Russischer Milliardär kapert deutsche Kredit-Fintechs

Von Heinz-Roger Dohms

Der deutsche Markt für Konsumentenkredite ist nicht nur riesengroß (wir schätzen auf Basis unterschiedlicher Quellen mal ganz grob: 100 Mrd. Euro Neugeschäft jährlich) – er lockt auch die unterschiedlichsten Player an. Die Commerzbank zum Beispiel beackert das Feld mit ähnlichem Ehrgeiz wie die Volksbanken, die Autobanken sind hier genauso unterwegs wie die Auslandsbanken, und dann sind da natürlich die Smavas und Auxmoneys und ohnehin und sowieso: Check24.

Und dann: Ist da noch ein Name, der den meisten von  Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vermutlich nichts sagt – den Sie sich aber möglicherweise merken sollten: Oleg Boyko, russischer Multi-Investor, laut „Forbes“ 1,2 Mrd. Euro schwer und im globalen Reichen-Ranking zurzeit auf Position 1818 gelistet. Laut Recherchen von Finanz-Szene.de (unterstützt vom Internetportal „Startupdetector.de„) gehören Boyko über das mit seiner Familie verbundene* Investmentvehikel „Tirona Limited“ seit Kurzem rund 25% am Frankfurter Kredit-Fintech Cashcape.

Der 2017 gelaunchte Anbieter vergibt Minidarlehen an klamme Verbraucher – sei es, weil die sich einen Fernseher kaufen, die Miete zu bezahlen haben oder einen Kredit ablösen wollen. Das Ganze geschieht

  • per App,
  • bis zu einer Höhe von 2500 Euro,
  • nach eigenen Angaben ohne Schufa
  • und natürlich zu entsprechenden Zinsen.

„Pay-day loans“, nennt man so etwas traditionellerweise in der angelsächsischen Welt. Sprich: Kredite, die die Tage bis zum nächsten Gehaltscheck überbrücken sollen. Zurückzahlen müssen die Cashcape-Kunden das Geld – je nach Ausgestaltung des Kredits – innerhalb von 14 bis 90 Tagen. Auf Anfrage von Finanz-Szene.de bestätigte Cashcape-Gründer Jan Weitzel den Einstieg von Tirona.

Was das Investment so interessant macht: Zum Boyko-Imperium gehören diversen Medienberichten zufolge nicht nur die Tirona Limited, sondern auch die Finstar Gruppe, mit der wiederum das 2008 gegründete lettische Groß-Fintech 4Finance zu verbandelt sein scheint. 4Finance hatte schon 2017 das Berliner Fintech Vexcash übernommen, dessen Geschäftsmodell dem von Cashcape stark ähnelt. Und: Ein Jahr zuvor war Boyko laut damaligen Medienartikeln beim Berliner Kredit-Fintech Spotcap eingestiegen.

Auch wenn Spotcap, anders als Cashcape und Vexcash, bislang nicht auf dem deutschen Markt aktiv ist – es drängt sich die Frage auf: Ist es Boykos Ziel, den deutschen Markt für Mikrokredite unter seiner Führung zu konsolidieren?

An den Ambitionen des Milliardärs bestehen jedenfalls keine Zweifel. So schrieb die britische Branchen-Postille „Finextra“ vor rund einem Jahr in einem Artikel über europäische Fintech-Investoren:

„[…] One such company is the Finstar Financial Group, led by international investor Oleg Boyko. His company has recently committed $150 million to in-house research and investment in startup fintech companies (to a maximum of 20 such companies). Boyko plans to use this money to provide them with expert advice and the freedom to grow at their own pace, among the sectors – payment services, marketing, data processing and credit-risk management.“

Dazu passt, dass sich inzwischen auch im deutschen Handelsregister eine „4Finance GmbH“ findet. Deren Unternehmenszweck wird wie folgt definiert:

„Die Suche nach und Analyse von Start-up Unternehmen im FinTech Bereich sowie damit verbundene Technologien mit gutem Wachstumspotential in Deutschland und Europa, um im Konzern der 4finance Gruppe, Investitionsvorschläge zu unterbreiten.“

Als Geschäftsführer der in Frankfurt eingetragenen Gesellschaft firmiert ein gewisser André Achstätter. Der wiederum ist laut Impressum auch Vorstandschef von Vexcash – also jenem Berliner Kredit-Fintech, dass schon vollständig zum Boyko-Imperium gehört.

Wie groß der Mikrokreditmarkt ist (bei dem es sich ja nur um ein kleines  Subsegment des Konsumentenkreditmarkts handelt), lässt sich – jedenfalls für uns – nicht wirklich beziffern. Was allerdings auffällt: Es gibt mittlerweile zumindest eine Handvoll Fintechs, die das Geschäft hierzulande betreiben, darunter Cashpresso, Cashper und Ferratum. Und nicht zu vergessen: Auch das lange Zeit größte deutsche Fintech, nämlich das zuletzt schwer kriselnde Hamburger Startup Kreditech, vergibt Kurzzeit-Kredite an klamme Konsumenten – wenn auch nicht in Deutschand, sondern beispielsweise in Polen oder Spanien (Spanien gehört übrigens auch zu den fünf Märkten, die Spotcap bedient). So ganz unspannend scheint dieser Markt also nicht zu sein, auch wenn irgendwie nie ganz klar ist: Ist hier die Speerspitze der automatisierten Bonitätsanalyse unterwegs – oder geht’s um Wucher 4.0? Gut möglich jedenfalls, dass wir uns das Ganze demnächst nochmal ein bisschen genauer anschauen werden.

Für heute hätten wir dann nur noch einen letzten, auch nicht ganz unspannenden Punkt: Boykos Tirona Limited hat ausweislich des Handelsregisters nicht nur frisches Kapital in Cashcape gepumpt, sondern auch einigen Frühphasen-Investoren deren Alt-Anteile abgekauft.  Darunter zwei der bekanntesten deutschen Banking-Consultants, nämlich Bernd Rolfes und Stefan Kirmße – der eine Gründer, der andere Managing Director der großen Münsteraner Beratungsfirma ZEB.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

*In der ursprünglichen Fassung des Artikels hatten wir geschrieben, Boyko gehörten über sein Investmentvehikel „Tirona Limited“ seit Kurzem 25% an Cashcape.  Hierzu schrieb uns eine Sprecherin der mit Boyko verbundenen Finstar Financial Group: „Tirona Limited is not owned by Mr. Boyko but it is affiliated with Boyko family.“ Darum haben wir die Formulierung entsprechend geändert (Samstag, 1. Juni, 10.31 Uhr)

 

Was die Deutsche Bank im IPO-Geschäft richtig macht

Von Christian Kirchner

Das Schöne am Datenjournalismus ist: Anders als beim Meinungsjournalismus weiß man vorher nicht, was hinterher herauskommt. Neulich zum Beispiel rieben wir uns verwundert die Augen, als unsere Analyse zur Coba-Aktie zeigte: Die (vermeintliche) gelbe Pleiten-Pech-&-Pannen-Bank hat in der Ära Zielke nicht nur die Deutsche Bank meilenweit abgehängt – sondern sogar etwas besser performt als der europäische Branchenindex. Der dröge Herr Zielke ein Investoren-Liebling? Hätten Sie es geahnt?

Ebenso wenig in unser Weltbild passt, was nun diese Woche passiert ist. Da nämlich schnitt bei der Analyse zur grottigen Bilanz der IPO-Banken am deutschen Aktienmarkt ausgerechnet jene Bank ganz und gar nicht grottig ab, an deren Investmentbankern wir normalerweise kein gutes Haar lassen – sprich: die Deutsche Bank. Sie war bei fast jedem dritten Börsengang dabei (starke Präsenz), fehlte speziell bei kaum einem der wirklich großen IPOs (ein Indiz für Marktmacht und kompetitive Gebühren) – vor allem aber: Wenn die Deutsche Bank in den vergangenen zehn Jahren ein Unternehmen an die Börse gehievt hat, dann sind Anleger mit diesem Unternehmen meist gut gefahren – was bei den anderen Emissions-Banken eher selten der Fall war.

Drum hier, als dritter Teil unserer großen IPO-Banken-Analyse, ein Tusch auf den Überraschungssieger Deutsche Bank:

  • Die Deutsche Bank war seit der Finanzkrise bei 29 von insgesamt 99 Börsengängen im regulierten „Prime Standard“ als Konsortialführerin (alleine oder gemeinsam mit anderen) mit von der Partie. Wettbewerber wie Berenberg oder Goldman Sachs kamen dagegen nur bei maximal 20 Börsengängen als lukrative „Global Coordinators“ zum Zuge.
  • Die von Finanz-Szene.de errechnete „Winning Ratio“ – also die Quote jener neuen Aktien, die gemessen am Emissionspreis bis heute besser liefen als der Gesamtmarkt – beträgt bei der Deutschen Bank 55%. Zum Vergleich: Von allen seit 2009 neu platzierten Aktien schafften überhaupt nur 40% ein Kursplus, dagegen stehen 60% gemessen am Emissionspreis unter Wasser. Zugegeben: Die „Winning Ratio“ war bei Goldman Sachs und Morgan Stanley noch ein bisschen besser. Beide kommen allerdings auch nur auf 16  bzw. 12 Konsortialführerschaften.
  • Die Deutsche Bank war bei (fast) allen IPOs mit > 1 Mrd. Euro Platzierungsvolumen dabei, was für Marktmacht und kompetitive Gebühren spricht. Im Einzelnen: Bei insgesamt elf Milliarden-Börsengängen war die Deutsche Bank achtmal „mit dabei“ als Konsortialbank und viermal sogar Konsortialführerin; gefehlt hat sie nur bei Telefonica Deutschland, Scout24 und Rocket Internet (Hinweis: Rocket war zunächst im Open Market gelistet, wechselte dann aber in den Prime Standard).
  • …. was insofern interessant ist, als die Deutsche Bank damit ausgerechnet bei zwei großen Flop-IPOs gefehlt hat – nämlich Telefonica Deutschland (-49% absolut seit IPO, -102 Prozentpunkte relativ) und Rocket Internet (-46% bzw. -72%-Punkte). Das könnte ein Indiz sein, dass die Deutsche Bank womöglich nicht alles mitmacht, was andere Institute so machen (die meist auch keine Privat- und Firmenkunden in Deutschland haben, die ihnen fallende Kurse von durch die Hausbank platzierte Börsenneulinge übelnehmen).
  • Dafür spricht noch eine Beobachtung: Die Deutsche Bank war auch in den vergangenen 12 Monaten eher vorsichtig, während andere Emissionsbanken dadurch auffielen, manchen Börsengang augenscheinlich mit der Brechstange durchzuziehen. Nur einer der letzten zehn deutschen Börsenneulinge seit Frühjahr 2018 notiert gegenüber dem Ausgabepreis im Plus, nämlich Knorr Bremse aus dem Oktober 2018 (+20%). Und wer war da Konsortialführer? Unter anderem die Deutsche Bank. Darüber hinaus werkelte das wichtigste Geldhaus hierzulande bei den IPOs von Qingdao Haier (minus 16 Prozentpunkte relativ zum Gesamtmarkt seit IPO), der DWS (minus 7 Prozentpunkte relativ) sowie Siemens Healthineers (plus 36 Prozentpunkte relativ) mit. Ergibt unter dem Strich in einem sehr schwierigen IPO-Umfeld immer noch eine deutlich positive durchschnittliche Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt.

Fazit: Auch bei den Börsenkandidaten der Deutschen Bank lief nicht alles rund (siehe diese Tabelle). Aber doch auffällig viel.

Und falls Ihnen das zu positiv war – in der kommenden Woche untersucht Finanz-Szene.de im (letzten) Teil IV der IPO-Serie einen großen Börsengang, der symptomatisch für die vielen Flops der letzten zehn Jahre stand – und Fragen nach der Verantwortung der Konsortialbanken aufwirft.

Kursveränderung ab Börsengang Out-/Underperformance in Prozentpunkten zum HDAX gleicher Zeitraum
Befesa 32,1 42,9
Brenntag 172,1 105,9
Covestro 84,5 69,2
Depfa 14,3 14,5
DWS -7,0 -6,6
EDAG Engineering -31,8 -35,0
Electrawinds -100,0 -160,5
Evonik -20,3 -61,3
exceet Group -40,5 -124,7
GSW Immobilien 436,8 390,8
Hapag-Lloyd 26,0 21,1
HelloFresh -11,1 -0,7
innogy 12,8 0,2
Instone Real Estate 3,7 7,4
Jost Werke 9,3 12,2
Kabel Deutschland 390,9 320,1
KION 128,7 86,8
Knorr-Bremse 19,9 15,3
LEG Immobilien 152,8 111,4
Norma Group 76,9 32,2
Osram 21,5 -20,0
Qingdao Haier -8,6 -16,3
RTL -16,9 -57,7
Schaeffler -43,3 -56,9
Senvion -94,7 -109,7
Siemens Healthineers 32,0 36,1
SLM Solutions -48,9 -68,9
Talanx 101,3 48,8
windeln.de -92,2 -94,6

(Stand: 17.5.2019, Vergleichsindex: HDax, jeweils ohne Dividenden)

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Wirecard-Tochter in Dubai sorgt für 58% des Gewinns

Von Heinz-Roger Dohms

Beim Zahlungsdienstleister Wirecard hat eine einzige Tochter im vergangenen Jahr für weit mehr als die Hälfte des gesamten Jahresgewinns gesorgt. Das geht aus dem HGB-Einzelabschluss für 2018 hervor, den Finanz-Szene.de gestern im Bundesanzeiger entdeckt hat. Bei der Gesellschaft handelt es sich um die in Dubai ansässige „cardSystems Middle East“. Diese hatte in den letzten Jahren zwar auch schon entscheidend zum Wirecard-Ergebnis beigetragen – allerdings nicht in so krassem Umfang wie diesmal.

Konkret erwirtschafteten die 45 im Wirecard-Einzelabschluss aufgeführten Töchter ein aggregiertes Ergebnis in Höhe von 408,3 Mio. Euro. Davon entfielen 237,5 Mio. Euro auf die „cardSystems Middle East“, was einem Anteil von 58,2% entspricht. Überhaupt kamen nur drei Gesellschaften auf einen Jahresgewinn von mehr als 10 Mio. Euro, nämlich neben der Dubai-Tochter auch noch die Wirecard Technologies in Deutschland (129,5 Mio. Euro) und die Wirecard Payment Solutions in Dublin (62,5 Mio.). Etwas mehr als die Hälfte der Gesellschaften verlor Geld.

Die „cardSystems Middle East“ war Teil der umstrittenen „Financial Times“-Berichterstattung über Wirecard in den zurückliegenden Monaten. So hatte die Londoner Wirtschaftszeitung am 24. April geschrieben, ein großer Teil der Umsätze, die die Dubai-Gesellschaft erwirtschafte, komme von einer weitgehend unbekannten Partnerfirma namens Al Alam. Am 20. Mai legte die „FT“ nach und stützte sich dabei auch auf interne Dokumente. Zudem behauptete das Blatt, die Bilanzen der „cardSystems“ seien 2016 und 2017 von keinem Wirtschaftsprüfer geprüft worden – was Wirecard zurückwies (siehe unser eigene April-Stück „Wie die neuen Vorwürfe gegen Wirecard einzuordnen sind“). Gegenüber der „FT“ teile Wirecard mit, die Card Systems Middle East werde, wie die übrigen Tochterfirmen, im Zuge des konzernweiten Testats von Ernst & Young geprüft. 

Tatsächlich präsentierte der Dax-Konzern auch vor einem Monat einen testierten Konzernabschluss für 2018. Aus Sicht der meisten Investoren ist die sogenannte Wirecard-Affäre seither ausgestanden. Beleg: Zum gestrigen Handelsschluss notierte die Aktie bei rund 161 Euro, nachdem sie im Zuge der kritischen „FT“-Artikel zwischenzeitlich auf unter 100 Euro abgetaucht war.

Was die „cardSystems“ genau macht, bleibt unterdessen für Außenstehende  diffus. Im HGB-Einzelabschluss taucht die Firma überhaupt nur ein einziges Mal auf, nämlich in besagter Ergebnis-Tabelle. Im Konzernabschluss immerhin finden sich zwei – wenn auch karge – Informationen. So heißt es an einer Stelle …

„Der Konzern, insbesondere die Wirecard UK & Ireland Ltd. in Dublin (Irland), die Wirecard Brazil S.A. in Sao Paulo (Brasilien), die cardSystems Middle East FZ-LLC in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) sowie viele der ostasiatischen Tochtergesellschaften, arbeiten international mit unterschiedlichen Banken und Finanzdienstleistern zusammen, um auch dort entsprechende Acquiring- bzw. Issuing-Dienstleistungen anbieten zu können, für die die Wirecard keine eigene Lizenz nutzen kann.“

… und weiter unten …

„In der geografischen Region „Asien und Pazifik“ werden die Gesellschaft CardSystems Middle East FZ-LLC, die Wirecard Processing FZ-LLC, die Wirecard Asia Holding [Anm.: Es folgt eine lange Aufzählung von Firmennamen] subsumiert.“

Über eine Webpräsenz verfügt die Firma ebenso wenig wie über einen öffentlich einsehbaren Jahresabschluss. Googelt man den komplett Namen  („CardSystems Middle East FZ-LLC“), so ist der oberste Treffer ein „Bloomberg“-Eintrag, in dem es heißt: „cardSystems Middle East FZ-LLC does not have any Key Executives recorded.“ Auf der Wirecard-Homepage wiederum waren gestern Abend unter dem Stichwort „Careers“ 232 Jobs ausgeschrieben, darunter allerdings keiner in Dubai.

Eine Sprecherin erklärte die geringe Sichtbarkeit der „cardSystems Middle East“ gegenüber Finanz-Szene.de damit, dass es – in unseren eigenen Worten ausgedrückt – auch nicht viel zu sehen gebe. Wirecard verfüge konzernweit über vier Abwicklungszentren, so die Sprecherin, nämlich in Deutschland, in UK/Irland, in den USA und eben in Dubai, wo „viele Transaktionen geroutet“ würden. Die Folge, wenn wir es richtig verstehen: Bei der „cardSystems“ fällt zwar viel Gewinn ab, sichtbares Kundengeschäft betreibt sie aber nicht.

Die Gewinne der einzelnen Wirecard-Gesellschaften auf einen Blick in Mio. Euro:

cardSystems Middle East FZ-LLC, Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) 237,5
Wirecard Technologies GmbH, Aschheim (Deutschland) 129,5
Wirecard Payment Solutions Holdings Ltd., Dublin (Irland) 62,5
Wirecard Acquiring & Issuing GmbH, Aschheim (Deutschland) 9,4
Wirecard North America Inc., Conshohocken (USA) ** 7,4
Wirecard Card Solutions Ltd., Newcastle (Großbritannien) 2,9
Hermes I Tickets Pte Ltd, Chennai (Indien) 2,5
Wirecard Romania S.A., Bukarest (Rumänien) 2,4
Wirecard Mexico S.A. De C.V, Mexico City (Mexico) 1,5
Wirecard Bank AG, Aschheim (Deutschland) 1,3
Wirecard Brazil S.A., Sao Paulo (Brasilien) 1
PT Aprisma Indonesia, Jakarta (Indonesien) 1
PT Prima Vista Solusi, Jakarta (Indonesien) 1
Wirecard Acceptance Technologies GmbH, Aschheim (Deutschland) 0,7
Wirecard Central Eastern Europe GmbH, Graz (Österreich) 0,6
MyGate Communications Pty Ltd., Kapstadt (Südafrika); 0,6
Wirecard Issuing Technologies GmbH, Aschheim (Deutschland) 0,4
Wirecard Africa Holding Proprietary Ltd., Kapstadt (Südafrika) 0,3
Wirecard Service Technologies GmbH, Aschheim (Deutschland) 0,3
Wirecard Slovakia s.r.o., Kosice (Slowakei) 0,2
American Payment Holding Inc., Toronto (Kanada) 0
Wirecard Poland Sp.Zo.o., Warschau (Polen) 0,2
Wirecard Luxembourg S.A., (Luxemburg) 0
Wirecard India Private Ltd., Chennai (Indien) 0
Wirecard (Gibraltar) Ltd. (Gibraltar) 0
Click2Pay GmbH, Aschheim (Deutschland) 0
Wirecard Myanmar Ltd., Yangon (Myanmar) -0,1
Wirecard Forx India Pte Ltd, Bangalore (Indien) -0,2
Wirecard LLC, Moskau (Russische Föderation) -0,3
Wirecard Retail Services GmbH, Aschheim (Deutschland) -0,3
Wirecard Ödeme ve Elektronik Para Hizmetleri A.Ş., Istanbul (Türkei) -0,3
Wirecard (Thailand) Co. Ltd., Bangkok (Thailand); (ab 25.04.2017) -0,4
Wirecard E-Money Philippines Inc., Manila (Philippinen) -0,5
GI Technology Pte. Ltd., Chennai (Indien) -0,6
Wirecard Communication Services GmbH, Leipzig (Deutschland) -0,7
Wirecard Global Sales GmbH, Aschheim (Deutschland) -0,8
Wirecard Payment Solutions Hong Kong (Hong Kong). -1
Wirecard Australia A&I Pte. Ltd., Melbourne (Australien) -1,4
Wirecard Hong Kong Ltd. (Hong Kong) -1,7
Wirecard Payment Solutions Malaysia SDN BHD, Kuala Lumpur (Malaysia) -2,1
Wirecard Singapore Pte. Ltd. (Singapur) -2,8
Wirecard NZ Ltd, Auckland (Neuseeland) -3,9
Wirecard Sales International Holding GmbH, Aschheim (Deutschland) -4,7
Wirecard Processing FZ LLC, Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) -12,2
Wirecard Asia Holding Pte. Ltd., (Singapur) -20,7

 

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Warum fällt die Commerzbank-Aktie acht Tage in Folge?

Von Christian Kirchner

Wenn es ein paar Tage (auch an der Börse) so aussah, als sei die Commerzbank der heimliche Sieger aus den geplatzten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank – dann ist es allmählich Zeit, dieses Bild zu korrigieren.

In Zahlen: Minus 1,4%, minus 4,2%, minus 0,1%, minus 3,1%,  minus 4,5%,  minus 1,2%, minus 0,5%,  minus 2,1% – so sehen sie Tagesveränderungen der Commerzbank-Aktie in den letzten acht Handelstagen aus. Auch wenn hier der Dividenden-Abschlag von 0,20 Euro eine Rolle spielt: Die Kursentwicklung passt so gar nicht zur gefühlten Lage, nachdem Vorstandschef Martin Zielke auf der HV vergangene Woche mit DDR-Volkskammer-mäßigen 99,5% entlastet worden war.

Was ist da los?

Blicken wir dazu zunächst auf die Kursentwicklung seit Jahresbeginn …

… dann wird deutlich, dass die Luft auch nach der Absage der Fusion mit der Blaubank am 25. April zwar noch nicht ganz raus ist: Die Coba-Aktie lief besser als der Branchenindex und weit besser als die Deutsche Bank.

Aber: Die Luft entweicht beachtlich schnell. Denn inzwischen hat die Commerzbank-Aktie nach ihrer roten Serie auf die Deutsche Bank (die von einem 45-Jahres-Tief zum nächsten eilt) „aufgeholt“ – und zwar in Sachen Verluste. Das zeigt die Grafik, wie sich die Kurse seit Platzen der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank am 25. April entwickelt haben. 


Wie ist das nun zu erklären?

Für das unterdurchschnittliche Abschneiden der Bankaktien insgesamt in den letzten Wochen gibt es einen gemeinsamen Nenner: die Tatsache, dass sich alle Hoffnungen auf eine baldige Zinswende schwinden und sich quasi alle Banken vor dem Hintergrund einer sich eintrübenden Konjunktur – samt steigenden Kreditausfällen und zurückhaltenderen Kunden – auf sinkende Gewinne einstellen müssen.

Bei den beiden deutschen Großbanken könnte das bei einer eher mageren Rentabilität rasch zu roten Zahlen führen. Es kommen indes noch institutsspezifische Probleme hinzu:

Bei der Commerzbank ist die Lage zwar nicht dramatisch. Gleichwohl deutet der jüngste Kursverfall darauf hin, dass die Aktionäre den Glauben an eine mögliche Übernahme durch eine andere europäischen Großbank (hier eine Szenario-Analyse dazu) zu verlieren drohen.

Das hat zwei Gründe: Erstens galt die Commerzbank vor allem wegen ihres „negativen Goodwills“ als interessant: Wer eine Bank unterhalb des Werts ihres Eigenkapitals übernimmt (und bei der Gelbbank liegt der Börsenwert gerade weit über dem Wert des Eigenkapitals), kann sich mit Zustimmung der Aufseher die Differenz bilanziell gewinn- und kapitalwirksam zuschlagen. Hier hat die Aufsicht aber durchblicken lassen, dass man es kritisch sähe, würde dies von einem potenziellen Käufer zur Finanzierung von künftigen Ausschüttungen genutzt.

Und dann gibt es noch ein zweites Problem: Wenn es um grenzüberschreitende Fusionen geht, nehmen Bankchefs wie Aufseher wie Politiker inzwischen eine gebückte Haltung ein – zuletzt etwa Bafin-Chef Hufeld, der vor einem solchen Manöver regelrecht warnte. 

Bei der Deutschen Bank darf man sich mehr Sorgen machen. So hat Vorstandschef Christian Sewing zwar auf der HV „harte Einschnitte“ angekündigt und Aufsichtsratschef Paul Achleitner den Tag mit einem dunkelblauen Auge (entlastet von 71% der Stimmen) überlebt. Konkretere Ziele als jene, die er ohnehin schon in Sachen Kosten und Ertrag genannt hatte, blieb Sewing aber schuldig.

Und die Uhr tickt: Je tiefer der Aktienkurs fällt, desto schwieriger wird es, wegen drohender Verwässerung noch einmal frisches Kapital aufzunehmen – etwa, um das Investmentbanking beherzt zu restrukturieren. Dass die Bank sich selbstbewusst gibt, man brauche keine Kapitalerhöhung (auch wenn Bloomberg eben dies als Option sieht), darf als Nullsatz gewertet werden – in einer ohnehin angespannten Nachrichtenlage wäre die Bank töricht, irgendetwas als ein Dementi zu kommunizieren.

Der sonstige Nachrichtenfluss – etwa von Scope herabgestuft zu werden – ist auch nicht hilfreich. Die Ratingagentur bringt das Kernproblem auf den Punkt: Die Bank hat kaum Puffer, ihre volatilen Erträge im Investmentbanking  zu absorbieren, sollte es in dieser Sparte ein schlechtes Jahr geben – worauf der eher schwache Jahresstart hindeutet.

Wenn aber organisch angesichts der Zins- und Konjunkturlage kaum Hoffnung auf Besserung der Lage der beiden schwach rentablen Banken besteht – und die anorganischen Lösungen national (Fusion Deutsche/Commerzbank) bereits verworfen wurde und international (wie auch immer) hohe Hürden zu nehmen hätten: Was bleibt noch an Spielraum?

Glaubt man dem Aktienmarkt: Nicht mehr viel. Die mit Abstand größten deutschen Privatbanken mit zusammen 1800 Mrd. Euro Bilanzsumme und 141.000 Mitarbeitern sind inzwischen zusammen (!) weniger Wert als Fresenius Medical Care oder die Deutsche Börse.

Und, wenn der Kursverfall weitergeht, vielleicht bald auch weniger als der Bezahldienst Wirecard.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

IPO-Analyse: Die Sieger heißen Morgan Stanley & Deutsche Bank

Von Christian Kirchner

Gestern früh haben wir Ihnen eine Statistik des Grauens präsentiert: Von den 99 Unternehmen, die seit der Finanzkrise an die Frankfurter Börse gegangen sind, notieren 59 heute im Minus – trotz mittlerweile zehnjährigen Bullenmarkts. Heute wollen wir uns nun die 37 beteiligten IPO-Banken einzeln vorknöpfen:  Wer hat Qualität platziert – und wessen Börsengänge sind gefloppt?

Damit’s einigermaßen übersichtlich bleibt, haben wir die Banken auf Basis der Ergebnisse in sechs Gruppen systematisiert: Die Pseudo-Seriösen, die Börsengang-Maschinen, die „Hall of Shame“, die (nicht immer edlen) Privatbanken, die (leicht bis schwer murksigen) Lokalmatadoren Frankfurts – und die „Gespenster“.

Und dann gibt es noch: Die große Überraschung. 

Die Pseudo-Seriösen

Was zeichnet sie aus? Sie haben den klingenden Namen einer Großbank. Mit nur ganz wenigen Platzierungen als Konsortialführer spielen sie aber kaum eine Rolle im deutschen IPO-Markt– und die Seriosität der Adresse war für Anleger kein Indikator für Qualität zu einem angemessenen Preis. Denn die Neuemissionen entpuppten sich als nichts anderes als Vollkatastrophen.

  • Bank of America Merrill Lynch: Platzierte co-federführend Windeln.de 2015. Kurs seit IPO: -94%.
  • Société Générale: Platzierte den Schmuckhändler Elumeo 2015, Kurs seit IPO: -95%.
  • LBBW: Platzierte 2012 die Hess AG, Pleite ein halbes Jahr nach dem Börsengang!,
  • Unicredit: Platzierte nur Prime Office REIT 2011, Performance seitdem: -48%, Underperformance zum Gesamtmarkt: 93 Prozentpunkte (im Folgenden der Einfachheit halber: %, auch wenn Prozentpunkte gemeint sind bei relativem Abschneiden)
  • Credit Agricole: Platzierte nur 2011 Adler Modemärkte. -67% seit IPO.

Die Börsengang-Maschinen

Was zeichnet sie aus? Dass an ihnen wegen ihres guten Rufs im Investmentbanking kaum ein Weg vorbeiführt – jedenfalls wenn es ordentlich Platzierungskraft braucht. Und, so zeigt unsere Analyse: Dass Anleger mit ihnen meistens gut gefahren ist sind. Mithin also meist eine Win-Win-Kombination für Emittenten und Zeichner.

  • Goldman Sachs: 14 Platzierungen, davon 9 mit Outperformance zum Gesamtmarkt. Durchschnittlicher Zugewinn seit Börsengang: 53%. Durchschnittliche Outperformance zum Gesamtmarkt: 36%
  • JP Morgan: 17 Platzierungen, von denen allerdings nur 8 den Gesamtmarkt schlugen. Im Schnitt trotzdem eine Outperformance von 7%.
  • Citigroup:: 12 Emissionen, mit denen Anleger unterm Strich im Vergleich zum Gesamtmarkt 9% einbüßten.
  • Credit Suisse: Ganz stark. 4 von 5 Platzierungen schlugen den Markt, Outperformance im Schnitt 31%.
  • UBS: Noch stärker. Im Schnitt 37% Outperformance bei insgesamt fünf Platzierungen.
  • Morgan Stanley: Der Outperformer schlechthin. Von 12 Platzierungen haben 8 den Markt geschlagen, wirkliche Flops gab es nur zwei, nämlich Rocket Internet (-46%) und RTL (-17%). Die hohe Quote stark gelaufener Börsengänge (u.a. Ströer, Delivery Hero, Vonovia, Kabel Deutschland) sorgt für eine durchschnittliche Outperformance von 66%. Topwert unter den Banken mit mindestens zwei Platzierungen in den letzten zehn Jahren.

Die Hall of Shame

Was zeichnet sie aus? Dass alle oder fast alle ihrer Platzierungen gefloppt sind.

  • BankM (nutzt Fintech Group-Plattform): Vier Platzierungen (Van Camel, Haikui Seafood, Ultrasonic, Youbisheng), viermal kamen bis heute Verluste von mindestens 76% heraus.
  • Macquarie: Die vier vermeintlichen „China-Kracher“ Tintbright, First Textile, Powerland und Joyou explodierten allesamt in den Händen ihrer Anleger mit Verlusten von 87 bis 100%.
  • Sal. Oppenheim: Ein Börsengang, Vtion, -99%. Aber was aus Oppenheim wurde, weiß man ja.
  • Kepler: Zwei Börsengänge, zwei Quasi-Totalverluste.

Die (teils unedlen) deutschen Privatbanken

Was zeichnet sie aus? Dass sie über Vernetzung und Stallgeruch verfügen. Aber ihre Ergebnisse nicht immer überzeugen.

  • Bankhaus Lampe: Drei Platzierungen, davon lief eine gut (Hella, 45% Outperformance zum Gesamtmarkt), eine medioker (Akasol, 12% Underperformance), eine übel (Voltabox, -35%).
  • Quirin: Einmal topp (Aves One), ein Megaflop (Isaria Wohnen).
  • Hauck&Aufhäuser: Drei Platzierungen (Serviceware, STS und DFV), die verglichen mit dem Emissionspreis zwischen 16% und 64% unter Wasser stehen.
  • Berenberg: Bei den Hanseaten lohnt vor allem die Entwicklung einen näheren Blick. Denn Berenberg ist zum einen sehr rege (19 Emissionen seit 2009!), weist bei einer markttypischen Flop-Quote (11/19)  immerhin eine durchschnittliche Outperformance zum Gesamtmarkt von 5% auf. Die großen Gewinner hierbei: Varta (+174% seit IPO) und Lotto24 (+440% seit IPO!). Aber: Varta war der einzige „Überflieger“, den Berenberg seit 2015 platziert hat.  Seitdem haben nämlich 7 von 9 Emissionen absolut wie relativ zum HDax schlecht abgeschnitten. Berenberg steht auch hinter den 2018er Flops Westwing (-65% relativ zum HDax) und Home24 (-76% relativ zum HDax).

Die (leicht bis schwer murksigen) Lokalmatadoren

Was zeichnet sie aus? Dass sie in Frankfurt sitzen, aber – wenn man ihre IPO-Performance zugrunde legt – an einer ausgewachsenen Heimschwäche leiden.

  • Steubing: Die einzige Platzierung (der Bekleidungshersteller Ming Le Sports 2012, -99%) war winzig, hat sich aber binnen kürzester Zeit einen legendären Ruf in Sachen Bafin-Ärger und dem Veröffentlichen skurriler Ad-Hocs erworben. Zum Beispiel, dass nicht weniger als das eigene operative Geschäft in China, „vermutlich“ veräußert worden sei, man wisse aber nicht, wie und an wen und ob da überhaupt Geld geflossen sei. So wurde es vor zwei Jahre aus dem Headquarter über einem Friseursalon in Bad Vilbel mitgeteilt.
  • Mainfirst: Die einzige Platzierung Evonik (2013) liegt 61 Prozentpunkte hinter dem Gesamtmarkt.
  • ICF: Zwei Platzierungen (Ferratum 2015, Capsensixx 2018), zweimal Verluste von 34 bzw. 41% gegenüber dem Ausgabepreis
  • Oddo. Zwei Platzierungen (B.R.A.I.N., Steilmann), davon war einer so mittel (17% Underperformance), die andere ein Desaster (-99% ab IPO). Dass Oddo dann Close Brothers Seydler übernahm, welche wiederum hinter dem Bastei-Lübbe-IPO 2013 steht (-72%), fügt sich ins Bild.
  • Commerzbank. Klar, Investmentbanking im breiteren Sinne betreiben die Frankfurter nicht mehr. Aber bei Börsengängen in Deutschland helfen sie ab und zu trotzdem. Dabei liegen echte Erfolge schon eine Weile zurück (Stabilus 2014, +92% seitdem), Norma 2010 (+77%). Aber sonst? Nur drei der neun Platzierungen schlugen den Markt, im Schnitt stehen rund 20% Underperformance ab Emissionspreis. Jüngste Beispiele: die 2018er Börsengänge von Creditshelf (-16%) und Serviceware (-31%).

Die Gespenster: Kurz da, dann wieder weg

Was zeichnet sie aus? Nur ein oder zwei Auftritte überhaupt. Und eine diffundierende Performance.

  • Barclays: Einmal Top (Buwog, +135%), einmal Flop: (Vapiano, -70%)
  • Kempen: Einmal Top (Ado Properties, +147%), einmal okay (DO Deutsche Office, +3% ab IPO, aber 13% hinter Gesamtmarkt)
  • BNP: Nur aktiv bei SHW (2011) und Braas (2014), einmal -68%, einmal -13%.
  • Jefferies: Blitzauftritt als Co-Konsortialführer mit Vapiano (-70% binnen zwei Jahren für Erstzeichner)
  • Baader: Begleitete den Megaflop Elumeo (-95% zum Emissionspreis)
  • CM Equity: Steht für den Quaso-Totalverlust Snowbird (-99%)
  • Viscard:. Muss sich fragen lassen, ob China Specialty Glass überhaupt an die Börse gehörte (-99%).
  • CICC:  Sehr ähnlicher Fall, denn Joyou (ebenfalls ein chinesisches Unternehmen) stürzte seit dem IPO um -99%.
  • KKR: Der Private-Equity-Riese platzierte Kion selber, die Anleger dürfen sich freuen: 129% Plus.
  • BHF und Equinet:  Co-führend hinter Derby Cycle (+158%)

Na, haben Sie eine Bank vermisst? Genau. Es fehlt noch:

Die große Überraschung

Was zeichnet sie aus? Dass der Ruf ihrer Investmentbanker längst verblasst ist. Dass aber ihre IPO-Bilanz gemessen am angekratzten Ruf durchaus eine eigene Kategorie rechtfertigt.

  • Deutsche Bank. Das Institut war an 29 Börsengängen seit 2009 als Konsortialführer beteiligt – Rekord in Deutschland. Beachtliche 55% aller dieser 29 Neuemissionen schlugen gemessen am Emissionspreis den Gesamtmarkt. Warum die Deutsche Bank (jedenfalls gemessen an ihren IPOs im Heimatmarkt) so viel besser ist als ihre Renommee, lesen Sie morgen in einer eigenen Analyse).

*Methodik:

Finanz-Szene.de hat die „Leistung“ der IPO-Banken anhand der folgenden Kriterien bewertet

  • Wie haben die von Banken platzierten Aktien absolut abgeschnitten (Veränderung Emissionspreis bis heute)
  • Wie haben die die von Banken platzierten Aktien relativ abgeschnitten – dabei wurde die Kursveränderung zwischen Emissionspreis und heute in Bezug gesetzt zum Abschneiden des deutschen Aktienmarkts (HDax) im gleichen Zeitraum.

Daraus lassen sich Durchschnittswerte errechnen sowie „Quoten“, welcher Prozentsatz an allen Neuemissionen der jeweiligen Bank den Gesamtmarkt schlug.

Wichtig: Finanz-Szene.de nimmt hier die Perspektive der Anleger ein – auch wenn Investmentbanken im Auftrag der Unternehmen bzw. Alteigentümer, für die sie einen möglichst hohen Emissionspreis/-erlös erzielen wollen.

Weitere methodische Hinweise:

  • Gewertet wurden die Börsengänger, bei denen die jeweilige Bank als Konsortialführer („Global Coordinator“, „Lead Manager“, „Sole Bookrunner“) beteiligt war, entweder als alleiniger Konsortialführer oder als Teil eines Konsortiums mehrerer Banken
  • Dividenden wurden weder bei den Einzelaktien noch dem Vergleichsindex berücksichtigt
  • Vergleichsindex für das relative Abschneiden ist der umfassende HDax-Index, der die Titel aus Dax, MDax und Tecdax abbildet
  • Durchschnittswert ist stets der simple Mittelwert, nicht der Median, da es nur eine geringe Fallzahl gibt und der simple Mittelwert die Perspektive der Anleger am besten spiegelt
  • Stichtag für die Analyse war der 17. Mai 2019, gerechnet wurde ab Emissionspreis (nicht erstem Kurs)
  • es wurde keine Volumengewichtung vorgenommen, alle Börsengänge gehen gleich ein in die Betrachtung ein
  • die Grundgesamtheit sind dabei Börsengänge im geregelten Markt (Prime Standard). Ausnahme: Rocket Internet, gestartet im „Open Market“ mit späterem Segmentwechsel, wurde aufgrund seiner Größe/Bedeutung ab Start im Open Market gewertet.
  • Wenn Sie zu anderen Schlüssen kommen, schreiben Sie uns bitte an redaktion@finanz-szene.de, und wir prüfen das Ergebnis und passen unsere Auswertung gegebenenfalls an.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Kahlschlag bei Frankfurter Investment-Boutique Equinet

Von Christian Kirchner

Es gibt Institute, die reden über „harte Einschnitte“ im Investmentbanking, setzen sie aber nicht um. Dazu gehört schon seit einer Weile die Deutsche Bank.

Und es gibt welche, die setzen sie um, reden aber nicht drüber. In diese Kategorie fällt die erst rund 20 Jahre alte Frankfurter Investmentboutique Equinet, die im Dezember 2018 an die norwegische Pareto verkauft wurde. Denn nach Finanz-Szene.de-Informationen* erhielten vergangene Woche 20 der (vor der Übernahme) 66 Mitarbeiter vor allem auf der Seite des Aktiengeschäfts die Kündigung.

Der Grund für die Maßnahmen? Und mutmaßlich auch für den Verkauf kurz vor dem Jahreswechsel? Lässt sich im Pareto-Geschäftsbericht 2018 auf Seite 16 nachlesen: Demnach erwirtschaftete Equinet 2018 nur noch 10,6 Mio. Euro Erträge nach noch 18,6 Mio. im Jahr zuvor – ein Minus von 43%. Dabei war 2017 schon ein schwieriges Jahr, das Equinet mit einem Bilanzverlust von 1,1 Mio. Euro abschloss.

Damals hieß es, man habe das „bislang beste M&A-Geschäftsjahr“ erlebt. „Aufgrund erschwerter Marktbedingungen“ sei es jedoch „in Bezug auf das Kapitalmarktgeschäft auch eines der Schlechtesten“ gewesen“.

Insider sehen in Equinet, das vor allem auf die Aktienseite und das Finanzierungs- und Kapitalmarktgeschäft kleinerer Unternehmen (Small/Midcaps) spezialisiert ist, ein typisches Opfer der Mifid-II-Regulierung: Diese bürde den Häusern zunächst regulatorische Kosten auf, beschränke aber (etwa beim Research) die Refinanzierung, da Research-Dienstleistungen nun gesondert bezahlt werden müssen und nicht länger querfinanziert werden dürfen. Das stellt insbesondere kleinere Häuser, die den Anspruch haben, Investmentbaning-Vollanbieter zu sein, vor Probleme.

Das Unternehmen bestätigte die Kürzungen auf Anfrage von Finanz-Szene.de und erklärte, man ordne „in der deutschen Niederlassung die Geschäftsaktivitäten neu“ und stelle sich „vor dem Hintergrund der weitreichenden Marktveränderungen durch Mifid II optimal auf“. Dabei nütze man „gezielte Synergien“ in der ganzen Pareto-Guppe.  Für die Kunden von Pareto Securities Deutschland ändert sich somit durch die Umstrukturierung nichts.

*Anm.: 28. Mai, 12.40 Uhr: Wie wir gerade erst erfuhren, hat gestern auch „Die Vorstandswoche“ über die Vorgänge bei Equinet berichtet. Hätten wir das da schon gewusst, hätten wir den Artikel nicht als „Exklusiv“ ausgeflaggt und auf die Kollegen verwiesen.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

60% Flops: Die Schreckensbilanz der Frankfurter IPO-Banken

Von Christian Kirchner

Würden Sie bei einem Münzwurf-Spiel mitmachen, in dem Kopf verliert, Zahl gewinnt – und mit einer Wahrscheinlichkeit von 60% Kopf kommt?

Nein?

Dann sollten Sie sich besser vom deutschen Aktienmarkt fernhalten. Zumindest, wenn Ihnen bei einem Börsendebüt eine der beteiligten IPO-Banken ein paar Papiere in die Hand drücken will.

Denn: In einem Anflug von analytischem Größenwahn hat „Finanz-Szene.de“ in den vergangenen Tagen sämtliche Parkettdebüts am deutschen Aktienmarkt seit dem Ende der Finanzkrise untersucht (wer er ganz genau wissen will: Der Betrachtungszeitraum reichte vom Oktober 2009 – dem ersten Börsengang nach der Finanzkrise – bis heute).

Das Ergebnis? Ist für die hierzulande tätigen Emissionsbanken geradezu verheerend. Denn in 59 von 99 untersuchten Börsengängen erzielten die Anleger mit ihrem Investment bis heute Verluste. Und das, obwohl die analysierte Periode einen der längsten Bullenmärkte der Geschichte umfasst.

Was ist da schiefgelaufen? Wie lässt sich die Blamage für die IPO-Banken (darunter natürlich auch etliche renommierte Adressen wie Deutsche Bank, Goldman Sachs, Morgan Stanley & Co.) erklären? Und welche Emissionshelfer haben besonders viele Unternehmen an die Börse gehievt, deren Kurse hernach abschmierten?

Um Sie, liebe Leser*innen, heute früh nicht gleich völlig zu überfrachten, haben wir unsere Analyse in vier Teile gesplittet:

  • Im heutigen Teil I schildert Finanze-Szene.de das Abschneiden der Börsenneulinge  aus der Makroperspektive und ermittelt die Gründe für die Katastrophenbilanz
  • In Teil II, der für morgen geplant ist, untersuchen wir, mit welchen Emissionsbanken nicht nur die Unternehmen, sondern auch Anleger gut gefahren sind – und wer umgekehrt als Spezialist für rasche Zusammenbrüche auffällt (oder um es weniger gedrechselt auszudrücken: Sie kriegen morgen eine richtig schöne „Hall of Shame“ von uns
  • In Teil III, der für Mittwoch geplant ist, präsentieren wir Ihnen dann in einer Einzelanalyse den großen Überraschungssieger unserer Analyse. Vorweg schon mal so viel: Es handelt sich um eine Bank, die ansonsten Tag für Tag (auch von uns hier) auf den Deckel kriegt
  • Und in Teil IV, der am Freitag folgen soll, zeichnen wir beispielhaft den Absturz eines sehr bekannten Parkettdebütanten nach – und werfen die Frage auf, ob die beteiligten Banken (auch sie sehr prominent) diese Firma wirklich an die Börse hätten bringen sollen

Insgesamt wuchteten die Emissionsbanken in den vergangenen knapp zehn Jahren 99 Unternehmen an die Frankfurter Börse – darunter Namen wie Zalando, Telefonica Deutschland, Hellofresh oder Covestro. Dabei erlösten die Firmen insgesamt rund 38 Mrd. Euro und kamen per Handelsstart auf eine aggregierte Bewertung von 210 Mrd. Euro.

Wir berücksichtigten in unserer Analyse nur Börsengänge im geregelten Markt in Frankfurt, dem so genannten „Prime Standard“ mit umfangreichen Prospekt- und Transparenzpflichten. Die oft windigen Notierungsaufnahmen im Freiverkehr sind dagegen nicht berücksichtigt, mit ihnen fiele das Ergebnis noch drastisch schlechter aus. Mit dabei sind auch sogenannte Spinoffs und „Carve-outs“ wie Siemens Healthineers (eine Abspaltung von Siemens) oder DWS (eine Abspaltung der Deutschen Bank), nicht aber reine Notierungsaufnahmen oder Segmentwechsel, wie es etwa die Linde-Praxair-Fusion war (welche, streng statistisch, auch in die „Primärmarktstatistik“ einer Börse eingeht).

Zur Einordnung: Im untersuchten Zeitraum haben sich die Kurse deutscher Aktien im Schnitt etwa verdoppelt. Und selbst, wenn man den Vergleich fairerweise nur auf die 99 konkreten Vergleichszeiträume (also ab dem Tag des jeweiligen Börsengangs bis heute) bezieht, erzielte der Gesamtmarkt*  in über 80% der Fälle eine positive Rendite. Der Rückenwind war als beträchtlich – doch es half nicht. In einem Fünftel der IPOs betrug das Minus sogar 80% und mehr, wir haben es also mit der Kategorie „Totalverlust“ zu tun.

Besonders bitter: Von einer Trendumkehr ist nichts zu sehen. Stattdessen fallen die Ergebnisse der vergangenen zwölf Monate sogar noch schlechter aus als die Ergebnisse der zurückliegenden zehn Jahre: Nur einer der letzten zehn Börsenneulinge notiert gegenüber dem Ausgabepreis im Plus, nämlich  Knorr Bremse aus dem Oktober 2018 (+20%). Dagegen weisen neun Debütanten ein Minus auf. Drei davon (Home24, Westwing, STS Group) qualifizieren sich mit einem Minus von 60% für die Kategorie „Katastrophe“.

Kann es also sein, dass sich die hierzulande tätigen IPO-Banken auf Kosten von Zeichnern die Taschen vollgemacht haben?

Traditionell gehören Börsengänge zu den lukrativsten Geschäften für Investmentbanken überhaupt. In Deutschland aktiv war in den vergangenen zehn Jahren nach Finanz-Szene.de-Recherchen 37 Banken, darunter die Crème de la Crème großer Investmentbanken, aber auch kleinerer Häuser wie Berenberg, Hauck & Aufhäuser oder die Quirin Bank.

Je nach Größe des Börsengangs und Güte der Firma kassieren die Banken zwischen einem und – bei kleineren, schwer zu platzierenden Werten – sechs Prozent und mehr des Emissionserlöses als Provision. Über die genaue Höhe gibt der Emissionsprospekt Auskunft.

Was auch gleicht zum Kernproblem führt: Bei Börsengängen agieren die Banken im Auftrag und Interesse der Unternehmen – und wollen für sie einen möglichst hohen Verkaufspreis erzielen. Dafür erhalten sie auch eine am Emissionserlös bemessene Provision. Ob die Aktie an der Börse dann gut läuft für Zeichner, spielt für die IPO-Helfer zunächst eine Nebenrolle.

Beispiel Creditshelf: Das Fintech wagte Ende Juli 2018 den Gang aufs Parkett. Konsortialführer war dabei die Commerzbank. Ausgabekurs damals: 80 Euro je Aktie. Kurs heute: 66,50 Euro, ein Minus von 17% in einem ansonsten behaupteten Markt. Wie viel es für die Emissionsbank zu verdienen gab, steht  auf Seite 119 des Emissionsprospekts: 1 Mio Euro, falls man alle Aktien platziert – bei einem anfänglich angepeilten Emissionserlös von 15 bis 20 Mio. Euro entspricht dies einer Platzierungsprovision von 5 %.

Am anderen Ende der Skala steht exemplarisch eine – für Zeichner gut gelaufene – Großemission wie die von Knorr Bremse im Oktober 2018. Der Konzern erlöste mithilfe der Deutschen Bank, JP Morgan und Morgan Stanley 4 Mrd. Euro. Zu verdienen gab es dabei laut Prospekt maximal 63,1 Mio. Euro – mithin also 1,5 Prozent des Emissionserlöses.

Doch worin liegen die Gründe für die Vielzahl an Flops? Spricht man im Hintergrund mit Investoren und Investmentbankern, kristallisieren sich vier wesentliche Gründe heraus

  • Der deutsche Markt für Börsengänge ist im internationalen Vergleich eher klein – was den Wettbewerb verschärft. Obwohl Deutschland die mit Abstand größte Volkswirtschaft Europas ist, gab es – gemessen am Emissionsvolumen – 18 Jahre lang stets in mindestens einem anderen europäischen Land größere Börsengänge. Den Konkurrenzkampf tragen die Banken auch über den Emissionspreis aus – den Zuschlag bekommt meist, wer dem Verkäufer einen möglichst hohen Platzierungskurs verspricht. Zudem ist die langfristig nicht allzu hohe Aktivität ein (Fehl-)Anreiz, womöglich auch einmal wacklige Kandidaten an die Börse zu bringen.
  • Für die Banken ist auf normalem Wege wenig zu holen: In den USA zum Beispiel werden die IPO-Banken prozentual deutlich höher an den Emissionserlösen beteiligt. Sie können sich daher erlauben, beim Pricing des Börsengangs Geld „auf dem Tisch“ zu lassen. Der durchschnittliche Zugewinn am ersten Handelstag liegt in den USA bei 18%.
  • Deutschland war Schauplatz vieler kleinerer, kolossal gefloppter Börsengänge. Erinnert sei nur an rund ein Dutzend „China-Kracher“ in den Jahren 2009-2012 wie Vtion, Powerland, China Specialty Glass und Co. Dies wirkt sich auf unser Gesamtergebnis aus (wobei es auch unter den großen Milliarden-IPOs zahlreiche Reinfälle für Erstzeichner gibt, etwa RTL, Rocket Internet – zunächst allerdings im Open Market an die Börse – oder Telefonica Deutschland).
  • Und nicht zuletzt: Dass deutsche IPOs nach dem Börsengang oft schlecht laufen, ist kein Exklusivwissen unsererseits. Entsprechend vorsichtig sind viele Investoren „aus Tradition“ geworden – und betrachten die Preisfindung lieber am Kapitalmarkt.

In Teil II beleuchet Finanz-Szene.de morgen das Abschneiden der einzelnen Investmentbanken.

* definiert als der HDax-Kursindex (alle Werte aus Dax, MDax, TecDax)

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Moonfare: Wie gut ist Berlins bestfrisiertes Fintech wirklich?

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Es gibt hierzulande Fintechs, die strampeln seit Jahren – und kommen doch nicht aus dem Quark. Es gibt aber auch solche, die wie Kai aus der (Sand-)Kiste hüpfen – und wo es dann plötzlich heißt: 25 Mio. Euro Funding- Bäm! 100 Mio. Euro verwaltetes Vermögen: Bäm!

Und dann geht man auf die Website, klickt auf den Reiter „Who we are“ und denkt: „What the f***?“. Wo kommen denn die ganzen Mitarbeiter alle her? Und warum sind die teilweise so hammermäßig gut frisiert?

Und schließlich fällt einem ein, dass Finanz-Szene.de ja nicht gegründet wurde, um die Gel-Dichte, sondern um die Zahlen von Deutschlands Banken und Fintechs zu hinterfragen. Lesen Sie also hier unsere kleine Analyse: Wie gut ist Berlins neuer Fintech-Darling Moonfare wirklich?

1.) Was genau macht Moonfare?

Das Berliner Fintech hat es sich zur Aufgabe gemacht, wohlhabenden, aber nicht wirklich reichen Menschen den Zugang zu Private-Equity-Fonds zu ermöglichen und an den Gebühren zu verdienen. Traditionell ist es so, dass – wer bei den KKRs, Permiras oder Carlyles dieser Welt investieren möchte – mindestens eine siebenstellige, eher aber noch eine achtstellige Summe mitbringen muss. Moonfare dagegen steht Anlegern schon ab 100.000 Euro, in Deutschland ab 200.000 Euro offen. Über eine Plattform-Lösung werden diese Summen gepoolt und dann en bloc in ausgewählte Private-Equity-Fonds investiert.

2.) Wer steht hinter Moonfare?

Gründer sind der frühere KKR-Direktor Steffen Pauls und ein weiterer ehemaliger KKR-Mann, nämlich der Grieche Alexander Argyros. Pauls firmiert als Chairman, Argyros als CEO von Moonfare. Zusammen mit einigen Frühphasen-Investoren stehen die beiden zudem hinter einem Luxemburger Vehikel namens „SP Global Partners“. Dieses hielt laut Handelsregister zuletzt knapp 70% an der Moonfare GmbH – wobei der Anteil im Zuge der jüngsten Finanzierungsrunde auf rund 50% gesunken sein soll. Das Funding erstreckte sich über zwei Phasen und summierte sich auf zusammen 25 Mio. Euro. Das Geld soll von rund 100 verschiedenen Geldgebern gekommen sein, darunter der frühere KKR-Partner Henrik Kraft und Thomas Ebeling, ehemaliger Chef des Medienkonzerns ProSieben Sat1 (der ja mal Permira und  KKR gehörte). Kurzum: Moonfare scheint kein klassisches, über institutionelle VCs finanziertes Startup zu sein, sondern mutet – jedenfalls für den Moment – eher wie ein Rich-Boys-Netzwerk-Fintech an. Interessant: Unter den 34 namentlich auf der Website aufgeführten „Shareholdern“ ist keine einzige Frau.

3. Was an Moonfare ist neu oder gar disruptiv?

Naja, es ist nicht so, als wäre aus der „alten Welt“ noch nie jemand auf die Idee gekommen, die Einstiegshürden für Private-Equity-Investments zu senken. Zumal die Politik (für alle Connaisseure: gemeint ist das Stichwort „Eltif“-Verordnung) die traditionellen Banken und Asset Manager durchaus in genau diese Richtung drängt. Die Deutsche Bank etwa bietet gemeinsam mit der Partners Group ein entsprechendes Produkt an, auch der Asset Manager Muzinich & Co. hat bereits einen „Eltif“-Investmentfonds gelauncht. Und bevor wir’s vergessen:  Im Graumarkt für geschlossene Fonds gibt es schon seit Ewigkeiten Private-Equity-Beteiligungen auch für kleinere Anlagesummen.

Gleichwohl: Soweit wir’s überblicken, ist das Moonfare-Modell zumindest am deutschen Fintech-Markt neu – auch wenn das Angebot des Berliner Edel-Robos  Liqid in eine ähnlich Richtung geht. Laut „Reuters“ kommen die Vorbilder von Moonfare unterdessen aus den USA. Dort hätten die Anbieter ICapital Network und Artivest bis Ende 2018 beide schon jeweils mehr als 5 Mrd. Dollar für ihre Kunden verwaltet.

Was das technische (und regulatorische …) Setup angeht, heißt es derweil in einer vergangene Woche von Moonfare versandten Pressemitteilung:

„Moonfare [bietet] einen sicheren, vollständig digitalen End-­to-­
End-­Investmentprozess, bei dem sich interessierte und qualifizierte Investoren in weniger als 15 Minuten registrieren, ihre Identifikation bestätigen, Fondsdokumente einsehen, Zuteilungsanträge stellen und Anlagedokumente unterzeichnen können.“

Ob’s wirklich so schnell geht, sei mal dahingestellt. Spannender ist die Stoßrichtung: Moonfare will nicht nur die finanziellen Eintrittsbarrieren senken, sondern den Investmentprozess als solchen soweit verschlanken, dass sich in „Alternative Assets“ genauso relativ simpel investieren lässt wie über einen Robo Advisor in den Aktienmarkt.

4. Wie sind die bislang von Moonfare kommunizierten Zahlen einzuordnen?

Mit der zweigeteilten Series-A-Runde in Höhe von 25 Mio. Euro sortiert sich Moonfare Pi mal Daumen unter den deutschen Top-20-Fintechs ein. Und was die verwalteten 100 Mio. Euro angeht: Die sind durchaus ein Wort, wenn man bedenkt, dass von den vielen Robo Advisorn hierzulande gerade mal sechs die 100-Mio.-Euro-Grenze ebenfalls schon durchbrochen haben (falls Sie noch zwei Vergleichsgrößen wünschen: Der 2017 gestartete Lenny-Fischer-Kai-Diekmann-Fonds steht bei 16 Mio. Euro, die drei im selben Jahr aufgelegten ETF-Dachfonds der ING Diba kommen aggregiert auf 35 Mio. Euro).

Gleichwohl:  Bereits per August 2018 war Moonfare bei knapp 50 Mio. Euro Assets under Management, lässt sich aus damaligen Interviews ableiten. Als Ziel für Ende 2019 wurden seinerzeit 350 Mio. Euro genannt. Wenn Moonfare nun also per Pressemitteilung vom  22. Mai mitteilt, die Marke von 100 Mio. Euro „überschritten“ zu haben – dann lässt sich so ganz grob ableiten: In den nächsten sieben Monaten müssten die Berliner etwas fünfmal so viel Geld einsammeln wie in den zurückliegenden rund neun Monaten, um die Zielvorgabe zu erreichen. (Hinweis: Im Gespräch mit Finanz-Szene.de präzisierte CEO Argyros am Freitag, man habe die 100-Mio.-Euro-Marke tatsächlich schon „vor ein paar Wochen“ erreicht. Dadurch verändert sich unsere Rechnung also leicht. Hinter das „exponentielle“ AuM-Wachstum, von dem in der Pressemitteilung die Rede ist, würden wir trotzdem ein ganz kleines Fragezeichen machen).

Mindestens ebenso spannend wie die Höhe des verwalteten Vermögens ist aus unserer Sicht die Frage, von wem das Geld kommt. Denn: Plausiblerweise darf man davon ausgehen, dass viele Mitglieder des beschriebenen Rich-Boys-Zirkels nicht nur ins Unternehmen, sondern auch ins Anlageprodukt investiert haben.  Wie viel Geld kommt also schon von „echten“ Kunden in dem Sinne, dass sie eben nicht der Friends&Family-Sphäre rund ums Moonfare-Netzwerk angehören? Oder anders gefragt: Inwieweit ist das Berliner Fintech – Stand heute – schon mehr als ein digitaler Investmentklub?

An dieser Stelle zeigt sich das Unternehmen eher wortkarg, gibt Journalisten aber immerhin ein paar Beispielrechnungen an die Hand, die darauf hinauslaufen: Die gut 100 Mio. Euro sollen sich in jedem Fall auf mehr als 200 Einzelinvestoren verteilen – vielleicht sind es aber auch schon deutlich mehr. Auch hier zur Einordnung: Mitte August 2018 wurde eine Zielvorgabe von 2000 Kunden bis Ende 2019 ausgegeben.

5. Was ist die Vision von Moonfare?

Bis 2021 soll das verwaltete Vermögen mindestens 1 Mrd. Euro betragen. Auf Sicht sollen Anleger über die Plattform über Private Equity hinaus auch in weitere alternative Assetklassen wie Infrastruktur oder Venture Capital investieren können.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Die Wahrheit über die Bethmann Bank

Von Christian Kirchner

Wer sich über die laut Eigendarstellung „mit Abstand größte echte Privatbank in Deutschland“ informieren möchte, hat drei Möglichkeiten. Die erste: Er (bzw. sie) bringt wenigstens eine halbe Mio. Euro liquides Vermögen mit. Das gibt einem die Möglichkeit, im Zuge einer privaten Kundenberatung alles zu erfragen, was man schon immer über die Bethmann Bank wissen wollte.

Die zweite Option: Sie, liebe Leser*innen, konsultieren die seit Jahren durchweg wohlwollende Medienberichterstattung über den – gemessen an den Assets under Management von 38 Mrd. Euro – drittgrößten Private-Banking-Anbieter hierzulande nach Deutscher Bank und Commerzbank. Da erfahren Sie dann nämlich, dass die Bethmann Bank …

  • … „(die) Rentabilität deutlich gesteigert“ hat (Euro am Sonntag, 2012)
  • … „Tritt gefasst, im Jahr 2012 einen kleinen Gewinn erzielt und diesen im Jahr 2013 ausgebaut“ hat (FAZ, 2013)
  • … „trotz Fusion Verlust vermieden“ hat (FAZ, 2014)
  • ….“den Neid der Rivalen spürt“ (FAZ, 2014)
  • … „extrem gut ins Jahr 2015 gestartet“ ist (Börsen-Zeitung, 2015)
  • ….“sich über mehr Kundenvermögen freut“ (FAZ, 2016)
  • … einen Vorstandschef hat, dessen Weggang im März 2017 eine „Auszeit wie bei Pep Guardiola“ bedeutete (FAZ, 2017)
  • … ein Haus ist, dessen Effizienz sich „für deutsche Verhältnisse durchaus sehen lassen [kann]: 64 Cent musste die Bethmann Bank 2016 aufwenden, um einen Euro Ertrag zu erwirtschaften. Viele Wettbewerber wären froh, kämen sie auf 70 Cent.“ (FAZ, 2017)
  • … 2016 operativ „72 Millionen Euro“ und ein Jahr später „8 Millionen Euro“ Gewinn erwirtschaftet hat (Bloomberg, 2018)
  • … einen „starken Jahresauftakt“ gefeiert hat (Handelsblatt, 2018)

Wir wissen nicht, wie sich diese Artikelauszüge für Sie anhören – aber für uns klingt das nach einer Bank, bei der es ziemlich gut läuft, gerade gemessen an den schwierigen, tiefroten Jahren zu Beginn des Jahrzehnts.

Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit, sich über die Bethmann Bank mit ihren rund 500 Mitarbeitern zu informieren: Man schaut einfach mal in die entsprechenden Abschlüsse im Bundesanzeiger und fragt anschließend bei der Bank nach, was es mit den Zahlen auf sich hat. Und dann stellt man fest:

Die ABN-Amro-Tochter hat ohne Einmaleffekte bei den Erträgen auf HGB-Basis in drei der letzten vier Jahre, darunter den letzten beiden bislang testierten, rote Zahlen geschrieben.

Warum? Zunächst einmal leidet Bethmann an einem den Geschäftsberichten zufolge ungelösten, handfesten Ertragsproblem. Denn von wegen 64 Cent Aufwand je Euro Ertrag (woher auch immer diese Zahl kommen mag): Laut HGB-Abschluss lag die Cost-Income-Ratio zuletzt konsequent bei mehr als 90%.

Wobei natürlich alles immer eine Definitionsfrage ist. Im 2017er-Abschluss zum Beispiel bietet Bethmann als Alternative zur herkömmlichen Aufwand-Ertrag-Relation eine „um Transformationsprojektkosten bereinigte“ Cost-Income-Ratio an, in einem jüngeren Interview auch schon mal eine Cost-Income-Ratio „ohne Infrastrukturinvestitionen“.

Was aber stand unterm Strich? Aus (kumulierten) Erträgen von mehr als 700 Mio. Euro in den Jahren 2013-2017 hat das Frankfurter Traditionsinstitut einen (kumulierten) HGB-Gewinn von 12 Mio. Euro erwirtschaftet. Dabei stand 2016 ein Gewinn von 2,7 Mio. Euro und 2017 – dem letzten Jahr mit im Bundesanzeiger veröffentlichtem HGB-Abschluss – ein Gewinn von 6,1 Mio. Euro zu Buche.

Nicht viel. Aber im umkämpften deutschen Privatbankenmarkt auf den ersten Blick durchaus achtbar. Denn dort verlieren selbst Promi-Adressen angesichts zins- und wettbewerbsbedingt sinkender Margen gern mal Geld und ist Ertragsschwäche kein institutsspezifisches Thema von Bethmann.

Doch was passiert, wenn man z.B. den 2016er-Gewinn mal ein bisschen hinterfragt? Denn: Auf der Ertragsseite lief jenes Jahr gemessen an den damaligen Planungen übel: Die Erlöse lagen „rund EUR 20 Mio. unter dem finalen Ertragsbudget von EUR 177 Mio. Euro“, wie es im Abschluss heißt. Das war übrigens das Jahr, bevor der langjährige Vorstandschef Horst Schmidt seinen Ausstieg aus der Bank im März 2017 (siehe die Guardiola-Auszeit weiter oben) ankündigte. Ein etwaiger Zusammenhang zwischen den Zahlen und dem Weggang wird seitens der Bethmann Bank bestritten.

Wie kann ein Geldinstitut, dass seine Ertragsziele derart deutlich verfehlt, „schwarz“ sein?

Nun: Es traf sich zumindest nicht schlecht, dass in besagtem 2016er-Abschluss „Erträge aus Gewinnabführungsverträgen“ in nicht eben geringer Höhe von 25 Mio. Euro gebucht werden konnten. Ein Posten, der in den Geschäftsberichten der Vorjahre nicht auftaucht. Wo der plötzliche Erlös herkam? Im Abschluss ist dazu keine nähere Information zu finden. Aus der Abwicklung von in den Nullerjahren aufgelegten Infrastrukturfonds, sagt die Bank auf Nachfrage. Zöge man diesen laut internen Leistungsindikatoren „außerordentlichen Ertrag“ ab, wäre die Bank mithin auf HGB-Basis in den roten Zahlen gewesen.

2017 wiederholte sich der Vorgang. Diesmal erwirtschaftete die Bank laut HGB-Abschluss einen Gewinn von 6,1 Mio. Euro. Doch auch hier lag dem Plus ein Einmaleffekt (wieder laut Bethmann aus der Abwicklung von Fonds) von diesmal 8,9 Mio. Euro zugrunde. Ansonsten hätte auch hier ein Verlust gestanden.

Auf Nachfrage bestätigt die Bank, ohne diese Einmaleffekte seien die HGB-Abschlüsse tatsächlich „rot“ gewesen 2016 und 2017. Ein Sprecher weist aber darauf hin, dass sich die Bank inmitten eines Transformations-Programms befinde und zahlreiche Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung stemme, die sich langfristig in Sachen Profitabilität auszahlen würden. Zudem sei der HGB-Gewinn nicht die „für die Geschäftssteuerung relevante“ Kennziffer.

Um mehr Klarheit zu schaffen, bat Finanz-Szene.de die Bethmann Bank zu beziffern, wie die „relevanten“ Ergebnisse der Jahre 2016-2018 ausgefallen seien und worum es sich bei den gegenüber der Presse kommunizierten Gewinn-Zahlen handele? „In den Jahren 2016-18 betrug das operative Ergebnis 4,4 Mio., 3,5 Mio.  und 12 Mio. Euro“, teilte ein Bethmann-Sprecher mit.

Die Basis für diese Zahlen? „Diese Angabe ist eine interne Steuerungsgröße und basiert unter anderem auf IFRS“, heißt es dazu. 

Dass jedenfalls die Dinge auch nach Start des Transformations-Programms nicht so liefen, wie man es sich vorgestellt hatte, zeigen drei weitere Aspekte: Im Abschluss 2016 gab die Bank an, bis 2019 auf ein verwaltetes Vermögen von 40 Mrd. Euro kommen zu wollen. Im Abschluss 2017 wurde dieses Ziel dann auf 2021 verschoben.

Auch die Ziele für die zuletzt notorisch hohe Cost-Income-Ratio haben sich verschoben: Peilte die Bethmann Bank hier zunächst eine CI-Ratio von unter 75% bis 2020 an, so sind es nun unter 80% – das allerdings bis 2021. Während des Jahres 2017 prüfte die Mutter ABN Amro zudem „die Bewertung der Bethmann Bank und kam wegen der Erwartungen in Bezug auf Rentabilität und Kapitaleinsatz zu dem Schluss, dass der Geschäfts- oder Firmenwert teilweise wertgemindert ist“ – und schrieb 36 Mio. Euro ab.

Nochmal zurück zu den Assets. Eine der wichtigsten Kennziffern bei Privatbanken ist das verwaltete Vermögen. Sie gibt an, auf welcher Basis ein Institut überhaupt Zins- und Provisionsmargen erzielen kann, und ist auch deshalb wichtig, weil die Gebühren meist anhand des verwalteten Volumens erhoben werden.

Zum Jahresende 2015 – mithin also vor dreieinhalb Jahren – betrug das verwaltete Vermögen bei der Bethmann Bank 36,2 Mrd. Euro. Aktuell sind es, wie die Bank auf Nachfrage mitteilt, 38,2 Mrd. Euro. Macht ein an sich gesundes Plus von 2 Mrd. Euro.

Allerdings flossen der Bank ab Jahresende 2015 und bis Ende 2018 laut Abschlüssen und Kommunikation Jahr für Jahr netto neue Mittel zu, in der Summe rund 2,5 Mrd. Euro. Zudem liefen die Kapitalmärkte seit Ende 2015 unter dem Strich herausragend, was üblicherweise starke Markteffekte auf das Vermögen hat. Globale Aktien legten gemessen am MSCI World rund 35% zu seit Ende 2015, der Dax 11%, selbst ein Korb europäischer Staatsanleihen 7%.

Wie kann es also sein, dass der Anstieg der Assets under Management geringer ausfällt als die Netto-Zuflüsse?

Dazu teilt die Bethmann Bank mit, die „Net New Assets“ seit Ende 2015 beliefen sich auf 2,2 Mrd. Euro, die „Performance auf Assets ohne Custody“ 1,3 Mrd. Euro. Allerdings hätten sich im gleichen Zeitraum die Assets im Verwahrgeschäft  (Custody) um rund 1,5 Mrd. Euro verringert.

Bleibt nach all den Zahlen die Frage: Wie hoch war denn nun der Gewinn 2018? Kommuniziert wurden bereits per Interview und auch auf unsere Nachfrage hin: 12 Mio. Euro. Das war allerdings ein „operatives Ergebnis“, genauer: eine  „interne Steuerungsgröße, basiert unter anderem auf IFRS“. Man nutze diese „interne Steuerungsgröße“, um „konzernintern Vergleichbarkeit im Budgetierungsprozess zu gewährleisten“.

Und wie fiel dann der Gewinn aus, der nicht auf  „internen Steuerungsgrößen“, „basierend unter anderem auf IFRS“ aufsetzt, sondern auf so etwas wie einem testierten Jahresabschluss?

Die Zahl konnte „mit Blick auf die heutige (23. Mai., d. Red.) AR-Sitzung sowie das noch ausstehende Testat nicht genannt“ werden, so die Auskunft.

Bereits genannt indes: 2019 wird schwierig. In einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“ erklärte der Vorstandschef Ende März , der Ertragsausblick für 2019 falle angesichts des ungünstigen Basiseffekts verhalten aus.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Ist Visas Debitkarte wirklich so neu, wie Visa tut?

Von Heinz-Roger Dohms

Zu unseren liebsten (weil kundigsten) Lesern gehören Herr K., der bei einer großen deutschen Bank arbeitet, und Herr S., der bei einem bekannten deutschen Fintech arbeitet.

Nachdem wir (genauso wie einige andere deutsche Medien) vergangene Woche vermeldet hatten, dass Visa im nächsten Jahr erstmals mit einer Debitkarte auf den deutschen Markt kommt (und zwar mit einer Debitkarte, mit der man, anders als mit der Girocard, z.B. auch online shoppen kann), schrieb uns Herr K. eine Mail, in der es sinngemäß hieß:

„Die Visa-Karte, die ich als Kunden zum Beispiel der DKB oder der ING Deutschland erhalte, ist seit jeher eine Debitkarte. Und mit der kann ich auch im Internet bezahlen, und sie verfügt auch über einen NFC-Chip.“

Diese Darstellung forderte uns insofern heraus, als wir a) selber mal wieder gar keine Ahnung hatten und b) wir uns fragten: Wenn stimmt, was Herr K. schreibt, worin besteht dann überhaupt der Unterschied zur neuen Visa-Debitkarte? Und warum macht Visa überhaupt so einen Bohei um den Launch?

Um uns aufzuschlauen, wandten wir uns an Herrn S. – denn: Der hat einen ziemlich krassen Payment-Tick, sodass es eigentlich keine Payment-Frage gibt, zu der Herr S. nicht die Antwort wüsste. Also Herr S., was ist denn nun Sache in Sachen Visa/Debit?

Da Herr S. nicht nur ein Nerd zum Quadrat, sondern auch ein quellenfester Mensch ist, las er uns erst einmal die Produktbeschreibung von der ING-Website vor:

„Mit Ihrer VISA Card können Sie in allen Euro-Ländern kostenlos Bargeld abheben, im Internet shoppen und im Ausland bezahlen. Die Buchungen sehen Sie bereits nach 2 Tagen in Ihrem Internetbanking.“

Sodann führte Herr S. aus, dass der entscheidende Satz der letzte sei, also der mit den zwei Tagen. Denn, so Herr S.:

„Die VISA-Karten von ING Deutschland, Comdirect, DKB und anderen sind keine richtigen Debitkarten, wohl aber sozusagen halbe Debitkarten. De facto handelt es sich um Kreditkarten mit einem sehr kurzen Kreditrahmen. Die richtige Debitkarte haben VISA und Mastercard zB. schon seit Jahrzehnten in den USA. Das ist es wie unsere Girocard (oder halt Maestro und Vpay), sprich: Direkte Autorisierung gegen das Konto. Kein Kreditrahmen, keine Stand-In-Services, wenn das Issuer-System nicht erreichbar ist.“

Ganz Recht hat Herr K. also nicht. Aber immerhin halb.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Alles Wichtige von der HV der Deutschen Bank

Von Christian Kirchner

Schrieben wir nicht vor zwei Tagen, Deutsche-Bank-AR-Chef Achleitner und auch die Deutsche-Bank-Aktionäre sollten sich eine turbulente Hauptversammlung wünschen? Ja, das schrieben wir. Weil es ein Zeichen gewesen wäre, dass in der Bank zumindest noch ein bisschen Leben steckt.

Stattdessen: weder Turbulenzen noch Emotionen noch Leben und schon gar kein krawalligen Wortgefechte. Sondern: ganz, ganz viel Routine. Aber immerhin dann doch: ein paar interessante Ergebnisse und Erkenntnisse.

  • Paul Achleitner hat die Blamage vermieden. Zwar brandete in der bestenfalls gut halb gefüllten Festhalle Frankfurt stets unter rund einem Drittel der Besucher Applaus auf, wenn ein Redner die Ablösung des Chefkontrolleurs forderte. Aber am Ende eines langen Tages wurde Achleitern dann aber doch mit 71% der Stimmen entlastet – der Durchschlagskraft der Großaktionäre  sei Dank. Eine herbe Klatsche erlebten dagegen Investmentbanking-Chef Garth Richie und Compliance-Chefin Sylvie Matherat (je 61%) – und auch Vorstandschef Christian Sewing wird über seine 75% nicht innerlich gejubelt haben. Zur Erinnerung: Die Entlastung von nur 61% für den DBK-Vorstand 2015 war der entscheidende „Klicker“ für eine Großrochade samt Wechsel des Vorstandschefs Anshu Jain. Es wird folglich extrem eng gerade für Ritchie und Matherat.
  • Sewing stellt die DWS offiziell ins Schaufenster. Es müsse „das Ziel sein, hier einen der zehn größten Vermögensverwalter der Welt zu formen“, sagte der CEO. Auf organischem Wege ist das schlicht unmöglich. Das verwaltete Vermögen stagniert seit vier Jahren unter dem Strich bei rund 700 Mrd. Euro. Für die globalen Top-10 sind dagegen rund anderthalb Billionen Euro nötig. Zu schaffen wäre das nur mit einem Zusammengehen im großen Stil – etwa mit der Fondssparte der UBS (ebenfalls rund 700 Mrd. Euro AuM) – oder Amundi (1,4 Mrd. Euro AuM). Details? Siehe unsere Analyse von gestern, in der wir skizzieren, warum eine Kombi DWS/UBS immer wahrscheinlicher wird.
  • Sewing ist zu „harten Einschnitten“ im Investmentbanking bereit: Details blieb er allerdings schuldig, auch bei der Frage, wie denn ein solcher Umbau finanziert werden könne …
  • … was vermutlich dazu beitrug, dass die Deutsche-Bank-Aktie den Handel mit einem Minus von 1,5% und einem neuen 45-Jahres-Tief von 6,50 Euro beendete.
  • Immerhin scheint Achleitner das „Plänchen B“ des  Christian Sewing nun zu stützen –  nachdem er noch vor vier Wochen eher die Umsetzung denn die Strategie an sich als wichtig ansah. So flexibel muss man erst mal sein.
  • Und in Sachen Recht und Ordnung? Betonte Sewing, die Razzia im November sei völlig überzogen und ungerechtfertigt gewesen, habe der Bank geschadet – und überdies kritisierte er, Medien seien vorab informiert worden. Die Staatsanwaltschaft dementiert das. Bahnt sich da am Ende eine Legendenbildung an, wonach es am Ende Staatsanwälte waren, die die Deutsche Bank entscheidend und grundlos ins Taumeln brachten und nicht etwa eine Ära der Fehlentscheidungen, operativ wie personell?

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Das Zitat, das von der Coba-HV in Erinnerung bleiben wird

Normalerweise ist Commerzbank-Chef Martin Zielke ein friedliebender Mensch. Einen kleinen (oder sagen wir ruhig: mittelgroßen) Seitenhieb auf die Deutsche Bank und ihren CEO Christian Sewing hat er sich bei der gestrigen Coba-Hauptversammlung trotzdem nicht verkneifen können:

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Die Gehaltsexzesse bei der Krisentochter der DZ Bank

Von Christian Kirchner

Fangen wir an mit dem, was nicht neu ist. Nämlich, dass es der DZ-Bank-Tochter DVB Bank nicht außerordentlich gut geht. 130 Mio. Euro Miese standen für 2018 zu Buche .Was gegenüber den knapp 800 Mio. Euro Verlust im Vorjahr immerhin ein Fortschritt war. Folglich kappt die Bank Stellen und verkauft zahlreiche Teilbereiche, etwa den Bezahldienstleister Logpay, das Finanzierungsgeschäft für Eisenbahngüter und noch einiges mehr.

Reicht das für die Bank mit noch immer rund 20 Mrd. Euro Bilanzsumme?

Der dieser Tage veröffentliche Konzernabschluss liefert Einblicke, wie schlimm es um die DVB Bank jenseits bereits kommunizierter Verluste wirklich stehen muss. So verdoppelte sich die Quote der Eigenkündigungen im vergangenen Jahr auf 12,4%, jeder achte Mitarbeiter schmiss also hin. Tatsächlich sank die Beschäftigtenzahl um 10% auf 553 Mitarbeiter.

Von denen wiederum konnte – auch das lässt sich dem Geschäftsbericht entnehmen – viele nur durch eine ordentliche (bzw. außerordentliche) monetäre Incentivierung zum Bleiben bewegt worden. Verständlich, in einer Bank, in der „die Produktivität und Effizienz“ (…) „durch strukturelle Anpassungen und Optimierung interner Arbeitsabläufe“ verbessert werden soll, ist das Arbeiten nicht ganz so angenehm.

Folge: Trotz der deutlich gesunkenen Mitarbeiterzahl stiegen Löhne und Gehälter um 24% auf 95,5 Mio. Euro. Und zwar „bedingt durch Rückstellung für Bonuszahlungen und Halteprämien.“  Im Zusammenhang mit der Umsetzung des Restrukturierungs-Programms und geplanten Anteils- und Portfolio-Veräußerungen wurde im September ein sogenanntes Retention-Programm aufgelegt. Zum Jahresbeginn 2020 sollen dann rückwirkend für das Jahr 2019 Halteprämien „für einen ausgewählten Kreis an DVB-Mitarbeiter gezahlt werden“, bei denen man also schon mal finanziell vorbaut.

Nun ist uns natürlich  durchaus bekannt, dass bei Restrukturierungen aus Sicht von Unternehmen gerne mal die falschen Hände hochgehen, wenn die Frage kommt, wer denn gerne (gegen Zahlung einer Abfindung) freiwillig gehen würde, Und man umgekehrt die Outperformer braucht, um den Laden auch in schwierigen Zeiten am Laufen zu halten.

Dennoch sind wir, was die Ausmaße dieser Effekte angeht, gelinde gesagt verblüfft. So stiegen Löhne und Gehälter von im Schnitt 125.000 Euro pro Mitarbeiter binnen eines Jahres – inklusive Durchhalteprämie – auf icht weniger als 171.000 Euro. Die Personalaufwendungen ingesamt addierten sich sogar auf 200.000 Euro pro Kopf, wogegen selbst die Deutsche Bank wie ein Lohndrücker wirkt.

Gern hätten wir hierzu noch mehr erfahren. Und wurde allerdings beschieden, aktuell herrsche eine „völlige Kommunikationssperre“, die Meldungen sprächen „für sich“.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Worum geht’s bei der Deutschen Bank wirklich? Die DWS!

Von Christian Kirchner

Über die Gründe, warum die DWS seit 2018 wieder DWS heißt und nicht mehr „Deutsche Asset & Wealth Management“ bzw. „Deutsche Asset Management“ bzw. „DeAM“ – darüber kursieren zwei Theorien. Die eine besagt, man habe das „Deutsche“ aus dem Namen streichen müssen, um vor dem DWS-Börsengang klarzumachen, dass der IPO-Kandidat unabhängig von der Mutter (sprich: der Deutschen Bank) sei.  Zumal das „Deutsche“ im Vertrieb nicht zwingend verkaufsfördernd gewirkt habe.

Die andere Theorie? Besagt, der damalige Deutsche-Bank-Chef John Cryan habe intern mal die Frage aufgeworfen, wer denn bitte auf das schmale Brett gekommen sei, einen Konzern „DeAM“ zu nennen, was sich für angelsächsische Investoren anhöre wie „Damn“. Was womöglich auch nicht gerade verkaufsfördernd war.

Welche Theorie stimmt? Vermutlich beide. Zumindest ausweislich der Tatsache, dass bei der „alten“ DeAM im Vertrieb seit Jahren kaum noch etwas zusammenlief.

Wobei: Wirklich besser ist’s nach der Umbenennung auch nicht geworden. Weshalb eigentlich strategisch klar ist, dass bei der DWS rasch etwas passieren muss. Nur was?

Dürfen wir eingedenk der gescheiterten Fusions-Verhandlungen Deutsche/Coba noch mal unsere Analyse vom 24. April ins Gedächtnis zu rufen? Da beschäftigten wir uns nämlich erstmals mit einer möglichen Verschmelzung des DWS mit dem Asset Management der Schweizer UBS. Ergebnis:

  • Vom Volumen her macht’s Sinn
  • Die Marge passt eher nicht
  • Unterm Strich spräche trotzdem mehr für als gegen die Kombi,

Tatsächlich ist ein M&A-Deal unter Beteiligung der DWS eine naheliegende strategische Option für die Deutsche Bank und ihr Führungsduo Sewing/Achleitner. Und zwar nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Und insbesondere dann, wenn man unterstellt, dass das Frankfurter Geldhaus für einen noch größeren strategischen Wurf momentan gar nicht die Kraft hat.

Denn:

Die M&A-Karte auf nationaler Ebene ist gespielt. Und aus dem Spiel.

Große Umbauten oder Sparmaßnahmen im Privat- und Firmenkundengeschäft? Eine neue Digitalbank wie zeitweise erwogen? Kostet, bringt aber (vermutlich) wenig, weil sich an der Struktur eines extrem wettbewerbsintensiven Kernmarkts mit zinsfixierten Anlegern nun mal nichts ändert. Und: Dauert, schließlich integriert man immer noch die Postbank.

Die naheliegende Restrukturierung des Investmentbankings mit Konzentration auf die dort rentablen Bereiche und der Schließung defizitärer und kapitalintensiver Geschäfte? Brächte viel. Kostet aber auch dummerweise erst einmal sehr viel Geld – vermutlich deutlich über 5 Mrd. Euro –, ehe dann irgendwann die Kosteneffekte einsetzen. Woher nehmen?

Natürlich könnte die Deutsche Bank die DWS auch verkaufen und dann umbauen. Interessenten für den Asset Manager mit knapp 700 Mrd. Euro Vermögen und (reparablen) Schwächen bei Kosten und Ertrag gäbe es gewiss. 6 Mrd. Euro Börsenwert hat die DWS aktuell, knapp 5 Mrd. Euro ist das Paket der Deutschen Bank wert. Wäre das eine Option?

Vermutlich eher nicht. Ohne die sicheren und planbaren Erträge ihres Asset Managers (Jahresgewinn 2018: knapp 400 Mio. Euro) würden sich die Risikowahrnehmung der Deutschen Bank und damit auch ihre Refinanzierungskosten vermutlich verschlechtern. Einer Bank, die seit 2010 27 Mrd. Euro über Kapitalerhöhungen aufgenommen hat, um damit aktuell bei 14 Mrd. Börsenwert anzukommen, gibt man ungern ein paar weitere Milliarden an die Hand im Austausch für eine Einheit, die tiefschwarze Zahlen schreibt, auch, wenn es an den Märkten rappelt.

Also Fusion der DWS. Aber mit wem? Amundi? Das ergäbe industriell maximal Sinn. Aber: Die Franzosen wären der Seniorpartner eines solchen Bündnisses gemessen am Vermögen, die Deutsche Bank verlöre die Kontrolle.

Grob überschlagen deckt aktuell die DWS-Beteiligung ein Drittel des DBK-Börsenwerts ab, obwohl die DWS laut Analystenschätzungen 2020 und 2021 „nur“ je rund 20% zum Deutsche-Bank-Gewinn beitragen soll. Das zeigt, wie pessimistisch inzwischen der Kapitalmarkt für die übrigen Sparten der Bank ist.

Es zeigt aber auch, dass eine  DWS-Fusion eine naheliegende Möglichkeit für Sewing/Achleitner ist, strategisch überhaupt mal in Bewegung zu kommen. Zumal die „Irgend etwas muss passieren“-Logik auch auf die DWS selber  zutrifft. Im verwalteten Vermögen steht das Haus heute nicht mit mehr, sondern in einem insgesamt wachsenden Markt mit weniger Mitteln da als 2015. Personell hat die DWS mit sieben Chefs in 13 Jahren alle Register gezogen, mal waren Brutalo-Banker am Ruder, mal der joviale Klaus Kaldemorgen.

Aber egal, wer dran war: Die Margen und der operative Gewinn stehen – ein Branchenphänomen, kein unternehmensspezifisches – unter Druck wegen des Vormarschs passiver Anlagelösungen. In 8 der letzten 12 Quartale floss netto Geld ab von der DWS. Belege, dass sich die DWS bei ihrer immer noch branchenüberdurchschnittlich hohen Kosten-Ertrags-Ratio deutlich verbessert, fehlen auch unter dem neuen Chef Asoka Wöhrmann. 

Und das – Margendruck, recht hohe Kosten, wenig Bewegung – trifft im Wesentlichen alles so auch auf die UBS-Asset-Management-Sparte zu.

Also doch DWS/UBS? Frankfurt und Zürich müssen sich bald entscheiden. Im Asset Management wird es in den kommenden Jahren darum gehen, die „Todeszone Mittelklasse“ zu verlassen: Bloß keine Gesellschaft werden, die einerseits zu klein dafür ist, zu den Konsolidierern zu gehören, zu klein und unprofitabel auch, die Preisschlachten etwa im Passiv-Geschäft mit ETFs und Indexfonds mitgehen zu können…

… aber bitte auch nicht zu groß dafür, Spezialgebiete besetzen zu können, talentierten Leuten Freiheiten im Fondsmanagement zu geben, ehe diese von kleinen Boutiquen abgeworben werden oder diese gar selbst gründen für mehr Freiheit, höhere Verdienstmöglichkeiten, weniger Meetings.

Der französische Amundi-Konzern – dem man auch großes Interesse an der DWS nachsagt – ist längt ein großer Konsolidierer. Die Kombination aus DWS und UBS könnte aus dem Stand einer werden.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Bafin stellt Fintech-Bank N26 öffentlich an den Pranger

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Die Auseinandersetzung zwischen der Bafin und N26 eskaliert. Gegen 15 Uhr heute Nachmittag hat die Finanzaufsicht auf ihrer Website eine Anordnung veröffentlicht, in der sie der Berliner Smartphone-Bank unter anderem aufträgt, eine nicht näher genannte Zahl von Bestandskunden neu zu identifizieren. Darin wird N26 angewiesen, „Rückstände im EDV-Monitoring“ abzuarbeiten, Arbeitsabläufe zu optimieren und den Personalbestand aufzustocken. Das Dekret trägt die Überschrift: „N26 Bank GmbH: Anordnung zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ .

Dazu muss man wissen: Wenn die Bafin den Managern eines Geldinstituts etwas mitzuteilen hat, tut sie das normalerweise hinter verschlossenen Türen – und nicht coram publico mit einer veröffentlichungspflichtigen Anordnung. Das Vorgehen darf man darum als Indiz dafür werten, dass der Bonner Behörde im Umgang mit N26 (wenn wir uns mal ein bisschen landläufig ausdrücken dürfen) die Hutschnur geplatzt ist.

[Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Veröffentlichung der Anordnung sei ein ungewöhnlicher Vorgang. Das war falsch. Die Anordnung ist veröffentlichungspflichtig. Ungewöhnlich ist lediglich, dass die Bafin überhaupt zur Maßnahme einer veröffentlichungspflichtigen Anordnung greift.]

Zum Hintergrund: Im vergangenen Sommer rückte die Bafin zu einer Sonderprüfung bei N26 an – angeblich mit einer Truppe von zehn bis zwölf Leuten (so wurde es uns jedenfalls von Insidern berichtet). Bekannt wurde die Bafin-Prüfung allerdings erst deutlich später, nämlich im April dieses Jahres. Da berichtete zunächst das „Handelsblatt“ (mutmaßlich gefüttert von der Bafin selbst) über die Vorgänge. Tenor des Artikels (Paywall): N26 gerät ins Visier der Finanzaufsicht +++ Bafin stellt bei Smartphone-Bank viele Mängel fest +++ Aufseher mahnen Reformen an.

Warum schon dieser Rüffel mehr als nur Formsache war, hatten wir Ihnen damals in einer Kurzanalyse aufgedröselt …

Warum der Bafin-Rüffel für N26 mehr als nur eine Formsache ist

Was folgte, war eine ganze Reihe von großen Zeitungs-Interviews, in denen N26-Chef Valentin Stalf nicht nur Besserung gelobte – sondern auch immer wieder betonte, sein Unternehmen habe viele der von der Bafin geforderten Schritte bereits angepackt oder sogar umgesetzt.

Seit heute Nachmittag weiß man: In Bonn wird das ein bisschen anders gesehen. Die Auseinandersetzung zwischen der deutschen Finanzaufsicht und dem wichtigsten Fintech des Landes hat eine neue Qualität bekommen.

Leser Sie hier, was genau in der Bafin-Anordnung steht. Weiter unten kommt dann noch eine erste Stellungnahme seitens N26:

Die BaFin hat am 20. Mai 2019 gegenüber der N26 Bank GmbH zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung angeordnet, angemessene interne Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen und Allgemeine Sorgfaltspflichten einzuhalten. Die Anordnung ergeht auf Grundlage der § 6 Absatz 8 und § 51 Absatz 2 Satz 1 Geldwäschegesetz (GwG).

Im Einzelnen wird angeordnet, dass die N26 Bank GmbH Rückstände im EDV-Monitoring abarbeiten muss, Prozessbeschreibungen und Arbeitsabläufe verschriftlichen muss, eine vorgegebene Anzahl von Bestandskunden neu zu identifizieren hat. Diese Maßnahmen müssen jeweils innerhalb einer festgelegten Frist umgesetzt werden. Des Weiteren hat die N26 Bank GmbH eine angemessene personelle und technisch-organisatorische Ausstattung zur Einhaltung ihrer geldwäscherechtlichen Verpflichtungen sicherzustellen.

Die Veröffentlichung erfolgt aufgrund § 57 GwG. Der Bescheid ist seit dem 20. Mai 2019 bestandskräftig. (Original hier)

Und hier Auszüge aus der Stellungnahme von N26:

[…] Wir nehmen diese Anordnung sehr ernst und haben schon im Vorfeld die notwendigen Maßnahmen und Fristen zur Umsetzung eng mit der BaFin abgestimmt. Unabhängig davon hat unser Team zur Bekämpfung von Geldwäsche bereits seit längerer Zeit Maßnahmen zur Verbesserung der Vorbeugung von Finanzkriminalität ergriffen. Deswegen sind wir uns sicher, dass wir alle Vorgaben noch vor der von der BaFin vorgegebenen Frist umsetzen werden.

So arbeiten wir mit Hochdruck sämtliche noch unbearbeitete Fälle von Transaktionen ab, die von unseren Systemen als unregelmäßig oder auffällig identifiziert wurden. Derzeit haben wir bereits rund 90 Prozent dieser ausstehenden Fälle bearbeitet und werden alle noch offenen Fälle bis Ende nächster Woche finalisieren. 

Wir werden unsere bereits bestehenden Prozessbeschreibungen und Arbeitsabläufe zur Umsetzung des Geldwäschegesetzes entsprechend der Anforderungen der BaFin verbessern. Zusätzlich werden wir auch weiterhin, wo notwendig, eine erneute Identitätsverifizierung von Kunden durchführen. 

Unser wichtigstes Ziel ist es, unseren Kunden immer den bestmöglichen Service zu bieten und dabei alle regulatorischen Vorgaben zu erfüllen. Deswegen vergrößern wir kontinuierlich unsere Personalausstattung. Allein im letzten Jahr haben wir  unser Team verdoppelt und werden unser Personal bis Ende des Jahres um weitere 50 Prozent auf über 1500 Mitarbeiter aufstocken. Auch unser Team zur Bekämpfung von Geldwäsche und Finanzkriminalität haben wir massiv ausgebaut. […]

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!