Springer-Konzern steigt mit Robo Advisor ins Bankgeschäft ein

Von Heinz-Roger Dohms

Der Hype um die Robo Advisor hatte zuletzt ein bisschen nachgelassen: Die Assets under Management entwickelten sich bei den vielen Anbietern langsamer als erhofft; die Performance ließ teilweise zu wünschen übrig; und manche Banken machten ihre Robos sogar schon wieder dicht.

Nun allerdings könnte in den Markt für digitale Vermögensverwaltung plötzlich wieder ein bisschen Bewegung kommen. Denn: Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ und „Startupdetector.de“ ist der Axel-Springer-Konzern beim vor wenigen Monaten gestarteten Robo Advisor „Oskar.de“ eingestiegen. Wie aus Handelsregister-Daten hervorgeht, hat sich der Medienkonzern über seine Tochter „Finanzen.net“ satte 44,4 % der Anteile gesichert und ist damit nun mit weitem Abstand größter Gesellschafter.

Der Einstieg von Axel Springer ins Bankgeschäft kommt für Branchenkenner nicht überraschend. So hatte Finanz-Szene.de anlässlich des Starts von „Oskar“ Anfang März bereits die Mutmaßung geäußert, dass hinter dem in Karlsruhe ansässigen Startup in Wirklichkeit der Berliner Medien-Gigant stehen könnte. Weil …

  • erstes Indiz: Die Gründer von „Oskar“ sind Jens Ohr und Peter Schille, die einst auch „Finanzen.net“ gegründet und das extrem reichweitenstarke Finanzportal später dann an Springer verkauft hatten.
  • Und, zweites Indiz: „Oskar“ war bei „Finanzen.net“ (also: bei Springer) gleich zum Launch-Termin ordentlich gepusht worden.

Gleichwohl hatte Jens Ohr seinerzeit im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“ betont, Springer sei an dem Robo-Projekt nicht direkt beteiligt.

Das hat sich nun geändert. Nun die Motive von Springer dürften auf der Hand liegen: Mit laut AGOF-Zahlen zuletzt rund 4 Mio. Unique Usern im Mai gilt „Finanzen.net“ als eines der, wenn nicht sogar als das reichweitenstärkste B2C-Portal im Finanzbereich. Mit dem eigenen Robo Advisor hat Springer nun die Möglichkeit, den Traffic seines Portals nicht mehr nur indirekt (z.B. über Werbung) zu Geld zu machen, sondern die User gleich aufs eigene Produkt zu lenken.

Gänzlich neu ist diese Strategie freilich nicht. Vergleichsportale wie Check24 oder Smava schleusen in ihre Kreditvergleiche inzwischen auch eigene Angebote ein – werden also vom Produktvermittler zum Produktanbieter. Im Grund ist das nichts anderes als das, was Springer jetzt mit „Oskar“ macht. Was man zudem wissen muss: Zwischen der deutschen Fintech-Branche (der man ja auch „Oskar“ zurechnen darf) und der deutschen Medienbranche gibt es zahlreiche Verflechtungen:

  • Springer selbst zum Bespiel kaufte sich 2016 über seine Tochter „Welt N24“ beim Frankfurter Versicherungs-Fintech Clark ein, und zwar in Form eines „Media for Equity“-Deals. Das heißt: Es floss kein Geld, sondern „Welt N24“ zahlte seine Anteile in Form von Werbeleistungen.
  • ProSieben Sat1 sicherte sich mittels „Media for Equity“ in den letzten Jahren Anteile an gleich mehreren Fintechs – darunter Auxmoney.
  • Auch der Holtzbrinck-Verlag, der unter anderem das „Handelsblatt“ herausgibt, mischt in der Fintech-Branche kräftig mit – nämlich über seine Venture-Capital-Gesellschaft „DvH Ventures“, die unter anderem am Düsseldorfer KMU-Kreditvermitter Compeon beteiligt ist
  • Als der Hamburger Kreditvergleicher „Finanzcheck“ vergangenes Jahr seinen rund 270 Mio. Euro schweren Exit hinlegte, gehörte zu den größten Profiteuren der NWZ-Verlag (der die überschaubar berühmte Nordwest-Zeitung herausgibt).
  • Und wenn unsere Finanz-Szene.de-Datenbank keinen völligen Murks erzählt, dann müsste wiederum Axel Springer immer noch mit in diesem Fall sehr, sehr hübschen 0,74% am Berliner Milliarden-Fintech N26 beteiligt sein (weil nämlich N26 in ganz jungen Jahren mal den „Axel Springer Plug and Play“-Accelerator durchlaufen hat).

Jedenfalls: Dass Medienunternehmen laut PwC-Daten per Sommer 2018 der (gemessen an der Zahl der Beteiligung) größte deutsche Fintech-Investor hinter den Banken (und noch vor den Versicherern) waren, kommt so gesehen weniger überraschend, als es auf den ersten Blick scheint. Wobei es jüngst aber auch einen Fall zu bestaunen gab, bei dem sich ein großer Finanzkonzern ein Finanzportal sicherte. „Finanzen.de“ (nicht zu verwechseln mit „finanzen.net“ steht nämlich kurz vor der Übernahme durch die Allianz.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Die Coba-Kunden brauchen echte Hilfe – keinen virtuellen Support

Von Christian Kirchbner

Bei der Commerzbank hat es vergangenen Montag eine IT-Panne gegeben – so weit, so harmlos, könnte man denken. Schließlich hat sich die Bank taggleich dazu entschieden, die Störung als „behoben“ zu etikettieren (was diese erwiesenermaßen nicht war und übrigens immer noch nicht ist).  Und: Sind IT-Pannen bei Banken nicht fast an der Tagesordnung?

Mag sein. „Panne“ oder „Störungen“ sind allerdings zu harmlose Bezeichnungen für das, was passiert ist. Es handelt sich um nicht weniger als eine Peinlichkeit für das Frankfurter Institut, deren Folgen die Kunden – nicht die Bank – ausbaden müssen.

Denn die ausgehenden Zahlungen von betroffenen Commerzbank-Konten hat die Bank inzwischen nach eigenen Angaben nachgebucht. Im Hinblick auf all das, was „von außen“ in den ersten gut acht Stunden des Montags bei den betroffenen Konten passiert ist – eingehende Gehälter, Mieten, Wohn- und Pflegegelder, aber auch Lastschriften-Abbuchungen und Belastungen aus Abhebungen – war die Bank offenbar blind und taub. Und das zur „Rush Hour“des monatlichen Zahlungsverkehrs, nämlich dem ersten Werktag eines Monats nach einem Wochenende. Die Commerzbank war und ist nun darauf angewiesen, dass eigene Kunden und andere Banken Fehler bemerken, „nacharbeiten“, Überweisungen erneut aufgeben, Lastschriften nochmals einziehen.

Die Frage sei erlaubt: Wie ist das technisch überhaupt möglich? Wie kann eine Bank bei einer unbekannten Zahl von Konten über mehr als acht Stunden „abgeklemmt“ sein? Müsste hier nicht, auch unter den Augen der Finanzaufsicht, mit mehrfachen Sicherheiten gearbeitet werden, die es der Bank erlauben, exakt nachzuvollziehen, bei welchen Kunden Eingänge und Lastschriften fehlen und diese individuell anschreiben? Wieso nennt die Bank die Zahl der betroffenen Kunden und Konten nicht?

In der Praxis dürften selbst heute, gut eine Woche später, nicht einmal alle tatsächlich betroffenen Kunden überhaupt erfahren haben, dass sie Teil der Panne sind. Weil sie keine Eingänge vermissen, nur selten ihre Konten prüfen oder noch keine Nachricht von Unternehmen über geplatzte Lastschriften haben. Was hierzu erheblich beigetragen hat: Die Commerzbank wie auch die Tochter Comdirect haben lediglich mit Infokästen in ihrem Portal und über Social Media zur Panne mit ihren Kunden aktiv kommuniziert.

Die Konsequenzen für einige der betroffenen Kunden sind vielfältig und gut nachlesbar in den  sozialen Medien: Sie geraten in Schwierigkeiten, weil Lastschriften nicht einlösbar waren. Sie hatten Probleme, Geld abzuheben für die nötigste Lebenshaltung, weil Geldeingänge fehlten. Sie müssen als Firmenkunden ihren Kunden nachlaufen und können sich nicht sicher sein, ob ein Kunde einen Bezahlversuch unternommen hat. Die ersten Klagen über kostenpflichtige Rückbuchungen tauchen auf (welche die Commerzbank ankündigt, zu ersetzen).

Das mag sich teils technisch hören. Doch auf einem Girokonto des nach Einkommen ärmsten Fünftels der Bevölkerung liegen laute Bundesbank-Daten im Schnitt 500 Euro, beim nächsten Fünftels sind es im Schnitt 1000 Euro, und selbst in der „Mitte“ – jenen Haushalten mit einem Haushalteinkommen zwischen 20 Prozent unter und 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt – befinden sich nur durchschnittlich  1500 Euro auf dem Girokonto. In diesen Dimensionen wird ein partieller Gedächtnisverlust der Hausbank bei Eingängen und Lastschriften schnell existenziell, wenn Zahlungsaus- und Eingänge tagelang klemmen.

Die Commerzbank muss sagen, was genau passiert ist, sie muss betroffene Kunden rasch und unbürokratisch unterstützen – und der Vorstand  wäre gute beraten, sich bei den Kunden öffentlich entschuldigen. Sich stattdessen hinter abstrakten Erklärungen und „Social Media Support“ zu verschanzen, zeugt nicht von Souveränität, sondern dem Versuch, das Problem klein zu halten. Das ist einer Bank dieser Größe, die sich gern ihrer Fortschritte in der Digitalisierung rühmt, nicht angemessen.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!