Deutsche Bank: Viel für die Investmentbanker, immer weniger für die Aktionäre

Von Heinz-Roger Dohms

Wurde die Deutsche Bank nicht früher einmal für ihre Fokussierung auf den Shareholder-Value kritisiert? Muss lange her sein. Denn während die Aktionäre laut Analystenprognosen auch für 2018 lediglich mit Dividenden-Zahlung von rund 270 Mio. Euro rechnen dürfen, plant die Bank (siehe unser gestriger Aufmacher) zugleich mit einem Bonuspool für die Mitarbeiter in Höhe von angeblich bis zu 2 Mrd. Euro.

Wir haben uns mal die Mühe gemacht, die Entwicklung von Boni, Dividenden (und: Market Cap) über die vergangenen Jahre nachzuverfolgen. Hier die beiden Grafiken, die bei der Recherche herausgekommen sind:

Düsseldorfer Fintech Compeon eröffnet bundesweit „Filialen“

Von Heinz-Roger Dohms

Keine Bange, wir kommen Ihnen jetzt nicht mit der Renaissance der Filiale. Diese These halten wir für Quatsch. Was aus unserer Sicht jedoch kein Quatsch ist: Zur vielbesungenen operativen Exzellenz gehört bei Fintechs mit direktem Kundenkontakt nicht nur die sanft gleitende digitale Antragsstrecke – sondern auch die persönliche Beratung. Die kann am Telefon erfolgen (siehe: das Ur-Fintech Check24), geht es um üppigere Losgrößen, rechnet sich allerdings auch die physische Präsenz vor Ort (siehe: die auf Baufi-Vermittlung spezialiserten Ur-Fintechs Interhyp und Dr. Klein).

Insofern klingt schlüssig, dass laut exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ nun das nächste junge Fintech mit dem Aufbau eines Quasi-Filial-Netzes beginnt. Nämlich: das Düsseldorfer Startup Compeon, das als Vermittler von KMU-Krediten nicht nur das Kriterium „Losgröße“ erfüllt, sondern auch das Kriterium einer nicht so wahnsinnig digitalaffinen Klientel. Zwei Standorte hatte Compeon schon, zwei weitere Büros sind zum 1. Januar hinzugekommen, weitere sechs bis acht sollen im Jahresverlauf folgen. Lesen Sie hier Auszüge aus der entsprechenden Pressemittlung, die heute veröffentlicht werden soll – und die „Finanz-Szene.de“ vorab erhalten hat:

„Geschäftskunden können sich jetzt von Compeon in den großen Metropolregionen umfassend vor Ort beraten lassen. Seit Januar gibt es neben der Zentrale in Düsseldorf und dem Standort Münsterland auch in Hamburg und Stuttgart eigene Büros. Weitere folgen im Jahresverlauf 2019 in Berlin, Frankfurt, München und anderen Metropolregionen. ‚Gerade bei großvolumigeren und komplexen Finanzierungsanlässen haben unsere Kunden den Wunsch, ihr Vorhaben mit einem Berater vor Ort zu besprechen. Mit den zusätzlichen Büros können unsere Berater schnell in den persönlichen Kundenkontakt treten und bei Bedarf auch direkt zum Kunden fahren […]‘, sagt Frank Wüller, geschäftsführender Gesellschafter der Compeon GmbH.

[…] Bei der Auswahl der passenden Büros waren Kriterien wie zentrale Lage und gute Verkehrsanbindung ausschlaggebend […] Auf der Compeon-Plattform können Kunden Ihren Finanzierungswunsch angeben und starten eine Ausschreibung – damit werden die über 220 Finanzanbieter, die digital mit der Compeon-Plattform verbunden sind, zu handelnden Akteuren. Sie geben Angebote ab, aus denen sich der Kunde das am besten passende aussuchen kann.

Compeon setzt im Prozess auf technische Innovationen: Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz werden schon heute anhand von rund 150 Parametern die Angaben eines Kunden geprüft und daraus der am besten passende Kundenberater, potenzielle Finanzanbieter und weitere Annahmen abgeleitet, um den Prozess für den Kunden zu vereinfachen und zu beschleunigen. […]

Warum erstmals ein deutsches Fintech eine Filiale aufmacht

2,3 Mrd. Euro Bewertung: Berliner Fintech N26 stößt in völlig neue Dimension vor

Von Heinz-Roger Dohms

Ist das der Gamechanger? Könnte sein: N26 hat am frühen Morgen ein Funding über 260 Mio. Euro bekanntgegeben und wird nach eigenen Angaben nun mit 2,3 Mrd. Euro bewertet. Die Berliner Smartphone-Bank stößt damit in eine völlig neue Dimension vor, was man allein daran erkennt, dass die bisherige Bewertung (nach Berechnungen von „Finanz-Szene.de“ waren dies auch schon stolze 610 Mio. Euro) geradezu gesprengt wird. Folge: Investoren schätzen N26 nun sogar höher ein als die drittgrößte börsennotierte Bank hierzulande, nämlich die Wiesbadener Aareal. Diese kam per gestern Abend auf eine Marktkapitalisierung von 1,65 Mrd. Euro. Und noch ein Vergleich: Frappierend ist auch, wie weit N26 die übrige deutsche Fintech-Branche jetzt bei der Höhe einzelner Funding-Runden distanziert.

Hier unsere entsprechende Tabelle:

Mio. Euro Jahr
N26 260 2019
N26 130 2018
Kreditech 82 2015
Kreditech 80* 2017
Deposit 50-65* 2018
Solarisbank 57 2018
Finleap 41,5 2018
N26 36 2016
Smava 35-40* 2018
Finleap 35* 2017
Liqid

Finanzcheck

33

33

2018

2016

Raisin („Weltsparen“) 30 2017
Scalable 30 2017
Kreditech 29 2014

*Schätzungen; Quelle: eigene Recherchen

In der heute Früh veröffentlichten Pressemitteilung von N26 heißt es wörtlich:

„Das Investment in Höhe von 300 Millionen Dollar [Anm.: Nicht verwirren lassen, N26 rechnet in Dollar …] stellt die größte Private-Equity-Finanzierungsrunde für ein Fintech-Unternehmen in Europa in den letzten Jahren dar. Bis heute hat N26 mehr als 500 Millionen Dollar von weltweit etabliertesten Investoren eingesammelt, darunter Tencent, Allianz X, Peter Thiels Valar Ventures, Li Ka-Shings Horizons Ventures, Earlybird Venture Capital, Redalpine Ventures und Greyhound Capital.“

Wie es weiter heißt, wurde die aktuelle Runde von der in New York ansässigen Risikokapitalgesellschaft Insight Venture Partners angeführt. Zudem habe sich GIC beteiligt, ein Staatsfonds aus Singapur. Wenn wir den Artikel im „Handelsblatt“ heute Früh richtig deuten, ist auch die Allianz (die die letzte Runde gemeinsam mit Tencent angeführt hatte) wieder mitgezogen. Das wäre insofern bemerkenswert, als sich der Münchner Versicherer damit – gut zehn Jahre nach dem Verkauf der Dresdner – in der deutschen Bankenlandschaft doch wieder positionieren würde.

Auch wenn die Höhe der Finanzierungsrunde und vor allem die Bewertung surreal anmuten – völlig überraschend kommt die Meldung nicht. Denn: N26 hat in den vergangenen Monaten in atemberaubendem Tempo neue Kunden gewonnen. Damit müssen die Berliner aus Investorensicht geradezu zwangsläufig zu den heißesten europäischen Fintech-Wetten gezählt werden.

Im Einzelnen:

Anfang Mai knackte N26 die 1-Millionen-Marke.

Fünf Monate später waren es dann schon 1,5 Millionen Kunden (wie Sie der Headline entnehmen, hatten wir uns damals um einen Monat vertan):

N26 gewinnt (nach eigener Aussage) in nur vier Monaten eine halbe Million neue Kunden

Und Anfang Dezember kam dann die Meldung, dass N26 angeblich schon zwei Millionen Kunden hat:

N26 says it now has more than 2M customers

Parallel sprachen zuletzt immer mehr Indizien dafür, dass N26 drauf und dran ist, den vermeintlichen größeren britischen Rivalen Revolut zu überholen. Darauf hatten wir erstmals Mitte Dezember hingewiesen und – wie es der Zufall halt manchmal so will – just in unserer gestrigen Ausgabe noch einmal. Und in der Tat: Im Wissen um die heute verkündete 260-Mio.-Euro-Runde darf man endgültig behaupten, dass N26 jetzt in einer besseren Ausgangslage ist als Revolut (ähnlich viel Funding, eine mindestens ebenso gute Traction, regulatorisch fundierter aufgestellt).

Fragt sich nur noch, was N26 jetzt mit dem Geld macht, zumal Gründer Valentin Stalf zuletzt ja sogar in Aussicht gestellt hatte, dass sein Fintech in diesem Jahr „profitabel“ werde.  Auch hierzu findet sich in der PM eine kesse Ankündigung:

„N26 nutzt das Investment für die globale Expansion, beginnend mit der Einführung ihrer App in den USA im ersten Halbjahr 2019. In den kommenden Jahren will das Unternehmen weltweit über 100 Millionen Kunden erreichen“

Wohlan.