Der große Finleap-Venture-Check, dritter und letzter Teil

Von Heinz-Roger Dohms

War nicht noch irgendwas offen? Ach ja: Mitte November hatten wir unseren großen „Finleap-Venture-Check“ gestartet, Ende November folgte „Part II“, und dann … dann sollte Anfang Dezember eigentlich der dritte und finale Teil unserer Trilogie erscheinen. Doch stattdessen erschien: nichts. Nicht Anfang Dezember und auch nicht in den Wochen danach,weil irgendwie immer was dazwischen kam. Das Gute: Auch wenn in der „Finanz-Szene.de“-Redaktion ein heilloses Chaos herrscht – weg kommt nix! Und so haben wir heute also doch noch den letzten Teil des Paten … äh, quatsch, des großen „Finleap-Venture-Checks“ für Sie im Angebot. Darin u.a.: Ein Startup, das fast in Vergessenheit geraten ist. Ein Fintech, von dem man sich ein bisschen mehr erhofft hätte. Und das Portfoliounternehmen, von dem wir glauben, dass es der erste Finleap-Exit überhaupt werden könnte. Voilá:

Pair Finance

Das Inkasso-Fintech startete mit großen Ambitionen. Und erlebte bald darauf die ersten personellen Querelen. Vorzeige-Managerin Christine Kiefer (zuvor: Bain & Company, Goldman Sachs, Billpay) ging, Startup-Spezialist Stephan Stricker übernahm. Wenn nicht alles täuscht, dann scheint es nach dem ruckeligen ersten Jahr mittlerweile besser zu laufen. Von künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen etc. pp. ist zwar nicht mehr so häufig die Rede. Dafür gibt es inzwischen aber die ein oder andere handfeste Verlautbarung, darunter der Einstieg von Zalando (angeblich wollte der E-Commerce-Riese das Fintech sogar komplett übernehmen). Zudem hat das Startup nach eigenen Angaben immerhin schon mehr als 200 Kunden. Und: Schaut man auf das Finleap-Jobportal, dann gehört Pair Finance schon seit Monaten zu den Ventures, die am fleißigsten neue Mitarbeiter suchen (aktuell: 20 offene Stellen). Muss alles noch nicht so wahnsinnig viel heißen. Trotzdem als kleiner Mutmacher schon mal:

5-7 Congrats

Wie gut ist Finleap wirklich? Teil eins des großen Venture-Checks

Valendo

Auch bei Valendo – 2015 als „Online-Pfandleihhaus“ gestartet (nach dem Vorbild des britischen Anbieters „borro.com“) – soll es das ein oder andere Management-Thema gegeben haben. Das wird nicht nur im Umfeld von Finleap erzählt. Sondern dafür spricht auch, dass, wenn man „Valendo“ bei Northdata eingibt, sich in dem entsprechenden Eintrag der ein oder andere „Nicht mehr Geschäftsführer“ findet. Und sonst so? Hört man von dem Venture kaum etwas, ähnlich wie das bei Billfront der Fall ist. Angeblich hat es einen Pivot gegeben, hin zum Working-Capital-Fintech. Und dann wird die Geschichte erzählt, dass Valendo – dank überlegener Technologie – als einer der wenigen Kreditgeber sein Exposure bei Auctionata (einem Berliner Startup, das 2017 spektakulär pleiteging) rechtzeitig reduziert habe. Mag alles so gewesen sein. Überzeugt uns aber noch nicht wirklich, zumal sich bei LinkedIn kaum Mitarbeiter finden und Valendo auch in den Jobbörsen nicht gerade überrepräsentiert ist (während Pair Finance, wie gesagt, 20 Leute sucht, ist bei Valendo laut Finleap-Homepage nur eine einzige Stelle zu besetzen). Drum, mit aller Bereitschaft, uns irgendwann mal zu korrigieren:

2-4 Congrats

financeAds International

Ist insofern ein ungewöhnliches Finleap-Unternehmen, als es financeAds im Grunde schon viel länger gibt als Finleap. Genauer: Die Nürnberger financeAds GmbH & Co. KG war bereits Marktführer für Performance-basiertes Marketing im deutschsprachigen Raum, bevor die Franken dann 2015 gemeinsam mit Finleap die „financeAds International GmbH“ aufsetzten, um das eigene Geschäftsmodell über die DACH-Region hinaus zu treiben. Nach allem was man hört, ist diese Idee sehr gut aufgegangen. Der internationale Zweig von financeAds soll bereits profitabel sein, Gerüchten zufolge könnte dies sogar der erste richtige Exit des Berliner Fintech-Inkubators werden. Fazit: Bei einem Case, bei dem man nicht so wahnsinnig viel falsch machen konnte, hat Finleap offenbar viel richtig gemacht, auch wenn in dem Affiliate-Geschäftsmodell jetzt nicht die ganz, ganz große digitale Fantasie steckt.

7-9 Congrats

Infinitec Solutions

Schien das richtige Fintech zur richtigen Zeit zu sein. Denn als alle Welt (oder zumindest: die Finanzwelt) plötzlich davon zu reden begann, dass nach dem Retailbanking nun auch das Firmenkundengeschäft digitalisiert werde, da brachte Finleap in Gestalt von Infinitec Solutions das hierzu passende Startup auf den Markt (Geschäftsmodell: B2B-Plattform für Finanzlösungen rund ums KMU-Geschäft). Indes: Das ist nun auch schon wieder fast ein Jahr her. Und auch wenn mittlerweile die ersten Kunden an die Plattform angeschlossen sein sollen: Namen wurden bislang keine veröffentlicht, abgesehen vom Italo-Fintech Beesy, das allerdings (siehe unten) zur Finleap-Familie gehört. Woran hapert’s? Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ antichambrierten die Infintec-Leute lange und intensiv bei der Deutschen Bank. Zu einem Abschluss allerdings kam es trotz gegenseitiger Wertschätzung nicht, weil das größte Geldhaus des Landes im Geschäft mit großen Mittelständlern lieber auf eine eigene Lösung („Blueport“) und bei Geschäftskunden auf das entsprechende Tool der Postbank setzte. Vonseiten Infinitecs heißt es: „Wir sprechen mit mehreren europäischen Banken und Partnern.“ Daher, mit ein wenig Goodwill:

4-5 Congrats 

Der große Finleap-Venture-Check, Teil II

Element

Ist als Insurtech nicht ganz unsere Baustelle, weil wir uns ja eigentlich mehr für Banken und Banken-Fintechs interessieren. Was lässt sich trotzdem sagen? Die Versicherungsbranche wird uns als „eher langsam drehend“ beschrieben, zudem als herausfordernd in dem Sinne, dass die niedrig hängenden Früchte schon von Playern gepflückt werden, die im Zuge der ersten Internetwelle auf den Markt kamen (Check24 …). Bezogen auf Element heißt das, dass es für eine umfassende Beurteilung vermutlich eh noch zu früh ist. Was freilich nicht verschwiegen werden soll: 1.) Element hat zum Start 2017 gleich mal eine zweistellige Millionensumme eingesammelt. Und 2.) Vor wenigen Wochen kamen in der Serie-A-Runde weitere 29 Mio. Euro hinzu, u.a. von der Signal Iduna und der japanischen SBI Investment. Das sind immerhin schon mal Indizien, dass Finleap mit Element so falsch nicht unterwegs sein kann – denn solch üppige Frühphasen-Fundings sind hierzulande keinesfalls die Regel. Drum, leicht ahnungslose …

6-7 Congrats

Fintech Solutions/Perseus/Beesy

  • Fintech Solutions ist ein Joint Venture von Finleap und der DVAG
  • Perseus ist ein Cyber-Security-Startup
  • Beesy ist ein erst kürzlich gegründetes Italo-Spin-Off von Infinitec

In allen drei Fällen wollen wir uns auf das Recht zur Zeugnisverweigerung berufen, im ersten Fall, weil man von außen in so ein JV kaum hineingucken kann, im zweiten, weil wir von Cyber Security noch viel, viel weniger Ahnung haben als von Insurtech, und im dritten Fall ist es für eine seriöse (und sogar für eine unseriöse) Bewertung noch zu früh. Wer erst in der 82. Minute eingewechselt wird, kriegt vom „Kicker“ ja auch keine Note.