28/02/19: Was lief da mit Goldman & Wirecard?, N26 vs. Neymar, Fidor

Die Fidor-Bank ist jetzt gereinigt und kapitalisiert. Aber findet sie auch einen Käufer?

Auch eine Geschichte, wie man sie nicht alle Tage hat: Da verbrennt ein deutsches Kreditinstitut in einem Jahr das Zweifache seines eigenen Kapitals. Aber ein bisschen provokativ gesagt, kann das dem Kreditinstitut egal sein. Denn kurz bevor die Probleme so richtig losgingen, schlüpfte die Münchner Fidor-Bank unter das Dach der Pariser Großbank BPCE. Was die Franzosen mit den Bajuwaren vorhatten, ist bis heute ein einziges  Rätsel. Was aber vermutlich nicht der Plan war: die teutonische Tochter binnen 24 Monaten dreimal zu retten. Indes: Ebendies hat die BPCE freundlicherweise gemacht, nur um die Münchner nun wieder zum Verkauf zu stellen. Bleiben ein paar Fragen: Ist Fidor noch der Fintech-Vorreiter, als der man einst gehandelt wurde? Hat die Bank eigentlich ein Geschäftsmodell? Und wer kommt als Käufer infrage? Ein Finanzinvestor? Die DKB? Sonst wer? Hier das Exklusiv-Interview mit Fidor-Chef Matthias Kröner: Finanz-Szene.de

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News

Haben Sie die Sache mit Wirecard und Goldman Sachs mitgekriegt? Womöglich nicht, also: Die US-Investmentbank hielt offenbar jahrelang einen großen Anteil an Wirecard – was zumindest uns hier nie aufgefallen ist, weil Goldman (meinen wir jedenfalls) nie auftaucht, wenn die großen Wirecard-Investoren aufgezählt werden. Warum tauchen die Amerikaner nie auf? Mag daran liegen, dass es anderen auch verborgen blieb. Mag daran liegen, dass Goldman den Großteil seiner Aktien verliehen hatte. Keine Ahnung. Jedenfalls: Wenn man ein bisschen durchs DGAP-Archiv scrollt, dann entdeckt man irgendwann eine Stimmrechts-Mitteilung vom 27. April 2016, aus der hervorgeht, dass Goldman bei Wirecard damals die 5%-Grenze unterschritten hat, nämlich von 5,08% auf 4,99% (wobei von diesen 4,99% wiederum 4,96% verliehen waren) …

Wie geht die Sache nun weiter? Am Dienstagabend dieser Woche tauchen auf der DGAP-Seite in kurzen Abständen drei weitere Stimmrechts-Mitteilungen zu Wirecard/Goldman auf. Aus diesen geht hervor, dass die Wirecard-Position der Amerikaner im Februar auf bemerkenswerte Art und Weise Jojo gespielt hat. Denn ausgerechnet am letzten Handelstag vor dem Leerverkaufs-Verbot ging es von den 4,99% auf 6,56% rauf – bevor es am ersten Handelstag nach dem Leerverkaufs-Verbot schlagartig auf 1,29% runterging. Was hat das alles nun zu bedeuten? Vermutlich gar nichts. Technischer Kram oder was auch immer. Wir haben uns trotzdem mal zwei, drei unfertige Gedanken zu dem Thema gemacht. Vielleicht interessiert’s Sie ja: Finanz-Szene.de

Dürfen wir kurz verharren? Erinnern Sie sich an unseren üppigen Wirecard-Adyen-Vergleich neulich, der zum Ergebnis kam, dass Adyen zwar das viel effizientere Unternehmen zu sein scheint, Wirecard aber dank erstaunlicherweise (fast) viermal höherer Marge mehr Geld verdient. Jedenfalls: Gestern hat Adyen (also der junge niederländische Payment-Champion) für 2018 mal eben eine Steigerung des Vorsteuergewinns um 83% auf 131 Mio. Euro verkündet. Und die Nettomarge? Verbesserte sich nach unseren Berechnungen dennoch nur leicht von 20 auf 22 Cent je 100 Euro Transaktionsvolumen, sie bleibt also weiterhin weit hinter der von Wirecard zurück. Handelsblatt (Paywall)

Auch der größte deutsche Baufi-Vermittler Interhyp hat gestern seine 2018er-Zahlen präsentiert, und was aus Sicht klassischer Banken ja fast schon beruhigend anmutet: Die ING-Tochter hat ihren Marktanteil diesmal „nur“ um 0,3 Punkte auf 8,7% gesteigert (nachdem es 2017 ein Plus von einem ganzen Prozenpunkt gewesen war). Da ja aber nun der Markt als solcher kräftig wächst, verzeichnete Interhyp beim Finanzierungsvolumen dennoch ein Plus von 11% auf imposante 22 Mrd. Euro. Pressemitteilung  

Nix Neues zu N26 diese Woche? Doch, die Smartphone-Bank hat gestern verkündet, nach Brasilien zu expandieren, was ein ziemlich interessantes Unterfange ist, denn: Ebendort wartet auf N26 das mit 4 Mrd. Dollar bewertete lateinamerikanische Wunder-Fintech Nubank, das technisch ähnlich beschlagen sein soll wie Neymar (siehe auch unser Onboarding-Gastbeitrag neulich), dabei aber deutlich weniger verletzungsanfällig. Schöne Herausforderung. Gründerszene

Kurzmeldungen: Das Oberlandesgericht Frankfurt hat gestern entschieden, dass Banken für Basiskonten nur begrenzt Gebühren verlangen dürfen. (FAZ) +++ Die neuen Spekulationen über einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank haben die Coba-Aktie gestern um rund fünf Prozent steigen lassen (FAZ) +++ Nachdem der Zinsüberschuss der Münchner Sparkasse in den beiden Vorjahren bereits um zusammen 11% zurückgegangen war, sind 2018 weitere 3% hinzugekommen (Presse) +++  Die DZ-Bank-Krisentochter DVB hat ihren Zahlungsdienst Logpay an VW Financial Services verkauft (Automobilwoche)

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Linktipps

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Sie wollen nicht, aber vielleicht müssen sie ja: Die Geschichte, wie Deutsche-Bank-AR-Chef Paul Achleitner und CEO Christian Sewing die Fusion mit der Commerzbank vorbereiten. Manager Magazin (Paywall)

Passend zu den gestern vorgelegten Zahlen ist kürzlich bei „Bloomberg“ eine große Geschichte zu Adyen erschienen. Wenn Sie es noch nicht gelesen haben, sollten Sie es tun, es sei denn, der ganze Payment-Kram ist Ihnen schnuppe, was natürlich völlig legitim ist. Bloomberg

Klickfavorit

… war gestern unsere Grafik zu den Verschiebungen im deutschen Zertifikate-Markt. Finanz-Szene.de

Nachtrag

Irgend so ein Schlaumeier-Newsletter (ich glaube, es war unser eigener) hat gestern stolz verkündet, das Stealth-Modus-Fintech Receeve enttarnt zu haben. Der Stolz ließ allerdings merklich nach, als uns die Kollegen vom „Finletter“ darauf aufmerksam machten, dass sie die Story schon im Januar hatten. Sorry, Kollegen, war uns entgangen! Was jetzt aber nicht heißt, wir würden Euch nicht lesen. Tun wir natürlich … Aber manchmal überliest man halt auch mal was. Schande. Haupt.

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28/02/19: Was lief da mit Goldman & Wirecard?, Deutsche Bank, Fidor-Spezial

Die Fidor-Bank ist jetzt gereinigt und kapitalisiert. Aber findet sie auch einen Käufer?

Auch eine Geschichte, wie man sie nicht alle Tage hat: Da verbrennt ein deutsches Kreditinstitut in einem Jahr das Zweifache seines eigenen Kapitals. Aber ein bisschen provokativ gesagt, kann das dem Kreditinstitut egal sein. Denn kurz bevor die Probleme so richtig losgingen, schlüpfte die Münchner Fidor-Bank unter das Dach der Pariser Großbank BPCE. Was die Franzosen mit den Bajuwaren vorhatten, ist bis heute ein einziges  Rätsel. Was aber vermutlich nicht der Plan war: die teutonische Tochter binnen 24 Monaten dreimal zu retten. Indes: Ebendies hat die BPCE freundlicherweise gemacht, nur um die Münchner nun wieder zum Verkauf zu stellen. Bleiben ein paar Fragen: Ist Fidor noch der Fintech-Vorreiter, als der man einst gehandelt wurde? Hat die Bank eigentlich ein Geschäftsmodell? Und wer kommt als Käufer infrage? Ein Finanzinvestor? Die DKB? Sonst wer? Hier das Exklusiv-Interview mit Fidor-Chef Matthias Kröner: Finanz-Szene.de

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Haben Sie die Sache mit Wirecard und Goldman Sachs mitgekriegt? Womöglich nicht, also: Die US-Investmentbank hielt offenbar jahrelang einen großen Anteil an Wirecard – was zumindest uns hier nie aufgefallen ist, weil Goldman (meinen wir jedenfalls) nie auftaucht, wenn die großen Wirecard-Investoren aufgezählt werden. Warum tauchen die Amerikaner nie auf? Mag daran liegen, dass es anderen auch verborgen blieb. Mag daran liegen, dass Goldman den Großteil seiner Aktien verliehen hatte. Keine Ahnung. Jedenfalls: Wenn man ein bisschen durchs DGAP-Archiv scrollt, dann entdeckt man irgendwann eine Stimmrechts-Mitteilung vom 27. April 2016, aus der hervorgeht, dass Goldman bei Wirecard damals die 5%-Grenze unterschritten hat, nämlich von 5,08% auf 4,99% (wobei von diesen 4,99% wiederum 4,96% verliehen waren) …

Wie geht die Sache nun weiter? Am Dienstagabend dieser Woche tauchen auf der DGAP-Seite in kurzen Abständen drei weitere Stimmrechts-Mitteilungen zu Wirecard/Goldman auf. Aus diesen geht hervor, dass die Wirecard-Position der Amerikaner im Februar auf bemerkenswerte Art und Weise Jojo gespielt hat. Denn ausgerechnet am letzten Handelstag vor dem Leerverkaufs-Verbot ging es von den 4,99% auf 6,56% rauf – bevor es am ersten Handelstag nach dem Leerverkaufs-Verbot schlagartig auf 1,29% runterging. Was hat das alles nun zu bedeuten? Vermutlich gar nichts. Technischer Kram oder was auch immer. Wir haben uns trotzdem mal zwei, drei unfertige Gedanken zu dem Thema gemacht. Vielleicht interessiert’s Sie ja: Finanz-Szene.de

Dürfen wir kurz verharren? Erinnern Sie sich an unseren üppigen Wirecard-Adyen-Vergleich neulich, der zum Ergebnis kam, dass Adyen zwar das viel effizientere Unternehmen zu sein scheint, Wirecard aber dank erstaunlicherweise (fast) viermal höherer Marge mehr Geld verdient. Jedenfalls: Gestern hat Adyen (also der junge niederländische Payment-Champion) für 2018 mal eben eine Steigerung des Vorsteuergewinns um 83% auf 131 Mio. Euro verkündet. Und die Nettomarge? Verbesserte sich nach unseren Berechnungen dennoch nur leicht von 20 auf 22 Cent je 100 Euro Transaktionsvolumen, sie bleibt also weiterhin weit hinter der von Wirecard zurück. Handelsblatt (Paywall)

Auch der größte deutsche Baufi-Vermittler Interhyp hat gestern seine 2018er-Zahlen präsentiert, und was aus Sicht klassischer Banken ja fast schon beruhigend anmutet: Die ING-Tochter hat ihren Marktanteil diesmal „nur“ um 0,3 Punkte auf 8,7% gesteigert (nachdem es 2017 ein Plus von einem ganzen Prozenpunkt gewesen war). Da ja aber nun der Markt als solcher kräftig wächst, verzeichnete Interhyp beim Finanzierungsvolumen dennoch ein Plus von 11% auf imposante 22 Mrd. Euro. Pressemitteilung  

Nix Neues zu N26 diese Woche? Doch, die Smartphone-Bank hat gestern verkündet, nach Brasilien zu expandieren, was ein ziemlich interessantes Unterfange ist, denn: Ebendort wartet auf N26 das mit 4 Mrd. Dollar bewertete lateinamerikanische Wunder-Fintech Nubank, das technisch ähnlich beschlagen sein soll wie Neymar (siehe auch unser Onboarding-Gastbeitrag neulich), dabei aber deutlich weniger verletzungsanfällig. Schöne Herausforderung. Gründerszene

Finden Sie die Aareal Bank auch so schrecklich langweilig wie wir hier? Dann treffen wir hoffentlich auf Ihr Verständnis, wenn wir Sie über die 2018er-Zahlen nur insofern unterrichten, als das Vorsteuerergebnis minimal von 328 Mio. Euro auf 316 Mio. Euro gesunken ist. Und was machen wir jetzt mit denjenigen, die den Wiesbadener Immobilienfinanzierer superspannend finden? Die haben doch eh das Super-Digital-Print-Premium-Abo der wunderbaren Börsen-Zeitung (Paywall)!

Kurzmeldungen: Das Oberlandesgericht Frankfurt hat gestern entschieden, dass Banken für Basiskonten nur begrenzt Gebühren verlangen dürfen. (FAZ) +++ Die neuen Spekulationen über einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank haben die Coba-Aktie gestern um rund fünf Prozent steigen lassen (FAZ) +++ Nachdem der Zinsüberschuss der Münchner Sparkasse in den beiden Vorjahren bereits um zusammen 11% zurückgegangen war, sind 2018 weitere 3% hinzugekommen (Presse) +++ Die Deutsche Bank hat weitere Anteile an der Santander Bank Polska (die 2017 das frühere Polen-Geschäft der Frankfurter übernommen hatte) versilbert. Erlös: 135 Mio. Euro (APA/Reuters) +++ Die DZ-Bank-Krisentochter DVB hat ihren Zahlungsdienst Logpay an VW Financial Services verkauft (Automobilwoche) +++ Bei der  HSBC Deutschland ist der Provisionsüberschuss 2018 um (Autsch!) 11% eingebrochen (Presse)

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Irgend so ein Schlaumeier-Newsletter (ich glaube, es war unser eigener) hat gestern stolz verkündet, das Stealth-Modus-Fintech Receeve enttarnt zu haben. Der Stolz ließ allerdings merklich nach, als uns die Kollegen vom „Finletter“ darauf aufmerksam machten, dass sie die Story schon im Januar hatten. Sorry, Kollegen, war uns entgangen! Was jetzt aber nicht heißt, wir würden Euch nicht lesen. Tun wir natürlich … Aber manchmal überliest man halt auch mal was. Schande. Haupt.

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Wirecard, Goldman Sachs und die Short-Attacken-Theorie

Von Heinz-Roger Dohms

Haben Sie die Sache mit Wirecard und Goldman Sachs mitgekriegt? Nein? Auf geht’s:

Goldman Sachs hielt offenbar jahrelang einen dicken Anteil an Wirecard. Zumindest uns hier ist das nie aufgefallen, weil Goldman (meinen wir jedenfalls) nie auftauchte, wenn die großen Wirecard-Investoren aufgezählt wurden. Warum tauchten die Amerikaner nie auf? Mag daran liegen, dass es anderen auch verborgen blieb. Mag daran liegen, dass Goldman den Großteil seiner Aktien verliehen hatte. Keine Ahnung. Jedenfalls: Wenn man ein bisschen durchs DGAP-Archiv scrollt, dann entdeckt man irgendwann eine Stimmrechts-Mitteilung vom 27. April 2016. Aus dieser geht hervor, dass Goldman damals die 5%-Grenze unterschritten hat, um genau zu sein: Es ging von 5,08% auf 4,99% abwärts, wobei von diesen 4,99% wiederum 4,96% verliehen waren.

Wie geht die Sache nun weiter? Am Dienstagabend dieser Woche tauchen auf der DGAP-Seite plötzlich in kurzer Abfolge drei weitere Stimmrechts-Mitteilungen zu Wirecard/Goldman Sachs auf. Was lernt man bei deren Lektüre? Dass die Wirecard-Position der Amerikaner im Februar auf bemerkenswerte Art und Weise Jojo gespielt hat. En detail: Nachdem Goldman bei Wirecard fast drei Jahre lange keine Schwelle mehr nach oben oder unten gerissen hat (es liegt sogar die Vermutung nahe, dass sich an der Position gar nichts geändert hat), machen die Investmentbanker am Freitag, den 15. Februar, plötzlich mit allem möglichen Wirecard-Zeugs rum, namentlich Aktien, CFD’s, Swaps, Warrants … Hauptsache, Wirecard.

Dazu muss man wissen, dass der 15. Februar der letzte Handelstag vor dem Wirecard-Leerverkaufs-Verbot durch die Bafin war. Und: Es war mit einer Schwankungsbreite  von 4,4 Prozentpunkten (das Tageshoch lag bei 98,80 Euro, das Tief bei 103,15 Euro) nach Wochen des hektischen Auf und Abs ein vergleichsweise ruhiger Handelstag. Der einzige, der ein bisschen Ramba-Zamba macht, ist offenbar Goldman, mit der Folge, dass die Amerikaner (wesentlich über Instrumente) am Ende dieses Tages nicht mehr 4,99%, sondern 6,56% an Wirecard galten.

Die zweite Mitteilung betrifft dann eine Veränderung der Position, die auf den 18. Februar datiert, dem Tag des Leerverkaufsverbots. Allerdings geht es nur um eine minimale Reduktion, von 6,56% auf 6,54%. Warum diese Veränderung überhaupt gemeldet werden musste, wissen wir ehrlich gesagt nicht. Was wir wissen: Einen Tag später folgt, dokumentiert in der dritten der drei Stimmrechts-Mitteilungen, der Hammer: Goldman fährt den eben erst auf rund sechseinhalb Prozent aufgestockten Anteil auf nur noch 1,29% runter, und das einen Tag nach dem Leerverkaufsverbot, das die Wirecard-Aktie deutlich hatte steigen lassen.

Welchen Reim soll man sich hierauf nun machen? Nein, keine Bange, wir schlagen uns hier jetzt nicht ins Lager der Verschwörungstheoretiker (obwohl das, wie immer, wenn Goldman Sachs im Spiel ist, lustig würde: Goldman-Leerverkaufsverbot-Bafin-BMF-Staatssekretär-Goldman …). Sondern: Wir halten fest, dass es für das alles vermutlich gute Erklärungen gibt, zumal Goldman ja normalerweise im Kundenauftrag agiert. Und doch: Irgendwie sieht das alles dann doch auch ein bisschen komisch aus, wenn man so draufguckt.

Worauf wir aber eigentlich hinauswollen, ist etwas anderes: Da bewegt Goldman mal eben drei, vier, fünf Prozent der Wirecard-Aktien. Dann gibt es da draußen ein Dickschiff namens Blackrock, das als Wirecard-Investor den Februar über auch die ein oder andere Meldeschwelle gerissen hat. Und schließlich sind da noch weitere sehr große (Long-only-)Investoren, die mit ihren Wirecard-Aktien – trotz Leerverkaufsverbots – weiterhin viele, viele tendenziell kursverändernde Dinge anstellen können.

Kurzum: Wie plausibel ist vor diesem Hintergrund die hierzulande verfochtene Grundannahme, der Wirecard-Kurs werde von irgendwelchen zu kriminellen Handlungen (Marktmanipulation, Erpressung, Bestechung) neigenden „Shorties“ gemacht, die eine 0,1-irgendwas-Prozent-Position innehaben und nun mit Koffern voller Geld vor den Redaktionsbüros britischer Medien lungern, um negative Berichterstattung zu kaufen und so die Wirecard-Aktie zum Einsturz zu bringen? Sollte man nicht annehmen, dass es vielmehr die großen Adressen sind, die bestimmen, in welche Richtung der Wirecard-Kurs läuft?

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Die Fidor-Bank ist jetzt rekapitalisiert. Aber findet sie auch einen Käufer?

Von Heinz-Roger Dohms

Auch eine Geschichte, wie man sie nicht alle Tage hat: Da verbrennt ein deutsches Kreditinstitut in einem Jahr das Zweifache seines eigenen Kapitals. Aber ein bisschen provokativ gesagt, kann das dem Kreditinstitut egal sein. Denn kurz bevor die Probleme so richtig losgingen, schlüpfte die Münchner Fidor-Bank unter das Dach der Pariser Großbank BPCE. Was die Franzosen mit den Bajuwaren vorhatten, ist bis heute ein einziges  Rätsel. Was aber vermutlich nicht der Plan war: die teutonische Tochter binnen 24 Monaten dreimal zu retten. Indes: Ebendies hat die BPCE freundlicherweise gemacht, nur um die Münchner nun wieder zum Verkauf zu stellen. Bleiben ein paar Fragen: Ist Fidor noch der Fintech-Vorreiter, als der man einst gehandelt wurde? Hat die Bank eigentlich ein Geschäftsmodell? Und wer kommt als Käufer infrage? Ein Finanzinvestor? Die DKB? Sonst wer? Hier das Exklusiv-Interview mit Fidor-Chef Matthias Kröner:

Finanz-Szene.de: Herr Kröner, wie wir diese Woche berichtet haben, hat die Fidor-Bank 2017 aufgrund von fehlgeschlagenen Kredit-Engagements einen Verlust von 110 Mio. Euro erlitten, gemessen an einem Eigenkapital von gerade mal 52 Mio. Euro. Kurz zuvor, nämlich im Herbst 2016, hatten Sie Fidor an die französische Großbank BPCE verkauft. Fast ist man geneigt zu sagen: Gerade noch rechtzeitig …

Matthias Kröner: … wobei ich gleich mal klarstellen möchte, dass an der Verdächtigung, die in ihrer Formulierung mitschwingt, rein gar nichts dran ist. Denn natürlich haben sich die Kollegen von BPCE unsere Bank und speziell unser Kreditbuch vor der Übernahme genauestens angeschaut, da gab es eine intensive Due Diligence. Hinzu kommt: Das waren ja auch keine wirklich exotischen Engagements – sondern das wurde über mehrere Jahresabschlüsse hinweg diskutiert, dokumentiert und nie im Geheimen betrieben.

Wobei man es erst einmal schaffen muss, in einem Jahr das Zweifache des Eigenkapitals zu verbrennen. Wie aus Ihrem dieser Tage veröffentlichten Geschäftsbericht für 2017 hervorgeht, hat die BPCE die Fidor-Bank gleich dreimal rekapitalisieren müssen, nämlich 2016, 2017 und in diesem Jahr noch einmal. 

Kröner: Das ist richtig. Niemand war über diese Entwicklung mehr bestürzt als das Fidor-Team selbst. Natürlich hätten wir uns einen besseren Start in diese neue Partnerschaft gewünscht. Aber nochmal: Man wusste, worauf man sich da einlässt, darum ist der Kaufpreis mit 105 Mio. Euro auch deutlich niedriger ausgefallen, als das ohne diese spezifischen Kreditrisiken diskutiert wurde. Um die Sache einmal kurz zu erläutern: Wir haben 2013 bis 2016 schwerpunktmäßig Kredite über einen britischen Partner für Gebrauchtwagen-Finanzierungen eingekauft. Dann hat eine ganze Kette von Ereignissen – darunter das Brexit-Referendum im Juni 2016 – dazu geführt, dass dieser Partner existenzielle Probleme bekam und letztlich in eine geordnete Insolvenz ging. Also hat sich unser neuer Eigentümer …

… die BPCE …

Kröner: … 2017 gemeinsam mit dem Fidor-Bank-Management gezwungen gesehen, einen Schlussstrich zu ziehen und den Bestand konsequent abschmelzen zu lassen. Dazu muss man dann natürlich die notwendige Risikovorsorge treffen. So sind die Regeln, um das mal salopp zu formulieren.

Fidor steht seit dem Herbst wieder zum Verkauf. Was ist das für eine Bank, die ja jetzt auf den Markt kommt? Es heißt ja oft, Fidor sei ein Fintech. Gegründet wurde Ihr Institut ja aber schon 2009, zu einer Zeit, als es den Begriff „Fintech“ noch gar nicht gab. Wie können Sie dann eine Fintech-Bank sein?

Kröner: Die Gründung von Fidor müssen Sie im Kontext der Finanzkrise sehen, also der Entzauberung der etablierten Bankenbranche. Dem wollten wir ein neues Konzept entgegenstellen, eine digitale Community-Bank, die über die sozialen Medien ganz stark mit ihrer Klientel interagiert und deren Anregungen aufnimmt und umsetzt. Das war die Idee – und mit der haben wir dann auch schnell vergleichsweise viele Kunden gewonnen. Im Sommer 2015, rund ein Jahr vor der Transaktion mit der BPCE, hatten wir rund 300.000 Nutzer in der Community und über 100.000 Kunden.

Tatsächlich meint man, wenn man auf die Anfangszeit der Fidor-Bank blickt, ein frühes N26 zu sehen. Würde uns dagegen heute jemand fragen, was Fidor eigentlich genau macht, würden wir eher sagen: Ähhh, so was Ähnliches wie die Solarisbank – also eher B2B statt B2C.

Kröner: Mal abgesehen davon, dass wir selbstredend unique sind – uns zeichnet tatsächlich aus, dass wir uns mit den Jahren in beide Richtungen sehr gut entwickelt haben, also B2B und B2C. Genau genommen unterhalten wir sogar vier Geschäftszweige, nämlich 1.) das Retailgeschäft mit inzwischen fast 400.000 Kunden, 2.) unser „Banking as a Service“-Geschäft, über das wir als Whitelabel-Partner Telefonica den Aufbau von „O2 Banking“ ermöglicht haben …

… im Grunde ist es dieses „Banking as a Service“-Modell, bei dem Sie in direkter Konkurrenz zu Solarisbank stehen …

Kröner …, dann sind wir 3.) in Dubai und Singapur aktiv, wo wir wiederum als Plattform-Partner zum Beispiel für einen unserer Kunden u. a. das erste „digitale Sharia-compliant Community-Banking“ aufgesetzt haben, und 4.) haben wir jüngst unseren Marktplatz „Efficient Scale“ gegründet, über den wir Affiliate-Programme für Finanzdienstleister vermitteln. All das zählt jedoch nichts, wenn Sie sich nicht auch in den Augen der Aufsicht weiterentwickeln. Auch hier haben wir massiv investiert. Also alles in allem ein ziemlich gutes Paket.

Man könnte auch von einem ziemlichen Gemischtwarenladen sprechen.

Kröner: Mal grundsätzlich: Ich lese ja jeden Tag, was Sie über die Branche schreiben. Natürlich haben viele Fintechs ganz tolle Dinge geleistet. Was aber auch mal betont werden muss: Ich weiß nicht, wer von unseren direkten Wettbewerbern so viele namhafte B2B-Kunden hat wie wir, nämlich nicht nur O2, sondern das reicht ja unter anderem von Bitcoin.de über Finanzcheck bis hin zur ältesten unabhängigen niederländischen Vermögensverwaltungs-Bank, nämlich Van Lanschot/Kempen. Dann sind da unsere Kunden im Nahen Osten und in Singapur. Und hinzu kommt im Endkundengeschäft z.B. unser starker Fokus auf Krypo-Währungen, womit wir hierzulande lange Zeit komplett alleine unterwegs waren. Und wenn wie jüngst geschehen Apple Pay in Deutschland startet, wer gehört dann völlig selbstverständlich zu den ersten Partnern – die Fidor Bank, übrigens dank unseres Partners Mastercard. Angenehmer Nebeneffekt: Schon heute kann ich auf Basis der bestehenden Verträge mit unseren Top 5 B2B-Kunden ein Potenzial von 35 Mio. Euro alleine nur beim Commission-Income für die nächsten Jahre annehmen.

Also täuscht der Eindruck, dass Fidor von den später gestarteten Fintechs inzwischen überholt worden ist. 

Kröner: Der täuscht gewaltig!

Wobei wir ja eigentlich beim Stichwort Gemischtwarenladen waren …

Kröner: Okay, fair enough, da haben Sie einen Punkt. Wir sind nicht so fokussiert aufgestellt, wie es strategisch wünschenswert wäre. Der gegenwärtige Prozess bietet uns nun die Chance, dies besser zu machen. Allerdings lässt sich dieser Zustand aus unserer Entwicklung heraus begründen: Wir waren immer vergleichsweise knapp kapitalisiert, mussten also praktisch vom Start weg Erträge generieren, um aus dem Cashflow heraus investieren zu können. Das heißt: Man nimmt dann auch mal eine geschäftliche Opportunität wahr, selbst wenn sie anfänglich nicht zu 100% in die strategische Konzeption passt. Ein schöner Nebeneffekt war, dass wir 2014 schon schwarze Zahlen geschrieben haben. Übrigens – auch wenn ich dieses Thema jetzt nicht wieder aufwärmen will: Auch die Kreditengagements in Großbritannien sind vor diesem Hintergrund zu sehen.

Die BPCE hat Ihnen jetzt einmal die Bilanz gesäubert und das Kapital wieder aufgefüllt – womit Fidor trotz seiner Verluste in relativ properem Zustand im Schaufenster steht. Der M&A-Prozess läuft seit Oktober. Wann soll ein Käufer gefunden sein?

Kröner: Ich würde sagen, bis März.

Schon?

Kröner: Das wäre zumindest der gemeinsam mit Paris definierte Prozess.

Die „FAZ“ hat über die Solarisbank als möglichen Käufer spekuliert. Dagegen spricht, dass sich Ihre Geschäftsmodelle im B2B-Bereich ja doch stark ähneln. Wir selber wiederum haben gehört, die DKB hätte Interesse gezeigt – wobei: Wenn der Verkauf im März über die Bühne sein soll, könnte das alles ein bisschen knapp werden, die DKB-Mutter, also die BayernLB, hat ja noch keinen neuen CEO.

Kröner: Was Solaris angeht, teile ich Ihre Einschätzung, so sehr ich die Kollegen persönlich schätze. Was die DKB betrifft: Kein Kommentar. Was ich sagen kann: Es gibt eine Reihe spannender Interessenten. Aber die Entscheidung treffe ja letzten Endes nicht ich als Vorstandschef und Kleinstgesellschafter – sondern die trifft die BPCE. Da müssen wir uns nichts vormachen.

Naja, Sie haben ja auch ein Wörtchen mitzureden – zumindest wenn ein Interessent sagt, ich will die Bank nur, wenn ich auch Kröner mit seinem Team kriege.

Kröner: An mir soll es nicht scheitern.

Wobei dann ja auch ein von Ihnen und einem externen Investor gestemmter Management-Buyout eine Option wäre.

Kröner: Theoretisch ja.

Und in der Praxis?

Kröner: Kein Kommentar.

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