Erneute IT-Panne bei der Commerzbank – Hunderte Fehlermeldungen

Von Christian Kirchner

Bei der Commerzbank ist es am Freitagmorgen nach Informationen von Finanz-Szene.de zu einer weiteren Großstörung gekommen. Seit den frühen Morgenstunden hatten Commerzbank-Kunden weder online noch per App oder via Telefonbanking Zugriff auf ihre Konten. Nutzer erhielten die Meldung, es liege ein „technischer Fehler“ vor.

Dutzende Commerzbank-Kunden berichteten zudem übereinstimmend in sozialen Medien, sie seien nicht in der Lage Geld abzuheben oder ihre Karte zur Zahlung einzusetzen. Bei Kunden, die sich kurzfristig einloggen konnten, wurden Konten nicht angezeigt. Zudem sei die Hotline nicht erreichbar, hieß es.

Auf dem Portal „allestoerungen.de“ waren von etwa 2 Uhr an immer mehr Fehlermeldungen dokumentiert. Am frühen Morgen explodierte die Zahl dann regelrecht, sodass es bis 8 Uhr schon 749 Störungsmeldungen waren. (Aktualisierung 9.30 Uhr: 2138 Störungsmeldungen). Auch dort beschwerten sich Kunden, sie könnten kein Geld abheben und nicht mit ihrer Karte in Supermärkten oder Tankstellen zahlen.

Die Pressestelle der Commerzbank bestätigte auf Nachfrage das Problem, wies allerdings darauf hin, dass Stand 11:30h die Kartenzahlung wieder funktionierten und an den noch fehlenden Funktionalitäten im Zugang mit Hochdruck gearbeitet werde. Am Nachmittag gegen 14 Uhr funktionierten nach Angaben der Bank die Online-Zugänge wieder.

Bereits gegen 10 Uhr bestätigte das Institut via Twitter den Inhalt unserer Exklusiv-Berichterstattung:

Schon Anfang Juni  war es bei der Commerzbank zu massiven IT-Problemen gekommen. Das Chaos zu beheben dauerte mehrere Tage. Pikant: Seinerzeit trat die Störung am ersten Werktag des Monats auf – also genau dann, wenn es zum Beispiel um Daueraufträge geht. Diesmal ist es also der letzte Werktag des Monats, an dem die Commerzbank-Systeme allem Anschein nach zumindest zeitweise nicht funktioniert haben und viele Kunden Überweisungen aufgeben müssen.

Hier dokumentiert einige der Beschwerden in den sozialen Medien:

Bei mir geht auch nichts. Ich komme nicht in mein Online Banking rein wegen einem „technischen Fehler“. Dann kann ich bei der Hypo mein Geld nicht abheben, auch nicht bei der Sparkasse oder in allen anderen Banken in meiner Nähe. Ich war gerade beim Bäcker und wollte dann mit der Karte zahlen… „Zahlung nicht möglich“. Hotline angerufen, geht keiner ran, über 30 Minuten in der Warteschleife. (bei allestoerungen.de)

Es muß Monatsende sein – das Banking ist schon wieder völlig tot (bei Facebook)

Und wieder mal Probleme….. langsam wird es doch echt zum Monatsritual eine andere Nutzerin. (bei Facebook)

„War gerade an der Tanke, wollte mit Karte zahlen ging nicht Zahlung nicht möglich! Mega geil wenn man kein Bargeld bei hat 😒 online versucht aufs Konto zuzugreifen ob App oder Hompage nichts geht ! Sehr ärgerlich“ (bei allestoerungen.de)

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Das Fintech, das direkt neben dem Moseleck sitzt: Exaloan

Von Heinz-Roger Dohms

Hatten wir nicht Anfang der Woche noch geklagt, es würden zwar immer mehr Fintechs konsolidiert, aber kaum noch neue gegründet? Na, dann machen wir mal, was wir am besten können – nämlich uns selbst eines Besseren belehren.

Denn: Wie wir mit dezenter Hilfe unseres Research-Partners „Startupdetector“ herausgefunden haben, befindet sich in Frankfurt ein neues Finanz-Startup namens „Exaloan AG“ im Stealth-Modus. Beheimatet übrigens in der Moselstraße und da nur einen halben Steinwurf entfernt vom Moseleck, was ja schon mal ganz sympathisch ist.

Zu den Gründern (von Exaloan, nicht des Moselecks …) gehört laut Handelsregister übrigens ein 1968 geborener Herr Prof. Dr. Gregory Wheeler – bei dem es sich aber ganz sicher nicht um den gleichnamigen, im gleichen Jahr geborenen Star-Professor der Frankfurt School handelt – oder etwa doch??? Warten wir’s ab.

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Wie viel die Sparkasse KölnBonn für ihre (Ex-)Vorstände berappt

Von Heinz-Roger Dohms und Thomas Borgwerth

Bei der zweitgrößten deutschen Sparkasse, also der aus Köln-Bonn, werden die Aufwendungen für amtierende und frühere Spitzenkräfte allmählich zu einem ernsten Problem. Im vergangenen Jahr belasteten Bezüge und frisch gebildete Pensionsrückstellungen für Vorstände und Ex-Vorstände das Ergebnis laut Recherchen von Finanz-Szene.de mit fast 14 Mio. Euro (genau genommen legen unsere Berechnungen nahe, dass es sogar knapp 18 Mio. Euro waren – hier widerspricht das Kölner Institut allerdings vehement).

Zur Einordnung: Der Jahresüberschuss der Sparkasse belief sich 2018 auf gerade einmal 24,2 Mio. Euro – und der war sogar geprägt durch positive Einmaleffekte wie den Verkauf einer Immobilie und die Vereinnahmung alter Spareinlagen (siehe unsere Berichterstattung vom 11. Juni). Heißt also: Der Gewinn wurde durch die Zahlungen für Vorstände und Alt-Vorstände maßgeblich reduziert.

Hier nun unsere Rechnung, wie sich die ermittelten knapp 14 Mio. Euro zusammensetzen:

[Anmerkung, 29. Juni 2019: Zu unserer Rechnung finden Sie unter dem Text noch eine nachträgliche Stellungnahme der Sparkasse KölnBonn, eine Entgegnung unsererseits auf ebendiese Stellungnahme und dann doch einmal eine – allerdings kurze – Entgegnung der SparkasseKölnBonn hierauf]

  • 3,4 Mio. Euro waren die regulären Bezüge des Vorstands
  • 1,6 Mio. Euro waren Zuführungen zu den Pensions-Anwartschaften amtierender Vorstände (wobei es sich hier um eine Saldogröße handelt, da in Bezug auf zwei Vorstände keine Rückstellung zugeführt, sondern entnommen wurden)
  • 1,5 Mio. Euro ergaben sich aus Anpassungen aus dem sogenannten BilMoG, das ist die Abkürzung für das Bilanzrechts-Modernisierungs-Gesetz. Auch diese Zahl bezieht sich auf den amtierenden Vorstand
  • 7,3 Mio. Euro waren Belastungen, die in irgendeiner Form mit Zahlungen/Rückstellungen für ehemalige Vorstände zu tun hatten.

Diese 7,3 Mio. Euro wollen wir gesondert erklären:

Im 2018er-Geschäftsbericht findet sich die Passage:

„Den früheren Mitgliedern des Vorstandes und deren Hinterbliebenen wurden Gesamtbezüge in Höhe von 3.143,0 TEUR gewährt, davon betrafen keine Leistungen die aktive Geschäftstätigkeit. Für diese Personengruppe bestehen Pensionsrückstellungen in Höhe von 52.350,2 TEUR.“

Eine entsprechender Absatz stand auch schon im 2017er-Abschluss, da war die zweite Zahl jedoch noch deutlich niedriger:

„Den früheren Mitgliedern des Vorstandes und deren Hinterbliebenen wurden Gesamtbezüge in Höhe von 2.906,4 TEUR gewährt, davon betrafen keine Leistungen die aktive Geschäftstätigkeit. Für diese Personengruppe bestehen Pensionsrückstellungen in Höhe von 38.583,8 TEUR.“

  • Aus den beiden Bestandsgrößen von 38,6 Mio. Euro in 2017 und 52,4 Mio. Euro in 2018 ergibt sich ein Delta von 13,8 Mio. Euro.
  • Hiervon sind aber nun Rückstellungen in Höhe von rund 5,5 Mio. Euro abzuziehen, die für die Pension des früheren Vorstandschefs Artur Grzesiek gedacht sind. Grzesiek war Ende 2017 aus dem Amt geschieden. Als Anwartschaft tauchten die fünfeinhalb Mio. Euro in jedem Jahr noch als „Rückstellung für aktive Mitglieder des Vorstands“ im Geschäftsbericht auf. 2018 wurde die Summe dann in die „Rückstellung für frühere Mitglieder des Vorstands“ umgebucht.  Eine neue Belastung ergab sich mithin nicht.
  • Also sind wir „nur“ noch bei 8,2 Mio. Euro. Nun gibt die Sparkasse KölnBonn (mit der wir in den vergangenen Tagen einen regen, freundlichen Mailverkehr gepflegt haben) an, dass von dieser Summe weitere 4,0 Mio. abzuziehen seien. Begründung: Bei einem weiteren Vorstand, nämlich dem 2018 ausgeschiedenen Christoph Siemons, habe es denselben Umbuchungseffekt gegeben wie bei Artur Grzesiek. Rechnerisch nachvollziehen lässt sich das auf Basis der Geschäftsberichte unserer Ansicht nach nicht (bzw.: rechnerisch stellt es sich für uns sogar explizit anders dar). Aber natürlich glauben wir der Sparkasse, dass es so war, wie sie sagt.  Sind wir also bei 4,2 Mio. Euro.
  • Nun ist jedoch noch ein Punkt zu berücksichtigen. Den ehemaligen Vorständen und ihren Hinterbliebenen wurden im vergangenen Jahr (siehe das obere der beiden Zitate aus dem Geschäftsbericht) ja ohne Zweifel 3,1 Mio. Euro tatsächlich ausgezahlt. Dieses Geld muss man aus unserer Sicht zwingend zu den 4,2 Mio. Euro hinzuaddieren. Auch hier widerspricht die Sparkasse Köln – allerdings würden wir an dieser Stelle unseren mathematischen Grundkenntnissen dann doch vertrauen wollen.

Und das ist also, wie wir auf die besagten 7,3 Mio. Euro kommen.

Freilich weist die Sparkasse KölnBonn mit gutem Recht darauf hin, sie orientiere sich bei den Vorstandsgehältern „an den Empfehlungen unseres Sparkassenverbandes, schöpfen diese jedoch nicht aus und liegen unter den entsprechenden Empfehlungen“. Und, noch ein wichtiger Punkt: Bei den von uns ermittelten fast 14 Mio. Euro GuV-Belastung spielen Einmaleffekte vermutlich eine wichtige Rolle. Denn die „BilMoG“-Belastung für die aktuellen Vorstände dürfte sich so nicht wiederholen. Und auch die  Explosion der Pensionsrückstellungen für die  Alt-Vorstände müsste z.T. auf Einmaleffekte zurückgehen (die wiederum mit den extrem niedrigen Zinsen zu tun haben).

Doch trotz solcher Einschränkungen: Auch wenn die Belastungen in diesem Jahr niedriger sein dürften, fragt sich, wer den Geschäftsbericht liest, wie manche der dort genannten Zahlen zu  einem Geldinstitut passen, dessen operative Ertragskraft in den vergangenen Jahren geradezu erodiert ist (an dieser Stelle nochmal der Hinweis auf unsere Berichterstattung vom 11. Juni).

Ein paar Beispiele:

  • Sind 52,4 Mio. Euro Pensionsrückstellungen für Ex-Vorstände und deren Hinterbliebene nicht ein ganz schön dickes Brett? Weil: Soooo viele Ex-Vorstände kann so eine Sparkasse ja eigentlich gar nicht haben, nicht einmal die Kölner Sparkasse, auch wenn bei ihr eine gewisse Fluktuation auf Vorstandsebene zu herrschen scheint
  • Auch die fünfeinhalb Mio. Euro Rückstellung für einen einzigen Ex-Vorstand (siehe oben) muten üppig an …
  • … genau wie die im Geschäftsbericht explizit aufgeführten 1,1 Mio. Euro Zuführung zu den Pensions-Rückstellungen für einen weiteren Vorstand
  • Der heutige DSGV-Vorstand Joachim Schmalzl wiederum schied zwar schon Ende Februar 2016 aus dem Vorstand der Sparkasse KölnBonn aus, kassierte 2018 allerdings trotzdem noch eine „Ergebniszulage“ (auch wenn die mit rund 28.000 Euro den Geißbock nicht fettmachte)

„Et hätt noch immer jot jejange“, sagt der Kölner. Ob das auch für seine Sparkasse gilt, wird sich zeigen.

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Ergänzung: Nach Erscheinen des Textes hat die Sparkasse KölnBonn (mit der wir auch vor Erscheinen des Textes im Austausch standen) noch einmal Stellung genommen. Und zwar wie folgt:

„Die Belastungen des Jahresergebnisses der Sparkasse KölnBonn aus Zuführungen zu Pensionsrückstellungen für amtierende und ehemalige Vorstände im Geschäftsjahr 2018 betragen in einer Nettobetrachtung nicht fast 14 Millionen Euro, sondern ca. 6,4 Millionen EUR. Diese ergeben sich aus folgenden Effekten:

  • Nach einem üblichen Verfahren werden jährlich die Lebenserwartungs-Prognosen für amtierende und ehemalige Vorstände angepasst. Aufgrund der weiter steigenden Lebenserwartung erhöhte sich der Rückstellungsbetrag insgesamt um rund 0,7 Mio. Euro. 
  • Aufgrund einer Änderung des Bilanzrechtes im Rahmen des Bilanzrechtsmodernierungsgesetzes wurden rein buchungstechnisch weitere Zuführungen von rund 1,5 Mio. Euro vorgenommen. Hierbei handelt es sich um eine einmalige Umstellung der Buchungsmethodik. 
  • Darüber hinaus waren für amtierende und bereits pensionierte Vorstände netto Zuführungen in Höhe von 4,2 Mio. € erforderlich. Die im Geschäftssjahr 2018 getätigten Auszahlungen für bereits pensionierte Vorstände wurden hierbei bereits abgezogen. Die Berechnungsmethodik für Pensionsrückstellungen erfolgt nach klaren Reglungen auf Basis vorgegebener Zinssätze. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase sinken die Zinsen weiter. Um die für die Zukunft garantierten Auszahlungsbeträge sicherstellen zu können sind bei einer niedrigeren Verzinsung die Rückstellungsbeträge jährlich entsprechend zu erhöhen. Die Zuführungen sind hauptsächlich auf diese Entwicklung zurückzuführen.“

Zu der Stellungnahme der Sparkasse KölnBonn merkt wiederum Finanz-Szene.de an:

  • Wir sind nicht der Ansicht behauptet zu haben, die Zuführungen zu Pensionsrückstellungen hätten das Jahresergebnis mit fast 14 Mio. Euro belastet. Unsere Formulierung lautete (die Fettung haben wir hinzugefügt): „Im vergangenen Jahr belasteten Bezüge und frisch gebildete Pensionsrückstellungen für Vorstände und Ex-Vorstände das Ergebnis laut Recherchen von Finanz-Szene.de mit fast 14 Mio. Euro“
  • Die Sparkasse KölnBonn sagt, in ihrer Rechnung seien die im Geschäftssjahr 2018 getätigten Auszahlungen für bereits pensionierte Vorstände „bereits abgezogen“ worden. Das ist genau der Grund, warum wir diese Belastungen in unserer Rechnung hinzuaddiert haben (siehe hierzu weiter unten noch einmal, was die Sparkasse Köln auf diese Entgegnung unsererseits sagt?)
  • An einem Punkt unserer Rechnung sind wir im Nachhinein unsicher – und zwar betrifft dies unsere Behauptung (nachträgliche Fettung unsererseits): „1,5 Mio. Euro ergaben sich aus Anpassungen aus dem sogenannten BilMoG, das ist die Abkürzung für das Bilanzrechts-Modernisierungs-Gesetz. Auch diese Zahl bezieht sich auf den amtierenden Vorstand.

Erläuterung: Wir hatten uns hierbei auf folgende Passage im Geschäftsbericht der Sparkasse KölnBonn gestützt: „Für die Mitglieder des Vorstands beläuft sich der Barwert der Pensionsansprüche auf insgesamt 10.547,6 TEUR. Für noch nicht gebildete Rückstellungen aus der Neubewertung nach dem BilMoG wurde der noch offene Restbetrag von 1.476,7 TEUR zugeführt.“

Heißt: Aus dem Kontext sollte sich eigentlich ergeben, dass es hier um die amtierenden Mitglieder des Vorstands geht – denn immer wenn der Geschäftsbericht von den „früheren“ bzw. „ehemaligen“ Vorständen handelt, werden diese auch konkret so bezeichnet. Wir verstehen die Sparkasse KölnBonn jetzt so, dass sich der „offene Restbetrag“ in Höhe von rund 1,5 Mio. Euro jedoch zumindest anteilig bzw. größtenteils auf die Ex-Vorstände bezieht, auch wenn sich das so aus dem Kontext des Geschäftsberichts nicht ergibt. Wenn dem so ist, müssten wir diesen Anteil von der von uns ermittelten Summe abziehen.

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So, und danach ist aber auch gut – hier noch wie weiter oben angekündigt die finale Stellungnahme der Sparkasse KölnBonn zu zweiten Bullet Point unserer Entgegnung:

„Ja, in der Bruttobetrachtung haben Finanz-Szene.de Recht, d.h. zu den von uns genannten 4,2 Mio. EUR Nettozuführung zu Rückstellungen für amtierende und ehemalige Vorstände sind die 3,1 Mio. EUR hinzuzurechnen. Aber auch für die Gesamtzuführung von 7,3 Mio. EUR gilt, dass diese in der Hauptsache auf die genannten zinsbedingten Anpassungseffekte zurückzuführen sind.“

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Deutsche Bank besteht Stresstest – und hat doch ein Problem

Von Christian Kirchner

Keine Frage: Für den, soweit wir das sehen können, mit Bravour bestandenen US-Stresstest darf man sich bei der Deutschen Bank ruhig mal einen „High Five“ geben, zumal der Test, so hört man, nach drei Durchrasslern binnen vier Jahren sogar Chefsache war. „Diese Überprüfung erfolgreich zu absolvieren war eines der wichtigen Ziele, die wir uns vor einem Jahr gesetzt hatten“, schrieb jedenfalls Vorstandschef Christian Sewing gestern Abend nach Veröffentlichung der Ergebnisse um 22:30h an seine Mitarbeiter. 

Gleichwohl: Dass die Deutsche Bank ein Stress-Szenario aushalten würde, bedeutet in der Ableitung nicht, dass es ihr im normalen Geschäftsbetrieb gut geht. Das wurde uns klar, als wir dieser Tage  routinemäßig geprüft haben, wie sich die Gewinnerwartungen der Analysten für 2019 seit Jahresbeginn verändert haben. Denn da zeigt sich: Die Erwartungen für alle drei Großeinheiten sind seit Januar merklich gesunken.  Wobei „merklich“ für das Investmentbanking der falsche Begriff ist. Hier muss man eigentlich von „bedenklich“ sprechen.

 

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Der Fall Naga ist eine Blamage für den Finanzplatz Frankfurt

Von Heinz-Roger Dohms

Dass die Hamburger Naga AG eher kein Triple-A-Fintech ist, wusste jeder, der es wissen wollte (siehe -> „Der vollkommen reale Börsengang eines teilweise fiktiven Unternehmens“; ->  „Kater nach der Kursparty“; -> „Wo sind die 50 Mio. Euro aus dem Naga-ICO?).

Am Finanzplatz Frankfurt indes war das schillernde Startup immer bestens gelitten. Die Deutsche Börse ging ein Joint-Venture mit Naga ein und führte das Unternehmen bei deren Börsengang im Segment Scale stolz als junge Vorzeigefirma vor; Hauck & Aufhäuser investierte sogar direkt in das Startup; und im „Handelsblatt“ wurde ein bekannter Frankfurter Finanzprofessor vor dem umstrittenen „Initial Coin Offering“ der Hanseaten mit den Worten zitiert, Naga sei ein „faszinierendes, innovatives Fintech“.

Gestern nun vermeldete „Gründerszene“, dass die Naga AG (die Ihren Sitz kürzlich von Hamburg nach Zypern verlegte) ihre Ziele auch 2018 meilenweit verfehlt hat. Die Aktie, die kurz nach dem IPO auf bis zu 17 Euro schoss? Notiert nun bei 88 Cent. Manchmal kann man sich als Beobachter der Frankfurter Finanzgeschehens ja nur noch wundern. In diesem Fall allerdings wundert einen gar nichts mehr.

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„Miles & More“-Bank: Lufthansa greift Geldhäuser an

Von Christian Kirchner

Die Mail kam am Dienstagabend – und sie kam sofort zur Sache: „Finance Plus – Die Banking-App, die belohnt“, stand da. Bloß: Der Absender war keine Bank. Und auch kein Fintech. Sondern: Die Mail kam von „Miles & More“, dem Bonus-Programm der Lufthansa mit 30 Mio. Mitgliedern weltweit.

Um es kurz zu machen: Die größte deutsche Airline greift die hiesige Kreditwirtschaft nun also mit einer eigenen Banking-App an. Heißt: Die Banken müssen (wenn ab Mitte September dank PSD2 die Kontoschnittstellen endgültig offen sind) den Kundenzugang nicht mehr nur gegen Fintechs wie Finanzguru verteidigen. Sondern auch gegen reichweiten- und datenstarke Player wie „Miles & More“.

Ein Überblick:

Ist die Sache mit den Multibanking-Apps nicht kalter Kaffee?

Im Prinzip ja. Die „Mutter“ aller Multibanking-Apps, die inzwischen an Verivox gegangene Outbank, gibt es bereits seit 2009. Und die Numbrs-App, wenn wir es richtig sehen, immerhin schon seit 2014. In den letzten ein, zwei Jahren legten dann Anbieter wie Finanzguru, Finanzblick und natürlich Check24 nach. Und natürlich versuchen sich auch etablierte Player wie die DKB, die Comdirect oder die Deutsche Bank an eigenen Multibanking-Apps.

Also was ist jetzt neu?

Anders als das bei den Fintech der Fall ist, will nun ein Unternehmen mit bereits bestehendem Kundenstamm seine Marktmacht für ein Multibanking-Angebot nutzen. „Miles & More“ verfügt geschätzt über eine mittlere einstellige Millionenzahl an Kunden in Deutschland – und hat mit seinen Meilen ein populäres „Incentive“.

Dazu passt, dass die Lufthansa-Tochter (Gewinnbeitrag 2018: rund 100 Mio. Euro mit gerade einmal 300 Mitarbeitern) voll aufs Thema Daten setzt. Man wolle die Analyse von Kundendaten noch weiter ausbauen, erklärte  der damalige „Miles & More“-Geschäftsführer (und heutige Verimi-Chef) Roland Adrian in einem Interview mit „Capital“ im vergangenen Jahr. Was liegt da näher, als alles daran zu setzen, auch Zugriff auf Konto- und Anlagedaten zu erhalten?

Aber wollen die Kunden denn überhaupt Multibanking?

Zumindest soll Multibanking extrem hohe Adaptionsraten haben – 75% der Nutzer, die eine dieser Apps kennen, würden sie auch nutzen, stellte Oliver Wyman letztes Jahr fest. Heißt: Wer den Kunden in seine Multibanking-Welt lockt – der hat gute Chancen, dass der dort auch bleibt. Und wer sollte ein besseres Lockmittel haben als ein Incentivierungs-Spezialist wie „Miles & More“ (nicht ohne Grund ist in besagter Werbemail gleich mal von 500 Bonus-Meilen für das simple Herunterladen die Rede – später gibt es bis zu 500 Meilen pro Monat für die Benutzung der App mit Konten).

Seit wann ist das Miles&More-Angebot verfügbar?

Unauffällig beta-getestet wurde die App seit Oktober 2018 bei Kunden. Offiziell in die App-Stores gestellt dann allerdings erst Ende Mai. Dieser Tage begannen dann die Werbe-Mailings.

Wie sieht das Produkt genau aus?

Wir haben die „Miles & More“ gestern einfach mal der Finanzguru-App verglichen (die ganz ähnliche Funktionalitäten aufweist) – und müssen sagen: In Sachen Usability ist das Fintech deutlich besser. Heißt aber nicht, dass die „Finance Plus“ genannte „Miles & More“-App schlecht wäre. Schon jetzt lassen sich Bankverbindungen von Konten der DKB, Commerzbank, ING Diba, Deutsche Bank und der Sparkasse migrieren – und mit ihnen die entsprechenden Umsätze der Girokonten und (!) zugehörigen Depots und Tagesgeldkonten. Womöglich kommen dann ab Mitte September, wenn die zweite Stufe der PSD2 in Kraft tritt, weitere Banken hinzu (leider waren zu dieser und anderen Fragen vom Unternehmen gestern auf die Schnelle noch keine Antworten zu kriegen).

Integrierbar ist auch die „Lufthansa Miles & More“-Kreditkarte, die in Deutschland immerhin in 1,4 Mio. Geldbörsen steckt. Seitens „Miles & More“ wird die Karte aber nur gebrandet, ausgegeben wird sie von der DKB.

Wie funktioniert die App genau?

Der Nutzer gewährt der App den Zugriff auf eines oder mehrere seiner Konten und Depots. Auf dieser Basis werden Umsätze über Konten hinweg aggregiert, saldiert, nett animiert dargestellt und kommt ein integrierter „Finanzberater“ zum Einsatz. Im Moment liegt der Charme des Angebots in der Darstellung. Schon bald dürfte die App aber zum „Vertragsmanager“ ausgebaut werden (mehr zum Thema „Vetragsmanager“ lesen Sie hier)

Von welchen Fintechs kommt das technische Rüstzeug?

Die Schnittstelle zu den Bankkonten stellt finAPI her, eines der mittlerweile neuen deutschen Fintechs mit PSD2-Lizenz  von der Bafin. Um die Vertrags-Erkennung – ein Thea, über das Deutsche Bank, Commerzbank und die ING  viel reden, aber so gut wie nichts marktreif haben – kümmert sich laut AGB das Kasseler Fintech Fino. (Finanz-Szene.de-Leser der ersten Stunden werden sich womöglich erinnern, dass Fino-Chef Florian Christ im September 2017 unser erster Interview-Partner war. )

Was bekannt ist: Als Programm-Partner arbeitet „Miles & More“ (teils schon länger) mit diversen Fintechs wie Clark, Exporo, Liqid und Weltsparen zusammen.

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Apple Pay hat gewonnen, die Sparkassen verloren

Von Heinz-Roger Dohms

Es klang wie die selbstverständlichste aller Meldungen: Die Sparkassen (und übrigens auch die Volks- und Raiffeisenbanken) bieten ihren Kunden von Herbst an Apple Pay an, wie gestern offiziell mitgeteilt wurde. Also alle Fragen beantwortet? Nicht ganz. Denn 1.) Hatten die Sparkassen nicht einst getönt, „Apple kommt an uns nicht vorbei„? Und 2. ) Hatte der DSGV vor einem halben Jahr nicht noch mit drohender Faust gefordert, Apple solle die NFC-Schnittstelle auf seinen iOS-Smartphones für die Payment-App der Sparkassen öffnen? Und 3.) Was ist denn jetzt eigentlich mit der Girocard?

Eine Ad-hoc-Analyse:

Was ist jetzt Sache?

Sparkassen-Kunden, die ein Apple-Handy besitzen, können mit diesem Handy in Zukunft mobil bezahlen, allerdings einzig und allein via Apple Pay. Bei der hinterlegten Karte muss es sich um eine Kredit- oder Debitkarte handeln (also um eine Karte der großen Payment-Schemes Mastercard, Visa und Amex). Eine Girocard-Lösung gibt es noch nicht – was freilich bei anderen Banken genauso ist.

Für wen ist das gut

Je nach Geschmackssache: für den Kunden. In jedem Fall aber: für Apple. Denn zahlt ein Sparkassen-Kunden mit seiner Kreditkarte an der Ladenkasse, fließen bis zu 0,3% Interchange-Gebühr (gemessen an der Kaufsumme) an die Sparkasse. Zahlt derselbe Kunde künftig mit Apple Pay, muss die Sparkasse einen Teil dieser Gebühr an den US-Konzern abdrücken. Spekuliert wird über 0,1%. Genaues allerdings weiß man nicht.

Was ist mit der NFC-Schnittstelle?

Die bleibt dicht. Apple öffnet sein Handy-Betriebssystem also mitnichten für die Mobile-Payment-Lösungen anderer Anbieter (wie zum Beispiel der Sparkassen). Die kesse Ansage „Apple kommt an uns nicht vorbei“ hat sich also ins glatte Gegenteil verdreht. Letztlich sind die Sparkassen nicht an Apple vorbeigekommen.

Warum verzichten die Sparkassen dann nicht einfach auf Apple Pay?

Mag sein, dass es am (zumindest so empfundenen) Druck der Kunden lag. Mag sein, dass sich die Sparkassen schlicht der Macht des Faktischen unterwerfen. Hätten die Sparkassen sich Apple Pay verweigert, hätte jedenfalls die Gefahr bestanden, dass Apple-Nutzer unter den eigenen Kunden irgendwann die Bank gewechselt hätten – zumindest wenn Mobile Payment eines Tages tatsächlich die gängige Bezahlmethode werden sollte. Dass umgekehrt ein Apple-Kunden auf ein Android-Handy wechselt, weil er unbedingt bei der Sparkasse bleiben will – diese Gefahr hat man bei Apple offenbar eher gering eingeschätzt.

Was ist jetzt mit der Girocard (1)?

Das ist die große Frage. Die Apple-Managerin Jennifer Bailey wurde gestern sinngemäß so zitiert, eine Girocard-basierte Lösung werde in jedem Fall kommen Wörtlich sagte sie der dpa: „Wir befürworten eine Integration der Girocard, dazu muss aber noch Arbeit erledigt werden, auch beim Konsortium der Girocard“ (Anm. der Red.: Das Girocard-Konsortium ist quasi die deutsche Kreditwirtschaft). Die Sparkassen schreiben bei Twitter, die Integration der Girocard werde für 2020 „vorbereitet“.*

Was klar ist: Bei der Integration der Girocard in Apple Pay geht es nicht nur um wirtschaftliche bzw. politische Aspekte, sondern auch um technische. Bei der „Profitcard 2019“, einer Payment-Konferenz in Berlin, hatten Girocard-Vertreter zu Beginn dieses Jahres Pläne für eine sogenannte „in-App“-Lösung für die Girocard präsentiert. Damals ging das Gerücht um, diese technische Lösung könne dazu dienen, die Girocard mit Apple Pay kompatibel zu machen. Gestern hieß es nun aus, sagen wir mal, semi-gut informierten Kreisen, die „in-App“-Pläne würden momentan ruhen. Wirklich wissen tun wir es allerdings nicht. Ebenfalls war gestern zu hören, die technische Lösung für die Girocard hätte von Apple-Seite kommen sollen – doch nichts sei bislang passiert. Verifizieren ließ sich dieses Gerücht nicht.

Was ist jetzt mit der Girocard (2)?

Aus Sicht der Sparkassen (und anderer Banken) wäre es ja durchaus rational zu sagen: Die Apple-Klientel (und von der wiederum jene, die Mobile Payment betreibt) ist im Umgang mit der Kreditkarte geübt  – da brauchen wir nicht auch noch eine Girocard-basierte Lösung anzubieten. So gesehen ist dann doch bemerkenswert, wie offensich die Sparkassen und  Apple gestern zur Girocard geäußert hat.

Kann man wirklich sagen, dass die Sparkassen „verloren“ haben?

Naja, vielleicht ist das wieder eine dieser fragwürdigen Zuspitzungen unsererseits. Indes: Wie würden Sie’s denn formulieren, wenn Sie in unserer Position wären, liebe Leser*innen? Klar ist: Die Details der Vereinbarungen kennten wir nicht. Mag sein, dass Apple bei der Beteiligung an der Interchange-Gebühr ein bisschen konziliant war (glauben wir aber ehrlich gesagt nicht). Mag umgekehrt sein, dass die Sparkassen von Apple auch noch genötigt wurden, demnächst ein paar Kostenzuschüsse für das Bewerben von Apple Pay rüberwachsen zu lassen (können wir uns sehr gut vorstellen). Und: Ganz entscheidend bei der Einordnung ist Deals ist ja auch noch, was denn jetzt wirklich mit der Girocard war bzw. wird.

Jedenfalls: Gewonnen haben die Sparkassen ganz sicher nicht.

*Hinweis, 27. Juni, 8.37 Uhr:  Die Äußerung der Sparkassen zur Girocard hatten wir gestern übersehen und haben den Artikel heute Morgen entsprechend ergänzt.

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Diese deutschen Fintechs haben eine PSD2-Lizenz

Von Heinz-Roger Dohms

„Figo will zur ‚Solarisbank light‘ werden“, schrieben wir, als der Hamburger API-Dienstleister Anfang 2018 als erstes deutsche Fintech eine sogenannte PSD2-Lizenz erhielt. Inzwischen? Sind wir anderthalb Jahre weiter. Die erste Stufe der Zahlungsdienste-Richtlinie ist längst in Kraft, die zweite wird es von Mitte September an sein – deutsche Fintechs (bzw. Payment-Firmen) mit sogenannter PSD2-Lizenz gibt es mittlerweile ein knappes Dutzend. Zeit für einen Überblick!

Wobei: Bevor der Überblick kommt, müssen wir ganz kurz klarstellen, dass es genau genommen natürlich nicht „PSD2-Lizenz“ heißt. Sondern, es geht um zwei verschiedene Lizenzen, zum einen nämlich zur Zahlungsauslösung (PISP), und zum zweiten zum Kontoinformationsdienst (AISP), wobei das mit dem „Informationsdienst“ eher ein Euphemismus ist – im Grunde geht es um die Berechtigung, als Drittdienstleister das Bankkonto eines Kunden mit dessen Zustimmung auslesen zu dürfen.

So, jetzt aber der Überblick, und zwar nach alter Väter Sitte in alphabetischer Reihenfolge:

Ambidexter GmbH

Wer ist das? Das ist die zu 100% zur Deutschen Bank gehörende Firma hinter „Yunar“.

Was machen die? „Yunar“ ist die Deutsche-Bank-App für Bonusprogramme und Kundenkarten. Ein ziemlich kostspieliges Projekt übrigens. Aber das nur nebenbei.

Welche Lizenz haben die? AISP

Und seit wann? 27. Mai 2019

Billie GmbH

Wer ist das? Ein Berliner Fintech, dass 2016 von den Zencap-Gründern Matthias Knecht und Christian Grobe gegründet wurde.

Was machen die? Im Kern: Factoring.

Welche Lizenz haben die? AISP

Und seit wann? 22. Februar 2019

Dwins GmbH

Wer ist das? Das ist die Firma, die hinter Finanzguru steht, also dem Fintech, dessen Pitch-Deck neulich geleaked wurde, wovon Sie, liebe Finanz-Szene.de-LeserInnen dann ja profitiert haben.

Was machen die? Eine (muss man sagen: schicke) Konto-App mit Fokus auf Vertragsmanagement

Welche Lizenz haben die? AISP

Und seit wann? 15. Mai 2019

finAPI

Wer ist das? Ein Schnittstellen-Fintech, das Ende vergangenen Jahres von der Schufa übernommen wurde.

Was machen die? Zum Beispiel, so fiel uns auf, den ganzen Schnittstellenkram für die neue Banking-App von Miles & More.

Welche Lizenz haben die? PISP und AISP

Und seit wann? 22. Januar 2019

Figo GmbH

Wer ist das? Siehe oben

Was machen die? Wurden Anfang des Jahres von Finleap/Finreach geschluckt und liefern nun Lizenz und API-Kompetenz für deren große Plattform-Pläne.

Welche Lizenz haben die? PISP und AISP

Und seit wann? 16. August 2018

FinTecSystems GmbH

Wer ist das? Das API-Fintech der früheren Sofortüberweisungs-Jungs Stefan Krautkrämer und Dirk Rudolf (also zwei von den Typen, die schon auf Konten zugegriffen haben, als der Fachbegriff dafür noch nicht „Open Banking“ war sondern „Bäääh“)

Was machen die? Ganz grob gesagt: Zum einen Bankdaten analysieren. Und zum anderen das, was Sofortüberweisung auch macht, halt nur unter anderem Namen (bzw. Whitelabel).

Welche Lizenz haben die? PISP und AISP

Und seit wann? 1. März 2019

Heidelpay GmbH

Wer ist das? Nicht wirklich ein Fintech, sondern ein einigermaßen etablierter Payment Service Provider

Was machen die? Fast alles, was mit Payment zu tun hat, und noch ein bisschen drumherum

Welche Lizenz haben die? PISP und AISP (aber auch noch diverse andere)

Und seit wann? 28. Juni 2018

Treefin

Wer ist das? Ein Fintech, das ursprünglich zu dem gehörte, was heute der Company-Builder Finconomy ist – und dann vom W&W-Konzern übernommen wurde (also Wüstenrot und Württembergische)

Was machen die? Multibanking- und Finanzassistenz-Apps entwickeln

Welche Lizenz haben die? PISP und AISP

Und seit wann? 26. Juni 2019

W&Z FinTech GmbH

Wer ist das? Ein Hamburger Fintech, dass zur Warburg-Bank gehört (oder zumindest aus ihr hervorgegangen ist. Da sind wir jetzt nicht zu 100% sicher)

Was machen die? Die Vermögensverwalter-App „Ownly“.

Welche Lizenz haben die? AISP

Und seit wann? 22. Februar 2019

Hinweis: Die Bafin-Seite war down gestern Abend, wir haben uns als Quelle darum auf die Website der europäischen Bankenbehörde EBA verlassen.

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Zinsen? Immos! Das Gewinn-Wunder der Degussa Bank

Von Christian Kirchner

Die Geschäftsberichte vieler deutscher Bank bieten ein trauriges Bild dieser Tage. Umso schöner, wenn man auch mal auf ein Geldinstitut trifft, bei dem es 2018 so richtig gebrummt zu haben scheint. Um satte 260% (!) hat die Degussa Bank AG im vergangenen Jahr ihren Gewinn  gesteigert. In absoluten Zahlen lag des Jahresüberschuss bei 47 Mio. Euro. Durchaus auskömmlich gemessen an einer Bilanzsumme von  6,2 Mrd. Euro.

Gibt es also doch noch Banken mit einem funktionierenden Geschäftsmodell? Naja, hängt davon ab, was man unter einem funktionierenden Geschäftsmodell versteht. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich nämlich: Aus dem Zins- und Provisionsüberschuss (addiert im Vergleich zum Vorjahr um 1% runter) kam das fulminante Gewinnplus eher nicht.

Doch woher dann? Mehr dazu gleich. Erst ein klein bisschen Hintergrund. Denn Degussa Bank … – das hat man zwar schon öfter mal gehört. Aber was macht das Institut genau?

Also, die Degussa Bank ist größer, als man meint, sie kommt auf rund 1 Mio Kunden (und damit mehr als doppelt so viele wie die Apobank, und die ist immerhin die größte einzelne Genossenschaftsbank hierzulande). Dass man die Degussa Bank trotzdem kaum wahrnimmt, liegt daran, dass sie keine klassischen innenstädtischen Filialen unterhält, sondern  141 sogenannte „Bank Shops“– von denen sich die meisten auf den Werksarealen von Partnerunternehmen wie Nestlé, Opel, Bayer, Fraport oder Merck befinden.

Mithin: ein Geschäftsmodell (oder zumindest ein Vertriebsmodell) sui generis. Was der Grund gewesen sein mag, warum der zwischenzeitliche Eigentümer, nämlich die ING Diba,  die Degussa  Bank 2006 an ein Konsortium rund um MM Warburg verkaufte.  Bald darauf wurde die Degussa Bank allerdings aus der Hamburger Privatbank wieder herausgelöst. Deren Eigentümerfamilien Warburg und Olearius halten die Anteile an Degussa heute jeweils direkt, zusammengerechnet gehört ihnen die Mehrheit.

Bei aller Eigentümlichkeit hat die Degussa Bank freilich die typischen Probleme, wie man sie auch  von anderen Banken mit Filialstrukturen kennt: Die Einlagen steigen (2018: +11%). Doch bei Zinsen und Provisionen (s.o.) spiegelt sich das Wachstum nicht wider, und der Verwaltungsaufwand (2018: -1% auf 100 Mio. Euro) will trotz Personalabbaus nicht so recht sinken. Wegen Digitalisierung, Regulierung, Abwicklungskosten und so fort.

Und dann trotzdem ein Zuwachs von 260% beim Gewinn?!

Was so kam: Wie fast überall, wo die Familien Warburg/Olearius mitmischen, geht es auch hier – um Immobilien. Denn unter dem Dach der Degussa Bank befindet sich ein Unternehmen namens Industria Wohnen. Und das hat 2018 einen hübschen Einmalertrag von knapp 73 Mio. Euro erwirtschaftet.

Wie? Mit dem „Verkauf eines Immobilien-Spezialfonds im Auftrag der Anleger.“ Wörtlich heißt es im Geschäftsbericht: „Aus Geschäftsbesorgungsverträgen stehen der Industria Wohnen für diese Transaktion vertraglich vereinbarte Verkaufsprovisionen und erfolgsabhängige Asset-Management-Vergütungen (Performance Fees) zu.“

Über 90% des Vorsteuerergebnisses entfielen somit auf die eher bankenferne Tochter. Ohne jenen Sonderertrag lag der Gewinn der Degussa Bank rein rechnerisch bei 6 Mio. Euro und mithin 70% unter dem ohnehin schon eher mauen Vorjahr.

Wobei fairerweise angemerkt sei, dass die Degussa Bank den Geldregen womöglich genutzt hat, um  Abschreibungen und Wertberichtigungen sowie Zuführungen zu Rückstellungen im Kreditgeschäft in Höhe von 11 Mio. Euro vorzunehmen. Warum womöglich? Weil wir die Degussa Bank gefragt haben, wie denn das Ergebnis ohne den Sondereffekt ausgefallen wäre, aber keine Antwort erhalten haben.

Freuen dürfen sich gleichwohl die Familien Warburg und Olearius: Aus dem Jahresüberschuss flossen nämlich nur 15 Mio. in Rücklagen. Dagegen wurden 32 Mio. Euro an die Aktionäre ausgekehrt.

Derweil bekommen Kunden auf der Startseite der Degussa Bank aktuell prominent und frontal einen Anlagevorschlag unterbreitet: Den Immobilien-Publikumsfonds „Fokus Wohnen Deutschland“.

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Der 38%-Coup: Allianz, Goldman und Co. kapern Robo-Fintechs

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Erinnern Sie sich noch an unsere Schlagzeile „Blackrocks fette Wette auf den deutschen Robo-Advisor-Markt“ aus dem Januar? Damals hatten wir im britischen Handelsregister entdeckt, dass sich der US-Gigant am hiesigen Robo-Marktführer Scalable Capital weit umfangreicher beteiligt hat als bekannt – nämlich mit rund 35%.

Dieser Tage nun sind wir (diesmal im deutschen Handelsregister) auf einen artverwandten Fund gestoßen. Denn: Der Anteil der Allianz am britisch-italienischen Robo Advisor Moneyfarm ist ebenfalls viel größer als gedacht: Per Ende Dezember hielt der Münchner Versicherer gut 38% an dem Scalable-Rivalen, der jüngst eine Großattacke im deutschen Markt angekündigt hat.

Wenn man bedenkt, dass der dritte große europäische Robo-Angreifer (also Nutmeg) im Januar von Goldman Sachs gekapert wurde, lässt sich sagen: Den großen Investmentfirmen ist geglückt, was die großen Retailbanken versäumt haben – nämlich die wesentlichen Fintech-Player in ihrem Beritt an die kurze Leine zu nehmen.

Und für alle, die es interessiert, hier noch ein kurzer Vergleich der drei großen europäischen Robos im Vergleich zu den drei größen deutschen Robos hinter Scalable Capital:

AuM* Cahburn in ‘17 Gesellschafter
Nutmeg 1,7 Mrd. € (Jan. ‘19) 13,6 Mio. € Goldman (?)
Scalable 1,5-2 Mrd. € 6-7 Mio. € Blackrock (35%)
Moneyfarm 0,7 Mrd. € (Jun. ’19) 15,8 Mio. €* Allianz (38%)
Cominvest 0,4 Mrd. € (Dez. ‘18) k.A. Comdirect (100%)
Liqid 0,35-0,45 Mrd. € 3,7 Mio. € Toscafund (34%)
Quirion 0,24 Mrd. € (Jun. ‘19) k.A. Quirin (100%)

Anmerkungen:

  • Beim verwalteten Vermögen haben wir entweder den bis heute letzten veröffentlichten Wert genommen (siehe das Datum hinter der Summe) oder – wenn schon lange keine Summe mehr veröffentlicht wurde – einen Schätzwert genommen.
  • Was den Cashburn angeht: Cominvest und Quirion sind (bzw. im Fall von Quirion: waren damals) keine eigenständigen Gesellschaften und veröffentlichen daher keine Geschäftszahlen. Aktuellere Werte als die von 2017 liegen noch nicht vor.

* Beim Cashburn von Moneyfarm war uns ein Umrechnungsfehler unterlaufen, sodass wir zunächst einen Wert von 18,0 Mio. Euro angegeben hatten. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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Warum Paypal (angeblich) den deutschen Standort kahlschlägt

Wie kann es sein, dass Paypal an seinem Standort in Berlin-Wilmersdorf nach Angaben von Verdi 309 von 355 Stellen streichen will? Einer unserer gut informierten Leser hat sich hierzu ein paar – wie wir finden – erhellende Gedanken gemacht:

„Paypal hat in Deutschland zwei „Standorte“, nämlich den in Wilmersdorf und dann noch einen zahlenmäßig kleineren in Dreilinden. Dort sitzen Produktion, Verwaltung, Entwicklung und Sales – und dort wird es wohl keine so dramatischen  Einschnitte geben. In Wilmersdorf hingegen, wo sich quasi das Call-Center befindet, allem Anschein nach schon.

Was man dazu wissen muss: Wilmersdorf war nie ein originärer Paypal-Standort. Traditionell war und ist der Customer Support (bzw. Telesales) eine Sache, die von Dublin aus erledigt wird, und zwar nicht nur auf Englisch, sondern in allen europäischen Sprachen. Das „Call Center“ Wilmersdorf dagegen wurde erst im Outsourcing mit der Bertelsmann-Tochter Arvato aufgebaut.

Als Paypal noch zu Ebay gehörte, waren Einschnitte und Verlagerungen im Customer Support ein sehr gängige Mittel, um Kosten zu sparen. Ebay betrieb zum Beispiel von Dreilinden aus den EU-weiten Customer Support. Doch als der Betriebsrat – jedenfalls nach dem Empfinden des angelsächsisch geprägten Managements – übers Ziel hinausgeschossen ist, kam 2009 die Entscheidung, diese Dienstleistungen fast komplett nach Dublin zu verlegen.

Meine These lautet: Auch wenn es bei Paypal auf globaler Ebene eine Reorganisation zu geben scheint, dürfte es für den offenbar geplanten Kahlschlag in Wilmersdorf andere Gründe geben:

  • Die Kosten werden im Vergleich zu Dublin bzw. im Vergleich zu Osteuropa als zu hoch erachtet
  • Womöglich soll der Customer Support wieder stärker zentralisiert werden
  • Und last but not least: die klassische amerikanische Angst vor diesem komischen deutschen Thema Betriebsrat …“

—–

Wir baten Paypal, zu den Einschätzungen und Thesen Stellung zu nehmen – hier die wesentlichen Passagen aus dem Statement:

„Die Entscheidung erfolgt nicht aus Kostengründen. Paypal überprüft regelmäßig die Struktur und personelle Besetzung seiner globalen Standorte. So soll sichergestellt werden, dass an jedem Standort der Service und die Dienstleistungen erbracht werden, die am besten den jeweiligen Anforderungen und Erwartungen auf Kundenseite entsprechen.  […] Paypal beabsichtigt, den Standort Berlin Wilmersdorf neu zu strukturieren und hat den Betriebsrat am 18. Juni 2019  über diesen Vorschlag informiert. Der Vorschlag des Unternehmens sieht vor, dass Teile der Arbeit von den Teams in Berlin Wilmersdorf an andere Paypal-Standorte oder Standorte externer Partner verlegt werden. Dieser Vorschlag unterliegt der Mitbestimmung durch den Betriebsrat am Standort Berlin Wilmersdorf. […]

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Fünf teils unerwartete Erkenntnisse über den deutschen Bankenmarkt

Von Christian Kirchner

Um Missverständnissen vorzubeugen: Finanz-Szene.de hat nicht vor, zur Research-Halde der UBS zu werden. Aber manchmal sind die Dinge halt so, wie sie sind. Und momentan sind sie eben so, dass wir binnen kurzer Zeit auf zwei Analysen der Schweizer Großbank zum (deutschen) Bankenmarkt gestoßen sind, die wir allesamt für berichtenswert halten. Und deshalb: Wollen wir nach „Woran krankt das deutsche Bankentum wirklich“ und „Was der Filial-Kahlschlag bringen würde – nämlich wenig …“ heute auch noch den dritten (und letzten …) Teil unserer kleinen UBS-Research-Trilogie folgen lassen. Titel, siehe oben: „Fünf teils unerwartete Erkenntnisse über den deutschen Bankenmarkt“. Los geht’s:

Ohne Bankenabgaben lägen die Eigenkapitalrenditen deutscher Banken (mindestens) um rund ein Drittel höher.

Dass die deutschen Banken zu wenig profitabel seien, ist ein alter Klassiker. Tatsächlich betrug die Eigenkapitalrendite der hiesigen Kreditwirtschaft 2017 laut UBS-Analyse gerade mal 3,1% – während die Banken in Großbritannien, Italien, Frankreich und der Schweiz auf rund 4% bis 6% kamen. Allerdings zeigt die Studie der Züricher Großbank sehr schön, dass die (vermeintliche) Schmalspur-Rendite zum Teil auch auf bilanzielle Besonderheiten zurückzuführen ist.  Allein die Bereinigung um die Rückstellungen für den „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ (eine deutsche Spezialität nach Paragraph 340g HGB) würde den „Return on Equity“ auf 4,2% steigen lassen. Übrigens ist der UBS-Analyse auch zu entnehmen, wie hoch die kumulierten 340g-Reserven der deutschen Banken insgesamt sind. Per Ende 2018 beliefen sie sich demnach auf 110 Mrd. Euro.

Für deutsche Banken steht ab sofort nicht weniger als 30% ihrer Gewinne auf dem Spiel.

Die Zinsmargen in Deutschland sind – auch wenn Bankern gern anderes behaupten – trotz Zinsverfall seit Jahren stabil. Das lag zum einen daran, dass die Einlagenzinsen sukzessive gegen Null (oder teilweise sogar darunter) gesunken sind. Und zum anderen, daran, dass die Banken lange Zeit von gut verzinsten Altkrediten profitiert haben (und davon, dass Kunden diese Kredite nicht nachverhandelt haben, selbst wenn sie die Möglichkeit dazu gehabt hätten). Beide Effekte laufen nun aber allmählich aus. Mit verheerenden Folgen für die GuVs vieler deutscher Banken. Denn sollten die Zinsen da bleiben, wo sie sind, und gelingt es den Instituten nicht gegenzusteuern, stünden knapp 30% der aktuellen Gewinne auf dem Spiel, schätzt die UBS

Der „Irgendwas ist ja immer“-Effekt war massiv

Seit 2011 haben deutsche Banken 37 Mrd. Euro (!) an Einmalkosten gebucht, unter anderem für Restrukturierungen, Rechtsrisiken, Abschreibungen und andere Sonderbelastungen.

Die deutschen Banken haben eher ein Ertrags- denn ein Kostenproblem

Die Konsolidierung der deutschen Bankenbranche läuft, abzulesen zum Beispiel an der Zahl der Banken (2017: -3%) und der Filialen (2017: -6%). Dass der Aufwand seit 2011 dennoch um 3,8% gestiegen ist, sei u.a. regulatorisch erklärbar, sagen die UBS-Analysten – und konstatieren, die deutschen Banken hätten ihre Kosten mittlerweile „unter Kontrolle“. Problematisch hingegen sei, dass im gleichen Zeitraum die Erträge (-2,4%) gesunken seien. Und dass es an Rezepten mangele, den aufgrund der Niedrigzinsen zu erwartenden weiteren Verfall der Erlöse zu kompensieren.

Nicht die ING-Diba-Kunden sind die mobil-affinsten – sondern angeblich die von Commerzbank, DKB und Deutsche

Wie affin sind deutsche Bankkunden mobilen Anwendungen gegenüber?  Eine simple Frage – die allerdings für die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle von großer Bedeutung ist, schließlich eröffnet es Kostensenkungs- und Ertragspotenziale, wenn die eigene Kundschaft gern mobil arbeitet. Und das Risiko sinkt, von digitalen Wettbewerbern attackiert zu werden. (Nicht zu vergessen die PSD2-Richlinie, die „Mobile Banking“ gegenüber „Desktop Banking“ bevorzugt).

Jedenfalls: Die UBS-Analysten haben eine Kennziffer entwickelt, die den Download-Marktanteil deutscher Banking-Apps in Relation zum Retail-Marktanteil derselben Banken setzt. Laut UBS sind demnach die Commerzbank, die DKB und die Deutsche Bank „am weitesten in der Kurve der mobilen Adaption“. Schwach schneidet hingegen die Postbank ab, und auch die deutsche ING ist unterdurchschnittlich unterwegs.

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Auch Factoring-Fintech Decimo verliert Eigenständigkeit

Von Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de) und Caspar Schlenk (Gründerszene)

Die Konsolidierung in der deutschen Fintech-Branche gewinnt an Fahrt. Nachdem zuletzt bereits die API-Fintechs Figo (an Finleap/Finreach) und finAPI (an die Schufa), die Challenger-Bank Penta (an Finleap) sowie das Working-Capital-Startup Valendo (an Creditshelf) neue Eigentümer gefunden hatten, verliert nun auch das Factoring-Fintech Decimo seine Eigenständigkeit. Wie per ad-hoc-Meldung  verlautete, wird das 2014 gegründete Berliner Startup mit der in Dresden angesiedelten Elbe Finanzgruppe AG zusammengeführt. Geld soll im Zuge der Transaktion keines fließen, erklärten Elbe-Vorstand Stefan Kempf gestern im Gespräch mit Finanz-Szene.de. Stattdessen erhalten die bisherigen Decimo-Gesellschafter ein Viertel der Anteile an der Elbe Finanzgruppe.

Die Transaktion wirft ein Schlaglicht auf das Segment der Factoring-Fintechs, um die vor zwei, drei Jahren einen regelrechten Hype gegeben hatte. Damals waren binnen kurzer Zeit  gleich mehrere neue Anbieter an den Start gegangen – nämlich Finiata (gegründet vom einstigen Fintech-Enfant-Terrible Sebastian Diemer), Billie (gegründet von den Zencap-Jungs Matthias Knecht und Christian Grobe), Fundflow (mit Geld des Hightech-Gründerfonds) und Innolend (finanziert u.a. von den Samwers). Die Geschäftsidee lag darin, Vorfinanzierungen nicht mehr nur für Großunternehmen und Mittelständler anzubieten – sondern auch für Kleinunternehmen, Selbständige und Freelancer. Genau darauf gründete auch der Business Case von Decimo.

Der Decimo/Elbe-Deal könnte nun …

  • … erstens darauf hindeuten, dass sich das Fintech-Factoring-Segment allmählich zu sortieren beginnt. Innolend wurde bekanntermaßen schon Anfang letzten Jahres liquidiert; um Finiata ist es zuletzt merlich ruhiger geworden. Billie wiederum fokussiert inzwischen auf echte KMUs (also eine Klientel, die klassischerweise von Banken und Sparkassen bedient wird) – und soll inmitten einer größeren Funding-Runde  stehen, wie „Deutsche Startups“ neulich berichtete.
  • Und zweitens? Zeigt der Decimo/Elbe-Deal, dass es nicht unbedingt immer die medialen Hype-Fintechs sind, die den Ton angeben. Denn …

… auch Elbe Finanzgruppe AG, gegründet vom früheren Investmentbanker Kempf und vom Factoring-Manager Matthias Bommer ging erst 2012 an den Start, ist in diesem Sinne also auch ein Fintech – obwohl der Name nicht darauf hindeutet. Dass die öffentlich bislang kaum wahrgenommenen Elbe-Leute nun Decimo schlucken (und nicht umgekehrt), hat gute Gründe:

  • Die Elbe Finanzgruppe AG, die unter dem Produktnamen „Rechnung48“ am Markt agiert, kam im vergangenen Jahr bereits auf ein Transaktionsvolumen von 214 Mio. Euro. Davon dürften einige Hype-Fintechs noch ein gutes Stück entfernt sein (zur Einordnung: bei Decimo waren es zulezt 33 Mio. Euro)
  • Und: Die Elbe Finanzgruppe erzielte ausweislich ihres im Internet einsehbaren 2018er-Abschlusses auf  Basis von Umsätzen in Höhe von 28 Mio. Euro einen Jahresüberschuss in Höhe von gut 260.000 Euro (wobei das Gros des Umsatzes nicht aus klassischem Factoring, sondern sogenanntem Finetrading stammt).

Elbe-Vorstand Kempf begründete im Gespräch mit Finanz-Szene.de den Zusammenschluss mit Decimo vor allem mit der Factoring-Plattform des bisherigen Konkurrenten. „Diese ermöglicht einen komplett automatisierten und online-basierten Abwicklungsprozess – und damit eine hohe Skalierbarkeit.“

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Warum eine Radikalkur bei den Filialen wenig bringen würde

Von Christian Kirchner

Wie lassen sich deutsche Banken in Sachen Profitabilität für die Ära der (womöglich dauerhaften) Niedrigzinsen rüsten? Klar: Hintenrum die Digitalisierung der Prozesse vorantreiben, das wollen eigentlich alle. Und vornherum mehr Menschen dazu bringen, ihre Geschäfte online oder per Smartphone zu erledigen.

Aber wie sieht die optimale Strategie in Sachen Filialen aus? Wäre es da nicht naheliegend, einfach noch mehr (und noch schneller) Filialen zu schließen, als die Banken es in den vergangenen Jahren ohnehin schon getan haben?

Dieser Frage sind dieser Tage die Analysten der UBS in einer Studie nachgegangen, die zum besten gehören dürfte, was zu diesem Thema je veröffentlicht worden ist. Konkret haben die Researcher mithilfe von mikrodemografischen Daten Filialdichten, Kannibalisierungseffekte, Kaufkraft und die Erreichbarkeit aller (!) deutschen Bankfilialen untersucht.

Eine Vorbemerkung: So „overbanked“ in Sachen Filialen ist Deutschland gar nicht. 36 Zweigstellen kommen hierzulande auf 100.000 Einwohner. Das ist europäisches Mittelfeld für Flächenländer, die Dichte in Italien (45 Filialen/100.000 Ew.), Frankreich (55) und Spanien (59) ist deutlich höher, allein die Niederlande (9) sticht hier markant heraus.

Was schon die Conclusio nahelegt: Ja, Filialschließungen bringen natürlich etwas bei den Kosten. Aber die Effekte wären selbst bei konsequenter Umsetzung nicht so groß, als dass sie einen entscheidenden Beitrag zur Lösung der fundamentalen Ertrags- und Profitabilitätsschwierigkeiten liefern könnten. Ein Grund: Bei einigen deutschen Banken dürften die Sparpotenziale schon fast ausgeschöpft sein, weil sie ihre Filialstruktur längst optimiert haben – dazu zählten sie etwa die Deutsche Bank oder die Targobank. Das gelte allerdings zum Beispiel nicht für die Commerzbank. Und auch die HVB schneidet in puncto Optimierung unterdurchschnittlich ab.

Gehen wir ins Detail: Wie würde die Schließung von noch mehr Filialen die Profitabilität verändern? Hierzu rechnet die UBS in drei Szenarien: einem vorsichtigen, in dem weitere 5% der Filialen dichtgemacht werden werden, einem mittleren mit 10% und einem aggressiven mit 15%.

Aus Basis bisheriger Erfahrungen  würde dieser Schritt die Kosten laut UBS-Schätzungen je nach Szenario um 2%, 4% bzw. 6% Prozent drücken. Dabei taxiert die UBS die Filialkosten bei den untersuchten Instituten auf aktuell zusammen 90 Mrd. Euro. Mithin läge das Kostensenkung-Potenzial bei maximal gut 5 Mrd. Euro (6% von 90 Mrd. Euro) in der „aggressiven“ Variante.

Klar, viel Geld. Aber um diese Summe einzuordnen: Seit 2015 sinkt auch der Zinsüberschuss deutscher Banken in der Größenordnung von rund 5 Mrd. Euro pro Jahr.  Die vermutlich nur über mehrere Jahre hinweg umsetzbaren Schließungen taugen demnach aktuell gerade einmal, um den durchschnittlichen Verlust an Zinsüberschüssen eines Jahres auszugleichen.

Und wie gesagt: Wir reden hier vom „aggressiven“ Szenario – das überdies Zeit bräuchte. 2015 bis 2017 schlossen die deutschen Banken im Schnitt nur knapp 6% ihrer Filialen jährlich. Entsprechend lange würde es dauern, 15% der Zweigstellen dicht zu machen.

Dabei, stellen die UBS-Analysten fest, ist das Kostensenkungspotenzial sehr ungleich verteilt. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken sei es zum Beispiel weit größer als bei den privaten Banken. Weil letztere bereits beherzt Filialen geschlossen haben.

Aber wie beherzt genau? Wie weit könnten  Deutsche Bank, Commerzbank, HVB und Co. noch gehen, wie viel haben sie bereits ausgeschöpft?

Dazu unterzogen die Analysten das komplette Filialnetz der privaten Banken einer genauen Standortanalyse anhand folgender Kriterien:

  • In welchem Ausmaß – gemessen an allen Zweigstellen – kanibalisieren sich die Filialen einer Bank gegenseitig, weil sie geografisch nah zueinander liegen?
  • Wie hoch ist die Wettbewerbsintensität, weil sich besonders viele Filiale unterschiedlicher Banken im gleichen Gebiet überlappen?
  • Wie groß ist die Reichweite insgesamt in verschiedenen Szenarien wie Laufnähe, fünf Minuten Anfahrt, zehn Minuten Anfahrt, 15 Minuten Anfahrt?
  • Wie gut ist die „demografische“ Qualität im Umfeld der bestehenden Filialen, gemessen an Kaufkraft in der unmittelbaren Umgebung, „Qualität“ der umliegenden Geschäfte, wirtschaftlicher Aktivität?

Dabei dürfte es sich um Kennziffern handeln, die auch in den Banken bei der Optimierung der Filialstrukturen so oder so ähnlich zum Einsatz kommen.

Um Sie nicht mit einem Zahlenfriedhof zu langweilen, hier die wesentlichen Erkenntnisse:

  • Das am besten optimierte Filialnetz weist der Studie zufolge die Deutsche Bank auf. Ihre Filialen adressieren einen sehr großen Markt (gemessen an der Erreichbarkeit innerhalb von 15 Fahrminuten), und einen höchst attraktiven obendrein (gemessen an der Kaufkraft im Umkreis von 15 Fahrminuten). Zudem kannibalisieren sich die Filialen kaum gegenseitig.
  • Auf Rang 2 folgt die Targobank, den Lesern von Finanz-Szene.de bereits als Renditemaschine bekannt. Hier loben die Analysten vor allem den niedrigen Kannibalisierungsgrad und die attraktiven Filialstandorte, auch wenn vor Ort dann die Wettbewerbsintensität hoch ist.
  • Die Santander hat ihre Filialen genau da, wo der Markt groß und attraktiv ist (aber der Wettbewerb auch immens ist) – quasi die Umkehrung der Postbank, die zwar nun in die Deutsche Bank integriert ist, aber eine eigene Marke bleibt.
  • Auf den hinteren Rängen unter insgesamt 6  Instituten, deren genauen Ergebnisse die Bank veröffentlich hat, fallen Commerzbank und die HVB auf. Vermutlich aufgrund ihres bereits vollzogenen Filialkahlschlags und ihrer historischen Strukturen mit Standorten vor allem in Süddeutschland und in/um Hamburg adressiert die HVB einen zu kleinen Markt. Das gilt mit Abstrichen auch für die Coba, wo die UBS weiterhin Kannibalisierungs-Tendenzen ausmacht. Kein Wunder: Die Bank unterhält immer noch bundesweit rund 1000 Filialen.

Wer kommt dem „perfekten“ Filialnetz nahe? (jeweils: Rangfolge, d.h. je niedriger die Zahl, desto besser)

geringer Wettbewerb rund um Filialen geringe Kannibali-sierungsgefahr d. Filialen Größe des Marktes * Attraktivität des Markts um Filialen ** Gesamtrang
Deutsche Bank 4 3 2 2 1
Targobank 5 1 3 3 2
Santander 6 6 1 1 3
Postbank 1 4 4 6 4
Commerzbank 2 5 5 4 5
HVB 3 2 6 5 5

* Maßstab: Bevölkerung, die Filiale innerhalb von 15 Autominuten erreichen kann

** Maßstab: Kaufkraft der Bevölkerung innerhalb von 15 Autominuten rund um Filialen

Quelle: UBS Research

Zwar veröffentlichte die Bank lediglich diese Ergebnisse detailliert.  Ehrenhalber erwähnt wird indes eine Bank, die eher selten im Rampenlicht steht: die Degussa Bank. Deren Fokus -ähnlich wie der der Santander – auf stark industrialisierte Regionen und große Städte sowie Mittelstands-Festungen sei vorteilhaft, während Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken sowohl bei Marktgrößen als auch Kannibalisierungen schlecht aussähen – was auch ihre teils wettbewerbsfreie Position in der Fläche nicht ausgleichen könne.

Bleibt natürlich die Frage: Für wen sind das gute Nachrichten und für wen schlechte?

Aus Sicht eines Filialmitarbeiters ist das Abschneiden der Deutschen Bank mit Blick auf die Optimierungsmöglichkeiten des Filialnetz vermutlich eine gute: Das Netz lässt sich kaum noch optimieren, ohne Risiken mit Blick auf die Märkte einzugehen, in denen die Filialen operieren. Denn, auch das stellt die UBS befragungsbasiert fest: Noch immer gingen 79% der Kunden für eine Anlageberatung und 74% der Kunden für die Beratung in Sachen eines Immobilienkredits in einer Filiale, auch wenn die Nutzung mobiler Angebote rasch voranschreite.

Aus Sicht eines Investors ist das gute Abschneiden der Deutschen Bank gleichwohl eine schlechte (und umgekehrt das der Commerzbank eine gute), zeigt es doch, dass die Deutsche Bank – anders als die Coba – kaum noch Möglichkeiten hat, über Schließungen den Überschuss ihrer Privatkundensparte signifikant zu erhöhen.

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Der weite Weg von #DK zum europäischen Payment-Scheme

Von Marcus Mosen*

Die „most disruptive news“ dieser Woche war für die Payment-Fans natürlich „Libra“. Dabei zog die neue Digitalwährung von Facebook derart viel Aufmerksamkeit auf sich, dass eine andere Neuigkeit fast unterging – nämlich der neue Monatsbericht der Bundesbank. Auf nicht weniger als 13 Seiten widmeten sich die Währungshüter den rasanten Veränderungen im globalen Zahlungsverkehr und kamen zu der Conclusio, „eine europäische Perspektive“ sei im Payment-Bereich „nicht nur eine Option, sondern ein Muss“.

Keine Frage: Das las sich wie eine Anschubhilfe für jenes Projekt, das seit einigen Woche unter dem Namen #DK die Runde macht – also für den Versuch der deutschen Banken und Sparkassen, ihre bestehenden Plattformen im „Card present“-Geschäft (Girocard) und im „Card non present“-Geschäft (Paydirekt, Giroypay) in ein neues System einzubringen. Und zwar möglichst zusammen mit den französischen Banken, um den Plänen im besten Fall eine europäische Perspektive zu geben.

Interessant ist nun, das „Libra“- und das #DK-Projekt einfach mal nebeneinander zu legen und festzustellen:

  • Das eine Projekt ist global, das andere zunächst nur national
  • Das eine Projekt wird getrieben von einem der großen internationalen Internetkonzerne, das andere von deutschen Banken bzw. deren Verbänden
  • Das eine Projekt strotzt vor Verwegenheit, das andere wirkt wie eine Verteidigungsmaßnahme
  • Das eine Projekt hat Supporter, die sich wie das „Who is who“ der weltweiten Plattform- und Payment-Ökonomie lesen (Uber, Booking, Spotify, Visa, Mastercard, Paypal, Stripe …), bei dem anderen weiß man noch nicht so recht, wer eigentlich mitmachen will

Das wirft die Frage auf: Haben Pläne wie #DK in Zeiten von „Libra“ überhaupt noch eine Chance, oder sollten sich die deutschen Banken nicht lieber auf andere Themen fokussieren?

Fangen wir von vorne an – mit einem „outside in“- Blick. Die Bundesbank konstatiert in ihrem Monatsbericht einen Wettbewerbsdruck auf die hiesigen Banken, ausgelöst durch die GAFAs (also durch Techkonzerne wie Google, Apple, Facebook, Amazon). Wie eingangs erwähnt, fordern die Notenbanker nun den Aufbau eines europäischen Gegengewichts – wobei zugleich festgehalten wird, dass etablierte und akzeptierte nationale Bezahlverfahren in einem europäischen System nicht untergehen sollen. Hier stellt sich dann doch die Frage, wie man das Dilemma lösen will, Lösungen wie der Girocard einen wenigstens europäischen Wirkungsgrad zu geben, ohne dass man bereit ist, bestehende Strukturen in Frage zu stellen.

Lassen Sie mich das kurz ausführen: Es gibt innerhalb (!) unserer nationalen Grenzen mehrere (!) Plattformen, die sich z.B. mit dem Processing von Debitkarten beschäftigen – eine Fragmentierung, die eher nicht zur Skalierung bestehender Strukturen beiträgt. Dabei erkennt die Bundesbank, dass es bei der Entwicklung neuer Lösungen um „Effizienzgewinne“ und ein „verbesserter Nutzenerlebnis“ geht. Die entscheidende Frage für ein europäisches Payment-Scheme sollte daher eigentlich sein, ob und welcher Nutzengewinn für die Kunden angestrebt wird? Hierzu ist Erhellendes allerdings weder im Monatsbericht noch in den bisherigen Veröffentlichungen zum #DK-Projekt zu erfahren.

Weiter ist dem Bundesbank-Bericht zu entnehmen, dass Mobile Payment inzwischen als etabliert und akzeptiert betrachtet wird. NFC, Smartphone und in-App-Payment werden als Key-Treiber der zunehmenden Veränderungen im Zahlungsverkehr beschrieben. Das ist ein durchaus unerwarteter Perspektiv-Wechsel. Denn wir erinnern uns: Lange Zeit haben sich entscheidende Stakeholder dem mobilen Bezahlen weitgehend verweigert –  sonst gäbe es heute schon flächendeckend Mobile-Payment-Lösungen von Banken und Sparkassen für alle Smartphones. Und nun ist plötzlich von „Lock-in-Effekten“ die Rede, die durch bekannte Mobile-Payment-Lösungen (gemeint sind vermutlich Apple Pay oder Google Pay) entstehen sollen.

Zugleich kommt die Bundesbank dann aber zu der Ableitung, mobiles Bezahlen biete bislang keine Mehrwerte zu den klassischen Payment-Verfahren bietet – eine gefährliche Fehleinschätzung. Frage ich zum Beispiel meine beiden erwachsenen Töchter (22 und 19), wie sie sich bequemes Bezahlen vorstellen, dann ist „mit dem Smartphone“ die ganz natürliche Antwort. Nach den Flashmobs und der Mobilisierung zu den „Fridays For Future“-Demos sollten wir begreifen, dass die nachkommenden Generationen dem Smartphone eine vollkommen andere, nämlich weitaus größere Bedeutung beimisst als diejenigen, die noch mit einem Nokia-Handy aufgewachsen sind.

Zudem fehlen sowohl im Bundesbank- als auch in den Berichten, die bislang über die #DK zu lesen waren auffälligerweise zwei Namen – nämlich Mastercard und Visa. Im sogenannten internationalen „Vier-Parteien-System“ aus 1.) Banken, 2.) Acquirern, 3.) Karteninhabern und 4.) Händlern sind diese beiden global bekannten Marken und ihre etablierten Processing-Standards die Kernpfeiler des Erfolgs. Ausgerechnet diese beiden Player (die übrigens, siehe oben, bei „Libra“ ganz selbstverständlich mit an Bord sind) aus den Überlegungen auszuklammern, obwohl es sich um zwei traditionell wichtige Partner von Banken und Sparkassen handelt … nun ja, das ist zumindest mutig.

Was es ebenfalls zu beachten gilt: Auch auf Akzeptanzseite gibt es zahlreiche große Payment-Dienstleister mit zumindest europäischer Dimension – etwa Worldline, Nets oder Ingenico. Auch sie würden in einem neuen europäischen Zahlungssystem gebraucht. Wie werden diese Player in ein solches System eingebunden? Denn letztlich sind es diese Firmen, die den Zugang zum Handel sicherstellen – sowohl am physischen Point of Sale als auch im Internet.

Oder ist die Idee, dass man für ein Instant-Payment-basiertes Scheme diese Service-Provider nicht mehr benötigt? Diesen Irrglauben hat man bei der Markteinführung von Paydirekt bereits mit Lehrgeld bezahlt. Denn nachdem die Banken eine Zeitlang versucht hatten, die damals neue Payment-Lösung über Filialen zu vertreiben, mussten sie feststellen, dass der klassische „Electronic-Banking-Berater“ nicht unbedingt prädestiniert für diese Aufgabe ist. Sondern dass es im Vertrieb ohne die Payment Service Provider nicht geht.

Bliebe noch die Frage, wie der Handel ein neues, aus dem #DK-Projekt hervorgehendes Scheme aufnehmen würde. Nach meiner Erfahrung geht es den Einzelhändlern primär seit jeher um Kostenreduzierung, nicht um „nationale Identität“. Wäre der Handel denn bereit, einen Beitrag zu einem weiteren Scheme zu leisten?

Was auffällt: Es haben sich fast die gleichen Banken zusammengetan wie vor zehn Jahren im Monnet-Projekt, um Instant Payment europaweit nach vorne zu bringen. Gibt’s den festen Willen, z.B. einen gemeinsamen Brand zu schaffen, damit die Kunden in den jeweiligen Ländern nicht überfordert werden? Oder anders gefragt, ist man bereit, nationale Produkte mit ihren individuellen Preismodellen auf europäischer Ebene zu harmonisieren?

Der bisherige Eindruck – also outside in – ist der, dass überwiegend auf einer technischen Ebene gesprochen wird. Mit dem technischen Feature von Echtzeit-Nachrichten zwischen Banken wird man jedoch kaum eine Vision entwickeln können, die den Endkunden emotional erreicht. Ein Begriff, der in den bisherigen Diskussionen noch nicht wirklich aufgetaucht ist, ist jedenfalls der des Ökosystems – dabei wäre doch die Entstehung eines neuen Ökosystems die Voraussetzung dafür, dass innovative Mehrwerte für Endkunden entstehen, die über Rabatte hinausgehen und insbesondere ein Mehr an „Smart Data“-Nutzungsmöglichkeiten voraussetzen. In einem echten Ökosystem wäre Payment nur ein Additiv.

Wenn denn also eine europäische Paymentlösung angestrebt wird, dann müssen die handelnden Akteure auch bereit sein, ausgetreten Pfade in der Entwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zu verlassen. Diese Bereitschaft wäre in einem sehr kurzen Zeitfenster mit allen Stakeholdern abzustimmen und umzusetzen. Doch wer koordiniert einen solchen Prozess? Wer orchestriert oder moderiert ihn? Damit am Ende mehr als ein“Letter of intent“ herauskommt, muss es einen klaren Prozess, Verantwortliche und Deadlines geben. Und zwar übergreifend zwischen den verschiedenen Initiativen.

Um in der Zwischenzeit nicht den Anschluss an die neuen Themen zu verliert, sollte man sich im Interesse der Kunden nicht gegenüber den etablierten Mobile-Payment-Lösungen verschließen. Denn manchmal kann es sinnvoller sein zuzulassen, dass sich Erträge kannibalisieren, um damit neue Erträge zu generieren. Und vielleicht finden sich – last, but not least – in der Deutschen Kreditwirtschaft (#DK) noch 10 Mio. Dollar, um bei der Libra Association und Herrn Zuckerberg mit am Tisch sitzen zu dürfen.

* Marcus Mosen ist Ex-CEO von Concardis, Business Angel, Berater und einer der führenden deutschen Payment-Experten

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