Der Commerzbank-Coup mit der ING-Waffe Boekhout

Von Christian Kirchner

Der größte Gewinner des gestrigen Tages ist vermutlich die Deutsche Bank. Denn: Statt über deren Problem redet die Frankfurter Szene endlich mal wieder über etwas anderes, nämlich den Coup der Commerzbank: Die hat gestern – exklusiv meldete es zuvor das Manager-Magazin – die Verpflichtung von Ex-ING-Diba-Chef Roland Boekhout zum 1. Januar 2020 bekannt gegeben. Der 56-Jährige tritt bei der Coba die Nachfolge des scheidenden Firmenkunden-Chefs Michael Reuther (60) an.

Was die Frage aufwirft: Wer sind die anderen Gewinner des gestrigen Tages? Die Commerzbank? Boekhout? Beide?

Fest jedenfalls steht: Es handelt sich um eine Personalie, die nicht nur spektakulär ist, sondern auch Fragen aufwirft. Warum geht Boekhout, zuletzt bei der ING Groep für das Benelux-Geschäft zuständig, zur (nach Börsenwert) fünfmal kleineren Commerzbank? Denn Vorstand war Boekhout in Amsterdam ja auch schon. Und (viel) mehr verdienen als bislang wird er in Frankfurt wohl nicht. Reuther kam 2018 auf eine Gesamtvergütung von 1,2 Mio. Euro, während Boekhout bei der ING laut Jahresbericht in die Vergütungskategorie 1 Mio bis 1,5 Mio. Euro fiel.

Warum also?

Boekhouts Ruf hierzulande ist ein exzellenter. Unter seine Regie steigerte die ING Diba zwischen 2010 und 2017 in einem hart umkämpften Markt die Zahl der Kunden um knapp 2 Mio. auf 9,1 Mio. Und das Ergebnis vor Steuern? Stieg um 160% auf 1,2 Mrd. Euro.

Vor allem aber machte Boekhout aus der großen Direkt- eine kleine Universalbank. Denn im Firmenkundengeschäft, das die Niederländer in Deutschland jahrelang nur nebenher betrieben hatten, wurde die ING Diba binnen kürzester Zeit zu einem mächtigen Player. In Zahlen: Zuletzt trug der „Wholesale“ genannte Bereich mit nur 366 Mitarbeitern 41% zum Quartalsgewinn der deutschen ING beitrug. „Dass diese Sparte so schnell groß geworden ist, das ist zweifelsohne Boekhouts Verdienst“, sagt ein Weggefährte.

Vor zwei Jahren schließlich wechselte Boekhout von Frankfurt in die Amsterdamer ING-Zentrales. Karrieretechnisch war das unbestritten ein Aufstieg, von der zweiten Ebene in die erste. Ob es allerdings auch ein Aufstieg in Sachen Jobzufriedenheit war – das ist weniger klar.

Boekhouts Performance in der neuen Position? Ist gemäß den Zahlen okay.  Die Retail-Sparte, die rund 80% des Geschäfts ausmacht (aber schon vor seinem Kommen eine Gewinnmaschine war),  schlägt sich in herausforderndem Zinsumfeld wacker.

ING Retail Benelux in Mrd. €

2016 2017 2018 Q1/2019
Erträge in Mrd. € 7,0 6,9 6,8 1,7
zum Vorjahr -1% -1% -6%
Kosten in Mrd. € 4,0 3,8 3,8 1,1
zum Vorjahr -5% -1% -4%
op. Gewinn in Mrd. € 2,7 3,0 2,9 0,6
zum Vorjahr 14% -3% -11%
Cost-Income-Ratio 57% 55% 55% 54%
op. Return on Equity  18,7% 21,1% 21,1% 14,8%

Quelle: ING Jahresberichte

Boekhouts Job bestand allerdings nicht nur darin, die Gewinne zu verteidigen – sondern die niederländische und die belgische Einheit zu integrieren. Das sei keine Aufgabe, die wirklich Spaß mache, zumal es zwischen den beiden Entitäten große kulturelle Unterschiede gebe, sagt ein ING-Kenner. Denkbar daher, dass Boekhout und sein Job in Amsterdam nicht wirklich zueinander gepasst haben. „Eigentlich mag er den persönlichen Kontakt zum Kunden, der ja für das Corporate Banking charakteristisch ist, viel mehr“, so ein Weggefährte.

Diesen Kontakt wird er in Zukunft haben. Aber ist das der wesentliche Grund für den Wechsel? Womöglich spielen auch private Motive eine Rolle – denn dass sich Boekhout in Deutschland generell immer sehr wohlgefühlt habe, das erzählen quasi alle, mit denen man redet. Und vielleicht geht ja auch in Sachen Karriere noch was.

In Amsterdam jedenfalls war der Weg nach ganz oben versperrt, ING-Chef Ralph Hamers gilt als unumstritten – und ist drei Jahre jünger als Boekhout. Commerzbank-Chef Martin Zielke hingegen? Ist genauso alt wie Boekhout. Und vielleicht nicht ganz so unumstritten wie Hamers. „Natürlich riecht das in der Konstellation und angesichts des Schritts zur Seite danach, als ob man einen Deal habe: Leiste in der Firmenkundensparte gute Arbeit, und dann bist Du im Rennen um den Vorstandsvorsitz. Aber Boekhout ist keiner, der seine Karriere anhand solcher Kategorien plant“, sagt ein Frankfurter Personalberater, der beiden Banken gut kennt.

Hinreichend Gelegenheit zu performen jedenfalls hat Boekhout in der Coba-Firmenkundensparte. Die ächzt unter einem knallharten Wettbewerb mit Privat-, Landes- und Auslandsbanken sowie Sparkassen. Daher sinken die Margen in einem Tempo, dass das Volumenwachstum den Gewinneinbruch nicht ausgleichen kann.

Zwar hat die Commerzbank seit 2016 rund 9.700 neue Firmenkunden gewinnen können und damit das für 2020 gesetzte Ziel von 10.000 schon vorzeitig erreicht.  Erträge und Ergebnis stehen dennoch massiv unter Druck. Zwischen 2016 und 2018 hat sich der operative Gewinn des Firmenkundengeschäfts mehr als halbiert auf zuletzt noch 630 Mio. Euro. Die Kapitalrendite ist auf 5,8% gesunken, die Cost-Income-Ratio tickte hoch. Ein Kostenfanatiker wie Boekhout, der die ING jahrelang mit Cost-Income-Ratios unter 50% steuerte, kommt da gerade recht.

Commerzbank Firmenkundensparte in Mrd. €

2016 2017 2018 Q1/2019
Erträge in Mrd. € 4,2 4,0 3,5 0,9
zum Vorjahr -6% -12% 0%
Kosten in Mrd. 3,0 2,9 2,6 0,6
zum  Vorjahr -3% -9% -4%
op. Gewinn in Mrd. € 1,3 0,8 0,6 0,1
zum  Vorjahr -38% -22% 23%
Cost-Income-Ratio 67% 72% 76% 72%
op. Return on Equity 11,1% 7,7% 5,8% 4,2%

Quelle: Commerzbank Bilanzpressekonferenzen; gerundet

Dass sich die ING zumindest vorübergehend für eine Übernahme der Commerzbank interessiert haben soll, gibt dem Wechsel eine pikante Note.

Das wechseleitige Abjagen guter Firmenkundenbetreuer, die womöglich gleich Kunden und Geschäft mitbringen, dürfte unter Boekhout weitergehen – auch wenn Nick Jue, der heutige Vorstandschef der ING Deutschland, Boekhout in einer E-Mail an die Mitarbeiter gestern in höchsten Tönen lobte („maßgeblich für den Erfolg der ING in Deutschland verantwortlich“).

Commerzbank-Chef Martin Zielke begründete die Entscheidung für den Niederländer unterdessen wie folgt: „Ich freue mich auf die neuen Impulse, die Roland Boekhout auch bei der weiteren Digitalisierung unseres Firmenkundengeschäfts setzen wird.“

Was man dazu allerdings sagen muss: In der „Diversity & Competence Matrix“, die die ING Groep in ihrem Geschäftsbericht für alle Vorstände offen ausweist, kam Boekhout zuletzt in vier von fünf Kategorien auf die Maximalausbeute von zwei Sternchen.

In einer Kategorie allerdings gab es nur nur einen Stern. Und die hieß: „Operations/IT“.

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Strafzins für Sparer: Deutsche Banken rütteln am letzten Tabu

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Eigentlich war das gestern nur eine Routine-Veranstaltung, nämlich die Bilanz-PK des genossenschaftlichen Bankensektors. Dann aber sagte BVR-Chefin Marija Kolak ein paar Sätze, die eine Zeitenwende einleiten könnten:

„Wenn sich das Japan-Szenario fortsetzt, werden alle Banken das Thema Negativzinsen neu bewerten müssen. Derzeit übernehmen die Banken diese Kosten für das Gros der Privatkunden. Es wird für Banken aber immer schwerer, bei anhaltenden Negativzinsen die nachhaltige Profitabilität im Kundengeschäft sicherzustellen. Insbesondere wenn auf die Weitergabe der negativen Zinsen im Mengengeschäft verzichtet wird.“

War das a.) einfach nur eine Drohung? Oder kommt b.) der Strafzins für Normalsparer jetzt doch?

Sicher ist nichts. Aber immer mehr spricht für „b“. Denn an der Zinsfront hat sich die Lage zuletzt dramatisch verschärft. Und unter den Vorständen von Sparkassen und Volksbanken wächst die Sorge, die daraus resultierenden Lasten nicht länger schultern zu können.

Abgezeichnet hatte sich der neue Zins-GAU schon vor Monaten, siehe unsere Analyse vom 4. April:

Der Zinsschock – oder: Warum fusionieren Deutsche Bank und Commerzbank wirklich?

Ein paar Wochen später zeigten sich dann schon die wahren Ausmaße des Dramas, denn die Zinsen fielen weiter – siehe unser entsprechender Artikel vom 12. Juni:

Aus Zinskrise wird Zins-GAU: Und nun, Ihr lieben Banken?

Spätestens mit der Mario-Draghi-Rede vor drei Wochen auf dem Notenbankertreffen im portugiesischen Sintra und der EZB-Juni-Ratssitzung war dann aber auch dem letzten klar: Die Zinsen werden sobald nicht steigen, sondern gehen eher noch weiter nach unten. Ob Banken aktuell über Nacht bei der EZB (Strafzins da: -0,4%), am Geldmarkt (-0,4%) oder für 10 Jahre in Bundesanleihen (-0,3%) anlegen, macht kaum noch einen Unterschied – sie zahlen überall drauf.

Was bedeutet: Jetzt geht’s für Deutschland Banken, die 2018 immer noch rund drei Viertel ihrer Überschüsse im Zinsgeschäft erwirtschaftet haben, endgültig ans Eingemachte.

Zwar sehen die aggregierten Ergebnisse von Sparkassen und Volksbanken auf den ersten Blick immer noch okay aus (siehe unsere Berichterstattung vom 12. April). Hinzu kommt: Die Zinsergebnisse profitieren immer noch davon, dass die Banken weit höher verzinste Altkredite bedient bekommen: Im Schnitt sind private Haushalte inklusive Immobiliendarlehen in Deutschland  mit einem Zinssatz von 2,8% verschuldet, hat die UBS errechnet. Das stützt die Erträge. Nun fräst sich aber mit jedem Tag und jedem auslaufenden Altkredit der Niedrigzins direkt in die Gewinn- und Verlustrechnung.

Bei manchen Instituten allerdings mutet die Lage schon jetzt bedrohlich an – was übrigens nicht nur für die ganz kleinen Banken gilt, wie im Juni beispielhaft unsere Bilanzanalyse der Sparkasse KölnBonn zeigte: Zwischen 2014 und 2018 ist der Zinsüberschuss des zweitgrößten deutschen Kommunalinstituts um krasse 19% auf nur noch 354 Mio. Euro gesunken (wohlgemerkt: Wir reden hier nicht vom Zinsertrag, sondern vom Saldo aus Zinsertrag und -aufwand).

Folge: Bereinigt um Sondereffekte stellt sich bei Geldhäusern wie der Sparkassen KölnBonn inzwischen die Frage, wie operativ profitabel sie überhaupt noch arbeiten.

Auch wenn das Kölner Beispiel ein dramatisches ist – die Folgen der jahrelangen EZB-Niedrigzinspolitik spüren praktisch alle Retailbanken hierzulande. Zumal: Der Nullzins lässt nicht nur die Zinserträge erodieren, sondern er lässt vielerorts auch die Pensionslasten explodieren (weil sich die fix zugesagten Pensionen am Kapitalmarkt nicht mehr verdienen lassen und also aus dem laufenden Geschäft finanziert werden müssen).

Behielten die Ortsbanker trotz Zinstiefs jahrelang die Ruhe, scheint die Stimmung nun zu kippen. In Hintergrundgesprächen fallen Sätze wie: „Wir haben alles getan, um Politik und Notenbanken die nötige Zeit zu erkaufen, haben die Einlagenzinsen für die Sparer trotz des Strafzinses, den wir selber an die EZB entrichten, neutral gehalten.“ Jetzt aber sei die Schmerzgrenze so langsam erreicht.

Mit anderen Worten: Demnächst könnte es Negativzinsen nicht mehr nur für Geschäfts- und vermögende Privatkunden geben  – sondern tatsächlich auch für ganz normale Sparer. Es ist die einzige Möglichkeit, die schrumpfenden Zinsmargen zu schützen, denn Zinsanhebungen auf Kredite sind angesichts des Wettbewerbs undenkbar.

Was  man dazu wissen muss: Viele Sparkassen und Volksbanken hatten es jahrelang geschafft, ihr Zinsergebnis erstaunlich stabil zu halten – weil nicht nur der Zinsertrag, sondern eben auch der Zinsaufwand sank.

Darüber hinaus spielte den Institute die gute Konjunktur in die Karten. Und: Wo das Ergebnis dann doch mal zu bröckeln begann, wurden eben die Gebühren erhöht. Tatsächlich gelang es noch 2017 vielen lnstituten, Verluste im Zinsgeschäft durch höhere Provisionen  zu kompensieren. 2018 ging diese Rechnung allerdings schon nicht mehr auf – was für dieses und die nächsten Jahre erst Recht gelten dürfte. Jetzt nochmal kräftig an den Gebühren zu drehen, sei der falsche Weg, ist zu hören.

Bis vor wenigen Monaten lief die Strategie vieler Ortsbanker darauf hinaus, sich durch den Niedrigzins irgendwie durchzuwurschteln – bis die Zinsen wieder steigen und sich die Gewinne dank zwischenzeitlich gesunkener Kosten zumindest stabilisieren lassen.

Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben diese Hoffnung aber zunichte gemacht, wie sich gestern an einer weiteren Aussage von BVR-Präsidentin Kolak zeigte: „Wir rechnen nicht mit einer Wende beim Leitzins in den kommenden fünf Jahren.“

Drum: Das sogenannte „Japan-Szenario“ (also eine dauerhafte Nullzinswirtschaft), das Kolak zufolge zu einer Neubewertung des Themas Negativzins führen könnte), gilt im BVR längst als Realität. Denn auch das hier sagte Kolak gestern: „Die Märkte geben mit den neuen Renditetiefs ein klares Signal: Zinswende adé. Offenbar sind wir im Japan-Szenario angekommen.“

Prescht also bald die erste Ortsbank mit einem Negativzins für normale Spareinlagen vor – womöglich schon nach der nächsten EZB-Zinsentscheidung am 25. Juli? Bislang sei von derartigen Vorbereitungen nichts bekannt, ist zu hören. Auszuschließen allerdings sei nichts mehr, erst Recht nicht mit Blick auf die nächsten Monate.

Was den Tabubruch womöglich noch verhindern kann? Kolak brachte gestern erneut den sogenannten Staffelzinses ins Spiel – also die Idee, dass die Banken bei der EZB nicht schon ab dem ersten Euro den derzeit geltenden Verwahrzins von 0,4% zahlen, sondern dass der Zinssatz erst mit wachsendem Einlagevolumen steigt. Ob sich die Notenbanker darauf einlassen, ist allerdings fraglich. Stattdessen könnte es sein, dass der EZB-Strafzins demnächst sogar auf 0,5% steigt.

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Was ist los beim deutsch-dänischen Promi-Fintech Hufsy???

Von Heinz-Roger Dohms

*Hinweis, 12. Juli, 9.20 Uhr: Hufsy hat nach Erscheinen der Artikels zu unseren Recherchen Stellung bezogen, das Statement finden Sie am Ende des Artikels.

Bislang war das deutsch-dänische Promi-Fintech Hufsy ein durchaus medienaffines Unternehmen. Als der KMU-Konto-App-Anbieter 2017 seinen offiziellen Launch feierte, konnte man Artikel lesen wie „Diese Gründerin nimmt es mit den deutschen Banking-Startups auf“.  Oder: Als der sogenannte „No. 1 Global FinTech Influencer“ Spiros Margaris ins Board von Hufsy einzog, wurde selbstverständlich eine Pressemitteilung online gestellt. Und: Noch Ende März veröffentlichte der „Bankingclub“ ein „Sechs Fragen an den Hufsy-Chef“-Interview, in dem derselbe Hufsy-Chef Dinge sagte wie: „Unsere oberste Priorität ist es, einer der großen Player im deutschen Firmenkundengeschäft zu werden.“

Gestern indes: War das deutsche-dänische Startup partout nicht zu erreichen. Jedenfalls nicht für Finanz-Szene.de.

Und irgendwann am Abend: Fehlten auf der „About“-Seite der Hufsy-Homepage das Management und die „Board & Advisors“-Leute. Dabei hätten wir schwören können, dass die da morgens noch alle drauf gewesen waren auf der Seite. Immerhin: Im Webcache („Es handelt sich dabei um ein Abbild der Seite, wie diese am 8. Juli 2019 20:11:43 GMT angezeigt wurde“) waren die Köpfe diese Nacht dann doch wieder bzw. doch noch zu sehen. Sonst hätten wir noch an unserer eigenen Wahrnehmungsfähigkeit zu zweifeln begonnen. „Chairman of the Board“ ist/war dem Webcache zufolge übrigens Fintech-Forum-Gründer Frank Schwab. Laut seines Linkedin-Profils war es das diese Nacht auch immer noch.

Jedenfals, warum wollten wir überhaupt mit Hufsy sprechen? Finanz-Szene.de war ein financeAds-Newsletter aus dieser Woche zugespielt worden. Dazu muss man wissen: FinanceAds ist das vermutlich größte deutsche Affiliate-Netzwerk für Banken, Fintechs und Versichungen. In dem Newsletter stand:

„Lieber Partner, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die Vermarktung des Hufsy Geschäftskontos zum 26. Juli 2019 auf unbestimmte Zeit pausiert wird. Bitte entfernen Sie bis spätestens 26. Juli 2019 alle Werbemittel von Ihren Seiten. Alle bis einschließlich 26. Juli 2019 generierten Leads werden regulär bearbeitet.´Vielen Dank für Ihre Teilnahme. Liebe Grüße, Ihr Team von financeAds“

Nun kann es für so ein Pausieren viele Gründe geben. Aber: Was ist im konkreten Fall der konkrete Grund?

Dann gab es gestern bei Twitter einen Dialog, der ebenfalls Fragen aufwirft (wobei wir diese Tweets erst entdeckt haben, nachdem erste Versuche der Kontaktaufnahme unsererseits bereits gescheitert waren):

Konkret, wie waren wir vorgegangen: Wir hatten den „Chairman of the Board am späten Vormittag bei Twitter angemorst mit der Bitte, ob man mal telefonieren könne. Als wir dann allerdings konkretisierten, dass es um Hufsy gehen solle, wurde diese Bitte negativ beschieden.

Auf der Homepage von Hufsy fanden wir sodann eine E-Mail-Adresse für Presseanfragen. An diese Adresse schrieben wir eine Mail, in der wir an der inhaltlichen wie zeitlichen Dringlichkeit unserer Anliegens keinen Zweifel ließen. Als hierauf keinerlei Reaktion kam, wandten wir uns an eine Berliner PR-Agentur, die früher mal die Medienarbeit für Hufsy gemacht hat. Dort hieß es, dass man für das Unternehmen zwar nicht mehr tätig, aber trotzdem gern behilflich sei. Sehr nett, sehr professionell.

Wir schickten dem PR-Spezialisten also die zeitlich wie inhaltlich dringliche Anfrage, die wir vorher schon an die Hufsy-Mailadresse und übrigens auch via Twitter an den „Chairman of the Board“ geschickt hatten (und zwar, nachdem unsere zunächst allgemeine Bitte, zum Thema Hufsy zu telefonieren, wie gesagt negativ beschieden worden war).  Bald darauf meldete sich der PR-Spezialist mit der Nachricht:

„Ich habe jemanden bei Hufsy erreicht:

Xxxxx xxxxxxxxx
Head of xxxxxxxxx
xxxxx@hufsy.com

Xxxxxxx xxxxxxx hat mir bestätigt, dass man sich um Ihre Anfrage kümmern wird!
Beste Grüße und noch einen schönen Tag.“

Bis gestern Abend, 23.45 Uhr, hatte sich allerdings niemand bei uns gemeldet. Vielleicht haben wir bis nächsten Dienstag, wenn Finanz-Szene.de das nächste mal erscheint, neue Informationen für Sie.

——————————

*Hier das Statement von Hufsy-Chairman Frank Schwab, das uns Freitagfrüh um kurz  vor 9 Uhr erreichte:

Wir haben die Situation von Hufsy gründlich untersucht und festgestellt, dass das Engagement, das erforderlich ist, um das Unternehmen voranzubringen, zu groß war. Hufsy hat sich im aktuellen Wettbewerbsumfeld leider nicht so entwickelt wie wir das erwartet und gehofft hatten. Deshalb haben wir uns entschlossen die Betaphase in den nächsten Wochen einzustellen.

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Solarisbank gibt CEO Folz einen Rentenvertrag – und rüstet auf

Von Heinz-Roger Dohms

Im Top-Management der Solarisbank herrschte zuletzt auffällig viel Fluktuation. Finanzchef Alexander Engel zum Beispiel entschwand zur Deutschland-Tochter von Standard Chartered. Und Peter Großkopf – zunächst „Chief Technology Officer“ und später dann Leiter der hauseigenen „Blockchain Factory“ – verließ das Berliner Fintech in Richtung Börse Stuttgart. Nun allerdings sendet die Solarisbank ein Signal der Kontinuität. Denn nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de wurde der Kontrakt von Vorstandschef Roland Folz jüngst  um fünf Jahre verlängert. Auf die Gefahr hin, dass es ein bisschen despektierlich klingt: Man ist fast geneigt, von einem Rentenvertrag zu sprechen, immerhin ist Folz – für einen Fintech-CEO eher unüblich -schon 55 Jahre alt.

Die Vertragsverlängerung für den ehemaligen Deutschbanker darf man als Zeichen werten, dass die Investoren (neben dem Berliner Fintech-Inkubator Finleap sind das u.a. die BBVA, die ABN Amro und Visa)  mit der Entwicklung der Solarisbank zufrieden sind. Ganz sicher konnte man sich dessen bislang nicht sein. Denn: Mit  spektakulären Meldungen war das Berliner B2B-Fintech seit der 56 Mio. Euro schweren Funding-Runde Anfang letzten Jahres nicht mehr aus der Deckung gekommen. Indes: Dass die Berliner grosso modo auf dem richtigen Weg ist, hatte sich zuletzt bereits gezeigt, als Folz in einem Interview mit dem „HB“ die 2018er-Umsätze auf knapp 8 Mio. Euro bezifferte – fast eine Vervierfachung im Vergleich zum Vorjahr (zur Einordnung: Die Solarisbank wurde erst 2016 gegründet).

Abgesehen von der Vertragsverlängerung mit Folz wird Solaris heute noch zwei weitere Personalien bekanntgeben:  Neuer Finanzvorstand wird Thom Rasser, zuletzt Deutschland-CEO der niederländischen NIBC. Rasser dürfte  die Solarisbank insofern ganz gut kennen, als er im Beirat von Finleap sitzt; diesen Posten wirr der Niederländer allerdings aufgeben. Neben der Finanz- und Risikoorganisation soll Rasser bei der Solarisbank auch für regulatorische Themen und das Kreditportfolio-Management verantwortlich sein. Zweiter Neuzugang ist Hima Mandali, der zuletzt gut zehn Jahre lang bei der US-Bank Capital One tätig war, unter anderem als „Director of Software Engineering“. In Berlin übernimmt er nun die Position des „Chief Technology Officers“.

Die beiden Verpflichtungen passen zu zwei ähnlichen Meldungen aus den vergangenen Wochen. So hatte der Düsseldorfer Online-Kreditvermittler Auxmoney als neuen Finanzchef einen gewissen Daniel Drummer geheuert – zuvor globaler Leiter der Data-Analytics-Gruppe bei JP Morgan Chase.  Und der Berliner B2B-Robo-Spezialist Elinvar erweiterte seine Führung um zwei ehemalige Morgan-Stanley-Manager, der eine heißt Istvan Kroh (er firmiert jetzt als „Director Software Engineering“), der andere Paul Thomas Walsh („Director Risk Management & Operations).

Es zeigt sich: Die Zeiten, in denen Deutschlands Fintech neue Führungskräfte verplichteten, deren Lebensläufe auf „irgendwas bei Rocket“ basierten, neigen sich dem Ende zu. Zumindest die ambitionierteren Finanz-Startups heuern jetzt zwei Gewichtsklassen drüber.

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