Deutsche Bank, Commerzbank und Unicredit im Kennzahlen-Vergleich

Fusionieren die Deutsche Bank und die Commerzbank? Oder scheitern die Gespräche – und stattdessen kommt die Unicredit zum Zuge? Und überhaupt: Wie stehen die drei Institute im direkten Vergleich eigentlich da? Unser Überblick

Dt. Bank Coba Unicredit
Börsenwert 15,7 9,3 26,9
Kernkapitalquote (CET1) 13,6 12,9 12,1
kum. Nettogewinn (2014-1 ) -9,6 2,6 0,9
Aufwand-Ertrags-Ratio (2018) 90% 80% 54%
Langfristrating (S&P) BBB+ A- BBB
Aktienkurs (5 Jahre) -73% -49% -65%
Eigenkapitalrendite (2018) -0,20% 3,70% 4,60%
Leverage Ratio (2018) 3,7 4,6 5,9
Bilanzsumme (2018) 1489 507 831

Quellen: Geschäftsberichte; UBS Research; Comdirect

(Börsenwert und Bilanzsumme jeweils in Mrd. Euro)

So verteilen sich die HVB-Filialen über Deutschland

So verteilen sich die HVB-Filialen über Deutschland

Die Unicredit spielt angeblich mit dem Gedanken, die Commerzbank zu übernehmen und diese dann mit ihrer deutschen Tochter HVB zu verschmelzen. Wir zeigen anhand der Filialstandorte, wo die Hypo-Vereinsbank besonders stark vertreten ist – nämlich im Süden und Norden (die Vorläufer der HVB sind die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, die Bayerische Vereinsbank und die einst in Hamburg ansässige Vereins- und Westbank)

Quelle: HVB-Website

Warum Unicredit und Commerzbank keine Traum-Kombi wären

Von Heinz-Roger Dohms

Aha, sollten die Fusionsgespräche zwischen Deutscher und Commerzbank platzen, stünde als potenzieller Käufer für die Gelbbank also die Unicredit/HVB bereit. Hübsche Put-Option. Und eine, die schlüssig klingt (aus zwei großen deutschen Firmenkundenbanken mach eine sehr große). Doch wäre eine Kombi aus HVB/Coba unter italienischem Dach wirklich so sinnig, wie es im ersten Moment scheint. Zeit für eine Analyse, die wir beginnen wollen mit einem kleinen Quiz:

  • Welche Bank, glauben Sie, hat über die vergangenen fünf Jahre kumuliert den höheren Nettogewinn erwirtschaftet: die Commerzbank oder die Unicredit?
  • Welche Bank, glauben Sie, verfügt über die höhere Kernkapitalquote, die Commerzbank oder die Unicredit?
  • Welche der beiden Banken hat weniger Risiken gemessen an den CDS-Prämien und den Refinanzierungskosten
  • Wer von den beiden hat das bessere Rating?
  • Und welche Aktie hat über die letzten drei wie auch die letzten fünf Jahre besser abgeschnitten, die der Commerzbank oder die der Unicredit?

Die Antwort auf alle diese Fragen lautet: die Commerzbank. Was erklären könnte, warum die Börse auf die – in der „FT“ sehr detailliert und glaubhaft geschilderten Einstiegspläne – eher so lauwarm reagiert hat (plus 2,7%).

Versuchen wir, der Lage in vier Fragen auf den Grund zu gehen:

Wie steht die Unicredit eigentlich da?

Besser, aber nicht soooo viel besser als die Deutsche Bank und die Commerzbank. Wir haben es mit einem Geldinstitut zu tun, das seine Probleme zwar engagierter angegangen ist als seine hiesigen Konkurrenten,  das damit aber nicht frei von Problemen ist. Im Gegenteil: Die Unicredit ist schwächer kapitalisiert und renditeschwächer als der Schnitt der Banken in der Eurozone.

Aus Aktionärssicht haben wir es mit einer Ménage à trois der Lowperformer zu run: Die Unicredit (Aktienkursentwicklung seit fünf Jahren: minus 65 Prozent) erklärt, dass sie sich für die Commerzbank (minus 49 Prozent im gleichen Zeitraum) interessiert, sollte diese sich nicht mit der Deutschen Bank (minus 73 Prozent) einigen.

Kursentwicklung der Fusionskandidaten in den letzten fünf Jahren, jeweils Kursentwicklung ohne Dividenden

Was spricht für die Unicredit als Käufer?

Sie ist, gemessen am Börsenwert, mit 27 Mrd. Euro deutlich größer als die Commerzbank (9 Mrd. Euro). Das macht es zu einer zumindest formal lösbaren Aufgabe, die Übernahme oder den Einstieg inklusive der vermutlich fälligen Restrukturierungsaufwendungen und einem Aufschlag auf den Börsenpreis zu stemmen. Der höhere Börsenwert reflektiert, dass Investoren trotz zahlreicher Probleme bei der Unicredit – unter anderem faule Kredite und die Sorge, Solvenzsorgen um Italien könnten auf das Geldhaus durchschlagen – davon ausgehen, dass sie in den kommenden Jahren wieder Eigenkapitalrenditen zwischen fünf und acht Prozent erwirtschaften wird. Nicht die Welt. Aber dividendenfähig.

Dazu trägt bei, dass das Institut mit einer Aufwands-Ertrags-Relation von unter 60 Prozent nachweislich (zumindest zu Hause) beherrscht, was Commerzbank und Deutscher Bank seit Jahren nicht gelingt: die Kosten den sinkenden Erlösen anzupassen.

Hinzu kommt: Es heißt von der Unicredit, sie kenne das deutsche Geschäft über die 2005 übernommenr HVB, weshalb sich mit einem Einstieg oder der Übernahme zusätzlich Synergien heben ließen: das rund 1000 Einheiten große Filialnetz der Commerzbank ist gut diversifiziert, die HVB (350 Filialen) ist vor allem in Bayern und in Norddeutschland vertreten.

So verteilen sich die HVB-Filialen über Deutschland

Was spricht gegen die Unicredit als Käufer?

Dass es sich nicht wirklich um eine kraftstrotzende Bank handelt, siehe unser Quervergleich mit den Kennzahlen von Deutscher Bank und Coba:

Deutsche Bank, Commerzbank und Unicredit im Kennzahlen-Vergleich

Hinzukommt: Das es heißt, in Mailand kenne man den deutschen Markt, bedeutet noch nicht, dass es wirklich so ist. Ein Blick in den (seit Jahren nur noch klammheimlich online geschobenen) Geschäftsbericht der Hypo-Vereinsbank illustriert, dass der deutschen Tochter unter den strengen Augen von Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier in den vergangenen Jahren nicht sonderlich viel eingefallen ist, außer: Sparen.

Im Herzstück der HVB, dem „Commercial Banking“ mit der Privatkunden- und  Unternehmerbank, sind die Provisionsüberschüsse trotz ambitionierter Pläne und einer Vorreiterrolle bei der Einführung von Kontoführungsgebühren binnen fünf Jahren nicht vom Fleck gekommen. Sie lagen 2013 wie 2018 bei je 0,8 Mrd. Euro. Der Zinsüberschuss ging leicht zurück von 1,6 auf 1,5 Mrd. Euro.

Weil die Bank bei den Aufwendungen dagegenhielt, blieben unter dem Strich  2013 wie 2018 im Privat- und Firmenkundensegment operativ zwar 400 Mio. Euro nach Risikovorsorge hängen. Aber ist das viel? Bei einer Bank mit immer noch 12.300 Mitarbeitern … (was freilich in Drittel weniger ist als vor fünf Jahren).

Unicredit würde gute Argumente brauchen – auch gegenüber der Politik und den Gewerkschaften ,- dass eine Übernahme der (oder ein Einstieg bei der) Commerzbank wirklich Erfolg verspräche über einen Filial- und Mitarbeiterkahlschlag hinaus. Wie es anders auch geht, ohne die Knute aus dem Ausland, zeigen hierzulande übrigens die BNP Paribas und die ING Groep.

Gibt es wenigstens einen Gewinner des Gerüchts?

Aber ja. Zum Beispiel Markus Beumer. Der Ex-Firmenkundenchef  (2008-2016) der Commerzbank ist nach kurzem (eher seltsamen) Boxenstopp bei Oddo BHF seit Dezember Firmenkundenchef der HVB. Kommt die Übernahme zustande, marschiert er in früherer Position, aber auf dem Ticket des Käufers zurück in den Commerzbank-Turm. Und ohne Übernahme? Hat er angesichst der unklaren Zukunft der Coba trotzdem gute Argumente, den ein oder anderen gelben Firmenkundenbetreuer abzuwerben (wobei: tut er ja längst, hört man. Und übrigens nicht nur er, was ein Grund sein könnte, warum die Commerzbank-Führung in den Gesprächen mit der Deutschen Bank aufs Tempo drückt).

 

05/04/19: Große HVB/Coba-Analyse, Commerzbank kappt IT-Budget, N26-Shitstorm

Ist die Unicredit so stark ist, wie sie tut? Unsere Analyse zu den (angeblichen) HVB/Coba-Plänen

War gestern nicht der Tag, an dem die Commerzbank-Aktie mal so richtig durch die Decke hätte gehen müssen? Das gelbe Entlein, umgarnt nicht mehr nur von der Dt. Bank, sondern auch von der Unicredit, die überlegt, ihre hiesige Tochter HVB mit der Coba zu verschmelzen … So zumindest berichtete es gestern Morgen die „Financial Times“ (Paywall), und es las sich so, als könnte an der Geschichte wirklich was dran sein. Doch was tat die Commerzbank-Aktie? Stieg gerade mal um 2,7%, was angesichts der Gemengelage dann doch ein dürrer Aufschlag war. Warum so wenig? Erste These: Die Investoren sehen in den HVB/Coba-Spekulationen bloß ein (von wem auch immer inszeniertes) Manöver. Zweite These: Die Investoren sind von der Kombi nicht wirklich überzeugt. Denn auch wenn das Bündnis auf den ersten Blick seinen Reiz hätte (zwei führende Player im Firmenkunden-Geschäft bündeln ihre Kräfte …) – wäre die Unicredit wirklich der starke Partner, der die Coba wieder flottmacht? Unsere Analyse: Finanz-Szene

Weitere Links zum Thema

  • Deutschland-Karte mit den (historisch bedingt auf den Süden und den Norden konzentrierten) Filialen der HVB: Finanz-Szene.de
  • Auf einen Blick: Die wichtigsten Kennzahlen von Deutscher Bank, Commerzbank und Unicredit im direkten Vergleich: Finanz-Szene.de
  • Warum der Coba-Vorstand ein Übernahmeangebot der Unicredit als „feindlich“ erachten würde. Süddeutsche
  • Die „BÖZ“ sieht die Unicredit (und damit auch eine Kombi HVB/Coba) deutlich positiver als wir. Im Sinne der Meinungsvielfalt: Börsen-Zeitung

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News

Das Mea Culpa des Valentin Stalf: Erinnern Sie sich noch ans Frühjahr 2016? Auch damals sah sich die Berliner Smartphone-Bank N26 massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt (weil hunderten offenbar unliebsamen Kunden das Girokonto gekündigt worden war) – doch so schnell, wie der Shitstorm gekommen war, zog er auch wieder vorüber. Die Auswirkungen auf die geschäftliche Entwicklung? Mehr oder weniger gleich Null. Und diesmal – nachdem letzte Woche massive Probleme bei der Sicherheit und im Kundenservice bekannt wurden und die Kritik auch jetzt wieder heftig ausfällt, selbst in der eigenen Community?

… glaubt man N26-Chef Stalf, dann kann auch der neuerliche Shitstorm seinem Unternehmen nichts anhaben. „Die Diskussion schlägt sich nicht durch auf unsere Anmeldezahlen“, sagt er heute Morgen im Interview mit „Gründerszene“. Ein Unterschied zwischen 2016 und 2019 lässt sich allerdings dann doch erkennen: Stalf gibt sich heute deutlich zugänglicher für Kritik („Unsere Kommunikation war nicht gut“, „Der Kundensupport hat in einigen Fällen sehr schlecht funktioniert“) als damals. Gründerszene

Im heutigen FAZ-Stück zu Unicredit-Commerzbank findet sich eine (wenn sie denn stimmt …) interessante Randinformation: Demnach hat eine interne Cost-Cutting-Kommission die Be­reichs­vor­stän­de und Bereichslei­ter auf­ge­for­dert, zu­sätz­li­che Spar­vor­schlä­ge zu ma­chen. Dabei gehe es vor allem um die IT-Budgets, die letztes Jahr noch bei rund 1 Mrd. Euro gelegen hätten, wohingegen für dieses Jahr bislang erst 0,7 Mrd. Euro eingeplant seien. FAZ (Paywall)

Und nochmal Coba, diesmal im Fintech-Kontext: Die Immobilientochter Commerz Real hat sich mit 24,9% an der Crowdinvesting-Plattform Bergfürst beteiligt. Muss man darin nun einen Ritterschlag für den Berliner Anbieter sehen (wie es Gründer Guido Sandler verständlicherweise tut)? Naja, zumindest ist es ein Achtungserfolg für das (von vielen Banken lange Zeit skeptisch betrachtete) Immo-Crowd-Modell als solches. Ein paar eilig recherchierte Fakten zu Bergfürst: Laut dem (vertrauenswürdigen) „Marktreport Crowdinvesting“ waren die Berliner im vorigen Jahr mit einem vermittelten Volumen von 13,1 Mio. Euro und einem Marktanteil von 6,2% die Nummer fünf im deutschen Markt (klare Nummer 1 mit rund 60%: Exporo). Laut dem jüngst veröffentlichten Jahresabschluss erlitt Bergfürst 2017 einen Bilanzverlust von 5,2 Mio. Euro, wobei auf das Jahr selber nur ein Fehlbetrag von rund 350.000 Euro angefallen sein dürfte. Wiwo 

Viel Wirbel um Nichts: Hach, waren das schöne Spekulationen, die da in den letzten Wochen zur Nachfolge von Deka-Chef Rüdiger kursierten (der Union-Investment-Chef Reinke könne es werden, schrieb gleich mehrmals die „BÖZ“) … stattdessen: Ist es nun doch die 0-8-15-Lösung geworden, von der man ursprünglich dachte, die würde es eh werden: Georg Stocker steigt vom Vize zum Chef auf. Ein (überlebens?)wichtiger Erfolg übrigens für den DSGV-Präsidenten (und Deka-AR-Vorsitzenden) Schleweis, um dessen Standing man sich (noch mehr) Sorgen gemacht hätte, wenn er diese (vom ihm eindeutig favorisierte) Personalie nicht hätten durchsetzen können. Spon

Kurzmeldungen: So, jetzt steht auch fest, wie viel Verlust die NordLB im vergangenen Jahr genau gemacht hat, es waren 2,4 Mrd. Euro (Welt/Bloomberg) +++ Ehre, wem Ehre gebührt: Der bankeneigene Bezahldienst Paydirekt (dessen unbändige Innovationskraft auch wir hier von „Finanz-Szene.de“ in unserer Berichterstattung immer wieder positiv hervorheben) ist als „Innovator des Jahres“ ausgezeichnet worden (IT-Finanzmagazin) +++ Die BayernLB verzichtet (wenn wir es richtig verstehen) auf einen kleinen Teil ihrer Forderungen gegenüber der Heta, könnte dafür aber von dem größeren Teil (2,4 Mrd. Euro) mehr wiedersehen als bislang gedacht (SZ) +++ In dem weiter oben angeteaserten N26-Interview findet sich noch eine spannende News: Diana Schröter, langjährige „Head of Customer Service“, hat das Fintech Ende März verlassen. Laut ihres mutmaßlichen Linkedin-Profils arbeitet sie jetzt für die Kommunikations-Plattform Twilio (Linkedin) +++ Der Main-Incubator (also der Frühphasen-Investor der Coba) investiert ins Abrechnungs-Fintech Circula (Gründerszene)

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Laut „Bloomberg“ haben die 16 größten westlichen Banken seit der Finanzkrise rund 800.000 Stellen gestrichen. Zugleich schufen neun dieser Geldinstitute aber auch 76.000 neue Jobs. Wer und warum? Bloomberg

Wenn es Banken im digitalen Zeitalter nur noch auf dem Desktop bzw. auf dem Handy-Bildschirm gibt – steigt dann in Krisenzeiten womöglich die Gefahr von Bank-Runs? FT Alphaville (registrier-, aber nicht bezahlpflichtig)

Klickfavorit

… waren gestern unsere gesammelten Leser-Blogs zur „Deutschen Commerz“. Finanz-Szene.de

05/04/19: Das Mea Culpa des N26-Chefs, Große HVB/Coba-Analyse, Bergfürst, Circula

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