Die Scheingewinne der deutschen Sparkassen

Von Heinz-Roger Dohms

In den letzten Tagen sind die deutschen Sparkassen mal wieder ziemlich gefeiert worden, wie eigentlich jedes Jahr im März, wenn ihre Berliner Vertretung, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), die aggregierten Geschäftszahlen seiner knapp 400 Einzelinstitute veröffentlicht. „Die 384 deutschen Sparkassen haben im vorigen Jahr ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 10 Mrd. Euro erwirtschaftet“, vermeldete zum Beispiel die „Börsen-Zeitung“ – und kommentierte, was natürlich als Seitenhieb auf die Deutsche Bank und die Commerzbank gemeint war: „So sehen Champions aus.“

Nun mag man die Sparkassen, jedenfalls im Vergleich zu den beiden maladen Frankfurter Großbanken, durchaus für „Champions“ halten. Bloß: Dieses Urteil am „Betriebsergebnis vor Bewertung“ in Höhe von 10 Mrd. Euro festzumachen, ist insofern problematisch, als diese Zahl: nicht stimmt! Oder vorsichtiger ausgedrückt: Zumindest ist das nicht die Zahl, die die Bundesbank ausweisen wird, wenn sie im Herbst ihre offizielle, an die testierten HGB-Abschlüsse angelehnte Ertragsstatistik für die deutsche Kreditwirtschaft veröffentlichen wird. Da dürfte dann nämlich in der Spalte „Betriebsergebnis vor Bewertung“ in Bezug auf die Sparkassen eine ganz andere Zahl stehen. Und zwar eine merklich niedrigere.

Glauben Sie nicht? Sollten Sie aber! Der Branchen-Newsletter Ihres Vertrauens, also „Finanz-Szene.de“, hat das schlechte Wetter der vergangenen Tage nämlich genutzt, um in einer fummeligen Datenrecherche sämtliche Gewinnzahlen, die der DSGV für die Geschäftsjahre 2010 bis 2017 veröffentlicht hat, mit denen der Buba abzugleichen. Resultat: Während das „Betriebsergebnis vor Bewertung“ laut Sparkassenverband in jedem der untersuchten Jahre bei mindestens 10 Mrd. Euro lag, kamen die Sparkassen laut Bundesbank letztmalig 2012 auf ein zweistelliges Milliardenergebnis. In manchen der  von „Finanz-Szene.de“ untersuchten Jahre war die Differenz zwischen dem DSGV- und dem Bundesbank-Ergebnis geradezu grotesk. 2015 lag der Unterschied zum Beispiel bei 1,5 Mrd. Euro, 2014 waren es (wobei wir da für den Verband nur vorläufige Zahlen haben) sogar 1,7 Mrd. Euro. Im Schnitt der analysierten Jahre lag das vom DSGV ausgewiesene „Betriebsergebnis vor Bewertung“ um 1,1 Mrd. Euro höher als das der Bundesbank; insgesamt geht es also um eine Differenz von 8,8 Mrd. Euro.

Was sagt der Sparkassenverband nun selbst zu alledem? Er sagt:

Im Gegensatz zum HGB und der Darstellung der Bundesbank, die an HGB angelehnt ist, weist der DSGV in seiner betriebswirtschaftlichen Sichtweise im operativen Ergebnis („Betriebsergebnis vor Bewertung“) nur Erträge und Aufwendungen der jeweiligen Rechnungsperiode aus. Sämtliche periodenfremden Erträge und Aufwendungen werden in der Rechnung des DSGV im „neutralen Ergebnis“ ausgewiesen. In der Rentabilitäts-Darstellung des DSGV wird das „neutrale Ergebnis“ vor dem „Ergebnis vor Steuern“ – je nach Vorzeichen – addiert oder subtrahiert. Dies kann demzufolge zu einer Erhöhung oder Verminderung des operativen Ergebnisses führen, um ganz transparent den tatsächlichen Periodenerfolg der Sparkassen darzustellen.

Nun ist es natürlich dem Sparkassenverband unbenommen, eine eigene Methodik bei der Erstellung seiner Zahlenwerke anzuwenden – und es mag sogar sein, dass diese Methodik (je nachdem, welche Zwecke der DSGV verfolgt) dem HGB überlegen ist. Trotzdem bringt das Vorgehen nach Ansicht von „Finanz-Szene.de“ mindestens vier gravierende Probleme mit sich:

  1. Dem DSGV geht es nach eigenen Angaben darum, eine saubere Periodenabgrenzung zu erreichen. Letzten Endes scheint seine Methodik aber vor allem darauf hinauszulaufen, dass die wichtigste Kennzahl – nämlich das „Betriebsergebnis vor Bewertung“ – in jeder einzelnen Periode (=Geschäftsjahr) wesentlich besser ausfällt, als dies nach HGB-Standard der Fall ist.
  2. Die DSGV-Zahlen lassen sich zwar mit sich selbst vergleichen. Sie entziehen sich allerdings der Vergleichbarkeit mit den Zahlen anderer Banken und Bankengruppen. Das ist auch deshalb ärgerlich, weil es durch das Nebeneinander von HGB und IFRS für Investoren und Öffentlichkeit ohnehin schwierig ist, verlässliche Aussagen zum deutschen Bankenmarkt zu treffen. Dadurch, dass der DSGV eine eigene Methodik anwendet, schafft er einen sozusagen dritten Rechnungslegungs-Standard und verkompliziert die ohnehin komplizierte Lage.
  3. Dies zu tun, wäre dem DSGV natürlich trotzdem unbenommmen, wenn dieses Vorgehen der Öffentlichkeit bewusst wäre. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Selbst die „Börsen-Zeitung“, die sich mit den Sparkassen so intensiv befasst wie kein anderes Medium, flaggt die DSGV-Zahlen seit Jahr und Tag als „Kennzahlen nach HGB“ aus.
  4. Durch das fehlende Bewusstsein erwächst speziell den konkurrierenden Volks- und Raiffeisenbanken ein Wettbewerbsnachteil oder zumindest ein Nachteil in der öffentlichen Wahrnehmung. Das „Betriebsergebnis vor Bewertung“ der Sparkassen und das „Betriebsergebnis vor Bewertung“ des Genossenschaftssektors werden in Medienberichten nämlich gern in einem Atemzug genannt (siehe „BÖZ“ vom 13. März) oder sogar explizit miteinander verglichen (siehe „Handelsblatt vom 13. März). Dabei sind die Kennzahlen, obwohl sie den gleichen Namen tragen, eigentlich nicht miteinander vergleichbar. So sieht es also immer so aus, als würden die Sparkassen ein viel höheres „Betriebsergebnis vor Bewertung“ erwirtschaften als die Kreditgenossen. Dabei ist der Unterschied in Wirklichkeit gar nicht so groß.

[Exkurs: Um Sparkassen und Volksbanken einigermaßen fair miteinander zu vergleichen, müsste man vermutlich den Vorsteuergewinn nehmen (siehe „Finanz-Szene.de“ vom 7. März). Das verlangt aber nach ein paar zumindest semikomplexen Rechenschritten (siehe „Finanz-Szene.de“ ebenfalls vom 7. März), weil der DSGV diese Kennziffer gar nicht erst veröffentlicht und überdies an dieser Stelle die 340g/340f-Problematik ins Spiel kommt, die wir heute aber nicht vertiefen wollen.]

Bleibt die Frage, was der DSGV da eigentlich genau macht. Um ehrlich zu sein, können wir das nicht zu 100% nachvollziehen (was daran liegen dürfte, dass wir den Kram nicht studiert haben).

Klar ist: Das „Betriebsergebnis vor Bewertung“ (von den Banken gern auch als „operativer Gewinn“ bezeichnet) errechnet sich normalerweise, indem man den Zinsüberschuss, den Provisionsüberschuss und ein paar kleinere Ertragskomponenten addiert – und davon dann die Aufwendungen (aber nicht: die Risikokosten) abzieht. Während die DSGV- und die Buba-Zahlen beim Zins- und beim Provisionsergebnis noch ganz, ganz grob übereinstimmen, beginnen bei den Aufwendungen bereits die Probleme. Beispiel: Während die Sparkassen ihre Aufwendungen für 2017 mit 18,9 Mrd. Euro bezifferten, waren es laut Bundesbank 20,0 Mrd. Euro. Eine krasse Differenz.

Unsere allererste Vermutung war, der Unterschied könnte mit etwaigen Pensions-Verpflichtungen zu tun haben. Das dementiert der DSGV aber indirekt. Stattdessen verweist er, siehe ja auch schon oben: auf die Periodenabgrenzung. Nochmal O-Ton DSGV:

Wir nehmen hier eine exakte Abgrenzung von periodenfremden Zinserträgen und -aufwendungen vor […]. Dies schließt außerdem entsprechende Erfolge aus derivativen Geschäften ein. Der negative neutrale Aufwand resultiert im Wesentlichen daraus, dass Sparkassen im größeren Maße Refinanzierungen abgelöst und hierfür Vorfälligkeits-Entschädigungen für zukünftige Jahre gezahlt haben.

Jetzt mal mit unseren eigenen Worten: Letzten Endes läuft das, was der DSGV da tut, vermutlich darauf hinaus, dass er jenen Aufwand, den er als „nicht operativ“ wahrnimmt, aus den regulären Aufwendungen herauszuhalten versucht. Das Problem ist nun aber, dass es a) von genau diesem Aufwand bei den Sparkassen immer viel zu viel zu geben scheint und dass b) dieser Aufwand sich blöderweise nicht einfach in Luft auflöst. Und so braucht’s, um das Ganze aufzufangen, dann die einigermaßen esoterische GuV-Position „Neutrales Ergebnis“, die in manchen Jahren so markant unneutral zu sein scheint, dass sie auf bis zu minus 1,4 Mrd. Euro anschwillt (wie es zum Beispiel 2014 und 2015 der Fall war). In der Theorie (siehe der obere der beiden DSGV-O-Töne) kann es zwar durchaus so sein, dass das „neutrale Ergebnis“ auch mal positiv ausfällt. In der Praxis allerdings präsentiert es sich zumindest für den von uns untersuchten Acht-Jahres-Zeitraum immer krass negativ (2018 war das „neutrale Ergebnis“ übrigens mit minus 0,9 Mrd. Euro auch wieder nicht ganz so positiv).

Damit wären wir nun beim für heute letzten Punkt: Wie wir in den vergangenen Wochen lernen durften, kursiert zu den deutschen Sparkassen nicht etwa eine Cost-Income-Ratio (wie man naiverweise meinen sollte), sondern deren zwei. Die eine sieht immer richtig gut aus (irgendwo zwischen 62 und 65), die andere immer noch okay (so zwischen 66 und 69). Frage in die Runde: Kann es womöglich sein, dass es noch eine dritte gibt? Und dass das dann die ist, die es mit den Cost-Income-Ratios anderer Banken zu vergleichen gilt?

 

So grotesk gehen beim Sparkassen-Gewinn die Zahlen auseinander

Von Heinz-Roger Dohms

Exklusive Recherchen des Branchen-Newsletters „Finanz-Szene.de“ zeigen: Die Gewinn-Zahlen, die der DSGV immer im März für die deutschen Sparkassen veröffentlicht, weichen deutlich von den offiziellen Statistiken der Bundesbank ab. Sehen Sie hier das sogenannte „Betriebsergebnis vor Bewertung“ (vulgo: den operativen Gewinn), einmal nach Darstellung des  DSGV selbst und einmal gemäß den Zahlen der Buba:

So weit klaffen die Aufwandszahlen bei den Sparkassen auseinander

Von Heinz-Roger Dohms

Exklusive Recherchen des Branchen-Newsletters „Finanz-Szene.de“ zeigen: Die Geschäftszahlen, die der DSGV immer im März für die deutschen Sparkassen veröffentlicht, weichen eklatant von den offiziellen Statistiken der Bundesbank ab. Sehen Sie hier die Verwaltungsaufwendungen, einmal nach Darstellung des  DSGV selbst und einmal gemäß den Zahlen der Buba:

Wie gering der Unterschied zwischen Sparkassen und Volksbanken wirklich ist

Von Heinz-Roger Dohms

Exklusive Recherchen des Branchen-Newsletters „Finanz-Szene.de“ zeigen: Die Gewinn-Zahlen, die der DSGV immer im März für die deutschen Sparkassen veröffentlicht, weichen eklatant von den offiziellen Statistiken der Bundesbank ab. Damit ist die seit Jahren immer wieder verbreitete „Erkenntnis“, die Sparkassen würden viel mehr „Betriebsergebnis vor Bewertung“ (vulgo: operativen Gewinn) erwirtschaften als die Genossenschaftsbanken, urplötzlich als Legende entlarvt. Beispiel 2015: Angeblich machten  die „Roten“ in jenem Jahr 3,5 Mrd. Euro mehr Gewinn als die „Blauen“. Wie die Recherchen von „Finanz-Szene.de“ aufdecken, betrug die Differenz in Wirklichkeit nur 2 Mrd. Euro.

Das hier sagt Wirecard zu den Vorwürfen der „Financial Times“

Wirecard notes the recent inaccurate, misleading and defamatory media coverage by the Financial Times. This announcement is being made to communicate the following points, which were made to the journalist prior to publication, to investors.

Wirecard takes all compliance and regulatory obligations extremely seriously. It has very strong governance procedures and controls and these are kept under continuous review, with any findings used to continuously improve them. It also has stringent internal and external audits. Any concerns raised by audits or individuals are always thoroughly and appropriately investigated.

No material compliance findings as to the governance and accounting practices of any Wirecard subsidiary nor the personal conduct of Mr. Kurniawan have resulted from our continuous internal and external audit activities.

It is clear that the journalist has been provided with misinformation. For example, Mr McCrum claims that “fraudulent transaction” concerned contracts between Wirecard and the company Flexi Flex. There cannot be any fraudulent transactions between Wirecard and Flexi Flex as Wirecard does not have and never has had any contractual or commercial relationship with this company. The basis for the Article and the allegations is factually flawed.

15/03/19: Die Scheingewinne der Sparkassen, Zwei neue Fintechs, Alles zu Wirecard

Exklusiv: Gewinnzahlen des DSGV weichen eklatant von offiziellen Bundesbank-Statistiken ab

Die Gewinnzahlen, die der DSGV immer im März für die deutschen Sparkassen veröffentlicht, weichen eklatant von den offiziellen Statistiken der Bundesbank ab. Das ist das Ergebnis einer Datenrecherche, für die „Finanz-Szene.de“ sämtliche relevanten Kennzahlen für den Zeitraum von 2010 bis 2017 miteinander verglichen hat. Während das sogenannte „Betriebsergebnis vor Bewertung“ laut DSGV Jahr für Jahr bei mindestens 10 Mrd. Euro liegt, kamen die Sparkassen laut Bundesbank letztmalig 2012 auf einen zweistelligen Milliardenwert. Im Schnitt lag die Abweichung bei 1,1 Mrd. Euro, in manchen Jahren erreichte sie  1,5 Mrd. Euro und mehr – eine groteske Differenz. Die Folgen? Naja, zum Beispiel müssen sämtliche Quervergleiche, die in den vergangenen  Jahren in deutschen Medien zur Ertragskraft von Sparkassen und Volksbanken gezogen wurden, mit dem heutigen Tage als praktisch wertlos gelten. Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Finanz-Szene.de

Die Grafiken zu unserer großen Sparkassen-Recherche:

  • Wie krass die Angaben zum operativen Gewinn voneinander abweichen: Finanz-Szene.de
  • Wie hoch sind die Verwaltungsaufwendungen der Sparkassen? Auch hier: riesige Unterschiede. Finanz-Szene.de
  • Wie sich der Gewinnvorsprung der Sparkassen gegenüber den Genobanken auf einmal fast halbiert: Finanz-Szene.de

Sponsored Content

Das White-Label Financial Home bietet Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern in kürzester Zeit eine Lösung, die es Endkunden ermöglicht, Bank- und Versicherungsgeschäfte digital zu managen. Mithilfe von Machine Learning werden Daten intelligent ausgewertet und Vertriebspotenziale identifiziert. Jetzt mehr erfahren auf finhome.de

News

So, die „Causa Wirecard“ erfährt dann mal allmählich ihre zeitliche Zuspitzung, würden wir behaupten. Zur Erinnerung: Es war ausgangs der „KW 6“, als aus Aschheim verlautete, bis der Untersuchungsbericht der Anwaltskanzlei Rajah & Tann vorliege, würden noch vier bis sechs Wochen vergehen (wobei ja damals laut Wirecard schon feststand, dass der Bericht die durch die „Financial Times“ erhobenen Vorwürfe widerlegen würde). Als dann so langsam die „KW 10“ zu Ende ging (genauer gesagt: am vergangenen Freitag), behauptete Wirecard-Chef Markus Braun via Twitter, die Affäre sei jetzt endlich ausgestanden – jedenfalls war das der eindeutige Subtext, obwohl der U-Bericht da weiterhin nicht vorlag. Der heutige Freitag wiederum gehört unbestreitbar zur sich nun auch schon wieder dem Ende zuneigenden „KW 11“; dennoch ist der U-Bericht noch immer nicht da (oder zumindest war er bis zu unserem Redaktionsschluss gestern Nacht noch nicht verfügbar bzw. zumindest noch nicht veröffentlicht). Welche Kalenderwoche dann die nächste ist und wie viel „6“ plus „6“ ist, können Sie selbst ausrechnen.

Freilich ist die zeitliche Zuspitzung nur das eine, das andere ist die inhaltliche Zuspitzung. Wo sich der im Zentrum der Affäre stehende Singapurer Wirecard-Manager (a.k.a. „beurlaubter Mitarbeiter“) aufhält, ist zum Beispiel weiterhin ein Rätsel – dabei hätte er doch eigentlich nichts zu befürchten, denn wie vonseiten Wirecards ja (siehe oben) stets hervorgehoben wurde, wird der Untersuchungsbericht zeigen, dass der gute Mann sich nichts zuschulden hat kommen lassen.

Die Ermittlungsbehörden in Singapur scheinen sich unterdessen auf  besagten Untersuchungsbericht trotz aller Beteuerungen Wirecards irgendwie nicht verlassen zu wollen. Sie ermitteln der Tageszeitung „Straits Times“ zufolge längst in diverse Richtungen, es gehe dabei auch um das Indien-Geschäft des Dax-Konzerns, heißt es. Das wiederum ruft bei langjährigen Wirecard-Beobachtern Assoziationen hervor. Denn der bayerische Payment-Dienstleister hatte Ende 2015 mit der Übernahme der indischen „GI Retail“ für Aufsehen gesorgt, ging es damals doch um einen gemessen am Unternehmensumsatz verblüffend hohen Kaufpreis von bis zu 340 Mio. Euro. Als das „Handelsblatt“ gestern Nachmittag einen Artikel online stellte (Paywall), in dem eine alte Räuberpistole (wenn es denn eine Räuberpistole war …) rund um den Indien-Deal nochmal aufgewärmt wurde, reichte dies, um zumindest einige Wirecard-Aktionäre nervös zu machen. Die Aktie, die Anfang der Woche infolge des Braun-Tweets noch bei bis zu 135 Euro notiert hatte, war gestern Abend bei Tradegate zeitweise schon wieder für 110 Euro erhältlich.

Übrigens, die Kalenderwoche, in der Wirecard dann hoffentlich einen von Ernst & Young testierten 2018er-Abschluss vorlegen wird (womit aus der ganzen Sache die Luft raus wäre, denn im Kern geht es ja seit Wochen um nichts anderes als die Frage, ob Wirecard an seinen Zahlen dreht …), ist termingemäß die „KW 14“. Spätestens dann können wir uns hoffentlich auch wieder anderen Themen zuwenden …

… denn es ist ja keineswegs so, als würden da draußen nicht andere Dinge passieren, die ebenfalls relevant und interessant sind, für die wir aber blöderweise wegen der ganzen Wirecard-Chose in unserem tüddeligen Newsletter an Tagen wie heute viel zu wenig Platz haben …

Oder anders gesagt, hier die Kurzmeldungen: Sollte es bei der AR-Sitzung der Deutschen Bank kommende Woche auch um die „Deutsche Commerz“ gehen, wollen die Arbeitnehmervertreter laut „Spiegel“ gegen die Aufnahme formeller Fusionsverhandlungen stimmen. Wäre das ganze Thema damit eigentlich schon durch? (Spon) +++ Die Kreissparkasse Köln will dem Online-Riesen Immobilienscout24 mit einem eigenen regionalen Immoportal namens „Erstraum.de“ die Kunden abjagen. Fragt sich allerdings, ob es wirklich so leicht ist, die Uhren zurückzudrehen. Zu wünschen wäre es ihnen ja, den Sparkassen. (HB/Paywall, KSTA) +++ Der Main Incubator (sprich: der Frühphasen-Investor der Commerzbank) baut sein Portfolio weiter aus und beteiligt sich am niederländischen Fintech „Conpend“. Was das kann? Es verfügt angeblich über eine Software-Lösung, mit der Banken das Thema Handelsfinanzierung binnen weniger Monate komplett digitalisieren können (Pressemitteilung) +++ Und noch ein Fintech, das Geld kriegt (und zwar u.a. vom Hightech-Gründerfonds), diesmal ein deutsches, es heißt HandEX. Was kann das? Angeblich irgendwas ganz, ganz Revolutionäres im Bereich der Exportfinanzierung. (Pressemitteilung) +++ Huch, und dann noch ein kleiner Klopper: Wie die „Börsen-Zeitung“ heute Morgen berichtet, wird der „Fiducia & GAD“-Chef Klaus-Peter Bruns den genossenschaftlichen IT-Dienstleister um Jahresende verlassen. Nun läuft dann zwar einerseits Bruns‘ Vertrag aus. Andererseits: Der Mann ist erst 52. Kein Wunder, dass die Aufsichtsräte von der Nachricht überrascht worden seien, so die BÖZ (Paywall).

Sponsored Content

Die Revolution im Brokerage? Die Trade Republic bietet eine rein mobile Depoteröffnung an, überzeugt mit einfachen Such- und Filterfunktionen, personalisierter Timeline sowie langen Handelszeiten von 7:30 bis 23 Uhr. Es gibt keine Provisionsgebühren, keine Depotgebühr, keine Mindestanlagesumme – es fällt lediglich 1 Euro Fremdkostenpauschale pro Order an. Weitere Infos hier: www.traderepublic.com.

Linktipps

Für alle, die sich für die „Deutsche Commerz“ interessieren, haben wir heute sogar zwei Lesetipps: Auf diese acht Männer kommt’s jetzt an (Financial Times, Paywall) +++ Warum die Deutsche und Commerzbank zum Traualtar humpeln, statt zu schreiten (Bloomberg)

Für alle Leser, die beim Thema Wirecard noch immer nicht gähnend abwinken: Bei Spiegel-Online gibt es eine hervorragende Zusammenfassung der ganzen Geschichte, mit drei Szenarien, wie die Sache letztlich ausgehen könnte: Spon

Cash, mit Karte oder mit Smartphone – wie sollten wir rationalerweise bezahlen? Paymentandbanking

Klickfavorit

… war gestern der Artikel „Wer Champion sagt, muss auch Blutbad sagen“ zur „Deutschen Commerz“. Manager Magazin

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

15/03/19: Die Scheingewinne der Sparkassen, Was macht der Dt.-Bank-AR?, Wirecard

Exklusiv: Gewinnzahlen des DSGV weichen eklatant von offiziellen Bundesbank-Statistiken ab

Die Gewinnzahlen, die der DSGV immer im März für die deutschen Sparkassen veröffentlicht, weichen eklatant von den offiziellen Statistiken der Bundesbank ab. Das ist das Ergebnis einer Datenrecherche, für die „Finanz-Szene.de“ sämtliche relevanten Kennzahlen für den Zeitraum von 2010 bis 2017 miteinander verglichen hat. Während das sogenannte „Betriebsergebnis vor Bewertung“ laut DSGV Jahr für Jahr bei mindestens 10 Mrd. Euro liegt, kamen die Sparkassen laut Bundesbank letztmalig 2012 auf einen zweistelligen Milliardenwert. Im Schnitt lag die Abweichung bei 1,1 Mrd. Euro, in manchen Jahren erreichte sie  1,5 Mrd. Euro und mehr – eine groteske Differenz. Die Folgen? Naja, zum Beispiel müssen sämtliche Quervergleiche, die in den vergangenen  Jahren in deutschen Medien zur Ertragskraft von Sparkassen und Volksbanken gezogen wurden, mit dem heutigen Tage als praktisch wertlos gelten. Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Finanz-Szene.de

Die Grafiken zu unserer großen Sparkassen-Recherche:

  • Wie krass die Angaben zum operativen Gewinn voneinander abweichen: Finanz-Szene.de
  • Wie hoch sind die Verwaltungsaufwendungen der Sparkassen? Auch hier: riesige Unterschiede. Finanz-Szene.de
  • Wie sich der Gewinnvorsprung der Sparkassen gegenüber den Genobanken auf einmal fast halbiert: Finanz-Szene.de

Sponsored Content

Das White-Label Financial Home bietet Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern in kürzester Zeit eine Lösung, die es Endkunden ermöglicht, Bank- und Versicherungsgeschäfte digital zu managen. Mithilfe von Machine Learning werden Daten intelligent ausgewertet und Vertriebspotenziale identifiziert. Jetzt mehr erfahren auf finhome.de

News

So, die „Causa Wirecard“ erfährt dann mal allmählich ihre zeitliche Zuspitzung, würden wir behaupten. Zur Erinnerung: Es war ausgangs der „KW 6“, als aus Aschheim verlautete, bis der Untersuchungsbericht der Anwaltskanzlei Rajah & Tann vorliege, würden noch vier bis sechs Wochen vergehen (wobei ja damals laut Wirecard schon feststand, dass der Bericht die durch die „Financial Times“ erhobenen Vorwürfe widerlegen würde). Als dann so langsam die „KW 10“ zu Ende ging (genauer gesagt: am vergangenen Freitag), behauptete Wirecard-Chef Markus Braun via Twitter, die Affäre sei jetzt endlich ausgestanden – jedenfalls war das der eindeutige Subtext, obwohl der U-Bericht da weiterhin nicht vorlag. Der heutige Freitag wiederum gehört unbestreitbar zur sich nun auch schon wieder dem Ende zuneigenden „KW 11“; dennoch ist der U-Bericht noch immer nicht da (oder zumindest war er bis zu unserem Redaktionsschluss gestern Nacht noch nicht verfügbar bzw. zumindest noch nicht veröffentlicht). Welche Kalenderwoche dann die nächste ist und wie viel „6“ plus „6“ ist, können Sie selbst ausrechnen.

Freilich ist die zeitliche Zuspitzung nur das eine, das andere ist die inhaltliche Zuspitzung. Wo sich der im Zentrum der Affäre stehende Singapurer Wirecard-Manager (a.k.a. „beurlaubter Mitarbeiter“) aufhält, ist zum Beispiel weiterhin ein Rätsel – dabei hätte er doch eigentlich nichts zu befürchten, denn wie vonseiten Wirecards ja (siehe oben) stets hervorgehoben wurde, wird der Untersuchungsbericht zeigen, dass der gute Mann sich nichts zuschulden hat kommen lassen.

Die Ermittlungsbehörden in Singapur scheinen sich unterdessen auf  besagten Untersuchungsbericht trotz aller Beteuerungen Wirecards irgendwie nicht verlassen zu wollen. Sie ermitteln der Tageszeitung „Straits Times“ zufolge längst in diverse Richtungen, es gehe dabei auch um das Indien-Geschäft des Dax-Konzerns, heißt es. Das wiederum ruft bei langjährigen Wirecard-Beobachtern Assoziationen hervor. Denn der bayerische Payment-Dienstleister hatte Ende 2015 mit der Übernahme der indischen „GI Retail“ für Aufsehen gesorgt, ging es damals doch um einen gemessen am Unternehmensumsatz verblüffend hohen Kaufpreis von bis zu 340 Mio. Euro. Als das „Handelsblatt“ gestern Nachmittag einen Artikel online stellte (Paywall), in dem eine alte Räuberpistole (wenn es denn eine Räuberpistole war …) rund um den Indien-Deal nochmal aufgewärmt wurde, reichte dies, um zumindest einige Wirecard-Aktionäre nervös zu machen. Die Aktie, die Anfang der Woche infolge des Braun-Tweets noch bei bis zu 135 Euro notiert hatte, war gestern Abend bei Tradegate zeitweise schon wieder für 110 Euro erhältlich.

Übrigens, die Kalenderwoche, in der Wirecard dann hoffentlich einen von Ernst & Young testierten 2018er-Abschluss vorlegen wird (womit aus der ganzen Sache die Luft raus wäre, denn im Kern geht es ja seit Wochen um nichts anderes als die Frage, ob Wirecard an seinen Zahlen dreht …), ist termingemäß die „KW 14“. Spätestens dann können wir uns hoffentlich auch wieder anderen Themen zuwenden …

… denn es ist ja keineswegs so, als würden da draußen nicht andere Dinge passieren, die ebenfalls relevant und interessant sind, für die wir aber blöderweise wegen der ganzen Wirecard-Chose in unserem tüddeligen Newsletter an Tagen wie heute viel zu wenig Platz haben …

Oder anders gesagt, hier die Kurzmeldungen: Sollte es bei der AR-Sitzung der Deutschen Bank kommende Woche auch um die „Deutsche Commerz“ gehen, wollen die Arbeitnehmervertreter laut „Spiegel“ gegen die Aufnahme formeller Fusionsverhandlungen stimmen. Wäre das ganze Thema damit eigentlich schon durch? (Spon) +++ Die deutschen Bankenverbände haben gestern eindringlich für eine Generalreform von „Mifid II“ geworben und die bisherigen Umsetzungskosten mit für alle deutschen Banken 6 Mrd. Euro beziffert. Diese Zahl ist insofern bemerkenswert, als die „Börsen-Zeitung“ heute Früh daran erinnert, dass vor einem Jahr von 1 Mrd. Euro die Rede war. Ja, was denn nun? (BÖZ, Paywall) +++ Während der Crédit-Agricole-Manager Ripoll gestern in Frankfurt betont hat, es gebe „keinen Bedarf, eine gigantische europäische Bank zu schmieden“, betonte JP-Morgan-Chef Dimon, Europas Banken bräuchten große grenzüberschreitende Fusionen.  Sind wir also wieder ein bisschen schlauer. +++ Die Kreissparkasse Köln will dem Online-Riesen Immobilienscout24 mit einem eigenen regionalen Immoportal namens „Erstraum.de“ die Kunden abjagen. Fragt sich allerdings, ob es wirklich so leicht ist, die Uhren zurückzudrehen. Zu wünschen wäre es ihnen ja, den Sparkassen. (HB/Paywall, KSTA) +++ Der Main Incubator (sprich: der Frühphasen-Investor der Commerzbank) baut sein Portfolio weiter aus und beteiligt sich am niederländischen Fintech „Conpend“. Was das kann? Es verfügt angeblich über eine Software-Lösung, mit der Banken das Thema Handelsfinanzierung binnen weniger Monate komplett digitalisieren können (Pressemitteilung) +++ Und noch ein Fintech, das Geld kriegt (und zwar u.a. vom Hightech-Gründerfonds), diesmal ein deutsches, es heißt HandEX. Was kann das? Angeblich irgendwas ganz, ganz Revolutionäres im Bereich der Exportfinanzierung. (Pressemitteilung) +++ Huch, und dann noch ein kleiner Klopper: Wie die „Börsen-Zeitung“ heute Morgen berichtet, wird der „Fiducia & GAD“-Chef Klaus-Peter Bruns den genossenschaftlichen IT-Dienstleister um Jahresende verlassen. Nun läuft dann zwar einerseits Bruns‘ Vertrag aus. Andererseits: Der Mann ist erst 52. Kein Wunder, dass die Aufsichtsräte von der Nachricht überrascht worden seien, so die BÖZ (Paywall).

Sponsored Content

Die Revolution im Brokerage? Die Trade Republic bietet eine rein mobile Depoteröffnung an, überzeugt mit einfachen Such- und Filterfunktionen, personalisierter Timeline sowie langen Handelszeiten von 7:30 bis 23 Uhr. Es gibt keine Provisionsgebühren, keine Depotgebühr, keine Mindestanlagesumme – es fällt lediglich 1 Euro Fremdkostenpauschale pro Order an. Weitere Infos hier: www.traderepublic.com.

Linktipps

Für alle, die sich für die „Deutsche Commerz“ interessieren, haben wir heute sogar zwei Lesetipps: Auf diese acht Männer kommt’s jetzt an (Financial Times, Paywall) +++ Warum die Deutsche und Commerzbank zum Traualtar humpeln, statt zu schreiten (Bloomberg)

Für alle Leser, die beim Thema Wirecard noch immer nicht gähnend abwinken: Bei Spiegel-Online gibt es eine hervorragende Zusammenfassung der ganzen Geschichte, mit drei Szenarien, wie die Sache letztlich ausgehen könnte: Spon

Cash, mit Karte oder mit Smartphone – wie sollten wir rationalerweise bezahlen? Paymentandbanking

Klickfavorit

… war gestern der Artikel „Wer Champion sagt, muss auch Blutbad sagen“ zur „Deutschen Commerz“. Manager Magazin

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!