So (verblüffend) groß ist die BNP Paribas mittlerweile in Deutschland

Von Heinz-Roger Dohms

Vor anderthalb Jahren ist die BNP Paribas mal ein bisschen aus der Deckung gekommen. Da gab Deutschland-Chef Lutz Diederichs – damals frisch im Amt – die Losung aus: 2 Mrd. Euro Ertrag bis 2020. Jenseits dieses Umsatzziels allerdings: Weiß man zahlenmäßig so gut wie nichts über das hiesige Geschäft der größten französischen Bank (was daran liegt, dass die BNP keine eigenständige Deutschland-Tochter unterhält). Jedenfalls: Wir haben uns trotzdem mal auf die Suche nach den Zahlen gemacht. Und siehe da: Wir sind fündig geworden, zumindest ein bisschen. Und waren durchaus erstaunt. Denn wussten Sie, dass die BNP Paribas hierzulande deutlich mehr Mitarbeiter hat als die ING Groep (trotz Diba). Und zuletzt mehr Geld verdient hat als z.B. die Unicredit (trotz HVB) in ihrer deutschen Privat- und Firmenkunden-Sparte. Und dass sie wächst wie Hulle? Voilà:

1.)    Ertragswachstum

Die BNP Paribas hat ihre Erträge zwischen 2014 und 2018 um die Hälfte gesteigert – wobei der Sprung in 2015 u.a. auf die Übernahme der DAB Bank zurückzuführen ist (die später mit der Nürnberger Consorsbank – die den Franzosen schon deutlich länger gehört – verschmolzen wurde) Doch selbst, wenn man nur die Zahlen seit 2015 betrachtet, kommt die BNP hierzulande auf ein Gesamtwachstum von knapp 24% und einen CAGR von 7,4%. Um übrigens bis 2020 tatsächlich auf 2 Mrd. Euro zu kommen, bräuchte es dieses und nächstes Jahr ein durchschnittliches Ertragswachstum von 9,2% (noch zum Vergleich: Die ING Deutschland kam 2018 auf Erträge in Höhe von 2,1 Mrd. Euro.

2.)    Mitarbeiterwachstum

Die Belegschaft ist seit 2014 um gut 28% gewachsen. Auch hier spielt die Übernahme der DAB Bank eine Rolle – der größte Teil des Wachstums war aber organischer Natur. So stockte die BNP Paribas hierzulande allein 2018 um gut 400 Mitarbeiter auf. Zur Einordnung: Der Headcount von zuletzt 5342 Mitarbeitern ist fast um die Hälfte größer als der der ING Deutschland, der per Ende 2018 bei 3650 lag (gerechnet jeweils als „Vollzeitäquivalente“.

3.)    Vorsteuergewinn

Die mutmaßlich hohen Investitionen (vor allem im Firmenkundengeschäft und neuerdings auch im Wealth Management) belasten offenkundig das Ergebnis. So erwirtschaftete die BNP Paribas in Deutschland nach 423 Mio. Euro in 2015 in den beiden darauffolgenden Jahren nur noch 380 Mio. Euro bzw. 322 Mio. Euro. Allerdings zog der Vorsteuergewinn 2018 dann auch immerhin wieder auf 413 Mio. Euro an. Das war ähnliche viel wie beispielsweise die Helaba – und mehr, als die Unicredit in ihrem „Commercial Banking – Germany“ (das dem Privat- und Firmenkundengeschäft der Hypo-Vereinsbank entspricht) verdient hat.

Das hier sind die 14 Einheiten der BNP Paribas in Deutschland

Von Heinz-Roger Dohms

Knapp 1,7 Mrd. Euro Ertrag, gut 400 Mio. Gewinn, fast 5500 Mitarbeiter: Die BNP Paribas ist in Deutschland verblüffend groß, zeigen Recherchen von „Finanz-Szene.de“. Hier ein Überblick über die Einheiten* der französischen Bank in Deutschland.

Arval Leasing / Flottenmanagement
BNP Paribas Asset Management Inst. Vermögensverwaltung
BNP Paribas Cardif Versicherung
BNP Paribas Corporate & Institutional Banking Firmenkundengeschäft
BNP Paribas Factor Factoring
BNP Paribas Leasing Solutions Leasing / gewerbl. Investitionen
BNP Paribas Real Estate Immobilienmanagement
BNP Paribas Real Estate Investment Management Immobilieninvestments
BNP Paribas Securities Services Wertpapierdienstleistungen
BNP Paribas Wealth Management Vermögensberatung
Consorsbank Online-Broker
Consors Finanz BNP Paibas Konsumentenkredite/Absatzfin.
DAB BNP Paribas B2B für unabh. Vermögensverwalter
Von Essen Bank Konsumentenkredite

* Den schwammigen Begriff „Einheiten“ haben wir gewählt, weil nicht jede der aufgeführten Unternehmungen denselben rechtlichen Status hat (die Consorsbank zum Beispiel ist nur eine Marke, die direkt zur BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland gehört – und unter dem Dach dieser Niederlassung wiederum sind zwar die meisten Einheiten aufgehängt, aber beileibe nicht alle. Es ist kompliziert.)

Exklusiv: So (verblüffend) groß ist die BNP Paribas mittlerweile in Deutschland

26/03/19: So riesig ist die BNP Deutschland, Die dysfunktionale Bank, Apple launcht Kreditkarte

Exklusiv: So (verblüffend) groß ist die BNP Paribas mittlerweile in Deutschland

Vor anderthalb Jahren ist die BNP Paribas mal ein bisschen aus der Deckung gekommen. Da gab Deutschland-Chef Lutz Diederichs – damals frisch im Amt – die Losung aus: 2 Mrd. Euro Ertrag bis 2020. Jenseits dieses Ziels indes: Weiß man zahlenmäßig so gut wie nichts über das hiesige Geschäft der größten französischen Bank (was daran liegt, dass die BNP keine eigenständige Deutschland-Tochter unterhält). Jedenfalls: Wir haben uns trotzdem mal auf die Suche nach Zahlen gemacht. Und siehe da: Wir sind fündig geworden, zumindest ein bisschen. Und waren durchaus erstaunt. Denn wussten Sie, dass die BNP Paribas 1.) hierzulande mehr Mitarbeiter hat als die ING Groep (ING Diba!). Dass sie 2.) mehr Geld verdient als die Unicredit (HVB!) in ihrer deutschen Privat- und Firmenkunden-Sparte. Und dass sie 3.) wächst wie Hulle? Voilà: Finanz-Szene.de (die BNP-Zahlen), Finanz-Szene (alle deutschen BNP-Einheiten auf einen Blick)

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News

Eines der vielen Geheimnisse, die den Zahlungsdienstleister Wirecard umranken, ist seit gestern Früh (wieder mal: dank der „Financial Times“) gelüftet: Und zwar handelt es sich bei der Bank, bei der sich Vorstandschef Markus Braun vor anderthalb Jahren 150 Mio. Euro geliehen hat (wofür er einen Teil seiner Wirecard-Aktien als Sicherheit hinterlegte), um niemand anderes als – was dann doch überrascht – die Deutsche Bank. Zwei Gedanken hierzu: 1.) Interessant, welche Institute mehr oder weniger direkt bei Wirecard mitmischen, siehe auch unsere Wirecard-Goldman-Geschichte neulich. Und 2.) Wirecards Bankschulden sind zuletzt ja (obwohl ein Acquirer in der Theorie ja eigentlich über reichlich Cash verfügen sollte) auf 1,3 Mrd. Euro angeschwollen. Wir hatten gemutmaßt, dass die Coba und die ING Diba zu den Kreditbanken zählen könnten. Vielleicht müssen wir unsere Mutmaßungen revidieren oder wenigstens ergänzen. Financial Times (Paywall)

Nochmal Aschheim: Die maximal sechs Wochen, innerhalb derer Wirecard den Untersuchungsbericht der Singapurer Kanzlei Rajah & Tann veröffentlichen wollte, sind seit Sonntagabend rum – und zwar ohne dass der Bericht bislang veröffentlicht wurde (oder haben Sie was mitgekriegt?). Die Aktie schlug sich gestern – nach einem ganz kurzen Abrutschen auf 93 Euro – trotzdem wacker und notierte am Abend bei 99 Euro, was auch schon am Freitag der Schlusskurs gewesen war.

Warum gibt es bei Wikipedia eigentlich keinen Eintrag zum Stichwort „Dysfunktionale Bank“? Wir  hätten da einen Definitionsvorschlag: „Eine dysfunktionale Bank ist eine Bank, die a) zur Steigerung ihres Nachsteuergewinns um ein Prozent nichts weiter tun müsste, als einem einzigen ihrer rund 90.000 Mitarbeiter die sogenannte Funktionszulage zu streichen, bei der b) aber kein Vorstand, kein Aufsichtsrat und offenbar auch kein im Aufsichtsrat vertretener Arbeiterführer auch nur im entferntesten auf die Idee käme, diese simple Maßnahme tatsächlich zu ergreifen.“

Davon abgesehen gehen wir davon aus, dass Sie sich übers Wochenende bereits ausreichend in anderen Medien zum Thema „Geschäftsbericht Deutsche Bank 2018“ informiert haben. Falls nicht, hier eine kleine Link-Auswahl:

  • Geschäftsbericht (die Vergütung von Herrn Ritchie erfahren Sie auf Seite 189, die Vergütung von Herrn Bsirske auf Seite 216)
  • Süddeutsche (die Gehälter der Vorstände auf einen Blick)
  • FAZ (satte Abfindung für Herrn Cryan)
  • efinancialcareers (Dt. Bank stellt 50% mehr Absolventen ein)

Kurzmeldungen: Der Deutsche-Bank-Ankeraktionär aus Katar steht der geplanten Fusion mit der Commerzbank zwar nicht rundheraus ablehnend, aber doch skeptisch gegenüber (Bloomberg) +++ Die 100-Mio.-Euro-Runde des Berliner Fintechs Raisin neulich soll „bis zur Profitabilität“ reichen, hat CEO Tamaz Georgadze dem „Manager Magazin“ erzählt (Print) +++ Der legendäre Frankfurter Investmentbanker und Mainfirst-Gründer Patrick Bettscheider verfolgt in Österreich große Pläne (Die Presse) +++ Die zu den Sparkassen gehörende „Deutsche Leasing“ hat ihr Neugeschäft 2018 auf 9,2 Mrd. Euro gesteigert (Pressemitteilung) +++ Lustig, dass die Fintech Group jetzt 45,3% der Stimmrechte  an „windeln.de“ innehat. Ist aber natürlich nur temporär, heißt es (DGAP) +++ Die DWS hat einen neuen PR-Chef, nämlich Adib Sisani (PR Report)

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Linktipps

„Künstliche Intelligenz ist ein Riesenthema“: HVB-Chef Michael Diederich über die Digitalisierung des Bankgeschäfts. Süddeutsche

Uiuiui, der „Head of Public Affairs“ der ING Deutschland hat aber eine erstaunlich klare Meinung zu den Fusionsplänen der Deutschen Bank und der Commerzbank: Weiß der gute Mann etwa mehr als wir? Twitter

Der neu formierte Fintech-Rat hat dann auch gleich mal sein erstes Positionspapier verabschiedet – und zwar zum Thema „Cloud“. BMF

„Very much in the process of being resolved“: Mit diesem knapp zweiminütigen Video hat sich der Wirecard-Chef übers Wochenende an seine Belegschaft gewendet (und natürlich indirekt auch an die Öffentlichkeit). Twitter

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