Die Berliner Volksbank im Fintech-Rausch

Von Heinz-Roger Dohms

Die Berliner Volksbank scheint endgültig im Fintech-Rausch zu sein. Nur mal ein Blick auf die Nachrichten aus dieser Woche: Die Solarisbank macht was mit „KYC für Geschäftskunden“ – und wer ist als Pilotpartner mit dabei? Die Berliner Volksbank. Das Verbriefungs-Fintech Acatus geht an den Start – und wer ist unter den Investoren? Die Berliner Volksbank. Wir haben mal im Bundesanzeiger nachgeschaut, ob der Venture-Arm des hauptstädischen Geno-Instituts eigentlich einen eigenständigen Jahresabschluss veröffentlich. Ja, tut er. Und in der Tat: Da ist fein säuberlich aufgelistet, an welchen (Finanz-)Startups und in welcher Höhe die Berliner per 31. Dezember 2017 so alles beteiligt waren. Einige prominene Namen darunter. Voilá:

Startup Bereich Anteil in %
Inventorum iPad-Kassensystem 16,09
Flexperto Digitale Kundenkommunikation 11,86
Bergfürst Crowdinvesting 14,97
Liqid Digitale Vermögensverwaltung 4,49
Figo API-Spezialist 4,48
PlanRadar Immobilien-Software 5,26
SMACC Digitale Finanzprozesse und KI 3,91
Marley Spoon Kochboxen 0,6

Hatte die Bafin die Deutsche Bank nicht eigentlich längst entlastet?

Die gestrigen Razzia kommt insofern überraschend, als die Bafin die deutschen Banken (und: die Deutsche Bank) im Januar von gravierenden geldwäscherechtlichen Verfehlungen im Kontext der „Panama Papers“ sozusagen freigesprochen hatte. Lesen Sie hier die Dokumentation der entsprechenden Passage aus der Neujahrsansprache von Bafin-Präsident Felix Hufeld:

Meine Damen und Herren, manchmal ist Verhalten nach geltender Rechtslage zwar legal, nach allgemeiner Auffassung aber nicht legitim. Möglicherweise sind die Panama Papers ein Beispiel dafür: Wir haben nachgeforscht, ob auch deutsche Banken in Geschäfte mit Mantelgesellschaften und anderen Steuersparkonstruktionen verwickelt waren, die über die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca liefen. Wir wollten herausfinden, ob sie dabei geldwäscherechtliche Vorschriften verletzt haben.

Bislang sieht es so aus, als habe keines der elf Institute, die an derartigen Geschäften beteiligt waren, in erheblichem Maße gegen geldwäscherechtliche Vorschriften verstoßen. Wir sehen diese Geschäfte zwar kritisch, vor allem mit Blick darauf, wie die Geldwäschebeauftragten die gruppenweite Umsetzung geldwäscherechtlicher Standards in Off-Shore-Gebieten kontrollieren können. Formal haben die Banken aber die geltenden Geldwäschevorschriften weitgehend eingehalten. Ob Steuern hinterzogen worden sind, konnten wir mangels Mandat nicht prüfen.

Warum die Payment-Pläne des Handels zum Scheitern verurteilt sind

Wer dominiert in Zukunft den Bezahlvorgang am stationären „Point of Sale“ – weiterhin die Banken? Oder Google Pay bzw. Apple Pay? “ Weder, noch!“, heißt es nun aus dem deutschen Einzelhandel. Der nämlich arbeitet mit  „Hippos“ („Händler-initiiertes Instant Payment am POS“) an einer eigenen Bezahllösung für die Ladenkasse. Ulrich Binnebößel von Handelsverband Deutschland hat die Initiative gestern an dieser Stelle vorgestellt. Heute nun folgt die Replik des Payment-Experten Rudolf Linsenbart. Dessen These: Der Kunde hat nichts von Hippos – und darum hat Hippos keine Chance.

Von Rudolf Linsenbarth*

Vor einem Jahr führte die erste deutsche Bank (nämlich: die HVB) Instant Payment ein. Bald darauf folgten die Sparkassen, dieser Tage auch die Deutsche Bank. Millionen von Kunden haben damit nun die Möglichkeit, Geld sozusagen in Echtzeit zu überweisen. Fragt sich nur: wozu? Mehr als eine Handvoll Anwendungsfälle wollen einem partout nicht einfallen. Rechnung verschwitzt? Okay. 50 Euro fürs Enkelkind, die pünktlich am  Geburtstag aufs Konto schießen sollen? Okay. Aber sonst?

Doch nun kommt plötzlich der deutsche Einzelhandel und ruft: Wir haben wir eine Idee wie sich Instant Payment (bzw. STC Inst, wie Fachleute den neuen Sepa-Standard nennen) zu einem Massenprodukt machen ließe. Die entsprechende Initiative heißt „Hippos“ („Händler-initiiertes Instant Payment am Point of Sale“) und läuft darauf hinaus, dass die Kunden in Zukunft an der Ladenkasse nicht mehr mit der Girocard bezahlen sollen und auch nicht mit der Google oder Apple Pay – sondern per Überweisung in Echtzeit.

Was hat das nun zu bedeuten?
  • Aus Sicht des Handels sind diese Überlegungen nachvollziehbar. Schließlich stört er sich schon lange an der Tatsache, dass die Kosten des bargeldlosen Bezahlens alleine vom ihm selber getragen werden. Wenn sich demnächst auch noch Apple bzw. Google in die Wertschöpfung einklinken, wird es für den Handel kaum günstiger werden.
  • Auch aus Sicht der Banken hat die Idee einen gewissen Charme. Zwar verlöre die Kreditwirtschaft das Girocard-Entgelt. Dafür allerdings würde eine Instant-Payment-Lösung ihr Kernprodukt, nämlich das Girokonto, stärken. Zudem könnten die Banken andere Intermediäre wie Google und Apple oder die Kreditkartenfirmen aus dem Prozess eliminieren.
  • Bloß – und das ist eine Frage, die auch der gestrige Beitrag von Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland nicht wirklich beantwortet: Was hat der Kunden davon?

Aus meiner Sicht hat der Kunde momentan kaum einen Grund, den Bezahlkanal zu wechseln – zumal Instant Payment für den Verbraucher mit einigen Nachteilen verbunden ist:

1. Instant Payment ist eine finale Zahlung ohne Käuferschutz
2. Instant Payment ist eine Überweisung und muss entsprechend abgesichert sein (ansonsten muss der Kunde jeden Händler separat auf eine Whitelist setzen)
3. Instant Payment wird in keinem Fall günstiger (als die für ihn ja kostenlose) Zahlung mit der Girocard sein

Der fehlende Käuferschutz ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum sich der Handel ausgerechnet den physischen POS als erste Instant-Payment-Anwendung in seinem Hippos-Projekt ausgesucht hat. Dabei würde das Verfahren ja eigentlich besser zu einem Online Einkauf passen. Hier wird nun sofort das ganz große Rad gedreht, anstatt mit einem Minimum Viable Product erst einmal die Machbarkeit des Verfahrens zu validieren.

„Instant Payment passt überhaupt nicht zum Checkout-Prozess, wie er derzeit an der Kasse etabliert ist.“

Das Kernproblem: Instant Payment passt überhaupt nicht zum Checkout-Prozess, wie er derzeit an der Kasse im Lebensmitteleinzelhandel etabliert ist. Damit dort Instant Payment wirklich funktioniert, muss der folgende Ablauf gewährleistet sein:

  1. Der Kunde liest nach dem Einkauf die Überweisungs- oder
    Überweisungsmetadaten in das Smartphone ein
  2. Es wird eine SCT-Inst-Kassen-App oder die Banking App verwendet, um die Zahlung zu validieren (im ersten Fall muss der Kunde die notwendige TAN aus einem anderen Kanal manuell in die SCT-Inst-Kassen-App übertragen; im zweiten Fall müssen alle Banken eine Schnittstelle zu Hippos bauen)
  3. Der Kunde benötigt an der Kasse zwingend eine Online-Verbindung oder er muss sich in ein Handels-WLAN einklinken
  4. Die Dauer des gesamten Verfahrens schätze ich bei der dreifachen Zeit einer kontaktlosen Kartenzahlung à la Apple Pay oder Google Pay

Hippos scheint derzeit nicht im agilen Modus angelegt zu sein. Sonst würde man nämlich mit der Validierung der oben genannten Punkte beginnen statt aufwendig eine Backend-Infrastruktur aufzubauen, wo zuerst Dinge wie eine IBAN-Referenz-ID definiert werden, bevor man einen flüssigen
Verfahrensablauf sicherstellt. Auf die Instant-Payment-Basis sollen dann noch Dienste wie Käuferschutz aufgesattelt werden. Das müssen die Dienstleister übernehmen, die dann zu Preisen für den Handel führen, die ja gerade vermieden werden sollen.

Die Protagonisten sollten stattdessen zügig ein Minimum Viable Product bauen, mit dem sich die Kritikpunkte (wie ich und andere sie äußern)  widerlegen ließe. Falls das Ergebnis aber so ernüchternd sein wird, wie ich es prognostiziere, kann man sich auf die Suche nach anderen Anwendungsfällen begeben. Diese sind durchaus gegeben. Zum Beispiel macht eine Instant-Payment-Zahlung mit einem Checkout nach einem Selfscanning-Einkauf mit dem Smartphone erheblich mehr Sinn!

*Rudolf Linsenbarth ist seit mehr als 15 Jahren im Spannungsfeld von Banking, Zahlungsverkehr, Consulting, IT und Handel tätig – und beschäftigt sich vor allem mit Mobile Payment, NFC, Kundenbindung und digitaler Identität.

Gästeblog: Girocard oder Apple Pay? Die Antwort lautet: Instant Payment

Wird Christian Sewing zum Michael Corleone der Deutschen Bank?

Gestern Morgen laufen plötzlich drei in dieser Kombination maximal toxische Stichwörter über die Ticker: Deutsche Bank, Razzia, Geldwäsche. Man denkt: Danske! Dann denkt man: Nee, eher Russland. Und dann erfährt man: Panama Papers. Ach ja, Panama! Da war ja auch noch was. Die Aktie? Geht gleich mal 3% runter. Erholt sich über den Mittag. Geht dann wieder runter. Weil: Inzwischen läuft über die Ticker, dass die inkriminierten Vorfälle bis ins Jahr 2018 reichen. Uff. Jedenfalls: Der beste journalistische Kenner der Deutschen Bank, „Spiegel“-Redakteur Tim Bartz, hat gestern eine erhellende Analyse verfasst. Sie beginnt mit einem ebenso gewagten wie reizvollen Vergleich: Dem größten Geldhaus des Landes ergehe es wie Michael Corleone im dritten Teil des Paten. Immer wenn es aussehe, als könne die Bank ihre Vergangenheit abschütteln, werde sie von selbiger eingeholt. Wie die Analyse endet? Mit Paul Achleitner, dem Mann, der jetzt schon so lange die Altlasten bekämpft, dass man sich fragt, ob er selber nicht längst eine der größten Altlasten ist. Sehr lesenswert: Spiegel Online

Weitere Link-Tipps zur Razzia bei der Deutschen Bank:

  • Für diejenigen, die die News als solche noch nicht gelesen haben: Reuters
  • Für diejenigen, die mehr über die Hintergründe (speziell: die Rolle der Deutschen Bank in den „Panama Papers“) erfahren wollen: Süddeutsche
  • Die gestrige Razzia kommt insofern überraschend, als die Bafin die deutschen Banken (und: die Deutsche Bank) im Januar von gravierenden geldwäscherechtlichen Verfehlungen im Kontext der „Panama Papers“ sozusagen freigesprochen hatte. Lesen Sie hier die Dokumentation der entsprechenden Passage aus der Neujahrsansprache von Bafin-Präsident Hufeld: Finanz-Szene.de
  • Mal sehen, ob die Staatsanwälte dem wieder mal großen Buhei diesmal auch Ergebnisse folgen lassen. Börsen-Zeitung
  • Von Zinsskandal bis Geldwäsche – Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat. Reuters/FAZ

23 Mio. Euro für Finleap-Venture Element – und wieder sind die Japaner dabei

Von Heinz-Roger Dohms

Kann es sein, dass da jemand unseren treudoofen Newsletter als Glücksbringer missbraucht? Denn: Immer wenn wir eine Folge unseres „großen Finleap-Checks“ abfeuern, kommt der Berliner Fintech-Inkubator kurz darauf mit einer fetten Finanzierungsrunde ums Eck. Gestern also: 23 Mio. Euro für das Finleap-Insurtech Element. Die Details der Runde finden Sie weiter unten. Hier aber schon mal drei Beobachtungen:

  1. Wieder sind Asiaten unter den Investoren
  2. Sämtliche großen Insurtech-Fundings hierzulande pendeln sich irgendwo zwischen 20 und 25 Mio. Euro ein; wann geht’s mal drüber hinaus?
  3. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe prominenter Namen, die bei Finleap regelmäßig als Co-Investoren auftauchen. Einer davon ist die Signal Iduna (investiert bei Finleap selber und bei Element); ein anderer Talanx bzw. die Hannover Re (Finleap und Elinvar); ein dritter die japanische SBI Group (Finleap, Solarisbank, Element). Und ein vierter der Münchner Venture-Capital-Spezialist Yabeo (Finleap, Clark, Solarisbank, Pair Finance). Ganz schön treue Vasallen, die sich Finleap da herangezüchtet hat

Hier Auszüge aus der Pressemitteilung zur Element-Runde:

Element, die White-Label-Produktfabrik für Versicherungen, schließt ihre Series-A-Finanzierungsrunde erfolgreich ab und erhält 23 Mio. Euro Wachstumskapital. Unter den […] Investoren […] sind Engel & Völkers Capital, der spanische Insurtech-Investor Alma Mundi Ventures, SBI Investment und SBI Insurance. Erneut engagiert haben sich Signal Iduna und der Company Builder Finleap, die bereits Seed-Finanzierung zur Verfügung gestellt hatten.

Mit dem neuen Kapital wird Element in den kommenden Monaten seine technologische Plattform ausbauen. Unterstützt durch die Investitionen und mit einem gestärkten Netzwerk wird das Unternehmen aus Berlin zudem international aktiv werden.

[…]

Exklusiv: Der große Finleap-Venture-Check, Teil II

Der große Finleap-Venture-Check, Teil II

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe Leser*innen, wussten Sie eigentlich, dass wir bei „Finanz-Szene.de“ nach agilen Methoden arbeiten? Das heißt: Wir fangen jede Woche mindestens zehn Themen an. Und wenn es richtig gut läuft, dann kriegen wir fünf davon fertig. Meistens sind es aber eher so: zwei. Das erklärt hoffentlich, warum wir vor 14 Tagen den ersten Teil unseres dreiteiligen Finleap-Checks zwar mit dem Hinweis beendeten, der zweite und der dritte Teil würden „nächste Woche“ folgen – wir diese Zusage aber wieder mal nicht einhalten konnten. Wobei man fairerweise hinzufügen muss: Ist ja auch ein bisschen was passiert in der Zwischenzeit. Unter anderem: Der chinesische Versicherer Ping An hat letzte Woche gut 40 Mio. Euro in Finleap investiert – was uns insofern unter Druck setzte, als wir uns nicht nachsagen lassen wollten, wir wären bei unserer Due Diligence weniger gründlich als die Chinesen. Jedenfalls: Nachdem wir vor zwei Wochen die ersten vier Finleap-Ventures unter die Lupe genommen hatten, folgen heute nun (endlich!)  die nächsten vier. Voilà:

Zinsbaustein

Gutes Setup, plausibles Geschäftsmodell – aber zu spät gestartet, um gegen die Stand-alone-Fintechs im gleichen Marktsegment zu bestehen: Das war im ersten Teil unserer großen Finleap-Checks das Urteil zum Einlagen-Marktplatz Savedo. Ähnliches lässt sich auch über Zinsbaustein sagen: Obwohl der Immobilien-Crowdfunding-Spezialist (das ist jedenfalls, was wir hören) keine großen Fehler gemacht hat, konnte er den Rückstand gegenüber dem Hamburger Platzhirschen Exporo nie wettmachen.  Im Gegenteil: Mit einem vermittelten Volumen von 91,4 Mio. Euro per Ende Oktober liegen die Hanseaten  im einschlägigen Ranking von „crowdfunding.de“ auch in diesem Jahr wieder weit vor der Konkurrenz. Zinsbaustein? Belegt mit 12,3 Mio. Euro Rang vier. Spricht trotzdem irgendwas für die Berliner? Ja! 1.) Ihr Rückstand auf die Zweitplatzierten Zinsland sowie Engel & Völkers Capital (jeweils 13,6 Mio. Euro) ist überschaubar. Und 2.) Zinsbaustein gilt bei der Auswahl der finanzierten Projekte als tendenziell konservativ, was im Boom auf die Zahlen drückt, sich auf Sicht aber zu einem Vorteil wandeln könnte. Hinzu kommt: Als Finleap seine Zinsbaustein-Anteile kürzlich an den Co-Investor Sontowski weiterreichte, betonte der Company Builder, er sei mit einem kleinen Plus aus dem Engagement herausgekommen. Wollen wir mal glauben, dass das wirklich so war. Drum, immerhin:

3-5 Congrats (von maximal zehn möglichen)

Clark

Der Online-Versicherungsmakler Clark ist gewissermaßen das Gegenbeispiel zu Savedo und Zinsbaustein, die in ihren Segmenten (siehe oben) an den Stand-alone-Fintechs nicht vorbeikommen. Denn: Clark startete zwar später als die frühen Rivalen Knip und Getsafe, brauchte aber nicht lange, um beide einzuholen und schließlich sogar abzuhängen. Warum? 1.) Das Management-Team ist nach allem, was man weiß, nicht das schlechteste. 2.) Womöglich waren ja auch die Gegner nicht so stark wie in anderen Segmenten. Zumindest Knip hatte anfangs einen klaren Funding-Vorteil gegenüber Clark, verbrannte dieses Geld dann aber recht schnell. Der Status quo: Clark hat im Frühjahr eine Finanzierung über 29 Mio. Dollar bekanntgegeben – eine der, wenn nicht sogar die höchste Runde für ein deutsches Insurtech. Zudem: Nach offiziellen Angaben hat Clark jetzt 150.000 B2C-Kunden (=Maklermandate) und wird in diesem Jahr einen knapp zweistelligen Millionenumsatz generieren (wovon drei Viertel aus dem B2C-Geschäft kommen). Pi mal Daumen dürfte das Fintech damit aus jedem Maklermandat rund 50 Euro Umsatz jährlich ziehen.  Das sind alles sehr ordentliche Zahlen, zumal Clark auch im B2B-Geschäft langsam Fuß fasst, siehe unser heutiger Newsletter. Trotzdem bleibt die große Frage: Wird Clark auf mittlere und lange Sicht auch mit den Erwachsenen (sprich: mit Check24) mitspielen können? Abwarten. Trotzdem schon mal:

6-8 Congrats

Exklusiv: Wie gut ist Finleap wirklich? Teil eins des großen Venture-Checks

Billfront

Was ist eigentlich aus Billfront geworden, dem schon 2015 gegründeten Finleap-Venture, das Betriebsmittelkredite an Adtech-Unternehmen vergeben wollte (weil diese oft relativ lange warten müssen, bis die großen Werbetreibenden ihre Rechnungen begleichen)? Antwort: So richtig wissen wir es nicht. Viel gehört hat man jedenfalls nicht mehr von Billfront seit dem spektakulären 33-Mio.-Euro-Funding von Ende 2016 (wovon ein beträchtlicher Teil allerdings Fremdkapital gewesen sein dürfte, was in der damaligen Euphorie  ein bisschen unterging). Wohlmeinende Kenner des Unternehmens verweisen darauf, dass Billfront als reiner B2B-Anbieter naturgemäß im Schatten agiere. Und darauf, dass die Firma den nachhaltigen, aber auch Geduld erfordernden Ansatz verfolge, echtes digitales Banking zu betreiben und nicht nur ein bisschen Finanzierungs-Brokerage. Mag ja alles stimmen. Trotzdem haben wir (wenn wir zum Beispiel bei LinkedIn nach Mitarbeitern oder in den Jobportalen nach offenen Stellen suchen) den Eindruck: So wahnsinnig viel tut sich nicht bei Billfront . Drum, versehen mit einer ordentlichen Fehlertoleranz und mit aller Bereitschaft, uns zu korrigieren, wenn wir uns täuschen sollten: Allenfalls …

2-6 Congrats

Elinvar

Kann es sein, dass Elinvar (also das eher mäßig beachtete Berliner B2B-Fintech, das Privatbanken und Vermögensverwaltern bei der Digitalisierung hilft) ein möglicher Hidden Champion im Finleap-Portfolio ist? Oder vielleicht sogar: der Hidden Champion. Woran wir das festmachen? Zum Beispiel an dem Deal, den das 2016 gegründete Startup in diesem Jahr mit der Hamburger Privatbank Donner & Reuschel ausmachte. Diese Kooperation läuft nämlich darauf hinaus, dass Elinvar den Partner nicht nur beim Aufbau einer digitalen Vermögensverwaltung unterstützt, sondern dass das Fintech den kompletten Bestand digitalisiert und also (wenn wir es richtig verstehen) auch am Altgeschäft partizipiert. B2B-Traction statt teurer B2C-Akquise, wenn man so will. Nun wollen wir nicht ausschließen, dass wir Elinvar überschätzen, denn eine klare Beweislage für unsere positive Prognose (zum Beispiel in Form von Geschäftszahlen oder in Form eines richtig hohen Fundings) gibt es noch nicht. Aber schauen Sie doch mal bei Linkedin auf die Beschäftigtenzahlen (aktuell 49, ein Plus von 104%  binnen zwölf Monaten). Oder auf die offenen Stellen laut Finleap-Website (aktuell: 21!!!). Da scheint Musik drin zu sein. Noch mehr Pro-Argumente? 1.) Anders als bei einigen anderen Finleap-Ventures ist bei Elinvar seit dem Start das gleiche Management-Team zugange, was für Stabilität spricht. 2.) Nirgendwo sonst in der deutschen Bankenlandschaft ist nach unserem Eindruck der Leidensdruck so hoch wie bei den kleinen Privatbanken. Auch davon könnte Elinvar profitieren. Drum, mit aller gebotenen Vorsicht:

7 bis 8 Congrats

Hinweis: Der dritte und letzte Teil unseres großen Finleap-Checks kommt in jedem Fall noch in diesem Jahr (hoffen wir jedenfalls)

Girocard oder Apple Pay? Die Antwort lautet: Instant Payment

Seit Monaten wird debattiert, wem die Zukunft am stationären „Point of Sale“ gehört: Den Banken mit ihrer Girocard bzw. mit ihren Girocard-basierten Bezahlapps? Oder Apple Pay und Google Pay? Nun jedoch meldet sich ein dritter Player zu Wort – der Handel selbst. Seine noch im Frühstadium befindliche Lösung nennt sich „Hippos“, was für „Händler-initiiertes Instant Payment am POS“ steht. Was es damit auf sich hat und warum die Banken die Inititiave unterstützen statt bekämpfen sollten, erklärt Ulrich Binnebößel, der beim Branchenverband HDE das Thema Zahlungsverkehr verantwortet:

Von Ulrich Binnebößel

Einfach mal machen und sich disruptiv verhalten. Das könnte das Motto sein, mit dem man sich dem Thema Instant Payment nähert. Denn es geht um viel mehr als nur um Bezahlen in Echtzeit. Es geht darum, Zahlungsverkehr neu zu denken und unabhängig von Altlasten neue Strukturen zu schaffen, die das Bezahlen unabhängig von den marktdominierenden Zahlungsanbietern ermöglichen.

Ausnahmsweise sollte man hier nicht nutzerzentriert denken, denn es geht bei den folgenden Überlegungen in erster Linie um Infrastruktur, nicht bereits um fertige Verbraucherprodukte. Denn ähnlich, wie es dem Verbraucher egal sein dürfte, auf welchen Wegen das Produkt in den Laden kommt, sollte es den Kunden auch nicht kümmern, auf welchem Weg sein Geld im Laden ankommt. Hauptsache, es geschieht auf sicherem Wege.

Milliarden von Bezahlvorgängen finden jährlich im stationären Einzelhandel statt, davon inzwischen ein erheblicher Anteil mit Karten. Parallel hierzu findet das mobile Bezahlen mit dem Smartphone zunehmend Anklang. Letzteres ist der Grund, warum den beiden weltweiten Marktführen bei  Handy-Betriebssystemen (sprich: Google mit Android  und Apple mit iOS) erhebliche Chancen in diesem Feld eingeräumt werden. Sie wollen sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen sichern. Wahrscheinlich haben sie dabei mehr als nur Zahlungsabwicklung im Sinn und schielen auf Daten, die beim Einkauf anfallen. Das gefällt dem Handel nicht. Und auch vielen Kunden dürfte dies zu denken geben. Und die Banken? Die wiederum laufen Gefahr, überflüssig zu werden, auf Sicht könnten Alltagstransaktionen an ihnen vorbeilaufen.

„Die Banken laufen Gefahr, überflüssig zu werden. Denn viele Alltagstransaktionen könnten zukünftig an ihnen vorbeilaufen.“

Der neue Sepa-Standard SCTInst (also das, was landläufig „Instant Payment genannt wird) bietet nun die Gelegenheit, Zahlungsverkehr neu zu denken und in eine längst überfällige Echtzeit-Bezahlwelt zu starten. Allerdings ist es zu kurz gegriffen, Instant Payment nur auf die Beschleunigung der Abwicklung einer Überweisung zu reduzieren. Denn mit der Schaffung des Echtzeitüberweisungs-Standards wird erstmals die Grundlage für eine europäische, standardisierte Echtzeit-Infrastruktur gelegt, die für die Abwicklung von Massenzahlungen im Alltag genutzt werden kann.

Instant Payments auf Basis von SCTInst könnten daher für eine neue Rollenverteilung sorgen und festgefahrene Hemmnisse überwinden. Und nicht zuletzt könnte das berühmte Henne/Ei Problem gelöst werden. Es liegt daher nahe, den Interbanken-Standard weiterzuentwickeln zu einer offenen, unabhängigen Ende-zu-Ende-Infrastruktur, die im Gegensatz zu heute etablierten Verfahren nicht von marktmächtigen Scheme-Eigentümern (sprich: von den großen Kreditkartenkonzernen) kontrolliert wird.

Die Antwort auf zunehmend marktstarke internationale Anbieter kommt in Form einer europaweit nutzbaren Spezifikation, die durch den Handel getragen und damit aktiv unterstützt wird. Das Hippos-Projekt („Handelsinitiiertes Instant Payment am POS“) der Branchenorganisation „GS1 Germany“ will aufzeigen, wie SCTInst zu Ende gedacht werden kann. Die derzeit in Entwicklung befindliche Spezifikation kann Entwicklern von Payment-Produkten den Schritt an die Kasse ermöglichen, ohne dass Akzeptanzverträge geschlossen werden müssen. Neue Zahlverfahren können so entstehen und den Verbrauchern die Dienste anbieten, die im Umfeld des Checkouts erwünscht sind. Die notwendige  Zahlungsfunktion wird quasi frei Haus geliefert.

Hippos bietet auch bestehenden Zahlverfahren die Option, auf den Standard zu migrieren. Künftig könnte im Idealfall eine Schnittstelle entstehen, die jedem Zahlverfahren zur Verfügung steht. Dabei steht selbstverständlich von Beginn an nicht nur der stationäre Handel im Fokus. Hippos soll
gleichzeitig auch im E-Commerce nutzbar sein und die Zahlung zwischen
Personen (P2P-Zahlung) ermöglichen.

Die Vorteile für Kunden:
  • innovative Zahlverfahren können entstehen, die
    handelsübergreifend und mit hoher Akzeptanzreichweite einsetzbar sind
  • Eine Einbindung von Zusatznutzen wie P2P-Fähigkeit,
    Echtzeit-Kontoüberwachung und Kanalunabhängigkeit ist bereits
    Infrastrukturseitig integriert
  • hohes Maß an Datensparsamkeit: Der Kunde übernimmt Daten vom
    Händler, nicht umgekehrt. Nur Zahlungsbetrag, IBAN des Händlers und
    eine Zuordnungsnummer sind für die Transaktion nötig
  • Sofortige Bestellbehandlung im E-Commerce nach
    Zahlungseingang ermöglicht eine Beschleunigung der Lieferung
  • Leichtes Onboarding, bei Integration in die gewohnte
    Banking-App kann auf eine Registrierung verzichtet werden.
Die Vorteile für App-Entwickler und Zahlverfahren:
  • Standardisierter Zugang zu Kassensystemen ohne Notwendigkeit
    von Akzeptanzverträgen
  • „eingebaute“ Zahlfunktion mit hoher Reichweite als Basis für
    Mehrwerte für Kunden
Die Vorteile für Banken:
  • Sicherung der aktiven Beteiligung an allen Transaktionen
    durch Buchung auf dem Girokonto
  • Erhalt des Kundenzuganges

Im nächsten Schritt müssen technische Herausforderungen gelöst werden. Am besten wird dies über Testpiloten nachgewiesen. Bereits heute sind einige Projekte auf dem Weg, wie eine Vorstellung verschiedener Anbieter auf Veranstaltungen der EZB und bei GS1 gezeigt hat. Und es zeigt sich weiter, es gibt keine unlösbaren KO-Punkte, wenn es gelingt, eine nutzerfreundliche Handhabung zu realisieren. So kann die Abwicklungs-Geschwindigkeit mit bekannten Kartenverfahren mithalten, eine WLan-Verfügbarkeit an den Kassen kann durch kürzlich erfolgte gesetzliche Erleichterungen realisiert werden.

„Das Tempo der Abwicklung kann mit bekannten Verfahren mithalten. Und auch das WLAN-Problem ließe sich lösen.“

Eine Herausforderung bietet derzeit noch die Frage, wie eine
Zahlungsauslösung nach den rechtlichen und technischen Vorgaben des
Gesetzgebers erfolgen kann. Die sogenannte starke Authentifizierung, wie sie die zweite Zahlungsdiensterichtlinie vorgibt, ist allerdings auch unabhängig von Instant-Payment-Bedingungen ein derzeit viel diskutiertes Thema.

Zusammenfassend bietet die Initiative des Handels eine Diskussionsgrundlage für einen kooperativen Ansatz zwischen Handel und Banken. Sepa Instant Payment wird mit „Hippos“ zu Ende gedacht. Es liegt jetzt an den Issuern, den Gedanken aufzunehmen und sich an der Entwicklung eines allgemeinen Standards zu beteiligen. Die Gelegenheit, auch die Akzeptanzseite im Boot zu haben, gibt es nicht allzu häufig. Wenn Handel und Banken zusammenarbeiten, kann dem Verbraucher der Einstieg in die mobile Welt des Bezahlens mit allen seinen Mehrwerten mit großer Reichweite ermöglicht werden.

Ulrich Binnebößel verantwortet beim Handelsverband Deutschland – HDE die Referate Zahlungsverkehr, Logistik und Online-Kommunikation.  Der HDE ist Mitinitiator der Initiative HIPPOS bei GS1 Germany, einer weltweit tätigen Standardisierungsorganisation.

Fünf Gründe, warum sich die Sparkassen so schwer mit Apple tun

Von Heinz-Roger Dohms

Der Sparkässler als solcher ist ein auskunftsfreudiger Mensch. Und selbst wenn er ausnahmsweise mal nichts sagt – nicht schlimm. Dann redet halt ein anderer. Sparkässler gibt es schließlich mehr als genug! Jedenfalls: Diesmal ist alles anders. Wen auch immer man in der Sparkassen-Finanzgruppe anspricht auf das Geheimprojektprojekt „Diamond“ (von dem wir selber auch nur zu wissen glauben, dass es existieren soll): Schweigen! Die Sparkässler wollen nichts sagen. Oder sie dürfen nichts sagen. Denn: Beim (angeblichen) „Diamond“-Projekt geht es um zwei hochsensible Fragen: 1.) Sollen die Sparkassen mit Apple Pay kollaborieren? Und 2.) Falls ja: Wie? Die Gemengelage ist komplex. Entscheiden sich die Sparkassen für eine Kooperation, verlieren sie einen Teil ihrer Erträge. Entscheiden sie sich gegen eine Kooperation – dann verlieren sie womöglich noch viel mehr. Lesen Sie hier unsere Analyse (die fast genauso natürlich auch für die Volksbanken und zumindest ähnlich auch für die privaten Banken gilt):

1.) Apple will ein gewaltiges Stück vom Kuchen

Bis zu 0,2 Prozent vom Einkaufpreis erhält die kartenausgebende Bank (sprich: i.d.R. die Hausbank) vom Händler, wenn der Kunde mit der Girocard bezahlt; bei der Kreditkarte sind es bis zu 0,3% (Kleiner Exkurs: Warum „bis zu“? Weil große Händler wie Aldi für sich vermutlich etwas günstigere Konditionen herausschlagen). Wieviel von diesen 20 bzw. 30 Basispunkten reklamiert Apple bei mobilen Zahlungen via Apple Pay nun für sich? Der Payment-Manager Marcus Mosen schätzte den Anteil in einem übrigens sehr lesenswerten Gastbeitrag für „Finanz-Szene.de“ neulich auf rund ein Drittel. Von einem anderen Insider erfuhr „Finanz-Szene.de“ dieser Tage, dass der Listenpreis von Apple bei angeblich 15 Basispunkten liegen soll. Auch wenn die Sparkassen in der Lage sein sollten, von diesem kolportierten Listenpreis noch den ein oder anderen Basispunkt wegzuverhandeln – schmerzhaft ist das Erlös-Sharing trotzdem. Zumal …

2.) Apple hält  die Hand gern zweimal auf

Vermutlich dürfte Apple von den Sparkassen (aber natürlich auch von anderen deutschen Banken) einen Marketingzuschuss für die Bewerbung von Apple Pay verlangen. So ähnlich lief das ja auch zwischen Apple und der Telekom, „auch wenn es in der Kreditwirtschaft nicht ganz so extrem werden dürfte“, sagt der Zahlungsverkehrsexperte Jochen Siegert vom Branchenblog „Paymentandbanking“.

3.) Apple braucht die Sparkassen nicht unbedingt

… oder dürfte dies in den Verhandlungen zumindest suggerieren. Die Sparkassen-Vertreter bringt das in eine für sie ungewohnte Position. Mit ihren rund 50 Mio. Kunden hierzulande sind die öffentlich-rechtlichen Banken eigentlich der Schlüsselspieler im deutschen Markt. Doch was sind 50 Mio. Kunden schon in dem globalen Kontext, in dem Apple agiert. Zumal: Der Anteil der Apple-Nutzer dürfte unter den Sparkassen-Kunden (Quelle: unsere Vorurteile) deutlich geringer sein als sagen wir unter den Deutsche-Bank-Kunden. Hinzu kommt: Wenn der säkulare Trend in Richtung Mobile Payment geht (wovon viele Branchenbeobachter ausgehen), dann läuft die Zeit für die Amerikaner, nicht für die Deutschen. Kriegt Apple seinen Deal nicht heute, dann kriegt Apple seinen Deal vermutlich halt morgen.

4.) Apple ist ein schwer zu fassender Verhandlungspartner

Als die Banken mit Amazon über die Integration eines „Banking Skills“ auf der Sprachassistenz-Plattform Alexa verhandelten, war aus Kreisen der deutschen Kreditwirtschaft immer wieder zu hören, die Gespräche seien schwierig, weil Amazon keine schriftlichen, sondern allenfalls mündliche Zusagen gebe. So ähnlich, heißt es jedenfalls, sei es auch mit Apple. Wenn auf der Bankenseite ein monolithischer Verhandlungspartner wie die Deutsche Bank, N26 oder Wirecard steht, mag das zu verkraften sein. In einem komplexen Gebilde wie der Sparkassen-Finanzgruppe allerdings ist eine große Zahl von Stakeholdern in wichtige Verhandlungen eingebunden. Wenn man dann nichts schriftlich hat, wird’s schnell unübersichtlich.

5.) Apple ist nicht der einzige „Gegner“ der Sparkassen

Schaut man auf die Kooperationspartner, die noch in diesem Jahr mit Apple Pay in Deutschland starten wollen, dann sieht man sofort, dass auf dieser Liste neben großen Geldinstituten wie der Deutschen Bank oder der Hypo-Vereinsbank auch verschiedenste Nicht-Banken (bzw.: Nicht-Hausbanken) wie Hanseatic, Boon/Wirecard oder Vimpay stehen. „Das verwundert nicht“, sagt Branchenexperte Siegert. „Es ist schließlich schon seit Jahren so, dass reine Kreditkarten-Issuer versuchen, den Hausbanken die Erträge streitig zu machen. Denn: Wenn der Kunde zwar sein Girokonto bei der Sparkasse hat, aber die Kreditkarte zum Beispiel von Miles&More, ADAC oder Boon nutzt, dann hat die Sparkasse in diesem Fall überhaupt keinen Kartenertrag. “ Die Folge dieser Konstellation: Bleiben die Sparkassen bei Apple Pay außen vor, wächst bei den Kunden der Anreiz, sich nach einem separaten Kreditkartenanbieter umzusehen.

Fazit

Vermutlich werden die Sparkassen im Kreditkartenbereich den Schulterschluss mit Apple Pay suchen (genauso wie die privaten Banken auch). Dafür spricht zum einen die Konkurrenz durch die reinen Issuing-Spezialisten. Dafür spricht aber auch, dass bei Kreditkartenzahlungen der Margenspielraum (siehe oben: die 30 Basispunkte) größer ist.

Im Debitbereich hingegen ist dieser Spielraum kleiner – während die Sparkassen dank der Girocard zugleich in einer stärkeren Position sind. Naheliegend wäre es daher, hier erst einmal auf die Sparkassen-eigene (und Girocard-gestützte) „Mobiles Bezahlen“-App zu setzen, auch wenn die bislang nur auf Android-Handys funktioniert, während Apple bis auf Weiteres (ein hübsches Druckmittel …) den Drittzugang auf die NFC-Schnittstelle für Payment verhindert.

Können die Sparkassen (bzw. die deutschen Banken insgesamt) ein mögliches Kräftemessen mit Apple gewinnen? Auf Kundenseite dürfte das schwierig werden. Und rechtlich? In Australien wollte die Kreditwirtschaft Apple juristisch zwingen, seine Payment-Schnittstelle zu öffnen. Die Wettbewerbsbehörde schmetterte das Anliegen ab. In der Schweiz wiederum versuchten umgekehrt die Banken, den US-Konzern zu boykottieren – und haben nun ihrerseits die Kartellwächter am Hals.

Vom Ende der UdSSR zu den Geldwäsche-Skandalen des Jahres 2018

Kaum dachte man, die Deutsche Bank käme mal ein bisschen zur Ruhe – da wird sie unvermittelt in den Geldwäsche-Skandal rund um die Danske Bank hineingezogen. Wie tief die Verstrickung der Frankfurter wirklich reicht ist   unklar. Trotzdem stellt sich die Frage: Warum haben (nicht nur) deutsche Banken seit Jahren immer wieder mit spektakulären Fällen von Geldwäsche zu kämpfen? Einer, der die Antwort weiß, ist unser Gastautor:

Von Veit Bütterlin*

Steigende regulatorische Anforderungen, steigende Compliance-Kosten, steigende Frustration – so lässt sich die jüngere Geschichte der Banken  in Bezug auf das Thema Geldwäsche zusammenfassen. Aber wie kommt eines zum anderen? Oder besser: Warum haben die vermehrten Aufwendungen für Anti-Geldwäsche-Compliance nicht dazu geführt, dass die Vorstände und Compliance-Verantwortlichen das Thema in den Griff bekommen?

Ein Blick zurück: Durch die fortschreitende Globalisierung hat das Volumen grenzüberschreitender Transaktionen stark zugenommen. Damit sind europäische Banken inhärent anfälliger für den Missbrauch durch Dritte für Geldwäsche geworden. Es ist leider Fakt: Fast 30 Jahre nach dem Untergang der Sowjetunion treiben als Hinterlassenschaft heute sogenannte Laundromat-Systeme ihr Unwesen, über die Milliarden Euro zweifelhafter Herkunft gewaschen werden. Kein Zufall also, dass ausgerechnet eine Filiale der Dankse Bank in Estland im Zentrum der Kritik steht. Andere Beispiele sind Politiker in Osteuropa oder Lateinamerika, die sich von ausländischen Unternehmen bestechen lassen. Und hinzu kommt der Terrorismus.

Gesetzgeber und Finanzaufseher haben auf die vielfältigen Probleme reagiert, indem sie die Verpflichtungen von Banken deutlich ausgeweitet haben. In manchen Ländern sind die Strafen für Verfehlungen der in schmerzhafte Dimensionen gerückt. Dabei sind hohe Strafen für Geldwäscheverstöße nicht allein ein US-amerikanisches Phänomen. In diesem Jahr bezahlte die ING Groep 775 Mio. Euro, um ein Verfahren der niederländischen Staatsanwaltschaft beizulegen.

Ganz besonders sind Banken mit international ausgerichteten Geschäftsbereichen wie der Verwaltung großer Auslandsvermögen, dem Korrespondenzbankgeschäft und der Exportfinanzierung gefordert. Diese Geschäftsbereiche stehen mittendrin in einer Welt, in der Tag für Tag Unsummen in Verbindung mit Korruption oder Steuerhinterziehung gewaschen werden. Haben Banken genug unternommen, um die entsprechenden Compliance-Risiken zu managen?

Manche Finanzinstitute haben versucht, Risiken zu reduzieren, indem sie sich von teils profitablen Geschäftsfeldern getrennt oder geschäftliche Beziehungen beendet haben. Abgesehen von solchen De-Risking-Maßnahmen haben viele Banken in großem Umfang in Personal, manuelle Kontrollen und IT-Infrastruktur investiert. So haben große Institute in manchen Ländergesellschaften ihre AML-Compliance-Teams (AML steht für Anti Money Laundring) massiv aufgestockt. Oft wurden dabei Leute dort hingesetzt, wo die Kontrollen am schwächsten sind. So entstanden Compliance-Programme für einzelne Länder, Produktbereiche und Kundensegmente – und in der Folge Überschneidungen und Doppelarbeiten.

Banken haben desweiteren tausende AML-Fachkräfte eingestellt, um Hochrisikokonten und -transaktionen manuell zu prüfen, die oft durch ineffiziente Suchmechanismen identifiziert wurden. Zudem geben Kreditinstitute hunderte Mio. Euro aus, um Prozesse und Systeme aufrechtzuerhalten, die infolge von Compliance-Initiativen entstanden sind. Infolgedessen sehen bei manchen Banken die AML-Compliance-Programme der Second Line of Defense eher wie „Verwaltungsapparate“ aus als wie die unabhängigen Oversight-Funktionen, die einst das Ziel waren. Diese Verwaltungsapparate sind teuer, können aber zumindest ihren Zweck erfüllen, wenn die großen Teams und manuellen Kontrollen gut funktionieren. Aber oft tun sie dies nicht.

Die großen Herausforderungen hinsichtlich Effektivität und Effizienz von AML-Programmen bleiben für die Banken bestehen:

  • Ein Fehlverständnis der Primärverantwortung von Compliance-Risiken sowie ein unzureichendes Verständnis für AML-Pflichten und -Risiken in den Geschäftsbereichen führt zu einer unzureichenden Behandlung an sich beherrschbarer Risiken.
  • Inkonsistente Prozesse und Standards für die Kundenidentifikation und -prüfung führen zu einer widersprüchlichen Behandlung von Kunden und inkonsistenter Kundendatenspeicherung.
  • Die mangelhafte Datenqualität, nicht-standardisierte Datenstrukturen und fragmentierte Datenquellen führen zu Schwierigkeiten bei der Datenaggregation durch Konzerngesellschaften und Dienstleister. So kommt es, dass viele Banken Monat um Monat tausende teurer Kundenanrufe machen, um KYC-Dokumente zu aktualisieren oder Informationen zu ergänzen, die in den hauseigenen Datenbanken falsch sind oder fehlen.
  • Die eingesetzten Ansätze der Kundenrisikoklassifizierung sowie zur automatisierten Überwachung des Zahlungsverkehrs führen zu einer Vielzahl von Fällen, wo Bankmitarbeiter Konten und Zahlungen mit geringen Risiken, und damit unnötig, prüfen. Anpassungen, die infolge einschlägiger Geldwäsche-Fälle vorgenommen wurden, führten vielerorts zu einer abermals erhöhten Zahl unnötig geprüfter Fälle.
  • Fragmentierte IT-Systeme beeinträchtigen die automatisierte Überwachung des Zahlungsverkehrs und die Kundenprüfung. Viele Compliance-Teams sind mehr damit beschäftigt, Daten einzuholen als wirkliche Risikoaufklärung zu leisten.

Was heißt das also nun alles? Stehen Banken dem Thema Geldwäsche hilflos gegenüber? Das nicht. Aber wer in einer Welt mit gestiegener AML-Risiken schadlos Geschäft erhalten oder gar wachsen möchte, muss notwendige Verbesserungen in den operativen Geschäftsabläufen, der Governance sowie der Management-Informationssysteme vornehmen. Zudem braucht es technologische Erweiterungen, um eine angemessene und ausreichend effiziente Behandlung von Risikoaktivitäten zu ermöglichen. Die IT ist bei der Geldwäschebekämpfung eine Achillesferse. Führende Banken setzen hier auf maschinelles Lernen, Echtzeit-Datenaggregation mithilfe von Fuzzy-Logik und schnelle Automatisierung als neues Element des Compliance-Management. Darüber aber lassen sich nicht nur AML-Risiken in den Griff bekommen, sondern auch Kosten reduzieren und die viel beschworene „Customer Experience“ verbessern. So ermöglicht nicht zuletzt die Digitalisierung die produktive Kooperation zwischen Compliance und Geschäftsentwicklung.

*Veit Bütterlin ist Director Investigations, Disputes & Risk bei AlixPartners. Der Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Günter Degitz, Managing Director Investigations, Disputes & Risk

Was „Sofortüberweisung“ den „Sofort Pay“-Leuten vorwirft

Erinnern Sie sich noch an unsere Exklusiv-Geschichte „Frühere Sofort-Manager machen ihrer Ex-Firma mit neuer ‚Sofort Pay‘ Konkurrenz“ aus diesem Juli? Jedenfalls, wie man damals schon erahnen konnte, landet die Sache nun vor Gericht. Denn das schwedische Payment-Unicorn Klarna (das hinter der deutschen „Sofortüberweisung“ steht) hat gestern mitgeteilt, das Münchner B2B-Finanz-Startup Fintecsystems (das hinter „Sofort Pay“ steht) u.a. wegen Markenverletzung verklagt zu haben. Wir haben für Sie dokumentiert, wie Klarna seine Klage begründet – und was Fintecsystems dem entgegnet:

Das hier sagt Klarna:

Die Sofort GmbH hat am 2. Oktober 2018 vor dem Landgericht München I bei der zuständigen Kammer für Handelssachen eine Klage unter anderem wegen Unterlassung gegen das Unternehmen FinTecSystems GmbH eingereicht. Das Unternehmen verwendet für sein Online-Bezahlsystem die Bezeichnung „sofortpay“ und verstößt damit gegen das Markengesetz (MarkenG) und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG).

Die Sofort GmbH ist ein 2005 gegründeter Anbieter von Zahlungsverfahren und seit 2014 Teil der Klarna Group, einem der führenden Zahlungsanbieter in Europa. Damit verfügt die Sofort GmbH über jahrelange Expertise und genießt großes Vertrauen bei Konsumenten. Die Sofortüberweisung stellt das Kernprodukt der Sofort GmbH dar und gehört zu einer der populärsten Bezahlmethoden in Deutschland und Österreich. Der Kunde bezahlt dabei seine Online-Käufe per Online-Banking, der Händler erhält unverzüglich eine Transaktionsbestätigung und kann die bestellte Ware verschicken. Das von FinTecSystems angebotene sofortpay ist ebenfalls ein Direkt-Überweisungsverfahren. Mit der Benennung ihres Angebotes verletzt FinTecSystems die Kennzeichenrechte der Sofort GmbH, was zugleich auch einen Wettbewerbsverstoß darstellt. Die Sofort GmbH beruft sich dabei unter anderem auf § 5 Abs. 2 UWG und § 5 Abs. 2 iVm § 15 MarkenG.

Das hier sagt Fintecsystems:

FinTecSystems ist von dieser Klage – insbesondere vom Zeitpunkt – überrascht. Wir befinden uns seit einigen Wochen in konstruktiven Gesprächen mit der Klarna AB zur Thematik und bedauern daher diese Klage, die uns erst seit Ende KW 47 vorliegt. Wir sind nach wie vor an einer konstruktiven Lösung interessiert und arbeiten auch weiter intensiv daran. Bitte haben Sie Verständnis dafür, das wir aufgrund der Kürze des Eingangs der Klage aktuell unsere rechtlichen Schritte prüfen und darüber hinaus noch keine weiteren Informationen geben können.

Zu SofortPay können wir ergänzen: Kerngeschäft der FinTecSystems GmbH sind Kontoinformations- und analysedienste sowie ein Whitelabel-Zahlungsdienst. SofortPay ist nur ein Anwendungsfall der FinTecSystems GmbH Leistungen.

NordLB-Verkauf: Kann es sein, dass die Träger ein wenig die Kontrolle über den Prozess verlieren?

Wenn wir das Bieterverfahren bei der NordLB richtig verstehen, dann wurde der Prozess so aufgesetzt, dass die Interessenten a) auf alles, b) auf wenig, oder c) auf alles dazwischen bieten durften. Das klang fair. Aber es klang auch komplex. Zumal hinzu kam: Irgendwie beschlich einen in den vergangenen Wochen das Gefühl, dass die Träger der NordLB zwar wissen, wohin sie mit ihrem Prozess wollen (Deal mit der Helaba), dass sie aber nicht wissen, ob sie diesen Deal wirklich kriegen – und wie denn, falls sie diesen Deal nicht kriegen, ein als zumutbar empfundener alternativer Deal aussehen könnte. Jedenfalls: Wie die Kollegen von „Reuters“ berichten, ist das Verfahren jetzt so verfahren, dass eine Einigung noch in diesem Jahr (mit wem auch immer) fast ausgeschlossen erscheint. Es gebe zwar Offerten. Die seien aber so schwer zu vergleichen, dass die Träger erst mal ein bisschen Zeit zur Sortierung bräuchten. Und über allem schwebt ja weiterhin die Frage: Was will die Helaba? (die parallel offenbar auch andere Pläne verfolgt, siehe unten). Reuters/Wiwo

Concardis wertet Beteiligung ab – was ist los beim Vorzeige-Fintech Orderbird?

Es ist nur ein einziger Satz. Aber er schallt wie ein Ohrfeige: „Aufgrund der mehrjährigen Verluste und Risiken im weiteren Geschäftsverlauf erfolgte (…) 2017 eine Wertberichtigung von 50% auf den Beteiligungsbuchwert auf nun EUR 4.433.000.“ So steht es, wie „Finanz-Szene.de“ entdeckt hat, im Geschäftsbericht von Concardis. Wobei sich die Aussage natürlich nicht auf Concardis selbst bezieht – sondern auf eine der prominentesten Beteiligungen des Eschborner Zahlungsdienstleisters, nämlich das 2011 gegründete Berliner Payment-Startup Orderbird. Dabei galt Orderbird eigentlich mal als eines der deutschen Vorzeige-Fintechs. Bestens finanziert (20 Mio. Euro allein in der 2016er-Runde). Namhafte Investoren (neben Concardis z.B. auch  Maschmeyer und die Metro). Und ein klares Produkt (iPad-basierte Kassensysteme für Restaurants). Doch trotz dieser tollen Ausgangslage scheint Orderbird nicht abzuheben. Unsere Analyse:

1.) Internationale Expansion
  • Das war Sache: Mit der Finanzierung wollte Orderbird u.a. die internationale Expansion vorantreiben. So war Anfang 2017 vom Eintritt in den italienischen und den spanischen Markt die Rede.
  • Das ist Sache: Die Expansion wurde zwischenzeitlich abgebrochen.
  • Das sagt der Chef (also CEO Jakob Schreyer): „Wir haben in den vergangenen Monaten unsere Strategie angepasst, wollen uns stärker auf die DACH-Region fokussieren, weil hier die größten Opportunitäten für uns liegen.
2.) Umsatzwachstum
  • Das war Sache: Für 2016/17 (bilanziert wird immer zum 30. September) strebte Orderbird laut Jahresabschluss ein Umsatzwachstum von 60% an.
  • Das ist Sache: Mit einem Umsatzplus von 54% wurde dieses Ziel fast erreicht, in absoluten Zahlen lagen die Umsatzerlöse 16/17 bei 9,0 Mio. Euro. Allerdings: Im Geschäftsjahr 17/18 (für das noch kein Abschluss veröffentlicht wurde) trat Orderbird offenbar kräftig auf die Bremse. Im Prognosebericht heißt es: „Im Geschäftsjahr 2017/2018 wird ein Umsatzwachstum von 14,0 % erwartet.“
  • Das sagt der Chef: „Wir setzen inzwischen stärker auf qualitatives Wachstum. Im Mittelpunkt standen zuletzt nicht die einmaligen Erlöse aus dem Verkauf von Hardware (wie z.B. Drucker), sondern die wiederkehrenden Erlöse, die uns die Restaurantbesitzer monatlich zahlen, zum Beispiel für Lizenzen.“
3.) Kundenwachstum
  • Das war Sache: „Wir gewinnen mehr als 300 Neukunden pro Monat und verfügen mittlerweile über einen Kundenstamm von mehr als 7500 Kunden.“ So sagte es Schreyer im April 2017 in einem Interview.
  • Das ist Sache: Im Geschäftsjahr 16/17 akquirierte Orderbird laut Jahresabschluss 3700 neue Kunden. Das passt nahezu exakt zur Interview-Aussage. Allerdings: Die 3700 Kunden sind eine Bruttogröße. Netto stieg die Kundenzahl lediglich von 5700 auf 7900 Kunden, also um 2200 Kunden. Für das Geschäftsjahr 18/19 ist noch kein Abschluss veröffentlicht. Laut Homepage hat Orderbird inzwischen jedoch „über 10.000“ Kunden, womit die Zuwächse in etwa stabil geblieben wären.
  • Das sagt der Chef: „Dass wir Kunden verlieren, lässt sich bei unserer Branche nicht vermeiden. Die Churn Rate in der Gastronomie liegt bei rund 20% bis 25% – wir sind allerdings darunter, und solange das so ist, können wir da sehr gut mit leben.“
4. Mitarbeiterwachstum
  • Was war Sache: Im April 2017 hatte Orderbird nach eigenen Aussagen gut 140 Mitarbeiter – und wollte bis April 2018 bei 200 angekommen sein
  • Das ist Sache: Laut Geschäftsbericht waren es im September 2016 genau 136,6 FTE (also 136,6 volle Stellen) und im September 2017 dann 141,1 FTE (also 141,1 volle Stellen). Geht man davon aus, dass bei Orderbird zwar nicht alle, aber doch die meisten Mitarbeiter vollzeitbeschäftigt sind, könnten es also per September 2017 grob geschätzt rund 150 Mitarbeiter gewesen sein. Aktuell sind es laut Unternehmenswebsite „mehr als 110 Mitarbeiter“. Dieser offenkundige Rückgang deckt sich in etwa mit Statistikzahlen bei LinkedIn, wo ein Minus von 22% für die vergangenen zwölf Monate angezeigt wird.
  • Das sagt der Chef: „Wir haben beim Thema Internationalisierung ein paar Stellen abgebaut. Ansonsten ist der Rückgang aber relativ gering, das atmet manchmal ein bisschen, weil wir teils auch mit Freelancern arbeiten. Im Core-Bereich haben wir aber sogar eingestellt und werden das auch 2019 wieder tun.“
5.) Finanzielle Lage
  • Das war Sache: Mit der Finanzierungsrunde im Frühjahr 2016 schien Orderbird finanziell bestens aufgestellt, die Kapitalrücklage betrug zwischenzeitlich satte 28,0 Mio. Euro.
  • Das ist Sache: Orderbird hat zumindest eine Zeit lang unter einem enormen Cashburn gelitten. Für das Geschäftsjahr 15/16 (bilanziert wird immer zum 30. September) stand ein Jahresfehlbetrag von 5,6 Mio. Euro, im Geschäftsjahr 16/17 waren es sogar 8,8 Mio. Euro. Berücksichtigt man die Verlustvorträge, belief sich der Bilanzverlust per September 2017 auf 22,7 Mio. Euro.  Aktuellere Zahlen gibt es keine.
  • Das sagt der Chef: „Wir planen bis Ende 2019/Anfang 2020 profitabel zu sein. Wir haben genügend Zugang zu Liquidität und auch unsere Bestandsinvestoren stehen weiterhin überzeugt hinter uns. In Kürze werden wir uns hierzu detaillierter äußern können.“
Fazit

Die Zahlen sprechen für sich. Orderbird hat weiterhin ein spannendes Produkt, das durchaus seine Kunden (wie gesagt: gut 10.000 mittlerweile) findet. Aber: Es scheint sich um ein vertriebsintensives (und damit kostenintensives) Wachstum zu handeln oder wenigstens gehandelt zu haben. Die erhoffte Traction – die für ein erfolgreiches digitales Geschäftsmodell eigentlich charakteristisch sein sollte – hat sich bislang noch nicht eingestellt. Kein Wunder, dass die Investoren (oder wenigstens: der Investor Concardis) inzwischen skeptischer auf Orderbird schauen als noch vor zwei, drei Jahren.

Concardis wertet Beteiligung ab – was ist los beim Vorzeige-Fintech Orderbird?

Von Heinz-Roger Dohms

Es ist nur ein einziger Satz. Aber er schallt wie ein Ohrfeige: „Aufgrund der mehrjährigen Verluste und Risiken im weiteren Geschäftsverlauf erfolgte (…) 2017 eine Wertberichtigung von 50% auf den Beteiligungsbuchwert auf nun EUR 4.433.000.“ So steht es, wie „Finanz-Szene.de“ entdeckt hat, im Geschäftsbericht von Concardis. Wobei sich die Aussage natürlich nicht auf Concardis selbst bezieht – sondern auf eine der prominentesten Beteiligungen des Eschborner Zahlungsdienstleisters, nämlich das 2011 gegründete Berliner Payment-Startup Orderbird. Dabei galt Orderbird eigentlich mal als eines der deutschen Vorzeige-Fintechs. Bestens finanziert (20 Mio. Euro allein in der 2016er-Runde). Namhafte Investoren (neben Concardis z.B. auch  Maschmeyer und die Metro). Und ein klares Produkt (iPad-basierte Kassensysteme für Restaurants). Doch trotz dieser tollen Ausgangslage scheint Orderbird nicht abzuheben. Unsere Analyse:

1.) Internationale Expansion
  • Das war Sache: Mit der Finanzierung wollte Orderbird u.a. die internationale Expansion vorantreiben. So war Anfang 2017 vom Eintritt in den italienischen und den spanischen Markt die Rede.
  • Das ist Sache: Die Expansion wurde zwischenzeitlich abgebrochen.
  • Das sagt der Chef (also CEO Jakob Schreyer): „Wir haben in den vergangenen Monaten unsere Strategie angepasst, wollen uns stärker auf die DACH-Region fokussieren, weil hier die größten Opportunitäten für uns liegen.
2.) Umsatzwachstum
  • Das war Sache: Für 2016/17 (bilanziert wird immer zum 30. September) strebte Orderbird laut Jahresabschluss ein Umsatzwachstum von 60% an.
  • Das ist Sache: Mit einem Umsatzplus von 54% wurde dieses Ziel fast erreicht, in absoluten Zahlen lagen die Umsatzerlöse 16/17 bei 9,0 Mio. Euro. Allerdings: Im Geschäftsjahr 17/18 (für das noch kein Abschluss veröffentlicht wurde) trat Orderbird offenbar kräftig auf die Bremse. Im Prognosebericht heißt es: „Im Geschäftsjahr 2017/2018 wird ein Umsatzwachstum von 14,0 % erwartet.“
  • Das sagt der Chef: „Wir setzen inzwischen stärker auf qualitatives Wachstum. Im Mittelpunkt standen zuletzt nicht die einmaligen Erlöse aus dem Verkauf von Hardware (wie z.B. Drucker), sondern die wiederkehrenden Erlöse, die uns die Restaurantbesitzer monatlich zahlen, zum Beispiel für Lizenzen.“
3.) Kundenwachstum
  • Das war Sache: „Wir gewinnen mehr als 300 Neukunden pro Monat und verfügen mittlerweile über einen Kundenstamm von mehr als 7500 Kunden.“ So sagte es Schreyer im April 2017 in einem Interview.
  • Das ist Sache: Im Geschäftsjahr 16/17 akquirierte Orderbird laut Jahresabschluss 3700 neue Kunden. Das passt nahezu exakt zur Interview-Aussage. Allerdings: Die 3700 Kunden sind eine Bruttogröße. Netto stieg die Kundenzahl lediglich von 5700 auf 7900 Kunden, also um 2200 Kunden. Für das Geschäftsjahr 18/19 ist noch kein Abschluss veröffentlicht. Laut Homepage hat Orderbird inzwischen jedoch „über 10.000“ Kunden, womit die Zuwächse in etwa stabil geblieben wären.
  • Das sagt der Chef: „Dass wir Kunden verlieren, lässt sich bei unserer Branche nicht vermeiden. Die Churn Rate in der Gastronomie liegt bei rund 20% bis 25% – wir sind allerdings darunter, und solange das so ist, können wir da sehr gut mit leben.“
4. Mitarbeiterwachstum
  • Was war Sache: Im April 2017 hatte Orderbird nach eigenen Aussagen gut 140 Mitarbeiter – und wollte bis April 2018 bei 200 angekommen sein
  • Das ist Sache: Laut Geschäftsbericht waren es im September 2016 genau 136,6 FTE (also 136,6 volle Stellen) und im September 2017 dann 141,1 FTE (also 141,1 volle Stellen). Geht man davon aus, dass bei Orderbird zwar nicht alle, aber doch die meisten Mitarbeiter vollzeitbeschäftigt sind, könnten es also per September 2017 grob geschätzt rund 150 Mitarbeiter gewesen sein. Aktuell sind es laut Unternehmenswebsite „mehr als 110 Mitarbeiter“. Dieser offenkundige Rückgang deckt sich in etwa mit Statistikzahlen bei LinkedIn, wo ein Minus von 22% für die vergangenen zwölf Monate angezeigt wird.
  • Das sagt der Chef: „Wir haben beim Thema Internationalisierung ein paar Stellen abgebaut. Ansonsten ist der Rückgang aber relativ gering, das atmet manchmal ein bisschen, weil wir teils auch mit Freelancern arbeiten. Im Core-Bereich haben wir aber sogar eingestellt und werden das auch 2019 wieder tun.“
5.) Finanzielle Lage
  • Das war Sache: Mit der Finanzierungsrunde im Frühjahr 2016 schien Orderbird finanziell bestens aufgestellt, die Kapitalrücklage betrug zwischenzeitlich satte 28,0 Mio. Euro.
  • Das ist Sache: Orderbird hat zumindest eine Zeit lang unter einem enormen Cashburn gelitten. Für das Geschäftsjahr 15/16 (bilanziert wird immer zum 30. September) stand ein Jahresfehlbetrag von 5,6 Mio. Euro, im Geschäftsjahr 16/17 waren es sogar 8,8 Mio. Euro. Berücksichtigt man die Verlustvorträge, belief sich der Bilanzverlust per September 2017 auf 22,7 Mio. Euro.  Aktuellere Zahlen gibt es keine.
  • Das sagt der Chef: „Wir planen bis Ende 2019/Anfang 2020 profitabel zu sein. Wir haben genügend Zugang zu Liquidität und auch unsere Bestandsinvestoren stehen weiterhin überzeugt hinter uns. In Kürze werden wir uns hierzu detaillierter äußern können.“
Fazit

Die Zahlen sprechen für sich. Orderbird hat weiterhin ein spannendes Produkt, das durchaus seine Kunden (wie gesagt: gut 10.000 mittlerweile) findet. Aber: Es scheint sich um ein vertriebsintensives (und damit kostenintensives) Wachstum zu handeln oder wenigstens gehandelt zu haben. Die erhoffte Traction – die für ein erfolgreiches digitales Geschäftsmodell eigentlich charakteristisch sein sollte – hat sich bislang noch nicht eingestellt. Kein Wunder, dass die Investoren (oder wenigstens: der Investor Concardis) inzwischen skeptischer auf Orderbird schauen als noch vor zwei, drei Jahren.

Sind die Nutzerzahlen von Kwitt wirklich ein Erfolg???

Von Heinz-Roger Dohms

„Kwitt überzeugt mit inzwischen über 90.000 Transaktionen pro Woche und rund 1,2 Millionen registrierten Nutzern – Tendenz weiter steigend“: Diese Erfolgsmeldung haben die deutschen Sparkassen gestern bei ihrer Abschluss-Pressekonferenz auf dem FI-Forum präsentiert. Wobei: Sind die Zahlen des P2P-Payment-Services wirklich ein Erfolg?

Der Versuch einer  Ad-hoc-Einordnung:

  • Dass Kwitt überhaupt Transaktionsdaten veröffentlicht, ist ein Indiz, dass sich die Sparkassen mit den Zahlen zumindest nicht unwohl fühlen. Dass die (inzwischen) gescheiterten Wettbewerber Cookies, Lendstar oder Cringle jemals Transaktionszahlen veröffentlicht hätten, können wir zumindest nicht erinnern (wobei wir uns gern eines Besseren belehren lassen)
  • Wenn der Quervergleich zu Paydirekt (okay, okay – etwas anderes Modell, darum ist das ein bisschen Äpfel mit Birnen …) erlaubt sei: Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ kam der bankeneigene Online-Bezahldienst zuletzt auf rund 40.000 Transaktionen monatlich. Hier ist Kwitt (obwohl deutlich später gestartet) also jetzt schon grob um den Faktor 10 voraus.
  • Paydirekt gibt die Zahl der eigenen Nutzer mit 2,1 Millionen an; bei Kwitt sind es laut der Pressekonferenz gestern 1,2 Millionen. In der Hoffnung, uns jetzt nicht kolossal verrechnet zu haben: Im Schnitt führt der durchschnittliche Paydirekt-Nutzer damit nur alle 50 Monate eine Zahlung mit Paydirekt durch, während der durchschnittlich Kwitt-Nutzer alle drei Monate eine Zahlung mit Kwitt durchführt (oder anders gesagt: Der Anteil der aktiven Kunden dürfte bei Kwitt ungleich höher sein).
  • Vergleicht man Kwitt mit sich selbst, dann hat sich die Zahl der Transaktionen innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate in etwa verdoppelt (siehe Seite 15 der Präsentation, die gestern bei der PK gezeigt wurde). Aus dem Bauch heraus würden wir sagen: In dem immer noch frühen Stadium, in dem sich Kwitt (gestartet: vor rund zwei Jahren) befindet, ist dieses Wachstum sehr okay, aber nicht fulminant.
  • Hilfreich wäre es zu wissen, wie viele P2P-Zahlungen hierzulande über Paypal bzw. die Paypal-Tochter Venmo gemacht werden. Soweit wir wissen, gibt es hierzu aber keine öffentlichen Daten (wiederum: Wir lassen uns gern eines Besseren belehren) …
  • … indes: Vielleicht hilft ja auch ein Blick zu den großen P2P-Payment-Playern in den USA. Dort gibt es nämlich seit Mitte 2017 einen Anbieter namens Zelle, hinter dem 30 der größten amerikanischen Banken stehen – und der inzwischen ähnlich groß wenn nicht sogar größer als Venmo sein soll. Rund ein Drittel aller Zelle-Transaktionen entfallen angeblich auf Kunden der Bank of America. Im dritten Quartal waren das offiziellen Angaben zufolge 42,3 Millionen Zahlungen. Teilt man diese Zahl durch 13, so erhält man rund 3,2 Mio. Transaktionen pro Woche. Verglichen mit den 90.000 Transaktionen von Kwitt führen die Bank-of-America-Kunden damit über Zelle rund 35-mal so viele Zahlungen durch wie die Kwitt-Kunden über Kwitt.
  • Dazu muss man allerdings wissen, dass Zelle schon von 4,3 Mio. Bofa-Kunden aktiv genutzt wird. Auf den einzelnen User runtergebrochen kommt Zelle damit auf Transaktionszahlen, die „nur“ noch um den Faktor 10 höher sind als bei Kwitt.
  • Nun gälte es natürlich ganz viele Faktoren zu berücksichtigen, von denen wir nicht den blassesten Schimmer haben (Wie offensiv wird Zelle vermarktet?, Wie Mobile-Payment- bzw. P2P-Payment-affin sind die Amerikaner?, etc.pp.) …
  • … aber: Wenn wir es richtig verstehen, gilt Zelle in den USA als durchaus großer Erfolg. Und wenn wir uns nicht verrechnet haben, dann sind die Zahlen von Kwitt zumindest so ordentlich, dass sie sich ganz grob in ein nachvollziehbares Verhältnis zu diesem großen US-Erfolg setzen lassen (während Vergleiche zwischen Paydirekt und Paypal immer so enden, dass man sozusagen das Volumen der Nadel mit dem Volumen des Heuhaufens vergleicht).

Mithin: Kwitt scheint zumindest kein Misserfolg zu sein! Ob sich das Angebot tatsächlich als deutscher P2P-Payment-Standard etabliert, wird man sehen.

Geheimprojekt „Diamond“: Wann starten die Sparkassen mit Apple Pay?

Liebe Mitglieder des Sparkassen-Sektors, sind Sie schon wieder auf dem Heimweg, oder tummeln Sie sich heute noch mal auf dem FI-Forum? Weil: Bekanntlich starten hierzulande ja die ersten privaten Banken in Kürze mit Apple Pay. Gesichert ist zudem, dass auch Ihr Sektor eine Kooperation mit dem US-Konzern prüft. Mehr noch: Nach unseren (unbestätigten) Informationen existiert bereits ein entsprechendes Projekt namens „Diamond“. Nun haben wir uns erklären lassen, dass die Finanz Informatik (also der IT-Dienstleister Ihres Sektors) zwei große Updates jedes Jahr anbietet, im kommenden Jahr seien das der „Release 19.0“ (April) und der „Release 19.1“ (November). Angeblich (hier indes werden aus losen Informationen allmählich bloße Gerüchte) ist die Integration von Apple Pay nun regulär für den „Release 19.1“ vorgesehen. Wer es jedoch ein bisschen eiliger habe (die DKB?), könne womöglich schon im „Release 19.0“ berücksichtigt werden (wobei wir hier jetzt  sogar den schmalen Grat zwischen Gerücht und Spekulation überschreiten). Jedenfalls: Wenn Sie heute noch mal auf dem FI-Forum sein sollten: Könnten Sie sich in der Sache eventuell mal für uns umhören?