Allianz fordert mithilfe von „N26-Hacker“ Banken und Fintechs heraus

Von Caspar Schlenk (Gründerszene) und Heinz-Roger Dohms (Finanz-Szene.de)

Erste Andeutung hatte Markus Faulhaber Ende Juni in der „Börsen-Zeitung“ gemacht: „Wir werden eine Internet-Plattform bauen, die den Kunden 360-Grad-Analysen ihrer Finanzen ermöglicht“, sagte der Chef der Allianz-Lebensversicherung in dem Interview. Und verriet dann noch …

  • dass man ein „komplettes Ökosystem“ errichten wolle,
  • dass das geplante Portal „PSD2-basiert“ sei
  • und dass es bei der Idee nicht nur um Versicherungen, sondern z.B. auch um den Vergleich von Strompreisen gehe

Das war es aber dann auch schon mit den Andeutungen. Name? Management? Kosten? Keine Angaben. Diese Details haben dafür aber nun „Gründerszene“ und „Finanz-Szene.de“ in Erfahrung gebracht.

Also: Das Projekt trägt den Namen „Iconic Finance“, folgt dem Motto „Redefining Personal Finance“ und wird direkt aus München heraus entwickelt.  Die finanziellen Mittel für den Aufbau der Finanz-Plattform sollen vom hauseigenen Venture-Arm „Allianz X“ kommen und im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Interessant auch: Der Versicherungsriese hat für das Projekt ein namhaftes Führungsteam zusammengestellt: Vincent Haupert startet als Chief Information Security Officer. Er wurde in der Szene bekannt, weil er das Banking-Startup N26 gehackt hatte, um so auf eine Sicherheitslücke aufmerksam zu machen. Zudem lieferte Haupert in den vergangenen Jahren immer wieder öffentliche Einschätzungen zu Sicherheitsfragen in der digitalen Finanzwelt.

Auch die Geschäftsführung ist bekannt: Arnold Brunner wechselt vom mittlerweile zu Verivox gehörenden Münchner Fintech „Aboalarm“ als Managing Director zu Iconic Finance. In Person von Tobias Tschiersky zieht zudem ein erfahrener Allianz-Manager in die Führung ein.

Spannend ist nun, dass ein „Allianz X“-Sprecher auf Nachfrage von „Gründerszene“ und „Finanz-Szene.de“ bestätigt, dass der Kunde über die neue Plattform nicht nur seine Versicherungen, sondern auch seine Banking-Produkte steuern soll.  Auch wenn der Fokus von „Iconic Finance“ auf Versicherungen liegen dürfte, begibt sich die Allianz auch in direkte Konkurrenz zu Multibanking-Angeboten wie dem der Deutschen Bank oder Konto-Aggregatoren wie Outbank (gehört inzwischen ebenfalls zu Verivox), Numbrs oder Finanzguru – und ganz neuen Akteuren wie Miles & More.

Dabei lässt auch Faulhabers Hinweis auf den Vergleich von Strompreisen aufhorchen – denn nicht nur Fintechs wie Finanzguru setzen auf diese im Fachjargon „Vertragsmanager“ genannten Komponenten, sondern auch Banken wie die ING Deutschland (Produkt-Launch angekündigt) oder die Commerzbank (die jüngst zumindest an einem entsprechenden Projekt namens „Ernest-App“ arbeitete).

Kurz gesagt stürzen sich momentan also verschiedenste Player (Banken, Fintechs, Versicherer, Vergleichsportale …) in einen Wettstreit, wer in Zukunft zum digitalen Frontend des Finanzkunden wird. Für die Allianz kommt erschwerend hinzu: Bei der Arbeit an dem neuen Portal darf sie ihre eigenen Versicherungsmakler nicht vergraulen. Nach Informationen von „Gründerszene“ und „Finanz-Szene.de“ befindet sich das Unternehmen daher gerade auf Roadshow im eigenen Konzern, um für das Projekt zu werben.

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