Was Apple Pay jetzt macht, haben die deutschen Banken 20 Jahre lang versäumt

Von Marcus W. Mosen*

Vielen iPhone-Usern (und damit auch mir) ist gestern ein Stein vom Herzen gefallen: Gottseidank, Apple Pay kommt, jetzt, tatsächlich. Warum die allgemeine und insbesondere auch meine Freude? Nun, zum einen habe ich damit eine Wette gegen Nick Santschi (den CEO von BS Payone) gewonnen, die wir am 11. Januar beim UNITI Cards- und Automations-Forum 2018 in Hamburg cora Publikum abgeschlossen hatten. Santschi war der Überzeugung, dass Apple Pay in diesem Jahr nicht mehr nach Deutschland kommt – ich hielt dagegen! Es ging um drei (oder waren es sechs?) Flaschen guten Champagners. Und ich war schon damals davon überzeugt, dass ich gewinnen würde …

Worum es aber natürlich wirklich geht: Mit dem bevorstehenden Start von Apple Pay endet ein großes Vakuum im Kosmos des bargeldlosen Zahlungsverkehrs hierzulande. Mobile Payment existiert in Deutschland bislang nicht wirklich, auch wenn über das Thema schon seit Jahren diskutiert wird, zumindest in den einschlägigen Kreisen. So hatte sich die Deutsche Kreditwirtschaft schon lange vor Apple Pay (Einführung in USA im Oktober 2014) mit dem Thema Mobile Payment beschäftigt. Bereits im Mai 2000, also  vor über 18 Jahren, führte „Paybox“ (die Deutsche Bank AG war damals 50%-iger Gesellschafter) mit großem Marketing-Tamtam die Paymentlösung für E- und M-Commerce ein, die auch private Geldtransaktionen ermöglichte (P2P Payments). Die Deutsche Bank versuchte eine Zeitlang, andere Banken als Unterstützer zu gewinnen, jedoch ohne Erfolg. Dann wurde ein Verkauf von Paybox an First Data in Erwägung gezogen. Aber auch diese Option der strategischen Weiterentwicklung kam nicht zustande. Stattdessen überließ man Paybox seinem eigenen Schicksal – in Deutschland wurde der Dienst eingestellt, in Österreich existiert er noch heute, jedoch auf einem eher überschaubaren Niveau.

Auch die damalige GZS (Gesellschaft für Zahlungssystem mbH), ein Unternehmen, an dem alle deutschen Bankengruppen beteiligt waren, wagte Anfang 2001 den Versuch, als „Inkubator“ Mobile Payment in Deutschland über einen breiten Plattformansatz im Markt einzuführen. Dafür beteiligte sie sich an der Payitmobile AG, einem Start-Up mit Sitz in München, gegründet im Jahr 2000. In einem nächsten Schritt wurde die Bildung eines Konsortiums eingeleitet, an dem sich das Softwarehaus Materna sowie das Mobilfunkunternehmen E-Plus beteiligen wollten. Auf der Bankenseite sprach man mit dem DSGV. Die Plattform „Payitmobile“ verstand sich als neutraler Paymentprovider zwischen Banken, Kreditkarten- und Mobilfunkunternehmen sowie Händlern.

Nachdem die GZS damals selbst in gewisse „Untiefen“ geriet, war dieses Venture jedoch schnell vom Tisch. Aber letztlich zeigte sich auch schon damals die systemimmanent hohe Hemmschwelle der deutschen Kreditwirtschaft, bei Payment-Themen an einem Strang zu ziehen und neuen Themen, die nicht unbedingt die EC-Karte (Girocard) im Produktkern haben, zu unterstützen. Man darf sich gar nicht ausmalen, wo wir heute in Deutschland und darüber hinaus im bargeldlosen Zahlungsverkehr stehen könnten, wenn dieses „Fintech-Projekt“ damals durchgezogen worden wäre.

Damals habe ich im Fazit eines Buchbeitrags geschrieben: „Mobile Payment wird den M-Commerce erst enablen. Mobile Payment als Funktion wird jedoch eher eine commodity-Leistung darstellen, als einen eigenen Mehrwert zu generieren. Die Wertschöpfungschancen bei der Vermarktung von Mobile-Transaktionen liegen daher mehr im Content des M-Commerce und weniger in der Abwicklung der Zahlung (…) Bei der Verarbeitung von Zahlungstransaktionen in der virtuellen Welt werden die gleichen Gesetze wie in der realen Welt gelten, es werden sich diejenigen Anbieter im Markt durchsetzen, die in der Lage sind, möglichst große Verarbeitungsvolumen auf ihren Verarbeitungsplattformen zu konzentrieren (…). Neben dem Faktor „Kosten“ wird auch die globale Vermarktungsmöglichkeit des Payment-Produktes eine wesentliche Rolle bei den Erfolgsaussichten für eine Lösung darstellen (…). Mobile Handybesitzer werden wenig Verständnis aufbringen, wenn sie in verschiedenen (weltweiten) Netzen mit unterschiedlichen Payment-Lösungen konfrontiert werden.“ (Den vollständigen Beitrag finden Sie im Handbuch Mobile-Commerce, Springer-Verlag, 2002). Eigentlich alles ganz einfach und plausibel, oder?

Seit „Paybox“ haben verschiedenste Akteure im deutschen Markt zig Millionen Euro in Projekte mit der Überschrift „Mobile Payment“ investiert und teilweise später auch wieder abgeschrieben. Sowohl die großen „Telkos“ mit ihren „Wallets“ als oder auch die großen Retailer, wie zuletzt die Otto-Gruppe mit dem Produkt „Yapital“, haben sich allesamt erfolglos die Zähne an diesem Thema ausgebissen. Es ist jedoch müßig, in alle Hintergründe einzutauchen und zu analysieren, warum Mobile Payment in Deutschland bisher nicht funktioniert hat oder warum einige Stakeholder es auch schlichtweg nicht gewollt oder vielleicht auch nicht verstanden haben.

Apple Pay ist das Synonym schlechthin für ein modernes, innovatives, globales Mobile Payment (m.E. in der Positionierung noch vor Google Pay). Es ist integraler Bestandteil der globalen Apple-Plattform, die – und das wird oft unterschlagen – nicht nur Hardware im modernen Design bietet, sondern auch viele andere Features in der Cloud oftmals kostenfrei offeriert. Natürlich spielen sich im digitalen Payment Google Pay und Apple Pay gegenseitig in Punkto Akzeptanz und User-Experience die Bälle zu. Beide Lösungen sind schlichtweg simpel und cool in der Anwendung – beim Konsumenten und auch im Handel!

Wenn heute noch die NFC-Funktionalität der deutschen Girocard gepriesen wird, die in langwierigen z.T. kommunal begrenzten Feldversuchen über viele Monate hinweg getestet wurde, dann wird Apple Pay dies nun funktional und auch medial in den Schatten stellen. Wenige Banken haben das in Deutschland bisher begriffen und sich zunächst auf das „kostenlose“ Google Pay via Android-Smartphones gestürzt. Und nun klagen bereits einige Stimmen im Markt, Apple möge doch bitte seine NFC-Schnittstelle freigeben. Sogar einige Politiker haben sich auf das populistische Pferd geschwungen und mimen nun von oben herab den „Digitalexperten“. Auch dieses Bild zeigt, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit nicht viel gelernt hat.

Die Bereitschaft der Apple Pay nutzenden Banken, dem US-Konzern einen Anteil  der Interchange abzugeben (vermutlich ca. ein Drittel der 0,2% bei Debitkarten bzw. der 0,3% bei Kreditkarten) zeigt, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt haben: Die Kunden lassen sich nicht mehr vorschreiben, wie digital sie im 21. Jahrhundert bezahlen wollen. Denn eines haben die Kunden verstanden: Banking ist wichtig, aber der Zugang erfolgt nicht mehr über die EC/Girocard-Leser an den Eingangstüren der Bankfilialen!

Nun sind offensichtlich doch ein paar wenige etablierte Banken über ihren Schatten gesprungen und haben sich in das Lager der kundenorientierten Banking-Dienstleister begeben. Bisher haben sich hier eher die Challenger-Banken als reine Digitalbanken positiv hervorgetan. Denn ein iPhone-User wird wegen einer fehlenden Paymentfunktion doch eher nicht zum Android-User. Und die Digitalbanken werden an Apple Pay als Feature für ihre Kunden nicht vorbeikommen. Der Trend zu mehr digital payment ist – wenn überhaupt – noch weniger aufzuhalten. Dies gilt vor allem für die jüngere Generationen, die ihr Smartphone in nahezu jeder Lebenslage bei sich führt. Mit Apple Pay schließt sich der Kreis und ab sofort können jetzt alle Mobile Payment via Smartphone. Laut Statista.com sind 20 % der verkauften Smartphones in Deutschland iPhones – Tendenz steigend. Und damit wird auch der „Cash King“ bald abdanken müssen. Willkommen Apple Pay!

*Marcus W. Mosen ist einer der profiliertesten deutschen Payment-Experten

Der große Check – wie digital ist die Deutsche Bank wirklich?

Von Heinz-Roger Dohms

Immer im Herbst schaltet die Deutsche Bank in den „Jetzt hauen wir digital auf die Pauke“-Modus. So war das 2016, als sie ihre Digitalfabrik eröffnete (und Projekte wie den „Zinsmarkt“ anstieß). So war das 2017, als sie ihren Robo-Advisor launchte. Und so ist es auch diesmal wieder: 1.) Unter dem Dach der Retailsparte entsteht ein neuer Geschäftsbereich namens „Digital Ventures“, teilte das Geldhaus gestern  Abend mit. 2.) Das erste Venture geht gleich mit an den Start, nämlich ein 80 Mitarbeiter starkes hauseigenes Fintech. 3.) Dieses Fintech wirft bereits am heutigen Tage eine Finanz-App namens „Yunar“ auf den Markt (hier die Einzelheiten). Ziemlich fette Ankündigungen also – und der richtige Zeitpunkt  zu fragen: Was ist eigentlich aus den vielen vorangegangenen digitalen Projekten, Ideen und Initiativen der Deutschen Bank geworden? Was macht z.B. der „E-Safe“? Wie viel Vermögen verwaltet der Robo? Wie viele Kunden nutzen die Multibanking-App? Und so weiter. Hier unser großer Check:

Multibanking-App
  • Was soll das? Die Kunden sollen über ihre Deutsche-Bank-App (bzw. über die entsprechende Online-Anwendung) auch Konten verwalten können, die sie bei anderen Banken unterhalten.
  • Status: Ist nicht nur ein Tool. Sondern die große digitale Zukunftsvision: Die Deutsche Bank als Plattform und zentrale Anlaufstelle des Kunden.
  • Und??? Technisch ist so weit alles klar, zumal die Kunden nicht mehr nur sehen, was auf ihren Fremdkonten los ist, sondern weil sie inzwischen auch in der Lage sind, aus der Deutsche-Bank-App heraus Transaktionen auf den Fremdkonten durchzuführen. Die große Frage jedoch lautet: Wie nehmen die Kunden das Angebot an? Antwort: Okay. Die Nutzerzahl soll niedrig sechsstellig sein, das Fremdkonto-Volumen lag im Mai (das war der letzte offizielle Stand) bei gut 6 Mrd. Euro und dürfte dementsprechend langsam auf die 10 Mrd. Euro zusteuern.
Zinsmarkt
  • Was soll das? Ein Tool, über das Deutsche-Bank-Kunden ihre Spareinlagen bei anderen Banken (mit höheren Zinsen …) anlegen können, ohne dabei als Kunde die Bank wechseln zu müssen.
  • Status: Zentraler Testfall für die Plattform-Idee.
  • Und?? Ging mit deutlicher Verspätung an den Start. Nimmt aber so langsam Fahrt auf. Mitte September stand die Deutsche Bank kurz davor, die 500-Mio.-Euro-Grenze beim vermittelten Volumen zu durchbrechen, wie Digitalchef Markus Pertlwieser im Exklusiv-Interview mit „Finanz-Szene.de“ verriet. Das ist mehr, als Kritiker dem Institut zugetraut hätten, aber weniger, als intern ursprünglich erhofft. Indes: Vielleicht setzt jetzt ja das von Zinsmarkt-Chef Andreas Kramer beschworene „exponentielle Wachstum“ ein.
Robin
  • Was soll das? Ist der digitale Vermögensverwalter (vulgo: Robo Advisor) der Deutschen Bank.
  • Status: Der große Testfall jenseits der Plattformidee
  • Und??? Bei der Vorstellung im vergangenen Jahr bezifferte die Deutsche Bank das Potenzial des deutschen Robo-Markts per Ende 2018 auf 5 Mrd. Euro. „Davon wollen wir mit Robin 20 Prozent, also eine Milliarde Euro haben“, so Pertlwieser damals. Nach allem, was wir hören, ist die Blaubank davon momentan jedoch noch ein gutes Stück entfernt. Uns würde sogar erstaunen, wenn „Robin“ schon jene 500 Mio. Euro hätte, die der Zinsmarkt im September hatte.
E-Safe
  • Was soll das? Eine digitale Dokumenten-Ablage und Passwort-Speicher
  • Status: Beleg, dass die Deutsche Bank ihr Geschäftsmodells im digitalen Zeitalter sehr viel weiter fassen will als bislang
  • Und??? Die E-Safe laufe nicht wirklich, hören wir. Gut möglich, dass die Deutsche Bank hierzu heute Näheres erzählen wird – denn für den Mittag ist eine Pressekonferenz geplant, bei der es um die neue Yunar-App, aber auch um den Stand anderer Digitalprojekte gehen soll.
Mobile Moment
  • Was soll das? So nennt die Deutsche Bank die Schwelle, ab der mehr Nutzer über Smartphones oder Tablets auf ein digitales Angebot zugreifen als über den Desktop.
  • Status: Der Begriff tauchte im April 2017 erstmals im aktiven Wortschatz der Deutschen-Bank-PR auf. Damals hieß es: „Mehr als 40 Prozent aller Zugriffe auf die Konto-Dienste der Bank laufen bereits heute über mobile Endgeräte.“ Damals fehlten also noch 10 Prozentpunkte …
  • Und??? Kurze Zeit später – nämlich im September 2017 – verkündete die Deutsche Bank, den „Mobile Moment“ tatsächlich erreicht zu haben: „Erstmals erledigen mehr Kunden Bankgeschäfte über ihr Smartphone und Tablet als über den PC.“ Auf den zweiten Blick zeigte sich allerdings, dass die Schwelle nur an einem einzigen Tag geknackt worden war, nämlich dem 29. August. Und heute, gut ein Jahr später? Dürfte der „Mobile Moment“ nicht mehr die Ausnahme, sondern an den allermeisten Tagen die Regel sein. Wobei: Das gilt tatsächlich „nur“ für die Zahl der Zugriffe – noch lange nicht für die Zahl der Transaktionen.
Digitalbank
  • Was soll das? Klang wie eine Reinkarnation der „Deutschen Bank 24“ (für die jüngeren Leser: Das ist die 1999 gegründete und 2002 bereits wieder abgeschaffte Onlinebank)
  • Status: Im Oktober 2017 angekündigt, im Mai 2018 begraben.
  • Und??? Die Beerdigung in diesem Frühjahr wurde verpackt in die Ankündigung, stattdessen die digitale Plattform um weitere Angebote zu erweitern, „die über das klassische Bankgeschäft hinausgehen“. Was daraus wurde? Siehe Yunar …
Yunar
  • Was soll das? Eine kostenlose App, mit der die Kunden verschiedenste Bonusprogramme wie Payback, BahnBonus oder Miles &More verwalten können. Sukzessive soll das Ganze nun zu einer mobilen Geldbörse ausgewalzt werden.
  • Status: Noch ’ne Initiative. Aber eine sehr ambitionierte!
  • Und??? Warten wir’s ab.
Norisbank
  • Was soll das? Ist eine auf Ratenkredite spezialisierte Onlinebank, von der man bis gestern dachte, der Deutschen Bank sei es ganz recht, dass die Menschen gar nicht wissen, dass sie zur Deutschen Bank gehört.
  • Status: Mehr Stief als Tochter.
  • Und??? Hat gestern eine überraschende Aufwertung erfahren. Die Norisbank solle bei besagter digitaler Geldbörse nämlich  „eine ganz wesentliche Rolle“  spielen, sagte Privatkundenvorstand Strauß dem „Handelsblatt“.
Kundenwachstum
  • Was soll das? Digitale Angebote sollen ja kein Selbstzweck sein.
  • Status: Mitte 2017 sagte Digitalchef Pertlwieser in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“: „Mit Abschluss der Neuaufstellung konzentrieren wir uns jetzt wieder ganz aufs Wachstum, auch bei der Anzahl der Kunden.“
  • Und??? In unserem Exklusivstück „Warum die Deutsche Bank plötzlich zwei Millionen Kunden weniger hat“ berichteten wir neulich über den mysteriösen Kundenschwund beim größten Geldhaus der Republik. Freilich: Wenn man „technische Effekte“ berücksichtigt, dürfte sich der reale Rückgang eher im sechs- als im siebenstelligen Millionenbereich bewegen. Von einem irgendwie digital induzierten Kundenwachstum allerdings  sehen wir bislang nichts.
Digitalfabrik
  • Was soll das? Ist das digitale Kraftzentrum der deutschen Bank.
  • Status: Legte vor zwei Jahren mit „rund 400″Mitarbeitern“ los, bis Ende 2018 sollte sich die Zahl verdoppelt haben.
  • Und??? So ist es gekommen. Stand heute hat die Digitalfabrik gut 800 Mitarbeiter.

„Yunar“ und die Digitaloffensive der Deutschen Bank. Dokumentation der Pressemitteilung

Digitaloffensive beim wichtigsten Geldhaus des Landes: Die Deutsche Bank gründet eine neue Geschäftseinheit namens Digital Venture. Diese neue Unit schickt gleich ihre erste Firma an den Start. Und diese neue Firma wirft sofort die erste App in den Markt. Hier die Dokumentation der entsprechenden Pressemitteilung:

Die Deutsche Bank bringt am 6. November 2018 die App „Yunar“ an den Markt. Sie startet in einer Basisversion als kostenloses digitales Plattform-Angebot, mit dem sich Bonusprogramme komfortabel nutzen lassen. Mit weiteren Bank- und Nichtbank-Dienstleistungen soll Yunar künftig schrittweise zur virtuellen Geldbörse („Mobile Wallet“) in der Tasche der Kunden werden. Yunar wird dafür kontinuierlich mit neuen Funktionen und Produkten weiterentwickelt, wobei berücksichtigt wird, welche Wünsche die Kunden haben und wie sie die App täglich nutzen.

Hinter der Marke Yunar steht ein Start-up, eine hundertprozentige Tochter der Bank, mit eigenem Management, eigener Informationstechnik und anfangs rund 80 Mitarbeitern. Ähnlich wie viele Fintechs braucht das neue Unternehmen keine Bankbilanz. Es wird, vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden, über eine sogenannte ZAG-Lizenz für
Zahlungsverkehrsdienstleistungen verfügen. Damit sollen digitale Innovationen auch über das klassische Bankgeschäft hinaus deutlich schneller an den Markt gebracht werden können.

Schon heute hat das Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank 20 Millionen Kunden in Deutschland, davon nutzen mehr als 10 Millionen die Dienstleistungen und Produkte der Bank über PC, Tablets und
Smartphones. Yunar ist Teil des neuen Geschäftsbereichs „Digital Ventures“ im Privat- und Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank. Dort werden künftig die Angebote für neue Zielgruppen und Märkte gebündelt. So soll unter anderem die digitale Plattform der Bank schnell ausgebaut werden.

https://www.finanz-szene.de/digital-banking/der-grosse-check-wie-digital-ist-die-deutsche-bank-wirklich/

Markus Pertlwieser, Digitalchef des Privat- und Firmenkundengeschäfts der Deutschen Bank und Leiter des Geschäftsbereichs Digital Ventures, sagte zum Marktstart von Yunar: „Mit dieser App wird der Ausbau unseres Plattform-Angebots noch einmal deutlich Fahrt aufnehmen. Frische Ideen, die das Leben für Bankkunden leichter machen, werden künftig schneller Wirklichkeit werden – unabhängig davon, ob wir sie allein oder mit Partnern umsetzen.“ Der Markenname Yunar leitet sich ab von „Yuna“, dem keltischen Wort für Wunsch. Gleichzeitig ist Yunar eine Anspielung auf das englische „You know“ (Du weißt). Der Markenname soll also unterstreichen, dass Yunar die Wünsche der Kunden kennt und erfüllt.

Zum Start können die Nutzer mit der Yunar-App auf dem Smartphone ihre Kundenkarten verwalten. Die App erlaubt den Nutzern, für bis zu 200 in Deutschland verbreitete Bonusprogramme Punkte zu sammeln, darunter Payback, DeutschlandCard, BahnBonus, Miles & More, Ikea, Douglas und Karstadt. Für einige der Programme können in der App vom Start weg auch die bereits gesammelten Treuepunkte angezeigt werden. Die eigentlichen Plastikkarten braucht der Nutzer dann nicht mehr. Damit erfüllt Yunar von Beginn an wesentliche Kriterien der Plattform-Ökonomie: Es ist kostenfrei, überall verfügbar und für die Nutzer täglich relevant.

In weiteren Ausbaustufen hin zu einer virtuellen Geldbörse können Bankleistungen wie das mobile Bezahlen oder die Multibank-Aggregation oder auch Nichtbank- Dienstleistungen wie die digitale Identität dazukommen. Damit hätte der Kunde zum ersten Mal alle Dienste rund um Bonusprogramme, Bezahlen und Konto an einem Ort. Wenn künftig etwa alle Daten gängiger Bonusprogramme mit den Zahlungsverkehrsinformationen des Nutzers verbunden werden, macht das das Angebot einzigartig. Yunar könnte dann dem Nutzer Empfehlungen geben, welche Bonusprogramme für ihn in Frage kommen oder auch mit Rat zur Stelle sein, wofür gesammelte Punkte eingesetzt werden können.

(…)

06/11/18: Alles zu Apple Pay, Der große Deutsche-Bank-Digital-Check, Sebastian Hasenack

Exklusiv: Der große Check – wie digital ist die Deutsche Bank wirklich?

Immer im Herbst schaltet die Deutsche Bank in den „Jetzt hauen wir digital auf die Pauke“-Modus. So war das 2016, als sie ihre Digitalfabrik eröffnete (und Projekte wie den „Zinsmarkt“ anstieß). So war das 2017, als sie ihren Robo-Advisor launchte. Und so ist es auch diesmal wieder: 1.) Unter dem Dach der Retailsparte entsteht ein neuer Geschäftsbereich namens „Digital Ventures“, teilte das Geldhaus gestern Abend mit. 2.) Das erste Venture geht gleich mit an den Start, nämlich ein 80 Mitarbeiter starkes hauseigenes Fintech. 3.) Dieses Fintech wirft bereits am heutigen Tage eine Finanz-App namens „Yunar“ auf den Markt (hier die Details). Ziemlich fette Meldungen also – und der richtige Zeitpunkt zu fragen: Was ist eigentlich aus den vielen vorangegangenen digitalen Projekten, Ideen und Initiativen der Deutschen Bank geworden? Was macht z.B. der „E-Safe“? Wie viel Vermögen verwaltet der Robo? Wie viele Kunden nutzen die Multibanking-App? Und so weiter. Hier unser großer Check: Finanz-Szene.de

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Apple Pay nennt deutsche Partnerbanken – doch Sparkassen und Genossen fehlen

Es ist die Nachricht, die den hiesigen Zahlungsverkehr grundlegend verändern könnte – nicht heute und morgen, aber doch auf mittlere und spätestens lange Sicht: Nur wenige Wochen nach Google Pay geht auch Apple Pay in Deutschland an den Start. Wann genau, das ist noch unklar (wir hören aus guter, aber nicht perfekter Quelle, es sei der 19. November), allzu lange kann es allerdings nicht mehr dauern. Denn: Gestern hat Apple auf einer Informationsseite bereits veröffentlicht, wer die Partnerbanken sind, deren Kunden (sofern sie zugleich ein iPhone besitzen) den neuen Dienst nutzen können. Unter anderem sind dies die Deutsche Bank, die HVB, die Comdirect und N26. Spannender allerdings ist, wer fehlt, nämlich die Genos, die Sparkassen und selbst die DKB, die ja streng genommen auch dem Sparkassen-Lager zuzuschlagen ist.  Und noch ein spannendes Detail, auf das der Payment-Experte Jochen Siegert via Twitter aufmerksam macht: In der Apple-Ankündigung findet sich das „Maestro“-Zeichen. Ein heimlicher Schlag gegen die Girocard? Welt, Siegert-Tweet, Apple.com

Hinweis: Weiter unten im Newsletter finden Sie einen ultraspannenden „Gästeblog“ von Marcus W. Mosen zur Apple-Pay-News.

News

So, was also ist zur Yunar-App zu sagen, mal ganz abgesehen davon, dass die Deutsche Bank da ganz schön schwere Geschütze auffährt, wie wir finden (eigene Venture-Abteilung, eigenes Fintech, gleich mal 80 Mitarbeiter …): Wenn wir es richtig verstehen, dann handelt es sich – jedenfalls in der ab sofort verfügbaren Basisversion – um eine App, mit der Kunden eine Fülle von Bonusprogrammen wie Miles & More,  Payback oder BahnBonus zentral verwalten können. Nun soll Yunar  um „weitere Bank- und Nichtbank-Dienstleistungen“ erweitert werden, sodass mit der Zeit eine „virtuelle Geldbörse“ („Mobile Wallet“) entsteht. Für alle, die es noch genauer wissen wollen, haben wir hier die Pressemitteilung dokumentiert: Finanz-Szene.de

Sebastian Hasenack, Geschäftsführer des unabhängigen Robo-Advisors Investify, wechselt laut „Handelsblatt“ als Vertriebschef zu Solidvest, dem digitalen Vermögensverwalter der DJE Kapital AG (sprich: Er geht zu Jens Ehrhardt): Hört sich erst mal  plausibel an, wirft aber unweigerlich zwei Fragen auf, nämlich 1.) Haben die Ehrhardt-Leute ein Vertriebsproblem (laut „HB“ fließen im Tagesschnitt 70.000 Euro in Solidvest, das ist nicht die Welt …); und 2.) Was wird jetzt aus Investify??? Das Karma ist dort ja gerade eh nicht das Beste, nachdem jüngst der Großdeal mit der Hamburger Sparkasse geplatzt war … Handelsblatt (Paywall)

Sonst noch was los bei unseren Fintechs? Ja, aber eher kleine Münze. 1.) Der bislang eher für sein organisches Wachstum bekannte Kasseler Kontowechsel-Spezialist Fino hat sich ein Startup namens Simplessus (Schwerpunkt: Rechnungsmanagement) einverleibt. Wobei: Offiziell ist nicht von einer Übernahme, sondern von einer Fusion der Fino-Tochter „Fino Data Services GmbH“ mit Simplessus  die Rede (Pressemitteilung als PDF). Und 2.) Der API-Spezialist FintecSystems hat die Santander Deutschland als Kunden gewonnen (Pressemitteilung).

Wie vielschichtig in Zeiten von Apple Pay und Google Pay die Gemengelage im deutschen Zahlungsverkehr ist, erkennt man übrigens auch daran, dass große deutsche Händler (Rewe, Edeka, Lidl …) überlegen, ein eigenes Handy-Bezahlsystem aufzubauen, und zwar basierend auf Instant Payment. Berichtet jedenfalls die Lebensmittel-Zeitung (Paywall).

Und noch eine Zahl: Die Bilanzsumme der Finanzsparte von Volkswagen hat erstmals die 200-Mrd.-Euro-Marke überschritten (zur Einordnung: Das ist deutlich mehr, als z.B. die Helaba oder die NordLB haben). Wenn Sie nach dem „Wie kommt’s“ fragen, würden wir Sie gern auf unseren Artikel „10 Erklärungen, wie Volkswagen zur gewinnträchtigsten deutschen Bank wurde“ verweisen.

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Was Apple Pay jetzt macht, haben die deutschen Banken fast 20 Jahre lang versäumt: Erinnert sich noch jemand an Paybox? Oder an die Payitmobile AG? Die eine Initiative stammt aus dem Jahr 2000, die andere aus 2001, bei beiden ging es um Mobile Payment – und bei beiden gaben die deutschen Banken den Ton an. Doch heute? Stehen ebenjene deutschen Banken im Duell mit Apple Pay und Google Pay plötzlich blank da. Aber nicht, weil die US-Techkonzerne unschlagbar wären. Sondern weil die hiesige Kreditwirtschaft es fast 20 Jahren lang versäumt hat, das Thema Mobile Payment selbst zu besetzen. Ein Gastbeitrag von Marcus W. Mosen, einem der profiliertesten deutschen Payment-Experten. Finanz-Szene.de

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Alles, was Sie zum Stresstest wissen müssen, wissen Sie vermutlich längst, oder? Ansonsten empfehlen wir Ihnen die Twitter-Timeline des Frankfurt-School-Professors Sascha Steffen. Stresstests sind nämlich dessen Leib-und-Magen-Thema. Twitter

Die drei entscheidenden Probleme der Deutschen Bank: Der (streitbare) Risikoanalyst Christopher Whalen nimmt die Lobeshymnen, die der Investor Doug Braunstein auf die Blaubank hält, zum Anlass, einfach mal zu erläutern, warum er selber die Dinge entschieden anders sieht. theinstitutionalriskanalyst.com

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… am vergangenen Freitag war der ebenso alte wie nichtsdestotrotz aktuelle Aufsatz über die Idee einer einheitlichen Super-Landesbank. Bitburger Gespräche 2009

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06/11/18: Der große Deutsche-Bank-Digital-Check, Alles zu Apple Pay, Yunar

Exklusiv: Der große Check – wie digital ist die Deutsche Bank wirklich?

Immer im Herbst schaltet die Deutsche Bank in den „Jetzt hauen wir digital auf die Pauke“-Modus. So war das 2016, als sie ihre Digitalfabrik eröffnete (und Projekte wie den „Zinsmarkt“ anstieß). So war das 2017, als sie ihren Robo-Advisor launchte. Und so ist es auch diesmal wieder: 1.) Unter dem Dach der Retailsparte entsteht ein neuer Geschäftsbereich namens „Digital Ventures“, teilte das Geldhaus gestern Abend mit. 2.) Das erste Venture geht gleich mit an den Start, nämlich ein 80 Mitarbeiter starkes hauseigenes Fintech. 3.) Dieses Fintech wirft bereits am heutigen Tage eine Finanz-App namens „Yunar“ auf den Markt (hier die Details). Ziemlich fette Meldungen also – und der richtige Zeitpunkt zu fragen: Was ist eigentlich aus den vielen vorangegangenen digitalen Projekten, Ideen und Initiativen der Deutschen Bank geworden? Was macht z.B. der „E-Safe“? Wie viel Vermögen verwaltet der Robo? Wie viele Kunden nutzen die Multibanking-App? Und so weiter. Hier unser großer Check: Finanz-Szene.de

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Es ist die Nachricht, die den hiesigen Zahlungsverkehr grundlegend verändern könnte – nicht heute und morgen, aber doch auf mittlere und spätestens lange Sicht: Nur wenige Wochen nach Google Pay geht auch Apple Pay in Deutschland an den Start. Wann genau, das ist noch unklar (wir hören aus guter, aber nicht perfekter Quelle, es sei der 19. November), allzu lange kann es allerdings nicht mehr dauern. Denn: Gestern hat Apple auf einer Informationsseite bereits veröffentlicht, wer die Partnerbanken sind, deren Kunden (sofern sie zugleich ein iPhone besitzen) den neuen Dienst nutzen können. Unter anderem sind dies die Deutsche Bank, die HVB, die Comdirect und N26. Spannender allerdings ist, wer fehlt, nämlich die Genos, die Sparkassen und selbst die DKB, die ja streng genommen auch dem Sparkassen-Lager zuzuschlagen ist.  Und noch ein spannendes Detail, auf das der Payment-Experte Jochen Siegert via Twitter aufmerksam macht: In der Apple-Ankündigung findet sich das „Maestro“-Zeichen. Ein heimlicher Schlag gegen die Girocard? Welt, Siegert-Tweet, Apple.com

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So, was also ist zur Yunar-App zu sagen, mal ganz abgesehen davon, dass die Deutsche Bank da ganz schön schwere Geschütze auffährt, wie wir finden (eigene Venture-Abteilung, eigenes Fintech, gleich mal 80 Mitarbeiter …): Wenn wir es richtig verstehen, dann handelt es sich – jedenfalls in der ab sofort verfügbaren Basisversion – um eine App, mit der Kunden eine Fülle von Bonusprogrammen wie Miles & More,  Payback oder BahnBonus zentral verwalten können. Nun soll Yunar  um „weitere Bank- und Nichtbank-Dienstleistungen“ erweitert werden, sodass mit der Zeit eine „virtuelle Geldbörse“ („Mobile Wallet“) entsteht. Für alle, die es noch genauer wissen wollen, haben wir hier die Pressemitteilung dokumentiert: Finanz-Szene.de

So, wenn es wirklich noch eine Hürde für die Privatisierung der HSH Nordbank gab, dann ist diese nun auch genommen: Der Vorstand des BdB hat nämlich den Übergang von der öffentlich-rechtlichen in die private Einlagensicherung gestern offiziell abgesegnet. Börsen-Zeitung

Wie vielschichtig in Zeiten von Apple Pay und Google Pay die Gemengelage im deutschen Zahlungsverkehr ist, erkennt man … daran, dass große deutsche Händler (Rewe, Edeka, Lidl …) überlegen, ein eigenes Handy-Bezahlsystem aufzubauen, und zwar basierend auf Instant Payment. Berichtet jedenfalls die Lebensmittel-Zeitung (Paywall).

Wie trist die Zeiten fürs Filialbanking sind, erkennt man … 1.) daran, dass selbst für bundesweit tätige Kreditinstitute heutzutage die Eröffnung einer einzigen Filiale schon ein Anlass ist, eine Pressemitteilung herauszuschicken. Und 2.) daran, dass wir das Ganze dann auch noch verlinken. Es geht übrigens um die Apobank. Und der Standort lautet: Bochum. Pressemitteilung

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Sonst noch was los bei unseren Fintechs? Ja, aber eher kleine Münze. 1.) Der bislang eher für sein organisches Wachstum bekannte Kasseler Kontowechsel-Spezialist Fino hat sich ein Startup namens Simplessus (Schwerpunkt: Rechnungsmanagement) einverleibt. Wobei: Offiziell ist nicht von einer Übernahme, sondern von einer Fusion der Fino-Tochter „Fino Data Services GmbH“ mit Simplessus  die Rede (Pressemitteilung als PDF). Und 2.) Der API-Spezialist FintecSystems hat die Santander Deutschland als Kunden gewonnen (Pressemitteilung).

Und noch eine Zahl: Die Bilanzsumme der Finanzsparte von Volkswagen hat erstmals die 200-Mrd.-Euro-Marke überschritten (zur Einordnung: Das ist deutlich mehr, als z.B. die Helaba oder die NordLB haben). Wenn Sie nach dem „Wie kommt’s“ fragen, würden wir Sie gern auf unseren Artikel „10 Erklärungen, wie Volkswagen zur gewinnträchtigsten deutschen Bank wurde“ verweisen.

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