Wie die Coba-Kunden über Pfingsten an ihrer Bank verzweifelten

Von Christian Kirchner

Wir schreiben Montag, den 10. Juni 2019, 22:32 Uhr. Das heißt, seitdem das klitzekleine IT-Problemchen bei der Commerzbank nach Institutsangaben „behoben“ wurde, sind jetzt 7 Tage, 12 Stunden und 2 Minuten vergangen.

Komischerweise merken viele Kunden von dieser „Behebung“ aber immer noch nichts. Denn entweder werden die Social-Media-Kanäle der Commerzbank von russischen Bot-Armeen gestürmt. Oder aber – was uns aufgrund der Muster der Probleme plausibler vorkommt – das Problem ist immer noch nicht vollständig gelöst, und die Folgen treten erst peu au peu zu Tage bei Kunden. Auch wenn bei einigen Kunden Scheinkausalitäten ins Spiel kommen dürften und nicht etwa die Panne, sondern echte persönliche Dispositionen das Problem sind.

Darum hier eine kleine Collage, was Commerzbank-Kunden übers lange Pfingstwochenende seit Freitag so alles erlebt und gepostet haben – Quellen sind die Facebook-Präsenz der Commerzbank, der Kurznachrichtendienst Twitter, das Portal Allestörungen, sowie der Blog von Finanztip. 

 

 

 

 

   

Auf einen Blick: Alle Identity-Startups im Finanzbereich

Von Heinz-Roger Dohms

An unserem Blogger-Kollegen Ralf Keuper schätzen wir sehr vieles – vor allem aber die Artikel, in denen er regelmäßig das Spannungsfeld zwischen Banking, Fintech und Identity (und damit viele spannende Startups wie Verimi, Yes, Authada oder Coronic) beleuchtet. Ende Mai hat Keuper sein geballtes Wissen zu einer Studie mit dem Titel „Identity-Ökosystems Deutschland“ zusammengefasst. Um es kurz zu machen:

Und bei uns finden Sie – selbstverständlich mit freundlicher Genehmigung des Kollegen – einen Überblick über (so denken wir jedenfalls) sämtliche relevanten deutschen Identity-Startups mir direktem Bezug zur Finanzbranche. Voilà:

Identity as a Service

Name Geschäftsmodell Technologie Zielkunden Verifizierte Identitäten
Authenteq B2B2C, KYC Blockchain, Biometrie, Künstliche Intelligenz Banken, Versicherungen, Handel, Telkos Ja
IDnow B2B2C Video-Ident, Künstliche Intelligenz, Biometrie Banken, Versicherungen Ja
Authada B2B2C/KYC eID, Kryptografie, Voice, Digital Signature/QES Handel, Finanzdienstl. Öffentliche Verwaltungen Ja
WebID Solutions B2B2C Video-Ident, Künstliche Intelligenz, Biometrie Banken, Versicherungen, Fintech-Startups Ja
Nect B2B2C Biometrie, Hologramm-Überprüfung, Künstliche Intelligenz, Selfie-Ident Versicherungen Nein
Hanko B2B2C Passwortlose Authentifiz., Biometrie E-Commerce, Banken, Gesundheit Nein

Blockchain

Name Geschäftsmodell Technologie Zielkunden Verifizierte Identitäten
Blockchain Helix B2B2C/KYC Blockchain, SSI Handel, Finanzdienstl., Telkos, Industrie Ja
Taqanu B2B2C, KYC Blockchain (public), Attestation Network (Abacus Fabric), Mobile Application Banken, Versicherungen, Öffentliche Verwaltungen, Soziale Einrichtungen Ja

Single Sign-On

Name Geschäftsmodell Technologie Zielkunden Verifizierte Identitäten
Verimi B2B2C, KYC, SSO Cloud, Kryptografie, WebID Solutions, Nexus, Signicat Unternehmen, Banken, Handel, Öffentliche Verwaltungen Ja
Yes B2B CAS (Fiducia & GAD IT AG) Genobanken, Sparkassen Ja

Security /IAM

Name Geschäftsmodell Technologie Zielkunden Verifizierte Identitäten
Coronic B2B2C Biometrie, Sprachsteuerung, Kryptografie Banken Nein
Cryptovision B2B2C Smart Card, PKI, Digital Signature, Kryptografie, eID Militär, Banken, Industrie, Handel Nein

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Sparkasse Köln-Bonn: Bilanz-Akrobatik oder Bilanz-Drama?

Von Heinz-Roger Dohms und Thomas Borgwerth

Als die Sparkasse Köln-Bonn im März ihre jährliche Bilanz-Pressekonferenz abhielt, ging es  – wenn man den einschlägigen regionalen Medien glauben darf – um Zahlen eher am Rande.

  • „Ungewohnt leger trat der Vorstand der Sparkasse Köln-Bonn vor die Presse, um das Zahlenwerk für das abgelaufene Jahr zu präsentieren“, begann zum Beispiel der „Bonner General-Anzeiger“ seinen Bericht. „Die drei Herren im Vorstand hatten ihre Krawatten zu Hause gelassen.“
  • Nicht minder beeindruckt zeigte sich die „Westdeutschen Zeitung“: „Der Vorstand selbst erschien zur Bilanzpressekonferenz komplett ohne Krawatte.“
  • Und den Kölner Stadt-Anzeiger trieb die Sache offenbar derart um, dass er dem Thema sogar Wochen später noch mal ein großes Interview mit Vorstandschef Ulrich Voigt widmete. Titel: „Krawatten stellen Distanz her“.

Schön, dass es in Zeiten der Zinskrise noch Sparkassen gibt, die keine anderen Probleme haben als den Dresscode ihrer Manager. Wobei: Hat die Sparkasse Köln-Bonn wirklich keine anderen Problemen?

Wir von Finanz -Szene.de jedenfalls waren so frei, die Krawatte des Herrn Voigt einfach die Krawatte des Herrn Voigt sein zu lassen. Dafür haben wir uns die Tage mal den 2018er-Abschluss der Voigt’schen Sparkasse heruntergeladen. Der ist nämlich mittlerweile online verfügbar.

Dann haben wir auch noch die Abschlüsse der Jahre 2014 bis 2017 heruntergeladen bzw. aus dem Bundesanzeiger gezogen. Wodurch es uns möglich war, einfach mal ein paar Zeitreihen zu erstellen. Und ohne das Ergebnis unserer Analyse jetzt schon vorwegnehmen zu wollen: Kann es sein, dass der zweitgrößten deutschen Sparkasse unter dem Eindruck von niedrigen Zinsen und hohen Kosten die GuV zu implodieren droht?

Hier unsere Analyse:

I.) Der Zinsüberschuss der SK Köln-Bonn seit 2014 in Mio. Euro

Die Sparkasse KölnBonn (Bilanzsumme: 27 Mrd. Euro) hat also in nur fünf Jahren knapp ein Fünftel ihres Zinsergebnisses verloren (wohlgemerkt: Wir reden hier nicht vom Zinsertrag, sondern vom Saldo aus Ertrag und Aufwand).

Zur Einordnung: Im Sparkassen-Sektor insgesamt fiel das Zinsergebnis laut Bundesbank von 2014 bis 2017 (aktuellere Zahlen gibt es noch keine) um 9%. Und bei der größten deutschen Sparkasse, also der Haspa aus Hamburg, sank es zwischen 2014 und 2018 nicht etwa, sondern stieg sogar um 5% (wobei wir jetzt mal offen lassen, wie unsere geliebte Haspa das schon wieder angestellt hat).

II.) Die Personalkosten der SK Köln-Bonn seit 2014 in Mio. Euro

Lassen sich die Kosten zumindest mit Verzug ähnlich stark drücken, wie der Zinsüberschuss momentan wegbröckelt? Diese (Überlebens-)Frage stellen sich momentan sehr viele deutsche Sparkassen. Bei der Sparkasse Köln-Bonn fällt (wir werden hierauf später noch genauer eingehen) zunächst einmal auf: Zwischen 2014 und 2018 ist der Personalaufwand gestiegen statt gesunken – und zwar um pittoreske 22%.

III.) Die bankoriginären Gewinne der SK Köln-Bonn

2014 2015 2016 2017 2018
Zinsüberschuss 435 421 402 386 354
Provisionsüberschuss 153 155 155 161 166
Laufende Erträge 38 14 13 27 15
Summe Erträge 626 590 571 574 534
Personalaufwand 252 264 260 298 307
andere Verwaltungsaufw. 176 179 177 173 164
Summe Aufwendungen 428 443 437 471 470
Ertrag nach V-Aufwend. 198 147 134 103 64
AfA Sachanlagen und imm. Verm. 12 16 14 11 10
Wertberichtig. Kredit 69 51 34 36 55
Bankoriginäres Ergebnis 118 80 85 56 -1

Zunächst einmal: Was ist ein bankoriginäres Ergebnis? Nun ja, die Kennziffer haben wir erfunden. Eigentlich wollten wir schauen, wie sich der Einbruch des Zinsüberschusses und die Explosion des Personalaufwands auf das operative Ergebnis auswirken. Weil nun aber das operative Ergebnis der Sparkasse Köln von surrealen „sonstigen betrieblichen Erträgen“ geprägt wird (auch dazu gleich mehr), mussten wir das operative Ergebnis erst einmal um ebendiese „sonstigen betrieblichen Erträge“ bereinigen. Und das Ergebnis dieser Rechnung haben wir halt „bankoriginäres Ergebnis“ genannt, weil es das Bankgeschäft im engeren Sinne umfasst.

Jedenfalls, was kommt dann herum? Einen dramatisch anmutenden Rückgang von 118 Mio. Euro auf einen leicht negativen Betrag 2018.

IV.) Das sonstige betriebliche Ergebnis der SK Köln-Bonn in Mio. Euro

Haben Sie so etwas schon mal gesehen? Wir nicht. Das ganze entsteht so: Die Sparkasse Köln-Bonn kommt  gewohnheitsrechtlich auf irrsinnig hohe „sonstige betriebliche Erträge“, denen jedoch zugleich auch erstaunlich massige „sonstige betriebliche Aufwendungen“ gegenüberstehen. In der Vergangenheit neutralisierten sich diese beiden Posten mehr oder weniger (zumindest taten sie das in den Jahren 2014, 2016 und 2017).

Im letzten Jahr allerdings schossen die ohnehin üppigen Erträge noch einmal in die Höhen – während die Aufwendungen urplötzlich sanken. Saldiert kam, siehe Grafik, ein „sonstiges betriebliches Ergebnis“ von 83 Mio. Euro heraus – genug, um den dramatisch anmutenden Einbruch des „bankoriginären Ergebnisses“ wirkungsvoll zu übertünchen.

V.) Die Bilanz-Akrobatik der SK Köln-Bonn

Warum treten die Vorstände der SK Köln-Bonn mit ihrer Bilanz eigentlich nicht bei Roncalli auf? Weil, erstens: Bei Roncalli herrscht, soweit wir wissen, keine Krawattenpflicht. Passt also. Und zweitens: Das wär‘ echt mal ’ne Nummer!

Es geht schon los damit, dass die Kölner Sparkasse ausweislich ihres Geschäftsberichts einer der größten Vermieter des gesamten Rheinlands zu sein scheint. Zugleich müsste sie aber, sofern wir den rheinischen Immobilienmarkt jetzt nicht völlig unterschätzen, auch einer der größten Mieter sein (alle Zahlen in Mio. Euro, gerundet):

2014 2015 2016 2017 2018
Mieterträge 58 54 53 50 46
Mietaufwendungen 53 52 53 47 46
Saldo 5 2 1 3 0

Es kommt aber noch doller: Seit Jahren schwellen die sogenannten „sonstigen Rückstellungen“ der SK Köln-Bonn scheinbar besorgniserregend an …

2014 2015 2016 2017 2018
Sonstige Rückstellungen 235 236 250 256 265

… während dieselbe SK Köln-Bonn zugleich aber problemlos in der Lage ist, Jahr für Jahr immense Rückstellungen aufzulösen. Woher die kommen? Wenn wir’s richtig verstehen, wähnen sich die furchterfüllten rheinischen Sparkässler immensen Rechtsrisiken ausgesetzt – stellen dann aber am Jahresende gern mal fest, dass es so schlimm dann doch nicht gekommen ist (mehr dazu lesen Sie hier in der Stellungnahme der Sparkasse bei der Antwort auf Frage 3).

2014 2015 2016 2017 2018
Auflösung Rückstellungen 46 42 20 35 51


Ahhhh… 
Jedenfalls: Wie man in der Grafik zu „Kapitel I.“ sieht, betrugen die sonstigen betrieblichen Erträge der Köln-Bonner Sparkasse im vergangenen Jahr exorbitante 180 Mio. Euro (nebenbei bemerkt: Das war mehr als das Provisionsergebnis). Hiervon entfielen, wie gezeigt, 46 Mio. Euro auf Mieterträge und 51 Mio. Euro auf die Auflösung von Rückstellungen. Was findet sich sonst noch im Geschäftsbericht?

  • Da hat jemand einen hübschen Einmalertrag mit dem Verkauf einer Immobilie erzielt. Brachte nach unseren Berechnungen 22,5 Mio. Euro.
  • Und dann ist da die Rede von der „erfolgswirksamen Vereinnahmung von über mehrere Jahrzehnte umsatzlosen Sparkonten in Höhe von 17,5 Mio. Euro“. Die Sparkasse hat also Kundeneinlagen, sagen wir: im öffentlich-rechtlichen Sinne sozialisiert. Aber natürlich nicht, ohne das Geld einmal durch die GuV laufen zu lassen.
  • Schließlich gab es noch Erträge aus „Fremdwährungs-Umrechnungen“ in Höhe von 5 Mio. Euro

Bleiben aber (180 minus 46 minus 51 minus 22,5 minus 17,5 minus 5) immer noch „sonstige betriebliche“ Erträge in Höhe von rund etwa 38 Mio. Euro.

Conclusio

Haben wir es bei den Zahlen der Sparkasse Köln-Bonn lediglich mit Bilanz-Akrobatik zu tun? Oder verbirgt sich dahinter womöglich ein kleines Bilanz-Drama?

Was hierzu ganz grundsätzlich gesagt werden muss: Am vergangenen Donnerstag haben wir vormittags unsere Fragen an die Sparkasse Köln-Bonn geschickt, versehen mit der Bitte, uns die Fragen nach Möglichkeit bis Freitagabend zu beantworten. Und was hat die Sparkasse Köln-Bonn gemacht? Sie hat die Fragen tatsächlich beantwortet, fristgerecht, ausführlich und (soweit man hiervon bei komplexen Bilanzfragen überhaupt sprechen kann) verständlich. Dafür herzlichen Dank. Denn so ein sauberes und transparentes Vorgehen ist nicht selbstverständlich, wenn eine erkennbar kritische Berichtserstattung ins Haus steht.

Wer möchte, kann die Fragen und Antworten hier komplett und unbehandelt nachlesen.

Zusammengefasst betont die SK Köln-Bonn zwei Punkte:

  1. Wir hatten (siehe ganz oben: der Rückgang von 118 Mio. Euro auf minus 1 Mio. Euro) in unserem Fragenkatalog die Mutmaßung geäußert, das operative Ergebnis der Sparkasse sei „dramatisch“ zurückgegangen. Dem wird in Köln „explizit“ widersprochen.
  2. Als Begründung führt die Sparkasse an, dass das, was wir als „bankoriginäres Ergebnis“ beschrieben haben, für die Betrachtung „nicht sachgerecht“ sei. Weil: Diese Kennzahl lasse“wichtige Teilaspekte der Geschäftstätigkeit außer Acht“.

Konkret:

  • Zum einen verweist die Sparkasse darauf, dass 2017 und 2018 „wesentliche Rückstellungen für strategische Initiativen“ gebildet wurden (womit vor allem das Thema Personalabbau gemeint ist). Diese Belastungen würden gemäß HGB dem Personalaufwand zugeschlagen, obwohl sie kein operatives Ergebnis darstellten. Heißt mit anderen Worten: Der von uns konstatierte Einbruch des „bankoriginären Ergebnisses“ ist laut Sparkasse z.T. auf einen Einmaleffekt zurückzuführen (was plausibel klingt, wenn man bei der Grafik in „Kapitel II“ darauf achtet, wie deutlich der Personalaufwand 2017 und 2018 über dem der Vorjahre liegt).
  • Zum zweiten verweist die Sparkasse auf „definierte Leistungspakete“, die an Tochtergesellschaften ausgelagert“ worden seien. Die Personalkosten hierfür fänden sich im Personalaufwand wieder (reduzierten also wiederum das, was wir „bankoriginäres Ergebnis“ nennen). Die Erstattungen indes, die im Gegenzug von den Tochtergesellschaften an die Sparkassen flossen, seien unter den „sonstigen betrieblichen Erträgen“ verbucht worden (weshalb sie sich nicht in unserem „bankoriginären Ergebnis“ finden). Auch das klingt grundsätzlich plausibel.

Exakt quantifizieren will die Sparkasse Köln-Bonn die einzelnen Effekte nicht. Nur soviel: Bei den Personalrückstellungen gehe es um einen „nennenswerten zweistelligen Millionenbetrag“. Zudem wird in der Antwort auf die Fragen von Finanz-Szene.de auf ein „Betriebsvergleichs-Schema“ verwiesen, mit dem sich das 2018er-Ergebnis – platt gesagt – besser mit denen der Vorjahre vergleichen lasse, als wenn man das HGB-Ergebnis heranzöge. Laut diesem Schema hat die Sparkasse im vergangenen Jahr ein Vorsteuerergebnis von 60 Mio. Euro erzielt – im Vergleich zum Ergebnis von vor fünf Jahren (104 Mio. Euro) ist das ein Minus von lediglich 42%. Auch nicht schön. Aber eben auch nicht dramatisch.

Geben diese 60 Mio. Euro (in denen positive Einmaleffekte wie der Verkauf der Immobilie oder die Vereinnahmung der Uralt-Einlagen ja drin sind ?) die tatsächliche Lage der Köln-Bonner Sparkasse realistischer wieder als unser „bankoriginäres Ergebnis“ in Höhe von minus 1 Mio. Euro?

Wir können es nicht mit abschließender Sicherheit sagen. Vielleicht liegt die Wahrheit ja irgendwo in der Mitte.

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Die Antworten der Sparkasse Köln-Bonn auf unsere Fragen

Von Heinz-Roger Dohms

Im unserem Artikel „Sparkasse Köln-Bonn: Bilanz-Akrobatik oder Bilanz-Drama?“ beschreiben wir, wie sich das Ergebnis der zweigrößten deutschen Sparkasse zwischen 2014 und 2018 massiv verschlechtert hat. Ist die Entwicklung dramatisch, oder ist sie es nicht? Und wie haben wir gerechnet, wie rechnet die Sparkasse Köln-Bonn selbst?

Finden Sie hier – damit beide Sichtweisen umfänglich wiedergegeben werden – unsere Fragen und die Antworten der Sparkasse Köln-Bonn:

Unsere Fragen

Wir haben eine Analyse der Bilanz der SK Köln-Bonn vorgenommen  und wollen über die Ergebnisse in unserer Ausgabe nächsten Dienstag berichten. Die Kernerkenntnis ist unsererseits, dass das operative Ergebnis aus dem Kerngeschäft seit 2014 dramatisch zurückgegangen ist, nämlich von 118 Mio. Euro auf minus 1 Mio Euro. [nachträgliche Anm.: Die entsprechende Tabelle findet sich hier] Konkret haben wir nun folgende Fragen:

Frage 1: Haben wir uns an irgendeiner Stelle verrechnet bzw. widersprechen siehe dieser Kernerkenntnis?
Frage 2: Wie setzen sich die sonstigen betrieblichen Erträge (zuletzt 179,5 Mio. Euro) zusammen? Enthalten sind [nachträgliche Anm.: neben Mieterträgen und der Auflösung von Rückstellungen] rund 17 Mio. Euro aus der Vereinnahmung alter Sparkonten und und 22 Mio. Euro aus dem Verkauf der Immobilie in Bonn. Frage: Wo kommen die übrigen rund 40 Mio. Euro her?
Frage 3: Die sonstigen Rückstellungen schwellen von Jahr zu Jahr an, zugleich lösen Sie aber seit Jahren in großen Umfang Rückstellungen auf. Was hat es damit auf sich? Weil: Von außen sieht es eindeutig so aus, als würden Sie sozusagen Rückstellungen nur bilden, um so bald darauf auflösen zu können.
Frage 4: Die Bildung sonstiger Rückstellungen muss ja „irgendwo“ Aufwand verursachen. Würden Sie uns verraten, wo? Findet sich das in den „anderen Verwaltungsaufwendungen“? Oder in den „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“? Oder steht das in irgendeiner Form in Zusammenhang mit dem Heben stiller Reserven?
Frage 5: Welche Rolle spielt die Bildung/Auflösung stiller Reserven generell in Ihrer Bilanz in den vergangenen Jahren?

Die Antworten der Sparkasse Köln-Bonn

Frage 1:

Ihre Analysen basieren auf den HGB-Bilanzen der Sparkasse KölnBonn. Die von Ihnen entwickelte Kennzahl „operatives Ergebnis vor sonstigen betrieblichen Erträgen und Aufwendungen“ [nachträgliche Anm.: Hierbei handelt es sich um jene Kenngröße, die im Finanz-Szene.de-Artikel „bankoriginäres Ergebnis“ genannt wird] halten wir für nicht sachgerecht, da sie Teilaspekte der Geschäftstätigkeit außer Acht lässt.

Das HGB-Schema verwendet explizit die Begriffe „Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit“ und „außerordentliche Erträge / Aufwendungen“. Wenn das HGB-Schema herangezogen wird, müsste zumindest auf diese Positionen abgestellt werden.

Die Entwicklung der normalen Geschäftstätigkeit (HGB) stellt sich in der Sparkasse KölnBonn wie folgt dar (unter Berücksichtigung der Zuführungen zum Fonds für allgemeine Bankrisiken nach § 340 g HGB):

2014 2015 2016 2017 2018
Zuführungen 340g HGB 35 15 8 15 20
Ergebnis d. norm. Geschäftstätigkeit 90 102 73 45 61

Wir halten jedoch insbesondere zu Zwecken einer sachgerechten periodischen Unterscheidung von operativem und außerordentlichem Ergebnis die Verwendung des sogenannten „Betriebsvergleichsschemas“ für angemessener.

Dies wird an folgenden zwei Beispielen deutlich:

Beispiel 1: In den Jahresabschlüssen 2017 und 2018 hat die Sparkasse KölnBonn wesentliche Rückstellungen für strategische Initiativen, insbesondere für eine in 2017 avisierte weitere planmäßige Personalreduktion, gebildet. Diese Rückstellungen werden gemäß HGB dem Personalaufwand zugeordnet, obwohl sie kein operatives Ergebnis darstellen. Im Betriebsvergleichsschema erfolgt dagegen sachadäquat ein Ausweis im neutralen Ergebnis.

Beispiel 2: Die Sparkasse KölnBonn hat aus Effizienzgründen definierte Leistungspakete an Tochtergesellschaften ausgelagert. Zur Erfüllung der Aufgaben werden Sparkassenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter an die Tochtergesellschaften abgestellt. Die Personalkosten für diese Beschäftigten finden sich im Personalaufwand der Sparkasse wieder. Auch die Erstattungen der Tochtergesellschaften an die Sparkasse sind Bestandteil des operativen Geschäftes. Gemäß HGB erfolgt jedoch ein Ausweis unter den sonstigen betrieblichen Erträgen. Gemäß Betriebsvergleichsschema reduzieren diese Erstattungen dagegen sachgerecht den Personalaufwand.

Zur Abbildung eines aussagekräftigen operativen Ergebnisses publizieren und steuern die Sparkassen ihre Jahresabschlusszahlen daher seit Jahren branchenweit in Form des Betriebsvergleichsschemas. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf die Stellungnahme des DSGV im Zuge Ihrer Berichterstattung vom 15.03.2019.

Das Ergebnis vor Steuern sowie das Jahresergebnis nach HGB und Betriebsvergleich können übergeleitet werden. Entsprechende Gegenüberstellungen werden in der Sparkasse KölnBonn für jeden Jahresabschluss erstellt.

Die Entwicklungen der Ergebnisse der Sparkasse KölnBonn nach Betriebsvergleichsschema stellen sich wie folgt dar:

2014 2015 2016 2017 2018
Ergebnis nach Bewertung 113 87 88 76 66
Neutrales Ergebnis -9 14 -16 -32 -6
Ergebnis vor Steuern 104 101 72 44 60

Unabhängig von der Darstellungsart hat sich das Ergebnis aus dem Kerngeschäft der Sparkasse seit 2014 rückläufig entwickelt, es liegt aber weiterhin auf einem soliden Niveau. Von daher widersprechen wir explizit ihrer „Kernerkenntnis“, dass das operative Ergebnis aus dem Kerngeschäft seit 2014 dramatisch zurückgegangen sei.

Maßgeblich ist dies branchenweit auf die Niedrigzinspolitik der europäischen Zentralbank zurückzuführen. Die Sparkasse KölnBonn hat auf diesen Trend reagiert und ein umfassendes Strategieprojekt aufgesetzt, welches die nachhaltige Verbesserung der Ertragslage durch den Ausbau der Digitalisierung sowie der Optimierung der Prozesse im Kundengeschäft inklusive der Beratung zum Ziel hat.

Frage 2:

Ein Großteil des nicht näher erläuterten Betrags der sonstigen betrieblichen Erträge stammt aus der oben genannten Erstattung von Personalaufwendungen aus den Personalüberlassungen an Tochtergesellschaften, aus aperiodischen Zinseffekten von steuerlichen Sachverhalten und auf die in der GuV genannten Effekte aus Währungsumrechnung.

Frage 3:

Rückstellungen sind für ungewisse Verbindlichkeiten zu bilden. Es gilt das sogenannte handelsrechtliche Vorsichtsprinzip und es bedarf einer entsprechenden Grundlage.

Im Zusammenhang mit einem EU-Verfahren hat die Sparkasse KölnBonn in der Vergangenheit insbesondere für Rechtsrisiken Rückstellungen gebildet. Diese Sachverhalte wurden in den letzten Jahren sukzessive abgearbeitet. Im Rahmen der zum Teil auch gerichtlichen Abarbeitung sowie diverser, für die Sparkasse positiver Rechtsprechungen, wurde ein Teil der Rückstellungen aufgelöst bzw. in Anspruch genommen. Die Auflösungen bzw. Inanspruchnahmen der gebildeten Rückstellungen sind handelsrechtlich zwingend geboten.

Frage 4:

Die Rückstellungen werden gemäß den Rechnungslegungsvorschriften gebildet. Je nach dem der Rückstellung zugrunde liegenden Sachverhalt erfolgt dies, gemäß HGB-Schema, hauptsächlich im allgemeinen Verwaltungsaufwand bzw. im sonstigen betrieblichen Aufwand. Gemäß Betriebsvergleichsschema werden die Rückstellungen sachgerecht, zum Beispiel für strategische Maßnahmen im neutralen Ergebnis ausgewiesen. Ein Zusammenhang mit der Hebung / Auflösung stiller Reserven besteht nicht.

Frage 5:

Stille Reserven werden bei uns streng nach den Anforderungen der Rechnungslegungsvorschriften gebildet.

Die Sparkasse KölnBonn dotiert, wie im Anhang zum Jahresabschluss ausgeführt, branchenüblich stille Reserven im Sinne der Risikovorsorge für allgemeine Bankrisiken nach § 340f HGB. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir die Vorsorgereserven nach § 340f HGB nicht offenlegen.

Ansonsten bestehen insbesondere im Wertpapierbereich aufgrund der Bewertungsvorschriften nach § 253 HGB stille Reserven und auch Lasten in überschaubarem Rahmen.

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Deutsche Banken: Gut zum Kunden. Aber zu faul zum Vertrieb

Von Robert Haselsteiner *)

Liebe Redaktion von Finanz-Szene.de, in Ihrem Faktencheck „Woran krankt das deutsche (Groß-)Bankentum wirklich“ gehen Sie der Frage nach, warum die Geldhäuser hierzulande weniger profitabel sind als anderswo in Europa. Ich würde zu der Analyse gerne noch ein paar Ergänzungen vornehmen.

  1. In keinem anderen Land wurden Gebühren so konsequent abgeschafft bzw. reduziert wie in Deutschland. Beispiel Hypotheken: Alles, was der Kunde heute noch zahlt, sind Zins und Tilgung. Früher gab es dagegen Bearbeitungsgebühren, Gutachtengebühren, Kontoführungsgebühren, Gebühren bei Tilgungswechsel etc.. In vielen anderen Ländern gibt es solche Gebühren immer noch – während der Konkurrenzdruck so etwas hierzulande abgeschafft hat.  Gut für die Kunden. Aber für die Banken bedeutet das natürlich Einnahmenverluste.
  2. In keinem anderen Land sind die Spreads im Kreditgeschäft so knapp bemessen. Auch das ist gut für die Kunden. Aber schlecht für die Banken.

Woher kommen die niedrigen Spreads?

  • ein Sparkassensektor der nicht ökonomisch preisen muss (weil er keine Shareholder hat, die Druck machen, bzw. weil er einen   „öffentlichen“ Auftrag verfolgt)
  • ein starker genossenschaftlicher Sektor, der ebenfalls aggressiv preisen kann, weil er auf billigen Einlagen sitzt und keine kapitalmarktbasierte GuV zu fahren brauche (weil am Ende der Auftrag lautet, den Genossen nicht nur als Gesellschafter, sondern vor allem als Kreditnehmer zu unterstützen)
  • ein Landesbankensektor (Gott sei Dank inzwischen viel kleiner), der über kein anderes Geschäftsmodell verfügt als eng gepreistes Lending Business, bei dem er nur über Preis konkurriert

Unterm Strich ist die Kreditvorsorge in Deutschland also extrem günstig und die dahinterstehende Dienstleistung (also das „Banking“) kostet den Kunden fast nichts.

Ist das schlimm? Zumindest kann ich nicht nachvollziehen, warum manche Politiker jetzt über die niedrige Profitabilität der deutschen Banken jammern. Denn: Will die Politik stattdessen ein amerikanisches System, in dem jede Bankdienstleistung viel Geld kostet, Margen bei den Kreditzinsen und insbesondere bei Kreditkarten-Überziehungen extrem hoch sind und als Folge die Banken sehr, sehr gut verdienen? Mir jedenfalls ist ein System lieber, in dem das Geld beim Bankkunden bleibt, anstatt an  die Shareholder und Manager zu fließen.

Es gibt allerdings noch ein paar weitere Punkte, die zu es erwähnen gibt – und die teilweise auch in der UBS-Studie, auf die Sie sich beziehen, angesprochen werden:

  1. Warum haben die deutschen Bank nie geschafft, aus Sparern Anleger zu machen? Weil sie nie eine konsequente Wertpapierstrategie entwickelt haben und einfach auch nie verstanden haben, dass diese Themen verkauft werden müssen. Das haben die Banken lieber den AWDs, den OVBs und den DVAGs überlassen. Wertpapiere selbst verkaufen? Dazu waren sich die Banken immer zu fein. Daher auch die niedrigen Provisionseinnahmen, verglichen mit Banken in anderen Ländern.
  2. Warum gehen Kunden in anderen Ländern in die Filialen? Weil die offen sind ! Die tägliche Öffnungszeit bei einer deutschen Filialbank (und die Sparkassen sind die schlimmsten) liegt oft bei nur fünf Stunden. Und das zu Tageszeiten, zu denen die Menschen normalerweise arbeiten müssen. Wie will die Kreditbranche das Kundengeschäft steigern, wenn sie keine „Touchpoints“ mehr hat?
  3. Viele Institute haben katastrophale strategische Fehler begangen.
  • Das beginnt bei der Deutschen Bank, deren Vorstände (z.B. Herr Ackermann) sich von den amerikanischen und englischen Söldnertruppen, die sie eingekauft (oder mit Bankers Trust übernommen) hatten, schlicht gesagt  über den Tisch haben ziehen lassen. Die Deutsche Bank wurde sozusagen von innen ausgeraubt, und jetzt liegt da eine wertlose Hülle herum. Dagegen wurden klassischen Bankgeschäft die Chancen zuhauf liegen gelassen. Beispiel: Warum hat die Deutsche Bank in den Nullerjahren in keine – über mehrere europäische Länder erstreckte – Direktbank aufgebaut? Damit hätte sie ihre  damals noch perfekte Marke geleveragt – wie es stattdessen zum Beispiel die ING Direct getan hat, unter anderem hierzulande mit der Diba. In Italien, Spanien oder auch Osteuropa hätte die Deutsche Bank massiv Marktanteile gewinnen können. Stattdessen fuhr sie im Heimatmarkt einen Zickzack-Kurs  mit DB24, MaxBlue usw. (über den Zickkack-Kurs, den in der gleichen Zeit die Postbank hingelegt hat, schweige ich mal lieber …).
  • Und bei der Commerzbank? War der Merger mit der Dresdner ja noch verzeihbar. Aber die Hypothekenbanken in einem Anflug von Größenwahn in die Commerzbank hineinzumergen und sie damit fast zu versenken – dieser Fehler war geradezu epochal. Dass der damalige Vorstandschef Klaus-Peter Müller, nachdem er diesen Wahnsinn zu verantworten hatte,  danach noch ein Jahrzehnt lang den Aufsichtsrat derselben Bank führen darf … So etwas ist vermutlich nur in Deutschland möglich.

*) Robert Haselsteiner ist Co-Gründer der später an die ING verkauften Interhyp und heute Co-Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft HW Capital, die diverse Fintech-Beteiligungen hält 

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