprechende Redemanuskript als PDF) die Rede war, während es in Bezug auf die Postbank noch vor wenigen Jahren hieß, das Bonner Institut komme „nach eigenen Angaben“ auf 14 Millionen Kunden. (hier ein entsprechender Wiwo-Artikel aus 2012 und ein MM-Artikel aus 2016). Schlicht gefragt: Seit wann sind 8 plus 14 gleich 20? Noch so eine Frage, für die gestern ganz schön viel Recherchezeit draufgegangen ist. Aber es hat sich gelohnt: Finanz-Szene.de

Hä? Zählt „Finanz-Szene.de“ jetzt nur noch Bankkunden, statt sich auf die eigentliche Nachrichtenlage zu konzentrieren? Nein, wir machen beides: Also, wie die endtoughen Kollegen von „Bloomberg“ berichten, hat bei der NordLB jetzt auch offiziell die Investorensuche  begonnen – und zwar mit einer kleinen Überraschung. Zu den Interessenten soll nämlich neben den üblichen Verdächtigen (Cerberus, Apollo) auch die LBBW gehören (und, wie man heute Früh in der „Süddeutschen“ nachlesen kann, zusätzlich noch die Helaba). Bahnt sich da eine Sensation an? Eher nicht, wie die SZ-Kollegin Schreiber schreibt. Sie vermutet, dass es sich beim „Interesse“ von LBBW und NordLB eher um einen Akt der schwesterlichen Verbundenheit als um echte Kaufambitionen handelt. Sähe ja doof aus, wenn ausschließlich Heuschrecken (und vielleicht noch 1-2 China-Banken) an der NordLB schnuppern würden. Bloomberg/Welt, Süddeutsche

Short-Gerüchte lassen Wirecard-Aktie um bis zu 10% einkrachen: … dabei stellt die angebliche Research-Firma, die angeblich einen angeblich kritischen Bericht zum Dax-Aufsteiger veröffentlichen wollte, klar, dass sie mit der Sache nichts zu tun habe. FT Alphaville (anmeldepflichtig)

Da hatten wir uns gerade daran gewöhnt, dass „CDO“ nicht mehr für Giftpapiere, sondern für „Chief Digital Officer“ steht, da biegt die Deutsche Bank ums Eck und stellt einen „Chief Data Officer“ ein (und zwar fürs globale Transaction Banking). Der Mann heißt David Gleason, kommt von JP Morgan – und ist, wie so vieles, was da draußen momentan passiert, ein Bote der neuen Zeit. „Chief Data Officer“. Auch daran wird man sich vermutlich bald gewöhnen. Financial Times (Paywall)

Bevor wir es vergessen (bewusst unterschlagen würden wir es ohnehin nie): Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben an der Börse dieser Tage einen regelrechten Lauf. Blau: plus 9% seit Mitte letzter Woche. Gelb: plus 13% seit Mitte letzter Woche.

Ach, und noch was: Zum Abschluss der Nachrichtenwoche ein großes „Sorry“ an die 42% unserer Abonnenten, die sich schwerpunktmäßig für Fintech-Themen interessieren – ja, zugegeben, wir hatten Sie diese Woche nicht so auf dem Zettel, wie wir das sonst immer haben. War keine böse Absicht.

Als Zeichen unseres guten Willens: Der börsennotierte, semi-schillernde Frankfurter Risikokapitalgeber Finlab, der mit seiner Deposit-Solutions-Beteiligung  ein überaus glückliches Händchen bewies und ansonsten ein eher mittelspannendes Fintech-Portfolio unterhält (Authada, Kapilendo, Fastbill), ist mit einem siebenstelligen Betrag beim ebenfalls Frankfurter Finanz-Startup Awamo eingestiegen. boerse.de

Und in dem Zusammenhang haben wir dann vielleicht doch noch was Spannendes: Wussten Sie, dass es neben Finlab inzwischen einen zweiten börsennotierten Fintech-VC hierzulande gibt? Das Unternehmen sitzt in Jena, trägt den wunderbaren Namen „Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft AG“ (kurz: DEWB), blickt auf eine fast 150-jährige Geschichte zurück, hält einen zweistelligen Prozentanteil am Berliner Factoring-Startup Decimo, ist überdies mit rund 25% am sich gerade digitalisierenden Hamburger Asset Manager Lloyd Fonds beteiligt, will angeblich (reines Gerücht!) auch beim Fintech Niiio einsteigen und so weiter und so fort. Wir hatten diese Woche ein spannendes Telefonat mit dem CEO, sind aber schlicht nicht dazu gekommen, die Geschichte der DEWB mal aufzuschreiben. Vielleicht ja nächste Woche.

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Linktipps

Wenn es eine Gattung Fintechs gibt, von der wir sagen würden, dass sie unseren Alltag wirklich erleichtert hat, dann sind das die „Barzahlens“ dieser Welt (also die, die dafür sorgen, dass man an der Supermarktkasse Geld abheben kann). Der Kollege Dominik Reintjes von der „Wirtschaftswoche“ empfindet offenbar ähnlich. Denn er geht  so weit, den klassischen Geldautomaten zum Auslaufmodell zu erklären. Wiwo

Wer hat beim Wettlauf „Banken gegen Fintechs“ eigentlich momentan in der Schweiz die Nase vorn? Eine Bestandsaufnahme von Finews.ch.

Sind die Kollegen vom „Paymentandbanking“-Blog aus Ihrem Sommerschlaf erwacht? Sieht so aus. Denn Jochen Siegert hat einen länglichen Artikel unter der Überschrift „6 Key Learnings von Dotcom-Unternehmen im Umgang mit digitalen Veränderungen“ geschrieben (nebenbei: erstaunlich, mit welcher bilingualen Selbstverständlichkeit die Kollegen mitten in der Überschrift die Sprache wechseln.) PAB-Blog

Und wer nach gestern und heute noch immer nicht genug vom Thema Girokonto hat, dem empfehlen wir zur Lektüre noch die Oliver-Wyman-Studie „The Current Account Conundrum“ (speziell die Seite 4 und 5). PDF

Klickfavorit

… war gestern, um ehrlich zu sein, gar nichts. Auch solche Tage gibt es. Bleiben Sie uns bitte trotzdem gewogen – und empfehlen Sie uns, wenn Sie mögen, gern fleißig weiter. Denn wie der Abonnentenstamm momentan  über die „Mund-zu-Mund“-Schiene wächst, das ist der helle Wahnsinn.

Schönes Wochende, Heinz-Roger Dohms

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Mythos Kundenwachstum: Dichtung und Wahrheit am Beispiel der Hamburger Sparkasse

Von Heinz-Roger Dohms

Wer die deutsche Bankenbranche verstehen will, muss die Hamburger Sparkasse verstehen. Denn die Haspa ist alles in einem: Deutschlands größte Kleinbank. Und Deutschlands kleinste Großbank. Ein lokaler Player. Aber mit überregionalem Anspruch. Wenn sich die Finanzszene also dieser Tage fragt, wie es sein kann, dass fast alle deutschen Banken wachsen (oder dies zumindest vorgeben), die Branche insgesamt aber stagniert – dann hilft ein Blick auf die Haspa, um die Dinge besser einordnen zu können.

Folgt man den offiziellen Aussagen, dann erlebt die Hamburger Sparkasse seit Jahren ein imposantes Kundenwachstum. Satte 436.000 Neukunden hat das Institut seit 2012 gewonnen – trotz der regionalen Begrenzung. Hier die Werte für die einzelnen Jahre:

Was man hingegen erst auf Nachfrage erfährt: Bei den Neukundenzahlen handelt es sich um Bruttowerte. Die Haspa zählt also die hinzugewonnnen Kunden, zieht die Kunden, die abwandern (oder sterben), allerdings nicht davon ab. Das erklärt, warum trotz des angeblich so starken Wachstums die Zahl der Girokonten ausweislich der Geschäftsberichte seit Jahren stagniert:

2012 knapp 1,4 Mio.
2013 knapp 1,4 Mio.
2014 knapp 1,4 Mio.
2015 knapp 1,4 Mio.
2016 knapp 1,4 Mio.
2017 knapp 1,4 Mio.
2018 knapp 1,4 Mio.

Nun legt die Haspa den Begriff „Girokonten“ freilich recht großzügig aus. Die „Mäusekonten“ genannten Sparkonten für Kinder (zuletzt 132.000 Stück) fließen in diese Zahl ebenso ein wie die „Direktbankkonten“ genannten Tagesgeldkonten. Während die Zahl der Mäusekonten in den vergangenen vier Jahren um 31.000 Stück stieg, ging die Zahl der „Direktbankkonten“ um 58.000 zurück. Hinzu kommen noch geschäftliche Girokonten. Zu deren Zahlen macht die Haspa aber keinerlei Angaben, ebensowenig wie zur absoluten Zahl der „Direktbankkonten“.

Was die „Haspa“ hingegen seit Jahren kommuniziert, das ist die Zahl der „Joker-Konten“, einem speziellen, mit diversen Extras garnierten Giroprodukt. Hier ist die Entwicklung in der Tat seit Jahren positiv, seit 2012 ist die Zahl der Girokonten um knapp 100.000 gestiegen.

 

Allerdings verdient auch dieser Trend einen zweiten Blick. Das „Joker-Konto“ gibt es nämlich erst seit 1999 – und es wird (das ist jedenfalls der Eindruck, den die in Hamburg ansässige Redaktion von „Finanz-Szene.de“ hat …) sehr viel offensiver vertrieben als das klassische Girokonto. Die Folge: Die Zahl der „Joker-Konten“ zieht zwar an, allerdings auf Kosten des klassischen Girokontos, dessen Anzahl (wenn wir uns nicht völlig verrechnet haben) seit Jahren sinkt. Das erkennt man daran, dass die Zahl der gesamten privaten Girokonten zwar steigt, allerdings zwischen 2012 und 2017 nur um rund 40.000 Stück, also merklich schwächer als die Zahl der „Joker-Konten“.

Letzten Endes weichen die kommunizierten Neukundenzahlen (406.000 zwischen 2012 und 2017) also ungefähr um den Faktor 10 vom tatsächlichen Wachstum bei den privaten Girokonten (rund 40.000 zwischen 2012 und 2017) ab. Nun mag man sagen, dass die Haspa ja trotzdem zugelegt hat. Allerdings: Hamburg ist eine boomende, auch bei den Einwohnerzahlen wachsende Metropole. Daran gemessen ist es vermutlich treffender, wenn man in Bezug auf die Haspa-Zahlen von Stagnation spricht.

Wie Banken zum Datenschutz-Beauftragten ihrer Kunden werden

Von Sebastian Fritz-Morgenthal*

Am 25. Mai 2018 trat die Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Manche bezeichnen sie als weltweiten „Goldstandard des Datenschutzes“. Tatsächlich ist sie eine zukunftsweisende Gesetzgebung, denn Daten sind für zahlreiche Unternehmen zu einer Ersatzwährung geworden. Kunden bezahlen nicht für Informationen, aber sie teilen diese. Nach Belieben geben sie weiter, was sie tun, was sie erleben, wo sie sind oder was sie essen – in Blogs, über Twitter oder via Instagram. Viele Apps können kostenlos auf Smartphones und Tablets geladen werden. Vom Kunden gibt es dafür die persönlichen Daten, die bei der Nutzung der App gesammelt werden. Davon leben ganze Branchen.

Auch dem datenbasierten Marketing eröffnen personalisierte Daten aus solchen Apps völlig neue Möglichkeiten. Unternehmen brauchen sich nicht mehr auf soziodemografische Daten zu verlassen oder aufwendige Marktforschung zu betreiben. Sie müssen lediglich eine coole App entwickeln, die jeder haben möchte und gerne auf seinem Smartphone installiert – natürlich mit freiwilligem Zugriff auf die Nutzerdaten.

Nicht alle für Marketingzwecke relevanten Daten müssen geschützt werden. Beispielsweise liefert das, was Kunden bei Amazon ansehen und kaufen, Hinweise auf ihre Interessen und ihren Lebensstil. Somit beeinflussen individuelle Empfehlungen auf Basis der Surf- und Einkaufshistorie den E-Commerce-Umsatz einer Website. Zugleich wirken sie sich positiv auf das Einkaufserlebnis des Kunden aus. Er bekommt, was er will, ohne danach suchen zu müssen. Das ist eine Win-win-Situation, zumindest solange die Einkaufshistorie nicht für andere Zwecke missbraucht wird.

Es gibt jedoch Daten, die wesentlich sensibler sind als eine Einkaufsliste. Deshalb gilt es sie unter allen Umständen zu schützen. Dazu zählen:

  1. Persönliche Daten: Adresse, Geburtsort und -datum, Familienstand, E-Mail-Adresse, SMS-Nachrichten und Inhalte in anderen Messaging-Diensten sowie in sozialen Medien
  2. Persönliche Finanzdaten: Angaben zur finanziellen Situation, Art und Umfang von Transaktionen
  3. Persönliche Gesundheitsdaten: Krankenakten, medizinische Diagnosen oder Informationen, die von Fitness-Trackern aufgezeichnet werden

Der Schutz dieser Daten obliegt jedem selbst und hängt davon ab, wie der Einzelne mit Software, E-Mails oder Apps umgeht. So gibt es in der Regel keinen triftigen Grund, warum bestimmte Anwendungen vollen Zugriff auf das elektronische Adressbuch haben sollten. So praktisch es ist, wenn soziale Netzwerke automatisch mit dem Adressbuch verschmelzen: Dass die Kontakte mit Unternehmen geteilt werden, deren Geschäftsmodell auf dem Sammeln, Teilen und Monetarisieren persönlicher Daten basiert, ist so manchem User nicht bewusst.

Auch Fitness-Tracker, die alle körperlichen Bewegungen aufzeichnen und diese regelmäßig mit Puls, Blutdruck und Gewicht vergleichen, liegen voll im Trend und begeistern ihre Nutzer. Diese Informationen sind auch sehr interessant für Krankenkassen und Arbeitgeber, da sie Rückschlüsse auf Lebensstil, Work-Life-Balance oder Freizeitgestaltung erlauben. Daraus ließen sich Wahrscheinlichkeiten für Krankheiten und berufliche Fehlzeiten ableiten, mit entsprechenden Konsequenzen für Versicherungstarife und Karriereentwicklung.

Die Klassifizierung der Geldbewegungen auf ihren Bankkonten innerhalb einer einzigen App empfinden viele User als sehr komfortabel. Allerdings schafft solch eine Anwendung eine Transparenz über Daten, die besser nicht in einer App oder einer offenen Cloud gespeichert werden sollten. Es empfiehlt sich, beim Herunterladen einer App das Kleingedruckte der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen.

Die Beziehung zwischen dem persönlichen Wert und dem Vermarktungswert persönlicher Daten lässt sich anhand dieser vereinfachenden Grafik verdeutlichen:

Denkbar sind Schwellenwerte, ab denen die Verwendung personenbezogener Daten geregelt, eingeschränkt oder sogar verboten werden sollte. Da Finanz- und Gesundheitsdaten am sensibelsten sind, aber gleichzeitig den höchsten Wert für jede Art von zielgerichtetem Marketing und Verkauf haben, sind diese Daten in besonderem Maße schützenswert.

Vor diesem Hintergrund haben Finanzinstitute die einmalige Chance, sich als Datenschutzbeauftragte ihrer Kunden zu positionieren. Dabei gilt es jedoch Folgendes zu beachten:

  1. Kundendaten sollten niemals zweckentfremdet oder gat an Dritte verkauft werden. Manche Dienstleister tun dies – und haben dafür nicht immer die Einwilligung ihrer Kunden eingeholt.
  2. Datenschutz hat auf technologisch höchstem Niveau zu erfolgen.

Für eine typische Advanced-Analytics-Anwendung steht die absolute Datenqualität in der Regel nicht im Vordergrund. Doch für Banken ist die Datengenauigkeit sowohl eine regulatorische Anforderung als auch ein implizites Versprechen an die Kunden. Bei Transaktionsdaten haben Kreditinstitute typischerweise eine Six-Sigma-Genauigkeit von weniger als einem Fehler pro einer Million Transaktionen erreicht. Viel schwieriger ist jedoch die eindeutige Identifizierung aller Kundenbeziehungen und die Abbildung dieser Transaktionen.

Der Abgleich von Privatkunden mit eindeutigen IDs erscheint noch möglich – vorausgesetzt, die Bank betreibt Buchungssysteme, die in Echtzeit synchronisieren. Weitaus schwieriger ist dies bei weltweit operierenden Firmenkunden. Nicht jede Tochtergesellschaft oder Mehrheitsbeteiligung eines Konzerns kann immer eindeutig zugeordnet werden. Bei vielen Unternehmen kommt es laufend zu Akquisitionen, Ausgliederungen und anderen strukturellen Veränderungen. All dies muss in den Systemen der Bank reflektiert und abgebildet werden, und das idealerweise in Echtzeit.

Tatsache ist, dass die eindeutige Identifizierung eines Kunden zu den wichtigsten Anforderungen gehört, die eine Bank erfüllen muss. Erinnert sei an Fälle von Geldwäsche, Verstöße gegen Wirtschaftssanktionen und Steuerhinterziehung, die teilweise zu Geldstrafen in Milliardenhöhe geführt haben. Die Strafen können indes noch drastischer sein. Selbst ein Verlust der Banklizenz ist möglich.

Die Integrität der persönlichen Finanzdaten ihrer Kunden zu wahren ist für Banken ein absolutes Muss. Zugleich können sie sich dadurch als Datenschützer für ihre Kunden positionieren. Voraussetzung ist, dass sie die Kundendaten sichern und darauf achten, dass diese nicht unbeabsichtigt für kommerzielle Zwecke oder gar kriminelle Handlungen wie Identitätsbetrug oder Veruntreuung missbraucht werden.

*Sebastian Fritz-Morgenthal ist Expert Principal bei Bain & Company

Finleap gründet Italo-Venture – und wildert dafür bei N26

Von Heinz-Roger Dohms

Der Berliner Company-Builder Finleap gründet sein erstes eigenes Venture außerhalb Deutschlands – und wildert dafür N26: Das „Beesy“ genannten Italo-Fintech geht mit einer Finanzmanagement-Lösung für Selbständige und Kleinunternehmer an den Start (also quasi eine Mischung aus Kontist und Fastbill, wenn wir das Ganze nicht völlig falsch verstehen, was uns freilich ab und an passiert).

CEO der neuen Unternehmung wird ein gewisser Herr Concas, 31 Jahres, pikanterweise bislang Italien-Chef von N26. „Matteo Concas ist der Wechsel zu Beesy leicht gefallen“, heißt es in der Pressemitteilung. Eine schöne Art, dem Berliner Fintech-Konkurrenten einfach mal den Mittelfinger entgegenzustrecken. Hier ein Auszug aus der PM:

Freiberufler und Kleinstunternehmen in Italien können ab sofort auf Services von Beesy zugreifen. Diese digitale Finanzmanagementlösung erleichtert Buchhaltung und Bankgeschäfte und bewahrt ihre Nutzer vor Fallstricken des Steuerrechts. Beesy ist das erste Unternehmen von finleap in Italien. Für die Geschäftsführung konnte Europas größter Fintech-Company-Builder Matteo Concas gewinnen. Der 31-Jährige hat seine Arbeit bereits gestern aufgenommen und wird im Oktober zum CEO von Beesy berufen. Zuvor war er geschäftsführend am Aufbau der Direktbank N26 in Italien beteiligt.

„Matteo hat in seiner Laufbahn bereits mehrfach gezeigt, dass er gute
Ideen in erfolgreiche Produkte umzusetzen vermag“, lobt Marco Berini, Geschäftsführer von Finleap in Italien. „Er wird Beesy mit der ihm eigenen Zielstrebigkeit und Intelligenz zu einem Synonym für die Digitalisierung Italiens entwickeln.“ Matteo Concas ist der Wechsel zu Beesy leicht gefallen, unter anderem weil die Services seiner Ansicht nach einen Nerv treffen. „Selbständige und Kleinunternehmer in Italien ächzen seit Jahrzehnten unter bürokratischen Auflagen sowie einem Mangel an geeigneten digitalen Finanzmanagementlösungen“, sagt der Manager. […]

Die vier nicht-validen Prämissen einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank

Von Hans Kraus

Was geschieht, wenn ein mittelständisches, agiles Unternehmen (Wirecard) an der Börse höher bewertet wird als die zwei großen, komplexen, branchenführenden Unternehmen (Deutsche Bank, Commerzbank)? Man „addiere“ einfach die beiden großen, komplexen Unternehmen, sodass ein neuer Player entsteht – noch größer und noch komplexer …

Das mag sarkastisch, abstrakt und natürlich weltfremd klingen, doch folgt man der Debatte der vergangenen Tage, dann scheinen viele Beobachter eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank für eine plausible Verbesserung des Status Quo zu halten. So nachvollziehbar der Wunsch nach gesunden und starken deutschen Spitzeninstituten auch ist – eine solche Fusion würde auf dieses Ziel im Ergebnis keineswegs einzahlen. Denn die Argumente und Prämissen über mögliche Vorteile, welche die Befürworter eines Zusammenschlusses ins Feld führen, sind nicht bzw. nur bedingt valide:

Erste nicht valide Prämisse: Durch eine Fusion entstünde ein im internationalen Vergleich wesentlich gestärkter Player
  • In Wirklichkeit würde sich durch einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und  Commerzbank wenig an der relativen Stärke ändern. Die Marktkapitalisierung der Pro-Forma-Einheit läge im globalen Ranking irgendwo zwischen der 40. und der 50. Stelle. Selbst in Europa hätte der neue Player eine Top-10-Platzierung alles andere als sicher.
  • Die internationalen wettbewerblichen Herausforderungen der Deutschen Bank liegen vor allem in den USA und Asien und in einer Reihe von Geschäftsfeldern des Investmentbankings. Ein Merger mit der Commerzbank würde daran nichts ändern, schließlich ist diese vor allem auf den deutschen bzw. den europäischen Markt im Privat-, Geschäfts- und Firmenkundengeschäft fokussiert.
    Zweite nicht valide Prämisse: Die mit einer Fusion verbundenen Skaleneffekte führten zu deutlich höherer Profitabilität
  • Die Profitabilitätsprobleme fast aller deutschen Banken haben die vielleicht wichtigste  Ursache nicht in fehlenden Skaleneffekten. Sondern darin, dass im Brot-und-Butter-Geschäft der Banken zumindest große Teile des relevanten Wettbewerbs keine/kaum Kapitalkosten erwirtschaften müssen, was sich im Ländervergleich in einzigartigen Pricing-Traditionen und Netzdichten niederschlägt. Solange der deutsche Markt „underpriced“ und „overbanked“ ist, gleicht auch eine Fusion Deutschen Bank und Commerzbank diesen Nachteil nicht aus.
  • Skaleneffekte zu realisieren ist zudem kein Selbstläufer. So hat die Deutsche Bank fast zehn Jahre nach dem Erwerb der Postbank im Privatkundengeschäft (trotz des Skalenpotentials von 20 Mio. Kunden) immer noch die Erschließung wesentlicher Profitabilitätspotentiale vor sich. Zusätzliche 10 Mio. Kunden der Commerzbank wären selbst im letztendlichen Erfolgsfall zunächst eine mittelfristige Komplizierung dieser Herausforderung.
    Dritte nicht valide Prämisse: Die Fusion berge entscheidende Einsparpotenziale
  • Ja, Kostensynergien in den Zentralen und Filialnetzen können grundsätzlich zu hohen Einsparungen führen. Angesichts der Tatsache, dass sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank in den letzten Jahren mit einer Aufwand-Ertrags-Relation bei 80% bis 90% arbeiten und eine Investorenforderung von höchstens 65% CIR erwartbar ist, müssten die Einschnitte eine Tiefe besitzen, wie sie in Deutschland bislang nicht beobachtbar und durchsetzbar war.
  • Synergien sind auch durch Marken und Marktauftrittsfragen bedingt. Das Rational von zwei Marken in der Postbank-Intergration (Markt- und Zielgruppenabdeckung) trägt sicher auch für die Marke Commerzbank. Eine Drei-Marken-Strategie also? Oder eine Markenkonsolidierung mit den dabei üblicherweise eintretenden Kundenverlusten von 4-10%. Bei der Größenordnung wären dies Dyssynergien von 1-3 Mio. verlorenen Kunden.
  • IT-Probleme und veraltete Plattformen bestimmen den Status Quo vieler Banken hierzulande, zuletzt auch am Ausscheiden des IT-Vorstandes der Deutschen Bank sichtbar. Auch die Commerzbank ist dabei, Kernprozesse des Zahlungsverkehrs und der Wertpapierverwaltung auszulagern. Es ist nicht offensichtlich, dass eines der Häuser heute oder morgen  über eine Zielplattform mit Skalen- und Flexibilitätseigenschaften für einen gemeinsamen Bestand von 30 Mio. Kunden (und deren Transaktionen) verfügt. Neubauversuche in jüngerer Vergangenheit haben sich als unerwartet risikoreich erwiesen. Ein enormer Kraftakt also. Mit Blick auf die Digitalisierung käme hinzu, dass die Konkurrenz weiter enteilen würde, wenn sich die Deutsche Bank und die Commerzbank die kommenden fünf Jahre auf ihren Merger konzentrieren müssten.
    Vierte nicht valide Prämisse: Einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank liege ein gesellschaftlich übergeordnetes Interesse zugrunde
  • Wohl eher das Gegenteil wäre der Fall. Während sich nach der letzten Bankenkrise zumindest noch vereinzelte brancheninterne Auffanglösungen organisieren ließen (Sal. Oppenheim/ BHF/ Deutsche Bank), bliebe nach der Konsolidierung der letzten beiden Großbanken – in einer etwaigen künftigen Krise – nur mehr die öffentliche Hand als Retter übrig.
  • Im Ergebnis bestünde der Kern des deutschen Bankensektors in Zukunft de facto aus drei riesigen „Too big to fail“-Organisationen (Sparkassen-Landesbanken-Sektor, Genossenschafts-Sektor, Deutsche Bank/Commerzbank). Eine der wesentlichen Lektionen der Finanzkrise wäre konterkariert.
  • Dabei überstiege die politische Komplexität der Governance eines Zusammenschlusses von Deutscher Bank und Commerzbank alles bisher Dagewesene: Immerhin müssten sich so unterschiedliche Interessengruppen wie der Bund, der Katarische Staatsfonds, Cerberus und ein heterogenes, internationales Aktionariat (inkl. Hedgefonds) auf eine gemeinsame Perspektive verständigen. Bliebe der Bund an Bord, wären zudem alle Governance-Aspekte einer kombinierten Bank qua Bundesbeteiligung der permanenten öffentlichen Bewertung ausgesetzt.
    Was stattdessen tun? Die  Skizze einer Antithese zur Fusion

    Meine Antithese beruht auf einer ganz anderen Interpretation des „Wirecard-Phänomens“, nämlich: Die über viele Jahrzehnte auch durch Fusionen gewachsenen (deutschen) Großbanken sind nicht etwa zu klein, sondern eher zu groß für die Anforderungen des Marktes – denn durch ihre Komplexität sind die Institute nicht ausreichend agil, um europäische und globale Wachstumsmärkte zu erschließen, die Digitalisierung zu nutzen und neue, lukrative Teilmärkte aufzubauen (wie das die Wirecards oder Adyens tun).

Daher stellt sich mit gleicher Legitimität die Frage nach einer effektiven strukturellen Flexibilisierung großer Banken (wie auch in anderen Industrien regelmäßig beobachtbar), um unternehmerische Qualitäten in den einzelnen Geschäftsfeldern wieder zu gewinnen. Zudem fragt sich, wie die eigene Metamorphose zu einem wachstumsagilen, auf die eigenen Stärken fokussierten Spieler initiiert werden kann. Eine mögliche Agenda der Metamorphose der Deutschen Bank lässt sich leicht aus den vielen öffentlichen Diskussion zusammenfassen und wäre wie folgt skizziert:

  1. Flexibilisierung im Konzern: Ausbau des Holding-Prinzips, um weitere Teilbörsengänge wie den des Asset Managements zu ermöglichen. Damit unmittelbarer und differenzierter Marktdruck und Marktbewertung der Divisionen.
  2. Internationale Refokussierung: Die Investmentbank konsequent nach ihren echten Geschäftsfeldstärken ausrichte. Ein Szenario-Impuls des Regulators dazu wurde vor kurzem öffentlich. Regional das US-Geschäft weiter verkleinern bzw. verkaufen. Europa, Asien und den Wachstumsmarkt Afrika fokussieren – und hier ggf. sogar gezielt zukaufen. Dem Transaction Banking seinen divisionalen Stellenwert wiedergeben, um Wachstums- und Kapitalisierungspotentiale zu ermöglichen.
  3. Profitabilisierung im Heimatmarkt: Vor allem in Deutschland ist ein Erreichen der selbst gesetzten Effizienzziele von 65% CIR im Privat-, Geschäfts- und Firmenkundengeschäft die (Wieder-) Eintrittskarte in die weitere nationale und auch innereuropäsiche Konsolidierung. Die Komponenten sind öffentlich: Erfolgreicher Abschluss der Integration der Postbank bei gleichzeitiger Digitalisierung der wesentlichen Geschäftsprozesse und Vereinheitlichung und Erneuerung der IT.
  4. Ganz am Ende: Konsolidierung, auch in Europa. Denn dann ließen sich – ohne die hohen Risiken ein Vabanque-Spiels – die erhofften Wirtschaftlichkeits- und Skaleneffekte tatsächlich realisieren.

Warten wir ab, wie die Diskussion sich weiter entwickelt.

Der Selbstbetrug der Sparkassen und Volksbanken

Von Carl Dietrich Sander*

Einmal im Jahr gibt es für Deutschlands Kleinbanken Grund zum Feiern – nämlich immer im September, wenn die Bundesbank ihre große GuV-Statistik für die hiesige Kreditwirtschaft vorlegt. Schlagzeilen wie „Sparkassen und Genossenschaftsbanken laufen Großbanken den Rang ab“ („Handelsblatt“ an diesem Montag“) sind bei diesem Anlass sicher. Schließlich schneiden die Ortsinstitute in der einschlägigen Erhebung schon seit Jahren besser ab als die großen Frankfurter Häuser.

Bloß: Wenn die Sparkassen und Volksbanken besser sind als die Deutsche Bank – heißt das dann auch, dass sie gut sind? Ich habe da so meine Zweifel. Denn die diese Woche von der Bundesbank vorgelegten Zahlen geben genügend Anlasse zur Sorge:     

1.) Die wesentliche Ertragsquelle „Zinsüberschuss“ erodiert unverändert

Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken macht der Zinsüberschuss (Zinserträge abzüglich Zinsaufwendungen) 73,9 Prozent bzw. 75,3 Prozent aller Erträge aus. In der Analyse der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) einer Bank werden die absoluten Beträge in Kennzahlen umgerechnet und ausgewiesen in Prozent der Durchschnittsbilanzsumme (DBS). Diese „Zinsspanne“ ist bei den Kreditinstituten seit Jahren rückläufig – und dieser Prozess hat sich auch 2017 weiter fortgesetzt. Abbildung 1 (unten) zeigt diese Entwicklung auf. Der Rückgang zum Vorjahr betrug in beiden Gruppen 0,09 Prozent-Punkte oder 4,5 Prozent. Die Bundesbank schreibt: „Bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken wird der Margendruck immer sichtbarer.“ Angesichts steigender Kreditvolumina (vor allem private Baufinanzierungen und langfristige Kredite an Unternehmen) ist der weitere Rückgang vor allem auf zwei Effekte zurückzuführen: Weitere Ersparnisse im Zinsaufwand sind nur noch begrenzt zu realisieren, denn bereits 50 Prozent (!) der Einlagen sind praktisch unverzinste Sichteinlagen. Und im Kreditgeschäft und bei den Eigenanlagen fließen immer noch Gelder zurück, die höhere Zinssätze hatten als bei neuen Krediten und Anlagen erreicht werden können.

2.) Den Zinsüberschuss retten zu wollen, birgt neue Gefahren

Im Ausblick geht die Bundesbank davon aus, dass in diesem Jahr die weitere Kreditausweitung und weitere Umschichtungen bei den Einlagen den Zinsüberschuss stützen werden. Aber: Mit immer mehr Sichteinlagen und immer mehr langfristigen Zinsbindungen erhöhen die Kreditinstitute ihre Zinsänderungsrisiken und Liquiditätsrisiken. So schreibt die Bundesbank, dass sich diese Bilanzstrukturen „im Falle eines Zinsanstiegs jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit materialisieren und dann negativ auf die Ertragslage auswirken.“ Wobei die Bundesbank mittel- und langfristig eine positive Auswirkung eines Zinsanstiegs erwartet.

3.) Die Abhängigkeit vom Provisionsüberschuss wird immer größer

Bei den Sparkassen stand das Provisionsergebnis 2017 bereits für 25,5% der Erträge – zum Vergleich: Vor vier Jahren waren es erst 21,1%. Das ist einerseits zwar positiv,  da die Institute durch steigende Provisionseinnahmen die Rückgänge im Zinsüberschuss bislang erstaunlich gut kompensieren (Treiber waren übrigens deutliche Gebührenerhöhungen bei sehr vielen Banken und Sparkassen im Zahlungsverkehr und ein besser gelaufenes Wertpapiergeschäft). Zugleich steigt aber die Abhängigkeit. Denn: Gebührenerhöhungen (die neben dem Wertpapiergeschäft der wesentliche Treiber für die Zuwächse waren)  werden sich nicht jedes Jahr aufs Neue wiederholen lassen.

4.) Der zentrale Rentabilitäts-Maßstab ist weiter unter Wasser

Zentrale Größe der Bank-GuV ist das „Betriebsergebnis vor Bewertung“. Also quasi der Gewinn vor Risikokosten aus dem Kreditgeschäft und den Eigenanlagen und natürlich vor Steuern. Für diesen Erfolgsmaßstab gibt es eine langjährige Richtschnur: Das Betriebsergebnis vor Bewertung sollte nachhaltig bei 1,00 Prozent der DBS liegen. Auf dieser Basis können dann 0,30 Prozent für das Risikoergebnis abgezweigt werden und 0,70 Prozent bleiben als ausreichend für Rücklagenbildung, Dividende und Ertragssteuern. Wo die Institute aktuell liegen, zeigt Abbildung 2 (unten): Deutlich unter 1,00 Prozent – und das schon seit 2012. Dennoch sprechen die Verbände der Sparkassen und Genossenschaftsbanken seit Jahren von zufriedenstellenden Ergebnissen – was sich daraus erklärt, dass die Institute seit 2013 keine oder kaum noch Risikokosten bilden. Der guten Konjunktur sei Dank. Zusätzlich entstehen positive Risikokosten, das heißt die Institute können in den Vorjahren gebildete Einzelwertberichtigungen ertragserhöhend auflösen, weil sich die Kredite oder die Wertpapiere besser entwickelt haben, als zum Zeitpunkt der Bildung zu Lasten des Ertrages zu erwarten war. Die Bundesbank vermerkt dazu, dass die Risikokosten „erneut extrem niedrig“ ausfallen.

Nur: Wird das ewig so anhalten? Ohne Kassandra spielen zu wollen: Natürlich nicht. Die nächste Konjunkturdelle wird kommen (oder die nächste Finanzkrise – ausgelöst wodurch auch immer) und damit werden die Risikokosten wieder steigen. Wir wissen nur noch nicht, wann diese Delle kommen, wie lange sie anhalten wird und wie tief sie ausfallen wird.

5.) Der Verwaltungsaufwand bleibt weit hinter den Zielen zurück

Große Entlastungen auf der Kostenseite (Personalaufwand, Sachaufwand, Abschreibungen Anlagevermögen) sind trotz der vielen Fusionen nicht eingetreten: „Im Sparkassensektor lagen die Verwaltungsaufwendungen mit 20,0 Mrd. € und im Genossenschaftssektor mit 14,4 Mrd. € nur knapp unter dem Vorjahresergebnis“ schreibt die Bundesbank. Bei wachsenden Bilanzsummen führt dies natürlich zu einer leichten Verbesserung der „Aufwandsspanne“ und damit auch zu einer leichten Verbesserung der „Aufwands-Ertrags-Relationen“: Bei den Sparkassen um 0,7 Prozent-Punkte, bei den Genossenschaftsbanken um 0,9 Prozentpunkte auf 67,1 bzw. 65,7 Prozent. Zur Erinnerung: In der Verbandsstrategie der Sparkassen lautete um das Jahr 2010 das Ziel für die Aufwands-Ertrags-Relation: 60 Prozent.

6.) Die stillen Reserven schmilzen dahin

Banken sind die einzige Branche, die nach § 340 f HGB versteuerte stille Reserven bilden darf. Gedanke des Gesetzgebers: In ertragsstarken Jahren bilden die Institute solche Reserven; sie haben in diesen Jahren eine entsprechende höhere Risikovorsorge und zahlen mehr Steuern als nach dem ausgewiesenen Jahresüberschuss plausibel. In schlechten Jahren lösen die Institute solche Reserven auf, haben in Auflösungshöhe „Risikoerträge“ und erhalten eine entsprechende Steuergutschrift. Der Clou: Bildung und Auflösung erfolgen „still“, sind also in der GuV nicht erkennbar Die Institute haben auch für 2017 davon Gebrauch gemacht, die Höhe wird allerdings nicht genannt. Die niedrigen oder sogar positiven Risikokosten sind dadurch aber mit beeinflusst. Es hat also durchaus Risikokosten gegeben! Negativ gestimmt könnte man sagen: Bereits jetzt benötigten viele Institute solche Auflösungen, um ihre Ergebnisse noch vorzeigbar zu gestalten. Dagegen spricht, dass die Sparkassen im Jahr 2017 den „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ (§ 340 g HGB) mit 5,0 Mrd. € und die Genossenschaftsbanken mit 3,1 Mrd. € dotiert haben. Es gab also genug Institute, die dafür genügend Ertragskraft besaßen. Oftmals nehmen die Institute auch Umschichtungen vor: Auflösung stiller Reserve und Einstellen in die offene Reserve (diese wird in der GuV im Rahmen der Gewinnverwendung dargestellt). So sie dies auch „zumeist“ 2017 erfolgt, so die Bundesbank in einer Fußnote. Hintergrund: Die stillen Reserven nach § 340 f HGB werden nach Basel III nicht als Eigenkapital anerkannt. Der Fonds für allgemeine Bankrisiken dagegen wird dem Kernkapital zugerechnet. Nachteil einer solche Umwandlung: Die Idee des Gesetzgebers einer „stillen“ Reserve wird damit konterkariert. Dann jede Reduzierung des „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ wird in der Bilanz sofort deutlich und signalisiert: Da bekommt ein Institut seine GuV nicht mehr ohne eine solche Auflösung „auf die Reihe“.

7.) Die bislang bekannt gewordenen 2018er-Zahlen stimmen bedenklich

Nach den bisher veröffentlichten Schlaglichtern zur Ertragslage 2018 ist mit einem weiter rückläufigen Betriebsergebnis vor Bewertung zu rechnen. Und mit eventuell schon in diesem Jahr steigenden Risikokosten. Die Schere könnte sich weiter schließen. Die möglichen Auswirkungen werden besonders deutlich, wenn wir berücksichtigen, dass in dem Bericht der Bundesbank Durchschnittszahlen betrachtet werden. Es gibt also Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die wesentlich besser dastehen, als es die Bundesbank-Durchschnitts-Zahlen zeigen. Aber: Es gibt auch viele Institute, die bereits jetzt mehr oder weniger deutlich unter diesem Durchschnitts-Niveau liegen.

Das Fazit aus zwei verschiedenen Blickwinkeln:
  • Die Sicherungseinrichtungen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken werden die ertragsschwächeren Institute hoffentlich gut im Blick haben und diese mit entsprechenden „Impulsen“ vor weiterem Ertragsrückgang und damit weiterem Verlust ihrer „Risikotragfähigkeit“ bewahren. Interessant wäre zu wissen, welchen Instituten die Bankenaufseher auf Basis ihrer aktuellen Situation bereits institutsindividuelle Eigenkapitalaufschläge verordnet haben.
  • Mittelständischen Unternehmen sollte es nicht gleichgültig sein, wie bilanzstark ihre kreditgebenden Hausbanken sind. Denn nur dauerhaft ertragsstarke Kreditinstitute werden auch in konjunkturell schwierigeren Zeiten ihre Kunden weiterhin kreditaktiv begleiten können.

*Carl-Dietrich Sander ist Leiter der Fachgruppe Finanzierung-Rating im Verband „Die KMU-Berater“. Im Internet finden Sie ihn unter www.cd-sander.de

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Mal 2-3 Gedanken zur Geschäftsverbindung zwischen Paydirekt und dem Otto-Konzern

Von Heinz-Roger Dohms

Paydirekt – sprich: der Paypal-Klon der deutschen Banken – verkündete dieser Tage, als neuen Kunden Bonprix gewonnen zu haben, also die stark wachsende Modetochter von Otto (nachdem zuletzt schon die Akquise zweier weiterer Otto-Töchter, nämlich Baur und Sportscheck, vermeldet worden war).

Kenner der Materie werden erinnern, dass sich Paydirekt die Zusammenarbeit mit „Otto.de“ einst eine Mitgift von mutmaßlich wenigstens 10 Mio. Euro kosten ließ. Man interpretiert sicherlich nicht zu viel in die Dinge hinein, wenn man die drei neuen Kooperationen in diesen Kontext stellt.

Was man sich dabei vor Augen führen muss:  94% der Otto-Kunden nutzen weiterhin den Kauf auf Rechnung oder Ratenzahlung, erklärte ein Otto-Manager im Frühjahr beim EHI-Kartenkongress. Bleibt für Paydirekt also ein 6%-Kuchen. Und um den rangelt man mit den Visas, Mastercards und Paypals dieser Welt. Mal sehen, ob sich die Investition in Otto wirklich rentieren wird.

Das Zinsmassaker und neun weitere Grafiken zum Zustand der deutschen Kreditwirtschaft

Von Heinz-Roger Dohms

Eine Überraschung ist es nicht. Aber wenn man es dann schwarz auf weiß sieht, schaudert’s einen doch kurz: Von 95,9 Mrd. auf nur noch 85,5 Mrd. Euro ist der Zinsüberschuss der deutschen Kreditwirtschaft zwischen 2015 und 2017 gesunken – ein Minus von 11% binnen zwei Jahren, wie aus dem gestern veröffentlichten großen Bankenbericht der Buba hervorgeht. Und das, obwohl (so lässt es sich zwischen den Zeilen herauslesen) viele Banken die Kreditvolumina weiter hochgefahren haben und manche mittlerweile die Fristen transformieren, dass sich die Balken zu biegen beginnen. Dabei  sind die 85,5 Mrd. Euro nicht die einzige alarmierende Zahl in dem Report: Infolge der fehlenden Zinseinnahmen sind die Gesamterträge der deutschen Banken auf nur noch 123,1 Mrd. Euro gesunken – auch das hört sich nicht gut an. Und sonst so? Lebten die Kleinbanken 2017 von steigenden Provisionen und immer noch niedriger Risikovorsorge. Und die Großbanken? Erlebten ein Desaster. Hier die zehn wichtigsten Grafiken (mit Langzeitvergleich) auf einen Blick.

1.) Die Erträge sind 2017 um fast 4% eingebrochen, …
2.) … was vor allem am krassen Rückgang des Zinsüberschusses lag.

3.) Der Provisionsüberschuss stieg zwar, konnte die Zinsverluste aber nur zu einem kleinen Teil kompensieren

4.) Trotzdem ist extrem bemerkenswert, wie stark der Anteil der Zinsen an den Gesamterträgen seit Jahren sinkt, gerade bei den Sparkassen …

5.) Die Großbanken sind dagegen kaum in der Lage, die Rückgänge im Zinsgeschäft durch andere Erträge wettzumachen, was sich in immer katastrophaleren Betriebsergebnissen (vor Bewertung) niederschlägt.

6.) Ein weiteres Problem für die Großbanken sind die (zumindest gemessen an der Ertragsschwäche) immer noch viel zu hohen Kosten.

7.) Was da beinahe schon überrascht: Der Jahresüberschuss vor Steuern ist weiterhin hin relativ konstant …

8.) … was aber natürlich auch daran liegt, dass die Banken weiterhin so wenig Risikovorsorge bilden, dass z.B. das Bewertungsergebnis der Sparkassen jetzt schon das siebte Jahr in Folge positiv (oder zumindest nicht negativ) ist.

9.) Und sonst so? Setzt sich das Bankensterben weiter fort, insbesondere bei den Genossen …

10) … während die Bilanzen schrumpfen, was allerdings weiterhin in erster Linie auf die Landesbanken zurückzuführen ist

Warum wird die Commerzbank dann nicht gleich aufgelöst?

Von Heinz-Roger Dohms

Ist die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank eigentlich schon vollzogen? Ach nein, vollzogen ist sie noch nicht, sie ist lediglich sinnvoll (so liest es sich in der „FAZ“), zwingend (so liest es sich in der „Wiwo“) oder gar „alternativlos“ (so schreibt es wörtlich das „Handelsblatt“).

Nun maßt sich „Finanz-Szene.de“ weder an, den Kollegen zu widersprechen noch ihnen beizupflichten. Denn: Ehrlich gesagt haben wir keinen blassen Schimmer, ob so ein Zusammenschluss letztlich gut enden würde, ist ja doch sehr komplex, das Thema. Falls gleichwohl ein Gedanke erlaubt sei: Wenn man sich die Pro-Argumente, die z.B. das „HB“ anführt, mal genauer anschaut (30 Mio. Privatkunden, Skaleneffekte, Abschaltung redundanter IT-Systeme, Beseitigung von Doppelstrukturen, Schließung von Filialen, Streichung zehntausender Stellen) – reden wir dann überhaupt noch über eine Fusion?

Oder müsste man dann nicht ehrlicherweise eine andere Forderung aufstellen? Nämlich dass die Commerzbank  ihre Kunden und ihre Bilanz gegen Entschädigung zur Deutschen Bank rüberwirft – und dass sie sich sodann samt ihrer vielen angeblichen Non-Assets (Mitarbeiter, Filialen, IT, ATMs, Herr Zielke, Herr Mandel, Frau Orlopp …) schlicht und einfach: auflöst?

1000, 155 oder 38: Wie viele Mitarbeiter hat das Fintech WebID wirklich?

Von Heinz-Roger Dohms

Als wir die größeren deutschen Fintechs neulich fragten, wie viele Mitarbeiter sie denn haben, gab es in dem Ranking (das wir  auf Basis der offiziellen Angaben erstellten) eine kleine Überraschung: mit rund 500 Beschäftigen auf Rang zwei landete der eher mäßig prominente Berliner Identifizierungsspezialist WebID Solutions.

Einige Leser – bei denen es sich genau genommen um die CEOs anderer Fintechs handelte – meldeten daraufhin uns gegenüber per Mail ein paar Zweifel an der Zahl an. Worauf wir dreigeteilt antworteten: 1.) „Das Ranking basierte nun mal auf den offiziellen Angaben.“ 2.) „Wir können uns ja schlecht vor das Werkstor stellen und die Leute zählen“ (zumal manche Finanz-Startups ja seltsamerweise überhaupt kein Werkstor haben!!!). Und 3.) „Ruhig Blut, Genosse Fintech-Chef. Wir kriegen die Sache schon irgendwie aufgeklärt.“

Also, auf geht’s:

  • Wenige Tage nach Erscheinen unserea Artikels veröffentlichte die WebID Solutions GmbH im Bundesanzeiger ihren Geschäftsbericht für 2017. Darin heißt es wörtlich: „Im Geschäftsjahr wurden insgesamt durchschnittlich 155 Mitarbeiter beschäftigt.“
  • Die Diskrepanz zwischen den 155 und den 500 erklärte WebID-Solutions-Chef Frank Jorga daraufhin uns gegenüber weniger mit zwischenzeitlichen Einstellungen, sondern in erster Linie damit, dass „die Anzahl der Mitarbeiter im Geschäftsbericht FTE (= Full Time Equivalent) sind“. Bei der gegenüber „Finanz-Szene.de“ genannten Zahl handele es sich hingegen um sämtliche Beschäftigte
  • In der Tat hatten wir bei unserer Umfrage explizit nach den einzelnen Beschäftigten (und eben nicht nach einer FTE-Zahl) gefragt. Punkt für Herrn Jorga also. Trotzdem stellten wir uns die Frage, ob es denn sein kann, dass bei WebID Solutions überwiegend Leute mit halben Stellen oder gar Drittel- oder Viertelstellen arbeiten (wobei wir natürlich wissen, dass es für Kunden-Identifizierungen sog. Servicecenter braucht, in denen  Teilzeitmodelle alles andere als ungewöhnlich sind)
  • Jedenfalls: Laut Jorga arbeiten viele WebID-Solutions-Leute im „operativen Identcenter-Betrieb“ tatsächlich in Teilzeit, dabei gebe es zum Beispiel durchaus auch 25%-Stellen
  • Gehen wir also mal davon aus, dass die 500 stimmen – dann lässt sich trotzdem darüber streiten, ob WebID Solutions ein „Fintech mit 500 Mitarbeitern“ ist. Denn, so Jorga: Nur rund die Hälfte der Leute sei mit Identifizierungen für Finanzdienstleister beschäftigt, bei den übrigen Kunden handele es sich unter anderem um Mobilfunkanbieter oder Anbieter digitaler Produkte. Freilich: Dieser methodische Fehler (wenn man darin denn einen methodischen Fehler sehen will) müsste sich „Finanz-Szene.de“ selber zuschreiben
  • Es ist aber sogar alles noch komplizierter: Zum Beispiel in der Schweiz (etwa bei Swisscom und der Schweizer Post) oder in Dubai arbeiten Jorga zufolge auch viele Identifizierungs-Spezialisten, die WebID zwar ausgebildet und lizensiert habe, die aber bei den jeweiligen Unternehmen angestellt seien. „Wenn wir diese Leute mitzählen würden, dann hätten wir nicht nur 500, sondern sogar 1000 Mitarbeiter“, sagt Jorga
  • Gleichwohl, wenn man versucht, von der Mitarbeiterzahl auf die (technologische) Schlagkraft einzelner Fintechs zu schließen, dann ist es vermutlich am sinnigsten, auf Linkedin zu gehen. Denn dort (sorry, wenn das jetzt ein wenig vorurteilsbeladen klingt) stellt sich der selbstgewisse „Ich will 90.000 brutto plus Mitarbeiteraktien“-Programmierer tendenziell eher zur Schau als die im Vergleich eher mäßig bezahlte 25%-Kraft aus dem Servicecenter. Jedenfalls: Diese Woche spuckte Linkedin für die WebID Solutions GmbH exakt 38 Mitarbeiter aus.

Warum wird die Commerzbank dann nicht gleich aufgelöst?

von Heinz-Roger Dohms

Ist die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank eigentlich schon vollzogen? Ach nein, vollzogen ist sie noch nicht, sie ist lediglich sinnvoll (so liest es sich in der „FAZ“), zwingend (so liest es sich in der „Wiwo“) oder gar „alternativlos“ (so schreibt es wörtlich das „Handelsblatt“). Nun maßt sich „Finanz-Szene.de“ weder an, den Kollegen zu widersprechen noch ihnen beizupflichten. Denn: Ehrlich gesagt haben wir keinen blassen Schimmer, ob so ein Zusammenschluss letztlich gut enden würde, ist ja doch sehr komplex, das Thema. Falls gleichwohl ein Gedanke erlaubt sei: Wenn man sich die Pro-Argumente, die z.B. das „HB“ anführt, mal genauer anschaut (30 Mio. Privatkunden, Skaleneffekte, Abschaltung redundanter IT-Systeme, Beseitigung von Doppelstrukturen, Schließung von Filialen, Streichung zehntausender Stellen) – reden wir dann überhaupt noch über eine Fusion? Oder müsste man dann nicht ehrlicherweise eine andere Forderung aufstellen? Nämlich dass die Commerzbank  ihre Kunden und ihre Bilanz gegen Entschädigung zur Deutschen Bank rüberwirft – und dass sie sich sodann samt ihrer vielen angeblichen Non-Assets (Mitarbeiter, Filialen, IT, ATMs, Herr Zielke, Herr Mandel, Frau Orlopp …) schlicht und einfach: auflöst?

14/09/18: Die Auflösung der Commerzbank, Einigung im HSH-Streit?, Neukunden-Panik bei der DKB

Warum wird die Commerzbank dann nicht gleich aufgelöst?

Ist die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank eigentlich schon vollzogen? Ach nein, vollzogen ist sie noch nicht, sie ist lediglich sinnvoll (so liest es sich in der „FAZ“), zwingend (so liest es sich in der „Wiwo“) oder gar „alternativlos“ (so schreibt es wörtlich das „Handelsblatt“). Nun maßt sich „Finanz-Szene.de“ weder an, den Kollegen zu widersprechen noch ihnen beizupflichten. Denn: Ehrlich gesagt haben wir keinen blassen Schimmer, ob so ein Zusammenschluss letztlich gut enden würde, ist ja doch sehr komplex, das Thema. Falls gleichwohl ein Gedanke erlaubt sei: Wenn man sich die Pro-Argumente, die z.B. das „HB“ anführt, mal genauer anschaut (30 Mio. Privatkunden, Skaleneffekte, Abschaltung redundanter IT-Systeme, Beseitigung von Doppelstrukturen, Schließung von Filialen, Streichung zehntausender Stellen) – reden wir dann überhaupt noch über eine Fusion? Oder müsste man dann nicht ehrlicherweise eine andere Forderung aufstellen? Nämlich dass die Commerzbank  ihre Kunden und ihre Bilanz gegen Entschädigung zur Deutschen Bank rüberwirft – und dass sie sich sodann samt ihrer vielen angeblichen Non-Assets (Mitarbeiter, Filialen, IT, ATMs, Herr Zielke, Herr Mandel, Frau Orlopp …) schlicht und einfach: auflöst?

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News

Im HSH-Nordbank-Streit steht offenbar eine Einigung kurz bevor: Demnach soll die Landesbank nach der Übernahme durch Cerberus und Flowers noch drei Jahre im öffentlich-rechtlichen Einlagensicherungsfonds bleiben – bevor sie dann (und zwar ohne Abstriche) in die Sicherungseinrichtung des BdB käme. So jedenfalls berichtet es heute Morgen das „Handelsblatt“ (Paywall).

Nahm man nicht gerade erst Signale wahr, dass es im einheimischen Investmentbanking für die Deutsche Bank zuletzt einigermaßen gelaufen ist (bei Knorr-Bremse im Konsortium, Platz eins in irgendeinem Dealogic-Ranking …)? Nun ja, es ist halt immer ein Auf und Ab mit unseren blauen Freunden. Denn gestern kam die Meldung, dass das größte Geldhaus des Landes bei einer missglückten Aktienplatzierung für  Instone auf Papieren im Wert von 175 Mio. Euro sitzen geblieben ist. Trost: Der Aktienkurs des Essener Immobilienentwicklers scheint so stabil, dass sich die Papiere womöglich/vermutlich ohne großen Wertverlust werden abverkaufen lassen. Reuters

Wenn sich Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank heute und morgen in Hamburg zu ihrem alljährlichen Strategie-Meeting treffen, wird es auch um die Frage gehen, wer den 7,6%-Anteil des chinesischen Großaktionär HNA übernimmt. Ein heißer Kandidat soll der chinesische Staatsfonds CIC sein, schreibt das „Wall Street Journal“ (Paywall).

Und noch eine Topposition bei der Deutschen Bank, die künftig wieder von einem Deutschen besetzt wird: Anstelle des bisherigen Geldwäsche-Beauftragten Philippe Vollot (der Franzose wird Vorstand bei der Danske Bank …) kommt zum 1. Oktober Stephan Wilken. Wirtschaftswoche

Hatten wir nicht kürzlich gemutmaßt, die DKB müsse (weil den zweifellos sehr vielen Neukunden auch verblüffend viele abwandernde Kunden gegenüberstehen) mal langsam die Marketing-Maschine anwerfen, wenn sie ihr Ziel von insgesamt vier Millionen Kunden bis Jahresende noch erreichen will? Siehe da, hier rattert die Maschine schon: DKB-Website

Der Frankfurter Volksbank fehlen nur noch 2 Mrd. Euro Bilanzsumme, um die Berliner Volksbank als größte genossenschaftliche Ortsbank hierzulande abzulösen, haben die Kollegen von Bloomberg errechnet. Selbstreferenziell wie wir sind, würden wir das gerne zum Anlass nehmen, nochmal auf unsere Geschichte „Ist Hessen das Versuchsfeld  für die Zukunft der deutschen Kleinbanken?“ aus dem April zu verlinken. Denn seitdem sind ein paar Tausend Abonnenten hinzugekommen, die den einigermaßen zeitlosen Text vermutlich noch nicht kennen: Finanz-Szene.de

Kann es sein, dass das Thema „Autoabsatzfinanzierung“ bei „Finanz-Szene.de“ schon seit Monaten viel zu viel Raum einnimmt? Ja, kann sehr gut sein. Aber weil es auf eine Meldung mehr oder weniger dann ja eh nicht mehr ankommt, berichten wir also heute, dass sich die Finanzsparte von Daimler mit 20% an Heycar beteiligt, das ist die im vergangenen Jahr gestartete Gebrauchtwagenplattform der Finanzsparte von Volkswagen. Hier die Kurfassung der entsprechenden Pressemeldung: Finanz-Szene.de

Liebe (Provisions-)Banker, nehmen Sie sich in Acht: Gerhard Schick, langjähriger (und sehr profilierter) finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, gibt sein Mandat auf und startet stattdessen eine „Bürgerbewegung Finanzwende“. Deren Name ist Programm, vom Thema Eigenkapital (rauf) bis hin zum Thema Provisionen (runter). Süddeutsche

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Linktipps

„Frank the Tank“: Mal ganz abgesehen davon, dass er einen Spitznamen hat, der selbst einem Darts-Spieler gut zu Gesicht stehen würde, was per se ja schon mal als sehr, sehr positiv bewertet werden muss … Wer ist eigentlich dieser Frank Kuhnke, also der (wenn nicht alles täuscht) künftige IT-Vorstand der Deutschen Bank? Süddeutsche, Handesblatt (Paywall)

Es gibt Fintech-Jungs, die treten gefühlt jeden Tag irgendwo auf. Und es gibt Fintech-Jungs, die würden nicht mal wir auf der Straße erkennen. Heißt aber nicht, dass sie nichts Spannendes zu erzählen hätten: Stefan Krautkrämer und Dirk Rudolf, die Gründer von FintecSystems, im Podcast von FinanceFwd.

Apple Pay, Google Pay, Hudson Pay, Fidor Pay, Geno Pay (oder heißt es „Volksbank Mobile Payment“???) … Jedenfalls, sollten auch Sie längst den Überblick verloren, welche mobilen Bezahllösungen es im deutschen Bankenmarkt bereits gibt oder demnächst geben soll – hier werden Sie geholfen: Paymentandbanking

(Wussten Sie eigentlich, dass „Finanz-Szene“ immer noch ein Familienunternehmen ist? Jedenfalls: An die Formulierung „Hier werden Sie geholfen“ machte die Cheflektorin gestern Abend den Vermerk: „ein Witz?“ – Ja, Mutti, ein Witz. Das mit Hudson Pay übrigens auch, war Dir aber nicht aufgefallen, hihi.)

Gehört für Sie zu einem perfekten Wochenende dazu,  mal richtig tief ins Thema „Identitätsplattformen“ einzutauchen? Dann hätten wir hier noch einen Artikel der IT-Freaks von „Golem“ für Sie (nebenbei erfahren Sie in dem Stück dann übrigens auch, wie sich der Deutsche-Bank-Anbieter Verimi im Vergleich zur Konkurrenz schlägt). Golem

Aus der Szene

1000, 155 oder 38: Wie viele Mitarbeiter hat das Berliner Fintech WebID Solutions wirklich? Als wir die größeren deutschen Fintechs neulich fragten, wie viele Mitarbeiter sie denn haben, gab es in dem Ranking (das wir  auf Basis der offiziellen Angaben erstellten) eine kleine Überraschung: mit rund 500 Beschäftigen auf Rang zwei landete der eher mäßig prominente Berliner Identifizierungsspezialist WebID Solutions. Einige Leser – bei denen es sich genau genommen um die CEOs anderer Fintechs handelte – meldeten daraufhin uns gegenüber ein paar Zweifel an der Zahl an. Worauf wir dreigeteilt antworteten: 1.) „Das Ranking basierte nun mal auf den offiziellen Angaben.“ 2.) „Wir können uns ja schlecht vor das Werkstor stellen und die Leute zählen“ (zumal manche Finanz-Startups seltsamerweise überhaupt kein Werkstor haben!!!). Und 3.) „Ruhig Blut, Genosse Fintech-Chef. Wir kriegen die Sache schon irgendwie aufgeklärt.“ Und genau das haben wir gemacht. Voilà: Finanz-Szene.de

Klickfavorit

… war gestern unser Stück über die ersten Plattform-Erträge in der Geschichte der Deutschen Bank. Finanz-Szene.de

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Daimler-Finanzsparte steigt bei VW-Gebrauchtwagenplattform Heycar ein

von Heinz-Roger Dohms

Die Finanzsparte von Daimler steigt bei Heycar ein, der im letzten Jahr gestarteten Gebrauchtwagenplattform von VW Financial Services. Hier die entsprechende Pressemitteilung in gekürzter Form:

Die Volkswagen Financial Services haben Daimlers Finanzsparte als Partner und Investor für ihre im Oktober 2017 […] gestartete Gebrauchtwagenplattform heycar gewinnen können. Der Einstieg von Daimler erfolgt im Wege einer Kapitalerhöhung. Nach Abschluss der Transaktion wird Daimler mit 20% an der Mobility Trader Holding GmbH beteiligt sein, welche über ihre Tochtergesellschaft Mobility Trader GmbH die heycar-Plattform im deutschen Markt betreibt. Daimler Financial Services erhält einen Sitz im Beirat der Mobility Trader GmbH sowie – bei internationaler Expansion von heycar – je einen Beiratssitz in jeder weiteren Landesgesellschaft. Über den Kaufpreis wurde beiderseitiges Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden.

[…]heycar wurde im Oktober 2017 als markenneutrale und auf den Fabrikatshandel konzentrierte Premiumplattform für den Gebrauchtwagenhandel gegründet. Inzwischen sind mehr als 1.000 Händlergruppen unterschiedlichster Marken an rund 3.000 Standorten mit über 300.000 Fahrzeugen auf der Plattform vertreten. CEO ist Markus Kröger.

Das hier sind die ersten Plattform-Erträge der Deutschen Bank

Von Heinz-Roger Dohms

Der „Zinsmarkt“ der Deutschen Bank nimmt allmählich Fahrt auf. Voraussichtlich Anfang Oktober werde die Einlagenplattform die 500-Mio.- Euro-Marke durchbrechen, sagte Digitalchef Markus Pertlwieser im Exklusiv-Interview mit „Finanz-Szene.de“. Anders ausgedrückt: Das größte Geldinstitut des Landes hält jetzt Kundeneinlagen in Höhe von knapp einer halben Mrd. Euro nicht mehr selber, sondern hat das Geld im Auftrag der Kunden an andere Banken wie die HSH Nordbank oder die französische My Money Bank vermittelt. Der Sinn dahinter: Bei diesen Instituten bekommen die Sparer merklich höhere Zinsen als bei der Deutschen Bank selber.

Wie hoch die Provisionen sind, die die Frankfurter Großbank von den Partner-Instituten für die Vermittlung der Spareinlagen erhält, wollten Pertlwieser und sein Kollege Andreas Kramer (der den „Zinsmarkt“ direkt verantwortet) im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“ nicht beziffern. Marktkenner gehen allerdings davon aus, dass es sich aufs Jahr gerechnet um 0,1% bis 0,2% der vermittelten Summe handelt. Wenn das stimmt, setzt die Frankfurter Großbank mit dem „Zinsmarkt“ also momentan aufs Jahr hochgerechnet irgendwas Richtung eine Mio. Euro um.

Einerseits wirkt das natürlich mickrig. Andererseits: Wenn man so will, handelt es sich hierbei um die ersten Plattform-Erträge der Deutschen Bank überhaupt* – und damit um ein auch intern wichtiges Symbol. Denn: Pertlwieser will bei der Digitalisierung so konsequent wie kaum ein anderes Geldhaus hierzulande auf das  Plattform-Modell (siehe hierzu auch unser aktueller „Gästeblog“) setzen. Dieser Ansatz läuft  darauf hinaus,  dass sich die Deutsche Bank zumindest im Retailbanking nicht mehr in erster Linie als Produktanbieter versteht, sondern als Banking-Shop für ihre Kunden. Dies bedeutet in letzter Konsequenz, dass dem Kunden im Zweifel das bessere Produkt der Konkurrenz empfohlen wird (wie eben beispielsweise das höher verzinsliche Festgeld der HSH Nordbank). Wie ernst es der Deutschen Bank mit dieser Strategie offenbar ist, zeigte sich im Frühjahr, als die Pläne zur Gründung einer eigenen Digitalbank kurzerhand gekippt wurden. Stattdessen will das Institut nun seine digitale Plattform ausbauen.

„Die wachsenden Volumina auf unserem ‚Zinsmarkt‘ sind ein weiterer materieller Beweis, dass es sich beim Plattform-Banking nicht nur um eine akademische Debatte handelt“ (Markus Pertlwieser)

Beim 2016 gegründeten „Zinsmarkt“ handelt es sich gewissermaßen um einen groß angelegten Praxistest, ob die Kunden den Banking-Shop-Ansatz auch tatsächlich annehmen. Nachdem sich anfangs monatelang nur eine einzige Partnerbank auf der Plattform befand (nämlich die Deutsche Pfandbriefbank), was den Marktplatz-Gedanken ein Stück weit ad absurdum führte, sind inzwischen die HSH auch die My Money Bank hinzugekommen. Am heutigen Donnerstag soll nun die vierte Partnerbank freigeschaltet werden, verriet Pertlwieser im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“. Dabei handelt es sich um die Creditplus, einen hiesigen Ableger der französischen Großbank Credit Agricole. „Zudem sind wir sehr zuversichtlich, im Laufe des ersten Quartals 2019 die fünfte Bank anbinden zu können“, so Pertlwieser.

Der Zinsmarkt werde inzwischen von einer  fünfstelligen Zahl von Kunden genutzt, sagte Andreas Kramer. Die exakte Zahl wollte er nicht nennen. Aber geht man einmal davon aus, dass es sich um grob geschätzt um rund 15.000 Kunden handelt, dann hätte ein durchschnittlicher Kunde bislang gut 30.000 Euro  über die Plattform bei den Partnerbanken deponiert. Zuletzt sei das vermittelte Volumen in manchen Monaten netto um mehr als 100 Mio. Euro gestiegen.

Zur Einordnung: Die Fintech-Einlagenplattformen „Weltsparen“ und „Zinspilot/Savedo“ kommen längst auf Milliardenvolumina (bei den einen waren es zuletzt 8 Mrd. Euro, bei den anderen 9,5 Mrd. Euro). Eins zu eins vergleichbar sind die Zahlen aber nicht, weil die beiden „Finanz-Startups“ in ihre Statistiken sämtliche jemals vermittelten Summen einfließen lassen (wiederanlegte Gelder werden also praktisch mehrmals gerechnet). Die Deutsche Bank hingegen rechnet nur das aktuell vermittelte Volumen, also quasi die „Assets under Management“.

„Wir treten gerade in eine Phase exponentiellen Wachstums ein“, unterstrich Kramer. Das hat auch damit zu tun, dass die Deusche Bank das Angebot nicht mehr nur online vermarktet, sondern immer stärker auch über die Filialen (nachdem sich entsprechende Pilotversuche in zwei Hamburger Stadtteilen als erfolgreich erwiesen hatten). Mit den Angeboten der Creditplus habe man nun 24 Termingeld-Angebote mit unterschiedlichen Laufzeiten und Zinssätzen auf der Plattform, sagte Kramer. „Dadurch lassen sich die Netzwerk-Effekte noch einmal verstärken, der neue Partner wird zur weiteren Skalierung beitragen.“ Dabei betonte Pertlwieser, dass sich nicht nur die klassischen Sparer, sondern durchaus auch die vermögendere Klientel für die Angebote interessiere: „Es gibt inzwischen viele Beispiele, dass wohlhabende Privatkunden über den Zinsmarkt mehrere hunderttausend Euro anlegen, oft auch über unterschiedliche Banken verteilt.“

Damit drängt sich eigentlich die Frage auf, ob die Deutsche Bank den „Zinsmarkt“ demnächst noch weiter ausrollt – nämlich im Massengeschäft Richtung Postbank, aber eben im gehobenen Segment auch Richtung Wealth Management. Hierzu wollten sich Pertlwieser und Kramer aber noch nicht äußern.

*Bevor uns wieder böse Lesermails erreichen, schreiben wir die böse Lesermail heute gleich mal selbst: Wenn man z.B. bedenkt, dass in den Deutsche-Bank-Filialen seit Ewigkeiten auch Fremdfonds vertrieben wird, lässt sich womöglich argumentieren, dass der Plattform-Gedanke als solcher längst etabliert ist – und es sich insofern ganz streng genommen beim „Zinsmarkt“ gar nicht um die ERSTEN Plattform-Erträge handeln kann. So ganz streng allerdings haben wir die Dinge bei „Finanz-Szene.de“ ja noch nie genommen 😉