N26 macht Edel-Mitarbeiter zu Gesellschaftern – und zu Millionären?

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Caspar Schlenk, Gründerszene

Als politischer Kopf ist Valentin Stalf, Chef der Berliner Smartphone-Bank N26, bislang nicht aufgefallen. Dieser Tage hatte der 33-Jährige nun aber doch mal ein, nun ja, politisches Anliegen: Als einer von 30 CEOs großer europäischer Startups setzte er Ende November seine Unterschrift unter einen offenen Brief an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments. Titel: „Unumgänglich: Europa muss mehr Talente für Startups anziehen.“ Eine Kernforderung lautete: Beteiligungsprogramme für Mitarbeiter müssten attraktiver werden. Momentan seien die entsprechenden Gesetze „archaisch und hochgradig ineffektiv“.
Der Gründer Stalf hat trotz dieser Rechtslage nun einen Weg gefunden, führende Mitarbeiter an seinem Startup N26 zu beteiligen. Zu diesem Zweck führte das boomende Berliner Fintech Ende November – in der Woche, in der auch der Brief an die Parlamentarier öffentlich wurde – eine heimliche Kapitalerhöhung durch, wie Recherchen von Finanz-Szene.de und Gründerszene ergeben haben.
Insgesamt wurde die Zahl der Gesellschaftsanteile um rund sieben Prozent auf nunmehr 106.382 erhöht – wobei zu den Zeichnern rund ein Dutzend führende Mitarbeiter gehörten, darunter der Chief Technology Officer Patrick Kua und der Head of International Markets Alexander Weber, ein wichtiger Manager der ersten Stunde. Eine Sprecherin von N26 wollte auf konkrete Fragen nicht eingehen. Allerdings bestätigte sie zumindest indirekt den Vorgang als solchen: „Ausgewählte Mitarbeiter haben die Möglichkeit, Anteile am Unternehmen käuflich zu erwerben. Diese Möglichkeit haben bereits einige unserer Mitarbeiter wahrgenommen.“ Abgesehen davon gebe es noch ein Mitarbeiterbeteiligungs-Programm mit virtuellen Anteilen.
Interessant ist, wer die „ausgewählten Mitarbeiter“ sind. Es zeigt sich, wer in der zweiten Reihe bei N26 eine wichtige Rolle spielt. Denn bei Startup-Events stehen vor allem die beiden Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal im Vordergrund. Da sich die entsprechenden Beteiligungs-Gesellschaften zum Teil noch in Gründung befinden, lassen sich nicht alle neuen Anteilseigner dechiffrieren. Trotzdem schon mal ein erster Überblick:

 

Beteiligungsvehikel Dahinter steht: Position
MipKYC Holdings UG: Kelly Ford Ex-CMO
Paketon Investments ? ?
Kunter Ventures UG William Kunter Director Finance
Kilian Ventures UG Robert Kilian Chief Representative
PK Digital UG Patrick Kua CTO
Yokohama Holdings LLC ? ?
MAMM Ventures UG Martin Schilling COO
N27 UG ? ?
Four Pillar Ventures UG Alexander Weber Head of Int. Markets
Noor26 UG ? ?
Belview Partners Stefan Klestil Business Angel
Tayenthal Ventures II UG Maxim. Tayenthal Gründer
N25 Ventures UG Valentin Stalf Gründer

Die Mitarbeiter erhalten „nur“ 50 bis 280 Anteilsscheine. Gemessen an der Unternehmensbewertung von zuletzt etwa 600 Mio. Euro haben diese vermeintlich kleinen Pakete aber auf dem Papier trotzdem einen Wert von teilweise mehr als einer Million Euro. Man darf davon ausgehen, dass die Mitarbeiter die Anteile zu einem erheblichen Rabatt auf die Bewertung der Wagniskapitalgeber erwerben durften.

Auffällig ist: Zwei Gesellschaften zeichnen je 2700 Anteile, es handelt sich dabei um Stalf und seinen Co-Gründer Maximilian Tayenthal selber. Sie halten nun noch jeweils 2,5 Prozent zusätzlich.

Die zehn ultimativen Trends in der deutschen Banken-Branche 2018

Von Heinz-Roger Dohms

Das Jahr endet, wie es enden musste – nämlich damit, dass die Deutsche Bank nochmal richtig einen auf den Deckel bekommen hat (siehe unser heutiger Newsletter). Wobei: Ist es nicht eh schon wurscht, ob sie auf Jahressicht nun 50% oder 55% ihres Börsenwerts eingebüßt hat? Doch nicht nur für die Deutsche Bank war 2018 ein Annus horribilis, sondern genauso für die Commerzbank und im Grunde für die gesamte Branche. Was war noch mal der große Hoffnungsschimmer gewesen, als das Jahr begann? Ach ja, die Zinswende! Die dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Wo stattdessen nun die Erträge herkommen sollen? Weiß außer den Low-Cost-Anbietern und ein paar erfolgreichen Nischenplayern keine Sau. Und sonst so? Uppsala, die Digitalisierung. Noch so ein Problem, bei dem man nicht wirklich das Gefühl hat, die Branche wisse, wie sie darauf reagieren soll. Und Positives? Gab es durchaus auch! Wenn man ein bisschen sucht … Hier unsere zehn ultimativen Trends des Bankenjahres 2018:

1.) Die internationalen Investoren haben den Bankenstandort Deutschland mehr oder weniger abgeschrieben

Als das vergangenen Jahr endete, notierte die Deutsche-Bank-Aktie noch bei 15,85 Euro – gestern Nachmittag bei Börsenschluss waren es nur noch: 7,00 Euro, ein geradezu unfassbares Minus von 55,8%. Und die anderen börsennotierten deutschen Kreditinstitute? Commerzbank: minus 53,8%. Aareal: minus 30,5%. Deutsche Pfandbriefbank: minus 34,2%. Noch Fragen?

2.) Wer auf die Zinswende gewettet hat, der hat verloren. Was übrigens auch für Cerberus gilt

Machen wir uns nichts vor. Man kann zwar 1000 gute Gründe finden, warum die Lage so ist, wie sie (siehe oben) eben ist. Aber in letzter Konsequenz war die starke 2017er-Performance zum Beispiel der Commerzbank-Aktie  eine Wette auf die Zinswende – während die 2018er-Entwicklung v.a. den Umstand spiegelt, dass diese Wette bislang eben nicht aufgegangen ist. Womöglich braucht man auch in das, was Cerberus im hiesigen Bankensektor treibt (Deutsche Bank, Coba, HSH Nordbank, Südwestbank, evtl. NordLB …), gar nicht so wahnsinnig viel hineinzugeheimnissen. Der Höllenhund gewinnt, wenn die Zinsen steigen und die Kosten sinken. Bislang hat er nicht gewonnen.

3.) Die Deutsche Bank kämpft jetzt schon so lange mit der Vergangenheit, dass man ihr eine Zukunft kaum noch zutraut

Ein Ende der Malaise? Ist nicht in Sicht. Oder fällt Ihnen irgendein Ausweg ein? Und jetzt sagen Sie bitte nicht: Fusion mit der Commerzbank.

4.) Die Commerzbank kämpft mit einem Ertragsschwund, dass einem Angst und Bange wird

Klar, die Commerzbank hat es nicht leicht. Da ist zum einen (siehe oben) das Zinsproblem. Und zum anderen ist da der irrwitzige Margendruck im traditionellen Kerngeschäft der Coba, sprich: bei der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen. Gleichwohl zeigen sich die Folgen dieser schwierigen äußeren Bedingungen bei keinem anderen Institut so dramatisch wie bei der Gelbbank, deren Erträge im Firmenkundengeschäft schlichtweg erodiert sind. Folge: Das mittelfristige Ertragsziel (und zwar für die Gesamtbank) wurde jüngst kassiert. Dafür läuft es bei den Privatkunden. Heißt es jedenfalls immer. Tatsächlich steht der Beleg, dass sich mit den vielen neuen Kunden wirklich Geld verdienen lässt, bislang aus (wobei es hier für ein abschließendes Urteil zu früh ist). Was hingegen auffällt: Das Kundenwachstum wurde zuletzt an die Onlinetochter Comdirect gewissermaßen outgesourct. Glaubt die Coba überhaupt noch an ihr eigenes Filial-Mantra?

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5.) Wer noch richtig Geld verdienen will, muss entweder eine Direktbank sein oder eine Nische bespielen

Findet so ein ING-Diba-Manager es eigentlich auch doof, dass die Zinsen nicht anziehen? Oder denkt der sich insgeheim: Was juckt es mich, wenn mir das Zinstief absolut gesehen schadet, solange es mir relativ gesehen nutzt? Denn: Mit einer Cost-Income-Ratio von 44% (ING Diba) bzw. von 51% (DKB) überlebt man vermutlich selbst dann, wenn aus der Niedrigzinsphase endgültig eine Niedrigzinsära werden sollte. Jedenfalls: Laut der diese Woche veröffentlichten „Bain“-Studie kommen die Direktbanken hierzulande immer noch auf eine Eigenkapitalrendite von 7,8%. Das klingt einigermaßen auskömmlich. Und auch jenseits der Direktbanken gibt es da draußen Geschäftsmodelle, die weiterhin funktionieren. Das gilt zum Beispiel (jedenfalls momentan noch) für die Autobanken, deren Geschäftsmodell wir im Frühjahr am Beispiel von VW Financial Services zu entschlüsseln versucht hatten. Und es gilt auch für hochspezialisierte Nischenplayer wie Berenberg oder die Apobank. Und klar: So eine Nische kann natürlich auch regional definiert sein, zumal wenn die entsprechende Region boomt. Wenn man sich mal systematisch die Volksbanken da draußen vorknöpfen würde, dann fände man ganz sicher auch im Jahr 2018 noch eine ganze Reihe von Ertragsperlen.

6.) Ja, den Sparkassen und Volksbanken geht es immer noch erstaunlich gut. Betonung auf: noch!

Wie auch immer sie das gemacht haben – jedenfalls: Bis 2015/2016 haben die Sparkassen und Volksbanken es geschafft, ihren Zinsüberschuss zumindest einigermaßen stabil zu halten; und 2017 vollbrachten viele von ihnen  das kleine Wunder, die Verluste bei den Zinsen durch markant gestiegene Provisionserträge zu kompensieren (Das Provisionsergebnis der „Blauen“ legte 2017 um 8,1% zu, das der „Roten“ um 8,4%). Und 2018? Das ist die große Frage, die man definitiv erst in zwei, drei Monaten wird beantworten können. Als wir für unseren Jahresrückblick aber mal ein bisschen in unserem eigenen Archiv gestöbert haben, fiel uns  die Meldung zu den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken wieder ein, die im Juli einen eher ernüchternden Ausblick aufs Gesamtjahr gegeben hatten. Und: Wir stießen auf die Meldung zu den tendenziell ziemlich beunruhigenden Halbjahreszahlen der Hamburger Sparkasse (Zinsergebnis: minus 11%). Mal sehen, ob das wirklich nur Ausreißer nach unten waren.

7.) Der Angriff der großen Techkonzerne ist nicht mehr bloß ein Drohszenario – er hat begonnen!

Ist der Deutschland-Start von Apple Pay ein Gamechanger, wie in den vergangenen Tagen mitunter behauptet wurde? Schwer zu sagen. Was die vergangenen Monate aber in jedem Fall gezeigt haben. Beim Angriff der großen Technologiekonzerne auf die deutschen Banken handelt es sich nicht mehr nur um eine diffuse Drohkulisse – sondern: Dieser Angriff hat begonnen. Der beste Beleg für diese These ist nicht einmal der Launch von Apple Pay, sondern die vor wenigen Wochen verkündete Triple Entente aus Google Pay, Mastercard und Paypal. Denn Apple benötigt die Banken ja zumindest noch als Partner (von irgendeinem Girokonto muss das Geld, dass per Smartphone an der Ladenkasse den Besitzer wechselt, ja kommen). Die Triple Entente hingegen hat sich zum Ziel gesetzt, die Banken aus dem Bezahlvorgang faktisch auszuschließen – bzw.: Die „Bank“ mit dem „Konto“ ist in diesem Bündnis halt Paypal. Dazu passt wiederum, dass Paypal neuerdings hierzulande Händlerkredite ausreicht, übrigens genauso wie Klarna (wobei wir Klarna nicht als großen Technologiekonzern bezeichnen würden, aber darauf kommt es ja auch nicht an). Vergibt Amazon eigentlich auch schon Kredite in Deutschland? Kann sein. Wir haben vor lauter Gafa ein bisschen den Überblick verloren.

(wie weit die deutschen Fintechs mit ihrem Angriff auf die deutschen Banken sind, lesen Sie übrigens in unserem Fintech-Jahresrückblick)

8.) Im Digitalen sind die deutschen Banken, unterm Strich, noch immer ein bisschen halbgar unterwegs

Ja, die Deutsche Bank hat im Privatkundengeschäft ihren Plattform-Ansatz zuletzt glaubwürdig vorangetrieben, beginnt zudem auf internationaler Ebene in das ein oder andere Fintech zu investieren (uns scheint: mit einem Fokus auf dem Transaction Banking). Und ja, auch die Commerzbank verkündet fast im Wochenrhythmus ein neues Fintech-Investment oder wenigstens eine neue Kooperation. Und nochmal ja: Selbst wenn die Hypo-Vereinsbank ihre direkten Fintech-Beteiligungen verkauft hat, so zählt sie bei manchen digitalen Themen (ein Beispiel: Instant Payment) trotzdem zu den Innovationsführern. Und doch: Die ganz großen, die ganz kühnen Digitalinitiativen sucht man bei den deutschen Banken weiterhin vergeblich. Die Sparkassen werkeln lieber jahrelang an Yomo, statt die DKB zur „Onlinebank der Sparkassen“ zu machen; die Commerzbank begräbt ihre Pläne für eine europaweite Smartphone-Bank (weil: Man hat ja schon die Comdirect, und außerdem ist so was teuer); und wenn die Deutsche Bank ihren eigenen Robo-Advisor startet, dann traut man sich ja kaum zu fragen, ob sie bei den AUMs die Milliarde schon geknackt hat. Sondern man fragt: „Aber mehr als 100 Mio. Euro sind es doch in jedem Fall schon, oder?“ Und wenn man dann ausrechnet, dass N26 zuletzt in nur sechs Monaten eine Million Kunden gewonnen hat, dann fragt man sich halt doch: Müssten die etablierten Player nicht langsam mal gegenhalten?

9.) Erstaunlich viele Kunden bleiben „ihrer“ Bank selbst dann noch treu, wenn diese ordentlich die Gebühren erhöht

Was man allerdings auch sagen muss: So imposant das Kundenwachstum von N26 (und etwas bescheidener bei der ING Diba und bei der DKB) auch sein mag – es ist jetzt nicht so, dass da draußen schon die ganz, ganz große Erosion begonnen hätte. Eher ließe sich das Phänomen, gegen dass die klassischen Filialbanken ankämpfen, wohl als ein „Bröckeln“ bezeichnen (siehe unser Stück „Mythos Kundenwachstum am Beispiel der Hamburger Sparksse“). Hierzu passt, dass die locker-flockigen Marktforscher von Yougov, so weit wir das überblicken, schon länger nicht mehr behauptet haben, neun Prozent der Deutschen würden pro Jahr ihr Girokonto wechseln. Sondern: Alle anderen Untersuchungen zu dem Thema kommen auf Werte von irgendwie so um die zwei bis drei Prozent, was zu dem passt, was wir aus dem Markt hören. Zieht man davon noch die „Hopper“ ab (und bedenkt man, dass die Filialbanken in den letzten 2-3 Jahren auf breiter Flur die Kontoführungsgebühren erhöht haben), dann steht als Fazit: Viele Kunden sind „ihrer“ Bank immer noch erstaunlich treu. Wobei wir niemandem widersprechen würde, der sagt, wir hätten „treu“ mit „träge“ verwechselt.

10.) Wer nach externen Impulsen sucht, sollte nicht auf Cerberus schauen – sondern auf die ING und auf BNP Paribas

Was macht Cerberus da eigentlich? Naja, darauf hoffen, dass sich (siehe oben) die Lage bessert. Und wenn nicht – dann halt fleddern. Würden wir jedenfalls vermuten. Konstruktiver oder zumindest spannender finden wir da schon, was zwei große ausländische Banken, nämlich die ING Groep (mit ihrer Tochter ING Diba) und die BNP Paribas da momentan im deutschen Markt veranstalten. Während nämlich (fast) alle heimischen Banken über sinkende oder allenfalls stagnierende Erträge im Firmenkundengeschäft klagen, hat die ING Diba just in diesem Segment eine verblüffende Ertragsexplosion hingelegt (siehe unser Scoop aus dem September). Und die BNP Paribas? Ist im Firmenkundenbereich ähnlich aggressiv unterwegs wie die ING Diba (btw.: Darf man „Diba“ überhaupt noch sagen?) – und will jetzt auch noch das hiesige Private Banking aus seinem komatösen Zustand erwecken.  Vielleicht ist ja auch das eine Botschaft für 2019: Mit ein bisschen Chuzpe und ein bisschen Kapital geht womöglich sogar im deutschen Bankensektor noch ein bisserl was. Mal sehen, welche einheimischen Player diese beiden Dinge noch aufbringen.

21/12/18: N26 macht seine Topmanager reich, Schufa schluckt finAPI, Banking-Rückblick

Exklusiv: N26 macht Edel-Mitarbeiter zu Gesellschaftern – und zu Millionären?

­­Als politischer Kopf ist N26-Chef Valentin Stalf bislang nicht aufgefallen. Dieser Tage hatte der 33-Jährige dann aber doch mal ein, nun ja, politisches Anliegen: Als einer von 30 CEOs großer europäischer Startups setzte er seine Unterschrift unter einen offenen Brief an das Europäischen Parlaments. Titel: „Unumgänglich: Europa muss mehr Talente für Startups anziehen.“ Das Kernanliegen des Schreibens lautete, dass Beteiligungsprogramme für Mitarbeiter  attraktiver werden müssten – momentan seien die entsprechenden Gesetze nämlich „archaisch und hochgradig ineffektiv“. Was in dem Brief nicht stand: Für seine eigenen Topmanager (und für sich selber) hat Stalf trotz der schwierigen Rechtslage ein offenbar ziemlich fettes Mitarbeiterprogramm aufgelegt. Zeigen jedenfalls exklusive Recherchen von „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“. Hier die Details – und wer die Profiteure sind: Finanz-Szene.de

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Rückblick, Teil II: Die zehn ultimativen Trends in der deutschen Bankenbranche 2018

Das Jahr endet, wie es enden musste – nämlich damit, dass die Deutsche Bank nochmal richtig einen auf den Deckel bekommen hat (Meldungen siehe unten). Wobei: Ist es nicht eh schon wurscht, ob sie auf Jahressicht nun 50% oder 55% ihres Börsenwerts eingebüßt hat? Doch nicht nur für die Deutsche Bank war 2018 ein Annus horribilis, sondern genauso für die Commerzbank und im Grunde für die gesamte Branche. Was war noch mal der große Hoffnungsschimmer gewesen, als das Jahr begann? Ach ja, die Zinswende! Die dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Wo stattdessen nun die Erträge herkommen sollen? Weiß außer den Low-Cost-Anbietern und ein paar erfolgreichen Nischenplayern keine Sau. Und sonst so? Ups, die Digitalisierung. Noch so ein Problem, bei dem man nicht wirklich das Gefühl hat, die Branche wisse, wie sie darauf reagieren soll. Und Positives? Gab es durchaus auch! Wenn man ein bisschen sucht … Hier unsere zehn ultimativen Trends des Bankenjahres 2018: Finanz-Szene.de

News

Womit sollen wir anfangen, mit der Kartellgeschichte oder mit dem 45-Jahres-Tief? Also: Kurz gesagt hegt die EU-Kommission den Verdacht, dass sich vier große internationale Banken – darunter die Deutsche Bank – zwischen 2009 und 2015 beim Handel mit Dollar-Anleihen abgesprochen haben. Theoretisch steht auf solch ein kartellrechtliches Vergehen eine Strafe von bis zu 10% des jährlichen Umsatzes. Allerdings: Offenbar hat sich die Deutsche Bank den Brüsseler Wettbewerbshütern als Kronzeuge angedient und dürfte damit straffrei ausgehen. Was die Sache aber natürlich nur unwesentlich besser macht. Denn auch dieser Fall verstärkt den Verdacht, dass es innerhalb des größten deutschen Kreditinstituts bis weit in die Jetzt-Zeit hinein sozusagen rechtsfreie Räume gegeben haben muss. Reuters, Handelsblatt (Paywall)

Entsprechend bedient waren gestern wieder mal die Investoren, die die (nach schwachen US-Konjunkturprognosen ohnehin wundgescheuerte) Deutsche-Bank-Aktie letztlich um 7,0% auf 7,00 Euro nach unten schickten. Irgendwo lasen wir, dies sei ein 45-Jahres-Tief, was wir mangels Bloomberg-Terminal nicht überprüfen konnten (um ehrlich zu sein: selbst mit Bloomberg-Terminal wären wir zu blöd dafür). Frage an den Alterspräsidenten unter unseren Lesern, nämlich an den wunderbaren Bernd Lüthje aus Hamburg: Stimmt das Ihrer Erinnerung nach mit dem 45-Jahres-Tief? Manager Magazin

Das hier ist mal ein ganz schöner Hammer – denn: Nach achtmonatigem Hin und Her stehen die acht Sparda-Banken Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, München, Nürnberg, Augsburg, Ostbayern und West wieder genauso nackt da, wie sie im April  schon einmal nackt dagestanden haben (mit dem Unterschied, dass es jetzt draußen friert). Rückblick: Damals im April hatten sich drei andere Sparda-Banken (nämlich: Berlin, Hannover und Südwest) dem genossenschaftlichen IT-Dienstleister Fiducia & GAD angeschlossen. Im September hieß es dann plötzlich, die übrigen acht würden dies jetzt auch tun. Doch nun: Sind die entsprechenden Gespräche geplatzt. Wie es jetzt weitergeht? Völlig unklar. Denn ganz ohne IT geht es im Banking ja dooferweise nicht. IT-Finanzmagazin, Börsen-Zeitung (Paywall)

Und noch eine höchst spannende Geschichte: Wie wir der in diesem Fall offenbar exklusiv gebrieften „Börsen-Zeitung“ entnehmen, hat die Schufa eine Mehrheits(!!!)-Beteiligung am Münchner Fintech finAPI übernommen. Nun wissen wir über finAPI zwar nicht viel – aber das, was wir wissen (finAPI gilt als Spezialist für den automatisierten Zugriff auf Girokonten), reicht zweifelsohne aus, um den Deal ziemlich interessant zu finden. Denn auch wenn ein Schufa-Sprecher den Zukauf gegenüber der „BÖZ“ herunterzuspielen versucht (finAPI sei keine Konkurrenz für die eigene Bonitätsauskunft …), so bleibt festzuhalten: Die Schufa hat einen dieser neuartigen Konto-Spezialisten offenkundig lieber im eigenen Portfolio, als dass sie ihn womöglich da draußen am Markt zum Gegner hat. Börsen-Zeitung (Paywall) 

Da hat die manchmal ja doch etwas profil-arm wirkende Deka kurz vor Weihnachten aber mal richtig einen rausgehauen – und zwar:  Ingo Speich, aus Funk und Fernsehen bekannter Fondsmanager der Union Investment, macht per April nächsten Jahres vom Fondsdienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken rüber zum Fondsdienstleister der Sparkassen. Nun sei mal dahingestellt, ob der „Hauptversammlungs-Promi“ (so bezeichnen ihn die Kollegen von Fondsprofessionell) wirklich so ein Vorstände-Fresser ist, wie es öffentlich immer rüberkommt – aber: Eine Marke ist dieser Speich allemal. Und damit vermutlich auch nicht ganz billig. Aber die Deka hat’s ja. Pressemitteilung

Personalien: Marco Wenthin, Co-Founder und Vorstand der Solarisbank, tritt zum Jahresende aus gesundheitlichen Gründen von seinen Positionen zurück (Pressemitteilung) +++ In der Insider-Affäre um den ehemaligen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ist dieser laut „Manager Magazin“ angeblich zu einer Strafzahlung in Höhe von 5 Mio. Euro bereit (Reuters) +++ Der gute Herr Mang soll bis 2024 Präsident der niedersächsischen Sparkassen bleiben (Börsen-Zeitung/Paywall)

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Liebe Leserinnen und Leser, auch in diesem Jahr sind da draußen in der Welt wieder eine Menge Dinge passiert, die vermutlich ein bisschen mehr Relevanz haben als die Frage, ob wir unsere Wurst bei Edeka mit einem Telefon, einer Plastikkarte oder mit Papier bezahlen. Drum: Ein paar Tage Ruhe von Apple Pay und dem ganzen anderen Firlefanz tun uns vermutlich allen ganz gut. Wir selber machen den ganzen Bumms jetzt einfach mal für zwei Wochen zu, wollen am 8. Januar aber wieder für Sie da sein, versprochen! Ihnen ein schönes Fest, bleiben Sie unserem kleinen Newsletter gewogen, herzlichst, Heinz-Roger Dohms

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21/12/18: Der große Rückblick, Deutsche Bank auf 45-Jahres-Tief, Sparda-Hammer

Rückblick, Teil II: Die zehn ultimativen Trends in der deutschen Bankenbranche 2018

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2.) Wer auf die Zinswende gewettet hat, der hat verloren. Was übrigens auch für Cerberus gilt

Machen wir uns nichts vor. Man kann zwar 1000 gute Gründe finden, warum die Lage so ist, wie sie (siehe oben) eben ist. Aber in letzter Konsequenz war die starke 2017er-Performance zum Beispiel der Commerzbank-Aktie  eine Wette auf die Zinswende – während die 2018er-Entwicklung v.a. den Umstand spiegelt, dass diese Wette bislang eben nicht aufgegangen ist. Womöglich braucht man auch in das, was Cerberus im hiesigen Bankensektor treibt (Deutsche Bank, Coba, HSH Nordbank, Südwestbank, evtl. NordLB …), gar nicht so wahnsinnig viel hineinzugeheimnissen. Der Höllenhund gewinnt, wenn die Zinsen steigen und die Kosten sinken. Bislang hat er nicht gewonnen.

3.) Die Deutsche Bank kämpft jetzt schon so lange mit der Vergangenheit, dass man ihr eine Zukunft kaum noch zutraut

Ein Ende der Malaise? Ist nicht in Sicht. Oder fällt Ihnen irgendein Ausweg ein? Und jetzt sagen Sie bitte nicht: Fusion mit der Commerzbank.

4.) Die Commerzbank kämpft mit einem Ertragsschwund, dass einem Angst und Bange wird

Klar, die Commerzbank hat es nicht leicht. Da ist zum einen (siehe oben) das Zinsproblem. Und zum anderen ist da der irrwitzige Margendruck im traditionellen Kerngeschäft der Coba, sprich: bei der Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen. Gleichwohl zeigen sich die Folgen dieser schwierigen äußeren Bedingungen bei keinem anderen Institut so dramatisch wie bei der Gelbbank, deren Erträge im Firmenkundengeschäft schlichtweg erodiert sind. Folge: Das mittelfristige Ertragsziel (und zwar für die Gesamtbank) wurde jüngst kassiert. Dafür läuft es bei den Privatkunden. Heißt es jedenfalls immer. Tatsächlich steht der Beleg, dass sich mit den vielen neuen Kunden wirklich Geld verdienen lässt, bislang aus (wobei es hier für ein abschließendes Urteil zu früh ist). Was hingegen auffällt: Das Kundenwachstum wurde zuletzt an die Onlinetochter Comdirect gewissermaßen outgesourct. Glaubt die Coba überhaupt noch an ihr eigenes Filial-Mantra?

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5.) Wer noch richtig Geld verdienen will, muss entweder eine Direktbank sein oder eine Nische bespielen

Findet so ein ING-Diba-Manager es eigentlich auch doof, dass die Zinsen nicht anziehen? Oder denkt der sich insgeheim: Was juckt es mich, wenn mir das Zinstief absolut gesehen schadet, solange es mir relativ gesehen nutzt? Denn: Mit einer Cost-Income-Ratio von 44% (ING Diba) bzw. von 51% (DKB) überlebt man vermutlich selbst dann, wenn aus der Niedrigzinsphase endgültig eine Niedrigzinsära werden sollte. Jedenfalls: Laut der diese Woche veröffentlichten „Bain“-Studie kommen die Direktbanken hierzulande immer noch auf eine Eigenkapitalrendite von 7,8%. Das klingt einigermaßen auskömmlich. Und auch jenseits der Direktbanken gibt es da draußen Geschäftsmodelle, die weiterhin funktionieren. Das gilt zum Beispiel (jedenfalls momentan noch) für die Autobanken, deren Geschäftsmodell wir im Frühjahr am Beispiel von VW Financial Services zu entschlüsseln versucht hatten. Und es gilt auch für hochspezialisierte Nischenplayer wie Berenberg oder die Apobank. Und klar: So eine Nische kann natürlich auch regional definiert sein, zumal wenn die entsprechende Region boomt. Wenn man sich mal systematisch die Volksbanken da draußen vorknöpfen würde, dann fände man ganz sicher auch im Jahr 2018 noch eine ganze Reihe von Ertragsperlen.

6.) Ja, den Sparkassen und Volksbanken geht es immer noch erstaunlich gut. Betonung auf: noch!

Wie auch immer sie das gemacht haben – jedenfalls: Bis 2015/2016 haben die Sparkassen und Volksbanken es geschafft, ihren Zinsüberschuss zumindest einigermaßen stabil zu halten; und 2017 vollbrachten viele von ihnen  das kleine Wunder, die Verluste bei den Zinsen durch markant gestiegene Provisionserträge zu kompensieren (Das Provisionsergebnis der „Blauen“ legte 2017 um 8,1% zu, das der „Roten“ um 8,4%). Und 2018? Das ist die große Frage, die man definitiv erst in zwei, drei Monaten wird beantworten können. Als wir für unseren Jahresrückblick aber mal ein bisschen in unserem eigenen Archiv gestöbert haben, fiel uns  die Meldung zu den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken wieder ein, die im Juli einen eher ernüchternden Ausblick aufs Gesamtjahr gegeben hatten. Und: Wir stießen auf die Meldung zu den tendenziell ziemlich beunruhigenden Halbjahreszahlen der Hamburger Sparkasse (Zinsergebnis: minus 11%). Mal sehen, ob das wirklich nur Ausreißer nach unten waren.

7.) Der Angriff der großen Techkonzerne ist nicht mehr bloß ein Drohszenario – er hat begonnen!

Ist der Deutschland-Start von Apple Pay ein Gamechanger, wie in den vergangenen Tagen mitunter behauptet wurde? Schwer zu sagen. Was die vergangenen Monate aber in jedem Fall gezeigt haben. Beim Angriff der großen Technologiekonzerne auf die deutschen Banken handelt es sich nicht mehr nur um eine diffuse Drohkulisse – sondern: Dieser Angriff hat begonnen. Der beste Beleg für diese These ist nicht einmal der Launch von Apple Pay, sondern die vor wenigen Wochen verkündete Triple Entente aus Google Pay, Mastercard und Paypal. Denn Apple benötigt die Banken ja zumindest noch als Partner (von irgendeinem Girokonto muss das Geld, dass per Smartphone an der Ladenkasse den Besitzer wechselt, ja kommen). Die Triple Entente hingegen hat sich zum Ziel gesetzt, die Banken aus dem Bezahlvorgang faktisch auszuschließen – bzw.: Die „Bank“ mit dem „Konto“ ist in diesem Bündnis halt Paypal. Dazu passt wiederum, dass Paypal neuerdings hierzulande Händlerkredite ausreicht, übrigens genauso wie Klarna (wobei wir Klarna nicht als großen Technologiekonzern bezeichnen würden, aber darauf kommt es ja auch nicht an). Vergibt Amazon eigentlich auch schon Kredite in Deutschland? Kann sein. Wir haben vor lauter Gafa ein bisschen den Überblick verloren.

(wie weit die deutschen Fintechs mit ihrem Angriff auf die deutschen Banken sind, lesen Sie übrigens in unserem Fintech-Jahresrückblick)

8.) Im Digitalen sind die deutschen Banken, unterm Strich, noch immer ein bisschen halbgar unterwegs

Ja, die Deutsche Bank hat im Privatkundengeschäft ihren Plattform-Ansatz zuletzt glaubwürdig vorangetrieben, beginnt zudem auf internationaler Ebene in das ein oder andere Fintech zu investieren (uns scheint: mit einem Fokus auf dem Transaction Banking). Und ja, auch die Commerzbank verkündet fast im Wochenrhythmus ein neues Fintech-Investment oder wenigstens eine neue Kooperation. Und nochmal ja: Selbst wenn die Hypo-Vereinsbank ihre direkten Fintech-Beteiligungen verkauft hat, so zählt sie bei manchen digitalen Themen (ein Beispiel: Instant Payment) trotzdem zu den Innovationsführern. Und doch: Die ganz großen, die ganz kühnen Digitalinitiativen sucht man bei den deutschen Banken weiterhin vergeblich. Die Sparkassen werkeln lieber jahrelang an Yomo, statt die DKB zur „Onlinebank der Sparkassen“ zu machen; die Commerzbank begräbt ihre Pläne für eine europaweite Smartphone-Bank (weil: Man hat ja schon die Comdirect, und außerdem ist so was teuer); und wenn die Deutsche Bank ihren eigenen Robo-Advisor startet, dann traut man sich ja kaum zu fragen, ob sie bei den AUMs die Milliarde schon geknackt hat. Sondern man fragt: „Aber mehr als 100 Mio. Euro sind es doch in jedem Fall schon, oder?“ Und wenn man dann ausrechnet, dass N26 zuletzt in nur sechs Monaten eine Million Kunden gewonnen hat, dann fragt man sich halt doch: Müssten die etablierten Player nicht langsam mal gegenhalten?

9.) Erstaunlich viele Kunden bleiben „ihrer“ Bank selbst dann noch treu, wenn diese ordentlich die Gebühren erhöht

Was man allerdings auch sagen muss: So imposant das Kundenwachstum von N26 (und etwas bescheidener bei der ING Diba und bei der DKB) auch sein mag – es ist jetzt nicht so, dass da draußen schon die ganz, ganz große Erosion begonnen hätte. Eher ließe sich das Phänomen, gegen dass die klassischen Filialbanken ankämpfen, wohl als ein „Bröckeln“ bezeichnen (siehe unser Stück „Mythos Kundenwachstum am Beispiel der Hamburger Sparksse“). Hierzu passt, dass die locker-flockigen Marktforscher von Yougov, so weit wir das überblicken, schon länger nicht mehr behauptet haben, neun Prozent der Deutschen würden pro Jahr ihr Girokonto wechseln. Sondern: Alle anderen Untersuchungen zu dem Thema kommen auf Werte von irgendwie so um die zwei bis drei Prozent, was zu dem passt, was wir aus dem Markt hören. Zieht man davon noch die „Hopper“ ab (und bedenkt man, dass die Filialbanken in den letzten 2-3 Jahren auf breiter Flur die Kontoführungsgebühren erhöht haben), dann steht als Fazit: Viele Kunden sind „ihrer“ Bank immer noch erstaunlich treu. Wobei wir niemandem widersprechen würde, der sagt, wir hätten „treu“ mit „träge“ verwechselt.

10.) Wer nach externen Impulsen sucht, sollte nicht auf Cerberus schauen – sondern auf die ING und auf BNP Paribas

Was macht Cerberus da eigentlich? Naja, darauf hoffen, dass sich (siehe oben) die Lage bessert. Und wenn nicht – dann halt fleddern. Würden wir jedenfalls vermuten. Konstruktiver oder zumindest spannender finden wir da schon, was zwei große ausländische Banken, nämlich die ING Groep (mit ihrer Tochter ING Diba) und die BNP Paribas da momentan im deutschen Markt veranstalten. Während nämlich (fast) alle heimischen Banken über sinkende oder allenfalls stagnierende Erträge im Firmenkundengeschäft klagen, hat die ING Diba just in diesem Segment eine verblüffende Ertragsexplosion hingelegt (siehe unser Scoop aus dem September). Und die BNP Paribas? Ist im Firmenkundenbereich ähnlich aggressiv unterwegs wie die ING Diba (btw.: Darf man „Diba“ überhaupt noch sagen?) – und will jetzt auch noch das hiesige Private Banking aus seinem komatösen Zustand erwecken.  Vielleicht ist ja auch das eine Botschaft für 2019: Mit ein bisschen Chuzpe und ein bisschen Kapital geht womöglich sogar im deutschen Bankensektor noch ein bisserl was. Mal sehen, welche einheimischen Player diese beiden Dinge noch aufbringen.

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Die 10 ultimativen Trends in der deutschen Fintech-Branche 2018

Von Heinz-Roger Dohms

2018 war das Jahr, in dem die deutsche Fintech-Branche – ja, was eigentlich? … ihre erste große Entzauberung (Kreditech) erlebt hat? Ja, das auch. Vor allem aber war 2018 das Jahr, in dem die deutsche Fintech-Branche endlich durchgestartet ist. Bestes Indiz: Bei Finanzierungsrunden ging es plötzlich nicht mehr um 10, 20 oder bestenfalls 30 Mio. Euro. Sondern um mehr als 50 Mio. Euro (Deposit Solutions, Solarisbank) und in einem Fall sogar um mehr als 100 Mio. Euro (N26). Die Folgen der Explosion sind an allen Ecken und Enden zu bestaunen: Das Ur-Fintech Wirecard ist jetzt mehr wert als die Deutsche Bank; N26 hat schon halb so viele Kunden wie die DKB; und immer mehr Finanz-Startups produzieren nicht mehr nur Fantasien, sondern echte Erträge. Was es sonst noch zu sagen gibt zum Fintech-Jahr 2018? Eine ganze Menge! Lesen Sie hier: Das waren die 10 ultimativen Trends in der deutschen Fintech-Branche in diesem Jahr.

1.) Die deutschen Ur-Fintechs sind jetzt ähnlich viel wert wie die großen deutschen Banken

Okay, dass Wirecard an der Börse längst höher bewertet wird als die Deutsche Bank und die Commerzbank – das hat sich herumgesprochen. Interessant ist es allerdings, sich auch mal andere Ur-Fintechs (hier unsere Definition) anzuschauen und deren Bewertungen mit denen gelisteter deutscher Banken zu vergleichen. Der Berliner Baugeldvermittler Hypoport zum Beispiel, der hinter der B2C-Marke „Dr. Klein“ und hinter der B2B-Plattform „Europace“ steht,  kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 930 Mio. Euro (es waren auch schon mal gut 1,2 Mrd. Euro). Das ist von einer Aareal Bank (rund 1,6 Mrd. Euro) oder einer PBB (knapp 1,2 Mrd. Euro) nicht mehr weit weg. Bei den übrigen deutschen Ur-Fintechs hat man mangels Börsennotiz zwar keine vergleichbaren Werte. Aber der Münchner Hypoport-Konkurrent Interhyp dürfte, legt man dessen Geschäftszahlen zugrunde, ganz, ganz sicher auch ein Unicorn-Kandidat sein. Von Check 24 ganz zu schweigen, selbst wenn man bei dem Münchner Vergleichsriesen nur den Banken- und den Versicherungsbereich in die Wertung einbrächte.

2.) Die großen (jungen) Fintechs sind jetzt ähnlich viel wert wie die mittelgroßen Banken

Was waren die großen Übernahmen im deutschen Bankensektor in diesem Jahr? Die HSH Nordbank (Kaufpreis: 1 Mrd. Euro), die Dexia Kommunalbank (352 Mio. Euro), die Düsselhyp (162 Mio. Euro) und Ebase (151 Mio. Euro). Und welche neuen Bewertungen ergaben sich im Zuge der großen Fintech-Finanzierungen in diesem Jahr? N26: rund 610 Mio. Euro. Deposit Solutions: mehr als 400 Mio. Euro. Finleap und Solarisbank: beide weit jenseits der 200 Mio. Euro. Hinzu kam der Exit beim Kredit-Vergleichsportal Finanzcheck (für 285 Mio. Euro an die Scout-Gruppe). Daran zeigt sich, dass viele erst vor wenigen Jahren gegründete Finanz-Startups, was die Bewertungen angeht, schon jetzt an die mittelgroßen Banken heranreichen.

3.) Ein halbes Dutzend deutsche Fintechs bekäme, wären wir der „Kicker“, das Prädikat „Internationale Klasse“ verliehen

Gibt es ein deutsches „Weltklasse“-Fintech? Vielleicht noch nicht. Aber wären wir der „Kicker“, dann würde uns aber mal locker ein halbes Dutzend Finanz-Startups einfallen, denen wir das Prädikat „Internationale Klasse“ verleihen würden (für die Nicht-„Kicker“-Junkies: Das ist eine Kategorie unter „Weltklasse“). N26 würde in Anbetracht von 2 Mio. Kunden ganz sicher dazugehören. Ebenso das zumindest semi-deutsche Payment-Fintech Sumup, das in diesem Jahr umgerechnet mehr als 200 Mio. Dollar Umsatz macht oder dies zumindest behauptet. Auch ein Fintech wie Raisin („Weltsparen.de“) gehört in Anbetracht von weit mehr als 100.000 Kunden ganz sicher in diese Kategorie, ebenso wie der bereits erwähnte Rivale Deposit Solutions („Zinspilot“, „Savedo“). Und wenn über den Düsseldorfer Marketplace-Lender Auxmoney allein im ersten Halbjahr Kredite in Höhe von 255 Mio. Euro vergeben werden – dann ist das ebenfalls ein Leistungsnachweis, der zumindest in Kontinentaleuropa keinen Vergleich zu scheuen braucht. Bevor wir jetzt noch weitere Fälle aufzählen, was sicher kein großes Problem wäre: Erstaunlich viele deutsche Fintechs haben in diesem Jahr den Durchbruch geschafft!

4.) Investoren haben das „Prinzip Gießkanne“ durch das „Prinzip Auslese“ ersetzt

2018 war allerdings nicht nur das Jahr, in dem mindestens einem halben Dutzend deutschen Finanz-Startups der Ausbruch nach oben gelang – es war auch das Jahr, in dem viele 0-8-15-Fintechs offenbar Schwierigkeiten hatten, frisches VC-Geld aufzutreiben. Oder anders gesagt: Die Investoren haben das „Prinzip Gießkanne“ durch das „Prinzip Auslese“ ersetzt. In vielen Segmenten konzentrieren sich die Fundings darum mittlerweile auf nur noch ein, zwei führende Player. Exemplarisch hierfür: die digitale Vermögensverwaltung. Während nach Scalable Capital (schon 2017) in diesem Jahr auch Liqid eine fette Finanzierung erhielt, hört man von vielen anderen deutschen Robos in Sachen Funding gar nichts mehr. Womit wir zu Punkt 5 überleiten …

5.) Das Fintech-Sterben könnte begonnen haben

Fintura (verschwunden), Cringle (insolvent), Moneymap (wegfusioniert), Lendstar (insolvent), Getsafe (an Verivox abgetreten), Outbank (von Verivox gerettet), Cashlink (irgendwie wegpivotiert), Lendico (an die ING Diba verhökert), Werthstein (zieht sich vom deutschen Markt zurück) und so weiter und so fort … Das große Fintech-Sterben hat vielleicht noch nicht zwingen begonnen. Aber 2018 gab es genügend Indizien, dass es so langsam beginnen dürfte.

6.) Die Gafas attackieren nicht nur die Banken – sondern erschweren auch für die Fintechs die Dinge

Insbesondere das Aus für die drei P2P-Payment-Anbieter Cringle, Lendstar und Cashlink (die u.a. an der Übermacht von Paypal scheiterten) zeigt: Die großen amerikanischen Tech-Konzerne nehmen nicht nur den Banken Geschäft weg, sondern sie könnten auch zu einem Konkurrenten für manches Fintech werden. Ein spannender Case für 2019: Hat ein Startup wie Bluecode trotz Apple Pay und Google Pay eine Chance?

7.) Einige (insbesondere: Payment-)Fintechs machen inzwischen richtig Umsatz

Während viele nach 2010 gestartete Payment-Fintechs scheitern, generieren einige Mitte bis Ende der Nullerjahre gelaunchte Payment-Fintechs schon erstaunliche Umsätze. Das gilt zum Beispiel für Sofortüberweisung (Umsatzerlöse in 2017: 58 Mio. Euro), aber in ähnlichem Maße auch für Billpay (Provisionserträge in 2017: 25,4 Mio. Euro) oder auch für Ratepay (Provisionserträge im 9-Monats-Rumpf-Geschäftsjahr 2017: 24,0 Mio. Euro). Und auch jenseits des Payment-Sektors lassen sich aus den zumindest rudimentär veröffentlichten Zahlen mancher Fintechs allmählich Rückschlüsse auf echte Umsätze ziehen. Ein Beispiel: Beim Einlagen-Vermittler Raisin („Weltsparen“) gehen wir davon aus, dass der vermittelte Tages- und Festgeldbestand irgendwo bei 6 bis 8 Mrd. Euro liegen dürfte. Bei einer Provision von schätzungsweise 0,2% wären das Erlöse von 12 bis 16 Mio. Euro jährlich (und hinzu kommt noch das dieses Jahr gestartete Anlage-Segment „Weltinvest“). Das ist noch nicht so wahnsinnig viel. Aber es sind Umsatz-Dimensionen, bei denen (wir reden hier von Firmen, die mit 100 bis 150 Mitarbeitern auskommen) der Break-Even zumindest in Sichtweite liegen dürfte.

8.) Die B2B-Fintechs (bzw. die Technologie-Dienstleister unter den Fintechs) heben noch nicht wirklich ab

Was fällt auf, wenn Sie auf die Liste der bislang größten Fintech-Fundings im deutschen Markt schauen? 1.) Die meisten ganz großen Runden fanden in 2017 und 2018 statt. 2.) Ausgerechnet das Unternehmen, das gleich drei Riesen-Finanzierungen auf sich vereinte (nämlich Kreditech) droht zu scheitern. Und, jetzt kommt’s, 3.) Lässt man den Inkubator Finleap außen vor, dann findet sich nur ein reines B2B-Fintech auf der Liste, nämlich die Solarisbank. Nun mag man sagen: Klar, dass in dem Ranking kaum B2B-Fintechs (bzw.- Technologiedienstleister-Fintechs) auftauchen, schließlich haben die einen viel geringeren Funding-Bedarf. Indes: Es gäbe ja auch noch andere Indizien, die darauf schließen lassen könnten, dass die B2B-Fintechs da draußen so richtig auf dem Vormarsch sind. Bloß, so wahnsinnig viele von diesen Indizien sind uns 2018 nicht untergekommen. Es gibt viele Anbieter, die solide unterwegs sind. Aber wenige, bei denen man das Gefühl hat, die gehen ab. Zu diesen Ausnahmen zählen aus unserer Sicht z.B.: Elinvar (guter Leumund, hoher Personalbedarf), Fino (solide Gewinne, steigende Mitarbeiterzahl) oder auch Barzahlen (namhafte Kunden und ebenfalls steigende Mitarbeiterzahl, wenn auch auf niedrigem Niveau).

9.) Kann es sein, dass die Probleme bei Kreditech auch damit zu tun haben, dass platt gesagt der Algorithmus nicht richtig funktioniert?

Wenn ja, so wäre auch das, wenn schon nicht notwendigerweise ein Trend, so doch zumindest eine der wichtigeren Erkenntnisse des Jahres 2018.

10.) Die Asiaten kommen

Einer der beiden Lead-Investoren in der März-Runde von N26? War der China-Riese Tencent. Der Lead-Investor in der November-Runde von Finleap? War der chinesische Großversicherer Ping An. Einer der Lead-Investoren bei der März-Runde der Solarisbank und der November-Runde von Element? War die japanische SBI Group. Kein Zweifel: Die Asiaten kommen. Und vielleicht wird man in ein paar Jahren feststellen, dass das der nachhaltigste Trend war, den die deutsche Fintech-Branche im Jahr 2018 hervorgebracht hat.

Was macht die Crefo da im Payment-Sektor?

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe Leser aus der Payment-Branche, können Sie sich eigentlich einen Reim drauf machen, was die Creditreform da vorhat? Um die übrigen Leser kurz ins Boot zu holen: Seit 2015 gibt es eine Firma namens „Crefo Payment GmbH“, die vor gut anderthalb Jahren erstmals kleinere Ambitionen offenbarte, als sie den (eher den Insidern bekannten) Berliner Payment-Dienstleister UPG Technology übernahm. Wenn nun jedoch nicht alles täuscht, dann sind aus den kleinen längst große Ambitionen geworden.

Das jedenfalls zeigte sich dieser Tage mal wieder, als bei „Xing“ plötzlich Jan Sperber (Ex-Heidelpay, Ex-Payone) als neuer „Director Business Development“ der Crefo Pay aufschlug. Alles in allem finden sich bei „Xing“, wenn man „Crefo Payment GmbH“ eingibt, damit jetzt schon 20 Mitarbeiter mit größtenteils einschlägigen beruflichen Viten (Vitas?), also Ex-American-Express, Ex-First-Data und so weiter.

Kurz gesagt: Mit sechsstelligen Kosten lässt sich so ein Venture sicher nicht aufbauen. Mit siebenstelligen? Könnte (die UPG-Übernahme eingerechnet) knapp werden. Und das in einem engmargigen Markt, in dem es an Wettbewerb nicht mangelt. Mein lieber Herr Creditverein.

19/12/18: Die „Was geht ab!?“-Fintechs, Crefo Pay zieht’s durch, Crosslend, Fincite

Fincite und Crosslend: Hier das Frondienstleister-Fintech, dort das „Was geht ab!?“-Fintech

Wer wie wir einen beträchtlichen Teil seines Lebens im Handelsregister bzw. im Bundesanzeiger zubringt, für den ist Bescherung immer schon Mitte Dezember – denn: Dann schicken sich auch die letzten Fintechs an, noch schnell ihren Abschluss fürs vergangene Jahr zu veröffentlichen. Und was sieht man dort? Dass es im Grunde zwei Arten von Fintechs hierzulande gibt. Stellvertretend für die Gattung der braven B2B-Frondienstleister steht zum Beispiel die Fincite GmbH, die laut ihres am 10. Dezember publizierten Abschlusses 2017 einen Überschuss von 368.207,94 Euro erwirtschaftet hat. Und die andere Gattung? Das sind die Berliner „Was geht ab!?“-Fintechs wie Crosslend. Erst halb am Markt, hat der hochgewettete Verbriefungs-Spezialist laut seines am 11. Dezember veröffentlichten Abschlusses einem Verlustvortrag von 12.805.777,67 Euro mal flott noch einen Fehlbetrag von 5.339.279,95 Euro hinzugefügt. Muss natürlich nicht heißen, dass Crosslend irgendwas verkehrt macht. Im Gegenteil: Wer Investoren findet, die das finanzieren, sollte irgendwas Cooles in petto haben (siehe auch weiter unten).

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Vor allem zu Weihnachten ist gemeinsame Zeit die wichtigste Währung. Da kommt unsere Lösung zur Digitalisierung des Konsumentenkredits doch gerade recht. Mit diesem können alle relevanten Dokumente in Echtzeit ausgelesen werden. Kreditanträge waren noch nie so einfach! Am besten selbst einfach mal ausprobieren: https://kreditantrag.gini.net
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News

Erinnern sich die Ur-Abonnenten eigentlich noch an unsere kleine Story „Sparkassen und Volksbanken schießen gegen Beraterfirma Bain“ von vor ziemlich genau einem Jahr? Kurzer Rückblick: Die Frankfurter Edel-Consultants hatte den beiden Verbünden damals in einer Studie vorgeworfen, ihre Eigenkapitalkosten nicht zu verdienen – was diese, zornesrot (bzw. im Falle der Volksbanken: zornesblau), mit dem Hinweis zurückwiesen, Bain habe die Reserven nach §340g („Fonds für allgemeine Bankrisiken“) nicht berücksichtigt. Jedenfalls: In der gestern vorgestellten Neuauflage der Studie und sogar in der zugehörigen Pressemitteilung liefert Bain nun ganz brav die sozusagen um den 340er bereinigten Eigenkapitalrenditen. Einmal für  die Sparkassen: 6,5%. Und einmal für die Genos: 7,0% (statt 1,7% und 2,8%, wie es unbereinigt der Fall wäre). Wenn das mal kein weihnachtliches Friedensangebot ist. Spon

Liebe Leser aus der Payment-Branche, können Sie sich eigentlich einen Reim drauf machen, was die Creditreform da vorhat? Um die übrigen Leser kurz ins Boot zu holen: Seit 2015 gibt es eine Firma namens „Crefo Payment GmbH“, die vor gut anderthalb Jahren erstmals kleinere Ambitionen offenbarte, als sie den (eher den Insidern bekannten) Berliner Payment-Dienstleister UPG Technology übernahm. Wenn nun jedoch nicht alles täuscht, dann sind aus den kleinen längst ziemlich üppige Ambitionen geworden. Lesen Sie hier unter „Kurz gebloggt“: Finanz-Szene.de

Kurzmeldungen: Die Schweizer Bezahl-App Twint hat einen juristischen Etappensieg gegen Apple Pay errungen – vielleicht ja ein Mutmacher für die deutschen Sparkassen (NZZ) +++ Der bereits erwähnte Verbriefungs-Spezialist Crosslend lässt sich sein zu verbriefendes Rohmaterial künftig u.a. über den Frankfurter KMU-Kreditvermittler Creditshelf anliefern (Pressemitteilung) +++ Die EZB hat bei Bewerber-Tests angeblich jahrelang die immer gleichen Fragen gestellt, auch wenn sich das bis zu den neuen Bewerbern längst herumgesprochen hatte (Süddeutsche)

Aus der Szene

Um die Sparkassen zur Räson zu bringen, brauche es keinen Helmut Schleweis (also: keinen rührigen DSGV-Präsidenten), sondern einen Paul Singer (also: einen skrupelarmen Hedgefonds-Manager), sagte uns dieser Tage ein liebgewonnener Feedback-Geber-Leser. Wir fanden den Hinweis zunächst ein bisschen barsch. Aber: Ist er das? Denn: Zumindest zeigt die Posse um die NordLB ja selbst den Naivsten unter uns, welche irrwitzigen Befindlichkeiten sich im öffentlich-rechtlichen Bankensektor regen, sobald irgendwer ein paar Pfründen zu verlieren droht bzw. (und das ist ja sogar noch irrwitziger) zu gewinnen hofft. Konkret: Wenn stimmt, was die FAZ heute Früh berichtet, so wollen die hessischen Sparkassen einem ja immer noch im Raum stehenden Zusammenschluss von Helaba und NordLB nur dann zustimmen, wenn die Helaba die Frankfurter Sparkasse (die ihr seit 2005 gehört) an den Sparkassen-Sektor abtritt. Freiheit für die Fraspa!, sozusagen. Was für eine Forderung! FAZ (S.21), Süddeutsche, Rtr/Wiwo

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Linktipps

„Privat bezahle ich mit Paypal“: Junge Banker über den Frust, im digitalen Zeitalter in einer klassischen Bank zu arbeiten. Bento/Spiegel Online

Kein Zweifel, N26 ist eine Bank. Aber gilt das gleiche auch für, sagen wir, Monzo? Und überhaupt: Wann ist eine Bank (k)eine Bank? Ein sehr lesenswerter Artikel zur richtigen Klassifikation sogenannter und oft selbsternannter Challenger-Banken: FT Alphaville (nicht bezahl-, aber anmeldepflichtig)

Unter allen nerdigen Grafiken der Kollegen vom „Paymentandbanking“-Blog ist das hier unser Favorit: Die Übersicht über die Betreiber von Kernbanksystemen im deutschen Markt (aktualisierte Fassung): PAB

Nach der PSD2 ist vor der PSD2 – schließlich treten einige Spezifikationen erst im kommenden Jahr in Kraft: Bundesbank-Vorstand Balz erklärt, worauf Banken und Sparkassen achten müssen. Der Bank-Blog

Welche deutschen Banken werden von Apple Pay eigentlich am stärksten promotet? Dieser Tweet hier verrät’s: Twitter

Und noch ein Pflichtlink: Die Bafin und die Bundesbank haben gestern ihre aufsichtsrechtlichen Schwerpunkte für die sogenannten „Less Significant Institutions“ (spricht: für alle Banken, die nicht von der EZB beaufsichtigt werden) bekanntgegeben. Voilà: Bafin.de

Klickfavorit

… war gestern die Polemik von Hanno Bender, der Apple Pay „Wegelagerei“ vorwirft. Bargeldlos-Blog

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19/12/18: Bain und Sparkassen schließen Frieden, Die Frust-Banker, NordLB vs. Fraspa

Jetzt wird das Schicksal der NordLB sogar schon an den Slogan „Freiheit für die Fraspa“ geknüpft …

Um die Sparkassen zur Räson zu bringen, brauche es keinen Helmut Schleweis (also: keinen rührigen DSGV-Präsidenten), sondern einen Paul Singer (also: einen skrupelarmen Hedgefonds-Manager), sagte uns dieser Tage ein liebgewonnener Feedback-Geber-Leser. Wir fanden den Hinweis zunächst ein bisschen barsch. Aber: Ist er das? Denn: Zumindest zeigt die Posse um die NordLB ja selbst den Naivsten unter uns, welche irrwitzigen Befindlichkeiten sich im öffentlich-rechtlichen Bankensektor regen, sobald irgendwer ein paar Pfründen zu verlieren droht bzw. (und das ist ja sogar noch irrwitziger) zu gewinnen hofft. Konkret: Wenn stimmt, was die FAZ heute Früh berichtet, so wollen die hessischen Sparkassen einem ja immer noch im Raum stehenden Zusammenschluss von Helaba und NordLB nur dann zustimmen, wenn die Helaba die Frankfurter Sparkasse (die ihr seit 2005 gehört) an den Sparkassen-Sektor abtritt. Freiheit für die Fraspa!, sozusagen. Was für eine Forderung! Und wenn es nicht stimmt? Dann bleibt als Lehre der letzten Tage trotzdem zurück: Die Helaba hat sich am Kauf der Dexia schon anderweitig gütlich getan. Apollo ist raus (berichtet die „SZ“). Und die NordLB? Bleibt am Ende, wenn es ganz doof läuft, zurück allein mit dem Verhandlungspartner Cerberus. Höllenhund oder Abwicklung. Frohe Weihnachten. FAZ (Seite 21), Süddeutsche, Rtr/Wiwo

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Wer wie wir einen beträchtlichen Teil seines Lebens im Handelsregister bzw. im Bundesanzeiger zubringt, für den ist Bescherung immer schon Mitte Dezember – denn: Dann schicken sich auch die letzten Fintechs an, noch schnell ihren Abschluss fürs vergangene Jahr zu veröffentlichen. Und was sieht man dort? Dass es im Grunde zwei Arten von Fintechs hierzulande gibt. Stellvertretend für die Gattung der braven B2B-Frondienstleister steht zum Beispiel die Fincite GmbH, die laut ihres am 10. Dezember publizierten Abschlusses 2017 einen Überschuss von 368.207,94 Euro erwirtschaftet hat. Und die andere Gattung? Das sind die Berliner „Was geht ab?!“-Fintechs wie Crosslend. Erst halb am Markt, hat der hochgewettete Verbriefungs-Spezialist laut seines am 11. Dezember veröffentlichten Abschlusses einem Verlustvortrag von 12.805.777,67 Euro mal flott noch einen Fehlbetrag von 5.339.279,95 Euro hinzugefügt. Muss natürlich nicht heißen, dass Crosslend irgendwas verkehrt macht. Im Gegenteil: Wer Investoren findet, die das finanzieren, sollte irgendwas Cooles in petto haben (siehe auch weiter unten).

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Kurzmeldungen: Die Schweizer Bezahl-App Twint hat einen juristischen Etappensieg gegen Apple Pay errungen – vielleicht ja ein Mutmacher für die deutschen Sparkassen (NZZ) +++ Der bereits erwähnte Verbriefungs-Spezialist Crosslend lässt sich sein zu verbriefendes Rohmaterial künftig u.a. über den Frankfurter KMU-Kreditvermittler Creditshelf anliefern (Pressemitteilung) +++ Die Sache mit den neuen Regeln für Non Performing Loans (Stichwort: Mindestdeckungsquoten) scheint auf europäischer Ebene jetzt soweit durch zu sein (Börsen-Zeitung) +++ Die EZB hat bei Bewerber-Tests angeblich jahrelang die immer gleichen Fragen gestellt, auch wenn sich das bis zu den neuen Bewerbern längst herumgesprochen hatte (Süddeutsche) +++ Im deutschen M&A-Geschäft hat sich die Deutsche Bank (jedenfalls laut dem einschlägigen Ranking von ehemals Thomson-Reuters) in diesem Jahr auf Platz zwei vorgekämpft. Ganz vorn: nicht mehr Morgan Stanley, sondern Goldman Sachs (FAZ, Seite 23)

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„Privat bezahle ich mit Paypal“: Junge Banker über den Frust, im digitalen Zeitalter in einer klassischen Bank zu arbeiten. Bento/Spiegel Online

Kein Zweifel, N26 ist eine Bank. Aber gilt das gleiche auch für, sagen wir, Monzo? Und überhaupt: Wann ist eine Bank (k)eine Bank? Ein sehr lesenswerter Artikel zur richtigen Klassifikation sogenannter und oft selbsternannter Challenger-Banken: FT Alphaville (nicht bezahl-, aber anmeldepflichtig)

Unter allen nerdigen Grafiken der Kollegen vom „Paymentandbanking“-Blog ist das hier unser Favorit: Die Übersicht über die Betreiber von Kernbanksystemen im deutschen Markt (aktualisierte Fassung): PAB

Nach der PSD2 ist vor der PSD2 – schließlich treten einige Spezifikationen erst im kommenden Jahr in Kraft: Bundesbank-Vorstand Balz erklärt, worauf Banken und Sparkassen achten müssen. Der Bank-Blog

Welche deutschen Banken werden von Apple Pay eigentlich am stärksten promotet? Dieser Tweet hier verrät’s: Twitter

Und noch ein Pflichtlink: Die Bafin und die Bundesbank haben gestern ihre aufsichtsrechtlichen Schwerpunkte für die sogenannten „Less Significant Institutions“ (spricht: für alle Banken, die nicht von der EZB beaufsichtigt werden) bekanntgegeben. Voilà: Bafin.de

Klickfavorit

… war gestern die Polemik von Hanno Bender, der Apple Pay „Wegelagerei“ vorwirft. Bargeldlos-Blog

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18/12/18: Deposit paktiert mit Quirion, Der erste Robo-Tod, Die Schrumpf-Filialen

Kann es sein, dass die Commerzbank, wenn sie moderne Filialen sagt, billige Filialen meint?

Wenn die „FAZ“ über die beiden großen deutschen Banken schreibt, verfällt sie gern ins Analogische. „Commerzbank nimmt sich Spotify zum Vorbild“, heißt es dann. Oder: „Wie die Deutsche Bank von Amazon und Airbnb lernt.“ Oder, aktuelles Beispiel: „Bald könnte die Commerzbank wie eine Starbucks-Filiale aussehen.“ Liest man den gestrigen Artikel allerdings komplett, drängt sich der Eindruck auf, die Coba lasse sich bei ihrem Filialkonzept weniger von Starbucks leiten – sondern mehr vom 0-8-15-Mobilfunk-Shop um die Ecke. Motto: Hauptsache klein! Wörtlich  wird die zuständige Coba-Architektin Fleckenstein in dem Artikel nämlich wie folgt zitiert: „Unsere Filialen sind im Durchschnitt viel zu groß. Statt 300 bis 400 Quadratmeter peilen wir für die meisten 80 bis 100 Quadratmeter an.“ Auf Nachfrage von „Finanz-Szene.de“ revidiert die Coba diese Aussage zwar. Und doch sieht es so aus, als ob die Gelbbank, wenn sie von moderneren Filialen spricht, inzwischen vor allem kleinere Filialen meint. Unsere Analyse: Finanz-Szene.de

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News

Exklusiv: Sind auch Sie gestern über die Meldung gestolpert, dass nach den Sparkassen auch die Volks- und Raiffeisenbanken beim Identitätsdienst „Yes“ mitmachen? Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ ist die eigentliche News sogar eine deutlich spektakulärere: Denn wie wir gestern Abend irgendwie noch in Erfahrung gebracht haben, sind die Genos (über die Fiducia) und die Sparkassen sogar als Gesellschafter bei „Yes“ eingestiegen. Das ist bemerkenswert, weil sich a) Rot und Blau damit erstmals gemeinsam an einem Startup beteiligen. Und b), weil sich die Genos und die Sparkassen damit in direkte Konfrontation zur Deutschen Bank begeben. Denn die hat sich ja bekanntlich dem „Yes“-Konkurrenten Verimi verschrieben. Spannend – auch wenn nicht wenige in der Branche sagen, letztlich werde sich weder Verimi noch Yes durchsetzen.

Exklusiv: Der  Spareinlagen-Vermittler Deposit Solutions („Zinspilot“, „Savedo“) erweitert sein Geschäftsmodell – und bietet in Zukunft neben Tages- und Festgeld erstmals auch ein Investmentprodukt an. Dafür kooperiert das mehr als 400 Mio. Euro schwere Hamburger Fintech nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ mit dem Robo-Advisor Quirion der Berliner Quirin Bank. Konkret wird das Quirion-Angebot zunächst bei Savedo eingebaut. Allerdings ist davon auszugehen, dass Deposit Solutions den Robo-Berater früher oder später auch in seine andere B2C-Plattform integrieren wird, also bei Zinspilot. Lesen Sie hier alle Details – und was die Kooperation für die Robo-Branche bedeutet: Finanz-Szene.de

Und hierzu passend: Trotz der gescheiterten Robo-Versuche der deutschen Santander startet die Targobank (die der deutschen Santander ja nicht unähnlich ist) ihr eigenes Robo-Angebot. Der digitale Vermögensverwalter heißt Pixit und basiert auf einer Whitelabel-Lösung des größten hiesigen B2C-Robo-Advisors Scalable Capital (der damit also nun auch im B2B-Geschäft an Terrain gewinnt, nachdem er neulich ja schon die Whitelabel-Lösung für die Onlinetochter der spanischen Santander geliefert hatte). Handelsblatt (Paywall), Fondsprofessionell

Und dann haben wir noch einen (den ersten?) unabhängigen hiesigen Robo-Anbieter, der aufgibt, nämlich Werthstein: Die Schließung habe sich „als notwendig erwiesen, da sich die Geschäftszahlen seit unserem Markteintritt Anfang des Jahres leider nicht ausreichend entwickelt haben, um das Geschäft fortzuführen“, zitieren die Kollegen von Finews einen Manager des Unternehmens. Finews.ch

Ja, was denn nun, liebe Düsseldorfer? Nachdem wir gestern Morgen dem „Handelsblatt“ entnahmen, dass die Katarer (Kataris?) ihren Anteil an der Deutschen Bank aufstocken wollen, entnahmen wir am Mittag der Schwesterpublikation „Wirtschaftswoche“ (sich berufend aus „Reuters“), dass das überhaupt nicht stimmt. Gestern Abend unterstrich dann allerdings wiederum das „Handelsblatt“ auf Basis einer überzeugenden Quellenlage, das an der Sache sehr wohl was dran sei und die Kataris (Katarer?) sogar bei der Bafin vorgefühlt hätten. Wobei das natürlich noch lange nicht bedeutet, dass die Aufsicht einer Erhöhung der Anteile auch zustimmt. Handelsblatt (Paywall)

Und noch ein paar Kurzmeldungen: Standard Chartered hat jetzt eine deutsche Vollbanklizenz (Die Bank) +++ Die Hypo-Vereinsbank führt Instant Payment jetzt auch für Firmenkunden ein (Pressemitteilung)

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Sie verspüren Wissensdurst rund um das Thema PSD2? Dann holen Sie sich das Whitepaper von NDGIT: „Guidelines für die PSD2-Einführung – Strategien und Optionen für Banken bei der Implementierung der PSD2.“
Hier geht’s zum Whitepaper:  https://nextdigitalbanking.com/psd2-whitepaper

Linktipps

Nachdem die Helaba am Freitag die Übernahme der deutschen Dexia für immerhin rund 352 Mio. Euro verkündet hat, haben wir hier uns mal die Mühe gemacht, unsere Übersicht über die größten Banken-Übernahmen hierzulande in den vergangenen Jahren auf den neuesten Stand zu bringen. Voilà: Finanz-Szene.de

Wir finden es ziemlich lobenswert, dass es wenigstens einen Payment-Experten da draußen gibt, der sich nicht hinstellt und „Apple ist super-cool und die Sparkassen sind super-doof“ brüllt (weil das ja alle brüllen), sondern der sich eine abweichende Meinung erlaubt. Und wer weiß, vielleicht hat Hanno Bender (das ist nämlich dieser eine) mit seiner Kritik an Apple ja auch rein inhaltlich nicht ganz Unrecht. Bargeldlos-Blog

Das solideste (oder zumindest: witzigste) Argument gegen Apple Pay kam am Wochenende von einem gewissen Jan Weber. Recht hat er, der gute Mann, oder finden Sie nicht? Twitter

Manchmal fragt man sich, wie es kommt, dass per se umgängliche Leute einen solchen Stuss erzählen – aber lesen Sie selbst: Kreditech-Gründer Sebastian Diemer über Feminismus, „Männer, die sich wie Männer benehmen“ und warum er von Berlin nach Frankfurt übersiedelt. Manager Magazin

In eigener Sache

Gestern ist uns dann doch die Spucke weggeblieben. Denn raten Sie mal, wer bei der Wahl zum „Wirtschaftsjournalisten des Jahres“ den 1. Platz in der Kategorie „Unternehmens-Berichterstattung“  belegt hat … Eine ziemliche Ehre für unseren kleinen Newsletter und alle, die seit dem Start im August 2017 an ihm mitwirken!  Als „Wirtschaftsjournalist des Jahres“ insgesamt wurden Rafael Buschmann und Michael Wulzinger („Spiegel“) für ihre „Football Leaks“-Recherchen ausgezeichnet. In der Kategorie „Wirtschaftspolitik und Gesellschaft“ gewann Rainer Hank („FAS“), bei „Finanzen & Verbraucher“ lag Hermann-Josef Tenhagen  („Finanztip“) vorn. Und „Wirtschaftsredaktion des Jahres“ ist das „Manager Magazin“.

Klickfavorit

… war am Freitag unser „Kurz gebloggt“ zu der Frage, was sich hinter den Jubelmeldungen über den N26-Konkurrenten Revolut verbirgt. Finanz-Szene.de

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Deposit Solutions paktiert mit Robo-Advisor Quirion

Von Heinz-Roger Dohms

Der  Spareinlagen-Vermittler Deposit Solutions („Zinspilot“, „Savedo“) erweitert sein Geschäftsmodell – und bietet in Zukunft neben Tages- und Festgeld erstmals auch ein Investmentprodukt an. Dafür kooperiert das mehr als 400 Mio. Euro schwere Hamburger Fintech nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ mit dem Robo-Advisor Quirion der Berliner Quirin Bank. Konkret wird das Quirion-Angebot zunächst bei Savedo eingebaut. Allerdings ist davon auszugehen, das Deposit Solutions den Robo-Berater früher oder später auch in seine andere B2C-Plattform integrieren wird, also bei Zinspilot.

„Über Savedo erreichen wir  Sparer, denen der direkte Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung, wie Quirion sie bietet, fehlt“, sagte Quirin-Chef Karl-Matthäus Schmidt gestern im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“. Savedo-Chef Christian Tiessen meinte umgekehrt, Quirion sei „eine sinnvolle Ergänzung unserer Produktpalette“. Dabei soll der Robo-Advisor zunächst noch kein integraler Bestandteil der Savedo-Plattform werden. Stattdessen würden die interessierten Kunden erst einmal nur von Savedo zu Quirion durchgeleitet. „Wir starten mit einer eher losen Kooperation, die im Laufe der Zeit dann aber immer dichter werden soll“, so Schmidt.

In der Kooperation, die am heutigen Dienstag offiziell verkündet werden soll, spiegeln sich zwei wichtige Entwicklungen in der hiesigen Fintech-Branche:

1.) Die großen deutschen Finanz-Startups expandieren nicht nur regional, sondern versuchen parallel auch ihre Produktpalette sukzessive zu erweitern. So startete der Berliner Deposit-Solutions-Konkurrent Raisin („Weltsparen“) schon im Frühjahr unter dem Namen „Weltinvest“ ein eigenes, Robo-artiges Investmentangebot. Die Idee dahinter ist so einfach wie plausibel: Als Vermittler von Spargeldern haben sowohl Deposit als auch Raisin in nur wenigen Jahren eine sechsstellige Zahl von Kunden gewonnen (was für Fintechs ungewöhnlich viel ist). Nun versuchen sie, diese klassische Zinsjäger-Klientel auch für höhermargige Anlageprodukte zu gewinnen.

2.) Von den mehr als zwei Dutzend Robo-Advisern hierzulande werden sich langfristig wohl nur jene durchsetzen, die über Vertriebskooperationen Zugang zu großen Kundenportfolien erhalten. Das Proto-Beispiel ist der Münchner Marktführer Scalable Capital, der dank der Zusammenarbeit mit der ING Diba inzwischen auf Assets under Management von mehr als 1 Mrd. Euro kommt. Nun ist Deposit Solutions natürlich kein so mächtiger Player wie die ING Diba. Und doch: Quirion hat allein durch die Kooperation mit Savedo plötzlich Zehntausende potenzielle Kunden zusätzlich – und das ohne Marketingaufwand. Freilich darf man davon ausgehen, dass irgendeine Form von Vermittlungsprovisions fließt bzw. dass die Erlöse aufgeteilt werden (so wie bei der ING Diba und Scalable). Denkbar scheint auch, dass die Quirin-Bank umgekehrt irgendwann den Zinsvergleich von Deposit Solutions bei sich integriert.

Quirion verwaltete zum Ende des dritten Quartals Vermögen in Höhe von 143 Mio. Euro. Damit waren die Berliner (die im Sommer den vielbeachteten Test der „Stiftung Warentest“ gewannen) laut den veröffentlichten Zahlen die Nummer vier im deutschen Markt hinter Scalable (>1 Mrd. Euro), dem Comdirect-Robo Cominvest (rund 400 Mio. Euro) und dem unabhängigen Berliner Anbieter Liqid (>300 Mio. Euro). Unklar ist, auf welche Assets das Deutsche-Bank-Angebot „Robin“ gut ein Jahr nach dem Start kommt. Allerdings herrscht unter Marktkennern Einigkeit darüber, dass die Frankfurter Großbank ihr selbst gestecktes Ziel (1 Mrd. Euro bis Ende 2018) deutlich verfehlt haben dürfte.

Exklusiv: Immer mehr deutsche Banken begraben ihre Robo-Projekte

Damit steht die Deutsche Bank freilich nicht allein. Die deutsche Santander brach ihre Robo-Kooperation mit dem Frankfurter Anbieter Vaamo still und leise ab, genauso verfuhr die Hamburger Sparkasse mit Investify. Diese Woche gab Werthstein bekannt, sein Angebot zum Jahresende einzustellen. Auch ganz generell gilt: Die anfangs große Euphorie um die Robo-Adviser ist zuletzt merklich abgeflaut; eine Prognose, wie sie die Management-Beratung Bain noch im April veröffentlichte (5% Marktanteil bis Ende 2020), muss inzwischen als illusorisch gelten. Stattdessen dürften die Nettozuflüsse angesichts der Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten zuletzt eher gesunken als gestiegen sein.

Experten sagen, dass sich ein Robo-Advisor unterhalb eines verwalteten Vermögens von 1 Mrd. Euro kaum profitabel betreiben lässt. Darum dürften viele Robo-Adviser zumindest als B2C-Anbieter früher oder später verschwinden. Gut möglich, dass am Ende nur ein halbes Dutzend Player überleben.

Der Deal, den Quirion nun mit Deposit Solutions eingeht, könnte die Wahrscheinlichkeit, am Ende zu diesen Akteuren zu gehören, deutlich erhöhen. „Dass wir dieses Jahr mit Quirion noch keine schwarzen Zahlen schreiben, liegt auf der Hand. Allerdings sind wir mit unserer Entwicklung trotz der momentan schwierigen Lage an den Kapitalmärkten weiterhin gut im Plan“, sagte Quirin-Chef Schmidt. Dabei will er nicht ausschließen, auf Sicht einen Investor an Bord zu holen – die Voraussetzungen hierzu wurden jedenfalls im Sommer mit der rechtlichen Auslagerung des Robos aus der Quirin-Bank geschaffen. „Wir planen momentan keine externe Finanzierung, sind für diese Option aber grundätzlich offen.“

Die 15 größten deutschen Bankübernahmen der letzten 5 Jahre

Von Heinz-Roger Dohms

Während man in Niedersachen (und natürlich in Berlin beim DSGV) weiterhin hofft, die Helaba könnte doch noch für die NordLB bieten, hat ebenjene Helaba erst einmal anderweitig Fakten geschaffen: Für 352 Mio. Euro schnappt sie sich die Dexia Kommunalbank Deutschland – sprich: die hiesige Tochter des französisch-belgischen Kriseninstituts Dexia. Dabei hatte als Favorit zuletzt eigentlich die Aareal gegolten.

Hier die 15 größten deutschen Bankübernahmen der zurückliegenden fünf Jahre (falls unsere Liste nicht vollständig sein sollte, wären wir Hinweise dankbar!):

HSH Nordbank Cerberus/Flowers 1 Mrd. € 2018
Opel Bank PSA / BNP Paribas 900 Mio. € 2017
Südwestbank Bawag (Cerberus) 641 Mio. € 2017
BHF Oddo 600 Mio. € 2016
DAB BNP Paribas 435 Mio. € 2014
Dexia Kommunalbank Helaba 352 Mio. € 2018
Westimmo Aareal 350 Mio € 2015
OLB Apollo 300 Mio. € 2017
Hauck & Aufhäuser Fosun 210 Mio € 2016
Düsselhyp Aareal 162 Mio. € 2018
Ebase FNZ Group 151 Mio. € 2018
Fidor BPCE 100 Mio. € 2016
Wüstenrot Bank Apollo ? 2018
X.com / biw Bank Fintech Group ? 2015
Onvista Comdirect ? 2016

 

Meint die Commerzbank „billige Filiale“, wenn sie „moderne Filiale“ sagt?

Von Heinz-Roger Dohms

Wenn die „FAZ“ über die beiden großen deutschen Banken schreibt, verfällt sie gern ins Analogische. „Commerzbank nimmt sich Spotify zum Vorbild“, heißt es dann. Oder: „Wie die Deutsche Bank von Amazon und Airbnb lernt“. Oder, aktuelles Beispiel: „Bald könnte die Commerzbank wie eine Starbucks-Filiale aussehen.“ Liest man den aktuellen Artikel allerdings komplett, drängt sich der Eindruck auf, die Coba lasse sich bei ihren neuen Filialkonzepten weniger von Starbucks leiten – sondern vom 0-8-15-Mobilfunkshop ums Eck. Motto: Hauptsache klein!

Wörtlich  wird die zuständige Coba-Architektin Susanne Fleckenstein in dem Artikel nämlich wie folgt zitiert: „Unsere Filialen sind im Durchschnitt viel zu groß. Statt 300 bis 400 Quadratmeter peilen wir für die meisten 80 bis 100 Quadratmeter an.“ Auf Nachfrage von „Finanz-Szene.de“ revidiert die Commerzbank diese Aussage zwar (sprich: Frau Fleckenstein soll das so nicht gesagt bzw. nicht gemeint haben). Und doch spricht viel dafür, dass die Commerzbank, wenn sie von der „Modernisierung“ ihrer Filialen spricht, mittlerweile vor allem „Verkleinerung“ meint. Unsere Analyse:

1.) Die Ausgangslage

Jahrelang pflegte die Commerzbank die Mär, alle Banken hierzulande würden ihre Filialnetze ausdünnen, nur sie selber nicht.  So hieß es 2015 in einem Werbespot: „Immer mehr Banken schließen Filialen. Aber wir bleiben an Ihrer Seite. Commerzbank.“ Und der heutige CEO und damalige Privatkundenvorstand Martin Zielke sagte dazu passend in einem Interview: „Filialen zu schließen ist keine Strategie. Abbaupläne hat ein Unternehmen, das Kunden verliert. Wir wachsen.“

Die Wahrheit war freilich eine andere. Wie damalige Recherchen zeigten, machte die Commerzbank zwischen 2011 und 2015 ein Drittel ihrer mehr als 1500 Filialen dicht. Seitdem soll die Zahl allerdings einigermaßen stabil sein. Von rund 1000 Niederlassungen war zuletzt immer die Rede.

2.) Das neue Filialkonzept

Ende 2016 stellte die Commerzbank ihr „neues“ Filialkonzept vor. Damals hieß es, von den rund 1000 Niederlassungen würden „65 bis 100“ in sogenannte Flagship-Filialen umgewandelt, „300 bis 500“ in sogenannte City-Filialen mit reduziertem Beratungsangebot. Ein verstecktes Kostensenkungsprogramm sei das nicht, betonte Privatkundenchef Michael Mandel.

3.) Die Aussagen im FAZ-Artikel

Wie oben bereits angerissen, sagt die Coba-Architektin in dem Anfang dieser Woche veröffentlichten Interview:

„Unsere Filialen sind im Durchschnitt viel zu groß. Statt 300 bis 400 Quadratmeter peilen wir für die meisten 80 bis 100 Quadratmeter an.“

Der Artikel geht dann wie folgt weiter (allerdings nicht mehr als Zitat):

Dafür hat die Commerzbank einen neuen Standardfilialtyp „City“ geschaffen. Dort arbeiten in der Regel zwei bis drei Mitarbeiter, um den Grundbedarf der Kunden mit einfachen Finanzprodukten abzudecken.

Diese Aussagen lassen sich eigentlich nur wie folgt interpretieren:

  • Die „meisten“ (sprich: mehr als die Hälfte der noch rund 1000 Filialen) sollen in Zukunft um die 80 bis 100 Quadratmeter groß sein
  • Diese Filialen folgen allesamt dem „City“-Konzept
4.) Die Aussagen gegenüber „Finanz-Szene.de“

Genau dieser Interpretation widerspricht die Commerzbank jedoch auf explizite Nachfrage von „Finanz-Szene.de“:

  • Nein, die Mehrzahl der Filialen werde nicht bei „80 bis 100 Quadratmetern“ liegen, sondern irgendwo zwischen den „80 bis 100“ und den „300 bis 400 Quadratmetern“
  • Und nein, die „City-Filiale“ mit reduzierter Beratung werde nicht der Regelfall werden, sondern der Regelfall bleibe der Mischtyp, der zwischen „Flagship“- und „City-Filiale“ liege
5.) Unsere eigene Deutung

Mag sein, dass die Coba-Architektin sich missverständlich geäußert und die „FAZ“ das dann falsch bzw. ebenfalls missverständlich ausgelegt hat.

Allerdings hegen wir trotzdem den ganz starken Verdacht, dass es der Commerzbank bei ihrem Filialkonzept inzwischen sehr wohl in erster Linie ums Kostensenken geht (auch wenn Herr Mandel das damals zurückgewiesen hat). So liest es sich jedenfalls, wenn Frau Fleckenstein an einer Stelle des „FAZ“-Artikels sagt:

„Wir verkleinern wie gerade am Jungfernstieg in Hamburg an vielen Standorten die Fläche zum Teil um bis zu 75 Prozent und senken so die Mietkosten.“

Hierzu muss man wissen, dass die Filiale am Jungfernstieg natürlich keine piefige City-Filiale werden soll – sondern ganz im Gegenteil eine der edlen Flagship-Standorte, als deren Prototyp die  730 Quadratmeter große Coba-Filiale am Berliner Kudamm gilt.

In einem Mitte 2016 erschienenen Artikel im „Hamburger Abendblatt“ sagte der Commerzbank-Nord-Vorstand Frank Haberzettel:

„Wir werden bei laufendem Betrieb die rund 1000 Quadratmeter große Filiale am Jungfernstieg zu einem Flagship-Store umbauen.“

Von einer Reduktion der Quadratmeterzahl? Kein Wort. Stattdessen hieß es in dem Bericht: „Die neue Filiale, die erst 2019 fertig sein soll, wird sich durch eine sehr offene Raumarchitektur auszeichnen.“ Und weiter: „Das historische Flair soll erhalten bleiben, aber mehr Transparenz, Licht und Leichtigkeit das Erscheinungsbild bestimmen.“ Es geht in dem Artikel sogar um zwei „alteingesessene Einzelhändler“, die wegen der großen Pläne der Commerzbank weichen sollten.

Im August 2017, also gut ein Jahr später, las sich das in einem weiteren „Abendblatt“-Artikel, der wiederum auf einem Gespräch mit dem Manager Haberzettel beruhte, schon ein wenig anders:

Am Jungfernstieg kommt die Bank nach dem Umbau mit etwa einem Drittel weniger Fläche aus

Und nun also: Wird die Flagship-Filiale am Jungfernstieg plötzlich als Beispiel dafür angeführt, dass „Flächen zum Teil um bis zu 75 Prozent“ reduziert werden.

Das heißt natürlich nicht, dass die Jungfernstieg-Filiale höchstselbst um drei Viertel schrumpft. Aber es dürfte doch ein Hinweis darauf sein, welche Prioritäten die Commerzbank mittlerweile bei ihren Filialplänen setzt: Wo die Mietverträge eine Verkleinerung zulassen, wird verkleinert – egal ob „Flagship“, „City“ oder „Mischtyp“.

Was verbirgt sich hinter den Jubelmeldungen über Revolut?

Von Heinz-Roger Dohms

Ein eigentlich wohlmeinender Artikel des „Handelsblatts“ über den N26-Rivalen Revolut (Kernaussage: „Revolut will zum Amazon des Bankings werden“) könnte gestern ausgerechnet bei N26 für Freude gesorgt haben. Denn: Vergleicht man den aktuellen Artikel mit dem bis dato letzten Artikel (Kernaussage: „Revolut wird zum Bankenschreck“, HB, Aug. 2018)  und dem bis dato vorletzten (Kernaussage: „Gründer will Revolut zum Amazon des Bankings machen“, HB, Nov. 2017), dann zeigt sich, dass die Briten ihren selbst gesteckten Zielen in Wirklichkeit deutlich hinterherhecheln. Zumal: Stimmt die gestern überall verbreitete Meldung, Revolut habe nun eine Banklizenz, überhaupt?

Konkret:

1.) Laut dem Artikel aus dem November 2017 hatte Revolut-Gründer Storonski seinerzeit „eine europäische Vollbanklizenz bei der Aufsicht in Litauen beantragt. Zitat: „Wir rechnen damit, dass wir die Lizenz im ersten Halbjahr 2018 erhalten.“ Tatsächlich hat Revolut allerdings erst diese Woche eine Lizenz bekommen, was übrigens der Anlass für den neuerlichen Artikel war – also mit mindestens fünfeinhalb Monaten Verspätung.

2.) Zudem ist im aktuellen Artikel nicht mehr von einer „Vollbanklizenz“ die Rede, sondern nur noch von einer „spezialisierten Banklizenz“. So ganz klar ist uns der Unterschied zwar nicht, aber ein paar Einschränkungen scheint das Ganze in jedem Fall mit sich zu bringen. Und: Nachdem wir uns gestern so ein bisschen auf der Webseite von Revolut umgesehen haben, beschlich uns der Eindruck, dass Erhalt und Anwendung einer Lizenz zwei ziemlich unterschiedliche Dinge zu sein scheinen. Doch lesen Sie selbst:

„Now, it’s worth pointing out that nothing is going to change right away. Despite being granted with a licence, this does not automatically turn us into a bank right away.

In the coming months, we’ll be doing a lot of building and testing behind the scenes, and working closely with the regulators to have any restrictions on our licence removed, so that we can launch full current accounts, overdrafts and everything else you’d expect from a bank.“

3.) Der Marktstart in den USA, Australien, Kanada, Neuseeland und Singapur ist laut dem aktuellen Artikel  „für das kommende Jahr“ geplant. Das ist (abgesehen davon, dass wir inzwischen ein Jahr weiter sind) genau dieselbe Ankündigung, die der Revolut-Gründer gegenüber dem „Handelsblatt“ auch schon im November 2017 gemacht hatte: „Im kommenden Jahr werden wir nach Nordamerika, Asien, Australien und Neuseeland expandieren.“

Nun betonen wir hier bei „Finanz-Szene.de“ ja regelmäßig, dass auch bei N26 nicht alles nach Plan läuft, siehe unser Artikel „Eine kleine Exegese des Bloomberg-Interviews von N26-Chef Valentin Stalf“ aus diesem Sommer …

Eine kleine Exegese des Bloomberg-Interviews von N26-Chef Valentin Stalf

… und trotzdem fallen beim Vergleich von N26 und Revolut zwei Dinge auf:

1.) Dass Revolut die Sache mit der Vollbanklizenz nicht so richtig hinkriegt, ist irgendwie erstaunlich. N26 hat eine solche seit fast zweieinhalb Jahren.

2.) Bei der Kundenzahl führt Revolut zwar mit 3:2 (jeweils in Millionen). Allerdings scheint die Traction bei N26 nicht unbedingt schlechter zu sein. Denn die Berliner brauchten  für die zweite Million sechs Monate, Revolut für die zweite und dritte Million zusammen zwölf Monate. Klar: Was die Wertigkeit der N26-Kunden angeht, setzen wir ja ab und an mal ein Fragezeichen. Bei Revolut indes würden wir aus dem Bauch heraus eher zwei setzen.

Drum: In ebenjenem Bauch regt sich allmählich die Frage: Auch wenn Revolut (angeblich) mehr Kunden hat und (angeblich) besser gefundet ist,  kann es sein, dass N26 solider gebaut wurde und das Rennen auf Strecke gewinnen wird?

Auch die letzten Anteile einer deutschen Bank an einem hiesigen Top-Fintech sind verkauft

Heißt es nicht immer, Banken und Fintechs würden zusammenwachsen? Nun: Was die direkten Beteiligungsverhältnisse angeht, gilt das nicht unbedingt. Denn nach Recherchen von „Finanz-Szene.de“ hat die Hypo-Vereinsbank ihren zuletzt noch knapp 4% schweren Anteil am Berliner Fintech-Inkubator Finleap veräußert – nachdem die Münchner zuletzt schon aus der Solarisbank ausgestiegen waren. Damit ist bei den deutschen Top-10-Fintechs keine einzige deutsche Bank mehr investiert. Eigentlich schade. Denn: Hätte sich, sagen wir, für die Deutsche Bank nicht eines Tages ein strategischer Mehrwert ergeben können, wenn sie, sagen wir, an Auxmoney oder Deposit Solutions beteiligt wäre? Gilt natürlich auch umgekehrt: Wenn die Fintech-Jungs ihr „Mein Haus, meine Yacht, mein Investor“-Spiel spielen, geben sie gern mit irgendwelchen Peter Thiels, New Yorker Private-Equity-Buden oder kaukasischen Spezialversicherern an. Wer dagegen die Commerzbank im Cap Table hat – gilt als uncool. Bloß: Ist cool immer sinnvoll? Finanz-Szene.de (Archiv-Artikel zur Fintech-Politik der HVB)