Wie kann ich Apple Pay nutzen, ohne die Bank zu wechseln?

Von Rudolf Linsenbarth*

Wer a) Apple Pay nutzen will, aber b) bei einer Bank ist, die nicht mit Apple kooperiert und c) diese Bank auch nicht verlassen will – was kann der jetzt tun? Ein paar einfache Tipps:

Einrichtung eines zusätzlichen Girokontos

Eine Option für Kunden, deren Bank überhaupt keine Ambitionen zeigt, mit Apple zusammenzuarbeiten. Wer ein Girokonto bei einer der Partnerbanken eröffnet, kann Apple Pay testen und das Konto gleich mit – und dann entscheiden, ob das Angebot für einen kompletten Wechsel reicht. Sogenanntes „Instant Issuing“, das heißt: ein Konto eröffnen und Apple Pay sofort nutzen, geht aber nur bei einem Anbieter, nämlich Bunq. Bei allen anderen muss man warten, bis Plastikarte und PIN im Briefkasten sind.

Die Konto-ungebundene Kreditkarte

Hier gibt es Angebote von American Express und der Hanseatic Bank. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der „Lufthansa Miles & More Karte“ oder der „ADAC Kredit Karte“. Das Amex-Angebot gibt es als Payback-Variante  in der dauerhaft kostenlosen Version. Allerdings ist das Akzeptanznetz, trotz aller Fortschritte, noch dünner als das bei Mastercard und Visa, von der Girocard ganz zu schweigen. Die Amex-Karte eignet sich daher eher als Zusatzkarte in der Apple Wallet. Das Angebot von Hanseatic besteht aus einer kostenlosen Visa-Kreditkarte, die sich insbesondere für diejenigen eignet, die eine längerfristige Lösung suchen, ohne sich dabei um ein zweites Konto kümmern zu müssen. Vor dem Einsatz hier aber noch prüfen, ob die Einstellung auf Voll- oder Teilzahlung steht und die präferierte Variante einstellen.

Prepaidkarte

Wer einfach nur auf die Schnelle mal testen will, wie sich Apple Pay „anfühlt“, ist wahrscheinlich mit einer Prepaid-Lösung am besten bedient. Hier gibt es zwei Angebote. Zum einen VIMpay von Pay Center und zum anderen Boon von Wirecard. Wie VIMpay funktioniert, hatte ich bereits  in diesem Artikel hier skizziert. Bei Boon kann man auch vorab Geld auf ein Konto überweisen oder man nutzt dazu eine andere Kreditkarte, dann ist das Geld sofort verfügbar. Sowohl VIMpay als auch Boon sind „Instant Issuing“- fähig. Das heißt, die Einrichtung eines Apple Kontos sollte innerhalb weniger Minuten abgeschlossen sein.

*Rudolf Linsenbarth ist seit mehr als 15 Jahren im Spannungsfeld von Banking, Zahlungsverkehr, Consulting, IT und Handel tätig – und beschäftigt sich vor allem mit Mobile Payment, NFC, Kundenbindung und digitaler Identität

Alles, was Sie noch zum „Fall Kreditech“ wissen müssen

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Caspar Schlenk, Gründerszene

Es war eine Schock-News für die deutsche Fintech-Community: Das einstige Vorzeige-Startup Kreditech steckt nach Recherchen von „Gründerszene“ und „Finanz-Szene.de“ in finanziellen Schwierigkeiten, etliche Altgesellschafter wurden in eine – öffentlich gar nicht erst kommunizierten – Kapitalrunde massiv verwässert. Was müssen Sie sonst noch wissen? Ein Überblick.

Was wurde da überhaupt gemacht?

Dass bestehenden Gesellschafter (oder zumindest: einige der bestehenden Gesellschafter) im Zuge einer Finanzierungsrunde nicht nur im handelsüblichen Maße, sondern sehr deutlich verwässert werden, kommt häufiger vor. Das ist normalerweise dann der Fall, wenn sich das Startup nicht wie gewünscht entwickelt – und einige Investoren sagen: Okay, bevor der Laden gegen die Wand fährt, schießen wir (nochmal) Geld rein, allerdings wollen wir für dieses Risiko in Form hoher Anteile entschädigt werden. Im Jargon wird eine entsprechende Kapitalmaßnahme als „Hair-cut“ bezeichnet. Kaufen die (neuen) Investoren den alten deren Restanteile (gegen eine symbolische Summe) ab, spricht man auch von einem „Wash-out“. Ungewöhnlich ist Beobachtern zufolge, wie stark im Falle Kreditech einige Altgesellschafter verwässert wurde, nämlich auf weniger als 1/70 dessen, was ihnen vorher an der Firma gehörte.

Welche Investoren haben mitgezogen?

Die Kapitalrunde hat zu einer Bereinigung der Gesellschafter-Struktur geführt. Der strategische Großinvestor Naspers (Mutter des Kreditech-Partners PayU) wurde zwar minimal verwässert, hält aber mit 34,9% weiterhin einen signifikanten Anteil. Zweitgrößter Eigner mit 34,6% ist der US-Finanzinvestor J.C. Flowers, der seine Anteile nahezu verdoppelt hat. Ebenfalls aufgestockt haben der niederländische Private-Equity-Fonds HPE PRO (jetzt 12,1%), der japanische Online-Gigant Rakuten (jetzt 6,7%) und in geringem Maße auch die Weltbank-Tochter „International Finance Corporation“ (4,2%).

Welche Investoren wurden verwässert?

Besonders hart erwischte es zum Beispiel den US-Investor Blumberg Capital, der vor der Kapitalmaßnahme noch 8,1% an Kreditech hielt – und jetzt nur noch 0,11%. Das luxemburgische Anlagevehikel „Wert KDT S.a.r.l.“ (wer dahinter steht ist unklar) hielt vor der Runde noch 13,6%, jetzt sind es nur noch 3,6%. Sprich: Dieser Investor zog mit, aber nur in begrenztem Umfang.

Was ist mit den beiden Gründern?

Alexander Graubner-Müller zeichnete zwar neue Anteile, wurde aber trotzdem von zuletzt 2,27% auf nur noch 0,72% verwässert. Ob „AGM“ wirklich noch mal eigenes Cash ins „sein“ Unternehmen gesteckt hat, darf man gleichwohl hinterfragen. Der 31-Jährige war offiziell Anfang September aus dem Kreditech-Management ausgeschieden – wenige Tage, bevor CEO David Chan die Gesellschafter zur jener außerordentlichen Versammlung einlud, die schließlich in der jetzigen Kapitalrunde mündete. Gut vorstellbar, dass die neuen Anteile im Zusammenhang mit einer wie auch immer gearteten Vereinbarung im Zuge seiner Demission stehen. Und der andere Kreditech-Gründer, das Enfant Terrible Sebastian Diemer? Hatte seine Anteile dem Vernehmen schon im Zuge der letzten großen Finanzierungsrunde 2017 verkauft. Mutmaßlicher Erlös: eine mittlere bis gehobene einstellige Millionensumme. Alles richtig gemacht? Wird nicht jeder so sehen.

Was sind die Hintergründe der aktuellen Lage?

Schon in der Vergangenheit hatte Kreditech ein Problem: Stellte man die Schalter auf Wachstum, musste man die Akzeptanzrate runterschrauben, also Nutzer mit einer noch schlechteren Kreditwürdigkeit annehmen. Das erhöht kurzfristig die Umsätze, mittelfristig droht aber ein verstärkter Kreditausfall. Schon 2015 gab es deswegen Schwierigkeiten. Der Chefwechsel in diesem Frühjahr deutet darauf hin, dass diese nie wirklich behoben wurden. Denn der neue CEO Chan will in Zukunft auf Kunden mit einer besseren Bonität setzen. „Nearprime“ wird das entsprechende Segment genannt. Dieses sei bei einem geringeren Risiko leichter zu skalieren, schreibt er in einem Statement gegenüber „Gründerszene“ und „Finanz-Szene.de“. Außerdem sei der Markt größer.

Wie geht es weiter?

Die Geldgeber haben Kreditech noch nicht verloren gegeben – sondern immerhin 14 Mio. Euro investiert. Sie glauben offenbar an die neue Strategie oder geben dies zumindest vor. David Chan zeigt sich weiterhin sehr zuversichtlich und kündigt in seinem Statement 1 Mrd. Euro Umsatz in sechs Jahren an und einen möglichen Börsengang im Jahr 2021. Für dieses Wachstumsszenario werden die 14 Mio. Euro allerdings nicht reichen. Es ist wahrscheinlich, dass der Fokus der kommenden Monate auf Profitabilität liegt – und nicht auf starkem Wachstum. Dass das Management in der Lage ist, diese Kurs umzusetzen, muss es jetzt beweisen.

Deutschland-Start von Apple Pay führt zum Clash mit den Sparkassen

Von Heinz-Roger Dohms

Zum Start von Apple Pay in Deutschland haben die Sparkassen dem US-Konzern indirekt den Missbrauch seiner duopolartigen Position im Markt für Handy-Betriebssysteme vorgeworfen. In einer gestern Nachmittag versendeten Mitteilung des DSGV heißt es, Apple solle „den Industrie-Standard NFC an seinen Endgeräten zu angemessenen Konditionen nicht nur für die eigene Lösung, sondern auch für Dritte öffnen“. Damit ist gemeint, dass die Amerikaner die entsprechende Schnittstelle bislang für die Banken blockieren. Das hat u.a. zur Folge, dass die Mobile-Payment-Lösung der Sparkassen zwar auf Android-Handys funktioniert, nicht aber auf denen von Apple. Stattdessen will das US-Unternehmen die Banken dazu bringen (zwingen?), bei Apple Pay mitzumachen – eine lukrative Strategie, weil die Amerikaner in diesem Fall an den Händlergebühren beteiligt werden. Ein DSGV-Sprecher ließ gegenüber „Finanz-Szene.de“ offen, ob die Sparkassen der verbalen Klage juristische Schritte werden folgen lassen. Die Erfolgsaussichten wären vorerst fraglich. So hat EU-Wettbewerbskommissarin Vestager erst am Montag erklärt, sie erkenne bislang keine marktdominante Position von Apple Pay.

Hier die Dokumentation der DGSV-Mitteilung:

Die Sparkassen setzen sich dafür ein, mobile Zahlungslösungen für alle Kunden in Deutschland zugänglich zu machen und deren Entwicklung zu fördern. Bereits seit Juli 2018 können Sparkassen-Kunden mit ihren Android-Smartphones im Einzelhandel bezahlen. Dabei können neben Sparkassen-Kreditkarten (Mastercard) auch die 45 Mio. von Sparkassen ausgegebenen girocards zur Zahlung genutzt und digitalisiert werden.

Das jüngst gestartete „Apple Pay“ steht dagegen nur einem sehr engen Nutzerkreis teilnehmender Banken zur Verfügung. Der Grund dafür ist, dass Apple seine NFC-Schnittstelle nicht für andere Anbieter öffnet und auch die im Handel beliebte und bei Kunden weit verbreitete girocard bisher nicht als Zahlungsmittel integriert hat. Aus Sicht der Sparkassen ist aber genau das Voraussetzung dafür, dass sich mobile Bezahllösungen in Deutschland durchsetzen können.

Die Sparkassen-Finanzgruppe führt Gespräche mit Apple darüber, ob und wie das mobile Bezahlen auch für Nutzer von Apple-Endgeräten bereitgestellt werden kann. Um die Weiterentwicklung mobiler Zahlungslösungen hierzulande nicht zu bremsen, sollte Apple den Industriestandard NFC an seinen Endgeräten zu angemessenen Konditionen nicht nur für die eigene Lösung, sondern auch für Dritte öffnen. Denn auch die NFC-Technologie der Kartenzahlungs-infrastruktur im Einzelhandel steht allen Anbietern zur Verfügung. Letztendlich sollten Smartphone-Zahlungen auf allen Endgeräten möglich sein, ohne technische Hürden und Restriktionen, damit Kunden problemlos die für sie passende Lösung auswählen können.