Varengold Bank beteiligt sich an Kreditech

Von Caspar Schlenk (Gründerszene) und Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de)

Seit dem vergangenen Herbst steckt das Hamburger Scoring-Startup Kreditech in einer schweren Krise: Die Geschäftsführung berichtete von einer „ernsten finanziellen Situation“, die Bewertung stürzte innerhalb eines Jahres von 230 Millionen Euro ab – auf wenige Millionen, das berichteten damals Gründerszene und Finanz-Szene.de. Die Altgesellschafter, darunter der bekannte Medienkonzern Naspers und der Finanzinvestor JC Flowers, finanzierten Kreditech weiter.

Die Varengold Bank hat in den vergangenen Jahren für einige Schlagzeilen gesorgt: So ist sie beispielsweise in den Cum-Ex-Skandal verwickelt. San­jay Shah, einer der Drahtzieher der Steuerskandale, ist laut Süddeutsche Zeitung immer noch Miteigentümer der Bank. Auch die Staatsanwaltschaft München beschäftigt sich wegen der Cum-Ex-Skandale mit der Bank.

Hypo-Vereinsbank, ING Diba und Santander ziehen sich zurück. War’s das mit Paydirekt?

Von Heinz-Roger Dohms

War’s das mit Paydirekt? Wie „Finanz-Szene.de“ gestern Nachmittag zunächst exklusiv berichtete (inzwischen steht’s überall …), haben die Hypo-Vereinsbank, die ING Deutschland (geb. Diba), die deutsche Santander und weitere private Banken ihre Anteile an Paydirekt zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt. Offiziell ist davon die Rede, dass sich die ausstiegswilligen Institute an der komplexen Governance-Struktur des deutschen Paypal-Klons gestört hätten. In Wirklichkeit fehlt allerdings wohl eher die Bereitschaft, sich an der anstehenden Funding-Runde in mutmaßlich dreistelliger Millionenhöhe zu beteiligen.

Die Frage ist nun, was mit den Anteilen (zusammen geht es um 11,1%) passiert. Die naheliegendste Lösung wäre, dass Deutsche Bank und Commerzbank (die jeweils alleine 11,1% halten) den Stake gemeinsam übernehmen – denn nur so wäre die Drittel-Parität zwischen privaten Banken, Genosektor und Sparkassen weiterhin gewährleistet. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ gab es auch schon entsprechende Gespräche, die dann jedoch ins Stocken gerieten. Dem Vernehmen nach ist bei Deutscher Bank und Commerzbank der Ärger über die einstigen Mitstreiter groß. Schließlich galt Paydirekt bislang de facto als Gemeinschaftsprojekt der deutschen Kreditwirtschaft – nun bleiben die beiden Frankfurter Großbanken aufseiten der BdB-Banken plötzlich allein zurück (die übrigen 67% verteilen sich bekanntlich zum einen auf die genossenschaftliche DZ Bank und zum andern auf ein Sparkassen-Landesbanken-Konsortium).

ING Diba und weitere Banken kündigen Anteile an Paydirekt

Das Grundproblem: Im alltäglichen Geschäft kommt Paydirekt – eine Art Klon des US-Riesen Paypal – seit Jahren kaum vom Fleck. Ende Oktober hatte „Finanz-Szene.de“ das Geheimnis um die Nutzerzahlen des Banken-Startups gelüftet Demnach kam Paydirekt zum damaligen Zeitpunkt angeblich gerade mal auf rund 40.000 Bezahlvorgänge pro Monat. Zum Vergleich: Paypal gibt für Deutschland zwar keine Transaktionsdaten bekannt, kam jedoch weltweit in Q3 2018 auf 2,5 Mrd. Transaktionen. Auf Deutschland runtergebrochen ergeben sich hieraus bei grober Kalkulation 30 bis 35 Mio. Bezahlvorgänge pro Monat. Das wären etwa 800-mal so viele wie bei Paydirekt.

Schon 2017 hatte „Finanz-Szene.de“ über Pläne für eine große Kapitalerhöhung bei Paydirekt berichtet – damals war von bis zu 300 Mio. Euro die Rede. Anfang September 2018 positionierte sich der zuständige DZ-Bank-Vorstand Thomas Ulrich dann erstmals öffentlich zu dem Thema: Er gehe davon aus, dass die Finanzierung (auch wenn diese bei deutlich weniger als 300 Mio. Euro liege) bis Jahresende stehe. Dieser Ankündigung ist allerdings bis heute keine Vollzugsmeldung gefolgt, wohl auch, weil die HVB, die ING Diba und mehrere weitere Privatbanken sich querstellten, wie man nun weiß.

Nur 40.000 Transaktionen monatlich – was wird jetzt aus Paydirekt?

Manche in der Banken- und Payment-Branche sehen nun schon das Ende für Paydirekt kommen. Auszuschließen ist dies nicht. Als wahrscheinlicher darf aber ein Szenario gelten, wonach sich Deutsche Bank, Commerzbank, Sparkassen und DZ Bank letzten Endes doch zusammenraufen – und die nötige Kapitalerhöhung aus eigener Kraft stemmen. Denn: Ein Scheitern von Paydirekt wäre mit einem erheblichen Imageverlust verbunden (ein langjähriges Dahinsiechen freilich genauso …). Was immerhin als positives Zeichen gelten darf: Die meisten der ausstiegswilligen Banken wollen ihren Kunden offenbar weiterhin Paydirekt anbieten, auch wenn sie sich als Gesellschafter verabschieden.

Wirklich überraschend kommt der Rückzug der sogenannten Poolbanken (die sich so nennen, weil sie ihre Anteile an Paydirekt über ein gemeinsames Beteiligungs-Vehikel gepoolt haben) nicht. Die Hypo-Vereinsbank hatte sich zuletzt bereits aus mehreren Fintech-Engagements hierzulande zurückgezogen; bei der ING Diba war schon Ende 2017 eine erste zarte Distanzierung von Paydirekt zu beobachten. Damals kündigte nämlich Payconiq, eine Art Benelux-Variante von Paydirekt, den Gang nach Deutschland an. Gesellschafter auch dort: die ING.

Überhaupt fällt auf, dass es vor allem die Deutschland-Töchter großer ausländischer Banken sind, die sich nun bei Paydirekt zurückziehen. Dies könnte ein Zeichen sein, dass die Einheit der hiesigen Kreditwirtschaft den in letzter Konsequenz Verantwortlichen in Mailand (hier sitzt die HVB-Mutter Unicredit), Paris (Targobank-Mutter Crédit Mutuel), Santander und Amsterdam (Sitz der ING Groep) kein allzu wichtiges Anliegen ist.

Was die 1 Mrd. Euro Einlagen von N26 zu bedeuten haben

Von Heinz-Roger Dohms

Eine hochinteressante Zahl, die sich letzte Woche in der PR-Mitteilung von N26 fand, hatten wir glatt übersehen: „Kunden halten derzeit über 1 Mrd. Euro auf N26-Konten“, stand da.

Wenn die Zahl stimmt, lässt sich schlussfolgern, dass angesichts von insgesamt 2,3 Mio. Kunden der durchschnittliche Giro-Kunde rund 400-550 Euro bei N26 deponiert haben dürfte. Zur Einordnung: Das wären 1.) deutlich höhere Einlagen, als sie per Februar 2018 der britische Rivale Monzo verzeichnete (knapp 150 Pfund). Vor allem aber wären es 2.) ähnlich hohe Depositen, wie N26 sie per Ende 2016 selbst hatte (im Schnitt gut 500 Euro*).

Klar, das ist immer noch sehr viel weniger Geld, als auf den Girokonten „normaler“ Banken liegt. Aber: Wenn der Durchschnittsbetrag bei N26 heute trotz Kontenexplosion ähnlich hoch ist wie Ende 2016 – dann wäre das ein Indiz, dass das irre quantitative Wachstum nicht zwingend zulasten der Kundenqualität gegangen ist.

*Auf die „gut 500 Euro“ kommen wir, wenn indem wir die Zahl der Kunden per Ende 2016 (seinerzeit waren es schätzungsweise rund 250.000) durch die „täglich fälligen Einlagen“ in Höhe von damals laut Abschluss 129 Mio. Euro teilen. Zu 100% wollen wir uns für diese Zahlen zwar nicht verbürgen, weil damals unserer Erinnerung nach gerade die Migration der N26-Kunden von Wirecard auf die Systeme von N26 selber im Gange war: Trotzdem: So ungefähr sollten die hier skizzierten Größenordnungen stimmen. (Hintergrund: Mangels Banklizenz brauchte die damalige Number26 in den Anfangsjahren eine Partnerbank – und das war die Wirecard Bank, eine Tochter des gleichnamigen Zahlungsdienstleisters).

Kann es wirklich sein, dass N26 schon 2,3 Mio. Kunden hat?

Kann es wirklich sein, dass N26 schon 2,3 Mio. Kunden hat?

Von Heinz-Roger Dohms

Diverse besorgte Leser teilten uns in den letzten Tagen mit, dass das mit den 2,3 Mio. Kunden doch irgendwie gar nicht stimmen könne. Dazu dreierlei: 1.) Ja, die Zahl ist krass. 2.) Trotzdem ist sie aus unserer Sicht nicht völlig unplausibel, auch wenn 3.) in der Tat auffällt, dass N26 lange Zeit relativ moderat gewachsen ist, bevor dann 2018 plötzlich die Post abging (denn die Wachstumskurve ist schon seeeeehr exponentiell …)

Sorry nun erst einmal, dass wir zu doof sind, bei unserem Grafik-Tool die Beschriftung der x-Achse hinzukriegen. Ganz links müsste eigentlich „2015“ stehen und ganz rechts „2019“. Jedenfalls: Wir haben da jetzt nix gestaucht oder manipuliert oder so, sondern bloß aus den veröffentlichten Zahlen zehn ungefähre Datenpunkte generiert und dann unser widerspenstiges Tool gebeten, hieraus eine Kurve zu fertigen (d.h.: Die wirklich Kurve verläuft nicht exakt, aber fast so, wie hier dargestellt).

Besonders interessant sind die beiden letzten Datenpunkte. Ende November verkündete N26 zunächst via „TechCrunch“ und wenige Tage später auch im eigenen Blog, man sei bei 2 Mio. Kunden angelangt. In der am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung war dann von „mehr als 2,3 Mio. Kunden“ die Rede. Mithin muss N26 binnen sechs Wochen über 300.000 Kunden  gewonnen haben. Das deckt sich in etwa mit der Aussage von N26-Chef Valentin Stalf in einem Interview mit der „Welt“ vergangene Woche: „Derzeit gewinnen wir europaweit Tag für Tag mehr als 10.000 neue Kunden hinzu.“ (wir vermuten, er meint die Wochentage).

Die besorgten Leser verweisen nun auf einen bereits Anfang Januar erschienenen Artikel bei den Kollegen von „Gründerszene“. Die hatten mithilfe des Analysetools „Priori Data“ nämlich die Download-Zahlen von N26 und des britischen Rivalen Revolut verglichen.

Resultat:

  • Aus dem Apple-Store wurde die N26-App im Dezember rund 95.000-mal heruntergeladen
  • Die Android-App von N26 wurde 98.000-mal aus dem Google-Store gezogen

Soweit wir wissen, braucht der Kunde, um sich bei N26 anzumelden, zwingend die entsprechende App – selbst wenn er den Onboarding-Prozess vom Desktop aus begonnen hat. Doch selbst wenn die „Conversion Rate“ nun bei 100% läge (was sie natürlich nicht tut, selbst 60-70% wären extrem gut), könnte N26 den Priori-Daten zufolge rein logisch im Dezember nicht mehr als 193.000 Kunden gewonnen haben (nun gut, rein theoretisch kann man sich natürlich im September die App runterladen und trotzdem erst im Dezember Kunde werden. Aber so haarspalterisch sollen wir jetzt nicht werden, oder?).

Was nun aber entscheidend ist: Priori Data besitzt nicht die tatsächlichen Download-Zahlen von N26 (die besitzt nur N26 selber), sondern nähert sich den realen Werten auf Basis unterschiedlicher sozusagen externer Datenquellen. Es handelt sich also um Schätzungen. Unser Bauchgefühl sagt nun: Dass die Zahlen des Analysetools die wirklichen Zahlen dann doch ein gutes Stück verfehlen, dürfte wahrscheinlicher sein als die Annahme, dass N26 seine Zahlen massiv aufhübscht. Oder anders gewendet: Die relativen Aussagen, die sich aus den Priori-Daten ergeben (nämlich: extremes Wachstum, imposante Aufholjagd im Vergleich zu Revolut) stützen die Aussagen von N26 eher, als dass sie sie schwächen – selbst wenn Restzweifel bleiben mögen.

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