Goldman Sachs steigt bei Geheimtipp-Fintech Elinvar ein

Von Caspar Schlenk (Gründerszene) und Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de)

Es ist ein Ritterschlag für die Berliner Fintech-Szene: Die US-Großbank Goldman Sachs beteiligt sich an Elinvar. Bereits vergangene Woche hatten Finanz-Szene.de-Recherchen ergeben, dass sich der Fintech-Konzern für eine Funding-Runde aus der Deckung wagt.

Der Company Builder Finleap hatte das Startup Elinvar erst vor erst drei Jahren gestartet. Elinvar bietet eine digitale Plattform für Banken und Vermögensverwalter. Die bekannte Investmentbank solle bei der Internationalisierung „wertvolle Impulse“ bringen, so der Elinvar-Gründer Chris Bartz. Es ist eines der ersten Goldman-Sachs-Investments in Deutschland.

Zusammen mit den Altinvestoren der Versicherung Talanx und Finleap selbst sollen nach Informationen von Gründerszene und Finanz-Szene.de etwa 15 Millionen Euro in der Finanzierungsrunde geflossen sein. Die Zustimmung der Aufsichtsbehörde Bafin stehe noch aus.

Über die Plattform von Elinvar können die Finanz-Unternehmen zum Beispiel ihr Portfoliomanagement und ihre Kundenkommunikation organisieren. Das Startup wird dabei an den Umsätzen der Partner beteiligt, im vergangenen Jahr lag der Umsatz von Elinvar im einstelligen Millionenbereich, heißt es auf Nachfrage.

Zu den Unternehmenskunden gehören die Privatbank Donner & Reuschel, die Fürstlich Castell’sche Privatbank und M.M. Warburg & Co. Wie nun bekannt wurde, arbeitet auch die DKB künftig mit Elinvar zusammen. Insgesamt 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Elinvar mittlerweile.

Mit dem Geld aus der Finanzierung soll das Team weiter ausbaut werden. Mithilfe der Investoren will Elinvar sein Angebot auch in anderen europäischen Ländern anbieten. „Elinvar ist eins der erfolgreichsten und vielversprechendsten Unternehmen in unserem Portfolio“, lässt sich Finleap-Chef Ramin Niroumand zitieren. Zu den weiteren Hoffnungsträgern gehören die Solarisbank und Pair Finance.

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Unicredit gibt keine Ruhe beim Grabbeln an der Commerzbank

Von Christian Kirchner

Sowas nennt man wohl Hybridstrategie: Montags erklärt Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier, er rechne – Konsolidierungsdruck hin oder her – nicht mit zahlreichen grenzüberschreitenden Bankenfusionen. Die regulatorischen Hürden seien zu hoch. Dienstags dann kommt heraus: die Unicredit hat laut der Nachrichtenagentur Reuters (die sich wiederum auf nicht weniger als drei nicht näher genannte Quellen beruft) bereits Investmentbanken „beauftragt“, ein Gebot für die Commerzbank zu prüfen und vorzubereiten.

Das wichtigste zur Unicredit/Commerzbank-Variante in Kürze:

  • Die Unicredit hat ein Statement heraus gegeben, laut dem kein Mandat unterzeichnet worden sei. Ein knallhartes Dementi ist das gleichwohl nicht, hier kann der Teufel durchaus im Detail der Formulierung liegen.
  • Am Aktienmarkt schenkt man jedenfalls der Theorie des Unicredit-Interesses Glauben: die Commerzbank-Aktie schloss den gestrigen außerbörslichen Handel fulminante 7% fester bei 7,87 Euro. Die Unicredit-Aktien verloren 2%. Damit reflektieren die Aktienkursentwicklungen auch, was Experten (unter anderem auch der Newsletter Ihres Vertrauens) bereits zum Abbruch der Fusionsgespräche mutmaßten: die Commerzbank ist in der bequemen Position, abzuwarten und den Markt zu sondieren, ob sich ein Interessent findet oder man alleine weitermacht. Der Deutschen Bank fehlt diese Zeit, ob sie ihre Ziele 2019 und darüber hinaus erreicht (und mit der aktuellen Bankstruktur überhaupt weitermachen kann), liegt nicht mehr in ihrer Hand. Die seit Jahresbeginn kräftig gestiegen Commerzbank-Aktie legte seit Abbruch der Fusionsgespräche in einem schwachen Markt 3% zu, die Deutsche-Bank-Aktie büßte 9% ein und notiert nur knapp über ihrem Jahrestief.
  • Mit aktuell rund 10 Mrd. Euro Börsenwert wäre die Commerzbank für die Unicredit (24 Mrd. Euro) nicht gerade ein leicht verdaulicher Happen. Dass auch die Unicredit-Aktie zuletzt binnen eines Monats rund 15% an Wert verlor, ist da auch nicht gerade hilfreich. Erst vor gut zwei Jahren mussten Unicredit-Aktionäre rund 13 Mrd. Euro via Kapitalerhöhung zum Zwecke der Bilanzsanierung nachschießen.
  • Pikanterie am Rande: Laut „Reuters“ sei unter anderem JP Morgan mit dem Schmieden einer Übernahmestrategie beauftragt und: Lazard. Dort am Werk als Leiter Fusionen und Übernahmen Europa: Jörg Asmussen, einst Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen, unter anderem während der trubeligen Tage der Finanzkrise. Mit der Commerzbank kennt der Mann sich aus: Asmussen war auch Vertreter des Bundes, als vor gut zehn Jahren der Bund die Commerzbank mit einer direkten Kapitalbeteiligung über 1,8 Mrd. Euro und stillen Einlagen über 16,4 Mrd. Euro aus der Patsche half. 
  • Was man sonst noch wissen muss (I): Handfeste Beweise, dass die Unicredit sehr gut weiß, wie man in Deutschland Banking betreibt, fehlen, obschon sie bereits seit 2005 die HVB besitzt. Dazu empfehlen wir Ihnen nochmals unsere Analyse samt Kopf-an-Kopf-Vergleich von Unicredit und Commerzbank von Anfang April (und sich vielleicht vorab die rhetorische Frage zu stellen: höhere Kapitalquote, stärkere Aktienkursentwicklung,  besseres Rating, höheren Gewinn in den letzten Jahren – wo vermuten Sie das eher, bei der Unicredit oder der Commerzbank? Auflösung und Analyse: hier) Die erst vergangene Woche vorgelegten Quartalszahlen der Unicredit (inklusive Zahlen für das Deutschland-Geschäft) bestärken uns diesbezüglich eher, nur Dank Verkäufen gelang, es, das Nettoergebnis von rund 70 Mio. Euro ein wenig aufzupimpen. Vermutlich auch deshalb kündigt der Commerzbank-Betriebsratschef gestern schon mal einen Kampf bis aufs Blut an, sollten die Italiener sich Commerzbank einverleiben wollen.
  • Was man sonst noch wissen muss (II): Das Investmentbanking und die Fusionsberatung sind ein tückisches Geschäft: Hochbezahlte Leute arbeiten wochen- und monatelang an Projekten und Börsengängen, die vielleicht nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken. Schlimmstenfalls: Umsonst. Es ist ein Geschäft mit oft riesigen Vorleistungen. Folglich sollten die vielen Fusionsgerüchte der vergangenen zwei Jahre (interessiert an der Commerzbank waren angeblich schon BNP Paribas, Société Générale, die ING) stets mit einer gewissen Vorsicht genossen werden – mal einen Ball rollen zu lassen und zu schauen, was passiert, ist eine übliche Taktik im Geschäft der Investmentbanker, wenn einfach sonst nichts passieren will.  Fest steht auch: feindliche Übernahmen sind im Bankwesen quasi undenkbar.

Als ob das im Fusionskarussell noch nicht reicht, meldet Bloomberg, dass die Fusionsgespräche zwischen der DWS und der Asset-Management-Sparte der UBS stocken und hier ein Zusammengehen unwahrscheinlich  geworden sei. Was allerdings die deutlich unspektakulärere Meldung mit einer überdies eher flachen Reaktion (DWS-Aktie: minus 1,6%) verglichen mit den Nachricht zum Unicredit-Interesse ist.

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