Postbank scheidet als Hauptsponsor bei Borussia Mönchengladbach aus

Von Christian Kirchner

Die Postbank beendet zum Saisonende 2019/2020 ihr Sponsoring beim Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Das geht aus einer Intranet-Meldung der Postbank hervor, die Finanz-Szene.de vorliegt. Die Deutsche Bank Privat- und Firmenkunden AG als organisatorische Mutter der Marke Postbank begründet diesen Schritt mit dem „Transformationsprozess bei der Deutschen Bank“, bei dem die „Kostenreduzierung einen hohen Stellenwert habe“. Die Postbank war seit 2009 Hauptsponsor des Bundesligisten. Laut Meldungen aus der Zeit der letzten Verlängerung des Vertrags im Jahr 2014 fließen pro Jahr mindestens 6,5 Mio. Euro von der Postbank.

Pikanterie am Rande: Das langjährige Sponsoring war eng verbunden mit dem langjährigen Postbank-Chef und Privatkunden-Vorstand Frank Strauß, selbst Anhänger des Vereins. Der musste um Zuge des Vorstandsumbaus der Deutschen Bank vor einem Monat seinen Hut nehmen – nun verkündet der erst zum 1. August angetretene neue Privatkundenchef Manfred Knof wenige Tage nach seinem Start bereits das Ende des Sponsorings. Laut interner Mitteilung habe die Entscheidung rein wirtschaftliche Gründe – man suche gezielt Möglichkeiten, Geld einzusparen in Zeiten, in denen man im Konzern auch Stellen abbaue.

Die Postbank bestätigte auf Finanz-Szene.de Nachfrage die Meldung.

Bei Postbank stehen wie bei der Konkurrenz die Erträge stark unter Druck.  Die Deutsche Bank Privat- und Firmenkundenbank verzeichnete zwar einen auf den ersten Blick 2018 imposanten Ergebnisanstieg zum Vorjahr (+50%). Der war war dann aber doch eher Sondereffekten zu verdanken: Ein paar Einmalkosten des Vorjahres fielen weg, eine „Optimierung des Immobilienportfolios“ kam hinzu. 254 Mio. Euro „sonstiges Ergebnis“ fielen bei der Marke Postbank an. Was wiederum hieß: „Ohne diese Effekte lag der Ergebnisbeitrag unserer beiden Marken Deutsche Bank und Postbank im wesentlichen stabil auf dem Niveau des Vorjahres“, so die Formulierung im gesonderten Geschäftsbericht der Privat- und Firmenkundenbank.

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Ist das noch Fintech? Wie die Allianz ihren Robo-Killer bepreist

Von Christian Kirchner

Alles ist angerichtet für den großen Wurf im deutschen Robo-Advisor-Markt: Anfang letzten Jahres stieg zunächt die Allianz beim britischen Fintech Moneyfarm ein (und baute seine Beteiligung später auf 38% aus, wie Finanz-Szene.de aufdeckte); Ende 2018 übernahmen Moneyfarm  dann den deutschen Robo-Pionier Vaamo; und im Juni kündigte die Allianz schließlich den Launch des neuen Moneyfarm-Deutschland-Robos für September an.

Kleiner Schönheitsfehler im ansonsten perfekten Drehbuch: Das mit dem Marktstart im September war ein bisschen geflunkert. (siehe unten}. Denn tatsächlich hat Moneyfarm seinen Soft-Launch bereits hingelegt, wie Finanz-Szene.de bei einem kleinen Praxis-Test herausfand. So läuft bei einem der Vertriebspartner bereits die Betaphase, nämlich bei 1822, der Online-Bank der Frankfurter Sparkasse. Die sucht Kunden, die „Moneyfarm jetzt exklusiv kennenlernen“ wollen. 

{Nachtrag von Finanz-Szene.de: Moneyfarm verweist darauf, dass dieser Fahrplan mit einer Betaphase bereits im Juni 2019 so offen kommuniziert worden sei – daher stimmt unsere Formulierung „ein bisschen geflunkert“ nicht}

Eine Gelegenheit, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Wobei wir uns bei unserem kleinen Produkttest vor allem von einer Frage haben leiten lassen. Wie viel „Robo“ kann eigentlich noch in dem Angebot stecken, wenn hinter dem, was mal Vaamo war, jetzt Moneyfarm steht – und dahinter wiederum die Allianz samt ihrer ja doch sehr klassischen Fondstochter, der Allianz Global Investors.

Oder kürzer gefragt: Ist das überhaupt noch Fintech?

Die ursprüngliche Idee der Fintech-Robos war es, Anlageprodukte an den Markt zu bringen, die nicht nur digital, sondern auch regelbasiert, passiv, transparent und kostengünstig daherkommen. Welche dieser vier Kriterien treffen auf das Angebot von Moneyfarm Deutschland zu?

  • Regelbasiert? Ist das ganze nicht, sondern gleich an mehreren Stellen „aktiv“.
  • Passiv? Ist das Angebot insofern nicht, als dem Angebot auch aktiv gemanagte Fonds zugrundeliegen.

Und was ist mit den beiden vielleicht wichtigsten Distinktionsmerkmalen digitaler Angebote, nämlich der Transparenz und dem Kostenvorteil?

Unser kleine Kostenanalyse:

Moneyfarm kalkuliert für ein – basierend auf der Risikoneigung des Kunden  – „ausgewogenes“ Portfolio für eine einmalige Anlage von 25.000 Euro mit einer Minderung der Rendite durch Kosten im ersten Jahr von 1,4%. Auf Sicht von 20 Jahren sind es 1,2% p.a. Für das risikoreichste Portfolio mit sehr hohem Aktienanteil würden anfänglich 1,36% fällig, für das defensivste Portfolio immer noch 1,2%.

Detailliert aufgeschlüsselt sieht die Kalkulation für das „ausgewogene“  Portfolio im ersten Jahr so aus:

in %
Vermögensverwaltung
laufende Kosten 0,7
Transaktionskosten 0,12
Finanzinstrumente
laufende Kosten 0,38
Transaktionskosten 0,09
Outperformance-Fee 0,12
Minderung Rendite  1,4

Nun muss allerdings hinzugefügt werden, dass bei Anlagesummen unter 15.000 Euro die laufenden Kosten (anders als in unserem Beispiel dargestellt) für die Vermögensverwaltung nicht bei 0,7%, sondern sogar bei 0,9% liegen (fairerweise: Bei sehr großen Vermögen sinkt dieser Kostenfaktor auf bis zu 0,3%). In diesem Fall der kleineren Summe addiert sich die Renditeminderung durch Kosten kalkulatorisch also schon auf 1,6% pro Jahr .

Vergleichen wir diese Werte nun mit den Kosten für herkömmliche Fonds. Finanz-Szene.de hat hierzu die 125 von Allianz Global Investors angebotenen Publikums-Mischfonds für Privatanleger einem Kostencheck unterzogen – und ermittelte  durchschnittliche Kosten von: 1,55%.

Ziehen wir nun einen weiteren Vergleich heran – nämlich den mit den „Robos“: Marktführer Scalable Capital arbeitet hier mit Gesamtgebühren von maximal 0,94%, Quirion begnügt sich mit 0,74% pro Jahr. Die alten Vaamo-Portfolios (welche nach Unternehmensangaben auch weitergeführt werden) kamen mit 0,53% bis 1,24% Gebühren inklusive allem aus.

Kann es also sein, dass das Moneyfarm-Deutschland-Angebot eher wie ein klassischer Fonds bepreist wird – und nicht wie eine Fintech-Lösung?

Auf Anfrage von Finanz-Szene.de teilt Moneyfarm Deutschland mit: „Wir halten wir die Differenz zwischen 1,2 Prozent und den von Ihnen ermittelten 1,55 Prozent im Schnitt der Mischfonds von Allianz Global Investors schon für sehr deutlich. Noch dazu sind beide Angebote nicht wirklich vergleichbar.“

(Interessant übrigens: Im „Handelsblatt“ hatte es neulich basierend auf einem Gespräch mit einem der Moneyfarm-Gründer geheißen: „Ab September soll es [Anm.: das Angebot] ab einem Mindestanlagebetrag von 5.000 Euro frei zugänglich sein. Die Kosten sollen je nach Anlagebetrag zwischen 0,6 und 1,3 Prozent pro Jahr liegen – inklusive Fondskosten und gegebenenfalls 0,1 Prozent Performance-Gebühr.“)

Kommen wir nun zum zweiten Teil unseres Tests …

Unsere kleine Transparenz-Analyse:

Im Zuge unseres Betatests vesuchten wir herauszufinden, wie sich das „ausgewogene“ Portfolio denn überhaupt zusammensetzt. Denn: Will man als Anleger nicht wissen, was der vermeintliche Hybrid-„Robo“ denn da für einen zusammenstellt bzw. zusammenstellen würde?

Wir wie jedoch feststellen mussten, gab es im gesamten Anmeldeprozess bis zum Abschluss lediglich indikative Angaben in den „Anlagerichtlinien“. Nämlich: dass maximal 75% Aktien zum Einsatz kämen und der Vergleichsindex zu 53,5% aus einem Welt-Aktienindex und zu 46,5% aus einem Euro-Anleihenindex bestehe. Eine ziemliche Blackbox also, das alles.

Auf Nachfrage (in der Rolle des Kunden, nicht des Journalisten) erhielten wir eine Liste von 14 Fonds, die im „ausgewogenen“ Portfolio zum Einsatz kommen. Sieben davon waren passive ETFs. Die anderen sieben waren aktiv gemanagt – und bei drei davon handelte es sich wiederum um Allianz-GI-Produkte. Nähere Angaben zur aktuellen beziehungsweise letzten tatsächlichen Allokation bekamen wir nicht. Die werden laut AGBs in Zukunft „ex post“ veröffentlicht (also wenn aus dem potenzielle Kunde bereits ein tatsächlicher Kunde geworden ist).

Moneyfarm teilt hierzu mit, die Allokation “ sei öffentlich und unsere Kunden können sie jederzeit einsehen“, man halte es aber “ nicht für relevant, die exakte Zusammensetzung jedes einzelnen Portfolios schriftlich zu kommunizieren“. Ferner  werde es zum echten Marktstart „schon im Onboarding wahrscheinlich mehr Informationen zu den Portfolios geben wie einen Breakdown nach Regionen, Asset-Klassen etc.“

Fazit

Ist das also noch Fintech? Das mag jeder für sich selbst definieren. Ein Robo-Advisor im ursprünglichen Sinne ist Moneyfarm Deutschland jedenfalls nicht.

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Commerzbank: Der „Mittelspurkriecher“ blinkt. Doch leider nach rechts …

Von Christian Kirchner

Erinnern Sie sich noch an unser Stück von Anfang Mai? Da nannten wir die Commerzbank mit Martin Zielke am Steuer etwas spöttisch den „Mittelspurkriecher“ unter den Banken:  Zu langsam für links. Und zu selbstbewusst, um dorthin zu wechseln, wo man eigentlich hingehört – nämlich nach rechts.

Betrachtet man die gestrigen Quartalszahlen, lässt sich zweierlei diagnostizieren.

Erstens: Die Bank tuckert immer noch auf der mittleren Spur. Hier die (gerundeten) Erträge in den letzten sechs Quartale (vor Sondereffekten)

2,2 Mrd. Euro
2,2 Mrd. Euro
2,1 Mrd. Euro
2,2 Mrd. Euro
2,2 Mrd. Euro
2,1 Mrd. Euro (Q2/2019)

Hier die (gerundeten) Kosten:

1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro
1,6 Mrd. Euro (Q2/2019)

So weit, so gähn.

Doch, zweitens: Die Bank blinkt!!! Und zwar – wie von uns gestern schon befürchtet, aber offenbar trotzdem zur Überraschung bzw. zum Entsetzen der Investoren (Kurs gestern: -7%): nach rechts!!!  Denn: Laut Quartalsbericht ist die für 2019 prognostizierte „leichte Zunahme des Konzernüberschusses“ (aus den bekannten Gründen: Wirtschaftslage, geopolitische Entwicklung) „deutlich ambitionierter geworden“.

Weniger verwinkelt ausgedrückt: Das wird wohl nix mehr mit dem Gewinnziel!

Dabei müsste es beim Gewinn ja ohnehin nicht nur „leicht“, sondern kräftig nach oben gehen, soll die taumelnde Commerzbank-Aktie (notiert auf Dreijahrestief) mal wieder klettern. Auf Basis des letztjährigen Gewinns beträgt die Kapitalrendite der Bank ja gerade einmal gut 3%.

Man muss es nicht überkomplex machen, um zu erkennen, worin das Problem der Bank liegt: In der besten aller Konjunkturwelten – Wirtschaftswachstum, niedrige Arbeitslosigkeit, extrem niedrigen Kreditausfälle – sind die Erträge zuletzt nicht gestiegen. Und machte die Bank bei den Kosten kaum Fortschritte.

Nun ist die beste aller konjunkturellen Welten indes passé. Und die Coba merkt, dass zu den bekannten Problemen (der Zinsüberschuss steht unter Druck, der Provisionsüberschuss kann diesen Rückgang nicht kompensieren) ein fast schon vergessenes Phänomen kommt: steigende Kreditausfälle. Im ersten Halbjahr musste die Commerzbank bereits wieder 260 Mio. Euro und damit rund 100 Mio. Euro mehr für die Risikovorsorge aufwenden als im ersten Halbjahr 2018. Auch wenn das Institut diesen Anstieg unter „Einzelfälle“ abzuheften versucht.

Tatsächlich frisst die Summe der Einzelfälle  alle mühevollen Kostenersparnisse gegenüber dem Vorjahr (120 Mio. Euro) annähernd auf.

Und sonst?

  • Der Bank ist das Kunststück gelungen, das Zinsergebnis zum Vorquartal (+3%) und Vorjahresquartal (+7%) leicht zu steigern, offenbar dank einer Mischung aus niedrigeren Finanzierungskosten und steigenden Kreditvolumina.
  • Dröselt man das (offenbar von der IT-Pannenserie kaum beeinflusste) Netto-Neukundenwachstum auf, welches die Commerzbank inklusive Comdirect ausweist, die Comdirect aber auch individuell, ergibt sich folgendes Bild: Noch im Q1 gewann die Direktbank-Tochter Comdirect netto 84.000 neue Kunden, die Commerzbank 39.000. Im zweiten Quartal hingegen verzeichnete die Comdirect „nur“ 44.000 neue Kunden, die Commerzbank hingegen 64.000.
  • Zur IT-Pannenserie als sich äußerte sich die Bank übrigens im Zuge einer Q&A-Session nur vage – es habe sich um eine „falsche Eingabe“ gehandelt. Was immer das heißen mag.

Für den Herbst hat Commerzbank-Chef Martin Zielke eine neue Strategie angekündigt. Hält der Aktienkursverfall an und trüben sich die Konjunkturdaten weiter im aktuellen Tempo ein, könnte es womöglich auch etwas schneller gehen.

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