Diesen Sparkassen könnte es heute an den Kragen gehen

Von Heinz-Roger Dohms

… okay, das ist natürlich eine reißerische Headline. Und in dem Moment, da wir sie niedertippten, überkam uns auch schon das schlechte Gewissen. Denn wir wollen ja niemandem Unrecht tun. Gleichwohl: So wie es aussieht, wird sich der öffentlich-rechtliche Bankensektor heute auf eine Auffanglösung für die NordLB verständigen. Was für die niedersächsischen Sparkassen bedeutet: Zu den 400 Mio. Euro, die sie zuletzt bereits auf ihre bestehenden Anteile abschreiben mussten, kommen on top noch mal grob geschätzt 350 Mio. Euro für die Rekapitalisierung. Nun besteht kein Zweifel, dass der deutsche Sparkassensektor als Ganzes hammermäßig kapitalisiert ist (mehr dazu in unserer morgigen Ausgabe). Aber gilt das auch für die niedersächsischen Sparkassen? Und gilt es für jede einzelne?

Kurzum: Hier unser mühsam recherchierter Überblick über die Kapitalausstattung jeder einzelnen niedersächsischen Sparkasse. Und falls die Connaisseure jetzt sagen, die stillen Reserven könnt Ihr doch gar nicht sehen … doch, doch – annäherungsweise können wir das!

Ach ja: Bevor Sie jetzt gleich runterscrollen zur großen Tabelle, wollen wir Ihnen noch ein paar kleine Lesehilfen mit auf den Weg geben:

  • In der linken Spalte finden Sie die 42 niedersächsischen Sparkassen. Sie halten zusammen gut 26% an der NordLB. Wir haben die Institute nach ihrer Größe (=Bilanzsumme) geordnet. Die Bilanzsumme in Mrd. Euro finden Sie ganz rechts.
  • In der mittleren Spalte finden Sie die harte Kernkapitalquote in Prozent, rechts daneben die Gesamtkapitalquote (also inklusive Nachrangkapital)
  • Am spannendsten ist aus unserer Sicht die zweite Spalte von links. Dort haben wir die sogenannten Kreditrisikoanpassungen in Mio. Euro aufgelistet. Diese Kennziffer findet sich nicht im Jahresabschluss, wohl aber im Offenlegungsbericht (was wir bis letzte Woche, ehrlich gesagt, selbst nicht wussten).
  • Warum sind die Kreditrisikoanpassungen wichtig? „Weil diese Kennziffer Rückschlüsse auf die Reserven nach HGB §340f zulässt“, sagt Guido Versondert von der Schweizer Ratinagentur Independent Credit View, die zahlreiche Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Regionalbanken hierzulande analysiert.
  • Das Interessante: Die Reserven nach HGB §340f sind stille  Rücklagen, die man von außen eigentlich nicht sieht. Bei den Kreditrisikoanpassungen handelt es sich nun aber um eine Teilmenge der 340f-Reserven. Das heißt, mithilfe des Offenlegungsberichts sieht man die stillen Rücklagen also doch, zumindest teilweise.
  • Exemplarisch: Wenn die Sparkasse Hannover 50 Mio. Euro Kreditrisikoanpassungen ausweist, dann verfügt sie über 340f-Reserven in mindestens dieser Höhe.
  • Manche Institute machen keine Angaben zu ihren Kreditrisikoanpassungen. „In einigen Fällen dürfte dies schlicht bedeuten, dass die entsprechende Sparkasse keine stillen Reserven besitzt“, sagt Versondert. „Allerdings gibt es mit Sicherheit auch Sparkassen, deren gesamte 340f-Reserven höher sind als die ausgewiesenen Kreditrisikoanpassungen.“
  • Versondert analysiert die Kapitalausstattung der deutschen Sparkassen seit vielen Jahren. Daher kann er aus der langfristigen Entwicklung weiterer Parameter (Steuerquote, Offenlegung stiller Rücklagen etc. pp.) zusätzliche Rückschlüsse auf die tatsächliche Höhe der 340f-Reserven ziehen. Seine Vermutung: Die niedersächsischen Sparkassen verfügen zwar über mehr stille Reserve als jene 333 Mio. Euro, die sich ergeben, wenn man die Kreditrisikoanpassungen aller Institute addiert. Allerdings: Allzu groß sei die Kluft zwischen den 333 Mio. Euro und den gesamten stillen Reserven nicht, vermutet Versondert.  Er geht davon aus, dass die 340f-Rücklagen alles in allem bei 400 bis 500 Mio. Euro liegen. Nicht viel angesichts der eingangs skizzierten Wertberichtigungen und der Auffanglösung für die NordLB.
  • Einige eher schwach kapitalisierte Sparkassen würde die Rettung der NordLB darum extrem hart treffen. Zwar lässt sich nicht definitiv sagen, bei welchem Institut das Kapital knapp werden könnte (weil die Rechnung, wie beschrieben, auch unbekannte Größen hat). Aber: Bei einer Sparkasse, deren harte Kernkapitalquote, sagen wir, näher an 11-12% als an 15-16% liegt, und die obendrein zu ihren Kreditrisikoanpassungen keinerlei Angaben macht, kann man schon mal auf böse Gedanken kommen.
  • Fairerweise muss man allerdings hinzufügen: „Selbst diese Sparkassen dürften trotz Rettung über dem Mindesterfordernis von 4,5% beim harten Kernkapitalquote – bzw. inklusive Puffer: 5.76% bleiben“, so Versondert. Umkippen wird also (erst einmal) keine niedersächsische Sparkasse. Aber auf einige brechen ungemütlich Zeiten an …

Die Tabelle:

KR-Anpassung in Mio. Harte KK-Quote in % Gesamt-kapital-Quote in % Bilanz-Summe in Mrd.
Hannover 50 13,8 14,5 15
Oldenburg 14,5 14,5 9,6
Hildesheim Goslar Peine 16,6 16,6 7,3
Osnabrück 0 14,4 15,9 6,5
Weser-Elbe 28,2 11,3 14,5 3,9
Harburg-Buxtehude 26,9 14 15,2 3,8
Gifhorn-Wolfsburg 21 14 15,6 3,6
Emsland 25,5 12,5 15,4 3,6
Syke 28,6 12 14,5 3,4
Göttingen 12 13,1 3,1
Verden 20,7 13,3 16,1 2,8
Lüneburg 13,7 13,7 2,7
Celle 19,5 19,5 2,6
LeerWittmund 12,3 12,3 2,6
Schaumburg 15,6 15,7 19,1 2,4
Hameln-Weserbergland 14,2 15,7 2,2
Aurich-Norden 17,3 11,2 14 2,2
Uelzen Lüchow-Danneberg 15,5 13,1 14,9 2,1
Nordhorn 10 17,1 18 1,8
Stade-Altes Land 14,4 14,4 1,8
Diepholz 15,8 13,9 16,1 1,8
Nienburg 12,4 13,7 1,8
Stade 13,5 13,5 1,8
Bersenbrück 11,9 14,3 17 1,6
Northeim 10 14,6 15,6 1,4
Melle 15,2 15,2 1,3
Rotenburg-Osterholz 5,5 16,4 18,9 ?
Walsrode 14,5 14,5 1,2
Soltau 19,5 21 1,1
Cuxhaven 6,2 11,9 13,3 0,9
Osterode am Harz 18,7 18,7 0,8
Wilhelmshaven 5,2 16,8 18,5 0,7
Duderstadt 0 12,8 12,8 0,7
Emden 3 13,7 16,1 0,7
Scheeßel 4,2 11,8 15 0,6
Einbeck 3,6 15,1 17,3 0,6
Bad Pyrmont 3,1 18,1 19,4 0,5
Wunstorf 4,1 13,8 15,6 0,5
Münden 0,75 11,9 18,7 0,4
Burgdorf 16,5 16,5 0,4
Barsinghausen 14,33 14,33 0,4
Bad Sachsa 17 17,5 0,1

NordLB – Bankenabwicklung nach Plan oder nach Gusto?

Von Michael Dawson-Kropf und Guido Versondert*

In Nord- und Westeuropa pflegt man die gute Sitte, Nachrufe erst nach dem effektiven Ableben der teuren Verblichenen zu veröffentlichen. Ausnahmsweise sei uns im Fall der NordLB eine Ausnahme zugestanden. Zum einen haben die niedersächsischen Sparkassen, also die allernächsten und ohne jeden Zweifel besten Verwandten, bereits versucht, ihren Anteil an der Erbschaft auszuschlagen. Zum anderen verdichten sich die Anzeichen, dass die EZB als supranationale Bankenaufsicht dieser Haltung Rechnung tragen will. Sofern Landesbanken und Sparkassen nicht kurzfristig doch noch eine Lösung für die Bank und ihren Kapitalbedarf von angeblich rund EUR 3,5 Mrd. finden, könnte die EZB die mit der Anerkennung von Institutssicherungsmechanismen einhergehenden Vorteile bei der Eigenmittelunterlegung widerrufen und schlimmstenfalls gar mit der Abwicklung der Bank drohen. Aber das ist nichts, was die EZB so bestätigen oder dementieren würde.

Seien wir ehrlich: Hier wird es schwierig, denn eine andere gute Gepflogenheit verlangt, nichts, es sei denn Gutes, nachzurufen. Man könnte z.B. anführen, die NordLB habe zumindest einmal im letzten Jahrzehnt ihre kalkulatorischen Kapitalkosten verdient. Bleiben wir aber ehrlich: auch bei Dresdner Bank, IKB und WestLB fiel es uns schwer, Worte echten Bedauerns zu finden. Nach langem Leiden überwog schließlich die Erleichterung. Schaut man sich die Vorschläge der bisherigen Träger zur Zerschlagung der Bank einerseits und die Absicht der Private-Equity Bieter Cerberus und Centerbridge zur Übernahme und zum Abbau von gut der Hälfte der Bilanz andererseits an, so ist auch hier klar: Von der NordLB in ihrer heutigen Form haben alle bereits Abschied genommen, wenn auch nicht in aller Stille.

Aber das sind Familienangelegenheiten. Und auch in guten Familien gibt es anscheinend Fälle eingeheirateter Familienangehöriger, die lieber über die eigenen Großtaten sprechen, so klein sie auch sein mögen, als über die Ehrenpflichten gegenüber der lieben Sippe. Sei es.

Das Fell, das hier zu versaufen ist, erscheint nicht nur klein – es ist es auch. Umso wichtiger daher, dass solch ein unschöner Anlass für die versammelten Nah- und Fernstehenden wichtige Erkenntnisse liefert, auch um weitere schmerzliche Verluste gering zu halten. Offensichtlich sind sich alle – Bank, Träger, Wirtschaftsprüfer und EZB – jäh einig, dass die NordLB eine massive Kapitallücke aufweist, die aus einer inadäquaten Abbildung der Risiken aus Schiffsfinanzierungen herrührt, die sie aus eigener Kraft bislang nicht schließen konnte oder wollte und die Unterstützung durch vermögende Dritte erfordert.

Wer als Sparer, Anleiheinvestor oder Mitarbeiter vor diesem Trauerfall steht, wird sich fragen: Was sagen uns eigentlich Niedergang und Ende der NordLB über die Integrität der Jahresabschlüsse, die Vorstand und Aufsichtsrat jahrelang vorgelegt haben – über Probleme mit Schiffsfinanzierungen konnte man ja dank der Nähe zu Hamburg und Bremen schon seit längerem gut informiert sein? Welchen Wert haben die Testate, die KPMG als Wirtschaftsprüfer seit 2012 ohne materielle Einschränkungen vergeben hat? Und warum sah die EZB-Bankenaufsicht, trotz offensichtlich ähnlicher Probleme andernorts, lange keinen Grund zum Eingreifen? Aber vielleicht liegt die augenscheinliche Überbewertung der Kredite und Sicherheiten auch nur am Spielraum, den die IFRS-Rechnungslegung bei der Risikobewertung offensichtlich lässt. Dann muss man sich allerdings als Gläubiger wie Mitarbeiter fragen, warum man in diese Rechnungslegung und Bankenaufsicht Vertrauen haben sollte. Vollkommen zurecht hat die Bundesbank vor kurzem IFRS 9 kritisiert – besser wird es in diesem zentralen Bereich der Finanz- und Risikoberichterstattung nicht werden.

Gerade die Androhung kurzfristiger Maßnahmen seitens der EZB wirft zudem für institutionelle Investoren unangenehme Fragen auf. Man mag den Fall der HSH Nordbank noch als Altlast aus Vorkrisenzeiten durchwinken, aber spätestens die Fälle von Banca Popolare di Vicenza und Banca Veneto einerseits und Banco Popular Español andererseits begründen Zweifel am aufsichtsrechtlichen Gebaren der EZB. Geschenkt sei, dass die spanische Banco Popular, wie auch die NordLB, Stress-Tests von EZB und EBA erfolgreich bestanden haben. Irritierend für Anleihegläubiger ist vielmehr, dass auch hier, trotz seit langem andauernder Immobilienkrise, die EZB erst spät und dann Holter die Polter (HdP) zum Schluss gelangte, die Kredit- und Sicherheitenwerte seien zu optimistisch und benötigten weitere Risikovorsorge. In Fortführung des HdP-Ansatzes führte dies nur wenig später zur nach Ansicht von EZB und Abwicklungsbehörde SRB erfolgreichen Abwicklung der Banco Popular, nicht zuletzt zum Schaden nachrangiger Gläubiger.

Im Gegenzug waren bei den beiden Banken aus dem italienischen Veneto schon seit geraumer Zeit, wie sonst nur bei niederländischen Schweinemastbetrieben, auch bei Gegenwind zu erkennen, dass etwas faul war. Und die EZB – will sich nicht die Finger schmutzig machen und überlässt die Angelegenheit dem lokalen Bankenhirten. Keine Abwicklung, keine Gläubigerbeteiligung. Tutto bene. Was im Osten Italiens recht ist, sollte im Westen des Landes billig sein, wenn Banca Carige von Krise zu Krise taumelt, regulatorische Vorgaben wiederholt und dauerhaft verletzt und Mitglieder von Geschäftsleitung und Aufsichtsrat in Scharen die Flucht ergreifen. Und die EZB – Fristverlängerung und die ersatzweise Berufung eines neuen Managements. Ansonsten kein Grund für Aufregung, es gibt nichts zu sehen. Eine glückliche Fügung zudem, dass man die legendäre Banca Monte dei Paschi di Siena noch vorbeugend rekapitalisieren konnte – die aktuellen Probleme der Bank mit ihrem Kreditbuch und ihrem schwierigen Zugang zur Kapitalmarktrefinanzierung sind da sicher nur Nachwehen. Man mag das Vorgehen der EZB gerade gegenüber den italienischen Banken als verantwortungsvoll erachten. Arbiträr, willkürlich und damit für Investoren unvorhersehbar bleibt es gleichwohl.

Wer so viel Milde walten lässt, muss gelegentlich in Reputation investieren. Die NordLB kommt der EZB insofern gerade recht, wird doch gerade von deutscher Seite gerne die Einhaltung von Regeln gefordert. Nach dem Willen der EZB nähert sich daher also nun die NordLB dem Thanathorium. Keine Perle, selbst in ihren guten Jahren bestenfalls eine durchschnittliche Bank. Aber eine Bank, die zumindest bis zum 30. September 2018 die regulatorischen Vorgaben zu Kapitalquoten und Liquidität eingehalten hat und sich refinanzieren kann. Dass ihre Risikobewertung und Kapitalquoten einer kritischen Analyse nicht standhalten, ist weder neu noch überraschend. Dass die bisherigen Träger zögern, schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen, auch nicht. Aber als Investor wie als Analyst würde man mit Blick auf Kapitalanlagen und Empfehlungen gerne verstehen, warum hier seitens der Aufsicht so offensichtlich andere Maßstäbe angelegt werden und welche in Zukunft gelten sollen.

Bleiben wir nüchtern: Die Struktur des deutschen Bankenmarktes und der Wettbewerb durch ausländische Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen lassen nicht befürchten, dass mit dem Abgang der NordLB Kreditangebot oder andere Bankdienstleistungen in einem relevanten Masse verknappen – ebenso wenig wie nach dem Wegfall von Dresdner Bank und WestLB.

Für Anleiheinvestoren aber bleibt zentral, dass im Euro-Raum kein Verlass darauf ist, welche regulatorischen Voraussetzungen eine Bank erfüllen muss oder nicht zu erfüllen braucht, um für eine Abwicklung in Betracht zu kommen oder von ihr verschont zu bleiben. Die Einhaltung oder Nicht-Einhaltung regulatorischer Kapitalquoten reicht offensichtlich nicht. Auch Bankenregulierung ist ein Teil der staatlichen Verwaltung. Inwiefern die Vorstellungen und Entscheidungen der EZB zu Bankenabwicklungen verwaltungsrechtlichen Ansprüchen genügen, müssen andere beurteilen. Um die Glaubwürdigkeit der EZB geht es dabei nicht mehr, traut man ihr doch mittlerweile in Fragen der Bankenaufsicht wie der Geldpolitik ohne weiteres alles zu, was aus ihrer Sicht ihren Zielen dient.

Geht es um die letzten Dinge, und dazu gehören Tilgung und Verzinsung ganz sicher, ist Vertrauenswürdigkeit unabdingbar. Doch daran fehlt es. Anleihegläubiger sollten sich daher von schwachen Banken und Wackelkandidaten verabschieden, wenn sie nicht beim nächsten Trauerzug zu weit vorne stehen wollen. Die EZB drängt nicht zufällig auf eine gemeinsame Einlagensicherung. Mit solch einer Sterbekasse lebt nämlich zumindest sie leichter.

*Michael Dawson-Kropf und Guido Versondert sind Analysten der Schweizer Ratingagentur Independent Credit View

FAQ zur NordLB: Was steht wirklich im Angebot der Finanzinvestoren?

Von Heinz-Roger Dohms

Letzte Woche sah es so aus, als habe das  Gezerre um die Rettung der NordLB endlich ein Ende gefunden: Die Länder und die Sparkassen fangen die niedersächsische Landesbank auf – und gut ist. Dann aber platzierten die beiden verbliebenen Finanzinvestoren, nämlich Cerberus und Centerbridge, am Wochenende doch noch ein Angebot, und zwar ein gemeinsames. Und seitdem? Geht ganz schön viel durcheinander da draußen. Mal heißt es, die beiden PE-Buden würden >1 Mrd. Euro bieten, dann ist plötzlich nur noch von 600 Mio. Euro die Rede. Mal heißt es, die Länder sollten mehrere Mrd. Euro an Kapital bereitstellen (und nochmal mindestens 1,5 Mrd. Euro für Pensionsverpflichtungen obendrauf) – während im nächsten Moment von einer Barkapitalerhöhung in nur dreistelliger Millionenhöhe die Rede ist. Jedenfalls: Auch wenn die Rettung durch die Sparkassen der weiterhin wahrscheinlichste Ausgang ist, haben wir uns mal die Mühe gemacht, das Angebot der Heuschrecken und die gesamte Gemengelage aufzudröseln:

Wie hoch ist der Kapitalbedarf?

Der liegt bei etwa 3,5 Mrd. Euro, vielleicht sogar leicht drüber. Hierin eingerechnet sind jene bis zu 2,5 Mrd. Euro, die der Verkauf eines milliardenschweren Schiffsportfolios in die Bilanz reißen wird (weil der Erlös hierfür rund zweieinhalb Mrd. Euro niedriger ausfallen dürfte als der Betrag, zu dem die Schiffe zuletzt in den Büchern standen). Mutmaßlicher Käufer des Schiffsportfolios ist übrigens Cerberus, wobei der eine Deal an den anderen nicht gekoppelt ist.

Wie viel bieten Cerberus und Centerbridge?

Insidern zufolge soll das Angebot bei 600 Mio. Euro liegen (wie die „Börsen-Zeitung“ gestern schon schrieb) – und nicht bei gut 1 Mrd. Euro, wie es am Montag in einem Medienbericht zunächst hieß. Dafür verlangen die beiden Private-Equity-Gesellschaften knapp 50% der Anteile.

Was ist mit der Kluft zwischen den 600 Mio. Euro und den 3,5 Mrd. Euro?

Die Länder sollen ebenfalls rund 600 Mio. Euro frisches Kapital in die Bank stecken. Damit ergibt sich eine  Cash-Injektion von 1,2 Mrd. Euro, womit das Kapitalloch aber nur zu rund einem Drittel gefüllt wird. Der übrige Kapitalbedarf muss also anderweitig gedeckt werden. Das soll dem Vernehmen nach dadurch geschehen, dass die Länder der Bank Pensionsverpflichtungen in Höhe von 1,5 Mrd. Euro abnehmen (in der FAZ/Paywall ist heute Früh sogar von brutto 2,4 Mrd. Euro die Rede). Darüber hinaus fordern die Investoren  von der öffentlichen Hand angeblich, dass diese Ausfallgarantien für bestimmte Teile des Portfolios übernimmt. Dadurch verringern sich nach unserem Verständnis die risikogewichteten Aktiva und damit auch der Bedarf an Eigenkapital. Letzter Punkt: Die Sparkassen sollen der NordLB das Verbundgeschäft und den Retailableger „Braunschweigische Landessparkasse“ abnehmen. Auch das reduziert die Bilanzsumme – und zugleich würde hierfür ja vermutlich auch noch mal ein Kaufpreis fällig. Die FAZ spekuliert heute Morgen unter Berufung auf Sparkassen-Kreise, es gehe um 700 bis 900 Mio. Euro.

Wie sieht das Angebot der Sparkassen aus?

Also, Pi mal Daumen läuft das Angebot (bzw.: die Auffanglösung) auf eine 2/3-, 1/3-Lösung hinaus, wobei das letzte Drittel aus dem öffentlich-rechtlichen Bankensektor kommt und nochmal gedrittelt wird. Konkret: Irgendwas in Richtung 2,5 Mrd. Euro sollen die Ländern stemmen (das sind die zwei Drittel). Die übrigen rund 1,2 Mrd. Euro (also das letzte Drittel) teilen zu gleichen Anteilen (sprich: je 400 Mio. Euro) die ohnehin schon an der NordLB-beteiligten Sparkassen, die Sicherungseinrichtung aller Landesbanken und die Sicherungseinrichtung aller Sparkassen unter sich auf.

Wie geht’s weiter?

Das Angebot der Private-Equity-Investoren liegt auf dem Tisch, die Offerte der Sparkassen hingegen braucht noch das finale Plazet aus den Regionen (die entsprechenden Sitzungen stehen am Donnerstag an). Theoretisch könnte bis zum Ende der Woche also schon alles auf dem Tisch liegen, was die Träger der NordLB benötigen, um ihre Entscheidung zu fällen. Ob dann aber wirklich schon eine Entscheidung fällt? Wir haben null Ahnung.

Welche Hürden gilt es noch zu nehmen?

Zum einen muss die Bankenaufsicht (also die EZB) zustimmen, zudem aus beihilferechtlichen Gründen auch die EU. Bei den Aufsehern darf man davon ausgehen, dass sie letztlich mit beiden Lösungen fein wären. Anders sieht es mit Brüssel aus. Denn beihilferechtlich, so haben wir uns das zumindest erklären lassen, ist keine der beiden Lösungen ganz koscher.

Ist eine Abwicklung also immer noch möglich?

Auszuschließen ist dieses Szenario zumindest nicht. Hierzu haben wir heute übrigens noch einen zweiten Artikel im Angebot:

Was hat es mit den 10 Mrd. Euro für die NordLB auf sich?

Was hat es mit den 10 Mrd. Euro für die NordLB auf sich?

Wie Sie vielleicht erinnen, hatten wir uns letzte Woche verwundert gezeigt, dass im Zusammenhang mit einer etwaigen Abwicklung der NordLB urplötzlich immer von Kosten in Höhe von 10 Mrd. Euro die Rede ist – ohne das klar wird, wo diese Zahl eigentlich herkommt: Ein Leser, der im öffentlich-rechtlichen Bankensektor tief verwurzelt ist, aber (wir vermuten: genau deshalb) Ihnen gegenüber anonym bleiben möchte, hat sich hierzu ein paar Gedanken gemacht:

10 Mrd. Euro für die Abwicklung der NordLB? Schwer zu sagen, ob das realistisch gerechnet ist. Aber die Drohung der EZB, das Verbundprivileg bei den Geschäften im Sparkassen- und Landesbankensektor zu streichen, ist sicherlich sehr wirkungsvoll und würde die Institute viel Eigenkapital kosten, was nicht alle hinreichend haben werden.

Vielleicht sind diese Risiken in den o.a. Betrag eingerechnet, desgleichen eventuell Derivate-Positionen, Pensionsverpflichtungen, Verluste aus den nachrangigen Schuldverschreibungen der NordLB, die eventuell bei einer Restrukturierung voll in Anspruch genommen würden mit entsprechenden Ausfällen für die Gläubiger, und da sind sicherlich auch Sparkassen darunter. Hinzukommen Schockwellen aus Vertrauensverlusten für die gesamte Organisation mit Gefahr des Downgradings und einer Verteuerung der Refinanzierung.

Fazit: Der Betrag könnte also schon im realistischen Bereich liegen, aber Genaues weiß man nicht. Die Zahl ist schön plakativ und lässt sich eventuell auch politisch instrumentalisieren.

Der große Finleap-Venture-Check, dritter und letzter Teil

Von Heinz-Roger Dohms

War nicht noch irgendwas offen? Ach ja: Mitte November hatten wir unseren großen „Finleap-Venture-Check“ gestartet, Ende November folgte „Part II“, und dann … dann sollte Anfang Dezember eigentlich der dritte und finale Teil unserer Trilogie erscheinen. Doch stattdessen erschien: nichts. Nicht Anfang Dezember und auch nicht in den Wochen danach,weil irgendwie immer was dazwischen kam. Das Gute: Auch wenn in der „Finanz-Szene.de“-Redaktion ein heilloses Chaos herrscht – weg kommt nix! Und so haben wir heute also doch noch den letzten Teil des Paten … äh, quatsch, des großen „Finleap-Venture-Checks“ für Sie im Angebot. Darin u.a.: Ein Startup, das fast in Vergessenheit geraten ist. Ein Fintech, von dem man sich ein bisschen mehr erhofft hätte. Und das Portfoliounternehmen, von dem wir glauben, dass es der erste Finleap-Exit überhaupt werden könnte. Voilá:

Pair Finance

Das Inkasso-Fintech startete mit großen Ambitionen. Und erlebte bald darauf die ersten personellen Querelen. Vorzeige-Managerin Christine Kiefer (zuvor: Bain & Company, Goldman Sachs, Billpay) ging, Startup-Spezialist Stephan Stricker übernahm. Wenn nicht alles täuscht, dann scheint es nach dem ruckeligen ersten Jahr mittlerweile besser zu laufen. Von künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen etc. pp. ist zwar nicht mehr so häufig die Rede. Dafür gibt es inzwischen aber die ein oder andere handfeste Verlautbarung, darunter der Einstieg von Zalando (angeblich wollte der E-Commerce-Riese das Fintech sogar komplett übernehmen). Zudem hat das Startup nach eigenen Angaben immerhin schon mehr als 200 Kunden. Und: Schaut man auf das Finleap-Jobportal, dann gehört Pair Finance schon seit Monaten zu den Ventures, die am fleißigsten neue Mitarbeiter suchen (aktuell: 20 offene Stellen). Muss alles noch nicht so wahnsinnig viel heißen. Trotzdem als kleiner Mutmacher schon mal:

5-7 Congrats

Wie gut ist Finleap wirklich? Teil eins des großen Venture-Checks

Valendo

Auch bei Valendo – 2015 als „Online-Pfandleihhaus“ gestartet (nach dem Vorbild des britischen Anbieters „borro.com“) – soll es das ein oder andere Management-Thema gegeben haben. Das wird nicht nur im Umfeld von Finleap erzählt. Sondern dafür spricht auch, dass, wenn man „Valendo“ bei Northdata eingibt, sich in dem entsprechenden Eintrag der ein oder andere „Nicht mehr Geschäftsführer“ findet. Und sonst so? Hört man von dem Venture kaum etwas, ähnlich wie das bei Billfront der Fall ist. Angeblich hat es einen Pivot gegeben, hin zum Working-Capital-Fintech. Und dann wird die Geschichte erzählt, dass Valendo – dank überlegener Technologie – als einer der wenigen Kreditgeber sein Exposure bei Auctionata (einem Berliner Startup, das 2017 spektakulär pleiteging) rechtzeitig reduziert habe. Mag alles so gewesen sein. Überzeugt uns aber noch nicht wirklich, zumal sich bei LinkedIn kaum Mitarbeiter finden und Valendo auch in den Jobbörsen nicht gerade überrepräsentiert ist (während Pair Finance, wie gesagt, 20 Leute sucht, ist bei Valendo laut Finleap-Homepage nur eine einzige Stelle zu besetzen). Drum, mit aller Bereitschaft, uns irgendwann mal zu korrigieren:

2-4 Congrats

financeAds International

Ist insofern ein ungewöhnliches Finleap-Unternehmen, als es financeAds im Grunde schon viel länger gibt als Finleap. Genauer: Die Nürnberger financeAds GmbH & Co. KG war bereits Marktführer für Performance-basiertes Marketing im deutschsprachigen Raum, bevor die Franken dann 2015 gemeinsam mit Finleap die „financeAds International GmbH“ aufsetzten, um das eigene Geschäftsmodell über die DACH-Region hinaus zu treiben. Nach allem was man hört, ist diese Idee sehr gut aufgegangen. Der internationale Zweig von financeAds soll bereits profitabel sein, Gerüchten zufolge könnte dies sogar der erste richtige Exit des Berliner Fintech-Inkubators werden. Fazit: Bei einem Case, bei dem man nicht so wahnsinnig viel falsch machen konnte, hat Finleap offenbar viel richtig gemacht, auch wenn in dem Affiliate-Geschäftsmodell jetzt nicht die ganz, ganz große digitale Fantasie steckt.

7-9 Congrats

Infinitec Solutions

Schien das richtige Fintech zur richtigen Zeit zu sein. Denn als alle Welt (oder zumindest: die Finanzwelt) plötzlich davon zu reden begann, dass nach dem Retailbanking nun auch das Firmenkundengeschäft digitalisiert werde, da brachte Finleap in Gestalt von Infinitec Solutions das hierzu passende Startup auf den Markt (Geschäftsmodell: B2B-Plattform für Finanzlösungen rund ums KMU-Geschäft). Indes: Das ist nun auch schon wieder fast ein Jahr her. Und auch wenn mittlerweile die ersten Kunden an die Plattform angeschlossen sein sollen: Namen wurden bislang keine veröffentlicht, abgesehen vom Italo-Fintech Beesy, das allerdings (siehe unten) zur Finleap-Familie gehört. Woran hapert’s? Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ antichambrierten die Infintec-Leute lange und intensiv bei der Deutschen Bank. Zu einem Abschluss allerdings kam es trotz gegenseitiger Wertschätzung nicht, weil das größte Geldhaus des Landes im Geschäft mit großen Mittelständlern lieber auf eine eigene Lösung („Blueport“) und bei Geschäftskunden auf das entsprechende Tool der Postbank setzte. Vonseiten Infinitecs heißt es: „Wir sprechen mit mehreren europäischen Banken und Partnern.“ Daher, mit ein wenig Goodwill:

4-5 Congrats 

Der große Finleap-Venture-Check, Teil II

Element

Ist als Insurtech nicht ganz unsere Baustelle, weil wir uns ja eigentlich mehr für Banken und Banken-Fintechs interessieren. Was lässt sich trotzdem sagen? Die Versicherungsbranche wird uns als „eher langsam drehend“ beschrieben, zudem als herausfordernd in dem Sinne, dass die niedrig hängenden Früchte schon von Playern gepflückt werden, die im Zuge der ersten Internetwelle auf den Markt kamen (Check24 …). Bezogen auf Element heißt das, dass es für eine umfassende Beurteilung vermutlich eh noch zu früh ist. Was freilich nicht verschwiegen werden soll: 1.) Element hat zum Start 2017 gleich mal eine zweistellige Millionensumme eingesammelt. Und 2.) Vor wenigen Wochen kamen in der Serie-A-Runde weitere 29 Mio. Euro hinzu, u.a. von der Signal Iduna und der japanischen SBI Investment. Das sind immerhin schon mal Indizien, dass Finleap mit Element so falsch nicht unterwegs sein kann – denn solch üppige Frühphasen-Fundings sind hierzulande keinesfalls die Regel. Drum, leicht ahnungslose …

6-7 Congrats

Fintech Solutions/Perseus/Beesy

  • Fintech Solutions ist ein Joint Venture von Finleap und der DVAG
  • Perseus ist ein Cyber-Security-Startup
  • Beesy ist ein erst kürzlich gegründetes Italo-Spin-Off von Infinitec

In allen drei Fällen wollen wir uns auf das Recht zur Zeugnisverweigerung berufen, im ersten Fall, weil man von außen in so ein JV kaum hineingucken kann, im zweiten, weil wir von Cyber Security noch viel, viel weniger Ahnung haben als von Insurtech, und im dritten Fall ist es für eine seriöse (und sogar für eine unseriöse) Bewertung noch zu früh. Wer erst in der 82. Minute eingewechselt wird, kriegt vom „Kicker“ ja auch keine Note.

Ist Friedrich Merz wirklich der „Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland“?

Von Heinz-Roger Dohms

Monatelang haben wir die Personalie Friedrich Merz bei „Finanz-Szene.de“ ganz einfach ignoriert. Und dann schreiben wir doch mal einen einzigen Satz – nämlich dass Merz jetzt wieder Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland werde, wie es ja überall zu lesen war am vergangenen Wochenende. Und schon kriegen wir von einem unserer geschätzten Leser eins auf den Deckel.

Denn: Das mit dem Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland sei nun wirklich übertrieben. Das klinge ja so, als habe Merz da eine ganz, ganz wichtige Position inne. Was aber definitiv nicht der Fall sei, so der Leser.

Und in der Tat: Wenn man sich das Ganze mal genauer anschaut, dann scheint Herr Merz der Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland eher in dem Sinne zu sein wie, sagen wir, der Obmann für die vereinseigenen Tischtennis-Abteilung der Chef des FC Bayern München ist.

Vermutlich wussten Sie, im Gegensatz zu uns, das längst, liebe übrige Leserinnen und Leser. Falls nicht, hier eine kurze Aufdröselung:

  • Also, die Einheit, die von Friedrich Merz seit Anfang 2016 beaufsichtigt wird, das ist die in München ansässige BlackRock Asset Management Deutschland AG
  • Das scheint aber nicht die Gesellschaft zu sein, für die die coolen und wichtigen Jungs (und Mädels) von Blackrock arbeiten. Denn wenn man danach geht, was auf der Website, auf Linkedin und auf den Visitenkarten steht, dann ist die deutlich fettere Entität hierzulande die BlackRock Investment Management (UK) Limited German Branch.
  • Nun sind „cool“ und „wichtig“ natürlich schwer zu fassende Begrifflichkeiten. Und auf Linkedin und diverse Visitenkarten wollen wir auch nicht allzu sehr vertrauen. Werden wir also konkreter …
  • Im Jahresabschluss der von Merz beaufsichtigten BlackRock Asset Management Deutschland AG ist zu lesen, sie sei der „Anbieter der iShares ETFs in Deutschland“. Leute, die sich in der Branche auskennen, sagen uns, dass es sich bei dieser Gesellschaft gewissermaßen um den Nachfolger des einstigen deutschen ETF-Emittenten Indexchange handele, den Barclays 2006 zunächst übernommen und ein Jahr später dann mit der iShares-Einheit fusioniert hatte (bevor iShares 2009 schließlich an Blackrock ging).
  • Was die von Merz beaufsichtigte Truppe eigentlich macht, ist uns nach Lektüre des Jahresabschlusses nicht ganz klar. Was aber auffällt: Die Truppe ist enttäuschend klein. 2017 arbeiteten für die BlackRock Asset Management Deutschland AG gerade mal 16 Leute. Zur Einordnung: Insgesamt arbeiten für den US-Vermögensverwalter hierzulande mehr als 150 Leute.
  • Ohnehin stellt man sich ja die Frage, was es bei solch einer 16-Mann-Einheit, die irgendwas mit ETFs macht, überhaupt zu beaufsichtigen gibt
  • Viel kann es jedenfalls nicht sein. So heißt es im Jahresabschluss der BlackRock Asset Management Deutschland AG: „Der Aufsichtsrat verschaffte sich in zwei Sitzungen, einer Telefonkonferenz und zwei Quartalsberichten auf der Grundlage von schriftlichen sowie mündlichen Berichterstattungen des Vorstandes ein umfassendes Bild von der Situation der Gesellschaft.“
  • Auch die Gehaltsstruktur der BlackRock Asset Management Deutschland AG deutet nicht darauf hin, dass Friedrich Merz hier ins Innerste des globalen Finanzkapitalismus vorgedrungen ist (obwohl wir ihm das natürlich von Herzen gönnen würden). Die vier Vorstände teilten 2017 Gesamtbezüge in Höhe von 1,054 Mio. Euro untereinander auf, auf die vier Aufsichtsräte entfielen im Schnitt 94.250 Euro

Das alles soll nicht heißen, dass Friedrich Merz in seinen übrigen, eher informell gearteten Rollen, die er für Blackrock hierzulande dem Vernehmen nach angeblich ausfüllt …

  • Lobbyist
  • Türöffner
  • Gesandter
  • Consigliere

…  nicht trotzdem ein sehr, sehr, sehr wichtiger Mitarbeiter ist. Aber darum ging es dem Leser ja auch nicht. Sondern nur darum, dass wir nicht mehr so bedeutungsschwer raunen sollen, er sei der Aufsichtsratschef von Blackrock in Deutschland.

Blackrocks fette Wette auf den deutschen Robo-Advisor-Markt

Von Heinz-Roger Dohms

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock ist in viel stärkerem Maße beim führenden deutschen Robo-Anbieter Scalable Capital engagiert als bislang bekannt. Diese Entdeckung hat „Finanz-Szene.de“ im britischen Handelsregister Companies House gemacht.

Scalable Capital hatte 2017  eine Funding-Runde über 30 Mio. Euro veröffentlicht,“angeführt“ von Blackrock, wie es damals hieß. Wie nun aber aus dem Jahresabschluss einer britischen Blackrock-Tochter hervorgeht, steckte der Asset-Management-Riese damals nicht nur 24 Mio. Euro direkt in den Münchner Robo Advisor, sondern sicherte für weitere 28,5 Mio. Euro (!!!) die Alt-Anteile bestehender Investoren. Insgesamt hält Blackrock seitdem rund 35% an Scalable, was (siehe unsere gestrige Ausgabe) die Vermutung zulässt, dass es auf dem europäischen Robo-Markt mittelfristig zu einem Giganten-Duell zwischen Blackrock (mit Scalable) und Goldman Sachs (mit Nutmeg) kommen könnte.

Auf Basis von Handelsregister-Einträgen ergibt sich für Scalable Capital ein Unternehmenswert (jedenfalls per Mitte 2017) von gut 150 Mio. Euro – eine Frühphasen-Bewertung, wie sie unserem Bauchgefühl zufolge sonst hierzulande bislang allenfalls die Solarisbank erreichte. Interessant: Wie aus der  Gesellschafter-Liste hervorgeht, ist der größte Anteilseigner hinter Blackrock der deutsche VC-Investor Holtzbrinck Ventures, der immerhin gut 20% an Scalable hält. Die beiden Gründer Erik Podzuweit und Florian Prucker kommen auf jeweils gut 9%, Tengelmann Ventures auf 5,5%.

Hier der Cap-Table auf einen Blick:

Die irrsinnigen Eigenkapitalrenditen der Targobank

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe Leser*innen, vergessen Sie für einen Moment bitte alles, was sie über den deutschen Bankenmarkt zu wissen glauben. Denn: Im Zuge unserer Bilanz-Schnüffeleien sind wir auf ein Geldinstitut gestoßen, das trotz der oft beschriebenen Branchenkrise seit Jahren eine Eigenkapitalrendite von rund 40% vor Steuern erwirtschaftet. Und nein, wir reden nicht von einer provisionsgeschwängerten Spezialbank wie Berenberg. Sondern von einem der großen, scheinbar stinknormalen „Einlagen rein, Kredite raus“-Player hierzulande – von der Targobank.

Auf Basis eines Eigenkapitals von 1441 Mio. Euro hat der Ratenkredit-Spezialist 2017 einen Vorsteuergewinn von 664 Mio. Euro erwirtschaftet. Macht: eine Rendite von 46%. Im Jahr zuvor waren es 45%, im Jahr davor 37%. Zur Einordnung: Die ING Diba, die ja fürwahr nicht im Verdacht steht, ineffzient und unprofitabel zu arbeiten, kam  zuletzt auf 17% (um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten, haben wir hier ebenfalls auf Basis des HGB-Einzelabschlusses gerechnet).

Wie ist das möglich? Die Analyse von „Finanz-Szene.de“ in neun Punkten.

  1. Die Targobank ist ein stark wachsendes Institut. So stieg das sogenannte Nettokundenkreditvolumen 2017 um 18,4% auf 13,7 Mrd. Euro, die Bilanzsumme wuchs um 11,0% auf 17,0 Mrd. Euro (zum Vergleich: branchenweit ging die Bilanzsumme laut Bundesbank-Statistik um 1% zurück).
  2. Anders als andere Banken und Sparkassen schafft es die Targobank, das Volumenwachstum trotz allgemeinen Zinsverfalls in steigende Erträge zu übersetzen. Während die Zinseinnahmen 2017 über alle Banken hinweg um 8,9% einbrachen, legte die Targobank ein Plus von 3,6% auf 1063 Mio. Euro hin.
  3. Nach unserem Verständnis dürften die Zinserlöse zwar nicht komplett, aber doch zu einem beträchtlichen Teil aus dem Nettokundenkreditvolumen stammen. Drum haben wir einfach mal die Erträge durch das Volumen geteilt und heraus kam ein Wert von 7,8%. Das dürfte in Nullzinszeiten sehr, sehr, sehr ordentlich sein (auch wenn wir keinen Vergleichsmaßstab zur Hand haben).
  4. Das gilt umso mehr, als sich die Targobank zugleich fast zum Nulltarif refinanziert. 2017 beliefen sich die gesamten Zinsaufwendungen auf gerade einmal 41 Mio. Euro. Somit standen Zinserträge und Zinsaufwendungen  in einem Verhältnis von 26:1 (!!!) zueinander, während branchenweit die Relation bei 2:1 lag. Wie das geht? Die Targobank finanziert ihr Geschäft zum überwiegenden Teil aus kurzfristigen und also unverzinsten oder minimal verzinsten Kundeneinlagen. Vom bilanziellen Fremdkapital in Höhe von 15,5 Mrd. Euro entfielen 14,8 Mrd. Euro auf „Verbindlichkeiten gegenüber Kunden“. Davon wiederum waren 11,1 Mrd. Euro täglich fällig, wobei auf Girokonten 6,7 Mrd. Euro und auf Tagesgeldkonten 4,2 Mrd. Euro lagen.
  5. Rechnet man Zinserträge und Zinsausfand nicht als Bruch, sondern als Differenz, kommt man auf einen Zinüberschuss von 1025 Mio. Euro. Das ergibt gemessen am Vorjahr ein Plus von 4,9%. Auch hier zum Vergleich der Branchendurchschnitt für dasselbe Jahr: minus 6,1%.
  6. Laut Bundesbank-Statistik kamen Deutschlands Banken und Sparkassen 2017 auf eine Zinsmarge (definiert als Relation von Zinsüberschuss zur Bilanzsumme) von durchschnittlich 1,04%. Und die Targobank? Erreichte 6,0%. Wir wissen nicht, wie Sie das sehen. Aber wir sehen es so, dass das von allen Zahlen die unglaublichste ist.
  7. Wie praktisch alle Banken profitiert die Targobank von konjunkturbedingt sehr niedrigen Risikokosten. Addiert beliefen sich die „Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Forderungen und Wertpapiere“ sowie die „Zuführungen zu den Rückstellungen im Kreditgeschäft“ auf 171 Mio. Euro (was gleichwohl mehr war als im Vorjahr; da kam die Targobank sogar mit 111 Mio. Euro aus). Mehr zu diesem Punkt weiter unten im Disclaimer
  8. Die Targobank hat offenkundig nicht nur ihre Risikokosten im Griff. So sanken die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen trotz des ausgeweiteten Geschäfts um 0,5% auf 745,3 Mio. Euro; im Vergleich zu den 2015er-Zahlen gingen die Kosten sogar um 4,8% zurück. Die Cost-Income-Ratio betrug 56,0, was für eine Bank, die sich bundesweit mehr als 300 Filialen leistet (Tendenz: leicht steigend), zweifellos ein guter Wert ist (wobei wir die CIR jetzt nicht so atemberaubend finden wie andere Kennziffern).
  9. Unserm Eindruck nach ist die Targobank mit einer ziemlichen Vertriebspower unterwegs. Ein Indiz hierfür: Bei 74% der insgesamt 4221 Beschäftigten handelte es sich laut Geschäftsbericht explizit um Vertriebsmitarbeiter. Wobei zum Beispiel die Back-Office-Einheiten bei einer separaten Targo-Gesellschaft angesiedelt sind, so dass man besser sagt: Knapp die Hälfte der alles in allem rund 7500 Targo-Leute arbeitet im Vertrieb. Jedenfalls: Das dürfte immer noch ein hoher Wert sein – der erklären könnte, warum es der früheren Citibank in ihrem vertriebsseitig sehr kompetetiven Kerngeschäft (Ratenkredite) gelang, das Kreditvolumen binnen 12 Monaten um 12,0% zu steigern. Auch im „Autobank“ genannten B2B-Geschäft (Einkaufs- und Absatzfinanzierung für KfZ-Händler) scheint die Targobank übrigens höchst ambitioniert unterwegs zu sein. Obwohl erst 2015 gestartet, arbeitete die Tochter der französischen Großbank Credit Mutuel per Ende 2017 schon mit 2300 Autohändlern zusammen.
Fazit

Leider kennen wir uns auf dem Markt für Ratenkredite nicht sonderlich gut aus. Allerdings scheint uns, wenn man den Erfolg der Targobank erklären will, ein Punkt offensichtlich und einer weiterer Punkt naheliegend zu sein:

Der offensichtliche: Als fast reinrassiger Konsumentenfinanzierer profitiert die Targobank wie kaum eine andere deutschen Bank von der stabilen Konjuntur und den damit einhergehend niedrigen Kreditausfallraten.

Und der naheliegende: Wenn wir die Zahlen richtig deuten (speziell die Zinsspanne, die Pi mal Daumen irgendwo bei sieben Prozentpunkten liegen dürfte), dann wird der Wettbewerb bei Ratenkrediten in erster Linie über den Vertrieb und erst in zweiter über die Konditionen entschieden.

Ob das eine Form der finanzwirtschaftlichen Betätigung ist, bei der man abends mit dem Gefühl zu Bett geht, die Welt den Tag über ein bisschen besser gemacht zu haben, sei mal dahingestellt (ist als B2B-Newsletter aber auch nicht unser Bier). Fest steht: Einträglich ist das Geschäft zumindest im Falle der Targobank allemal.

  • Noch ein vorletzter Punkt: Vermutlich wäre es spannend zu beleuchten, welchen Zinsänderungsrisiken sich die Targobank durch ihre extrem kurzfristige Refinanzierung (wir vermuten mal: im vollen Bewusstsein) aussetzt. Denn auch wenn man gemeinhin sagt, dass ein granulares Funding ein sicheres ist – gilt das auch noch, wenn die Einlagenzinsen dann doch irgendwann mal anziehen?
  • Und ein letzter Punkt: Warum ist der Return on Equity so viel höher als bei der ING Diba? An der Kapitalausstattung (also am Equity) liegt es vermutlich eher weniger. Sondern daran, dass im Ratenkreditgeschäft die Spannen (und damit der Return) viel, viel höher sind als in den beiden Kernfeldern der ING Diba (bzw.: man sagt ja neuerdings ING Deutschland …), nämlich in der Baufinanzierung und im Kreditgeschäft mit Großunternehmen.
Disclaimer:
  • Das 2017er-Ergebnis der wurde ein gutes Stück auch durch positive Einmaleffekte geprägt, die sich allerdings nicht genau beziffern lassen. So löste die Targobank z.B. stille Reserven auf, die dann (soweit wir es verstehen) mit Abschreibungen verrechnet wurden 
  • Auch 2016 (Vorsteuerrendite: 45%) gab es 1-2 Sondereffekte, wie den Verkauf der Visa-Anteile. Hier dürfte der Einfluss auf die GuV aber überschaubar gewesen sein.
  • 2015 war unserem Eindruck nach relativ frei von Einmaleffekten. Hier lag die Rendite bei 37%, so dass wir Pi mal Daumen behaupten würden, dass die Targobank bereinigt in den letzten Jahren im Schnitt bei etwa 40% rausgekommen ist, vielleicht ganz leicht drunter
  • Die Eigenkapitalrendite nach Steuern anzugeben, wie es ja eigentlich üblich ist, war nicht möglich, weil die Targobank ihren Gewinn an die Targo Deutschland GmbH abführt und erst dort Körperschafts- und Gewerbesteuern anfallen. Erfahrungsgemäßg muss man vom Gewinn vor Steuern noch rund ein Drittel abziehen, um das Nachsteuerergebnis zu bekommen.

Berliner Fintech-Bank N26 verliert ihren Finanz- und Risikochef

Von Heinz-Roger Dohms

Die N26 Bank verliert ihren Finanz-und Risikochef. Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat Matthias Oetken schon vor einiger Zeit intern seinen Rückzug angekündigt. Der Risikoexperte wolle sich einer neuen beruflichen Herausforderung widmen, heißt es. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Oetken in jedem Fall im Amt bleiben, womöglich sogar noch weit ins Jahr hinein – eine Verabredung, die darauf hindeutet, dass der Abgang tatsächlich keinen delikateren Grund hat als den oben genannten. Laut den Informationen von „Finanz-Szene.de“ wurden mögliche externe Nachfolge-Kandidaten zuletzt bereits von einem Headhunter kontaktiert.

N26 steckte zuletzt in einer riesigen Funding-Runde (die mit einem Erlös von rund 260 Mio. Euro bekanntlich spektakulär endete). Dieser Umstand dürfte dazu beigetragen haben, dass die Demission noch nicht kommuniziert wurde. Zwar fand das Funding auf Ebene der N26 GmbH statt, um deren Finanzen sich Gründer Maximilian Tayenthal persönlich kümmert. Allerdings darf man davon ausgehen, dass Oetken als CFO und CRO der eigentlichen Bank (die unter der GmbH hängt) ebenfalls eine zentrale Rolle in dem Prozess gespielt hat. Oetken war Mitte 2016 zu N26 gekommen – und gehörte damit zu den ersten deutschen Bankern überhaupt, die zu einem Fintech wechselten.

Lesen Sie hier, was Oetken und N26-Chef Valentin Stalf gestern auf Anfrage von „Finanz-Szene.de“ sagten:

Matthias Oetken:

„Ich bin stolz darauf, Teil der N26-Erfolgsgeschichte zu sein. […]. Jetzt ist es für mich an der Zeit ein neues Kapitel aufzuschlagen.“

Valentin Stalf:

„Matthias Oetken hat einen herausragenden Beitrag zum Markterfolg von N26 geleistet. Wir sind dankbar, dass er für uns in den letzten drei Jahren den Aufbau der N26 Bank ein maßgeblicher Treiber war und wünschen ihm für seine berufliche und private Zukunft alles Gute.”

Und falls Sie interessiert, was Matthias Oetken vor N26 gemacht hat: Hier sein Kurzprofil, das wir der Homepage des Berliner Startups entnommen haben:

Matthias Oetken begann seine Karriere mit einer Banklehre bei der Commerzbank, gefolgt von einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Göttingen. Seine beruflichen Stationen sind Leiter Gesamtbanksteuerung, Leiter Strategic Portfoliomanagement bei verschiedenen Landesbanken und als CEO/CFO eines auf Gesamtbanksteuerung spezialisierten Finanzdienstleisters in Luxemburg. Vor seinem Wechsel zur N26 Bank verantwortete er bei der HSH Nordbank AG das Market Risk Management.

Beginnt jetzt die Vermählung des deutschen Payment-Sektors mit der Inkasso-Branche?

Von Heinz-Roger Dohms

Es ist auf den ersten Blick ein völlig unbedeutender Deal, der da gestern vermeldet wurde: Die Heidelpay Group GmbH (deren Stammgesellschaft zuletzt auf Erträge in Höhe von rund 10,7 Mio. Euro kam) übernimmt den Frankfurter Inkasso-Spezialisten Universum Group (Rohergebnis der Universum Inkasso GmbH in 2017: rund 13,9 Mio. Euro; Jahresfehlbetrag: rund 240.000 Euro).

Der Eindruck allerdings täuscht – denn der Deal spiegelt mindestens drei relevante Trends wider: 1.) Die in Teilen immer noch mittelständisch anmutende deutsche Payment-Branche (Heidelpay, Computop…) bekommt durch Konsolidierung allmählich neue Strukturen. 2.) Dabei geben Ausländer den Ton an, nicht nur bei Concardis (diverse PE-Fonds) und BS Payone (Ingenico), sondern auch bei der Heidelpay, die 2017 von einem britischen Finanzinvestor namens Anacap gekapert wurde. Und 3.) Payment und Inkasso verschmelzen.

Wie kommen wir darauf? Nun, als wir neulich über die Payment-Pläne der Creditreform berichteten, da schrieb uns ein sehr kundiger Leser eine lange Mail, in der er quasi vorwegnahm, was nun mit dem Heidelpay-Universum-Deal tatsächlich exerziert wird. Der Name des Lesers muss leider anonym bleiben, weil er eine Position bekleidet, in der es eher unüblich ist, Bloggern lange Mails zu schreiben. Den Inhalt indes dürfen wir mit freundlicher Genehmigung abdrucken.

[…]

Ich fand übrigens das Thema Crefo Pay ganz spannend. Vielleicht nochmal ein paar strategische Gedanken hierzu:

1.) Die Crefo ist eine Unternehmensgruppe, die u.a. Inkasso macht; das ist heute im Grundsatz noch ein einträgliches Geschäft, da Kunden

  • nicht gern wechseln
  • und es in Deutschland (steht auf dem Prüfstand) recht attraktive Inkassogebühren gibt

2.) Trotzdem sind Schwierigkeiten absehbar. Das Grundproblem ist, dass Inkasso in der Wertschöpfungskette ganz am Ende kommt. Vorher kommen Dinge wie

  • Kauf des Produkte (z.B. über einen PSP + Bezahlmethode im Onlinebereich)
  • Servicing des Kunden (Versand, Rückabwicklung, Betreuung bei Fragen etc.)
  • Rechnungsstellung und ggf. kaufmännisches Mahnwesen

3.) Die Probleme für Inkassofirmen sind im Grundsatz:

  • Wettbewerb innerhalb der Branche (denn Inkasso ist im Grunde austauschbar; es gibt Überkapazitäten, gerade angesichts der seit Jahren guten Konjunktur; also herrscht Druck im Vertrieb; entsprechend hart ist der Wettbewerb)
  • Innovation in der Wertschöpfungskette (die PSPs, die selbst unter Druck stehen, suchen sich die Inkassopartner heutzutage aus und fordern dafür Provision; einige Player wie Paypal oder Klarna machen das Geschäft gleich ganz selbst oder diktieren die Konditionen; Startups optimieren das kaufmännische Mahnwesen; damit werden viele Kunden gar nicht erst zu den Inkassounternehmen durchgeleitet, weil sie nämlich vorher bezahlen)
  • Investoren mit Ambitionen (es gibt diverse Inkassounternehmen mit echten Wachstumsambitionen. Bloß: Das gibt der Markt nicht her. Also werden Portfolien sehr teuer gekauft, um Bräute hübsch zu machen)
  • Die Politik guckt genauer hin (noch ist Deutschland ein Eldorado für Inkasso, weil immer noch üppige Gebühren erlaubt sind; aber das könnte sich ändern)

Fazit:

Inkasso ist einträglich, steht aber unter Druck. Die Creditrefom hat das wie viele andere erkannt und sagt, wir werden jetzt selber PSP und kontrollieren selbst die Transaktion.

Ob diese Strategie freilich gegen Gegner wie Stripe oder Adyen aufgehen kann – das steht auf einem anderen Blatt.

ING Deutschland und weitere Banken kündigen Anteile an Paydirekt

22Von Heinz-Roger Dohms

Paukenschlag in der deutschen Bankenbranche: Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ haben die ING Deutschland (also die ehemalige ING Diba) und weitere namhafte Institute ihre Anteile am Zahlungsdienstleister Paydirekt zum 31. Dezember diesen Jahres gekündigt. Diskutiert wird angeblich über einen Verkauf der Anteile an die Deutsche Bank und die Commerzbank – die entsprechenden Gespräche sollen allerdings stocken.  Die ING Deutschland und weitere Banken – darunter die HVB, die Santander und die Targobank – halten ihre Paydirekt-Anteile über ein gemeinsames Beteiligungsvehikel. Diese sog. „Poolbanken“, denen gut 11% von Paydirekt gehören, sollen diese Anteile Ende komplett gekündigt haben.

Die übrigen Paydirekt-Eigner sind die Deutsche Bank, die Commerzbank, die genossenschaftliche DZ Bank sowie die Sparkassen. Die Sprecherin von Paydirekt war am Nachmittag zunächst nicht zu erreichen, aus den Reihen beteiligter Banken wurde die Information jedoch bestätigt.

Einen ausführlichen Artikel lesen Sie morgen Früh im führenden deutschen Branchen-Newsletter „Finanz-Szene.de“

Nur 40.000 Transaktionen monatlich – was wird jetzt aus Paydirekt?

Diese vier deutschen Fintech-Startups haben 2017 tatsächlich Geld verdient

Von Heinz-Roger Dohms

Mit der Profitabilität ist das ja so eine Sache. Einige deutsche Fintechs sind so hoch gefunded, dass es bis auf weiteres keine Rolle spielt, ob sie nun Geld verdienen oder nicht (N26, Deposit Solutions); andere sind noch so jung, dass es fast schon ein Geschmäckle hätte, wären ihre Zahlen schon schwarz (Solarisbank, Scalable); dann gibt es die, bei denen es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint (Auxmoney, Raisin); und dann die, die zwar behaupten, sie seien profitabel, aber keine Belege hierfür anführen (Smava). Ach ja, und dann gibt es natürlich auch noch die, deren Chefs dann irgendwann mal den Linienbus zum Insolvenzgericht nehmen werden (xxxxxxxxxx, xxxxxxxxx).

Bleibt die Frage: Wer da draußen in der Fintech-Republik Deutschland wirtschaftet denn überhaupt profitabel? „Finanz-Szene.de“ hat sich dieser Tage mal durch die Abschlüsse praktisch aller einigermaßen bekannten, maximal zehn Jahre alten deutschen Finanz-Startups gewühlt. Und ja, immerhin: Vier von ihnen haben 2017 tatsächlich Gewinn gemacht:

Gegründet Bereich Jahresüberschuss
Billlpay 2009 B2B-Payment 2.421.115 €
Ratepay 2009 B2B-Payment 2.399.214 €
Fino 2015 Kontowechsel 572.847 €
Fincite 2011 IT-Dienstleister 368.208 €

Angriff auf die ING Diba – DKB holt den nächsten Fintech-Promi

Von Heinz-Roger Dohms

Die DKB setzt bei ihrem Angriff auf die ING Diba offenbar gezielt auf die Verpflichtung namhafter Fintech-Manager. Nachdem die Berliner Direktbank im Sommer bereits den früheren Paypal-Deutschland-Chef Arnulf Keese* als Chief Digital Officer angeheuert hatte (wir berichteten damals exklusiv), kommt laut Informationen von „Finanz-Szene.de“ nun als weitere Verstärkung Sascha Dewald, bis vor wenigen Monaten Chef des erfolgreichen Berliner B2B-Startups Finreach.

Wie aus einer internen Mitteilung hervorgeht, die „Finanz-Szene.de“ vorliegt, soll Dewald ab Februar die „Bereichsleitung Privatkunden“ verstärken und damit die Nachfolge von Bettina Stark antreten. Was an der Personalie aus unserer Sicht besonders spannend ist: Die DKB (der u.a. ja der heutige Finleap-Chef Ramin Niroumand entstammt) verschränkt sich offenkundig immer stärker mit der rasant wachsenden Fintech-Szene der Hauptstadt. Kann es sein, dass sich der vermeintliche Standortnachteil Berlin für die mit rund 4 Mio. Kunden zweitgrößte Direktbank hierzulande allmählich in einen Standortvorteil wandelt?

*Nicht zu vergessen übrigens, dass sich Keese nach seinem Amtsantritt ja auch noch für seine „DKB Code Factory“ das Management-Team des insolventen P2P-Payment-Fintechs Cringle geschnappt hat. Hier zur Erinnerung die entsprechende Pressemitteilung.

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Mehr zu Dewalds altem Arbeitgeber Finreach finden Sie hier:

Wie gut ist Finleap wirklich? Teil eins des großen Venture-Checks

Fintech-Inkubator Finleap setzt zum ersten großen Portfolio-Umbau an

16/03/18: DKB setzt auf Chatbots, Finreach, Fallen 2/3 aller Bankjobs in FFM weg?

Varengold Bank beteiligt sich an Kreditech

Von Caspar Schlenk (Gründerszene) und Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de)

Seit dem vergangenen Herbst steckt das Hamburger Scoring-Startup Kreditech in einer schweren Krise: Die Geschäftsführung berichtete von einer „ernsten finanziellen Situation“, die Bewertung stürzte innerhalb eines Jahres von 230 Millionen Euro ab – auf wenige Millionen, das berichteten damals Gründerszene und Finanz-Szene.de. Die Altgesellschafter, darunter der bekannte Medienkonzern Naspers und der Finanzinvestor JC Flowers, finanzierten Kreditech weiter.

Die Varengold Bank hat in den vergangenen Jahren für einige Schlagzeilen gesorgt: So ist sie beispielsweise in den Cum-Ex-Skandal verwickelt. San­jay Shah, einer der Drahtzieher der Steuerskandale, ist laut Süddeutsche Zeitung immer noch Miteigentümer der Bank. Auch die Staatsanwaltschaft München beschäftigt sich wegen der Cum-Ex-Skandale mit der Bank.