Mysterium: EZB lässt Gewinne deutscher Banken explodieren

Von Heinz-Roger Dohms

Europas Banken mangelt es an Ertrag? Aber nicht doch! Natürlich, räumte EZB-Chef Mario Draghi kürzlich ein, seien die Geldhäuser in der Eurozone weniger profitabel als die in den USA. Aber mit den japanischen Banken  könnten es die europäischen sehr wohl aufnehmen. Und den britischen seien sie in Sachen Profitabilität sogar überlegen  – „obwohl es dort keine Negativzinsen gibt“, so Draghi in seinen einleitenden Worten auf der letzten EZB-Pressekonferenz. Fragt sich nur: Auf welcher Datengrundlage stellt die EZB derlei Behauptungen eigentlich auf? Denn: Wie „Finanz-Szene.de“ im Februar exklusiv berichtet hatte, weichen die EZB-Zahlen zu den Gewinnen deutscher Banken zum Beispiel meilenweit von denen der Bundesbank an. Und es kommt noch doller: Denn laut der zwischenzeitlich veröffentliche Neunmonats-Statistik für 2018 sind die Gewinne der deutschen Banken laut EZB im vergangenen Jahr regelrecht explodiert – obwohl GuV-Auswertungen von „Finanz-Szene.de“ darauf hindeuten, dass die aggregierten Ergebnisse der hiesigen Kreditwirtschaft im vergangenen Jahr gesunken sein dürften. Was geht da vor sich?

Der Versuch einer Analyse (in drei Akten):

1.) Die Profitmaschine

Entdeckt hat die mysteriöse Gewinn-Vermehrung der Düsseldorfer Datenspezialist Barkow Consulting. „Geht die Gewinnexplosion der deutschen Banken weiter?“, fragte darum der Barkow-Experte Wolfgang Schnorr in einem neulich online gestellten Blogbeitrag und kam zu dem Schluss: „Entweder arbeitet im deutschen Bankensektor eine unbekannte Profit-Maschine – oder die EZB-Zahlen sind bedeutungslos. Aus offensichtlichen Gründen tendieren wir zu letzterer Annahme.“

Hier der Blogbeitrag im Original:

German Banks‘ Profit Explosion Continues?

2.) Unsere Fragen

Womöglich, so dachte Herr Schnorr und so dachten natürlich auch wir, gibt es für die Gewinnexplosion eine einfache Erklärung: Wir wir in unserem Vergleich der EZB-Zahlen mit den Bundesbank-Zahlen neulich durchexerziert haben,  fehlen in der EZB-Statistik traditionellerweise die frisch gebildeten Reserven nach §340g HGB („Fonds für allgemeine Bankrisiken“). Das sind „Gewinne“, die die nach HGB bilanzierenden deutschen Banken zwar erwirtschaften haben, aber nicht als Ergebnis ausweisen (eben weil sei bilanziell gesehen in den Rücklagen verschwinden). Die Buba bereinigt diesen Effekt und zeigt die Gewinne in ihren Zahlen sehr wohl. Die EZB tat’s bislang nicht. Tut sie es jetzt plötzlich doch – und ist das die Erklärung für die wundersame Gewinn-Vermehrung?

Jedenfalls, wir schickten den Notenbankern folgende Frage::

Wenn man sich die Gewinnstatistiken der EZB für die deutschen Banken anschaut, dann gibt es drei markante Sprünge:

  • Von 2016 auf 2017 geht es von 8,6 auf 14,2 Mrd. Euro Nachsteuergewinn rauf
  • Von Q3 2017 nach Q4 2017 geht es von 5,9 Mrd. Euro auf 14,2 Mrd. Euro rauf
  • Von Q3 2017 nach Q3 2018 geht es von 5,9 Mrd. Euro auf 16,3 Mrd. Euro rauf

Lässt sich das irgendwie erklären? Bzw.: Ist es wirklich so, dass sich der Netto-Aufbau von §340g-HGB-Reserven in der EZB-Statistik auch weiterhin gewinnMINDERND auswirkt. Oder hat es da vielleicht eine methodische Veränderung gegeben – was dann womöglich die Sprünge in den Statistiken erklären könnte?

3.) Die gemeinsame Antwort von EZB und Buba

Wie das freundlicherweise so ist: Wer als Journalist eine Frage an die Notenbanken schickt, der bekommt auch immer eine Antwort. Diesmal lautete sie wie folgt (Hinweis: Jetzt wird’s sehr technisch und sehr langatmig. Wenn Sie sich das nicht antun wollen, dann scrollen Sie doch bitte einfach runter zur Conclusio):

Zu Ihrem Punkt: Ergebnis nach Steuern stieg von 8,6 Mrd € im Jahr 2016 auf 14,2 Mrd € im Jahr 2017

Bis zum dritten Quartal 2017 wurden die „Consolidated Banking Data“ (CBD) für Deutschland auf Basis von aufsichtsrechtlichen nationalen Meldungen nach den nationalen Rechnungslegungs-Grundsätzen sowie von FINREP-Meldungen auf IFRS-Grundlage (gemäß dem technischen Durchführungsstandard der EBA) erstellt. Die CBD-Werte bis zum dritten Quartal 2017 enthalten FINREP-Zahlen aus harmonisierten Quellen unter Verwendung der IFRS wie auch Zahlen auf Grundlage der nationalen Berichtsanforderungen, die auf dem Handelsgesetzbuch (HGB) und der Verordnung über die Rechnungslegung der Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute (RechKredV) basieren. Dies wird in den CBD separat ausgewiesen, allerdings nicht in den Positionen des gesamten Berichtskreises.

Seit dem vierten Quartal 2017 enthalten die CBD auch FINREP-Daten für die nach nationalen Rechnungslegungs-Grundsätzen (GAAP), d. h. dem HGB, bilanzierende Institute. Grundlage hierfür ist die EZB-Verordnung über die Meldung aufsichtlicher Finanzinformationen durch nach nationalen GAAP bilanzierende Institute innerhalb des SSM. Daher umfassen die CBD sowohl FINREP-Daten für nach IFRS bilanzierende Banken als auch FINREP-Daten für Banken, die diese nach Maßgabe des HGB melden (Verordnung (EU) 2015/534 der Europäischen Zentralbank). Aufgrund der unterschiedlichen Datenquellen änderte sich die Datenerhebung für die CBD ab dem vierten Quartal 2017 von einem HGB-basierten Datenformat zu einem Format auf Basis des harmonisierten FINREP für „national GAAP“.

Dieser Zeitpunkt wurde gewählt, um konsistente Zeitreihen ab dem Jahresende 2017 erstellen zu können. Allerdings können die Daten für das dritte Quartal 2017 nicht mit den Daten für das vierte Quartal 2017 verglichen werden. Überdies werden seit der Berücksichtigung des FINREP für alle Institute, auch für nach „national GAAP“ bilanzierende meldepflichtige Institute – sofern vorhanden – konsolidierte Meldewerte ermittelt, und zwar anstelle von Werten auf Einzelinstitutsebene (wie bis zum dritten Quartal 2017). Daher sind in den Ertragsdaten der CBD zusätzliche Effekte durch die Einbeziehung von Tochterunternehmen auf konsolidierter Basis zu verzeichnen. Auch dieser Effekt dürfte einen aussagekräftigen Vergleich der Daten zur Gewinn- und Verlustrechnung aus der deutschen CBD-Stichprobe bis zum dritten Quartal 2017 mit den Daten seit dem vierten Quartal 2017 erschweren.

Zu Ihren Punkten: Ergebnis nach Steuern stieg von 5,9 Mrd € im dritten Quartal 2017 auf 14,2 Mrd € im vierten Quartal 2017 bzw. Ergebnis nach Steuern stieg von 5,9 Mrd € im dritten Quartal 2017 auf 16,3 Mrd € im dritten Quartal 2018

Wie bereits in der Antwort zu Frage 1 erläutert, ist es nicht möglich, die bis zum dritten Quartal 2017 erhobenen CBD-Werte mit jenen ab dem vierten Quartal 2017 auf konsistenter Basis zu vergleichen.

Wie schon beschrieben, könnte die steigende Differenz der Ergebniswerte – neben wirtschaftlichen Einflüssen auf Gewinne und Verluste – vor allem auf methodische Änderungen zurückzuführen sein, die sich aus der Anwendung der FINREP-Meldevorschriften auch für deutsche Institute, die nach „national GAAP“ bilanzieren, ergeben haben. Wir gehen davon aus, dass in der Zeit nach dem methodischen Bruch die Zeitreihen der CBD-Datenerhebung zur wirtschaftlichen Lage ohne diesen Effekt stabil analysiert werden können.

Zu Ihrem Punkt: Auswirkungen von Rücklagen gemäß § 340g HGB

Der ausgewiesene Wert für Gewinne oder Verluste vor Steuern enthält Umwidmungen in den Fonds für allgemeine Bankrisiken nach § 340g HGB. Die gemäß § 340g gebildeten Rücklagen fließen daher in die Gewinn- und Verlustrechnung des Instituts ein. Dies gilt für Daten nach dem nationalen Berichtswesen (bis zum dritten Quartal 2017) wie auch für die FINREP-Zahlen (seit dem vierten Quartal 2017). Betroffen sind daher Institute, deren Bilanzierung sich nach „national GAAP“ bzw. HGB richtet.*

Conclusio

Um mal ein wenig die Komplexität rauszunehmen: Die Gewinnexplosion ist eine Folge methodischer Veränderungen – und diese Veränderungen sind so grundlegend, dass die alten Zahlen mit den neuen nicht mehr zu vergleichen sind (ein ziemlich krasser Bruch, finden wir, aber so ist es nun mal).

Offen bleibt aus unserer Sicht die Frage, worin die methodische Änderung denn nun besteht. Wir hatten mit der EZB und der Bundesbank in den vergangenen Monaten verschiedenste Schriftwechsel zur statistischen Erfassung der 340g-Reserven. Und um ehrlich zu sein: Mittlerweile ist unser Eindruck, dass sich die EZB und die Buba in ihren die Antworten zu diesem Punkt bewusst missverständlich ausdrücken, warum auch immer sie das tun.

Zur Veranschaulichung: Hier nochmal (nach unserer Ansicht eindeutig) formulierte Frage:

Ist es wirklich so, dass sich der Netto-Aufbau von §340g-HGB-Reserven in der EZB-Statistik auch weiterhin gewinnMINDERND auswirkt?

Würden EZB/Buba hierauf mit „Nein“ antworten, wären aus unserer Sicht alle Rätsel gelöst – denn dann käme die Gewinn-Explosion mutmaßlich aus der Klassifizierung des Netto-Aufbau von 340-Rücklagen als Gewinn.

Würden EZB/Buba hingegen mit „Ja“ antworten, wüsste man zumindest, woher der plötzliche Gewinnanstieg nicht kommt – und dass man also i.d.T. vor einem Rätsel steht.

EZB/Buba indes antworten:

Der ausgewiesene Wert für Gewinne oder Verluste vor Steuern enthält Umwidmungen in den Fonds für allgemeine Bankrisiken nach § 340g HGB.

Was heißt das nun? Es liest sich im ersten Moment so, als würde der Netto-Aufbau von 340g-Reserven jetzt auch von der EZB als Gewinn klassifiziert (also Antwort „Nein“ auf unsere Frage). Tatsächlich vermuten sowohl Herr Schnorr als auch wir allerdings, dass das genaue Gegenteil gemeint ist – also dass der ausgewiesene Wert „Umwidmungen enthält“ in dem Sinne, dass der Netto-Aufbau von 340g-Reserven in den ausgewiesenen Gewinnen der Banken berücksichtigt ist – sich diese Gewinnminderung also weiterhin in den EZB-Zahlen widerspiegelt (spricht: Anwort „Ja“ auf unsere Frage).

100% sicher sind wir uns allerdings nicht. Heißt: Bis auf weiteres lassen EZB und Buba uns sogar rätseln, ob wir wirklich vor einem Rätsel stehen.


*Hier noch die entsprechende Formulierung in der englischsprachigen Antwort, die wir ebenfalls erhielten:

„The reporting value profit or loss before taxes contains reallocations of the fund for general banking risk according to Article 340g German Commercial Code. The allocation of Article 340 g reserves therefore flows in to the profit or loss of the institution. This holds true for the national reporting values (until Q3 2017) as well as for the FINREP reporting figures (since Q4 2017). This affects institutions reporting based on national GAAP.“

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Warum Achleitner sich selber schadet, wenn er Sewing widerspricht

Von Christian Kirchner

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten aus Frankfurt. Eine davon: Bei Commerzbank und Deutscher Bank wird Meinungspluralismus jetzt ganz groß geschrieben. Erklärte Commerzbank-Chef Martin Zielke vor dem Zusammenbrechen der Fusionsgespräche noch, „Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht“ , so ist die Coba jetzt plötzlich „alleine stark genug“, wie Zielke am Sonntag in der „WamS“ erklärte.

Derweil bei der Deutschen Bank: Kündigte Vorstandschef Christian Sewing am Sonntag einen möglichen Strategieschwenk im Investmentbanking an, nur um einen Tag später von seinem Aufsichratschef Paul Achleitner korrigiert zu werden. Der nämlich erläuterte in der „FT“  man müsse im teuren und zuletzt sogar defizitären Investmentbanking keineswegs die Strategie ändern. Es gehe vielmehr um die „Execution“, also um die Ausführung (wobei Achleitner bekanntermaßen, auch wenn er Deutsch spricht, nicht „Ausführung“ sagt, sondern „Äcksekjuschen“).

Jedenfalls: Wenn die Vergangenheit eines lehrt, dann, dass Achleitner, wenn er sich per Interview zu Wort meldet, eine Agenda verfolgt. Mal zählte er seinen damaligen CEO Anshu Jain an, weil jeder ersetzbar sei (Wiwo, 2015), mal trat er gegen scheidende CEOs wie bei John Cryan nach, weil es mit der Geschwindigkeit gehapert habe (FAZ, 2018), mal kündigte er per Interview schon mal vorsorglich an, er selber trete nicht zurück (FAS, 2018).

Und diesmal? Erläuterte Achleitner in der „FT„,  man müsse im teuren und zuletzt sogar defizitären Investmentbanking keineswegs die Strategie ändern. Es gehe viel mehr um die „Execution“, also um die Ausführung. Und das alles, nachdem tags zuvor sein Vorstandschef Christian Sewing in der FAS zum Thema Investmentbanking gemeint hatte, wenn sich die Dinge nicht nachhaltig verbesserten, „werde ich auch so konsequent sein und sagen: Da müssen wir uns etwas anderes überlegen.“

Nun könnte man die meinungspluralistischen Aussagen Sewings und Achleitners als kommunikative Lappalie abtun. Tatsächlich aber illustrieren beide Aussagen, in welch tiefen Problemen die Deutsche Bank steckt. Ein Aufsichtsratschef, der mal wieder in der alte Muster verfällt, dass die Strategie (unter seiner Ägide) ja eigentlich ganz okay sei, aber es nur an der Umsetzung hapere. Und ein Vorstandschef, der zumindest kurzfristig keinen Plan präsentiert, wie er denn strategisch weitermachen will, obwohl Analysten (kleine Auszüge hier) und Investoren danach gieren. Dabei sollten allen Beteiligten schon die initialen Reaktionen – weiter sinkender Kurs, weiter steigende Risikoprämien – eine Warnung sein.

Eines aber hat sich verändert in den letzten Monaten: Achleitners Position ist inzwischen deutlich geschwächt. Bei Christian Sewing handelt es sich um den dritten Vorstandsvorsitzenden während seiner 2012 gestarteten Amtszeit. Weitere Personal-und Strategierochaden unter seiner Führung als Aufsichtsratschef werden sich die Großaktionäre kaum bieten lassen, Achleitners Verbleib ist eng mit SewingsErfolg oder Misserfolg verbunden. Egal, ob es an der Strategie oder der Umsetzung liegt.

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Die geheimen Berlin-Pläne des Schweden-Fintechs Klarna

Von Heinz-Roger Dohms

Als das schwedische Payment-Unicorn gestern Früh seine (übrigens sehr guten) 2018er-Zahlen präsentierte, ließ es sich die deutsche Pressestelle nicht nehmen, eine eigene Pressemitteilung zu verschicken. Tenor: In der Dach-Region (47%) wachse der Zahlungsdienstleister sogar stärker als konzernweit – und in Deutschand mache Klarna mittlerweile mehr Umsatz als in Schweden.

Das alles passt zu einem Gerücht, dass in der Payment-Szene schon länger rumgereicht wird, auch wenn es nicht unbedingt plausibel* und nach offiziellen Angaben Klarnas definitv falsch ist – nämlich dass die Schweden ihren Hauptsitz angeblich von Stockholm nach Berlin verlegen wollten. Indes: Indes: Irgendwas scheint da doch trotzdem zu laufen zwischen Klarna und der deutschen Hauptstadt, oder?

Kurz zum Hintergrund: Erster Deutschland-Sitz von Klarna war Köln. Vor zwei Jahren verlegten die Skandinavier ihr hiesiges Headquarter dann aber nach München, wo zuvor bereits die Tochter Sofortüberweisung gesessen hatte (wobei diese genau genommen in Gauting vor den Toren der Stadt saß, bevor Anfang 2017 dann die Klarna-Leute und die Sofort-Leute in der Münchner Innenstadt zusammengezogen wurden).

Jedenfalls: Obwohl München seither also als offizieller Deutschland-Sitz firmiert, schält sich mittlerweile auch ein inoffizieller Klarna-Deutschland-Sitz heraus – nämlich Berlin (wo Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski von Stockholm aus mit dem Flugzeug eine dreiviertel Stunde schneller ist, als wenn er bis München muss). Ein simples Indiz hierfür: Für den Standort München sucht Klarna momentan gerade mal noch sechs neue Leute. Für Berlin hingegen sind es dagegen schon deren 23 – darunter übrigens auch ein Recruiting-Spezialist.

Gut möglich, so erzählen es Insider, dass der Standort Berlin demnächst nicht nur quantitativ, sondern auch formell aufgewertet wird (auch wenn es vom Unternehmen keine Bestätigung für diese Information gibt). Konkret: Berlin könnte zum konzernweiten „Talent Hub“ von Klarna ausgebaut werden.


* Plausibilitätscheck: 1.) Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski soll in Stockholm mehr oder weniger seeshaft geworden sein; 2.) Klarna will früher oder später an die Börse. Hierfür scheint die amerikanisch-skandinavische Nasdaq-OMX quasi prädestiniert.

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Exklusiv: Ex-DZ-Bank-Manager wird Finanzchef von N26

Von Heinz-Roger Dohms

Der Vorstand der Berliner Smartphone-Bank N26 ist wieder komplett. Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ tritt der Niederländer Richard Groeneveld die Nachfolge des kürzlich ausgeschiedenen Finanz-und Risikochefs Matthias Oetken an. Groeneveld war von 2002 bis 2016 Chief Operating Officer des Frankfurter Schiffs- und Transportfinanzierer DVB Bank, einer Tochter des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank. Laut seines LinkedIn-Profils gründete Groeneveld danach mit Partnern eine Beratungsfirma für Robotic Process Automation. Parallel amtierte er als Beirat der Deutschland-Tochter der niederländischen NIBC-Bank.

Zum Hintergrund: Die Führungsstruktur von N26 gleicht einer Matrix. Die beiden aus Österreich stammenden Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal stehen der eigentlichen N26 GmbH vor. Darunter hängt die N26 Bank mit dem Vorstandschef Markus Gunter (Ex-CEO der damaligen DAB Bank) und nun eben Groeneveld. Die Konstruktion dürfte u.a. dem Umstand geschuldet sein, dass Stalf und Tayenthal – als N26 vor drei Jahren als erstes deutsches Fintech eine Banklizenz erhielt – die damals gegründete Bank-Tochter mangels Bafin-Zulassung gar nicht hätten führen dürfen. Wie viel Einfluss die eigentlichen „Banker“ auf die Geschicke von N26 haben, ist indes nicht wirklich klar. Als das „Handelsblatt“ neulich von schwerer Kritik der Bafin an den Strukturen bei N26 berichtete, lautete eine der Vorhaltungen: Der Mutterkonzern übernehme zu viele Aufgaben für die Tochter. „Klar ist, dass die Gründer diejenigen sind, die stärker pushen, während der Bankvorstand im Zweifel auch mal bremsen muss“, sagt ein Insider zum Verhältnis zwischen Unternehmens- und Bankvorstand. „Diese Rollenverteilung ist aber völlig natürlich.“

„Finanz-Szene.de“ hatte im Januar als erstes Medium über die bevorstehende Demission von Finanz- und Risikochef Oetken berichtet. Kurz danach entspann sich die N26-Affäre mit Berichten über Betrugsfälle, Fake-Konten und die harsche Kritik der Bonner Aufseher an der Smartphone-Bank. Auf den ersten Blick drängt sich die Vermutung auf, die Vorstands-Personalie könnte mit den Problemen bei N26 zusammenhängen. Tatsächlich dürfte allerdings die offizielle Lesart, stimmen wonach Oetken das einzige deutsche Milliarden-Fintech verlassen hat, um sich eigenen beruflichen Projekten zuzuwenden. Eines von mehreren Indizien: Die von der Bafin bei einer sog. 44er-Prüfung festgestellten  Unzulänglichkeiten betrafen den Marktbereich – nicht die von Oetken unmittelbar verantwortete Marktfolge. Der frühere HSH-Nordbank-Manager hatte seinen Abgang intern schon im vorigen Sommer angekündigt, aber versprochen, im Amt zu bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei.

N26-Gründer Maximilian Tayenthal kommentierte die Verpflichtung Groenevelds gegenüber „Finanz-Szene.de“ wie folgt: „Wir freuen uns sehr, dass wir Richard für N26 gewinnen konnten. Er hat einen beeindruckenden Track Record bei Prozessverbesserungen sowie im Risikomanagement und bei der Kontrolle von Abläufen. Damit wird er uns ideal bei dem für uns hoch relevanten Thema Skalierbarkeit und Sicherheit von Prozessen verstärken und voranbringen.“ Groeneveld selber sagte: „Es gibt momentan wohl keine spannendere Bank als N26. Ich freue mich sehr, dass ich nun meine Expertise und Vision einbringen kann, um die weitere Entwicklung der N26 Bank maßgeblich mitzugestalten, neue Standards zu setzen und Teil der Erfolgsgeschichte von N26 zu sein.”

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„Einfach scheiße“: Das Aus der Bankenfusion in den Medien

Von Heinz-Roger Dohms

Das war’s also mit der Deutschen Commerz – und auch mit unserer ausufernden Berichterstattung über dieselbe. Bevor wir aber den Deckel draufmachen, wollen wir Ihnen noch einen ganz kleinen Überblick geben, wie das Ende der Fusionsverhandlungen übers Wochenende medial nachbesprochen wurde:

„Die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ist abgeblasen, aber die Probleme bleiben. Bald könnte Deutschland die einzige Industrienation ohne Großbank sein“, warnt die „Zeit“. Letzten Endes hätten sich alle Beteiligten für den Weg des geringsten Widerstands entschieden – und müssten nun hoffen, dass der nicht zum Holzweg werde. Zeit

Auch der „Spiegel“ beschäftigt sich mit der Frage, ob es ohne Deutsche Commerz in Zukunft denn überhaupt noch eine hiesige Großbank zur Finanzierung der deutschen Industrie geben wird: Hierbei zitiert das Magazin Finanzminister Scholz, der in kleiner Runde angeblich gesagt haben soll: „Wenn die Fusion scheitert, können wir von Glück reden, wenn wir nur eine Bank verlieren.“ Wenn eine Industrienation wie Deutschland keine eigene Großbank mehr habe, dann sei das „einfach scheiße“. Der „Spiegel“ wäre freilich nicht der „Spiegel“, würde er sich dieser Sichtweise anschließen. Stattdessen schreiben die Kollegen: Nach der Finanzkrise hätten ausländische Banken ihre Kreditvergabe in Deutschland zwar tatsächlich reduziert – kompensiert hätten diesen Rückgang aber nicht die Großbanken, sondern in erster Linie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Spiegel (Print, S. 54, 55)

Commerzbank-Chef Martin Zielke hat einen Interviewtermin mit der „Welt am Sonntag“ unterdessen genutzt, um sich selber Mut zuzusprechen: „Wir sind alleine stark genug, um unseren Weg zu gehen“, sagte Zielke der „Welt am Sonntag“. Dass er vor Wochen noch gesagt hatte, ein „Weiter so“ könne es nicht geben, heiße nicht, „dass wir nicht allein weitermachen können. Das können wir sehr wohl“. Welt (Zusammenfassung)

Zielkes Deutsche-Bank-Pendant Christian Sewing vertraute sich derweil der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ an – und erhöhte den Druck auf die eigenen Investmentbanker: „Im Kapitalmarktgeschäft haben wir zuletzt wenig verdient“, sagte Sewing. Zwar könne die Deutsche Bank in diesem Bereich wieder wachsen, falls sich die Märkte stabilisieren sollten. Richtig sei allerdings auch: „Wenn sich das nicht nachhaltig verbessert, dann werde ich auch so konsequent sein und sagen: Da müssen wir uns etwas anderes überlegen.“ FAZ (Paywall)

Nochmal zurück zur Commerzbank: Bereits am Freitag hatte das „HB“ (offenkundig gefüttert aus den Reihen eines Frankfurter Geldinstituts mit gelbem Logo) zur Frage einer möglichen Alternativ-Fusion mit entweder der Unicredit oder der ING geschrieben: „Im Commerzbankturm stellen sich die Verantwortlichen in den kommenden Wochen zwar auf viel Lärm rund um internationale Interessenten ein, aber letztlich auf Lärm um nichts.“ Handelsblatt (Paywall)

Conclusio: Entweder Herr Zielke will sich teurer machen, als er ist (obwohl die Coba-Aktie im Zuge des Deutsche-Commerz-Flirts ja ohnehin schon markant an Wert zugelegt hat). Oder er steht der Idee einer grenzüberschreitenden Zusammenschlusses tatsächlich mit erstaunlich klarer Ablehnung gegenüber (wofür ja auch sprechen würde, dass die „SZ“ neulich schrieb, bei der Coba würde man ein Übernahmeangebot durch die Unicredit sogar als „feindlich“ einstufen).

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DWS: Gespart wird bei Muttern (-53%), nicht den Gehältern (+14%)

Von Christian Kirchner

Wenn die Fondsgesellschaft DWS Zahlen vorlegt wie am Freitag, lohnt ein näheres Hinschauen. Warum? Wenn es schon in andere Bereichen bei der Deutschen Bank hineinregnet (das Investmentbanking arbeitete im 1. Quartal defizitär, im Privat- und Firmenkundengeschäft sanken die Gewinne um 11% zum Vorjahresquartal) – dann sollte doch wenigstens die Fondstochter liefern. Und zur Erinnerung: Stabile Erträge wie eben aus dem Fondsgeschäft sollen laut Christian Sewings (nun wieder aktuellem) Plan A künftig zwei Drittel der Erträge beisteuern.

Hier die interessantesten Punkte aus dem DWS-Zahlenwerk:

  • Die 2017 und 2018 zu verzeichnenden Mittelabflüsse sind gestoppt, im ersten Quartal flossen der DWS netto wieder 2,5 Mrd. Euro zu. Auch beim Vorsteuergewinn ging es nach oben, nach 140 Mio. Euro im ersten Quartal 2018 hat die DWS nun 153 Mio. Euro erwirtschaftet. Gut für die Deutsche Bank: Ihr fließen demnächst für das Jahr 2018 über 200 Mio. Euro an DWS-Dividenden zu.
  • An den großen, strukturellen Negativtrends allerdings, die der DWS und vielen anderen Vermögensverwaltern zusetzen, hat sich auch im ersten Quartal 2019 (und damit dem ersten vollständigen unter dem neuen Vorstandschef Asoka Wöhrmann) nichts geändert. Genauer: Der Mix im verwalteten Vermögen verschlechtert sich, weil es Zuflüsse vor allem im margenschwachen Passivgeschäft gibt (konkret: 6,2 Mrd. Euro in Q1), aber weiter leichte Abflüsse im margenstarken aktiven Fondsmanagement. Und so bröckeln auch die Erträge und vor allem die Marge weiter ab, nach 31,0 Basispunkten (gemessen am verwalteten Vermögen) im 1. Quartal 2018 auf nunmehr 30,0 im 1.  Quartal 2019.
  • Auch bei der Cost-Income-Ratio ist das Glas eher halbleer denn halbvoll: Die DWS sieht sich zwar auf dem besten Wege, ihre Kostenziele für 2019 zu erreichen. Die Cost-Income-Ratio liegt indes immer noch bei 71,4 Prozent (und mithin höher als im Schlussquartal 2018) und damit ein gutes Stück über dem Zielwert von unter 65 Prozent, der nun „mit höchster Priorität“ verfolgt werden soll.
  • Gibt es denn irgendwo wenigstens mal ein kräftiges Plus? Aber ja! Bei den Gehältern und Benefits, wie aus der Analystenpräsentation hervorgeht. Die stiegen im Q1 um 7 Prozent zum Vorquartal und 14 Prozent zum Vorjahresquartal auf nunmehr 192 Mio. Euro. Das sei, hüstel, eine Funktion der „Normalisierung der Bonusabgrenzung“ und „saisonalen Effekten“ geschuldet, heißt es. Aber wie gelang es der DWS dann, trotzdem auf sinkende Kosten zu kommen? Die gingen gegenüber dem Vorjahresquartal schließlich insgesamt um 38 Mio. Euro zurück. Kräftig Kosten herausgenommen hat die DWS bei den „Gebühren für DWS-Funktionen in Deutsche-Bank-Einheiten“ und „DB Gruppengebühren“. Sie betrugen in Q1 2018 noch zusammen 80 Mio. Euro, jetzt nur noch 38 Mio. Euro – sanken mithin also recht genau in der Größenordnung, in der die Kosten insgesamt gesunken sind. Ob das Kostenmanagement tatsächlich so „tight“ ist, wie man es sich selbst diagnostiziert und Asoka Wöhrmann noch den Besen findet, mit dem er die Treppe von oben kehren wird, werden daher erst die kommenden Quartale zeigen.

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Deutsche-Bank-Zahlen: Drei Thesen in 30 Sekunden

Von Christian Kirchner

Die Deutsche Bank hat am Freitag detaillierte Zahlen zum Verlauf des ersten Quartals geliefert. Das Wichtigste zu den Zahlen in drei Thesen und 30 Sekunden

  • Die Zahlen haben die (zuletzt gesunkenen) Erwartungen der Analysten mindestens erreicht oder gar übertroffen, so dass unter dem Strich ein Nettogewinn von 200 Mio. Euro übrig geblieben ist. Vorstandschef Christian Sewing macht bei den Kosten raschere Fortschritte als sein Vorgänger. Problematisch ist allerdings, dass sie nicht schneller fallen (8% zum Vorjahresquartal) als die Erträge (minus 9% zum Vorjahresquartal vor Sondereffekten). Nun ist die quartalsweise Betrachtung stets etwas grobschlächtig. Allerdings…
  • … sind steigende Umsätze laut der Bank die Bedingung, dass die Bank ihre die Ertragsziele von 4% Eigenkapitalrendite 2019 und mittelfristig 10% erreicht. Die Umsätze steigen aber nicht, sondern: fallen. Es ist nun klarer denn je, dass es nicht in der Hand der Bank liegt, diese Ertragsziele zu erreichen, sondern die Marktbedingungen mitspielen müssen. So arbeitete die Investmentbank-Sparte im ersten Quartal defizitär; wie hoch in diesem Segment die Erträge ausfallen, hängt auch davon ab, ob es starke Kursschwankungen gibt oder Unternehmen mehr oder weniger Aktien und Anleihen platzieren oder Fusionsberatung brauchen.
  • Will die Bank sich bei einer bedenklich niedrigen Profitabilität nicht zu stark ins Risiko begeben – sprich, schlicht darauf hoffen, dass die Rahmenbedingungen mitspielen – muss Christian Sewing einen Plan B präsentieren (Hier mehr dazu). Einen Plan, der über das aktuelle Konzept deutlich hinaus geht, also einfach die Kosten grob in dem Maße senken, wie die Erträge weiter zerbröseln. Die Deutsche Bank erwirtschaftet aktuell seit Anfang 2018 weniger als 1% Eigenkapitalrendite, weist eine Cost-Income-Ratio von 93% und einen auf 15 Mrd. Euro geschrumpften Börsenwert auf.

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Alles zur geplatzen Fusion Deutsche/Commerzbank

Von Christian Kirchner

Woran hat es denn nun gelegen? Womöglich daran, dass sich kaum jemand außer Vertretern des Finanzministeriums überhaupt für den Deal erwärmen oder ihm eine industrielle Logik abgewinnen konnte. Denn, so schreibt das Handelsblatt heute: Selbst im optimistischsten Szenario wäre bei der Fusion eine Großbank mit einer Eigenkapitalrendite im mittleren einstelligen Bereich herausgekommen. Zur Einordnung: das ist rund die Hälfte dessen, was Großbanken in Europa erwirtschaften. Dennoch hätten selbst für dieses Szenario 30.000 Jobs wegfallen müssen. Ein wesentlicher Grund für die schwache Rentabilität: Dissynergien, sprich: wegfallende Erträge durch überlappende Kundenstrukturen, die erst einmal wieder hereingeholt werden müssen.

Nun gibt es kaum Gewinner, aber viele Verlierer: Die beiden beteiligten Banken dürften den ein oder anderen Kunden und auch wertvollen Mitarbeiter verloren haben, zusätzlich rund drei Monate Zeit, ihrem Ziel der höheren Profitabilität näher zu kommen. Und Berlin steht reichlich blamiert da. Zwar reklamieren nun beide Institute für sich, dem Treiben ein Ende gesetzt zu haben („Wir und die Deutsche Bank haben entschieden…“, twitterten wir und die Esel, Verzeihung: natürlich die Commerzbank zum Ende der Gespräche) – am Ende ging es aber nur noch darum, einen Vorgang, der kaum Unterstützer hatte, gesichtswahrend zu Ende zu bringen.

Wer am gestrigen ja doch ereignisreichen Tag die Nachrichtenlage nicht verfolgt hat, dürfte mit Blick auf die Aktienkurse am Abend kaum die Frage aufwerfen, was denn da los gewesen sei. Die Deutsche Bank: minus 1,5%. Die Commerzbank: minus 2,3 Prozent. Unauffällig also. Offenbar hat das Ende der Fusionsgespräche niemanden wirklich überrascht.

Dürfen wir Sie auf eine klitzekleine Feinheit in der Kommunikation des Abbruchs der Gespräche hinweisen? „Die Commerzbank bleibt bei ihrer Strategie“, heißt es keck in der Ad Hoc der Commerzbank. Die Deutsche Bank wird weiterhin alle Alternativen prüfen, um langfristig die Profitabilität und die Renditen für ihre Aktionäre zu steigern“ heißt es in der zeitgleich versandten Mitteilung der Deutschen Bank. Das trifft (zur Analyse hier) den Sachverhalt gut auf den Punkt, dass sich die Deutsche Bank in einer größeren Drucksituation befindet als die Commerzbank…

… wobei das mit der Drucksituation allerdings auch (noch) nicht unbedingt akut ist. Denn Huckepack mit der Ad-Hoc-Mitteilung zum Abbruch der Fusionsgespräche flog die Deutsche Bank quasi nebenher die wichtigsten Eckdaten ihrer eigentlich erst für heute geplanten Zahlen zum ersten Quartal 2019 ein. Die konnten sich durchaus sehen lassen: Die Erträge (6,4 Mrd.) wie die Kosten (5,9 Mrd. Euro) insgesamt trafen ebenso genau den Analystenkonsens wie der Gewinn vor Steuern (290 Mio. Euro). Beim Nachsteuergewinn (200 Mio. Euro) lag man gar über den Schätzungen. Das ist zwar noch weit entfernt von einer branchenüblichen Profitabilität. Allerdings sei man auch auf gutem Wege, das Kostenziel von 2019 (21,8 Mrd. Euro nach noch 22,8 Mrd. 2018) zu erreichen und berichtete in einem offenen Brief von Nettozuflüssen bei der Asset-Management-Tochter DWS und „sich verbessernden Marktbedingungen“ zum Ausgang des Quartals.

Bevor allerdings allzu große Euphorie aufkommt: die künftigen Gewinnerwartungen an beide Institute sind, gemessen am aktuellen Börsenwert, weiter eher bescheiden.  Und daran hätte auch eine Fusion nichts geändert, auch die Deutsche Commerz wäre an der Börse ein Hinterbänkler gewesen.

Börsenwert der Banken der Eurozone in Mrd. Euro, Stand 25.4.2019

Kommentare/Linktipps:

Es sei ein „Trügerisches Aufatmen“ zu vernehmen, kommentiert die FAZ.  Denn die Probleme beider Banken blieben schließlich bestehen. Die Ertragspotenziale der Commerzbank seien limitiert, und bei der Deutschen Bank  seien viele Versuche gescheitert, Aufwand und Ertrag auf ein akzeptables Maß zu bringen.

Das Handelsblatt findet das „Ende mit Schrecken“ in Sachen Fusion zwar gut, haut aber in die gleiche Kerbe: Es bedeute keineswegs das Ende mit Schrecken für beide Institute. Für die fingen die Probleme jetzt erst an.

Kann man eigentlich einen über einen Monat alten Kommentar nochmals verlinken? Man muss sogar. Insbesondere dann, wenn er das Scheitern der Fusion gerade wegen des „dilettantischen Vorgehens des Finanzministeriums“ vorhergesehen hat. Denn: Der von Berlin ausgeübte öffentliche Druck habe beide Banken über Monate in eine peinliche Lage manövriert. Und überhaupt die Öffentlichkeit eingeladen, die Fusion auf dem öffentlichen Marktplatz zu zerreden. Spiegel Online.

Eine „vernichtende Niederlage“ sieht auch Bloomberg für Finanzminister Scholz. Der brauche nun einen neuen Plan, um den problematischen deutschen Bankensektor zu sanieren und/oder konsolidieren.

Gibt es überhaupt Gewinner in dem Ganzen? Ja, natürlich: die Angestellte in den Banken, deren Jobs die Synergieeffekte hätten liefern müssen, schreibt der Stern.

Stark fragmentiert und „overbanked“
wäre der deutsche Bankenmarkt selbst im Falle eines Gelingens der Fusion geblieben, schreibt die FT in einem Feature. Was vor allem an der starken Position der Sparkassen liege. FT (Paywall)

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Warum die Deutsche Bank einen Großumbau braucht

Von Christian Kirchner

Nun ist es offiziell: Die Deutsche Bank und die Commerzbank brechen ihre Fusionsgespräche ab. Nach „gründlicher Prüfung“ habe sich herausgestellt, „dass ein solcher Zusammenschluss nicht im Interesse der Aktionäre beider Unternehmen sowie anderer Interessengruppen wäre“, heißt es in der entsprechenden Ad-Hoc-Mitteilung.

Doch wie geht es nun weiter? Die Commerzbank ist nun in einer bequemen Position: Sie kann in Ruhe die losen Interessenbekundungen anderer Institute wie der ING oder der Unicredit sondieren. Schlimmstenfalls ist selbst ein schwach rentables „Weiterwurschteln“ für sie eine Option. Weil es keine existenziellen Risiken für die Bank birgt. Sie kann deshalb in ihrer Ad Hoc zum Abbruch der Gespräche auch explizit schreiben: „Die Commerzbank bleibt bei ihrer Strategie.“

Ganz anders sieht es bei der Deutschen Bank aus. Denn: Der Ansatz von Vorstandschef Christian Sewing (das Universalbank-Modell fortführen, auf radikale Einschnitte verzichten) stößt an seine Grenzen. Sie kann eben nicht weiterwurschteln in der Hoffnung, dass sich alles fügen wird mit der Rentabilität. Dafür ist die Gefahr zu groß, dass der Aktienkurs so weit sinkt, dass Kapitalmaßnahmen kaum noch möglich sind und/oder sich ihre Risikowahrnehmung noch weiter verschlechtert. Kurz: Ein Scheitern der aktuellen Strategie birgt für sie existenzielle Risiken. Daran ändern auch gleich mit veröffentlichte Vorab-Quartalszahlen nichts, nach denen im ersten Quartal die Analystenschätzungen erreicht oder gar leicht übertroffen wurden und ein Gewinn nach Steuern von 200 Mio. Euro übrig blieb.

Die Deutsche Bank muss nun einen Plan präsentieren, womöglich den nächsten „Strategieschwenk“, wie es so schön heißt. Und das aus fünf Gründen.

Grund 1: Alles, wirklich alles läuft gegen die Bank.

Die im Branchenvergleich gar nicht mal so ambitionierten Ziele aus dem letzten Frühjahr (4% Eigenkapitalrendite dieses Jahr, über 10% in 2021) tragen stets die Fußnote „in einem normalisierten Umfeld“. Das Umfeld hat sich aber nicht „normalisiert“, im Gegenteil. Seit Sewings Amtsantritt vor gut einem Jahr sind drei Dinge passiert, die so kaum absehbar waren, der Deutschen Bank aber schwer zusetzen.

Erstens sind alle Hoffnungen auf eine baldige Zinswende in der Eurozone verpufft. Statt mit wieder höheren Zinserträgen zu kalkulieren, muss sich auch die Deutsche Bank auf niedrigere einstellen. Zweitens brechen auch die Erträge im Investmentbanking ein – im ersten Quartal für Europas Banken vermutlich in der Größenordnung von rund einem Viertel zum Vorjahresquartal. Und drittens hat sich die Kreditwürdigkeit der Bank gemessen an den Prämien für eine Kreditausfallversicherung seit Sewings Antritt um rund ein Drittel verschlechtert. Das schlägt direkt auf die Profitabilität der Bank durch, die sich laufend am Anleihenmarkt refinanzieren muss.

Grund 2: Selbst die notorisch optimistischen Analysten haben den Glauben verloren

Während Europas Banken im Schnitt 11% Eigenkapitalrendite erwirtschaften, trauen die Analysten der Deutschen Bank nicht mal zu, die deutlich bescheideneren Ziele von 4% bzw. mindestens 10% zu erreichen. Im Schnitt rechnen die Experte für dieses Jahr mit mageren 1,5%, der größte Optimist glaubt an 2,8%. Und für 2021? Halten die Optimisten auch nicht mehr als 5% für möglich, der Schnitt liegt bei 3,5%.

Angesichts solch verheerender Schätzungen (und vor dem Hintergrund des unter Sewing um 35% gefallenen Aktienkurses), kann die Deutsche Bank nicht länger warten, dass sich die Rahmenbedingungen an den Märkten bessern. Sondern: Es ist an der Zeit gegenzusteuern, ehe sich die Rahmenbedingungen verschlechtern.

Grund 3: Die Schrumpfung des Investmentbankings überfordert die finanziellen Kapazitäten der Bank

Die Lösung der Ertragsschwierigkeiten der Bank liegt vordergründig auf der Hand: Man sperre einfach jene Bereiche des Investmentbankings zu, in denen das Verhältnis zwischen Kosten, Risiko und Gewinnbeiträgen (vom Image ganz zu schweigen) schon seit Jahren aus dem Ruder läuft: etwa das US-Geschäft oder den Handel. Zumal: Das Investmentbanking steht für mehr als zwei Drittel der aufgeblähten Bilanzsumme und der risikogewichteten Aktiva, bindet also viel Kapital, das man für andere Zwecke verwenden oder ausschütten könnte.

Infolge einer solchen Operation wäre die Bank zwar deutlich langweiliger, aber auch Risiken los. Die Kreditwürdigkeit würde sich verbessern und die Profitabilität steigen – denn im Privat- und Firmenkundengeschäft, im konservativen Teil des Investmentbankings, im Transaktionsgeschäft und mit der Fondstochter DWS verdient die Deutsche Bank ja durchaus Geld (wenn auch nicht viel).

Das Problem: Die Deutsche Bank hat den Zeitpunkt für solch ein Manöver verpasst. Im Investmentbanking müsste eine vermutlich fünfstellige Anzahl an Mitarbeitern abgefunden, Bilanzposten über Jahre geschrumpft, Mietverpflichtungen beendet werden. In einer idealen Welt zahlt eine Bank diese Prozedur schlicht aus dem Kapital, das dadurch „frei“ wird bilanziell oder als Eigenkapital ohnehin vorhanden ist. Dazu aber ist die Deutsche Bank aber – und damit werden wie eher spekulativ – kaum mehr in der Lage. Sie müsste sich das nötige Kapital stattdessen vermutlich besorgen. Aber wo bzw. wie? Eine Möglichkeit wäre der Verkauf des 80%-Anteils an der DWS, der momentan gut 5 Mrd. Euro wert ist. Damit aber verlöre die Bank einen ihrer sichersten Ertragsbringer.

Bleibt eine Kapitalerhöhung. Vor Jahren wäre ein solcher Schritt zu den damals noch deutlich höheren Aktienkursen ein Leichtes gewesen. Jetzt, mit nur noch rund 16 Mrd. Euro Börsenwert, wäre eine starke Verwässerung die Folge. 5 bis 10 Mrd. Euro bräuchte man vermutlich, um ohne Risiko (!) eine sicherere und rentablere Bank als heute zu bauen. Dafür müsste man peinlicherweise jene Aktionäre anpumpen, bei denen man in den vergangenen Jahren schon 27 Mrd. Euro über Kapitalerhöhungen eingesammelt hat, um eben doch das ganz große Rad als globale Universalbank mit großem Investmentbanking weiter drehen zu können.

Grund 4: Das Narrativ der abgearbeiteten Altlasten ist zusammengebrochen

Die Kommunikationsstrategie der Deutschen Bank sieht vor, die Rechtsstreitigkeiten als weitgehend abgearbeitete Altlasten anzusehen, für die man ausreichend Rückstellungen gebildet habe und die das Werk längst gegangener Mitarbeiter waren. Entsprechend hart wurden das Institut und seine Mitarbeiter von der spektakulären (und womöglich auch übertriebenen) Razzia im November (Vorwurf: Geldwäsche) erwischt. Im jüngsten Quartalsbericht heißt es sogar explizit, „negative Nachrichten zur Deutschen Bank, einschließlich der Hausdurchsuchung an Standorten der Bank Ende November“ hätten die Erlöse beeinträchtigt.

Es geht also um weit mehr als nur ums Image. Die Deutsche Bank gilt aufgrund ihrer schwachen Profitablität und großen Bilanzsumme ohnehin als schwer vermittelbar für Fusionen und Akquisitionen. Dass ein möglicher Partner fürchten muss, sich noch unentdeckte Risiken einzuladen, schwächt die Position der Bank zusätzlich.

Grund 5: Die Bank hat keinen Puffer mehr

In den Fusionsverhandlungen der vergangenen Wochen hat sich eines deutlich abgezeichnet: Die Deutsche Bank braucht die Commerzbank dringender als umgekehrt. Allen voran, weil ein verschmolzenes Institut als sicherer gelten würde mit dem Bund als Aktionär und einer vermutlich günstigeren Refinanzierung.

Zwar ist die Kapitalausstattung der Deutschen Bank gut. Selbst wenn die notorisch optimistischen Annahmen der Analysten zutreffen, dass die Kosten in diesem Jahr um eine weitere halbe Mrd. Euro schrumpfen, würde der Gewinn nach Steuern (und nach Zinsen für Nachranganleihen) aber trotzdem nur bei rund 500 Mio. Euro liegen. Ein schmaler Grat bei rund 25 Mrd. Euro Erlösen und gut 1300 Mrd. Euro Bilanzsumme – und exakt der Grund für das in Kursverlusten und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,25 gemessene Misstrauen von Aktionären.

Jede unerwartete Verschlechterung der konjunkturellen und börslichen Großwetterlage schlüge rasch durch in neuerliche Verluste. Was vermutlich auch der Grund für die Ungeduld Berlins war – und der Idee, sich des Risikos des Scheiterns der Deutschen Bank über eine Fusion mit der Commerzbank gesichtswahrend zu entledigen.

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Wirecard legt Abschluss vor – Ernst&Young nickt ab

Von Christian Kirchner und Heinz-Roger Dohms

Die zweieinhalbmonatige Zitterpartie um den größten deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard dürfte fürs Erste beendet sein. Nach diversen Medienberichten über angebliche Bilanz-Mauscheleien legte der Dax-Konzern am Morgen seinen 2018er-Abschluss vor – inklusive eines uneingeschränkten Testats des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young. Damit sendet Wirecard binnen 24 Stunden das nächste Vertrauenssignal, nachdem gestern Früh bereits verkündet worden war, dass der renommierte japanische Tech-Investor Softbank bei dem bayerischen Payment-Spezialisten einsteigt. Später am Tag steht noch die Bilanz-Pressekonferenz an, der erste öffentliche Auftritt von Vorstandschef Markus Braun, seit die „Financial Times“ Ende Januar den ersten von mehreren kritischen Artikeln über Wirecard veröffentlichte.

Ernst & Young geht in einem achtseitigen, eng beschriebenen Bestätigungsvermerk auf mehrere der kritischen Punkte als „besonders wichtige Prüfungssachverhalte“ explizit ein. So heißt es wörtlich…

… über das Asien-Geschäft, insbesondere die Vorwürfe in Zusammenhang mit dem Singapur-Geschäft:

„Direkte und indirekte Auswirkungen der Erkenntnisse aus Untersuchungen, die aufgrund der Anschuldigungen durchgeführt wurden, betreffen insbesondere die Werthaltigkeit von immateriellen Vermögenwerten, die Existenz von Umsätzen sowie den Bestand an und die Werthaltigkeit von Forderungen. (…)  Prüferisches Vorgehen: Zur Prüfung des Ansatzes von Umsatz- und Einkaufstransaktionen, der Bewertung von Forderungen und Verbindlichkeiten sowie der Abbildung von Verträgen in der Finanzbuchhaltung und im konsolidierten Konzernabschluss haben wir uns mit den von den gesetzlichen Vertretern der Gesellschaften des Wirecard Konzerns eingerichteten Prozessen zur inhaltlichen Aufbereitung der Anschuldigungen auseinander gesetzt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse haben wir mit den uns vorgelegten Ausarbeitungen unabhängiger Dritter sowie der internen Compliance Abteilung abgeglichen. Auf dieser Grundlage haben wir ausgeweitete Prüfungshandlungen zu ähnlichen Sachverhalten vorgenommen. Zudem haben wir Vorgänge sowie die getroffenen Einschätzungen zu Sachverhalten in Gesprächen mit Funktionsträgern der betroffenen Gesellschaften, Lieferanten, Kunden und einbezogenen Rechtsanwälten, auch unter Einbindung eigener forensischen Experten, gewürdigt. Aus unseren Prüfungshandlungen haben sich keine Einwendungen gegen die bilanzielle Behandlung von Sachverhalten auf Grundlage der Erkenntnisse aus Untersuchungen, die aufgrund von Beschuldigungen eines Hinweisgebers in Singapur durchgeführt wurden, ergeben.

… über die Werthaltigkeit der Geschäftswerte:

„Insbesondere haben wir unter Einbezug von Bewertungsspezialisten in das Prüfungsteam die zugrundeliegenden Bewertungsmodelle sowohl methodisch als auch rechnerisch nachvollzogen. Ferner haben wir untersucht, ob die Konzernplanung allgemeine und branchenspezifische Markterwartungen widerspiegelt sowie die im Rahmen der Schätzung der Nutzungswerte verwendeten Bewertungsparameter – insbesondere die geschätzten Wachstumsraten, die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensätze sowie die Steuersätze – gewürdigt. Zur Beurteilung der Planungstreue haben wir einen Soll-Ist Abgleich von historischen Plandaten mit den tatsächlichen Ergebnissen vorgenommen. Zudem haben wir uns mit den durch die gesetzlichen Vertreter erstellten Sensitivitätsanalysen der Nutzungswerte gegenüber der Veränderung bedeutender Annahmen befasst, um den Einfluss von Änderungen bestimmter Parameter zu verstehen und ein mögliches Wertminderungsrisiko einschätzen zu können. Weiterhin haben wir die entsprechenden Angaben im Konzernanhang beurteilt. Aus unseren Prüfungshandlungen haben sich keine Einwendungen hinsichtlich der Bewertung der Geschäftswerte ergeben.“

… über die Bewertung der Forderungen sowie Realisierung und Ausweis der Umsatzerlöse gegenüber Acquiring-Partnern

„Im Rahmen unserer Prüfungshandlungen haben wir die vertraglich mit den Acquiring-Partnern vereinbarten und unternehmensintern festgelegten Verfahren sowie die im Rahmen des Risikomanagementprozesses bestehende Überwachung und Steuerung der Acquiring-Partner durch die gesetzlichen Vertreter gewürdigt und die Kontrollmechanismen hinsichtlich der Forderungsbewertung getestet. Zur Beurteilung der finanziellen Risiken haben wir darüber hinaus Bestätigungsschreiben der Acquiring-Partner für das Bestehen der Forderungen sowie von Chargebacks / Fines eingeholt und diese Angaben bei der Beurteilung der Bewertung der Forderungen berücksichtigt. Als weitere Nachweise zum Bestehen der Forderungen haben wir Zahlungseingänge der Acquiring-Partner nachvollzogen. (…) Aus unseren Prüfungshandlungen haben sich keine Einwendungen hinsichtlich der Bewertung der Forderungen sowie der Realisierung und des Ausweises der Umsatzerlöse gegenüber Acquiring-Partnern ergeben.“

Die Wirecard-Aktie eröffnete den Handel zwei Prozent fester.

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Wie die neuen Vorwürfe gegen Wirecard einzuordnen sind

Von Heinz-Roger Dohms

Einen Tag vor der Bilanz-PK hat die „Financial Times“ den Münchner Zahlungsdienstleister Wirecard erneut attackiert. Was genau wirft die britische Zeitung dem Dax-Konzern diesmal vor. Und wie ist der neue Bericht (Paywall) einzuordnen? Unsere Analyse:

1.) Die „FT“ behauptet unter Berufung auf nicht näher spezifizierte „Dokumente“, rund die Hälfte der Umsätze (und ein Großteil der Gewinne), die Wirecard in zurückliegenden Jahren erwirtschaftet hat, kämen von lediglich drei „opaken“ (also: undurchsichtigen) Partnerfirmen. Verboten wäre das freilich nicht. Und: Schon im März hatte die „FT“ berichtet, rund die Hälfte des Wirecard-Geschäfts komme von „Drittfirmen“ („third-party payments processors“). Der Dax-Konzern hatte diesen Umstand damals gar nicht erst bestritten, sondern erklärt, es handele sich um einen normalen Aspekt des Zahlungsverkehrsgeschäfts. Allerdings war seinerzeit von mehr als 100 Partnerfirmen die Rede – und nicht nur von dreien.

2.) Ein beträchtlicher Teil der Gewinne, so schreibt die „FT“ weiter, seien 2016 und 2017 in Wirecards angeblich größter Einzelgesellschaft verbucht worden, der in Dubai ansässigen CardSystems Middle East – wobei sich die Zeitung auf die Aussagen von „Whistleblowern“ stützt. (Auch das wäre freilich nicht verboten)

3.) Der mit Abstand schärfste Vorwurf, den die „FT“ formuliert, ist nun folgender: Die Bücher der CardSystems seien in den genannten Jahren (also 2016 und 2017) von keinem Wirtschaftsprüfer untersucht worden. Wenn das nun stimmen sollte, wäre das (entschuldigen Sie bitte die volkstümliche Formulierung) ein starkes Stück. Zumal: Dann würde sich ja auch die Frage stellen, wie Ernst & Young (also der Wirtschaftsprüfer auf Konzernebene) damit umgegangen ist. Wobei wichtig ist zu betonen: Speziell zu diesem Punkt hat sich Wirecard gestern gegenüber der „FT“ geäußert. Im Artikel heißt es, der Payment-Konzern habe mitgeteilt, dass seine Tochtergesellschaft – und also auch die CardSystems – „den regulären Wirtschaftsprüfungsprozessen unterliegen, inklusive der vierteljährlichen und jährlichen Prüfungen und darüber hinausgehend“.

4.) Einen Vorwurf konstruiert die „FT“ zudem daraus, dass Wirecard seinen Investoren gegenüber die Bedeutung der CardSystems und der drei Partnerfirmen bis heute verschweige, obwohl der Dax-Konzern dazu eigentlich verpflichtet sei. Hierzu ist nun zu sagen, dass Wirecard-Kenner sehr wohl wissen, dass ein erheblicher Teil der Wirecard-Gewinne aus nur zwei Gesellschaften stammt, nämlich besagter CardSystems in Dubai und einer in Irland ansässigen Wirecard-Tochter (so stand es 2017 in der „Manager Magazin“-Geschichte „Das 250-Mio.-Euro-Rätsel des Börsenwunders Wirecard“; der Autor des damaligen Artikels ist Ihnen möglicherweise ein Begriff …). Zu den drei Partnerfirmen ist nun zu sagen: Zwei der Gesellschaften (nämlich PayEasy Solutions von den Philippinen und Senjo aus Singapur) geisterten in den letzten Wochen schon durch den ein oder anderen Wirecard-Artikel. Der Name des dritten und angeblich größten Partners – eine Firma namens Al Alam – dagegen war bis gestern auch intimen Wirecard-Kennern kein Begriff.

5.) Ein letzter Punkt, der uns wiedergabepflichtig erscheint: Die „FT“ versucht in ihrem Artikel Zweifel an der materiellen Substanz des (angeblichen) Wirecard-Partners Al Alam zu streuen. So schreiben die britischen Kollegen genüsslich, bei drei Vor-Ort-Besuchen des Al-Alam-Büros in Dubai sei das Büro beim ersten Mal „leer“ und beim zweiten Mal mit „zwei Leuten besetzt“ gewesen. Bei der dritten Visite am Dienstagnachmittag dieser Woche habe man einen einsamen IT-Mitarbeiter angetroffen, der ausgerichtet habe, seine Vorgesetzten seien nächste Woche wieder da.

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Wozu braucht Wirecard 900 Millionen Euro?

Von Christian Kirchner

Keine Frage: Selbst wir als notorische Wirecard-Skeptiker müssen jetzt mal anerkennen: Da hat der bayerische Zahlungsdienstleister gestern Früh einen zünftigen Coup gelandet. Da verkündete nämlich der Konzern – einen Tag vor Vorlage des Geschäftsberichts und der Bilanzpressekonferenz – dass der japanische Tech-Investor Softbank über eine Wandelanleihe 900 Millionen Euro in den Zahlungsdienstleister pumpen will.

Nun seien Sie, liebe Leser, versichert, dass wir es hier nicht zum Dogma erhoben haben, journalistisch stets schlapp und übellaunig herumzuschlurfen wie die Kinder ohne ihren Löffel Multi-Sanostol in der TV-Werbung in den 80ern. Und: strikt agnostisch gedacht spricht das gestrige Kursplus von in der Spitze 11% Bände (ehe dann eine neuerliche FT-Berichterstattung den Kurs wieder fallen ließ.)

Dennoch: es fehlen zwei wesentliche Informationen darüber, wie die Transaktion – formal nicht eine Beteiligung, sondern die Aufnahme neue Verbindlichkeiten, welche in fünf Jahren auch mit Aktien getilgt werden können – zu bewerten ist. Und auf die Wirecard heute im Tagesverlauf erst Antworten geben dürfte.

Erstens: wie verzinsen sich die Wandelanleihen, die Softbank von Wirecard erhalten soll? Die Laufzeit (5 Jahre) und den Wandlungspreis (130 Euro, das heißt: bei Kursen in fünf Jahren darüber wird Softbank vom Wandlungsrecht Gebrauch machen) hat Wirecard per Ad Hoc kommuniziert, nicht aber die Verzinsung.

Zweitens: wozu braucht Wirecard 900 Millionen Euro und was ist damit geplant? Schließlich stehen für einen klassischen „Einstieg“ als Großaktionär auch andere Wege zur Verfügung: ganz banal den Kauf der Aktien über den zuletzt hochliquiden Kapitalmarkt (was den Besitz von Altaktionären nicht verwässert und zuletzt, nun ja, „rabattiert“ gemessen an den vorherigen Höchstkursen möglich war). Oder über eine Kapitalerhöhung.

Es ist ausweislich der zuletzt vorgelegten Zahlen und kommunizierten Pläne Wirecards zudem nicht so, dass sich ein Bedarf nach mehr Eigen- oder Fremdkapital bei Wirecard aufdränge: laut den zuletzt vorgelegten Zahlen erwirtschaftete Wirecard in den ersten neun Monaten 2018 einen freien Cash Flow von knapp 260 Mio. Euro.

Die Eigenkapitalausstattung ist üppig (1,8 Mrd. Euro bei einer Bilanzsumme inkl. Schulden von 5,2 Mrd. Euro), vor allem aber wies Wirecard neben den bilanzierten Verbindlichkeiten zusätzliche freie Kreditlinien von Geschäftsbanken in Höhe von 580 Mio. Euro auf. Und: der Expansion über weitere Übernahmen erteilte Vorstandschef Markus Braun noch im Spätherbst eine Absage. „Wir haben stark expandiert und sind jetzt auf allen fünf Kontinenten vertreten. Heute investieren wir lieber in Forschung und Entwicklung“, erklärte er in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Capital“.

Hinzu kommt: Der Wandlungspreis der Aktien – 130 Euro, mithin also nur ein Schnäpsken mehr als der Wirecard-Schlusskurs am Tage vor der Verkündung (127,45 Euro) – ist für einen fünfjährigen Deal über Wandelanleihen sehr tief. Das ist vorteilhaft für Softbank als Investor, der nach unten über eine mögliche Tilgung in bar abgesichert ist und nach oben bei jedem Anstieg seine Beteiligung wandeln würden – und unterwegs Zinszahlungen in (noch) unbekannter Höhe erhält.

Der tiefe Wandlungspreis passt auch nicht ganz zu den Visionen von CEO Braun, der seinem Unternehmen noch im Herbst eine Verfünffachung des Börsenwerts und eine Vervielfachung des Umsatzes vorhersagte angesichts von Wachstumsraten von 35 bis 40 Prozent bei Umsatz und Gewinn pro Jahr. Softbank verkauft seinen Namen und seine Investition auf den ersten Blick geschickt und sehr teuer.

Klar ist aber auch: entwickeln sich Umsätze und Gewinne wie aktuell von Unternehmen und Analysten einhellig prognostiziert, wird der Aktienkurs in fünf Jahren tatsächlich bei einem Vielfachen notieren. In diesem Fall wird es Aktionären auch herzlich egal sein, dass ihr Anteil am Unternehmen etwas verwässert wird – und wird der Einstieg im Rückspiegel womöglich endgültig der Befreiungsschlag gewesen sein.

Man kann zudem davon ausgehen, dass Softbank bilanziell jeden Stein dreimal umdreht, ehe man 900 Mio. Euro investiert. Ferner geht es in dem Deal nicht nur um eine Beteiligung, sondern auch um eine Kooperation, in der Softbank Wirecard bei der „geografischen Expansion nach Japan und Südkorea unterstützen“ und „die Zusammenarbeit mit Portfoliounternehmen der Softbank ermöglichen soll“.  Und diese Liste der Beteiligungen liest sich illuster bei Softbank.

Kurz: Die Lage klingt nach Win-Win-Win: ein Vertrauensbeweis eines großen und prominenten Investors, eine knappe Milliarde Euro in der Kasse (was per se nicht schlecht sein kann) und überdies die Möglichkeit, in einem bislang noch sehr an Cash hängenden Region als Payment-Dienstleister zu expandieren. Sofern es Wirecard heute gelingt, die beiden zentralen offenen Fragen zur Zufriedenheit der Investoren zu beantworten.

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Heimischer Wirecard-Rivale Heidelpay stellt sich zum Verkauf

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe Payment-Aficionados, natürlich sind Ihre Augen diese Woche (genauso wie die unseren) auf Wirecard gerichtet. Allerdings, dürfen wir Ihre Aufmerksamkeit ganz kurz auf ein benachbartes, auch nicht ganz unspannendes Thema lenken? Denn: Wussten Sie, dass Heidelpay  – also einer der wichtigsten Wirecard-Widersacher unter den Payment Service Providern/PSPs im deutschen Markt – offenbar schon wieder zum Verkauf steht? So berichtet es jedenfalls etwas verblümt die Fachpostille „Mergermarket“. Und so wurde es uns (unabhängig von „Mergermarket“) zuletzt auch von zwei Brancheninsidern erzählt.

Kurz zur Einordnung (damit auch nicht die Nicht-Aficionados zu ihrem Recht kommen): Heidelpay ist oder war einer der verbliebenen mittelständischen B2B-Zahlungsdienstleister in Deutschland. Das Geschäftsmodell? Sieht im Kern so aus: Das 2003 gegründete Heidelberger Unternehmen betreibt eine Plattform (auch Payment-Gateway genannt), über die Online-Shops Zugang zu verschiedensten digitalen Bezahlarten erhalten – von Kreditkarte über Paypal bis Online-Rechnungskauf. Es ist im Kern dasselbe Geschäftsmodell, wie es auch Wirecard oder auch der niederländische Fintech-Star Adyen betreiben und wir es vor ein paar Monaten mal in unserer großen Adyen-Wirecard-Analyse aufgedröselt haben:

https://www.finanz-szene.de/payments/wirecard-macht-rund-viermal-so-viel-marge-wie-adyen-aber-warum/

Die bloßen Geschäftszahlen von Heidelpay sind so beeindruckend nicht mit Erträgen in 2017 irgendwo im (unteren?) zweistelligen Millionenbereich*. Gleichwohl: In ebenjenem Jahr stieg der Finanzinvestor Anacap mehrheitlich bei Heidelpay ein. Und seitdem fährt das Unternehmen einen scharfen Wachstumskurs, wie sich unter anderem in der Übernahme des Frankfurter Inkasso-Spezialisten Universum zeigte. Auch hierzu finden Sie in unserem Archiv eine hoffentlich interessante Analyse:

https://www.finanz-szene.de/payments/beginnt-jetzt-die-vermaehlung-des-deutschen-payment-sektors-mit-der-inkasso-branche-2/

Jedenfalls: Bislang sah es so aus, dass Anacap bei Heidelpay eine Private-Equity-typische Buy-and-build-Strategie fährt. Nun sieht es  aber so aus, dass der auf die Finanzbranche spezialisierte Investor mit dem „Bauen“ womöglich schon fertig ist und stattdessen jetzt ans Kassemachen denkt. Laut „Mergermarket“ jedenfalls hat Anacap schon vor Monaten die US-Investmentbank JPMorgan und die Beraterfirma Corestar beauftragt, „strategische Optionen“ (normalerweise ein Synonym für „Verkaufsoptionen“) zu prüfen. Eine spannende Frage wäre, ob Heidelpay-Gründer Mirko Hüllemann (der nach dem Einstieg von Anacap nur noch einen Minderheits-Stake hält) seine Anteile im Zuge einer möglichen Transaktion dann auch verkaufen würde. Aus Heidelberg war gestern zu der ganzen Thematik allerdings kein Kommentar zu erhalten.

Und wer käme als Käufer infrage? „Mergermarket“ spekuliert u.a. über Worldline. Theoretisch wäre natürlich auch Wirecard denkbar. Unsere Quellen jedoch tippen auf die Dänen von Nets (bzw. die dahinter stehenden Finanzinvestoren Hellman & Friedman, Bain und Advent). 2018 hatte Nets ja schon den ehemals bankeneigenen deutschen Zahlungsdienstleister Concardis an sich gebunden. Heidelpay könnte als Ergänzung gut hierzu passen.

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Die Schrumpf-Exzesse der deutschen Santander

Von Christian Kirchner

Falls Sie sich von Zeit zu Zeit fragen, wo die ganzen Jubelmeldungen über immer mehr Kunden, immer mehr Konten und immer mehr Wachstum in der deutschen Kreditwirtschaft herkommen: Laut der jüngsten Zahlungsverkehrsstatistik der Bundesbank eröffnen die Deutschen an jedem einzelnen Werktag im Schnitt 10.000 neue Onlinekonten – netto, das heißt, bereinigt auch um Schließungen. 150 Millionen Konten unterhalten die Menschen zwischen Flensburg und Garmisch mittlerweile. Was reichlich Potenzial bietet, der Öffentlichkeit immer neue Wachstumsstories zu verkaufen mit lauter Kunden, die demnächst ganz viel Geschäft bringen.

Um so erfrischender, dass es auch Anbieter gibt, die einen entschieden gegenteiligen Weg einschlagen. Zum Beispiel: die in Mönchengladbach ansässige Santander Consumer Bank, nach Kundenzahl (4,7 Mio) eines der größten Kreditinstitute überhaupt hierzulande.

Jedenfalls noch. „Finanz-Szene.de“ hat sich aus aktuellen Anlass (der Start der „Openbank“ der spanischen Mutter Santander, siehe unsere gestrige Berichterstattung) einfach mal die Mühe gemacht, die jüngsten Geschäftsberichte der deutschen Santander zu durchstöbern. Was auch insofern ein lohnenswertes Unterfangen war, als die Spanier von sich aus schon seit Jahren nichts mehr zu ihren deutschen Geschäftszahlen sagen.

Und was ist rumgekommen bei unseren Recherchen? Halten Sie sich fest: Rumgekommen ist, dass die deutsche Santander eine Downsizing-Politik betreibt, wie wir das selten bei einer Bank gesehen haben. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie mal bitte hier, die Angaben aus dem 2018er-Abschluss jeweils verglichen mit denen von 2014:

  • Zahl der Konten: minus 19%
  • Zahl der Kunden: minus 25%
  • Zahl der Filialen: minus 36%
  • Erträge: minus 27%

(wobei, grob überschlagen, mehr als zwei Drittel dieser Rückgänge auf 2017 und 2018 entfielen, weil die Bank ein, wie es schön heißt,  Transformationsprogramm durchläuft)

Das liest sich, als hätten wir da eine Bank mit beinahe schon suizidalen Neigungen aufgespürt. Vielleicht ist aber auch alles ganz anders. Vielleicht verweigert sich die deutsche Santander einfach nur der unter hiesigen Bankern (Hallo, Herr Zielke …) beliebten Sichtweise, man könne aus Ertragsschwächen „herauswachsen“. Denn: Vielleicht ist radikales Downsizing ja der viel effektivere Weg, um Profitabilität zu erhalten bzw. zurückzugewinnen. Zumindest scheint das der Weg zu sein, den die deutsche Santander eingeschlagen hat.

Während jedenfalls die weiter oben genannten Kennzahlen steil abfallen, liegt die Kosten-Ertrags-Ratio der Santander Consumer Bank schon seit Jahren flach wie ein Brett, sie pendelte all die Jahre irgendwo zwischen 59% und 62%. Das Ergebnis vor Steuern lag zuletzt bei immerhin 460 Mio. Euro, nach 560 Mio. Euro vor fünf Jahren.

Nun unterhält die stark im Auto- und Konsumentenkreditgeschäft engagierte Santander weiterhin noch 210 Filialen (noch, da es nun gut ein Drittel weniger sind als noch vor zwei Jahren) – und nennt knapp 5 Mio. Kunden ihr Eigen.

Gleichwohl hat die Bank ausweislich ihrer Geschäftsberichte innerhalb der letzten beiden Jahre mehr Kunden verloren bzw. ziehen lassen, als in Köln Menschen wohnen, genauer: rund 1,2 Mio. Das schreit nach Erklärungen und Einordnungen – allerdings bittet ein Sprecher um Verständnis, dass man sich „unterjährig nicht zu den Geschäftszahlen oder zur Geschäftsstrategie von Santander Deutschland äußern“ möchte (Anmerkung: der 2018er-Abschluss wurde Anfang April im Bundesanzeiger veröffentlicht. Wann, wenn nicht jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt, zu den Zahlen Stellung zu nehmen?).

Die Schweigsamkeit könnte womöglich auch damit zusammenhängen, dass die Rückgänge in einzelnen Sparten stärker ausfallen als einkalkuliert. Plangemäß klingt noch, was 2018 im Warengeschäft (Finanzierungen von Möbeln, Unterhaltungs-Elektronik, Computern …) an Kreditumsatz erzielt wurde – hier ist nämlich von einem „erwarteten rentabilitätsorientierten Rückgang des Neugeschäfts“ die Rede, wobei das Minus mit 35% üppigst ausfällt.

Aber schon beim für Banken immer wichtigeren Provisionsüberschuss wechselt der Ton – der blieb 2018 laut Geschäftsbericht „sehr deutlich unter den Erwartungen“. Die gesamten Provisionserträge sanken zum Vorjahr 18 Prozent. Gründe sei dabei ein „Neugeschäftsrückgang im Privatkundengeschäft“ und eine „generell geringere Kundennachfrage“. Ein Fünftel sanken zudem die Provisionserträge im Wertpapierdienstleistungsgeschäft zum Vorjahr.

Auch sank das Neugeschäftsvolumen in der Baufinanzierung um 22% – auch dieser Einbruch kam „unerwartet“, wie es im Geschäftsbericht heißt. Begründung für den nicht einkalkulierten Rückgang: Die Kunden  hätten „zurückhaltend auf Filialschließungen“ reagiert. Ein weiteres Beispiel: Die Neugeschäftsabschlüsse bei Ratenkrediten sanken „entgegen den Erwartungen“ zweistellig. Auch hier macht die Bank „Filialschließungen im Berichtsjahr“ für den Rückgang mitverantwortlich. Und nicht zuletzt schloss oder verlor die Bank im Jahresverlauf pro Werktag im Schnitt gut 400 Einlage- oder Girokonten, letztere im Geschäftsbericht noch eigens als „Grundlage jeder Bankgeschäftsbeziehung“ apostrophiert.

Sind Filialschließungen im großen Stil also doch der falsche Weg (worauf ja auch die unterm Strich eher mageren Ergebnis der HVB in den letzten Jahren hindeuten könnten)? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Denn die (wechselnden Vorstandschefs) der Deutschen Bank und der Commerzbank haben ihren Investoren ja über Jahre hinweg erzählt, Sparen sei der falsche Weg, um langfristig wieder profitabel zu werden.

Und wohin hat diese Strategie geführt, die ja sozusagen das glatte Gegenteil dessen ist, was die deutsche Santander praktiziert? Dazu, dass die Deutsche und Coba jetzt vor lauter Ertragsschwäche über eine Fusion verhandeln- Besonders auffällig: Die Commerzbank hat binnen fünf Jahren 2,9 Mio. bzw. knapp ein Fünftel an Kunden hinzugewonnen. Genutzt hat dies allerdings indes weder den Erträgen (minus sechs Prozent) noch der Kosten-Ertrags-Ratio (unverändert).

Warum der Bafin-Rüffel für N26 mehr als nur eine Formsache ist

Von Christian Kirchner

Wer sich auf der Internetseite der Bafin über die Suchfunktion dafür interessiert, was die Finanzaufsicht denn so zur Challengerbank N26 veröffentlicht hat, stößt auf nicht mehr Wesentliches als auf eine Notiz zu einer Podiumsdiskussion im Juli 2017.  Auf der sprach N26-Gründer und CEO Valentin Stalf anlässlich der 15-jährigen Bafin-Jubiläums. Es ging, natürlich: um das atemberaubende Tempo der Digitalisierung und was sie aus der Finanzbranche mache.

Keine Fundstelle gibt es hingegen für die Sonderprüfung durch die Bafin, über die das „Handelsblatt“ am Montag berichtete. Also davon, dass die Finanzaufsicht in N26 zumindest zeitweise kein Vorzeige-Fintech sah, sondern eine Bank, bei der es aussieht wie bei Hempels unterm Sofa: Mängel bei der Personalausstattung, beim Management von ausgelagerten Aufgaben und der Technik seien gerügt worden. Zudem übernehme der Mutterkonzern – die N26 GmbH – zu viele Aufgaben für die N26 Bank, monierte die Bafin in einer Sonderprüfung. Und stelle die Bank die Mängel nicht ab, könne es sogar zu einer Deckelung des Einlagengeschäfts kommen.

Dass sich auf der Seite der Bafin kein Wort der Kritik findet, ist üblich. Dass die Mängel, die Prüfung, die Rügen und die mögliche Konsequenz überhaupt die Öffentlichkeit erreichen, hingegen erstaunlich. Und ein Hinweis darauf, wie sehr die Dinge mindestens zeitweise im Argen gelegen haben müssen. Denn der Finanzaufsicht stehen laut Kreditwesengesetz zwar eine Reihe von Maßnahmen bei Gefahr zur Verfügung, sollte sie Zweifel an der ordentlichen Erfüllung der Verpflichtungen eines Instituts gegenüber seinen Gläubigern haben.  Die Eskalationsskala reicht von einer simplen „Anweisung“ über ein Annahmeverbot beziehungsweise Deckelung von Geldern und Geldbußen bis hin zur Schließung.

Über die Jahre hat die Finanzaufsicht aber das Spiel perfektioniert, die Öffentlichkeit lieber erst mal außen vor zu lassen, wenn sie etwas zu monieren hat. Jahr für Jahr gibt es zudem, ohne öffentliches Aufhebens, eine dreistellige Anzahl an Sonderprüfungen durch die Bafin auf Basis jenes Paragraphen im Kreditwesengesetz, das die Pflichten der Banken definiert.

Das heißt: den betroffenen Instituten steht, sollte die Bafin etwas zu monieren haben, die Möglichkeit offen, die Mängel abzustellen oder sich eine gute Geschichte auszudenken, wieso ein Bankverantwortlicher besser ausgetauscht wird oder eine Stelle gar nicht erst antritt. Gesichtswahrend quasi. So geschehen schon bis auf Vorstandsebene großer Banken. Denn die Finanzaufsicht ist sich der Wirkung auf Unternehmensimage, Karrieren oder gar ganzen Geschäftsverläufen bewusst, wenn ihre Kritik oder Ablehnung einer Personalie die Öffentlichkeit erreicht. Oder sie, im Falle der Deutschen Bank im vergangenen Herbst, entschlossenere Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung fordert und einen Sonderbeauftragten entsendet.

Im konkreten Fall hat also entweder N26 selbst geplaudert, dass man in das Visier der Bafin  geraten sei – eher unwahrscheinlich, gemessen an der Breitenwirkung der Kritik. Oder aber die Bafin hat eine Stufe gezündet, auf die sie üblicherweise lieber verzichtet: sie macht konkrete Mängel öffentlich, um den Druck zu erhöhen, dass es sich bei ihren Rüffeln nicht nur um unverbindliche Verbesserungsvorschläge handelt.