Anlageprofis verlieren Glauben an Deutsche-Bank-Aktie

Von Christian Kirchner

Fragen Sie sich angesichts des zerbröselten Aktienkurses der Deutschen Bank gelegentlich auch einmal: Wo sind eigentlich noch die Optimisten? All jene, die glauben, dass es ja auch gut gehen könnte mit der Bank, ihren ja durchaus profitablen Bereichen?

Bereits im März legte Finanz-Szene.de offen, dass trotz sinkender Kurse die Zahl der Aktionäre laufend steigt – mithin also vor allem Kleinanleger auf eine baldige Wende wetten. Alleine 2018, als die Deutsche Bank 56% abschmierte, gewann die Bank 50.000 neue Aktionäre.

Und was ist mit den Profis? Finanz-Szene.de hat einen Blick in die Portfolios  jener Investoren geworfen, die täglich hauptberuflich damit beschäftigt sind, deutsche Aktien zu beobachten, analysieren und entsprechend zu disponieren  – den Verwaltern von Fonds für deutsche Standardwerte.

Mit einem erschreckenden Ergebnis: Von den 29 Aktienfonds für deutsche Standardwerte mit wenigstens 100 Mio. Euro verwaltetem Volumen halten 22 laut dem jeweils letzten verfügbaren Jahres- oder Halbjahresbericht überhaupt keine einzige Deutsche-Bank-Aktie mehr. Dabei entfällt im Deutschen Aktienindex Dax noch immer ein Gewicht von 1,2% auf die Deutsche Bank. Ein einziger Fonds hält laut letzten verfügbaren Angaben dabei überhaupt anteilig mehr als diese 1,2% und gewichtet die Aktien mithin optimistisch über: Der Oddo BHF Frankfurter Effekten.

Pikant: Selbst der gemessen am Börsenwert nur gut halb so großen Commerzbank trauen mehr Profis für deutsche Aktien eine positive Aktienkursentwicklung zu. Denn während die Deutsche Bank nur in 7 der 29 Portfolios überhaupt vertreten ist, findet sich die Commerzbank laut den letzten verfügbaren Jahresberichten in mehr als doppelt so vielen Fonds für deutsche Standardwerte – nämlich in 18 der 29. In zehn Fällen sind die Commerzbank-Aktien sogar deutlich übergewichtet.

Das ist insofern überraschend, als dass die Commerzbank im vergangenen Herbst aus dem Dax abgestiegen ist. Im wenig bekannten, aber umfassenderen HDax-Index für alle deutsche Aktien aus den Auswahlindizes Dax, MDax und TecDax kommt sie auf nur 0,5% und damit eine halb so hohe Gewichtung wie die Deutsche Bank.

Pikanterie am Rande: Schlicht überhaupt nicht vertreten ist die Deutsche-Bank-Aktie laut letzten Jahresberichten im größten Deutschland-Fonds ihrer eigenen Tochter DWS, dem DWS Deutschland unter Verwaltung von Tim Albrecht mit 5,4 Mrd. Euro. Der hielt gleichwohl aber per Ende März für 0,6% des Fonds-Vermögens in Commerzbank-Aktien.

Auch im DWS Aktienstrategie-Deutschland ist die Deutsche Bank mit Null gewichtet, während die Commerzbank nach dem Zukauf von 5 Mio. Aktien im Berichtszeitraum 1.10.2018 bis 31.3.2019 auf knapp 1% kommt – was indes auch belegt, dass das Management seinen treuhänderischen Aufgaben gut nachkommt und aus Überzeugung handelt.

„Nullgewichtet“ sind Deutsche-Bank-Aktien auch bei ihrem Ex-Starfondsmanager Henning Gebhardt und dem Berenberg Aktienstrategie Deutschland. Dieser hält indes auch keine Commerzbank-Papiere.

Die Übersicht:

Gewichtung von Deutscher Bank und Commerzbank laut letztem verfügbaren Jahres-/Halbjahresbericht in aktiven Aktienfonds für dt. Standardwerte

Fondsname Volumen in Mrd. € Gewichtung Dt. Bank Gewichtung Commerzbank
DWS Deutschland 5,4 0,6%
DekaFonds 4,5 0,9% 0,5%
DWS Aktienstratege Dtld. 4,0 1,0%
DWS Investa 3,5 0,5% 0,6%
UniFonds 2,3
Concentra 2,0
Fondak 1,8 1,8%
Oddo BHF Frankfurter Effekten 1,7 1,5% 1,5%
UniDeutschland 1,0 1,0% 2,2%
FidelityFunds Germany 0,7
Allianz German Equity 0,7
Allianz Verm.-B. Deutschland 0,7 0,4%
SEB Aktienfonds 0,6
UniAktienFonds net 0,6
Dekalux Deutschland 0,5 1,7%
DWS Invest German Equities 0,5 0,7% 0,6%
Baring German Growth 0,5 0,8%
DWS German Equities Typ 0 0,4 0,01%
Adifonds 0,2
MEAG Proinvest 0,2 1,3%
Al Trust Aktien Deutschland 0,2 1,2% 0,6%
Mediol.Challenge German Eq. 0,2 0,7% 0,6%
Allianz Thesaurus 0,1
Amundi German Equity 0,1 1,1%
LBBW Exportstr. Deutschland 0,1
Metzler Aktien Deutschland 0,1
Berenberg Aktien Str.Dtld. 0,1
UBS Equity Aktien High Div Dtld. 0,1 1,6%
UBS Aktfds. Special Dtld. 0,1 1,5%
z.V.: Dax-Gewichtung 1,22% 0%
z.V.: HDax-Gewichtung 0,93% 0,47%

jeweils gerundet; Quelle: letzte verfügbare Jahres-/Halbjahresberichte, Grundgesamtheit: Kategorie Morningstar Standardwerte Deutschland (aktiv), mindestens 100 Mio. Volumen, Gewichtungen sind aufgrund Dispositionen/ Kursveränderungen laufend Änderungen unterworfen und stellen stets nur eine Momentaufnahme dar. 

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Für andere Banken ist das Gras kaum grüner als für Deutsche und Coba

Von Christian Kirchner

IT-Panne bei der Commerzbank, die DKB einen ganzen Tag offline, die Deutsche Bank inmitten einer Restrukturierung mit der Brechstange, die sie 7,2 Mrd. Euro und 18.000 Stellen kosten wird – viel Holz, wissen wir.  „Ab und zu mal ein paar gute Nachrichten von den Banken wären ja auch mal ganz nett!“, wünscht sich Leser P. per eMail an Finanz-Szene.de, offenbar ermüdet von der Kette an schlechten Nachrichten.

Dem Leser kann geholfen werden. Und zwar mit der Nachricht, dass es der Deutschen Bank und der Commerzbank ausweislich ihrer besorgniserregenden Aktienkursentwicklung nicht gut geht. Aber sie damit immerhin, falls es hilft und tröstlich ist, in schlechter Gesellschaft ist.

Denn: In anderen Ländern der Eurozone mögen Banken rentabler, dividendenstärker, gemessen am Börsenwert größer und gemessen an ihren Ratings sicherer sein. Allein: Auch sie haben es mit zunehmend skeptischeren Investoren zu tun, um es vorsichtig zu formulieren.

  • Beispiel Unicredit: CEO Jean-Pierre Mustier gilt als Star europäischer Banken-CEOs, weil er das Institut rekapitalisiert, faule Kredite abgebaut hat und auf eine Cost-Income-Ratio von 54% getrimmt hat. Damit ist die Bank fraglos besser für künftige Stürme gerüstet als zu seinem Antritt 2016. Die Eigenkapitalrendite des Instituts bewegt sich dennoch mit zuletzt knapp 5% deutlich unter den Kapitalkosten – und dürfte es vermutlich auch über die kommenden Jahre bleiben, glaubt man Analysten. Das Institut und Mustier? Basteln an einer neuen Wachstumsstrategie, die man im Dezember vorstellen wird. Die Aktie? Hat binnen eines Jahres 22% verloren und sich seit 2015 gedrittelt.
  • Beispiel Santander: Die Spanier sind nicht nur groß (200.000 Mitarbeiter), sondern die bilanziellen Posterboys der Eurozone mit zweistelligen Kapitalrenditen, über 5% Dividendenrendite und einer ING-Deutschland-mäßigen Cost-Income-Ratio von unter 50% – und das trotz eines großen Filialnetzes. Die Aktie kommt dennoch mit -13% binnen eines Jahres nicht vom Fleck. In Spanien schrumpft inzwischen die Kreditvergabe im Vergleich zum Vorjahr, ticken die Kreditausfallraten allmählich hoch und bröckelt auch die Profitabilität der Banken (wenngleich von hohem Niveau).
  • Beispiel Société Générale: Hätten Sie’s gewusst: Der Kursverlust der SocGen binnen eines Jahres stellt jenen der Deutschen Bank und der Commerzbank deutlich in den Schatten. 39% büßte die Aktie ein. Mit zuletzt 22 Euro ist die Aktie, um es historisch zu verorten, ungefähr auf dem Niveau, auf dem sie kurz nach der Lehman-Pleite und auch auf dem Höhepunkt der Euro-Krise vor Mario Draghis „Whatever it takes“-Rede lag. Gut: da wären Deutsche und Coba gerne. Dennoch: gerade einmal drei von 23 Analysten können sich zu einem „Kaufen“-Urteil für die SocGen durchringen, die Erträge kommen seit drei Jahren nicht vom Fleck und werden es wohl auch die kommenden drei nicht tun – aktuell läuft, wie bei der Deutschen Bank, eine Restrukturierung. Wie skeptisch der Markt für künftige Zahlungsströme für Aktionäre ist, zeigt ein Blick auf die Dividendenrendite: Gemessen an der letzten Ausschüttung für 2018 beträgt sie nunmehr 10%. Was heißt: Entweder lügt aktuell der viel zu tiefe Kurs. Oder doch die viel zu hohe Dividende. Auflösung: folgt vermutlich schon bald.
  • Beispiel UBS:  Keine Bank der Eurozone – und doch oft jenes Institut, von dem es heißt: Hätte es mal die Deutsche Bank so wie die UBS gemacht, früh sich des riskanten Investmentbankings entledigt und auf die Vermögensverwaltung konzentriert. Gewiss: Dann wäre die Deutsche Bank heute ein sichereres und vermutlich auch profitableres und dividendenstärkeres Institut, hätten Aktionäre wenige Geld über Kapitalerhöhungen nachschießen und über Kursverluste abschreiben müssen. Aber wie sieht es bei der UBS aktuell aus in Sachen Aktienkurs? Über ein Jahr steht ein Minus von 22% in Lokalwährung zu Buche, über vier Jahre annähernd eine Halbierung. Die Bank hat die gleichen Probleme wie ihre Pendants der Eurozone: Die Erträge auch nur zu stabilisieren über die kommenden zwei bis drei Jahre, wäre eine Leistung angesichts der Entwicklung von Zinsen und Konjunktur. Bei der UBS kommt hinzu, dass ihr Kerngeschäft der Vermögensverwaltung unter starkem Margendruck steht – genau wie bei der Deuba-Tochter DWS. Kein Wunder also, dass beide Häuser erwägen, anorganisch über einen M&A-Deal etwas für die Profitabilität zu tun.
  • Beispiel Bankenindex: Einzelfälle? Mitnichten: Während sich die breiten Aktienindizes wieder in der Nähe ihrer Rekordhochs befinden, hat der Bankenindex Euro Stoxx Banks seit Anfang 2018 über 30% verloren – eine Bewegung, der sich nur wenige Institute entziehen konnten.

Die Gemeinsamkeit aller europäischer Banken: Die konjunkturellen Risiken nehmen zu, während die Chancen auf eine nachhaltige Zinswende sich binnen eines halben Jahres in Luft aufgelöst haben. Wie auch bei Deutscher Bank und Commerzbank reflektieren die Kursentwicklungen, dass bei den Banken bei einer Eintrübung der Konjunktur die Kreditausfallrisiken steigen, während zugleich die Zinserträge weiter unter Druck geraten könnten. Die Profitabilität geriete dann quasi von zwei Seiten unter Druck, einen Doppelwhopper aus Kosten wie den Erlösen.

Ganz nebenbei bedeutet sinkende Profitabilität natürlich auch: weniger Spielraum für Investitionen, um wettbewerbsfähig im Vergleich zu Fintechs zu bleiben, die mit meist privaten Fundings und ohne den Druck der Kapitalmärkte agieren. Die US-Großbank JP Morgan alleine reserviert für Techologieinvestitionen laut ihrem Conference-Call von Mittwoch 11,5 Mrd. Euro pro Jahr.

Gute Nachrichten für die deutschen Großbanken sind zwar auch das nicht. Immerhin aber: Folgt man der Argumentation, die auch Deutsche-Bank-Chef Sewing seiner Milliarden-Restrukturierung zugrunde legt und die Bafin-Chef Felix Hufeld gebetsmühlenartig wiederholt – dass die Banken hierzulande nach wie vor ein Kostenproblem haben – lässt sich daraus auch aus Aktionärssicht ein Vorteil stricken. Es hieße immerhin, dass die Banken hierzulande noch Mittel hätten, etwas gegen eine Ertragserosion etwa über die Zinsseite zu tun. Die teils schon mehrfach restrukturierten Pendants der Eurozone mit heute schon tiefen Cost-Income-Ratios segeln hingegen ohne große Möglichkeiten zum Gegensteuern gegen den aufkommenden Wind.

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Warum Visa das Münchner Payment-Fintech Payworks kauft

Von Heinz-Roger Dohms

Dem 2012 gegründeten Münchner Fintech Payworks ist ein spektakulärer Exit geglückt. Der „Gateway Payment“-Spezialist wird von Visa übernommen, wie der Kreditkarten-Riese am Mittwoch bekannt gab. Die Amerikaner wollen die Cloud-basierte Technologie von Payworks nun mit ihrer digitalen Bezahl-Plattform CyberSource verknüpfen, heißt es in der Mitteilung. Zum Kaufpreis machte Visa keine Angaben.

Payworks hatte so richtig erstmals Anfang vergangenen Jahres für Aufmerksamkeit gesorgt, als diverse Investoren – darunter die Commerzbank und auch damals schon Visa – 14,5 Mio. Dollar in das Startup investierten. Gegenüber dem „Handelsblatt“ hatte Gründer Christian Deger die eigene Technologie damals wie folgt erklärt: Payworks verbinde die Kartenterminals im stationären Handel mit den Händlerbanken – und schaffe über das  „Payment Gateway“ einen Durchgang für die Zahlungsdaten. Das sei zwar nicht grundsätzlich neu. „Doch die Systeme sind veraltet und passen oft nicht mehr zu den heutigen Bedürfnissen“,  so Deger damals gegenüber dem „HB“: „Wir machen das moderner.“

Zu den größten Kunden von Payworks gehörte damaligen Angaben zufolge der deutsche Zahlungsdienstleister Concardis. Und da der frühere Concordis-Chef Marcus Mosen einer unserer regelmäßigen Gästeblogger ist, haben wir ihn gefragt, ob er uns einfach noch 1-2 Gedanken zum Geschäftsmodell von Payworks mit auf den Weg geben kann. Hat er gemacht!

Hier Mosens Einschätzung:

„Bereits die Beteiligung von Visa Inc. an Payworks Anfang 2018 war eine starke Indikation dafür, dass Visa ein hohes Interesse hat, Infrastrukturen und Plattformen, sowie mobile und smarte POS Paymentlösungen an den POS zu bringen und die Entwicklung dort zu unterstützen. Visa, wie auch MasterCard, stoßen mit ihren neuen Debitprodukten auf der Issuing-Seite oft auf nationale, überalterte Debitkartenlösungen.

In der Kombination mit der Onlinepayment und Fraud-Plattform „Cybersource“ und jetzt Payworks wird sich Visa noch stärker als Infrastrukturprovider für den realen und virtuellen POS positionieren. Damit unterstützt sie natürlich auch ihre Debit-Issuing Pläne auf der kartenherausgebenden Seite. Die Akquisition findet im derzeitigen Zeitfenster einer rasch fortschreitenden Konsolidierung von nationalen Paymentunternehmen statt.

Ziel dieser Konsolidierung sind die Schaffung von Plattformen, welche zukunftsfähig aufgestellt sind, mit einer internationalen, bzw. globalen Ausrichtung, und die auch über die notwendigen Skaleneffekte und Innovationskraft verfügen. Hiervon werden m.E. auch viele kleine Händler profitieren – nicht nur in Deutschland.“

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