Erträge, Kosten, Cashburn – wir enthüllen die N26-Zahlen!

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Caspar Schlenk, Gründerszene

Wie gut ist N26 wirklich? Wie hoch sind zum Beispiel die Provisionserträge, wie hoch die Zinseinnahmen? Wo kommen diese Erlöse her, wie viel Cash wird verbrannt, wie viele Einlagen verwaltet? Wieviel Umsatz macht die Berliner Challenger-Bank pro Kunde, und was kostet im Gegenzug deren Akquise? … Um es kurz zu machen: Auf keine dieser Fragen, die jeden deutschen Banker eigentlich brennend interessieren müssten, gab es bislang eine Antwort.

Nun jedoch ist der informelle Recherche-Pool aus „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ auf den ersten vollumfänglichen Konzernbericht von N26 gestoßen. Und in dem steht nun wirklich (fast) alles drin, was man wissen will, bislang aber nicht wusste. Eine Einschränkung müssen wir machen: Die Zahlen stammen aus 2017, sind also schon ein Jahr alt. Das ist aber nicht wirklich dramatisch. Denn es sind immerhin die Zahlen, auf deren Basis große Investoren wie die Allianz 0der Tencent im vergangenen März 130 Mio. Euro in N26 gepumpt haben (bevor es kürzlich zur einer weiteren Funding-Runde in Höhe von 260 Mio. Euro gekommen ist)

Lesen Sie also hier, weltexklusiv (mindestens): Die acht wichtigsten Erkenntnisse aus dem ersten Konzernabschluss der N26-Gruppe:

1.) N26 erwirtschaftet tatsächlich schon Erträge, aber (noch) nicht so wahnsinnig hohe

Insgesamt kam N26 in 2017 auf Erträge in Höhe von 11,24 Mio. Euro – wobei der größte Teil auf Provisionseinnahmen entfiel (10,02 Mio. Euro). Das wirkt erst einmal mickrig, entspricht aber im Vergleich zu 2016, wenn man sich mal nur auf die Provisionserlöse kapriziert, einer Steigerung von rund 2000 Prozent. Und noch eine Rechnung, die das Ganze hoffentlich ein bisschen fassbarer macht: Vulgärmathematisch gerechnet dürfte N26 im Jahresdurchschnitt 2017 etwa 450.0000 Kunden gehabt haben (leider findet sich hierzu keine Angabe im Abschluss, aber man kann sich diese Zahl aus alten Pressemitteilungen so ungefähr herleiten). Damit kommt man auf Erträge pro Kunde irgendwo zwischen 20 und 25 Euro. Das ist aus unserer Sicht gar nicht mal so übel, auch wenn manche etablierte Bank allein über die Kontogebühren 120 Euro jährlich beim Normalkunden klarmacht.

2.) Der Cashburn ist weiterhin verdaulich

Gemessen am brutalen Wachstumskurs blieb der Cashburn weiterhin im Rahmen. Unterm Strich stand ein Jahresfehlbetrag von 32 Mio. Euro (hinzu kommen noch 24 Mio. Euro Verluste, in den Gründungsjahren alles in allem aufgelaufen waren). Das klingt sehr verkraftbar, wenn man bedenkt, dass N26 zuletzt bei Investoren binnen zehn Monaten fast 400 Mio. Euro eingesammelt hat.

Hinweis: Wir hatten vor rund einem Jahr mal wild gemutmaßt, dass N26 in den Aufbaujahren rund 20 Mio. Euro verbrannt habe. Nun weiß man also, dass es 24 Mio. Euro waren.

3.) Die Kundenakquise-Kosten sind brutal niedrig

Laut unseren Berechnungen gewann N26 im  vorletzten Jahr ungefähr 400.000 Neukunden (netto). Die Marketingkosten beliefen sich laut Geschäftsbericht auf 7,99 Mio Mio – das sind runtergerechnet auf den einzelnen Kunden 20 Euro. Von solchen Akquisekosten können etablierte Banken (die ja teilweise sogar mit 100 Euro Cash-Prämien winken) nur träumen.

4.) Die Verifizierung eines Kunden kostet 4,50 Euro

Und jetzt mal was für die Feinschmecker: Was ist laut N26-Konzernbericht der wichtigste KPI? Dieser hier: „Burn Rate: Operatives Ergebnis abzüglich Onboarding-Kosten für neue Kunden.“ Was nun wiederum die Onboarding-Kosten angeht, werden die Kosten für die Verifizierung (die ja ein wesentlicher Bestandteil des Onboardings ist) sogar exakt quantifiziert: 1,93 Mio. Euro fielen hierfür an. Macht bezogen auf unsere 400.000 Neukunden 4,83 Euro pro Kunde. Da  man ja aber korrekterweise bei den Neukunden nicht mit der Netto- sondern mit der Bruttozahl rechnen müsste (die wir aber nicht kennen), runden wir einfach mal aus dem Bauch raus auf 4,50 Euro ab.

5.) Der Durchschnittskunde vertraut N26 knapp 600 Euro an

Per 31. Dezember 2017 verwaltete N26 täglich fällige Kundeneinlagen in Höhe von 411,8  Mio. Euro. Bezogen auf schätzungsweise 700.000 Kunden waren das im Schnitt exakt 588 Euro. Zum Vergleich: Beim britischen Rivalen Monzo waren es per Februar 2018 nur knapp 150 Pfund.

6.) Trotzdem ist N26 noch lange keine Retailbank im umfassenden Sinne des Wortes

Das klassische Geschäft einer Retailbank, also das mit Krediten, wird von N26 bislang nur sehr, sehr rudimentär betrieben. So summierten sich die Kredite an Endkunden per Ende 2017 gerade mal auf fast schon lächerliche 9,57 Mio. Euro – also nicht mal 14 Euro pro Kunde (offenbar ging es hier um ein bisschen Dispo bzw. Überziehung). Folgerichtig bestand die Aktivseite in erster Linie aus „Treasury“ (Schuldverschreibungen, andere festverzinsliche Wertpapiere, Bankeinlagen, Kommunaldarlehen).

7.) Die Erträge kommen aus Zahlungsverkehr und Kartengeschäft

Die wichtigste Ertragsquelle ist das Payment-Geschäft. Quantifiziert wird das Ganze zwar nicht, aber an einer Stelle im Konzernbericht heißt es: „Wesentlicher Treiber für den […] Provisionsüberschuss […] waren […] die Erbringungen von Zahlungsverkehrs-Dienstleistungen und das Kartengeschäft.“

8.) Die regionale Expansion  hat Vorrang vor der Ausweitung des Angebots

Per Ende 2017 war N26 schon in 17 Ländern aktiv – bot aber nur in jeweils maximal zwei dieser Länder bereits Kredit- bzw. Investmentprodute an. Klarer Fall: Das Berliner Fintech will zuächst mit seinen Kernangeboten in möglichst viele Märkte vorstoßen und erst dann peu à peu die Produktpalette vertiefen.

Exklusiv: Die Geschichte eines deutschen Fintechs, das zehn Jahre auf den Durchbruch warten musste

Von Heinz-Roger Dohms

Finanz-Szene.de: Herr Rupprecht, ihr Unternehmen, das Frankfurter Fintech Traxpay, hat nach unseren Informationen einen ziemlich fetten Deal gelandet. Sie haben den Einzelhandels-Riesen Edeka als Kunden gewonnen. Das ist richtig, oder?

Markus Rupprecht: Fast. Es gibt neben der deutschlandweit tätigen Zentraleinheit ja auch noch die Edeka-Regionalgesellschaften. Unser Kunde ist aber erst einmal die Edeka-Zentrale …

Naja, trotzdem fett. Nun muss man aber dazu sagen, dass Traxpay, wenn wir das richtig verfolgt haben, bis auf Edeka noch nie einen größeren Kunden akquiriert hat. Und das, obwohl Ihr Unternehmen schon 2009 gegründet wurde.

Rupprecht: Da möchte ich widersprechen. Was richtig ist: Es gibt die „alte Traxpay“, die im B2B-Payment tätig war – und Kunden wie EOS oder Flightright hatte, also durchaus bekannte Namen. Leider sind wir nicht so schnell gewachsen, wie es für ein Startup nötig ist. Darum haben wir 2016 unser Geschäftsmodell gedreht und eigentlich nochmal ganz von vorn angefangen. Seitdem haben wir durchaus wieder ein paar kleinere B2B-Kunden gewonnen. Aber, und da haben Sie Recht: Keinen aus der Gewichtsklasse, in der Edeka spielt.

Ohne Sie jetzt provozieren zu wollen: Für uns klingt das so, als hätten Sie zehn Jahre auf den Durchbruch warten müssen …

Rupprecht: Man kann es aber auch andersrum drehen: Die „neue Traxpay“ gibt es gerade mal gut zwei Jahre. Und schon erfährt unser Business Case dank Edeka eine Beschleunigung, wie sie für ein junges Finanz-Startup sehr ungewöhnlich ist! Auch wenn Sie jetzt sagen, wir seien ja kein junges, sondern ein altes Fintech …

Bevor wir zur „neuen Traxpay“ kommen und zu der Frage, wie ihr neues Geschäftsmodell seit dem Pivot überhaupt aussieht – können Sie uns erst nochmal ein bisschen was zur „alten Traxpay“ erzählen und zu der Frage, warum der Pivot überhaupt nötig wurde?

Rupprecht: Gern. Wo soll ich anfangen?

Ruhig mal damit, wo Sie selber beruflich herkommen …

Rupprecht: Okay. Von Haus aus bin ich Banker, ich habe rund zehn Jahre lang in der Deutschen Bank gearbeitet, zunächst als Kreditanalyst. Als ich keine Bilanzen mehr gliedern wollte, bin ich 1997 in den Zahlungsverkehr gewechselt, also lange, bevor das Thema sexy wurde. Dann kam die New Economy, und ich habe innerhalb der Deutschen Bank eine Abteilung aufgebaut, die große Kunden in Sachen e-Business beraten hat. Das war ein sehr fruchtbares, höchst profitables Geschäft damals.

Ernsthaft?

Rupprecht: Ernsthaft. Die Abteilung sollte dann aber verkauft werden, und so bin ich 2001 ausgestiegen. Danach habe ich erstmal ein Sabbatical in einem chinesischen Kloster gemacht, war danach ein paar Jahre als Berater tätig, bevor ich 2009 Traxpay gegründet habe.

Mit welcher Geschäftsidee?

Rupprecht: Wie gut kennen Sie sich im Corporate Banking aus?

Geht so.

Rupprecht: Also, wenn ein Unternehmen eine Überweisung tätigt, dann muss es den Zweck der Überweisung in das Betreff-Feld eintragen. Das ist nicht anders als beim Privatkunden, nur dass der Privatkunde mit dem Platz in der Betreff-Zeile normalerweise locker hinkommt. Er trägt dann halt so was ein wie „Miete Juli 2018“, und alles ist gut. Wenn aber ein großer Kunde Geld an einen Zulieferer überweist, dann geht es nicht nur um eine Rechnung, sondern es geht dann gerne mal um hunderte Rechnungen, die mit dieser einen Überweisung beglichen werden – und da sind dann auch strittige Rechnungen darunter, bei denen der Kunde zum Beispiel erst mal 20% abzieht, weil er irgendwelche Reklamationen hatte oder so. Hinter einer Überweisung verbergen sich also unzählige Informationen, die aber natürlich nicht alle in ein Betreff-Feld von 140 Zeichen passen. Sondern: Da braucht es dann parallel eine manuelle Nachbearbeitung, die irre Prozesskosten verursacht.

Und Sie wollten ein Tool entwickeln, mit dem sich diese Informationen sozusagen über die Überweisung abbilden lassen?

Rupprecht: So ungefähr, ja. Damit war ich sogar schon sehr weit. Die Idee hat dann das Interesse von SAP gefunden. Der damalige CEO hat gesagt: „Okay, eine Rechnung ad-hoc zu finanzieren, lohnt sich nicht, wenn die dafür notwendige Zuordnung der einzelnen Rechnungsposten 30 bis 80 Euro Arbeitsaufwand kostet. Wenn es nun aber gelingt, diese Zuordnung zu automatisieren, dann ist das ja fast eine Revolution.“ Jedenfalls: Ich durfte die Idee dann bei verschiedenen großen Kunden von SAP vorstellen, und auch da war das Interesse an so einer Lösung beträchtlich.

Danach muss aber irgendwas schiefgelaufen sein, und zwar gewaltig. Sonst wäre ja nicht irgendwann der Pivot nötig gewesen …

Rupprecht: Es passierte, was halt oft bei Startups passiert – es kam anders als erwartet. Ich habe mit SAP über einen Einstieg bei Traxpay verhandelt, hatte aber ein bisschen Angst, dass so ein großer Konzern einen plattmacht, wenn er einmal drin ist – das war lange bevor deutsche Konzerne eigene Startup-Programme, Acceleratoren und Incubatoren hatten. Es gab dann die Idee, parallel einen Risikokapitalgeber mit reinzuholen, um das besser auszutarieren. Auch das hat sich aber zerschlagen.

Das klingt jetzt nach: Sie wollten es ohne SAP alleine durchziehen – und sind dabei dann gescheitert.

Rupprecht: Naja, zumindest hatte ich gedacht, dass sich die Unternehmen für mein Produkt auch ohne einen Intermediär wie SAP interessieren würden. Diese Annahme hat sich aber als ein bisschen naiv erwiesen, das muss ich rückblickend einräumen. Die Türen, die sich zwischenzeitlich geöffnet hatten, waren dann erst einmal wieder zu.  Das war ja damals auch alles, bevor der Begriff „Fintech“ überhaupt existierte.

Anfang 2012 ist stattdessen der Münchner Venture-Capital-Spezialist Earlybird bei Traxpay eingestiegen. Bald darauf, das ist ebenfalls dokumentiert, hieß der CEO dann plötzlich nicht mehr Rupprecht, sondern das war dann irgendein Amerikaner. Und 2014 sind Sie dann dem Handelsregister zufolge komplett bei Traxpay ausgeschieden.

Rupprecht: Um diese ganze Phase in zwei, drei Sätze zu packen: Die Idee von VC-Seite war es, die Führung des Unternehmens einem externen Manager anzuvertrauen. Ich sollte mich stattdessen aufs Produkt konzentrieren.  Das hat in diese Kombination aber nicht wirklich funktioniert. Also habe ich für mich die Konsequenz gezogen und Traxpay verlassen.

Es gab dann eine Phase, in der das Unternehmen medial durchaus präsent war. Ende 2014 gab es eine Meldung, dass Traxpay von durchweg renommierten Investoren – darunter die Commerzbank – umgerechnet 15 Mio. Dollar Funding erhalten habe. Ein Jahr später wurde ihr Nachfolger dann vom „European CEO Magazine“ sogar zum „Best CEO in the Financial Technology Industry 2015“ gewählt …

Rupprecht: Wenn Sie das so recherchiert haben, wird es so gewesen sein. Ist halt immer die Frage, was solche Auszeichnungen im wirklichen Geschäft wert sind …

Tatsächlich scheint uns die Erfolgsstory, die damals erzählt wurde, nicht ganz deckungsgleich mit der Realität zu sein. Denn: 2017 gab es, auch das ist öffentlich dokumentiert, einen ziemlichen Wash-out auf Investorenseite – also eine Finanzierungsrunde, bei der die Altgesellschafter weitgehend verwässert wurden. Die Mehrheit lag nun bei Family Offices, deren Namen wir ehrlich gesagt noch nie gehört haben. Und Ende 2016 waren Sie dann plötzlich wieder CEO.

Rupprecht: Hier sind wir jetzt bei dem Pivot, der letzten Endes zum Turnaround führte. Traxpay hat damals mit Jochen Siegert als COO und Thomas Fuhrmann als CTO sehr gute Manager für das operative Geschäft gewonnen. In Siegfried Heimgärtner, dem früheren Skrill-CEO, gab es auch einen hervorragenden Aufsichtsratsvorsitzenden für den Wandel. In dieser Konstellation habe ich mich dann überzeugen lassen, auf den CEO-Posten zurückzukehren und gemeinsam mit dem Team einen Neustart zu wagen. Lassen Sie es mich so sagen: In der Berliner Startup-Szene hätte man die Firma pleitegehen lassen und wäre mit der neuen Idee einfach frisch gestartet. Im B2B-Bankenbereich, wo es sehr viel auf Vertrauen ankommt, war das keine Option. Stattdessen ist das Unternehmen während des Pivots durch eine schwierige Phase gegangen. Und die Family Offices waren Geldgeber, die ans uns und unser neues Thema geglaubt haben – und so gab es 2017 trotz der angespannten Lage noch einmal eine Finanzierungsrunde, die dann zum von Ihnen angesprochenen Wash-out geführt hat.

Kommen wir zu ihrem neuen Thema: Im Oktober haben wir bei „Finanz-Szene.de“ einen Artikel gemacht, der „Das ultimative Lehrstück über die Schlacht zwischen Banken und Fintechs“ hieß. In dem Stück ging es um die Pläne der Deutschen Bank, einen internationalen Marktplatz für Handelsforderungen zu gründen. Und dann haben wir gegengeschnitten, welche Fintechs es schon gibt in dem Bereich und was die machen.

Rupprecht: Habe ich gelesen

In dem Stück kam am Rande auch Traxpay vor. Denn: Ihr Unternehmen stellt heute nicht mehr nur die Informationen zur Verfügung, die es für die Vorfinanzierung einer Rechnung braucht – das war ja Ihre ursprüngliche Idee 2009. Sondern: Sie sind jetzt eine sogenannte „Supply Chain Factoring“-Plattform. Das heißt: Über Traxpay soll jetzt die gesamte Abwicklung der Finanzierung laufen – was Sie jetzt plötzlich für einen Riesen wie Edeka interessant macht.

Rupprecht: Richtig. Traxpay versteht sich als übergreifende Plattform, die sowohl den Abnehmern als auch den Lieferanten sämtliche gängigen Formen der Rechnungsfinanzierung zur Verfügung stellen will.

Vorreiter in dem Beritt ist allerdings nicht Traxpay, sondern das sind das von Deutschen gegründete US-Fintech Taulia und ein weiterer US-Player mit starkem Deutschland-Bezug, nämlich C2FO mit dem dahinter stehenden Großinvestor Allianz. Und dann gibt es hierzulande ja auch noch ein Fintech wie CRX Markets, das auch schon den ein oder anderen prominenten Kunden vorweisen kann. Und bei einem weiteren Traxpay-Wettbewerber, nämlich Trustbills, stehen die DZ Bank und die Deutsche Bank dahinter. Was unterscheidet Ihren Ansatz von dem der Wettbewerber? Denn: Im Grunde geht es Ihnen doch allen um die – ultraneudeutsch ausgedrückt – Platformication des Factoring-Geschäfts.

Rupprecht: Für Außenstehende liegen die Unterschiede tatsächlich in den Details. Komme ich als Plattform eher über den Lieferanten, der eine offene Forderung gegenüber seinem Kunden hat? Oder gehe ich über den Kunden, der bereit ist, diese Forderung zu begleichen, wenn der Lieferant ihm entgegenkommt? Das sind so Punkte, aus denen sich dann die unterschiedlichen Modelle ableiten. Eines allerdings ist den meisten Plattformen gemein: Sie wollen die Bank als Intermediär ersetzen. Und hier ist unser Ansatz ist ein etwas anderer: Wir nehmen den Weg über die Banken. Sie sind unsere Kooperationspartner.

Wobei es bislang erst ein einzige Bank gibt, die mit Ihnen kooperiert, nämlich die  NordLB.

Rupprecht: Nein, es gibt noch weitere, und zwar auch große wie z.B. die LBBW – auch wenn das noch nicht öffentlich kommuniziert wurde. Aktuell stehen wir sogar kurz vor dem Abschluss unserer ersten internationalen Kooperation. Was aber stimmt: Unser erster Bankpartner war die NordLB

Und welche Rolle spielt eine Bank wie die NordLB dann konkret in Ihrem Modell?

Rupprecht: Sie ist, wie die anderen Banken auch, unser Produktgeber und Vertriebspartner, der uns zum Beispiel bei Edeka den Weg in den Pitch geebnet und dort natürlich das notwendige Vertrauen aufgebaut hat.

Das heißt, die NordLB macht für Sie den Vertrieb, und Sie machen jetzt das Geschäft …

Rupprecht: So ist es natürlich nicht, ganz im Gegenteil: Zum einen festigt die Bank über die Kooperation mit uns die Beziehung zu ihren Kunden statt – wie es bei anderen Plattformen der Fall ist – im Working-Capital-Geschäft marginalisiert zu werden. Zweitens teilen wir mit den Banken nach Zustimmung unserer Kunden sämtliche Informationen, die wir bei den Finanzierungen sammeln – was für die Banken sehr wertvoll ist. Und drittens machen wir selbstverständlich einen Revenue-Share. Und diese Provisionserlöse, das können Sie mir glauben, sind in diesen Zeiten für Banken extrem interessant.

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22/02/19: Wirecard rudert zurück, Ein Lob der Coba!, Ärger für die DZ Bank

Huch: Wirecard rudert im Streit mit der „Financial Times“ offenbar ein Stück zurück

Mmhh, hatte es vor zwei Wochen nicht geheißen, Wirecard gehe „rechtlich gegen (die) FT und (ihre) unethische Berichterstattung vor„. Und nun? In einem Interview, dass Vorstandschef Markus Braun der „FAZ“ gegeben hat, liest sich das heute Morgen dann doch ein wenig anders. Frage der Kollegen: „Gehen Sie gerichtlich gegen die ‚Financial Times‘ vor […]?“ – Antwort Markus Braun: „Wir prüfen, ob die Form der Berichterstattung angemessen war, gerade im Hinblick darauf, wie wir gegen die Verleumdung von Mitarbeitern vorgehen können.“ – Man prüft bloß? – Und auch das „Nichts an dem heute veröffentlichten Artikel ist wahr“-Diktum (es war bezogen auf den dritten der drei inkriminierenden „FT“-Berichte …) wird in dem Interview heute Morgen zumindest nicht explizit wiederholt. Stattdessen sagt Braun an einer Stelle: „Wir müssen untersuchen, ob die Darstellung in den Artikeln stark übertrieben war.“ Das kommt jetzt doch überraschend! Oder vielleicht ja auch nicht … FAZ (Paywall)

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Die Geschichte eines deutschen Fintechs, das zehn Jahre auf den Durchbruch warten musste

Wenn Sie heute Morgen ein bisschen zu „Fintech“ rumgoogeln – dann werden Sie womöglich auf die Nachricht stoßen, dass das Frankfurter Fintech Traxpay den Handelsriesen Edeka als Kunden gewonnen hat. Frage: Dürfen wir Ihnen die Story hinter der Meldung näherbringen? Die ist nämlich bemerkenswert, finden wir. Sie erzählt eine Menge über das Fintech-Phänomen im Allgemeinen und den Fintech-Standort Deutschland im Besonderen. In der Nuss-Schalen-Version: Traxpay wurde 2009 gegründet. Hatte eine gute Idee. Fand den perfekten Partner. Verlor ihn. Irgendwann ging der Gründer. Der neue CEO wurde „CEO of the year“. Aber das war nur Make-up. Das Unternehmen stand vor dem Aus, musste gerettet werden, legte einen wilden Pivot hin, der Gründer kam zurück. Und nun, zehn Jahre nach dem Start? Sieht es so aus, als habe Traxpay unvermittelt doch noch den Durchbruch geschafft. Hier die ganze Geschichte: Finanz-Szene.de

News

Gleich nochmal Wirecard: Die Bafin hat in einem Gespräch mit der „Zeit“ eine, wie soll man sagen?, sehr griffige Begründung dafür gegeben, dass Leerverkäufe der Wirecard-Aktie seit Beginn dieser Woche verboten sind. Und zwar: „Es wurden Nachrichten, deren Wahrheitsgehalt nicht geklärt ist, in den Wert der Aktie eingepreist, als seien sie wahr.“ Heißt das, dass die Finanzaufsicht zu einzelnen Dax-Werten jetzt Fundamentalanalysen anfertigt, um herauszufinden, auf welchem Kursniveau Nachrichten mit unklarem Wahrheitsgehalt angemessen eingepreist sind und auf welchem nicht? Wäre unter sozialen Gesichtspunkten eine hervorragende Idee. Dann können die ganzen Sell-Side-Analysten, die wegen Mifid II arbeitslos werden, ja einfach bei der Bafin anheuern. Die Zeit

Vermutlich haben Sie die Geschichte, dass die Deutsche Bank ein 2007 erworbenes US-Muni-Bonds-Paket 2016 mit einem Verlust von 1,6 Mrd. Dollar verkauft hat, gestern schon irgendwo gelesen. Dann bleibt uns ja nur noch übrig, Sie zu fragen: Völlig irre, das alles, oder? Andererseits: Irgendwo müssen die herben Verluste, die das größte Geldhaus der Republik über die Jahre angehäuft hat, ja herkommen. Dank solcher Artikel wird’s wenigstens mal greifbar: 1,6 Mrd. Dollar mit Kommunalanleihen – warum nicht?! Wall Street Journal (Paywall), Süddeutsche

Exklusiv – DZ Bank erleidet Schlappe vor Gericht: Das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken muss den ehemaligen Minderheitsaktionären der Tochter DVB nach dem Squeeze-out statt der offerierten 22,60 Euro je Aktie jetzt plötzlich 29,87 Euro je Aktie bezahlen. Das hat das Landgericht Frankfurt entschieden, wie „Finanz-Szene.de“ in Erfahrung gebracht hat. Zwar sollte die finanzielle Mehrbelastung (wir vermuten: ein einstelliger Millionenbetrag) zu verkraften sein – ärgerlich allerdings ist das Ganze trotzdem, zumal man sich in der DZ Bank eigentlich sicher war, die Minderheitsaktionäre angemessen und rechtmäßig entschädigt zu haben. „Wir prüfen die Einlegung von Rechtsmitteln“, sagte ein Sprecher.

Dürfen wir noch mal auf das 30-Mio.-Euro-Funding für das Berliner Finanz-Startup Mambu von Anfang der Woche zu sprechen kommen? Weil: Wir hatten das Thema aus Zeitmangel wirklich sehr, sehr klein gefahren. Und zu unserer Verwunderung haben es die – in Sachen Fintech ansonsten ja durchaus interessierten – großen Wirtschaftsmedien sogar komplett links liegen lassen. Drum, eine nachtägliche Würdigung: 1.) Ja, bei 30 Mio. Euro wird inzwischen nur noch gegähnt. 2.) Aber Mambu ist ja reinstes B2B – darum haben wir es hier (wenn man die Solarisbank mal ausklammert) mit der höchsten Finanzierung zu tun, die ein deutsches B2B-Fintech je erhalten hat. 3.) Da wir uns mit Mambu nie beschäftigt haben, können wir zum Geschäftsmodell nix sagen. Aber: Wer „Irgendwas mit Back-end“ macht und dafür diese Summe einstreicht, wird so verkehrt nicht unterwegs sein. Fazit: ein Fintech, dass man sich vermutlich merken sollte.

Und vielleicht sollte man dann auch erwähnen, dass die Commerzbank bei beiden deutschen (bzw. semideutschen) Fintechs, die diese Woche dick gefunded haben (nämlich Iwoca und eben Mambu) schon sehr frühzeitig investiert war – ein Hinweis, den Sie durchaus selbstkritisch verstehen dürfen. Denn wenn wir uns recht erinnern, hatte unsere Berichterstattung in den vergangenen Monaten zwei-, dreimal die Tendenz, alles ganz, ganz toll und hellsichtig zu finden, was eine ING, eine Allianz, eine Aegon oder eine BBVA im Fintech-Bereich so machen, um dann gegenzuschneiden, dass die deutschen Banken irgendwie nix gebacken kriegen in dem Beritt. Die Beispiele Mambu und Iwoca stützen, gelinde gesagt, unsere ach so tolle These nicht unbedingt.

Kurzmeldungen: Die deutsche Zertifikate-Branche hat ihr Volumen 2018 mit 63,0 Mrd. Euro weitgehend stabil gehalten, wobei zwei Drittel des Geschäfts auf Sparkassen und Genosektor entfielen (DDV-Statistik/PDF, BÖZ/Paywall) +++ Die Commerzbank hat testweise gemeinsam mit Siemens und Continental eine Blockchain-basierte Commercial-Paper-Transaktion erfolgreich abgewickelt (Pressemitteilung) +++ Die Hamburg Commercial Bank (also die Ex-HSH) hat das Geschäftsjahr 2018 mit einem kleinen Vorsteuergewinn abgeschlossen (Welt) +++ Apple und Goldman Sachs wollen eine gemeinsame Kreditkarte rausbringen (Quartz)

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Beschränkt sich Digitalisierung allein auf die Technik? Sicher nicht! Agilität, KI und Blockchain werden die Transformation der Finanzdienstleister bestimmen – genauso aber Kreativität und ein Kulturwandel in den Organisationen. Mehr dazu auf der Konferenz „Finanzdienstleister der nächsten Generation“ mit spannenden Vorträgen, Workshops und „FinTechs on Stage“. www.fs-verlag.de/fdl

Linktipps

Die große Fintech-Geschichte in „Capital“ aus dem Herbst ist jetzt online frei verfügbar: Wer sie noch nicht gelesen hat … Capital

Swift hat sein „Know your customer“-Register für Unternehmen geöffnet. Warum das auch für (Korrespondenz-)Banken eine gute Nachricht sein kann: IT-Finanzmagazin 

Wir sollen Ihnen, bitteschön, nicht mehr mit Bitcoin kommen? Jetzt seien Sie doch nicht so engstirnig! Sondern schauen einfach mal, was der Blogger-Kollege Friedemann Brenneis zum „Lightning Network Trust Chain“-Projekt zu sagen hat: coinspondent.de

Diese Banken befeuern die Fintech-Revolution: Ein Porträt (nicht nur hierzulande) unbekannter US-Finanzinstitute, die den Whitelabel-Kram für die Squares, Stripes, Robinhoods usw. machen: CNBC

Klickfavoriten

… waren gestern quasi gleichauf die überraschenden Erkenntnisse zur Gewinnkraft der deutschen Kreditwirtschaft (Finanz-Szene.de) und das,  nun ja, noch ausbaufähige Wachstum des Deutsche-Bank-Robos „Robin“ (Finanz-Szene.de). Die Vertragsverlängerung des Fußballspielers Alexander Heinze brachte es übrigens auf >300 Klicks. Und um die vielen, vielen Leser-Mails in der „Causa Heinze“ zu beantworten: Nein, der junge Mann hat nichts mit Banking und Fintech zu tun. Es gibt allerdings ein paar Menschen da draußen, für die das trotzdem die News des Monats war. Darunter einer, der Ihnen hiermit ein schönes Wochenende wünscht! Bis Dienstag, herzlichst, Heinz-Roger Dohms

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22/02/19: Die irre Traxpay-Story, Wirecard rudert zurück, Bitwala: Naja …

Die Geschichte eines deutschen Fintechs, das zehn Jahre auf den Durchbruch warten musste

Wenn Sie heute Morgen ein bisschen zu „Fintech“ rumgoogeln – dann werden Sie womöglich auf die Nachricht stoßen, dass das Frankfurter Fintech Traxpay den Handelsriesen Edeka als Kunden gewonnen hat. Frage: Dürfen wir Ihnen die Story hinter der Meldung näherbringen? Die ist nämlich bemerkenswert, finden wir. Sie erzählt eine Menge über das Fintech-Phänomen im Allgemeinen und den Fintech-Standort Deutschland im Besonderen. In der Nuss-Schalen-Version: Traxpay wurde 2009 gegründet. Hatte eine gute Idee. Fand den perfekten Partner. Verlor ihn. Irgendwann ging der Gründer. Der neue CEO wurde „CEO of the year“. Aber das war nur Make-up. Das Unternehmen stand vor dem Aus, musste gerettet werden, legte einen wilden Pivot hin, der Gründer kam zurück. Und nun, zehn Jahre nach dem Start? Sieht es so aus, als habe Traxpay unvermittelt doch noch den Durchbruch geschafft. Hier die ganze Geschichte: Finanz-Szene.de

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Huch: Wirecard rudert im Streit mit der „Financial Times“ offenbar ein Stück zurück

Mmhh, hatte es vor zwei Wochen nicht geheißen, Wirecard gehe „rechtlich gegen (die) FT und (ihre) unethische Berichterstattung vor„. Und nun? In einem Interview, dass Vorstandschef Markus Braun der „FAZ“ gegeben hat, liest sich das heute Morgen dann doch ein wenig anders. Frage der Kollegen: „Gehen Sie gerichtlich gegen die ‚Financial Times‘ vor […]?“ – Antwort Markus Braun: „Wir prüfen, ob die Form der Berichterstattung angemessen war, gerade im Hinblick darauf, wie wir gegen die Verleumdung von Mitarbeitern vorgehen können.“ – Man prüft bloß? – Und auch das „Nichts an dem heute veröffentlichten Artikel ist wahr“-Diktum (es war bezogen auf den dritten der drei inkriminierenden „FT“-Berichte …) wird in dem Interview heute Morgen zumindest nicht explizit wiederholt. Stattdessen sagt Braun an einer Stelle: „Wir müssen untersuchen, ob die Darstellung in den Artikeln stark übertrieben war.“ Das kommt jetzt doch überraschend! Oder vielleicht ja auch nicht … FAZ (Paywall)

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Gleich nochmal Wirecard: Die Bafin hat in einem Gespräch mit der „Zeit“ eine, wie soll man sagen?, sehr griffige Begründung dafür gegeben, dass Leerverkäufe der Wirecard-Aktie seit Beginn dieser Woche verboten sind. Und zwar: „Es wurden Nachrichten, deren Wahrheitsgehalt nicht geklärt ist, in den Wert der Aktie eingepreist, als seien sie wahr.“ Heißt das, dass die Finanzaufsicht zu einzelnen Dax-Werten jetzt Fundamentalanalysen anfertigt, um herauszufinden, auf welchem Kursniveau Nachrichten mit unklarem Wahrheitsgehalt angemessen eingepreist sind und auf welchem nicht? Wäre unter sozialen Gesichtspunkten eine hervorragende Idee. Dann können die ganzen Sell-Side-Analysten, die wegen Mifid II arbeitslos werden, ja einfach bei der Bafin anheuern. Die Zeit

Vermutlich haben Sie die Geschichte, dass die Deutsche Bank ein 2007 erworbenes US-Muni-Bonds-Paket 2016 mit einem Verlust von 1,6 Mrd. Dollar verkauft hat, gestern schon irgendwo gelesen. Dann bleibt uns ja nur noch übrig, Sie zu fragen: Völlig irre, das alles, oder? Andererseits: Irgendwo müssen die herben Verluste, die das größte Geldhaus der Republik über die Jahre angehäuft hat, ja herkommen. Dank solcher Artikel wird’s wenigstens mal greifbar: 1,6 Mrd. Dollar mit Kommunalanleihen – warum nicht?! Wall Street Journal (Paywall), Süddeutsche

Dürfen wir noch mal auf das 30-Mio.-Euro-Funding für das Berliner Finanz-Startup Mambu von Anfang der Woche zu sprechen kommen? Weil: Wir hatten das Thema aus Zeitmangel wirklich sehr, sehr klein gefahren. Und zu unserer Verwunderung haben es die – in Sachen Fintech ansonsten ja durchaus interessierten – großen Wirtschaftsmedien sogar komplett links liegen lassen. Drum, eine nachtägliche Würdigung: 1.) Ja, bei 30 Mio. Euro wird inzwischen nur noch gegähnt. 2.) Aber Mambu ist ja reinstes B2B – darum haben wir es hier (wenn man die Solarisbank mal ausklammert) mit der höchsten Finanzierung zu tun, die ein deutsches B2B-Fintech je erhalten hat. 3.) Da wir uns mit Mambu nie beschäftigt haben, können wir zum Geschäftsmodell nix sagen. Aber: Wer „Irgendwas mit Back-end“ macht und dafür diese Summe einstreicht, wird so verkehrt nicht unterwegs sein. Fazit: ein Fintech, dass man sich vermutlich merken sollte.

Und vielleicht sollte man dann auch erwähnen, dass die Commerzbank bei beiden deutschen (bzw. semideutschen) Fintechs, die diese Woche dick gefunded haben (nämlich Iwoca und eben Mambu) schon sehr frühzeitig investiert war – ein Hinweis, den Sie durchaus selbstkritisch verstehen dürfen. Denn wenn wir uns recht erinnern, hatte unsere Berichterstattung in den vergangenen Monaten zwei-, dreimal die Tendenz, alles ganz, ganz toll und hellsichtig zu finden, was eine ING, eine Allianz, eine Aegon oder eine BBVA im Fintech-Bereich so machen, um dann gegenzuschneiden, dass die deutschen Banken irgendwie nix gebacken kriegen in dem Beritt. Die Beispiele Mambu und Iwoca stützen, gelinde gesagt, unsere ach so tolle These nicht unbedingt.

Hat Bitwala da jetzt wirklich einen Raketenstart hingelegt? Die Bafin-lizensierte Berliner Blockchain-Bank feiert sich dafür, im Bitcoin-Handel „bereits kurz nach der Markteinführung ein Volumen von 1 Mio. Euro“ zu erreichen. Nun handelt es sich bei der Million unserem Verständnis nach um einen aggregierten Wert. Und „kurz nach“ ist relativ, losgelegt hat Bitwala am 12. Dezember. Selbst wenn man die Woche zwischen den Jahren großzügig rausrechnet, sind das >60 Tage, macht im Schnitt <17.000 Euro Handelsvolumen pro Tag. Und das gemessen daran, dass Bitwala zum Start bereits von 40.000 registrierten Nutzern sprach. Wir wollen jetzt nicht sagen, dass die Million irgendwie wenig ist. Aber ist sie viel? (Nachtrag: Wir haben sicherheitshalber nochmal nachfragt: Die Millionen ist in der Tat aggregiert. Bitwala betont jedoch, dass die Umsätze steigen, am bislang stärksten Tag seien es rund 60.000 Euro gewesen. Naja.). Pressemitteilung

Kurzmeldungen: Die deutsche Zertifikate-Branche hat ihr Volumen 2018 mit 63,0 Mrd. Euro weitgehend stabil gehalten, wobei zwei Drittel des Geschäfts auf Sparkassen und Genosektor entfielen (DDV-Statistik/PDF, BÖZ/Paywall) +++ Die Commerzbank hat testweise gemeinsam mit Siemens und Continental eine Blockchain-basierte Commercial-Paper-Transaktion erfolgreich abgewickelt (Pressemitteilung) +++  Apple und Goldman Sachs wollen eine gemeinsame Kreditkarte rausbringen (Quartz)

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Beschränkt sich Digitalisierung allein auf die Technik? Sicher nicht! Agilität, KI und Blockchain werden die Transformation der Finanzdienstleister bestimmen – genauso aber Kreativität und ein Kulturwandel in den Organisationen. Mehr dazu auf der Konferenz „Finanzdienstleister der nächsten Generation“ mit spannenden Vorträgen, Workshops und „FinTechs on Stage“. www.fs-verlag.de/fdl

Linktipps

Die große Fintech-Geschichte in „Capital“ aus dem Herbst ist jetzt online frei verfügbar: Wer sie noch nicht gelesen hat … Capital

Swift hat sein „Know your customer“-Register für Unternehmen geöffnet. Warum das auch für (Korrespondenz-)Banken eine gute Nachricht sein kann: IT-Finanzmagazin 

Wir sollen Ihnen, bitteschön, nicht mehr mit Bitcoin kommen? Jetzt seien Sie doch nicht so engstirnig! Sondern schauen einfach mal, was der Blogger-Kollege Friedemann Brenneis zum „Lightning Network Trust Chain“-Projekt zu sagen hat: coinspondent.de

Diese Banken befeuern die Fintech-Revolution: Ein Porträt (nicht nur hierzulande) unbekannter US-Finanzinstitute, die den Whitelabel-Kram für die Squares, Stripes, Robinhoods usw. machen: CNBC

Klickfavoriten

… waren gestern quasi gleichauf die überraschenden Erkenntnisse zur Gewinnkraft der deutschen Kreditwirtschaft (Finanz-Szene.de) und das,  nun ja, noch ausbaufähige Wachstum des Deutsche-Bank-Robos „Robin“ (Finanz-Szene.de). Die Vertragsverlängerung des Fußballspielers Alexander Heinze brachte es übrigens auf >300 Klicks. Und um die vielen, vielen Leser-Mails in der „Causa Heinze“ zu beantworten: Nein, der junge Mann hat nichts mit Banking und Fintech zu tun. Es gibt allerdings ein paar Menschen da draußen, für die das trotzdem die News des Monats war. Darunter einer, der Ihnen hiermit ein schönes Wochenende wünscht! Bis Dienstag, herzlichst, Heinz-Roger Dohms

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Wirecard rudert im Streit mit der „Financial Times“ ein Stück zurück

Von Heinz-Roger Dohms

Mmhh, hatte es vor zwei Wochen nicht geheißen, Wirecard gehe „rechtlich gegen (die) FT und (ihre) unethische Berichterstattung vor„. Und nun? In einem Interview, dass Vorstandschef Markus Braun der „FAZ“ (Paywall) gegeben hat, liest sich das heute Morgen dann doch ein wenig anders. Frage der Kollegen: „Gehen Sie gerichtlich gegen die ‚Financial Times‘ vor […]?“ – Antwort Markus Braun: „Wir prüfen, ob die Form der Berichterstattung angemessen war, gerade im Hinblick darauf, wie wir gegen die Verleumdung von Mitarbeitern vorgehen können.“ – Man prüft bloß? –

Und auch das „Nichts an dem heute veröffentlichten Artikel ist wahr“-Diktum (es war bezogen auf den dritten der drei inkriminierenden „FT“-Berichte …) wird in dem Interview heute Morgen zumindest nicht explizit wiederholt. Stattdessen sagt Braun an einer Stelle: „Wir müssen untersuchen, ob die Darstellung in den Artikeln stark übertrieben war.“ Das kommt jetzt doch überraschend! Oder vielleicht ja auch nicht …

http://finanz-szene.de/fall-wirecard-eine-exegese-der-ziemlichen-krassen-bafin-verfuegung/

http://finanz-szene.de/kommentar-der-finanzplatz-deutschland-und-sein-irritierendes-verhalten-in-der-causa-wirecard/

http://finanz-szene.de/die-grosse-analyse-was-ist-jetzt-eigentlich-sache-bei-wirecard/

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