12/04/2019: Coba-Aufsichtsrat, Lemonade-Funding, Chatbots

Revolutiönchen im Commerzbank-Aufsichtsrat: Also, ob es bei der Coba wirklich zu einem Putsch gegen Vorstandschef Zielke kommt (siehe unser Newsletter von Mittwoch) sei mal dahingestellt bzw. mit einem fetten Fragezeichen versehen. Allerdings: Dass AR-Chef Stefan Schmittmann gestern höchstselbst in die Bütt stieg, um alle „Gerüchte und Spekulationen zu personellen Veränderungen“ on the record zu dementieren – das legt nahe: Im Kontrollgremium der Commerzbank rumort es offenbar tatsächlich. Und regt sich heftiger Widerstand gegen die Idee einer Fusion mit der Deutschen Bank. So ähnlich wie Anfang der Woche in der „FT“ steht’s nun auch im „Manager Magazin“: Einige Arbeitnehmervertreter wollen den Vorstand zwingen, die Gespräche mit der Deutschen Bank zu beenden – und Fusionsbefürworter Zielke aus dem Amt drängen. Das Ansinnen überrascht nicht, wird doch in Sachen Personal bei Fusionen meist beim Juniorpartner geholzt. Aber selbst wenn die Putschisten keine Mehrheit im Aufsichtsrat haben (und darüber hinaus formal auch gar nicht die Handhabe, siehe „SZ“ heute Früh): Gegen den Willen der Arbeitnehmervertreter wird die Fusion mit einer fünfstelligen Zahl an Jobverlusten kaum zu bewerkstelligen sein. Manager Magazin, Reuters (AR-Dementi), SZ

300 Mio. Dollar Finanzierungsspritze für Lemonade – bereitet die Allianz dem US-Mega-Fintech den Weg nach Deutschland? Wäre das eigentlich vorstellbar? Dass sich die Deutsche Bank als einer der Lead-Investoren an einer dreistelligen Millionen-Finanzierungsrunde eines US-Fintechs beteiligt, der obendrein ein Wettbewerber ist? Die Allianz macht genau das – und mischt fett mit beim gestern Abend publik gewordenen Mega-Funding für das amerikanische Vorzeige-Insurtech Lemonade mit, das nun sogar nach Deutschland kommen könnte. Insgesamt pumpen SoftBank, Google und Allianz rund 300 Mio. US-Dollar in den Konzern, der nun mit über 2 Mrd. US-Dollar bewertet wird. Das entspricht übrigens, falls Sie mit Spezialwissen über eine mögliche Blase angeben wollen, dem Neue-Marktesken 35fachen des 2018er Umsatzes.  Genutzt werden soll die Finanzierung des Spezialisten für Versicherungen rund ums Haus zur Europa-Expansion. (Lemonade, Meldung zur Finanzierung)

Deutsche Banken und Chatbots. Ist da irgendwas? Ach ja, die DKB experimentiert herum mit ihrem „Herbie“, und N26 (fiel im jüngsten Shitstorm als Rand-Info ab) robochattet auch ein bisschen mit seinen Kunden (was die jedoch offenbar nur so semi-knorke finden). Aber sonst? Jedenfalls ein bemerkenswertes Zeichen, dass der Berliner Chatbot-Entwickler Rasa (der behauptet, zu seinen Kunden würden fünf der zehn größten US-Banken gehören) gestern nicht nur ein 11,5-Mio.-Euro-Funding verkündet hat – sondern auch, dass er seinen Firmensitz in die USA verlegen will (Gründerszene)

Kurzmeldungen: Die Deutsche Bank ist laut dem gestern Abend veröffentlichen Prospekt eines der 29 Institute, die den Fahrdienstleister Uber mit einer Bewertung von 100 Mrd. US-Dollar an die Börse bringen sollen (Prospekt) +++ Die EZB will kleinere Banken entlasten und hat darum eine Senkung der Aufsichtsgebühren angekündigt (EZB-Mitteilung) +++ Die drittgrößte deutsche Sparkasse, nämlich die in KölnBonn, bekommt im Mai nach mehrmonatigem Führungsvakuum einen neuen Chef, den bisherigen Vize Ulrich Voigt. (BÖZ/Paywall).

News

Der Einstieg von Auxmoney ins KMU-Segment wirft ein Schlaglicht auf das aggressive Vorgehen der Fintechs im Kreditgeschäft. Es gibt die klassischen Vergleichsportale wie Check24, Smava oder Finanzcheck, die bei Ratenkrediten längst auf signifikante Marktanteile kommen, ebenso wie Interhyp und Hypoport im Immobilienbereich. Es gibt Startups wie Compeon, Fincompare oder Creditshelf, die dieses Modell aufs Firmenkundengeschäft übertragen. Und dann gibt es Player, die die Banken sogar aus der Kreditvergabe als solcher eliminieren wollen. Höchste Zeit, sich die wichtigsten Akteure und ihr disruptives Potenzial einmal genauer anzusehen (wobei wir uns aus aktuellem Anlass aufs KMU-Segment und Auxmoney fokussiert haben): Finanz-Szene.de

12/04/19: Linktipps des Tages

„Die Banken sind die schlafenden Riesen der digitalen Identität“, sagt Daniel Goldscheider, Chef der deutsch-schweizerischen Identitäts-Plattform „Yes“, an der u.a. die Sparkassen und Volksbanken beteiligt sind. Der Bank-Blog

„Bei der Apple Card geht es nicht ums Bezahlen, sondern um die digitale Identität“, sagt Rik Coeckelbergs, der so etwas wie ein Fintech-Blogger zu sein scheint. Medium

„Nach Microsoft, Apple, Facebook und Google hat nun auch PayPal den strategischen Wert der Digitalen Identitäten für das eigene Geschäft erkannt“, sagt der vermutlich kenntnisreichste deutschsprachige Blogger zu dem Thema, nämlich Ralf Keuper. Identity-Economy.de

Die 2018er-Ergebnisse aller wichtigen deutschen Banken auf einen Blick

Von Heinz-Roger Dohms

So, nachdem sich auch die NordLB und die KfW bequemt haben, ihre 2018er-Zahlen vorzulegen, würden wir sagen: Lassen Sie uns ’nen Strich druntermachen! Denn: Abgesehen von ein, zwei notorischen Publizitäts-Prokrastinierern (hallo, liebe Targobank) haben wir jetzt die Ergebnisse der wichtigen deutschen Banken schön akkurat (und hoffentlich auch korrekt) in unsere kleine Excel-Tabelle eingetragen. Was sieht man dort? Dass aus einem aggregierten Vorsteuergewinn von 29,8 Mrd. Euro in 2017 ein aggregierter Vorsteuergewinn von nur noch 25,4 Mrd. Euro in 2018 wurde,  ein Minus von 15%. Das heißt aber nicht, dass die Gewinne auf breiter Front weggeschmolzen wären. Eher waren es Sondereffekte wie bei der NordLB (Ursache bekannt) oder der HVB, die den Gesamteindruck vermasselten. Hinzu kamen die wieder wieder höheren Bewertungsergebnisse (also Risikovorsorge etc.pp.) bei Sparkassen und Genos. Und sonst? Voilà:

in Mio. € vor Steuern nach Steuern
2018 2017 2018 2017
Sparkassen 7.700 9.700 6.800 4.467
Genobanken 6.380 7.283 4.467 5.084
VWFS 2.600 2.299 k.A. k.A
KfW 1.636 1.426 k.A. k.A
DZ Bank 1.370 1.810 918 1.098
Dt. Bank 1.330 1.228 341 -735
ING Deutschl. 1.322 1.272 886 876
Commerzbank 1.230 459 865 128
BayernLB 869 652 828 679
LBBW 558 515 420 419
Deka 517 481 286 264
Santander 463 392 k.A. k.A
Helaba 443 447 278 256
HVB 392 1.597 238 1.336
Aareal 316 328 226 213
PBB 215 204 179 182
HSH/HCOB 97 -453 77 -528
NordLB -2.057 195 -2.354 135
Summe 25.381 29.835 14.455 13.874

Anmerkungen:

  • Wir sind per se sehr freihändig vorgegangen, d.h. ohne methodisches Gesamtkonzept
  • Dass der Unterschied zwischen Vor- und Nachsteuergewinn bei den aggregierten Zahlen so immens ist, hat folgenden Grund: Für die KfW, die VW Financial Services und die Santander gibt es aus jeweils leicht unterschiedlichen Gründen keine Nachsteuerergebnisse
  • Bei den Sparkassen und Genos (HGB …) haben wir die frisch eingestellten Reserven in den Fonds für allgemeine Bankrisiken dem Gewinn zugeschlagen; macht die Buba ja genauso
  • Trotzdem sind die Sparkassen- und Genozahlen mit den übrigen Ergebnissen nur sehr bedingt vergleichbar, weil die anderen Ergebnisse (wir meinen: allesamt) IFRS sind
  • Die Förderbanken haben wir, abgesehen von der KfW, außen vor gelassen
  • Bei den Autobanken war es bis auf VWFS dasselbe
  • Und warum nicht mehr Bemühen um Vollständigkeit? Weil es uns darum ging, Ihnen einen Eindruck zu verschaffen – nicht darum, eine methodisch bis in die Haarspitzen kohärente Gewinnstudie zu erstellen

Große Analyse zur Fintech-Disruption im deutschen Kreditmarkt

Von Heinz-Roger Dohms

Es war noch tief in der Nacht (jedenfalls in der sehr speziellen Zeitzone von „Finanz-Szene.de“), als wir uns gestern Morgen (Düsseldorfer Zeit) in einen kleinen Twitter-Diskurs mit der geschätzten Kollegin Schneider vom „Handelsblatt“ verwickelt sahen.

Hintergrund: Die Kollegin  hatte berichtet, der größte deutsche Marketplace-Lender Auxmoney (der sich bislang auf Konsumenten-Kredite konzentrierte)  steige ins Geschäft mit Firmenkunden ein. Und wir? Hatten das in unserem putzigen Newsletter pflichtgemäß vermeldet, allerdings mit dem Zusatz, aus dem „HB“-Artikel gehe nicht klar hervor, wer beim neuen Firmenkunden-Kredit von Auxmoney denn nun die Bonitätsprüfung macht (und damit den sozusagen disruptiven Kern bzw. den wichtigsten Teil der Wertschöpfungskette für sich beanspruchen darf): Auxmoney? Oder die Berliner Solarisbank, die die Kredite, die Auxmoney an die KMUs vermitteln will, originär zur Verfügung stellt.

Wir hatten getippt: die Solarisbank.

Die Kollegin aber twitterte zu nachtschlafener Zeit:

Woraufhin wir uns, nachdem wir uns mit einer Tasse Kakao gestärkt hatten, brav entschuldigten …

https://twitter.com/SchreiberDohms/status/1116238481909481472

…  zugleich jedoch, wie Sie sehen, durchblicken ließen, dass wir dem Braten so ganz dann doch nicht trauen.

Warum nicht?

Gestatten Sie, ein ganz klein wenig auszuholen: Es gibt mittlerweile ziemlich viele Fintechs im deutschen Markt, die irgendwas mit KMU-Finanzierung machen. Aus dem Stand fallen uns Creditshelf, Compeon, Fincompare, Funding Circle, Lendico, Iwoca, besagte Solaris und jetzt eben Auxmoney ein. Dass diese Unternehmen nun aber allesamt irgendwas mit KMU-Finanzierung machen, heißt nicht, dass alle das Gleiche machen. Im Gegenteil, die Geschäftsmodelle unterscheiden sich zum Teil deutlich.

Um das zu verstehen, muss man ins Jahr 2007 zurückblicken, dem Gründungsjahr von Auxmoney. Das Düsseldorfer Startup und der kurz zuvor von Berlin aus gestartete Rivale Smava machten sich damals daran, ein völlig neues Geschäftsmodell zu etablieren: Peer-to-Peer-Lending übers Internet, was bedeutet: Kreditnehmer sind Privatleute, Kreditgeber sind Privatlaute – und der P2P-Lender steht als Plattform (die u.a. die Bonitätsprüfung übernimmt) dazwischen und eliminiert die Bank praktisch vollständig aus dem Prozess der Kreditvergabe (mal abgesehen davon, dass es für die schnöde Abwicklung noch eine Whitelabel-Bank braucht, im Falle von Auxmoney: die SWK Bank).

Aus unserer Sicht (siehe die Fintech-Definition von „Finanz-Szene.de“) ist Auxmoney damit eines der Proto-Fintechs überhaupt. Denn: Die Rheinländer disruptieren die klassischste aller Bankdienstleistungen und dringen dabei knietief in die Wertschöpfungskette vor.

Bloß: Je tiefer ein Fintech in die Wertschöpfungskette drängt, desto länger dauert es in der Regel, bis ein wirkliches Geschäftsmodell daraus wird. Smava beispielsweise war der mühselige Wertschöpfungs-Kram schon bald zu blöd. Die Berliner gingen auf der Evolutionsleiter freiwillig einen Stufe zurück – und schulten um zum reinen Vergleichsportal (also zum Check24 für Konsumentenkredite).

Diese Strategie war nicht dumm. Denn während Smava (und selbst der erst 2012 gestartete Klon „Finanzcheck“) volumenmäßig enteilten (vom Marktführer Check24 ganz zu schweigen …), entwickelte sich Auxmoney jahrelang auf eher bescheidenem Niveau. Dann bekam das Geschäftsmodell aber doch Traction, nicht zuletzt, weil auf der Kreditgeber-Seite die Privatleute peu à peu gegen institutionelle Investoren wie den niederländischen Großversicherer Aegon ausgetaucht wurden. Und irgendwann: War Auxmoney eines des heißesten deutschen Fintechs überhaupt! Wie stark die Düsseldorfer speziell in den letzten ein, zwei Jahren gewachsen sind, haben wir kürzlich erst berichtet (wobei das „Krass“ übrigens maximal unironisch gemeint war) …

Krass: Auxmoney hat jetzt schon einen Marktanteil von 0,5%

… und das Schöne dabei ist: Die „Knietiefe“ in der Wertschöpfung dürfte sich für Auxmoney längst auch nettoumsatzmäßig bemerkbar machen. Denn: Als Plattform können die Düsseldorfer nach zwei Seiten die Hand aufhalten. Sie kriegen einmal von den Aegons und einmal von den Kreditnehmern ordentlich Geld. Im reinen Vergleichs- bzw. Vermittlermodell ist dagegen eine Bank mit im Spiel, die einen beträchtlichen Teil der Marge für sich beansprucht.

So, einmal kurz innehalten. Was wollten wir eigentlich sagen? Ach ja: Uns beschlich bei der Lektüre des „HB“-Artikels das Gefühl, Auxmoney wolle den Eindruck erwecken, das beschriebene Erfolgsmodell werde nun quasi 1:1 aufs KMU-Geschäft übertragen.  Aber ist dem so?

Noch ein Hintergrund: Nachdem irgendwann 2011/2012 die eigentliche Fintech-Welle nach Deutschland schwappte, gingen in Berlin zwei Player an den Start (nämlich Lendico und die später in „Funding Circle Deutschland“ umbenannte Zencap), die das Auxmoney-Modell klonten, dabei allerdings auf eine andere Zielgruppe setzten: keine Konsumenten, sondern Selbständige, Kleinunternehmer etc.pp.

Bald darauf launchten dann sogar erste Fintechs (Compeon, Fincompare, Creditshelf und das mittlerweile gescheiterte Frankfurter Startup Fintura), denen selbst dieses Geschäftskunden-Segment zu kleinteilig war. Sie nahmen stattdessen „echte“ Mittelständler ins Visier. Indes: Weil sich, sagen wir, ein 1-Mio-Euro-Kredit für einen schwäbischen Maschinenbauer nicht so leicht digitalisieren/automatisieren/standardisieren lässt wie ein 20.000-Euro-Kredit für den „Freiberufler Steffen aus Berlin“ oder gar wie ein 3000-Euro-Kredit für den „Konsumenten Detlev aus Hamm“, schied der Auxmoney-Plattform-Ansatz für diese neuen Startups natürlicherweise aus. Stattdessen ist das, was z.B. Compeon (nach unserem Eindruck: sehr erfolgreich) macht, eine Mischung aus „Check24 für KMUs“ und „KMU-Finanzierungs-Boutique 2.0“. Sprich: Vermittlungsgeschäft.

So, jetzt spielt in die ganze Chose aber noch ein weiterer Trend hinein: Es gibt inzwischen Fintechs, die digitale KMU-Kredite entwickeln, um diese dann über digitale Vermittler wie Fincompare oder Compeon in den Markt zu drücken (auf Bankenseite übrigens hat die ING Diba dasselbe mithilfe der letztes Jahr übernommenen Lendico vor). Eines dieser Fintechs ist Iwoca (kürzlich mit 20 Mio. Pfunde gefunded). Und ein anderes ist besagte Solarisbank (wobei die auch noch tausend andere Sachen macht). Ob diese „digitalen KMU-Kredite“ wirklich für den schwäbischen Mittelständler taugen, oder doch nur für den „Freiberufler Steffen aus Berlin“, wird die Zeit zeigen. Klar aber ist: Speziell die Solarisbank zielt auf den „richtigen“ Mittelstand.

Erhellend ist in diesem Zusammenhang eine Pressemitteilung von Compeon aus dem vergangenen Jahr, in der es hieß:

„Der Digitale Mittelstandskredit, den die Berliner Solarisbank über die Finanzierungsplattform Compeon anbietet, setzt auf eine schnelle Kreditzusage und zeitsparende Prozesse. Was man bislang vor allem von Alternativen Finanzierungsanbietern kannte, gibt es jetzt auch von einer Bank – angeboten über die Compeon-Plattform. Langatmige analoge Abläufe werden dabei für den Unternehmer auf das Minimum reduziert, der gesamte Kreditprozess findet online statt. So ist es möglich, dass eine Finanzierung bis zu 100.000 Euro innerhalb von 24 Stunden und bis zu 750.000 Euro in nur 48 Stunden möglich ist.“

Die Formulierungen lassen keinen Zweifel: Der Kredit wird über Compeon vertrieben. Aber er kommt von der Solarisbank, die folglich auch das Scoring bzw. die  Bonitätsprüfung übernimmt.

Und wie ist es nun bei Auxmoney, wo der „Firmenkundenkredit“ ja auch von Solaris kommt und (Zufall?) auch bis maximal 750.000 Euro reicht ? In der gestern Früh versandten Pressemitteilung steht …

  • Auxmoney nutze „Wettbewerbsvorteile im Bereich Scoring und Technologie aus dem Bestandsgeschäft für die Unternehmensfinanzierung“

und

  • Auxmoney habe „über Jahre neuartige Scoring-Methoden entwickelt, um die Bonität von Selbstständigen differenziert und individuell zu bewerten. Diese langjährige Expertise geht nun auch in die Bonitätsbewertung von Unternehmen ein.“

Also macht wirklich Auxmoney das Scoring und Solaris gibt das Geld? Mmmhhhhh: Neeee.

Wir deuten die Dinge so, dass es sich bei dem, was Auxmoney macht, eher um ein Vor-Scoring auf Basis einzelner KPIs handelt. Das finale Rating hingegen, dabei bleiben wir, kommt: von der Solarisbank. Würden wir darauf unseren Newsletter verwetten? Nein. Aber immerhin unseren morgendlichen Kakao, und der ist uns fast genauso heilig.

Alles Haarspalterei? Nope! Denn während Auxmoney im Konsumenten-Geschäft ganz allein zwischen institutionellem Investor und Kreditnehmer steht (okay: mit ein bisschen Whitelabel-Bank dahinter), würden wir beim Firmenkunden-Kredit davon ausgehen, dass Solaris einen großen Teil der Kredite an seinen Verbriefungs-Partner Crosslend (mehr zu dieser Partnerschaft hier …) weiterreicht und die Kredite von dort dann schließlich bei irgendeinem „Insti“ landen. Hieße: Nicht ein Fintech besetzt die Wertschöpfungskette. Sondern drei (Auxmoney, Solaris und Crosslend).

Wobei: Wer die Geschichte, die Geduld und den Ehrgeiz von Auxmoney kennt und sich zudem die Formulierungen in der Pressemitteilung ansieht, der ahnt, dass sich das Düsseldorfer Proto-Fintech mit dieser Form des Margen-Sharings auch im KMU-Geschäft nicht dauerhaft zufriedengeben wird.

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Die 2018er-Ergebnisse aller wichtigen deutschen Banken auf einen Blick

Von Heinz-Roger Dohms

So, nachdem sich auch die NordLB und die KfW bequemt haben, ihre 2018er-Zahlen vorzulegen, würden wir sagen: Lassen Sie uns ’nen Strich druntermachen! Denn: Abgesehen von ein, zwei notorischen Publizitäts-Prokrastinierern (hallo, liebe Targobank) haben wir jetzt die Ergebnisse der wichtigen deutschen Banken schön akkurat (und hoffentlich auch korrekt) in unsere kleine Excel-Tabelle eingetragen. Was sieht man dort? Dass aus einem aggregierten Vorsteuergewinn von 29,8 Mrd. Euro in 2017 ein aggregierter Vorsteuergewinn von nur noch 25,4 Mrd. Euro in 2018 wurde,  ein Minus von 15%. Das heißt aber nicht, dass die Gewinne auf breiter Front weggeschmolzen wären. Eher waren es Sondereffekte wie bei der NordLB (Ursache bekannt) oder der HVB (Ursache hier), die den Gesamteindruck vermasselten. Hinzu kamen die wieder wieder höheren Bewertungsergebnisse (also Risikovorsorge etc.pp.) bei Sparkassen und Genos. Und sonst? Voilà:

in Mio. € vor Steuern nach Steuern
2018 2017 2018 2017
Sparkassen 7.700 9.700 6.800 4.467
Genobanken 6.380 7.283 4.467 5.084
VWFS 2.600 2.299 k.A. k.A
KfW 1.636 1.426 k.A. k.A
DZ Bank 1.370 1.810 918 1.098
Dt. Bank 1.330 1.228 341 -735
ING Deutschl. 1.322 1.272 886 876
Commerzbank 1.230 459 865 128
BayernLB 869 652 828 679
LBBW 558 515 420 419
Deka 517 481 286 264
Santander 463 392 k.A. k.A
Helaba 443 447 278 256
HVB 392 1.597 238 1.336
Aareal 316 328 226 213
PBB 215 204 179 182
HSH/HCOB 97 -453 77 -528
NordLB -2.057 195 -2.354 135
Summe 25.381 29.835 14.455 13.874

Anmerkungen:

  • Wir sind per se sehr freihändig vorgegangen, d.h. ohne methodisches Gesamtkonzept
  • Dass der Unterschied zwischen Vor- und Nachsteuergewinn bei den aggregierten Zahlen so immens ist, hat folgenden Grund: Für die KfW, die VW Financial Services und die Santander gibt es aus jeweils leicht unterschiedlichen Gründen keine Nachsteuerergebnisse
  • Bei den Sparkassen und Genos (HGB …) haben wir die frisch eingestellten Reserven in den Fonds für allgemeine Bankrisiken dem Gewinn zugeschlagen; macht die Buba ja genauso
  • Trotzdem sind die Sparkassen- und Genozahlen mit den übrigen Ergebnissen nur sehr bedingt vergleichbar, weil die anderen Ergebnisse (wir meinen: allesamt) IFRS sind
  • Die Förderbanken haben wir, abgesehen von der KfW, außen vor gelassen
  • Bei den Autobanken war es bis auf VWFS dasselbe
  • Und warum nicht mehr Bemühen um Vollständigkeit? Weil es uns darum ging, Ihnen einen Eindruck zu verschaffen – nicht darum, eine methodisch bis in die Haarspitzen kohärente Gewinnstudie zu erstellen

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Leserblog: Bei Zertifikaten besteht eine „moralische Einlagensicherung“

5,7 Mrd. Euro hat die Deka im Jahr 2018 an Zertifikaten abgesetzt – mehr als an Investmentfonds. Unsere kleine Analyse führte zu einer Fülle erhellender Fallbeispiele und Zuschriften, von denen wir Ihnen eine vorstellen, da wir sie  1) für plausibel und 2) für einen wertvollen Beitrag zum besseren Verständnis des Phänomens halten:

Hier ist die Sicht des Verkäufers in der Bank:

  • Man generiert einen Provisionsertrag. Der liegt bei Zertifikaten oftmals höher als bei Fonds oder anderen Anlageprodukten
  • Es herrscht relativ geringer Beratungsbedarf, wenn es sich um verbundnahe Emittenten handelt
  • Es ist eine gute Möglichkeit, Liquidität der Kunden aus dem eigenen Haus (und damit vom Konto bei der EZB/Strafzinsen) wegzubekommen.

Hier ist die Sicht des Emittenten:

  • die Anlage ist kein Kontoprodukt, generiert damit Vertriebsprovisionen statt Margen
  • die Anlage unterliegt nicht der Einlagensicherung, da es ein Wertpapier ist
  • es besteht dennoch eine „implizite Einlagensicherung“ aus der (moralischen) Beraterhaftung

Landesbanken nutzen die Zertifikate gern, um an Retail-„Einlagen“ zu kommen (in Anführungszeichen, da es sich, siehe oben, um keine keine klassischen / echten Einlagen handelt). Zugleich zwingen sie die Sparkassen in eine gewisse Loyalität und Nähe, weil die Sparkassen mindestens aus Reputationsgründen in der Haftung sind. Gerade, wenn die Beteiligung der Sparkassen (nur noch) eine Minderheitsbeteiligung ist, dann ist das ein gern gewähltes Medium, um den Verbund „auf Linie“ zu bringen.“

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