PSD2-Umstellung bei der Postbank endet im Chaos

Von Christian Kirchner

{Update vom 10.9.2019, neu: Hotline kann laut Bandansage Kunden „in absehbarer Zeit nicht bedienen“}

Die Einführung der zweistufigen Anmeldung zum Online-Banking („Zwei-Faktor-Authentifizierung“) hat bei der Postbank am Montag zu massiven Problemen geführt. Beim Internetportal „allestörungen.de“ gingen zeitweise mehr als 1500 Nutzerbeschwerden gleichzeitig ein. Dabei echauffierten sich die Kunden über nicht erreichbare Online-Seiten, angeblich nicht länger gültige Logins sowie über eine spezielle Postbank-App („BestSign“), die eigentlich zum Einloggen und zur Freigabe von Transaktionen dient, aber offenbar in vielen Fällen nicht funktionierte.

Die Postbank hatte die Kunden im Vorfeld auf „Wartungsarbeiten“ hingewiesen,  die am Sonntag zwischen 0 Uhr und 14 Uhr stattfinden sollten – und die offenkundig der Umstellung auf die „Zwei-Faktor-Authentifizierung“ dienten (siehe hierzu „Teil I“ unserer großen PSD2-Serie vom 12. August).

Anders als geplant führten die IT-Maßnahmen aber nicht zu einem reibungslosen Übergang vom alten aufs neue System, auch wenn eine Sprecherin die Probleme herunterzuspielen versuchte.  Sie sprach gestern Nachmittag gegenüber Finanz-Szene.de von einer „vorübergehenden Störung“, die „behoben“ sei. Die Bank und ihre Tools seien wieder „uneingeschränkt erreichbar“. Tatsächlich war es jedoch so, dass frustrierte Nutzer selbst gestern Abend noch Fehler meldeten.

Die PSD2-Umstellung hat zur Folge, dass die Kunden seit Sonntag die „BestSign“-App oder chipTAN benutzen müssen, um sich zum Online-Banking anzumelden. Das bisherige Verfahren mit simplem Login über Zugangsnummer und Passwort  sowie mit einer mobilen TAN funktioniert nicht mehr. Viele betroffene Kunden dürften die entsprechende Ankündigungen ignoriert haben und hatten deswegen dann Schwierigkeiten mit dem Login und der Freigabe von Transaktionen. Gleichwohl hatte die Postbank laut Finanz-Szene.de-Recherchen zugleich mit einer Fülle von technischen Problemen zu kämpfen, die nicht im Einfluss der Kunden standen – darunter exemplarisch:

  • dass die Login-Site auf postbank.de über Stunden nicht erreichbar war
  • dass der Zugang über die HBCI-Schnittstelle ohne weitere Authentifizierung abgeschaltet worden ist – weshalb insbesondere die Finanzsoftware-Zugänge nicht länger funktionierten
  • dass bereits funktionierende, für die sogenannte „starke“ Authentifizierung bereits eingerichtete Zugänge etwa über das Smartphone ohne Update der App zeitweise nicht klappten – laut Nutzermeldungen noch am gestrigen Abend nicht
  • dass Kunden die Fehlermeldung über ein falsches Login und Passwort erhielten, obwohl sie die richtige Kombination eingegeben hatten – anschließend aber aufgrund von Fehlversuchen gesperrt waren
  • dass Kunden nicht länger die Zugänge von Privat- und Geschäftskonten trennen konnten, da je natürlicher Person nur eine so genannte „ID“ vergeben wird, die beim Anmeldeprozess nötig wird
  • dass Sofortüberweisungen über Trustly, Giropay und Klarna zeitweise nicht funktionierten
  • dass die Hotline stark überlastet war

Finanz-Szene.de versuchte am Dienstag morgen probeweise, die Postbank-Hotline zu erreichen. Der Ansage, wegen „Streikmaßnahmen könnte es zu längeren Wartezeiten kommen“  folgte dabei die Ansage, aufgrund eines „unvorhergesehen hohen Aufkommens“ könne man Kunden „in absehbarer Zeit nicht telefonisch bedienen“

Auf dem Portal „Allestörungen“ rissen die Meldungen frustrierter Nutzer nicht ab. Im Kommentar-Bereich der „Wartungsmeldung“ auf Facebook erschienen 585 weitgehend kritische User-Posts.

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Berenberg: Die bescheidene Bilanz des Henning Gebhardt

Von Christian Kirchner

Vor einem Jahr schien es für einen Moment, als wäre Berenberg die neue Großmacht im deutschen Aktienfondsgeschäft. Der frühere DWS-Star Henning Gebhardt war schon seit zwei Jahren da; von der Allianz hatte man den Nebenwerte-Guru Matthias Born und von der Commerzbank den Multi-Asset-Experten Bernd Meyer losgeeist. Und dann verkündeten die Hamburger am 6. September 2018 auch noch, dass Gebhardts Nachfolger für Deutschland-Fonds bei der DWS, Tim Albrecht, zu Berenberg wechsle.

Es war eine Schmach für die Deutsche Bank. Und ein Coup für Berenberg. Bis kurz darauf publik wurde, dass Albrecht doch nicht zu den Hanseaten wechselt. Sondern bei der DWS bleibt. Aus dem vermeintlichen Coup wurde eine kleine Blamage, früh gegackert, aber kein Ei gelegt zu haben.

Ein Jahr später muss Berenberg nun den nächsten Rückschlag eingestehen bei seinem ambitionierten und mutmaßlich teuren Versuch, zu einem der führenden deutschen Asset Manager aufzusteigen. Denn wie gestern mitgeteilt wurde, wird der vor drei Jahren stolz als „Mr. Aktie“ verpflichtete Gebhardt die Traditionsbank verlassen. Ein veritabler Paukenschlag, wie es floskelhaft heißt.  Schließlich waren Berenbergs Pläne aufs engste mit Henning Gebhardt verknüpft. Der 52-Jährige amtierte als Leiter des Zentralbereichs Wealth and Asset Management von Berenberg, als Manager des prominentesten Berenberg-Deutschland-Aktienfonds und als Mitglied der erweiterten Geschäftsführung.

Offiziell heißt es, Gebhardt wolle sich „neuen Aufgaben widmen“. Inoffiziell gilt als offenes Geheimnis, dass „Mr. Aktie“ sich durchaus Hoffnungen gemacht hatte, neben den persönlich haftenden Gesellschaftern Hans-Walter Peters und Hendrik Riehmer zum persönlich haftenden Gesellschafter ernannt zu werden. Darüber hatte das „Manager Magazin“ im Juni berichtet. 

Berufen wurden dann aber im Juni David Mortlock (Leiter Zentralbereich Investment und Corporate Banking) sowie Christian Kühn (Leiter Zentralbereich Banksteuerung). Da Peters 2020 aus Altersgründen ausscheidet, wäre eine Berufung von Gebhardts eigentlich naheliegend gewesen, damit das für die Bank strategisch angeblich so wichtige Asset Management im Gesellschafterkreis vertreten ist. In der neuen Konstellation fällt dies nun wohl in Riehmers Beritt.

Tatsächlich war Gebhardts Performance nicht so, dass an ihm kein Weg vorbeigeführt hätte. Der von ihm selbst gemanagte „Berenberg Aktienstrategie Deutschland“ – eigentlich gedacht als neuer Flaggschiff-Fonds – verwaltet aktuell rund 100 Mio. Euro; so viel waren es Anfang 2018 auch schon gewesen. Irgendwie war es so, dass die Branche immer auf die große Initialzündung wartete. Doch die kam nie.

Dass der Fonds sowohl über ein als auch über drei Jahre hinter dem aktuellen Vergleichsindex liegt (je rund 8 Prozentpunkte), dürfte dem Vertrieb auch kaum zuträglich sein. Dabei gilt es indes zu berücksichtigen, dass die Strategie des Fonds vor zwei Jahren neu aufgesetzt wurde, weshalb längerfristige Vergleiche mit der Zeit vor Juni 2017 hinken.

Insgesamt gilt – wie ein Blick auf die Aktienfonds zeigt – die Performance der Sparten als gut, aber keineswegs überragend.

vs. Vergleichindex
Volumen in Mio. Euro 1 Jahr 3 Jahre
Berenberg activeQ Eurozone Equities R 57 -5,60% -11,50%
Berenberg Aktien-Strategie Deutschland R 104 -8,60% -8,20%
Berenberg European Focus Fund R 71 -0,90%  *
Berenberg European Micro Cap R 409 -1,10% *
Berenberg European Small Cap R 195 2,10% 7,30%
Berenberg Eurozone Focus Fund R 27 1,60% *
Berenberg Global Focus Fund M 46 * *
Berenberg Sustainable World Equities M 25 * *
Berenberg-1590-Aktien Mittelstand R 168 -9,70% 0,80%
Berenberg-1590-Aktien Strategie Global A 61 ** **

( * = noch keine Drei-Jahres-Performance; ** = keine Benchmark)

Performance: jeweils Prozentpunkte; Quelle: Berenberg.de

Dasselbe gilt übrigens auch für die verwalteten Volumina: Im Aktienfondsbereich sind es rund 1,1 Mrd. Euro, in den Anleihen- und Multi-Asset-Produkten liegen weitere gut 2 Mrd. Euro. Das sind zwar fraglos Summen  im „sichtbaren“ Bereich der Publikumsfonds, aber noch zu wenig, wenn man selbst Spezialistenteams für alle wesentlichen Bereiche Aktien, Anleihen und Multi Asset unterhält und als unabhängiges Haus auch viel in den Vertrieb investieren muss. Zum Vergleich: Alleine Gebhardts alter Fonds, der „DWS Aktien Strategie Deutschland“, verwaltet rund 3,9 Mrd. Euro.

Wenig hilfreich dürfte auch sein, dass bei Publikumsfonds in Deutschland insgesamt trotz röhrender Börsen im ersten Halbjahr der Nettoabsatz nur noch bei 1,8 Mrd. Euro lag – nachdem es 2017 und 2018 kumuliert noch 48 Mrd. Euro waren. Völlig erlahmt ist 2019 deutschlandweit der Vertrieb von Mischfonds – und damit ausgerechnet der Produktkategorie, die Berenberg im vergangenen Herbst um- und ausgebaut hatte und wo die Hanseaten zwei neue Fonds lanciert hatten.

Wie eine kleine Abschiedsrede liest sich im Lichte der gestrigen Mitteilung ein Interview Gebhardts mit dem Managzin „Fundview“ vor zwei Wochen. Auf das Frankfurter Berenberg-Team bezogen heißt es da, „unser Setting und die Besetzung der Teams sind inzwischen abgeschlossen.“ Und: „Die Strukturen für weiteres Wachstum sind geschaffen.“

Und das Wachstum kann die Bank dringend brauchen: 2018 stand nur noch ein Überschuss von 23 Mio. Euro zu Buche – ein Rückgang um rund drei Viertel zum Vorjahr und überdies „gerettet“ von sonstigen betrieblichen Erträgen über 72 Mio. Euro, die größtenteils aus dem Verkauf des Schweiz-Geschäfts stammten.

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Smudo und Kwitt? Nicht wirklich, liebe Volksbanken …

Von Heinz-Roger Dohms

Lieber BVR, wusstest Du eigentlich, dass der geschätzte Smudo keine 100 Meter von der Hamburger Finanz-Szene.de-Redaktion entfernt wohnt? Was u.a. zur Folge hat, dass wir bisweilen beobachten, wie besagter Smudo bei Edeka seinen Wochenend-Einkauf (inklusive bemerkenswerter Mengen „San Pellegrino“) aufs Kassenband hievt, um dann wie zu bezahlen?

Sympathischerweise in bar.

Jedenfalls: Wie gestern verlautbarte, sind die „Fantastischen Vier“ (und also Smudo) die neuen Testimonials der Volks- und Raiffeisenbanken. In dieser Funktion stehen sie  „Innovationen wie digitalen Karten, Kwitt, Multibanking […] prominent Pate“, lesen wir in Deiner Mitteilung.

Wie gesagt, sehr sympathisch. Aber was die digitale Credibility angeht, eher in der Dettmar-Cramer-Tradition (Gott habe ihn selig).

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