Die Zahlen der ING Deutschland im dritten Quartal

Von Christian Kirchner

Die Niedrigzinsen machen nun auch der ING Deutschland merklich zu schaffen. Das geht aus dem heute früh veröffentlichen Quartalsbericht des niederländischen Mutterkonzerns ING Groep hervor.  Demnach ging der Vorsteuergewinn gegen über dem gleichen Vorjahresquartal um 2% auf 377 Mio. Euro zurück.  Das ist zwar insofern ein Luxusproblem, als die frühere ING Diba damit in Sachen Aufwand-Ertrags-Ratio (42%) und Eigenkapitalrendite (16,9%) weiterhin in einer eigenen Liga spielt hierzulande. Dennoch deuten die Zahlen darauf hin, dass das jahrelange Gewinnwachstum einstweilen zum Erliegen gekommen ist.

Ursächlich dafür ist, dass der Zinsüberschuss nicht länger zulegt. Er steht für rund 80% der Erträge der hiesigen ING und sank gegenüber dem Vorjahresquartal um 1%. Leichte Schwäche zeigt auch der Bereich Wholesale-Banking; hier fiel der Vorsteuergewinn um rund 14% zum Vorjahresquartal. Die Einheit für Firmenkunden wurde einst geschaffen, um den massiven Einlagenüberhang der Bank sinnvoll zu nutzen.

Hier die wichtigsten Kennziffern der ING Deutschland im Überblick:

in Mio. Euro Q3/18 Q2/19 Q3/19 Q3/19 zu Q3/18
Zinsüberschuss              546              535 538 -1%
Provisionsüberschuss                74                77 85 13%
Erträge gesamt              678              654 664 -2%
Kosten gesamt              292              321 284 -3%
Gewinn vor Steuern              386              347 377 -2%

Quelle: ING Groep

Dass es sich beim Ende des Gewinnwachstums nicht um eine verzerrte Momentaufnahme eines Quartals handelt, zeigt der Blick auf die kumulierten ersten neun Monate: Auch hier ging der operative Gewinn der 8% gegenüber dem Vorjahr zurück. Weiterhin verlassen kann sich die ING indes auf ihre Kostendisziplin, dank der gesunkenen Kosten fiel die Cost-Income-Ratio auf den niedrigsten Wert der jüngeren Vergangenheit. Das ist um so erstaunlicher, als dass der ING dabei das Kunststück gelingt, die Kosten zu senken (-3%), obwohl die Zahl der Mitarbeiter steigt (+5% auf 5.307 Vollzeitstellen, die laut der ING-Systematik dem Deutschland-Geschäft zugeordnet werden).

Laut der Detailergebnisse stoppt der Zufluss neuer Einlagen. Das Volumen stagniert bei rund 138 Mrd. Euro. Der mutmaßliche Grund hierfür ist die Kürzung der Zinsen auf nur noch 0,01% beim Flaggschiff-Produkt „Extra-Konto“. Der nur moderate Anstieg des Kreditvolumens deutet darauf hin, dass ING den Rückgang beim Zinsertrag nicht über immer mehr Geschäft  kompensieren will. Sondern: Sie setzt stattdessen auf Kostensenkungen.

Q3/18 Q2/19 Q3/19 Q3/19 zu Q3/18
Gewinn Retail-Banking 260 248 268 +3%
Gewinn Wholesale-Banking 125 99 110 -14%
Cost-Income-Ratio 43,0% 49,1% 42,8%
Einlagen (Mrd. €) 133,6 138 138,1 0%
Immobilienkredite (Mrd. €) 72,7 74,7 75,8 +4%
Konsum.-Kredite (Mrd. €) 44,4 46,9 46,1 +4%

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Was Fintechs aus dem Flop des „Zukunftsfonds“ lernen können

Von Christian Kirchner

Am morgigen Freitag steht ein Geburtstag an, den niemand feiern wird.  Die Auflage des „Zukunftsfonds“ von Ex-Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und Ex-Investmentbanker Lenny Fischer jährt sich zum zweiten Mal.

Die Bilanz? Übel. Die schwache Performance (-2,2% seit Auflage) ließe sich vielleicht noch rechtfertigen. Nicht aber das verwaltete Vermögen. 12,3 Mio. Euro sind es momentan. Tendenz: sinkend statt steigend. Zuletzt zog nach Finanz-Szene.de-Informationen sogar ein Dachfonds des Fondsmanagers selbst (also der Greiff Capital AG von Fondsmanager Volker Schilling) 3 Mio Euro ab, die zurück in einen Greiff-Dachfonds flossen. „Vereinbarungsgemäß“, wie es auf Anfrage heißt.

Was ist da schiefgelaufen? Ein Lehrstück über den deutschen Retail-Investmentmarkt, das diverse Erkenntnisse für Banken und sogar mehr noch für Robo-Adviser sowie sonstige Anlage-Fintechs bereithält:

1.) Es geht nicht ohne Vertrieb

Es ist ja schön, wenn man gut im Erfinden von Anlageprodukten ist – entscheidender als das Produkt ist allerdings (leider) der Vertrieb. Die Macher des „Zukunftsfonds glaubten, der aufgeklärte Endkunde würde höchstselbst die Ordermasken ausfüllen oder seine Bank beauftragen, den Fonds in sein Depot zu packen. Hat aber offenbar kaum jemand gemacht. Ohne provisionierte Vertriebler ist’s halt schwer. Und wie ist das bei den Robo Advisors? Die verzweifeln auch bei der Frage, wie sie ihre Produkte an den Endkunden bringen sollen. Selbst der Marktführer Scalable Capital zündete so richtig erst durch die Vertriebskooperation mit der ING Diba.

2. Es gibt zu wenige Selbstentscheider – und die, die selbst entscheiden, sind schwer zu knacken

Theoretisch wäre der „Zukunftsfonds“ prädestiniert für die Zielgruppe der „Selbstentscheider“. Von denen allerdings gibt es hierzulande nicht so wahnsinnig viele. Und die, die es gibt, fühlen sich im Reich bestehender Fonds und vor allem ETFs oft gut bedient. Eine Erfahrung, die zuletzt übrigens auch viele Robo Advisor machen mussten.

Eine Zahl dazu noch: Simple ETFs sind Liebling von Medien und Verbraucherschützern , quasi die „Musterlösung“ gerade von Selbstentscheidern. Aber selbst nach über einem Jahrzehnt des Booms haben Privatanleger bei den Direktbanken gerade einmal 27 Mrd. Euro in ETFs angelegt (Quelle). Klingt viel. Ist aber letztlich auch nur ein Bruchteil (0,4%) des Geldvermögens der privaten Haushalte. Und entspricht ungefähr dem gleichen Volumen, das deutsche Privatanleger in die Aktien von Bayer und BASF investiert haben. Sprich: Die Nische haben selbst die Top-Produkte für Selbstentscheider noch nicht verlassen.

3.) Mediale Präsenz garantiert keine Zuflüsse

Viele Anlage-Fintechs glauben (oder glaubten), eine hohe mediale Präsenz ihres Produkts sorge für so viele Kundenkontakte, dass am Ende (viel hilft viel) genügend hängen bleibe. Ähnlich kalkulierten die Macher des „Zukunftsfonds“. Doch trotz einer geradezu irrsinnigen Serie an Interviews und Porträts in renommierten Medien wie „Spiegel“, „Manager Magazin“ oder „Handelsblatt“, wurde der Fonds vom Publikum schlicht ignoriert (und wenn jetzt einer sagt: Podcast statt Print wäre die Lösung gewesen … Podcasts hat der gute Herr Diekmann natürlich auch gemacht)

4. Nicht jeder ist geeignet, Finanzprodukte zu bewerben

Auch wenn es unfair klingt – aber: Es ist nun mal so, dass nicht jeder Mensch über eine so einnehmende Erscheinung wie, sagen wir, der blondgewellte Herr Podzuweit von Scalable Capital verfügt. Oder anders ausgedrückt: Geldanlage hat in erster Linie etwas mit Vertrauen zu tun. Wer ein Finanzprodukt vertreiben will, sollte sich daher gut überlegen, wen er an die mediale Front schickt (hat es „Weltsparen nicht mal mit dem graugewellten „Tatort“-Schauspieler Nemec versucht?). Oder anders gesagt:  Wenn der Ex-Chef der „Bild“ der der Ex-Investmentbank-Chef der „Dresdner“ schon meinen, einen Volksfonds auflegen zu müssen – dann sollten sie zumindest überlegen, ob sie selbst die geeigneten Testimonials hierfür sind.

5.) What’s new?

Der „Zukunftsfonds“ hat das Problem der kompletten Austauschbarkeit. Es gibt bessere Mischfonds. Es gibt günstigere Mischfonds. Und es gibt Mischfonds, die besser (gemessen an der Performance) und günstiger (in Sachen Gebühren) sind. Vor dem gleichen Problem stehen auch viele Robo Advisor, die sich nicht nur von klassischen Fonds und ETFs, sondern auch noch von Ihresgleichen unterscheiden sollen. Ein Beispiel, wie das gelingen kann, scheint Liqid zu sein. Als „Edel-Robo“ haben sich die Berliner marketingtechnisch einen gewissen USP verschafft.

6.) Underpromise and overdeliver.

Nicht umgekehrt. Die Macher des „Zukunftsfonds“ starteten im November 2017 mit dem Bumms einer „Manager Magazin“-Titelgeschichte, bald schon stand ein „AuM“-Ziel von 20 Mrd. Euro im Raum. Klar: Ziele sind was Schönes. Und Ambitionen schaden nicht. Das Hantieren mit Milliardensummen allerdings bringt wenig. Beispiel Scalable: Die Macher hüten sich (jedenfalls nach unserer Wahrnehmung) tunlichst vor der Formulierung von Asset-Zielen. Folge: Niemand fragt, wann der ersten Milliarde beim verwalteten Vermögen denn endlich die zweite folgt – obwohl die erste immerhin schon anderthalb Jahre zurückliegt.

7.) Kunden wollen Probleme gelöst, aber keine Probleme eingeredet bekommen

Auf Spar- und Girokonten in Deutschland liegt ein vierstelliges Milliardenvermögen. Diese Quelle müsste man doch anzapfen können …

… glaubten die Macher des „Zukunftsfonds“ und glauben auch viele Robo-Manager.

Allein: Was, wenn die Menschen ihr Geld nicht horten, weil sie dumm sind, sondern weil sie es einfach so wollen (zum Beispiel aus einer Präferenz für Liquidität und Sicherheit heraus)? Soll nicht heißen, dass es sich dabei um ein kluge Strategie handelt. Aber: Die Idee, die Menschen mit Verweis auf Altersarmut oder  Kaufkraftverluste zu Anlegern umzuerziehen zu wollen, ist (Beleg: die Entwicklung der Aktionärszahlen) nachweislich gescheitert. Wer mit Finanzprodukten Geld verdienen will, sollte vielleicht mal eine neue Idee mitbringen.

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Das Problem der Deutschen Bank, reduziert auf wenige Zahlen

Von Christian Kirchner

Quartalszahlen! Dürfen wir Ihnen einmal ganz kurz vorrechnen, was das im Falle der Deutschen Bank heißt? Das sind vier DIN-A4-Seiten Pressemitteilung, eine 43-seitige Power-Point-Präsentation, ungefähr zwei Stunden Conference Calls und eine Präzisierung in einem gigantischen Excel-Sheet, das nach unserer Zählung 9.190 Datenzellen enthält.

Einerseits sollte man als Journalist für diese Masse an Material dankbar sein. Andererseits: Vielleicht lenken die vielen Details auch ab von der Frage, um die es eigentlich geht: Geben die Q3-Zahlen bereits Hinweise, ob das neue Geschäftsmodell (weniger Investmentbanking, mehr „sichere“ Erträge) funktioniert bzw. funktionieren kann?

Um es kurz zu machen: Ja, diese Hinweise gibt es. Aber sie sind nicht sehr ermutigend.

Machen wir analytisch mal nicht zu kompliziert, sondern konzentrieren uns auf Erträge und Kosten mit besonderem Fokus auf die sogenannte Kernbank – also auf jene Bereiche, die die Deutsche Bank dauerhaft betreiben will, namentlich:

  • die Unternehmensbank
  • die Privatkundenbank
  • das (gestutzte) Investmentbanking
  • und das Asset Management.

Zur Erinnerung: Die Kosten dieser Kernbank sollen bis 2022 von aktuell 23 Mrd. Euro pro Jahr auf nur noch rund 17 Mrd. Euro sinken, während die Erträge (zuletzt 23,5 Mrd. Euro) gleichzeitig steigen sollen. War von dieser Marschroute in Q3 schon irgendwas zu erkennen?

Nein: In der Kernbank insgesamt sanken die Erträge gegenüber dem Vorjahresquartal um 4% – derweil die Kosten (wohlgemerkt bereinigt um die  Restrukturierungs-Aufwendungen) um 1% stiegen.

Schauen wir uns das Ganze nun für die vier Teilbereiche der neuen Kernbank an:

Entwicklung Kosten und Erträge Q3 2019 vs. Q3 2018 Deutsche Bank, ohne Restrukturierungsaufwendungen

Quelle: DB

Die Grafik zeigt – bei aller Vorsicht mit punktuellen Vergleichen von nur einem Quartal und Saisonalitäten – folgendes:

  • In der „Unternehmensbank“ mit dem kompletten Firmenkundengeschäft stiegen in Q3 die Erträge (wir vergleichen immer mit dem  Vorjahresquartal …) um 6%. Zugleich schossen die Kosten allerdings  mit  13% doppelt so schnell in die Höhe.
  • In der Privatkundenbank inkl. Postbank (siehe auch unsere Analyse hier)  sanken die Erlöse um 2%, die Kosten aber nur um 1%
  • In der Investmentbank fielen die Erträge um 5%, die Kosten (auch hier bereinigt) nur um 2%
  • Und schließlich sanken im Asset Management (DWS) im dritten Quartal die Erträge um 4%. Dagegen stiegen die Kosten um 3% (die DWS selbst kommt in ihrer Berichterstattung auf andere „bereinigte“ Zahlen, siehe unsere Analyse hier)

Mithin: In keiner der vierten Sparten hat die Deutsche Bank schon die Richtung eingeschlagen, die man doch eigentlich einschlagen will – nämlich zumindest etwas höhere Erträge bei zugleich markant niedrigeren Kosten.

Klar – die Deutsche Bank kann durchaus auch Erfolge vorweisen: Die Zahl der Mitarbeiter fiei (so trüb das für die Betroffenen ist) unter 90.000. Zudem geht der Abbau von Risikopositionen in der internen „Bad Bank“ rasch vorwärts. So sind die risikogewichteten Aktiva bereits wenige Wochen nach der Installation der Abbaubank auf 56 Mrd. Euro gesunken. Ende 2018 waren es (rechnerisch) noch 72 Mrd. Euro gewesen.

Aber was nutzt das, wenn aus dem Kerngeschäft (= aus der Kernbank) keine positiven Signale kommen. Sehen auch die Investoren so. Die Aktie verlor gestern 6,9% auf 6,70 Euro.

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DWS: Diese fünf alarmierenden Trends offenbaren die Q3-Ergebnisse

Bär Börse Frankfurt

Von Christian Kirchner

Gut ein Jahr ist DWS-Chef Asoka Wöhrmann nun im Amt. Und hat in dieser Zeit enorm an Bedeutung gewonnen, ohne irgendwas dafür tun zu müssen. Denn: Vor einem Jahr deckte die DWS-Beteiligung gerade mal  20% des Börsenwerts der Deutschen Bank ab. Heute sind es: 33%.

Die Schwäche der Mutter ist die Stärke der Tochter. Und von deren Chef Wöhrmann.

Fragt sich nur: Was haben die DWS und ihre neuer Vordermann in den zurückliegenden zwölf Monaten eigentlich selber getan, um ihren Bedeutungsgewinn innerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns zu rechtfertigen? Antwort: Nun ja, nicht so wahnsinnig viel, es sei denn, die Stabilisierung des Geschäfts und der Mittelzuflüsse ist trotz hervorragender Rahmenbedingungen (=steigende Aktienmärkte) bereits ein Erfolg. Im Gegenteil, die gestern vorgelegten Q3-Zahlen offenbaren fünf alarmierenden Trends:

1.)  Die Kosten sinken zwar – aber nur, wenn man sie um Einmalkosten bereinigt

Die Kosten sinkt gegenüber dem Vorjahresquartal um 2% auf 389 Mio. Euro gesunken. Klingt zunächst einmal gut, zumal Wöhrmann mit dem Anspruch angetreten war, die Cost-Income-Ratio zu senken. Blöd nur: Die  Erträge sind im gleichen Zeitraum etwas stärker gesunken – mit der Folge, dass der Gewinn  gegenüber dem Vorjahr um 5% zurückging.

Hinzu kommt: Bei den Kosten wird munter „adjusted“ (bereinigt“), das Wort taucht in der DWS-Präsentation gleich 21-mal auftaucht. So blieben, wie der Fußnote auf Seite 10 der Präsentation zu entnehmen ist, die Kosten für Abfindungszahlungen und Rechtsstreitigkeiten außen vor.

2.) Der Margenverfall beschleunigt sich

Als die DWS Anfang vergangenen Jahres für ihren Börsengang warb, arbeitete sie nach eigenen Angaben mit einer Marge von 32 Basispunkten. Das damalige Ziel: 30 Basispunkte mittelfristig verteidigen. Und nun, zwei Jahre später? Ist die DWS bei 29 Basispunkten angekommen. Bezogen auf die sieben Anlage-Segmente hinweg (Aktien, Anleihen, Multi Asset usw.) sind die Margen im Q3 in fünf Segmenten zum Vorquartal gesunken und stagnieren in zwei.

3.)  Im Passiv-Geschäft ist alles noch viel schlimmer

Sollte noch jemand an der Wucht der Preiskrieg im ETF-Geschäft zweifeln – in der gestrigen DWS-Präsentation findet sich auf Seite 9 der Beleg. Anfang 2018 (also vor dem Börsengang) lag die Marge im Passivgeschäft noch bei 26 Basispunkten. Inzwischen sind es 20. Man stelle sich mal vor, ein Handwerker müsste für seine  Dienstleistung heute 23% weniger verlangen als vor zwei Jahren.

4.) Das Geld fließt in die dünnmargigen Produkte

Okay, dass die DWS in diesem Jahr überhaupt Netto-Zuflüsse verzeichnet (bislang, wenn wir richtig addiert haben: 12,9 Mrd. Euro), ist ja schon ein gewaltiger Fortschritt. 2018 hatten Investoren noch 23 Mrd. Euro abgezogen …

Indes: Die Nettozuflüsse entfallen saldiert zu 100% (!) auf das Passivgeschäft, also auf den Bereich, in dem die Margen am dramatischsten fallen.

5.) Die Gewinne steigen trotz Rückenwind von den Märkten nicht

Letzten Endes ist ein Asst Manager ja immer nur so gut wie der Kapitalmarkt. Was das betrifft, gibt es in laufenden Jahr wenig zu meckern. Aktien steigen, Anleihen steigen – und damit auch automatisch das Vermögen, auf dass die  DWS Gebühren berechnen kann, über die Zuflüsse hinaus (und zwar um 90 Mrd. auf 752 Mrd. Euro).

Dennoch ist der operative Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal eben nicht signifikant angestiegen, sondern wird vom Margendruck aufgezehrt. Womöglich ist dies das alarmierendste Signal von allen.

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5% oder 35%? Wie viele Deutsche nutzen Mobile Payment wirklich?

Mobile Payment

Von Heinz-Roger Dohms

„Ein Drittel der Bundesbürger zahlt inzwischen mobil.“  Mit dieser Aussage sorgte neulich die Postbank für Aufsehen. Der spektakuläre Befund (Mitteilung hier) war allerdings auch spektakulär missverständlich. Denn: Das Bonner Institut hatte unter „Mobile Payment“ auch kontaktlose Kartenzahlungen einsortiert – und damit das Umfrage-Ergebnis dramatisch verzerrt …

Ein Einzelfall? Nein, kein Einzelfall. Seit dem Deutschland-Launch von Google Pay und Apple Pay im vergangenen Jahr vergeht kaum noch ein Monat ohne neue „Wie viele Bundesbürger nutzen Mobile Payment?“-Studie. Das große Problem dabei: Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition, was „Mobile Payment“ überhaupt ist. Hinzu kommen methodische Fragwürdigkeiten (ob aus Kalkül oder aus Unwissen, sei mal dahingestellt). Folge: Die Umfrage-Ergebnisse weichen kolossal voneinander ab. Mal heißt es, 5% der Deutschen würden mobil bezahlen. Dann sind es plötzlich 7%, 17%, 26%, 33% oder gar 35%.

Fragt sich: Sollte man die Studien einfach ignorieren? Oder ergibt sich – wenn man sie richtig auswertet – vielleicht doch ein Hinweis, wo die Wahrheit liegen könnte? Finanz-Szene.de hat zwölf der wichtigsten Studien untersucht. Lesen Sie hier, was dabei herausgekommen ist:

Bitkom

Was genau wurde gefragt? „Haben Sie schon einmal mobil bezahlt mit Smartphone oder Smartwatch?“

Wie lautet die entscheidende Zahl? 30% der Befragten beantworteten die Frage mit „Ja“.

Wann wurde die Umfrage erhoben? Im Januar 2019.

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? Ende Januar 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Auf den ersten Blick nicht (mal abgesehen davon, dass der Bitkom solche Zahlen unguterweise selbst erhebt, also keinen externen Marktforscher beauftragt).

Wie war die mediale Resonanz? Von den großen Tageszeitungen berichtete die „FAZ“, von den Fachdiensten zum Beispiel „Heise Online“. Dort lautete die Schlagzeile: „Google Pay, Apple Pay: 30 Prozent der Deutschen nutzen mobiles Bezahlen.“

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Wir halten die 30% für viel zu hoch gegriffen. Wie es zu dem Resultat kommen konnte, ist schwer zu sagen. Womöglich war vielen Befragten nicht bewusst, dass sich die Umfrage rein auf „Mobile Payment “ am „Point of Sale“ bezog (also kein E-Commerce umfasste). Sobald die Fragen nämlich konkreter wurden, sanken die Werte massiv. Beispiel: Befragt, ob sie schon einmal „in Cafés, Bars oder Restaurants“ mit Smartphone oder Smartwatch bezahlt haben, schnurrte die Zahl der „Mobile-Payment-Nutzer“ auf nur noch 1,2% zusammen.

Creditplus

Was genau wurde gefragt? „Im Jahr 2018 haben einige Anbieter (z.B. Google, Apple) das Bezahlen mit dem Handy eingeführt. Wie häufig nutzen Sie diese Bezahlmethode im Supermarkt?“

Wie lautet die entscheidende Zahl? 17% (die Zahl addiert sich aus 5% „Bei fast allen Einkäufen“, 5% „Bei über der Hälfte der Einkäufe“ und 7% „Bei unter der Hälfte der Einkäufe).

Wann wurde die Umfrage erhoben? April 2019

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? September 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Nein.

Wie war die mediale Resonanz? Überschaubar. Es berichtete z.B. „mobilbranche.de“, allerdings nicht mit Fokus auf die Mobile-Payment-Frage, sondern mit Fokus auf kontaktloses Bezahlen allgemein („Jeder Zweite interessiert sich für kontaktloses Bezahlen“).

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Die Umfrage wirkt auf uns solide. Wobei unserem Bauchgefühl nach die 17% immer noch deutlich zu hoch anmuten. Aber unser Bauchgefühl  muss ja nicht immer maßgeblich sein.

Eco (Verband der Internetwirtschaft)

Was genau wurde gefragt? „Wie häufig nutzen Sie Ihr Smartphone, um damit in Ladengeschäften zu bezahlen (z.B. Apple Pay oder Google Pay)?“

Wie lautet die entscheidende Zahl? 5,5% der Teilnehmer antworteten „regelmäßig“. Weitere 6,6% antworteten „selten“ oder „sehr selten“.

Gibt es sonst noch eine wichtige Zahl in der Studie? Ja. Auf die Frage „Denken Sie, dass ‚Mobile Payment‘ (Bezahlen mit Smartphone in Geschäften) die klassische EC-/Kreditkarte mittelfristig ablösen wird“, antworteten 8,9% mit „Ja, auf jeden Fall“ und weitere 24% mit „Eher ja“.

Wann wurde die Umfrage erhoben? Februar 2019

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? März 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Nein (wobei man uns so richtig in die Studie nicht hat gucken lassen)

Wie war die mediale Resonanz? Die Studie wurde u.a. vom vielgelesenen Fachportal „mobiflip“ aufgegriffen. Tenor dort: „Mobile Bezahldienste haben es in Deutschland weiterhin schwer.“

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Für uns klingt das alles nachvollziehbar.

EHI Retail Institute

Was genau wurde gefragt? „Würden Sie beim Einkauf im Supermarkt zukünftig lieber mit Smartphone oder konventionell mit Karte oder Bargeld bezahlen?“

Wie lautet die entscheidende Zahl? 17%

Wann wurde die Umfrage erhoben? September 2018

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? Januar 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Etwas unglücklich mutet an, dass die Daten deutlich vor dem Marktstart von Apple Pay (Dezember 2018) erhoben, aber erst danach veröffentlicht wurden.

Wie war die mediale Resonanz? Auf Fachpublikationen wie „etailment“ beschränkt. (Tenor: „In Deutschland ist die Begeisterung über die neue Bezahlmöglichkeit per Smartphone noch verhalten“)

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Da nicht nach dem heutigen Verhalten, sondern nach dem künftigem gefragt wurde, erscheinen uns diese 17% plausibler als die 17% der Creditplus. Wobei die Zahl sicherlich höher ausgefallen wäre, hätte man denselben Teilnehmern dieselbe Frage nach dem Markstart von Apple Pay gestellt statt kurz davor. Denn: Erst da haben viele Menschen erstmals von „Mobile Payment“ wirklich gehört – so jedenfalls unser Eindruck.

Entersekt

Was genau wurde gefragt? Wie häufig verwenden Sie Apps für mobile Zahlungen (z.B. Apple Pay, Google Pay, Boon, Garmin Pay) auf ihrem Mobilgerät (Smartphone oder Tablet)?

Wie lautet die entscheidende Zahl? 35% (die Summe aller Teilnehmer, die auf die Frage mit „täglich“, „Mehrmals die Woche“, „Einmal die Woche“ oder „Mehrmals im Monat“ antworteten)

Wann wurde die Umfrage erhoben? Mai 2019

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? September 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? 1.) Gewertet wurden nur Umfrageteilnehmer, die ein Mobilgerät besitzen (was freilich auf die allermeisten zutraf). 2.) Es scheint so, als habe man eigentlich nach „Mobile Payment“ am „Point of Sale“ fragen wollen, durch ein ungeschicktes Frage-Design aber dann kein zielführendes Ergebnis erhalten. So heißt es in der Studie in sympathischer Offenherzigkeit: „Das mit Abstand populärste (von 32 Prozent verwendet), allerdings nicht ganz in diese Kategorie passende Produkt ist PayPal (Peer-to-Peer-/E-Money-Zahlungen). Es folgen Google Pay (8 Prozent) sowie Apple Pay und Payback Pay (beide rund 4 Prozent).“ (Fettung unsererseits)

Wie war die mediale Resonanz? Zusammen mit anderen Studien wurde die Umfrage unter der Überschrift „Mobile Payment hat in Deutschland Nachholbedarf“ bei „Springer Professionell“ aufgegriffen.

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Siehe die methodischen Auffälligkeiten

Euro Kartensysteme („Girocard“)

Was genau wurde gefragt? „Haben Sie schon einmal mobil mit Ihrem Smartphone an der Kasse bezahlt?“

Wie lautet die entscheidende Zahl? 16% (die Zahl addiert sich aus 9%, die sagten, „Ja, schon häufiger“, und 7%, die meinten, „Ja, ich habe es schon mal probiert“.

Wann wurde die Umfrage erhoben? Februar, März 2019

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? September 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Uns erscheint die Stichprobe (239 befragte Personen) etwas dünn

Wie war die mediale Resonanz? Die „Zeitschrift für das Kreditwesen“ meldete auf ihrer Website: „Rund ein Jahr nach Einführung der digitalen Girocard in Deutschland verzeichnet die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) stetig wachsendes Interesse an Mobile Payment. “

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Das Resultat deckt sich z.B. mit der Umfrage der Creditplus, erscheint uns aber trotzdem aus dem Bauch heraus etwa zu hoch.

Oliver Wyman

Was genau wurde gefragt? Unter der Maßgabe „Nutzung von Apps zum Mobilen Bezahlen“ wurden die Umfrageteilnehmer gefragt, welche der folgenden „Möglichkeiten“ sie „schon mindestens einmal“ genutzt haben . Dazu gab es Antwortvorgaben wie „Paypal App“, „Apple Pay“, „Google Pay“ oder „Die App meiner Hausbank“.

Wie lautet die entscheidende Zahl? 26% (da sind die Teilnehmer, die angaben, mindestens eine der Methoden schon mindestens einmal angewandt zu haben)

Wann wurde die Umfrage erhoben? Januar 2019

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? Mai 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Siehe unten.

Wie war die mediale Resonanz? Die Studie wurde unter anderem vom IT-Finanzmagazin aufgegriffen. Der Tenor dort: „Mobile Payment: Dieses Jahr kommt der Durchbruch in Deutschland“

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Das hohe Ergebnis erklärt sich vor allem dadurch, dass auch nach der „Paypal App“ gefragt wurde (die auf 16% angegebene Nutzung kam, während Apple Pay nur auf 4% kam). Die „Mobile Payment“-Definition ist hier weiter gefasst. Denn:  Mit der „Paypal App“ lässt sich in Kombination mit „Google Pay“ zwar auch am „Point of Sale“ bezahlen. Sie ist allerdings ursprünglich eher ein Tool für P2P-Zahlungen (sprich: ein Nutzer überweist einem anderen Geld).

Paypal

Was genau wurde gefragt? „Haben Sie Ihr Smartphone schon einmal benutzt, um damit im Ladengeschäft bargeldlos zu bezahlen?“

Wie lautet die entscheidende Zahl? 7% (so viele der Befragten haben hierauf mit „Ja“ geantwortet)

Gibt es sonst noch eine wichtige Zahl in der Studie? Ja. Auf die Frage, ob sie sich „vorstellen können, im Ladengeschäft mit dem Smartphone zu bezahlen“, antworteten satte 39% mit „Ja“.

Wann wurde die Umfrage erhoben? November/Dezember 2018

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? März 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Auch hier fiel der Deutschland-Start von Apple Pay zwischen Befragung und Veröffentlichung. Davon abgesehen wirkt die Umfrage (Stichprobe: >3000; Marktforscher: Forsa) auf uns seriös und nachvollziehbar.

Wie war die mediale Resonanz? Das „IT-Finanzmagazin“ berichtete: „80 Prozent nutzen Girocard, Mobile Payment muss sich am POS erst noch beweisen.“

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Die große Diskrepanz zwischen der Zahl derer, die schon mobil bezahlen, und der Zahl derer, die es sich vorstellen können, finden wir sehr plausibel.

Postbank

Was genau wurde gefragt? „Mobile-Payment oder kontaktloses Bezahlen beschreibt die Möglichkeit, mit einem mobilen Endgerät wie Smartphone oder Tablet (…) quasi im Vorbeigehen zu bezahlen. Dabei reicht es aus, wenn Sie (…) Ihr Smartphone oder Tablet für ein paar Sekunden in die Nähe eines Lesegerätes an der Kasse halten. Nutzen Sie diese Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens bereits?

Wie lautet die entscheidende Zahl? 11%

Wann wurde die Umfrage erhoben? Februar, März 2019

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? Juli 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Uns scheint, als sei bei der Umfrage und ihrer Aufbereitung ein bisschen was durcheinander gegangen, siehe oben bzw. unten

Wie war die mediale Resonanz? Unter der Überschrift „Lieber Paypal als Apple“ berichtete das „Handelsblatt“ exklusiv über die Studie.

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Die Postbank verbreitete ihre eigene Studie unter der Schlagzeile. „Ein Drittel der Bundesbürger bezahlt inzwischen mobil“. Die Diskrepanz zwischen den 11% und dem „Drittel“ ergibt sich dadurch, dass der Bonner Konzern u.a. auch das kontaktlose Zahlen per Karte als „Mobile Payment“ definierte (siehe oben). Ein zweites unerwartetes Ergebnis: Das mit Abstand beliebteste Mobile-Payment-Verfahren „an der Kasse“ ist der Postbank-Umfrage zufolge Paypal (51%) mit weitem Abstand vor Google Pay (13%) und Apple Pay (11%). Hier verweisen wir auf das, was wir weiter oben so ähnlich schon zur Oliver-Wyman-Studie gesagt haben: Zwar lässt sich mit der „Paypal App“ in Kombination mit „Google Pay“ auch am „Point of Sale“ bezahlen. Die 51% sind aber nur dann schlüssig, wenn man sich P2P-Zahlungen und sehr wahrscheinlich auch E-Commerce-Transaktionen mitdenkt. Wir vermuten, dass Umfrageteilnehmer genau diese beiden „Use Cases“ im Sinn hatten, auch wenn in der Postbank-Studie explizit nur von Bezahlvorgängen „an der Kasse“ die Rede ist.

PwC

Was genau wurde gefragt? „Bezahlen Sie mit Ihrem Smartphone?“

Wie lautet die entscheidende Zahl? 5% (weitere 10% antworteten „Noch nicht, ich plane es aber“)

Wann wurde die Umfrage erhoben? Oktober, November 2018

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? Oktober 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Die Stichprobe für Deutschland ist (bedingt dadurch, dass es sich um eine internationale Studie handelte) mit 250 eher klein. Zudem lag zwischen der Erhebung und der Veröffentlichung so viel Zeit, dass die Ergebnisse (angesichts der Dynamik, die in dem Thema steckt) bei Veröffentlichung nicht mehr wirklich aktuell waren.

Wie war die mediale Resonanz? Weil die Studie a) einen internationalen Vergleich erlaubt und b) von der „dpa“ aufgegriffen wurden, fand Sie unter Überschriften wie „Per Smartphone zahlen? Bitte nicht“ („Süddeutsche“) oder „Deutsche wollen nicht mit Handy bezahlen“ („Heise“) breiten Widerhall

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Auch wenn das Ergebnis unserer persönlichen Wahrnehmung durchaus entspricht, bleiben wir angesichts der methodischen Auffälligkeiten vorsichtig.

Visa

Was genau wurde gefragt? „Wie oft zahlen Sie mit dem Smartphone kontaktlos im Geschäft?“

Wie lautet die entscheidende Zahl? Visa veröffentlicht die Ergebnisse der Studie nicht im Detail. Eine Sprecherin teilte lediglich mit, dass 6% mit „täglich“ oder „mehrmals täglich“ geantwortet hätten.  Wir gehen davon aus, dass es weitere „positive“ Antwortvorgaben wie „mehrmals im Monat“ gab und dass die Zahl der mehr oder weniger regelmäßigen „Mobile Payment“-Nutzer der Umfrage zufolge oberhalb der kommunizierten 6% liegen dürfte.

Gibt es sonst noch eine wichtige Zahl in der Studie? Auf die Frage „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie in den nächsten 12 Monaten eine mobile Bezahllösung ausprobieren werden, also mit dem Smartphone der Smartwatch oder einem anderen Wearable bezahlen?“, antworteten nach Angaben eines Sprechers 23% mit „wahrscheinlich“ oder „sehr wahrscheinlich“. Ob sich die 23% auf die Stichprobe der Befragten oder nur auf die „Noch-Nicht-Mobile-Payment-Nutzer“ beziehen, wissen wir nicht.

Wann wurde die Umfrage erhoben? Mai 2019

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? September 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? 18- bis 35-jährige Befragte wurden deutlich übergewichtet.

Wie war die mediale Resonanz? Internetworld berichtete unter der Headline „Mobile Payment: Jeder vierte will es ausprobieren“.

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Mangels Detailkenntnis keine Bewertung.

Yougov

Was genau wurde gefragt? „Würden Sie per App bezahlen im Supermarkt?“

Wie lautet die entscheidende Zahl? 35% antworteten auf die Frage mit „Ja“.

Wann wurde die Umfrage erhoben? November 2018

Wann wurden die Ergebnisse veröffentlicht? Februar 2019

Gab es irgendwelche methodischen Auffälligkeiten? Wir haben es nicht mehr geschafft, uns auch diese Studie noch en detail anzugucken.

Wie war die mediale Resonanz? Die Pressemitteilung von Yougov war überschrieben: „Jeder vierte Deutsche hat Interesse am Bezahlen per App.“

Wie beurteilt Finanz-Szene.de das Ergebnis? Uns erschließt sich intellektuell nicht ganz, wie nur „jeder vierte Deutsche“  Interesse am Bezahlen per App haben kann, wenn zugleich 35% mit einer App im Supermarkt bezahlen würden. Wenn Sie sich die Lösung des Rätsels zutrauen: Hier die Umfrage im Original (PDF)

Resümee

Verlässliche Aussagen zur Nutzung von „Mobile Payment“ in Deutschland sind trotz der Fülle an Studien bislang schwierig. Und das wird auch so bleiben, bis die wichtigen Anbieter erste tatsächliche Zahlen veröffentlichen.

Wenn wir dennoch zu einem ersten vorsichtigen Urteil kommen dürfen:

  • Da, wo konkret nach der Nutzung des Smartphones am „Point of Sale“ gefragt wurde, pendeln sich die Ergebnisse (wenn wir die Ausreißer eliminieren und noch einen kleinen „Aus dem Bauch heraus“-Abzug vornehmen dürfen) irgendwo bei 5% bis 10% ein. Das erscheint uns nicht unplausibel
  • Zugleich deutet sich an, dass das Potenzial über diese 5% bis 10% sehr deutlich hinausgeht. Auch das wäre aus unserer Sicht nachvollziehbar. Denn 1.) So überschaubar der Convenience-Gewinn im Vergleich zur Karte sein mag – wenn der durchschnittliche Verbraucher immer mehr Dinge mit dem Smartphone erledigt, warum nicht dann auch das Bezahlen? Und 2.) Die hohe Akzeptanz, die Paypal im E-Commerce genießt, ist aus unserer Sicht ein Indiz, dass Anbieter wie Google Pay oder Apple Pay am physischen „Point of Sale“ eine ähnliche Bedeutung erlangen könnten.

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Comdirect pusht Quartalsgewinn übers Kartengeschäft

Comdirect Zentrale Quickborn

Von Christian Kirchner

Wenn es um die Comdirect ging, haben wir von Finanz-Szene.de in den vergangenen Monaten ganz schön viel zu motzen gehabt.

Konkret beanstandeten wir …

  • dass sich das Wachstum bei Kunden und Vermögen nicht in nachhaltig steigende Überschüssen niederschlägt (hier)
  • dass die Onlinebank bei wesentlichen Kennziffern wie der Cost-Income-Ratio inzwischen schlechter dastehe als die Mutter Commerzbank (hier)
  • dass die Incentivierung der Comdirect-Vorstände mit Commerzbank-Aktien fragwürdig erscheint (hier)
  • und dass eine ganze Menge guter Gründe für die Integration der Comdirect in die Commerzbank spricht – zumindest durch die Brille eines Coba-Stakeholders (hier).

Und wo bleibt das Positive? Das kommt hier:

Einen Tag nach den vorgezogenen (und ordentlichen) Zahlen der Mutter hat gestern auch die Comdirect ein (neudeutsch) „okayes“ Zahlenwerk zum dritten Quartal 2019 präsentiert (Details hier). Selbst bereinigt um Sondereffekte  – darunter ein Einmalertrag aus dem Ebase-Verkauf – scheinen sich die Dinge zuletzt ganz vernünftig entwickelt zu haben:

  • Die Comdirect hat auch im dritten Quartal knapp 50.000 Neukunden gewonnen
  • Die Erträge stiegen leicht
  • Bei den Kosten ging es zumindest gemessen an den letzten Quartalen nach unten
  • Und die Cost-Income-Ratio tickt etwas herunter von 79% in 2018 auf nunmehr 78% (jeweils bezogen auf neun Monate)

Bereinigt um Ebase und sonstige „nicht fortgesetzte Geschäftsaktivitäten“ bleibt so für die ersten neun Monate ein Ergebnis vor Steuern von 61 Mio. Euro nach 53 Mio. Euro zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Nicht doll. Aber immerhin.

Hier weitere Beobachtungen im Telegrammstil:

  • CEO Arno Walter erklärte explizit, dass der Staffelzins der EZB der Comdirect helfe – und bezifferte die Einsparungen beim Zinsaufwand auf rund 6 Mio. Euro pro Jahr. Entspricht immerhin 12% des 2018er-Überschusses.
  • Walter gab auch einen kleinen Einblick, wie stark die PSD2-Einführung das Institut belastet habe: Die Kundenanfragen seien quasi rund um die Uhr auf die Bank eingeprasselt, nur morgens zwischen 4 und halb 5 habe Ruhe geherrscht, „das scheint die einzige Zeit zu sein, in der fast alle Menschen hierzulande schlafen“.
  • Blickt man in die Innereien des Zahlenwerks, bestätigt sich auf Basis der Neunmonatszahlen ein Trend vieler Institute: Trotz Schwierigkeiten mit den Niedrigzinsen steigt der Zinsüberschuss (bei der Comdirect: +9%) stärker als der Provisionsüberschuss (+4%). Offenbar macht die Bank über Volumen wett, was an Margendruck herrscht…
  • ….wobei das Plus im Provisionsüberschuss nicht aus dem Wertpapiergeschäft kommt („nur“ +1%), sondern aus dem Bereich Zahlungsverkehr. Dort kletterte der Überschuss von kleiner Basis (15 Mio. Euro) um 30% auf 20 Mio. Euro. Damit steht der Zahlungsverkehr im Vergleich zu 2018  für zwei Drittel des Zuwachses beim operativen Gewinn …
  • …. was CEO Walter vor allem auf den Einsatz von Karten im Zahlungsverkehr zurückführte. Es tue sich was in Sachen elektronisches Bezahlen.

Ob das indes alles Argumente sind, die Commerzbank von einer Re-Integration abzubringen? Zu diesem  Thema wollte Walter „aus rechtlichen Gründen“ nichts sagen – eine Stellungnahme könne man erst abgeben, wenn ein konkretes Angebot auf dem Tisch liege.

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Commerzbank schlägt (die selbst gedrückten) Erwartungen

Von Christian Kirchner

Die Latte ein bisschen tiefer zu hängen, um leichter drüberspringen zu können, ist ein altbekannter Trick. Die Latte allerdings so tief zu hängen, dass man fast versäumt hätte drüberzuspringen – das ist ein Bubenstück, wie es nur einem gelingt. Nämlich unserer lieben Commerzbank.

Etwas weniger blumig: Am späten Nachmittag hat die Coba gestern per Ad-hoc die wesentlichen Kennziffern ihres Quartals-Ergebnisses (Juli bis September) vorab veröffentlicht. Und die Zahlen sind, da gibt es nichts zu deuteln, absolut betrachtet wirklich sehr ordentlich (448 Mio. operativer Gewinn, 294 Mio. Euro Nettogewinn). Noch sehr viel schmucker sehen die Zahlen freilich in der relativen Betrachtung aus, also gemessen an dem, was der Markt angeblich vorausgesagt hatte.  So heißt es gleich in der Überschrift und zu Beginn des zweiten Absatzes der Commerzbank-Mitteilung, das Ergebnis liege  „über den Erwartungen“ bezogen auf die durchschnittlichen Analysten-Schätzungen. Die indes waren erst kurz zuvor veröffentlicht worden. Es musste offenbar alles sehr schnell gehen.

Hier der entsprechende Vergleich zwischen der sogenannten Konsens-Schätzung und den tatsächlichen Zahlen für das dritte Quartal:

in Mio. Euro Konsens tatsächlich
Erträge 2.136 2.183
Kosten * Pflichtabgaben 1.645 1.621
Risikoergebnis 145 114
operativer Gewinn 353 448
operativer Gewinn Privatkunden 289 315
operativer Gewinn Firmenkunden 99 146
Nettogewinn 248 294

Eigentlich wären die Q3-Zahlen (also die tatsächlichen)  erst am 7. November fällig gewesen. Weicht das Ergebnis allerdings deutlich von den Konsens-Schätzungen ab (die die Commerzbank vergangene Woche für das Quartal eingeholt hatte), muss eine AG dies unverzüglich mitteilen – eine Pflicht, der die Commerzbank in schwierigen Zeiten gewiss gerne nachgekommen ist. Und die auch an der Börse mit einem Plus von 2,3% der Aktie honoriert wurde.

Nun mag es ein wenig haarspalterisch klingen. Aber dass die Commerzbank die Erwartungen geschlagen hat, hängt zentral damit zusammen, dass sie ebendiese Erwartungen in den vergangenen Monaten – vor allem mit der Vorstellung der Strategie „Commerzbank 5.0“ – in rekordverdächtigem Ausmaß gedrückt hatte. Allen voran Vorstandschef Martin Zielke strahlte aus, er ringe sich zu den ganzen unschönen Maßnahmen (Jobstreichungen, mBank-Verkauf,  Comdirect-Verschmelzung …) vor allem deshalb durch, weil die Zeiten nicht nur düster werden, sondern es längst schon sind.

Hat da also einer ein allzu kalkuliertes Erwartungs-Management betrieben? Finanz-Szene.de jedenfalls pflegt einen kleinen Ordner, in den wir immer brav die historischen Konsens-Schätzungen ablegen. Und darum können wir heute  kurz dokumentieren, wie sich diese Konsens-Schätzungen für das Gesamtjahr 2019 bei der Commerzbank zwischen Mai  und nunmehr Oktober verändert haben:

Schätzung für 2019 im Mai aktuell Veränderung
Erträge 8.703 8.572 -131
Kosten 6.328 6.362 34
operativer Gewinn gesamt 1.404 1.168 -236
Nettogewinn gesamt 894 776 -118
operativer Gewinn Privatkunden 887 913 26
operativer Gewinn Firmenkunden 710 352 -358

Quelle: Analysten-Konsensschätzungen laut Commerzbank-Homepage 

Kurz: Innerhalb weniger Monate sind die Erwartungen drastisch gesunken – nur damit die Commerzbank nun plötzlich verkündet: Ätsch, wie liegen ja viel besser im Rennen, als Ihr alle glaubt.

Aus den heute veröffentlichten Konsens-Schätzungen für die Jahre 2019 bis 2021 (den ersten seit Verkündung der Strategie „Commerzbank 5.0“) geht indes auch hervor, wie skeptisch Analysten nunmehr für die kommenden Jahre sind. Hier eine kleine Übersicht der Prognosen für das Jahr 2021 – wie diese im Mai und August ausgesehen haben und nun aktuell aussehen:

in Mrd. Euro Mai August aktuell
Erträge 9,2 8,9 8,0
davon Zinserträge 5,3 5,2 4,6
davon Provisionserträge 3,3 3,1 3,0
Kosten 6,1 6,2 5,9
operativer Gewinn 2,0 1,6 1,1
Nettogewinn 1,3 1,0 0,7

… was wiederum heißt: Binnen weniger Monate korrigierten Analysten ihre Ertrags-Erwartungen um 1,2 Mrd. Euro herunter, ihre Kosten-Erwartungen aber nur um 0,2 Mrd. Euro. Das damit droht, provokant formuliert, das „Deutsche-Bank-Syndrom“ der letzten vier Jahre: zwar sinken die Kosten. Aber eben nicht so schnell wie die Erträge, was den Gewinn unter Druck setzt.

Wenn jedenfalls ein Sinn der Übung der Strategie „Commerzbank 5.0“ auch war, „da draußen“ für eine Erwartungs-Reduktion zu sorgen, damit die Ergebnisse wenigstens gefühlt maximiert werden können – dann ist das der Commerzbank definitiv gelungen. Und die Grundlage ist geschaffen, es deutlich besser zu machen als in den vergangenen Jahren: Statt viel zu versprechen (hier eine Finanz-Szene.de-Übersicht der drei gescheiterten Strategien der letzten zehn Jahre) und dann wenig zu liefern, wird jetzt halt wenig versprochen – damit das mit dem Liefern nicht mehr so schwer fällt.

Die Deutsche Bank jedenfalls ist fein raus und kann ihre Ergebnisse am Mittwoch ganz entspannt präsentieren: die selbst ermittelten Analystenschätzungen zu verfehlen ist Stand Montag nicht möglich.

Es gibt einfach keine – man habe nicht genügend Schätzungen für eine aussagekräftige Durchschnittsbildung, heißt es auf der Investor-Relations-Seite der Bank.

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Die B2B-Playlist: Auf diese Fintechs setzt die Solarisbank

Von Heinz-Roger Dohms

Welche Alben werden von Musikern gehört? Welche Bücher werden von Schriftstellern gelesen? Und auf welche Fintechs (und sonstigen technischen Zulieferer) setzt eigentlich die Solarisbank?

Der Geschäftsbericht (den wir dieser Tage eigentlich unter anderen Gesichtspunkten gelesen haben) gibt hierzu überraschend detailliert Auskunft. Für all diejenigen, die sich für so was interessieren könnten, eine Übersicht:

  • PASS (Kernbanksystem)
  • zeb.control.risk (Risikosteuerungs-Software)
  • IDnow (Neukunden-Identifizierung)
  • Schufa (Scoring; Infodatenbank)
  • 360kompany AG (Bereitstellung von Handelsregister-Daten)
  • SIA S.p.A. (Issuing Processor)
  • Idemia (Kartenproduzent)
  • Visa, Mastercard (Karten-Zahlungssystee)
  • FintecSystems (Kontoinformationsdienst)

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Hohe Verluste: Lässt die Deutsche Bank die Norisbank verfallen?

Skyline Bonn

Von Christian Kirchner

Wenn es darum geht, wie eine Bank zu führen, wissen es Unternehmensberater, Finanzaufseher und  Journalisten in der Regel besser als die Vorstände selbst. Glauben sie jedenfalls. Heraus kommt als Musterlösung meist, wenn wir das mal so salopp zusammenfassen dürfen: Die Banken müssen viel disziplinierter sparen, Filialen schließen, voll auf die Digitalisierung setzen und idealerweise auf Augenhöhe mit den Fintechs kommen. Dann wird’s auch wieder was mit der Profitabilität.

Umso interessanter, dass es eine Bank gibt, bei der die Eigner diese Musterlösung mehr oder weniger 1:1 verfolgt haben – nämlich die Norisbank, Sitz nunmehr Bonn, für die die Deutsche Bank 2006 mehr als 400 Mio . Euro hingelegt hat und die mit 550.000 Kunden ein ernstzunehmender Spieler im eigentlich wachsenden deutschen Direktbanken-Markt ist.

Seit 2007 – dem ersten vollen Geschäftsjahr nach der Übernahme – haben sich die wichtigsten Kennziffern wie folgt entwickelt:

  • Die Verwaltungsaufwendungen sanken um 71%.
  • Die Zahl der Mitarbeiter sank um 84%.
  • Und die Zahl der Filialen sank sogar um 100%. Die wurden nämlich 2012 geschlossen.

So ist die heutige Norisbank ein Institut, das bei Kennziffern wie der Bilanzsumme pro Mitarbeiter oder Zahl der Kunden pro Mitarbeitern um Längen effizienter aufgestellt ist selbst zum Beispiel die deutsche ING, die DKB, die Comdirect oder gar N26.

Bilanzsumme in Mio. € pro Mitarbeiter
Comdirect 18
DKB 20
ING 73
N26* 7
Norisbank 73
* basierend auf Schätzung 1.000 MA
Kunden pro Mitarbeiter
Comdirect 1.695
DKB 1.028
ING 1.879
N26* 3.500
Norisbank 10.340
* basierend auf Schätzung 1.000 MA

Quelle: Geschäftsberichte

Die Sache hat nur einen Haken. Heraus gekommen ist eine Bank, die 2018 laut jüngst veröffentlichtem Abschluss einen Verlust von 12 Mio. Euro geschrieben hat. Das war zwar (auch) einigen Anpassungen in der Bilanzierung geschuldet, schreibt die Norisbank in ihrem Abschluss und betont ein Deutsche-Bank-Sprecher auf Anfrage von Finanz-Szene.de. Blickt man aber etwas weiter zurück (nämlich bis 2012, also dem Jahr der Umwandlung von der Filial- zur reinen Direktbank), dann sieht man: Der letzte ernstzunehmende Überschuss (15 Mio. Euro) stammt aus 2013. Seitdem krebst das Institut auch ohne Bilanzeffekte beim Gewinn um die Null-Linie herum oder rutscht eben, wie 2018 geschehen, tief in die roten Zahlen. Selbst ohne Extra-Effekt wäre gerade mal eine schwarze Null heraus gekommen.

Um zu verstehen, was das passiert ist, wollen wir uns die wichtigsten Kennziffern der Bank über zwei (sich leicht überschneidende) Sechs-Jahres-Zeiträume anschauen. Einmal 2009 bis 2014 …

2009 2010 2011 2012 2013 2014
Zins-Ergebnis in Mio. 141 146 131 90 61 56
Provisions-Ergebn. in Mio. 22 16 23 16 5 2
Verwaltungs-Kosten in Mio 86 90 87 89 40 35
Bilanz in Mrd. 5,8 6,2 5,1 3,9 3,4 3,9
Kunden in Tsd 635 645 650 609 568 559
CIR in % 67 70 72 164 79 84
Mitarbeiter 469 468 466 295 45 48
Überschuss 12 22 27 -67 15 -5

… und einmal 2013 bis 2018 …

2013 2014 2015 2016 2017 2018
Zins-Ergebnis in Mio. 61 56 52 47 44 41
Provisions-Ergebn. in Mio. 5 2 1 2 2 1
Verwaltungs-Kosten in Mio 40 35 32 33 32 33
Bilanz in Mrd. 3,4 3,9 3,5 3,6 3,7 3,9
Kunden in Tsd 568 559 545 550 555 548
CIR in % 79 84 84 94 94 103
Mitarbeiter 45 48 47 47 51 53
Überschuss 15 -5 3 1 0 -12

jeweilige Quelle: Geschäftsberichte

Man sieht: Zwischen 2009 und 2011 entwickelte sich die Norisbank offenbar in die richtige Richtung. Die Kundenzahl stieg, die Zinseinnahmen muteten auskömmlich an, an Provisionsgeschäft fiel ein bisschen was ab – und die Verwaltungskosten waren immerhin so überschaubar, dass 2011 aus 5,1 Mrd. Euro Bilanzsumme ein Überschuss von 27 Mio. Euro generiert wurde.

Überschlägt man nun das Übergangsjahr 2012 (in dem hohe Einmalkosten das Ergebnis komplett verhagelten) und guckt auf die „neue“ Norisbank von 2013/2014, dann fällt auf: Zwar gelang es, die Verwaltungskosten durch den radikalen Umbau zur reinen Online-Bank um weit mehr als 50% zu drücken. Demgegenüber stand allerdings ein Verlust an Erträgen, der über die erzielten Einsparungen deutlich hinausging.

Schaut man nun auf die zweite Tabelle (also die von 2013 bis 2018), so sieht an. Die Norisbank hat ihre Kosten zwar im Griff. Die Erträge allerdings verflüchtigen sich (bedingt durch die Niedrigzins-Ära) mehr und mehr. So kommt es, dass die Deutsche-Bank-Tochter, die auf den ersten Blick ein Musterbeispiel für Cost-Cutting zu sein scheint, zugleich eine dramatisch steigende Cost-Income-Ratio aufweist:

Quelle: Geschäftsberichte

Nun mag man darüber streiten, ob die Norisbank angesichts des Zinstiefs heute ohne die einstigen radikalen Einschnitte womöglich noch schlechter dastünde. Festzuhalten aber bleibt:

  1. Vor dem Umbau schien die Norisbank nicht schlecht dazustehen. Seit dem Umbau tut sie es.
  2. Ohne eine Idee, wie sich trotz Zinstief Erträge erwirtschaften lassen, nutzen selbst die radikalsten Sparmaßnahmen bei der auf Girokonten und Ratenkredite spezialisierten Bank wenig.

Womit sich die Frage aufdrängt: Hat die Deutsche Bank die Norisbank möglicherweise kaputtgespart?

Auf Anfrage teilt das größte Geldhaus der Republik jedenfalls mit, der 2018er-Verlust habe keine operativen Gründe (sondern liege – siehe oben – an einer veränderten Bilanzierung), man sehe die Norisbank digital hervorragend aufgestellt, und gemessen an der Kundeninteraktion wachse die Tochter auch organisch. Und tatsächlich hat das Institut mit geradezu sensationell niedrigen Personalkosten auch eine Rolle für die Deutsche Bank, die über das Abliefern von Gewinnen hinaus geht: Die Norisbank weist Forderungen an Kreditinstitute in Höhe von 3,2 Mrd. Euro aus – und die bestehen unter anderem gegenüber der Deutschen Bank Privat- und Firmenkunden (1,7 Mrd. Euro), die Deutsche Bank AG (0,8 Mrd. Euro) sowie aus Krediten an die Deutsche Bank Polska Spólka Akcyjna (0,5 Mrd. Euro) und die Deutsche Bank London (0,2 Mrd. Euro).

Vor gut einem Jahr kündigte der inzwischen demissionierte Privatkunden-Chef Frank Strauß Großes an.  Mittelfristig solle die Tochter „eine ganz wesentliche Rolle“ bei der Vervollständigung der digitalen Geldbörse spielen, erzählte er dem „Handelsblatt“.  Und: Er setze auf die Norisbank, „weil wir in unserem Portfolio ein aktives Direktbankangebot haben wollen.“

Von diesem Gedanken ist auch der Ausblick im 2018er-Abschluss geprägt: Aufgehängt ist die Norisbank neuerdings im Geschäftsbereich „Chief Digital Office / Digital Ventures“ der Privatkundensparte der Deutschen Bank. Es geht nun um die „Weiterentwicklung des Geschäftsmodells der Norisbank, um insbesondere digital affine Kundengruppen mit einem herausragenden digitalen Produkt- und Serviceangebot zu überzeugen.“ Wobei hier die Deutsche-Bank-App „Yunar“ – eine App zur digitalen Bündelung und einfachen Nutzung von Loyalitätsprogrammen – eine zentrale Rolle spielen solle.

Bis sich das aber auszahlt, kann es noch etwas dauern. Im Ausblick präsentiert die Norisbank einen Satz mit dem Schwurbelfaktor „extrem“ (61 Wörter), in dem die Kernbotschaft beinahe untergehen könnte. Er lautet – und wir haben die entscheidenden Worte für Sie gefettet:

Für 2019 erwarten wir für die Norisbank GmbH aufgrund des weiterhin niedrigen Zinsumfelds und des anhaltend hohen Wettbewerbsdrucks in den Kernprodukt-Märkten Girokonto und Ratenkredit mit anhaltend hohen Marketingspendings der Wettbewerber und fortgesetzten Margendrucks sowie im Besonderen aufgrund der geplanten erheblichen Investitionen in die weitere Digitalisierung und den Umbau des Geschäftsmodells der norisbank GmbH ein negatives Ergebnis im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

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Coba erhöht Gebühren für Geschäftskonten um bis zu 43%

Commerzbank-Turm in Frankfurt

Von Christian Kirchner

Bei der Commerzbank sollen auch die Geschäftskunden ihren Beitrag zum Gelingen der Strategie „Commerzbank 5.0“ leisten – und zwar in Form drastisch steigender Kontoführungs-Gebühren. Das geht aus einem Hinweis auf der Homepage des Frankfurter Instituts („Bitte beachten Sie die Änderung unserer Preisberechnung zum 01. 01 .2020“) hervor.

Hinter dem Link steckt eine saftige Erhöhung der Entgelte zwischen sage und schreibe 25% und 43%. Die Veränderungen bezogen auf die drei angebotenen Kontomodelle im Detail:

alt neu Veränderung
Konto „Klassik“ 6,90 € 9,90 € 43%
Konto „Premium“ 18,90 € 24,90 € 32%
Konto „Premium Plus“ 39,90 € 49,90 € 25%

Dabei belässt die Commerzbank nicht bei der Steigerung der eigentlichen Kontoführungs-Gebühren: Zwar erhöhte sie die Anzahl der kostenlosen beleglosen Überweisungen pro Monat (Klassik: von 0 auf 10, Premium: von 50 auf 75, Premium Plus von 500 auf 750). Zugleich verteuern sich aber Sortenvorgänge wie Ein- bzw. Auszahlungen: In den Varianten Premium und Premium Plus waren bislang fünf Transaktionen kostenlos, nun kosten diese 2,50 Euro ab dem ersten Vorgang.

Wie viele Kunden betroffen sind (und wie sich die Erhöhung auf die Erträge auswirken könnte), lässt sich nicht genau sagen. Der Bereich „Privat- und Unternehmerkunden“ umfasst rund 13,4 Mio. Kunden.  Die Coba schlüsselt aber nicht auf, wie sich diese Zahl auf Retail- einerseits und Geschäftskunden andererseits verteilt. Nach eigenen Angaben hat die Commerzbank unter Geschäfts- und kleineren Firmenkunden einen Marktanteil von 5%. Auf Basis von rund 3,3 Mio. Unternehmen aller Art in Deutschland lässt sich vermuten, dass es um eine sechsstellige Zahl von Kunden gehen dürfte.

Die Commerzbank steht unter Druck ihrer Investoren, die seit seit vielen Quartalen bestenfalls stagnierenden Erträge bemängeln. Im Mittelpunkt der Planungen zur „Commerzbank 5.0“ standen indes eher Kostenreduktionen. Konkrete Ertragsziele lieferte die Bank nicht. Sie teilte lediglich mit, dass sie nicht von fallenden Erlösen über den Zeitraum bis 2023 ausgehe. Bislang begegnen Investoren der neuen Strategie skeptisch. Seit Verkündung gab die Commerzbank-Aktie 4% nach. Bankaktien der Eurozone legten im gleichen Zeitraum 5% zu.

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Solarisbank: Wie der Fintech-Darling auf Erträge kommt

Von Heinz-Roger Dohms

Über kaum ein Unternehmen berichtet Finanz-Szene.de so häufig wie über die Solarisbank. Trotzdem kämen wir nie auf die Idee zu behaupten, dass wir das Geschäftsmodell des deutschen Fintech-Darlings auch nur einigermaßen durchdrungen hätten. Denn, nur mal als Beispiel: Was, bitteschön, ist eigentlich genau gemeint mit dem „strikten B2B2X-Ansatz“, dem sich die Berliner nach eigenen Angaben verschrieben haben? Oder: Was, um alles in der Welt, unterscheidet das „kontextuelle Banking“ der Solaris vom „kontextuellen Banking“ anderer Anbieter?

Und vor allem: Womit verdient so ein Hochkomplex-Fintech, dass von SME-Krediten über Factoring bis hin zu Geschenkkarten und „Blockchain Factory“ irgendwie alles macht, letzten Endes eigentlich Geld? Jedenfalls: Diese Woche hat die Solarisbank ihren 80-DinA4-Seiten dicken 2018er-Abschluss veröffentlicht. Und der offenbart einen tiefen und topaktuellen Einblick zum einen ins Geschäftsmodell, zum anderen aber auch in die geschäftliche Entwicklung des vielleicht interessantesten deutschen Fintechs.

Neun Erkenntnisse:

1.) Die Solarisbank hat in ihrem zweiten vollständigen Geschäftsjahr operative Erträge in zweistelliger Mio.-Höhe erwirtschaftet

Ein Jahr ist es her, dass wir in Bezug auf die 2017er-Zahlen titelten: „Die Solarisbank kommt gerade mal auf echte Erträge in Höhe von 2 Mio. Euro“. Zwölf Monate später sieht die GuV schon merklich erwachsener aus:

  • Zinserträge: 4,9 Mio. Euro (Vorjahr: 0,1 Mio. Euro)
  • Provisionserträge: 4,4 Mio. Euro (Vorjahr: 1,9 Mio. Euro)

Nimmt man nun noch aus den „sonstigen betrieblichen Erträgen“ (in denen aktivierte EDV-Eigenleistungen mit 2,8 Mio. Euro den dicksten Brocken ausmachen) die „Sign-on-Fees“ in Höhe von 2,5 Mio. Euro hinzu, ist man bei 12,1 Mio. Euro.*

Das mag sich aus Sicht etablierter Finanzdienstleister immer noch sehr klein anhören – für Startup-Verhältnisse allerdings ist es mehr als respektabel. Zur Einordnung: Der auch nicht ganz unbedeutende Berliner Kontowechsel-Service Finreach kam (obwohl rund ein Jahr früher als Solaris gestartet) in 2018 auf Umsatzerlöse von 2,1 Mio. Euro.

2.) Bei den Provisionen lag die Solarisbank gleichwohl unter Plan

Dass die Solarisbank nicht nur eine Technologie-, sondern auch eine Bilanzsummen-Bank sein will, haben wir schon oft thematisiert. Tatsächlich fällt auf, dass das Ertragswachstum in erster Linie aus den Zinsen kam, nicht aus dem Provisionsgeschäft. Und siehe da: Im Geschäftsbericht findet sich der Hinweis, der Provisionsüberschuss (also Ertrag abzüglich Aufwand) sei „unter Plan“ gewesen.

3.) Die Solarisbank hat jetzt (was für B2B-Fintech eher ungewöhnlich ist) ein richtiges Kreditbuch

Der Auftrieb im Zinsgeschäft spiegelt sich in anderen Kennzahlen. So ist die Bilanzsumme um rund 400% auf 258 Mio. Euro explodiert (wobei hier auch die Kapitalerhöhung von knapp 57 Mio. Euro zu Buche schlägt). Die „Forderungen gegenüber Kunden“ wuchsen derweil um 480% auf 137 Mio. Euro (wovon allein 57 Mio. Euro auf Kredite mit 1- bis 5-jähriger Laufzeit entfielen).

4.) Es sieht so aus, als würde die Solarisbank mit ihrem eher unklassischen Geschäftsmodell eher klassische Ertragsquellen anzapfen

Kleines gedankliches Experiment: Hätte man 2016 beim Start der Solarisbank (Achtung, hier kommt das Technologie-Startup mit Bafin-Lizenz …) einhundert zwar externe, aber dennoch fachkundige Interessierte gefragt, was zwei Jahre später wohl die wichtigste einzelne Ertragsquelle dieses neuen Super-Fintechs sein würde – wie viele hätten dann „Factoring“ geantwortet?

Die richtige Antwort indes lautet in der Tat: „Factoring“ (3,2 Mio. Euro).

Schauen wir genauer hin. Die Solarisbank setzt auf drei Arten des Finanzierungs-Geschäfts:

  1. Konsumenten-Kredite (Neugeschäft: 53 Mio. Euro)
  2. Factoring (42 Mio. Euro)
  3. SME-Kredite (27 Mio. Euro)

Wie dieses Finanzierungs-Geschäft in der Praxis genau funktioniert – das geht aus dem Abschluss nicht hervor und das wollte ein Sprecher gestern auf Anfrage auch nicht näher aufdröseln. Aus früheren Pressemitteilungen weiß man allerdings, dass die Solarisbank als Finanzierungsgeber normalerweise im Hintergrund bleibt.

So vermeldete das Düsseldorfer KMU-Kreditportal Compeon im August 2018, einen „volldigitalen Firmenkredit“ auf den Markt zu bringen. Dahinter stand: die Solarisbank. Im Ratenkreditgeschäft gibt es eine ähnliche Kooperation mit dem Vergleichsportal Smava. Dieses sorgte beispielsweise dieses Frühjahr mit dem „1000 Euro leihen, aber nur 894 Euro zurückzahlen“-Kredit für Aufsehen. Auch hier hieß der Whitelabel-Partner Solaris. Im Factoring-Bereich wiederum kollaborieren die Berliner früheren Verlautbarungen zufolge u.a. mit dem Fintech Finiata und der Frankfurter Universum.

Gleichwohl ist ebenfalls bekannt, dass die Solaris solche Finanzierungen nicht grundsätzlich auf die eigenen Bücher nimmt. So besteht eine Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Berlin ansässigen Verbriefungs-Fintech Crosslend, das der Solarisbank Kredite abnimmt und diese dann in verpackter Form an Investoren weiterleitet. In einer Pressemitteilung vor einem Jahr bezeichnete die Solarisbank diesen Ansatz mal als „Balance Sheet Light“-Modell.

5.) Die Solarisbank finanziert ihre Kredite (auch) über normale Kundeneinlagen

… was zur Folge hat, dass sich die „täglich fälligen Einlagen“ per 31. 12. 2018 auf immerhin 120 Mio. Euro summierten. Auch hier ist es allerdings so, dass die Solarisbank nicht unter eigenem Namen am Markt auftritt, sondern als White-Label-Bank hinter Konto-App-Anbietern wie Penta oder Kontist verschwindet. Das Geld, dass ein Kontist-Kunde auf seinem Kontist-Konto parkt, landet in Wirklichkeit bei der Solarisbank. Und die kann mit diesem Geld genau das machen, was jede Sparkasse oder Volksbank mit dem Geld ihrer Kunden auch darf.

6.) Die Parallele zur Fidor-Bank sollte man zumindest mal kurz diskutieren

Auf die Gefahr hin, bei der Solarisbank künftig Hausverbot zu erhalten (sozusagen das „Köln-Kalk-Verbot“ des Fintech-Journalismus): Bei Lektüre des Geschäftsberichts kam uns irgendwann das Stichwort „Fidor“ in den Sinn. Denn: Gab es nicht mal eine Zeit, in der die Fidor Bank rein imagemäßig das war, was heute N26 und die Solarisbank sind (also die Vorhut des digitalen Bankings hierzulande)? Und war es nicht so, dass die Fidor Bank in Wirklichkeit weite Teile ihrer Bilanzsumme in britische Irgendwas-Kredite investierte, die schließlich faul wurden, was wiederum dazu führte, dass das Eigenkapital der Fidor Bank regelrecht gesprengt wurde?

Bevor das jetzt zu weit führt: Wir wollen keine Risiken ins Kreditbuch der Solarisbank hineinquatschen (zumal sich im Geschäftsbericht der Satz findet: „Insgesamt sind die Kreditvergabekriterien weiterhin restriktiv, welches sich in einer weiterhin niedrigen Risikovorsorgequote widerspiegelt.“). Wir wollen die Solarisbank aber auch nicht umgekehrt von Kreditrisiken freisprechen. Sondern: Wir wollen auf was anderes hinaus, nämlich eine Beobachtung:

  • Bei Fidor scheint es so gewesen zu sein, dass sich irgendwann die Frage stellte: Wohin jetzt mit den ganzen Einlagen? (So ist das halt, wenn man „Irgendwas mit Konten“ macht und anders als Penta oder Kontist selber Bank ist…). Und da verfiel man halt auf die UK-Kredite. Die „Zwei Fliegen, eine Klappe“-Logik dahinter: Dann ist 1.) das Geld versorgt. Und 2.) sind die Zinserlöse für uns, was für andere Fintechs die VC-Fundings sind (nur dass wir, clever wie wir sind, keine Anteile abtreten müssen).
  • Bei N26 ist es von der Ausgangslage her nicht viel anders: Die Einlagen sind nun mal eine Kollateral-Erscheinung des Kontengeschäfts (das wiederum zum kartenbasierten Business Case der Smartphone-Bank dazugehört). Da N26 aber bekanntlich fett gefundet ist, haben die Berliner so eine Nummer, wie Fidor sie gemacht hat, nicht nötig. Also packt N26 seine Einlagen einfach in irgendwelche Kommunal-Finanzierungen, hat seine Ruhe und kann sich auf die Monetarisierung des Kartengeschäfts konzentrieren.
  • Anders als bei N26 und Fidor hat man bei der Solarisbank nicht den Eindruck, dass die Einlagen ein notwendiges Übel sind; man hat aber auch nicht den Eindruck, dass die Solarisbank umgekehrt nach Einlagen lechzt, um dann im Kreditgeschäft das ganz große Rad zu drehen. Sondern: Es wirkt, als habe die Solarisbank das Bilanzsummen-Thema von Anfang an von zwei Seiten gedacht und als stecke ein Plan dahinter.

Wiewohl: Natürlich kann man auch mit einem planvoll aufgebauten Kreditbuch danebengreifen.

7.) Apropos Exposure: Was ist das hier eigentlich?

Trotz unseres per positiven Eindrucks von der Aktivstrategie der Solarisbank haben wir natürlich trotzdem nach Hinweisen gesucht, die auf irgendwas Wildes oder Unplanmäßiges hindeuten könnten. Dabei stießen wir auf diesen Satz hier:

„Darüber hinaus investierte die solarisBank AG in ein von der CrossLend Securities S.A. Compartment D emittiertes Wertpapier. Dieses beträgt zum Stichtag TEUR 4.987,6 und wird im Konzernabschluss konsolidiert.“

Die Solarisbank teilt hierzu auf Anfrage lediglich mit: „Hierbei handelt es sich um ein Vehikel der operativen Zusammenarbeit mit Crosslend.“

8. Die Gretchenfrage lautet weiterhin: Wo bleiben denn nun die spektakulären B2B-Kunden?

Die Solarisbank erklärt ihre Geschäftsmodell im 2018er-Abschluss wie folgt:

„Die wesentliche Dienstleistung der solarisBank AG besteht im Angebot von regulierten Bankprodukten für dritte Unternehmen. Abnehmer dieser Produkte sind überwiegend Unternehmen ohne eigene Banklizenz […]“

Bei Lichte betrachtet kann das (insbesondere mit Blick auf die risikoarmen Provisionserlöse …) ja eigentlich nur heißen: Wollen die Berliner wirklich groß werden, dann brauchen sie entweder sehr viele „dritte Unternehmen“ – oder aber sie brauchen einigermaßen große „dritte Unternehmen“, die sich auf ihre Plattform draufsetzen.

Hierzu finden sich im 2018-er Geschäftsbericht nun folgende Hinweise:

  • 2017 gewann die Solarisbank 52 „Partner“ (die Begriffe „Partner“ und „drittes Unternehmen“ kann man vermutlich synonym verwenden)
  • 2018 gewann die Solarisbank 39 „Partner“, wobei „der vertriebliche Schwerpunkt auf zukünftige Partner mit einem interessanten Umsatzpotential gelegt“ wurde
  • Im Prognosebericht für das laufende Jahr heißt es: „Zum Jahresende 2019 ist der Live-Gang größerer Partner auf der solarisBank AG-Plattform geplant.“

Unsere Deutung:

  • Die Zeit, in der sich die Solarisbank auf irgendwelche Drei-Kunden-Fintechs als „Partner“ konzentrierte, sind definitiv vorbei
  • Tatsächlich gibt es inzwischen einige namhafte Partner wie die Börse Stuttgart oder die schon erwähnten Smava oder Compeon.
  • Partner mit richtigem Aha-Effekt sind bislang indes noch keine publik geworden (mal abgesehen von einer Kooperation mit Alipay, die uns aber inhaltlich begrenzt zu sein scheint). Indes: Mal sehen, was da „zum Jahresende 2019“ noch kommen mag …

9. Beim Cashburn dürfte der Peak bereits erreicht sein – und die Erträge könnten sich dieses Jahr nochmals verdoppeln

Wie wir gestern in unserer News-Rubrik vorgerechnet haben, kommt die Solarisbank in den ersten rund zweieinhalb Jahren ihres Bestehens auf Anlaufverluste von rund 43 Mio. Euro. Das ist einerseits enorm – andererseits aber auch nachvollziehbar. So arbeiteten Ende letzten Jahres schon 209 Mitarbeiter für Solaris; in diesem Jahr sollen es laut Geschäftsbericht im Schnitt sogar schon 270 sein.

Bemerkenswert: Während zum Beispiel bei N26 der Cashburn von Jahr zu Jahr steigt und vorerst sogar weiter steigen dürfte (aufgrund von Marketing und Internationalisierung), hat die Solarisbank ihren Cashburn-Peak in diesem Jahr mit 18,3 Mio. Euro womöglich schon erreicht. Denn im Ausblick auf 2019 heißt es:

„Durch das prognostizierte schnellere Wachstum der Zins- und Provisionserträge und dem im Vergleich dazu langsamer wachsenden Verwaltungsaufwand wird der Jahresverlust 2019 voraussichtlich deutlich reduziert.“

Pi mal Daumen: Wenn sich der Jahresfehlbetrag „deutlich“ reduzieren soll, obwohl der Verwaltungsaufwand durch die Aufstockung der Belegschaft weiter steigt – dann müssten sich die Erträge in diesem Jahr (zumindest gemessen an der unternehmenseigenen Definition, siehe unten*) nochmals verdoppeln, würden wir schätzen. Die Solarisbank will sich dazu nicht äußern.


*Die Solarisbank selber beziffert ihre Erträge nicht auf 12,1 Mio. Euro, sondern nur auf 7,4 Mio. Euro, weil sie Zins- und Provisionsaufwand abzieht (also nur den Überschuss in die Rechnung einbezieht, nicht den Ertrag)

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Echt jetzt, Herr Hamers? Die Lieblings-Ausrede der CEOs

Von Christian Kirchner

Der ING-Chef Ralph Hamers hat dem heutigen Handelsblatt (Paywall) ein Interview gegeben, und natürlich geht es darin auch um Fusionen und Übernahmen. Schließlich galt die Oranje-Bank (Börsenwert: 40 Mrd. Euro) ja monatelang als potenzieller Käufer der Commerzbank (Börsenwert: 7 Mrd. Euro). Bis das Interesse offenbar erlahmte – und Hamers, ohne sich konkret zu einer Bank zu äußern, nun in dem Interview sagt: Ja, natürlich, Zusammenschlüsse über Ländergrenzen hinweg könnten Kosten sparen und Synergien freisetzen. Aber:

„Das Problem in Europa ist, dass die Bankenunion nicht vervollständigt ist. Das erschwert grenzüberschreitende Fusionen sehr.“

Die Bankenunion? Schon wieder die Bankenunion? Das kam uns als Motiv dann doch bekannt vor:

„Erst wenn die Bankenunion endgültig steht, wird die Konsolidierung kommen“

(Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing im September 2018)

Es wird zu Zusammenschlüssen kommen, sobald „fundamentale Hindernisse für eine Konsolidierung der Bankenbranche beseitigt seien und die Bankenunion vollendet wird“.

(Société Générale-Chef Frederic Oudea im Mai 2019)

„(Eine Vertiefung der Bankenunion) wäre dringend notwendig. (…) Positiv finde ich dagegen die Diskussionsvorschläge aus dem Finanzministerium zu einer vierten Säule der Bankenunion, denn die Fragmentierung des europäischen Bankenmarkts zählt aus meiner Sicht zu den größten Problemen der Branche.“

(Bankenpräsident Hans-Walter Peters im Juni 2019)

Die Liste mit Zitaten ließe sich fortsetzen. Nachdem es in Europa  schon seit Jahren zu keinem größeren grenzüberschreitenden Banken-Merger mehr gekommen ist (oder fällt Ihnen einer ein?), ist der Schuldige hier fürendlich ausgemacht. Die Bankenunion! Bzw. die Noch-immer-nicht-Vollendung selbiger.

Der Spin ist dabei immer der gleiche: Eigentlich wären länderübergreifende Fusionen dringend nötig, um irgendwie die Profitabilität zu retten. Aber solange man nicht mal anstandslos die überschüssigen Spareinlagen aus Land A in Land B als Kredit ausreichen kann, mache das alles ja keinen Sinn.

Aber ist das so? Oder könnte es nicht vielmehr sein, dass eine vertiefte Bankenunion zwar hilfreich wäre – aber die wahren Gründe für die ausbleibenden M&A-Deals ganz andere sind?

Zumindest gibt es dafür einige – aus unserer Sicht – gewichtige Indizien:

  • Auch ohne Bankenunion rufen Branchenexperten und solche, die es sein wollen, seit Jahren regelmäßig die große M&A-Welle aus. „Bankenfusionen und -akquisitionen werden das Thema des Jahres 2019“, orakelte Standard & Poor’s Anfang Januar.  Genauso sahen es im vergangenen Jahr die Analysten von UBS und Citigroup. Doch nix passierte.
  • Auch ohne Bankenunion werden seit Jahren hinter den Kulissen mögliche Zusammenschlüsse ausgelotet (oder etwa nicht, Herr Hamers?)
  • Auch ohne Bankenunion könnte auf nationaler Ebene ja eigentlich konsolidiert werden, was das Zeug hält. Über die „Super-Landesbank“ indes wird viel geredet, aber nichts passiert. Und Commerzbank und Deutsche Bank? Hatten die Kleider schon vom Leib. Und haben sich dann doch wieder angezogen.
  • Und wenn man einmal auf die Volumina und die Zahl der Transaktionen blickt …

Quelle: Deutsche Bank Research

… sieht man einen säkularen Anti-M&A-Trend. Und das in einer Branche, die doch eigentlich nach Konsolidierung schreien müsste.

Welche Gründe könnte es also geben, die sonst noch gegen Fusionen und Übernahmen sprechen?

  • Die Banken in Europa haben gute Zeitpunkte für beherztes M&A verpasst – entweder, weil sie dem Aufschwung misstraut haben oder aber, weil sie – und das dürfte eine besonders in Deutschland verbreitete Variante sein – stets die Hoffnung hatten, dass die baldige Zinswende die Profitabilität auch ohne schmerzhafte Einschnitte retten werde. Jetzt kommt zum Pech der ausgebliebenen Zinswende noch das Pech demnächst steigender Kreditausfälle hinzu, weil die Konjunktur kippt. Da haben alle besseres zu tun  als sich in M&A-Deals erst einmal ein, zwei Jahre mit sich selbst zu beschäftigen
  • Am Flickenteppich nationaler Regulierungen über Banken hinaus (etwa dem Verbraucherschutz) wird sich so rasch nichts ändern
  • Zu brutal niedrigen Bewertungen (Schnitt der Eurozonen-Banken: Kurs-Buchwert-Verhältnis 0,5 und 4,6% Dividendenrendite) will sich kaum eine Bank freiwillig in einen M&A-Deal einbringen, so billig auch der „Nachbar“ sein mag
  • Investoren können sich für das Thema nicht erwärmen, denn die Empirie zeigt: Banken sind nicht besonders gut im Management großer M&A-Deals. Folge: Die Eigentümer der aufgekauften Institute mögen gewinnen, die Renditen der Käufer aber oft erodieren (Quelle).

Ist es nicht am Ende so: Gäbe es im europäischen Bankensektor tatsächlich über Skaleneffekte so richtig was zu holen – wären dann die Finanzinvestoren (sprich: nicht nur Cerberus …) nicht längst im großen Stil eingestiegen?

Auffällig jedenfalls: Langsam, aber sicher scheint sich die Eurozone ja durchaus in Richtung Bankenunion zu bewegen. Irgendeinen M&A-Impuls haben dieser Fortschritte aber nicht ausgelöst. (Quelle)

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Richtigstellung zu Wirecard

In einem Beitrag vom 21. 10. 2019 hatten wir in der Überschrift geschrieben:

„Banken holen sich von Wirecard fast 900 Mio. Euro zurück“.

Hierzu stellen wir fest, dass diese Aussage falsch ist. Wirecard hat hier freiwillig Bankkredite getilgt.

Die Redaktion.

Was sich Fintechs einen Premium-Kunden kosten lassen

Von Christian Kirchner

Viele Menschen in diesem Land sind süchtig, ohne es zu wissen. Genauer: Sie sind meilensüchtig. Allein die Teilnehmer des „Miles und More“-Programms der Lufthansa haben surreale 225 Mrd. Bonusmeilen angehäuft. Das reicht für nicht weniger als 6,5 Millionen innereuropäische Freiflüge. Hin und zurück.

Ein Fall für die Suchtberatung? Oder für „Fridays for Future“?

Na – in jedem Fall ein Fall für unsere Fintechs. Die haben das „Miles & More“-Programm nämlich schon vor geraumer Zeit als Mittel der Kundenakquise entdeckt. Die Logik dahinter: „Miles & More“ ist  das Panini-Heft der Affluents, Finanz-Startups erwischen hier nicht nur eine hochattraktive Zielgruppe, sondern sie erwischen sie obendrein auch noch an ihrer schwächsten Stelle – ihrer Sammelleidenschaft.

Und so kommt es, dass unter den sechs Finanzdienstleistern, die auf dem „Finance Plus“-Portal der Lufthansa mit Meilen um Kunden werben, gleich vier Geldanlage-Fintechs sind:

  • der Hamburger Immobilien-Crowdfinanzierungs-Anbieter Exporo
  • der Berliner Robo-Advisor Liqid
  • der Düsseldorfer Kredit-Marktplatz Auxmoney
  • der Berliner Spareinlagen-Vermittler Raisin („Weltsparen“)

Frage: Lässt sich über das „Miles&More“-Programm“  womöglich eines der größten Geheimnisse vieler B2C-Fintechs entschlüsseln – nämlich wie viel Geld sie sich welche Kunden kosten lassen?

Beginnen wir mit dem Einfachen. Nämlich:

Wie viele Meilen bietet welches Fintech seinen Neu-Kunden für welche Anlagesumme? (in der linken Spalte ist die Einheit „Euro“, in den übrigen Spalten ist die Einheit „Bonusmeilen“)

Anlage-Summe Auxmoney Weltsparen Exporo Liqid
500 € 500
1.000 € 500
5.000 € 2.000 1.000 7.000
10.000 € 4.000 2.000 15.000
25.000 € 10.000 2.000 15.000
50.000 € 20.000 4.000 15.000
100.000 € 40.000 12.000 15.000 25.000
250.000 € 100.000 12.000 15.000 62.500
500.000 € 200.000 12.000 15.000 125.000

Der kleine Disclaimer: bei Auxmoney kommen uns die Zahlen bei sechsstelligen Beträgen recht hoch vor, aber wir haben keinen Begrenzung in den AGBs gefunden, wie es bei „Liqid“ etwa bei 600.000 Euro der Fall ist.

So, nun das Komplizierte. Lassen sich die Meilen in Euro und Cent umrechnen? Schließlich ist die spannendste Frage ja, was die Fintechs bei der Lufthansa bezahlen für die Meilen, die sie ihren Kunden gutschreiben.

Folgt man der Lufthansa-Bilanz, dann liegt der Wert einer Meile bei ungefähr 0,8 Cent. Auf diesen Betrag kommt man, wenn man die Rückstellungen für uneingelöste Meilen in der Lufthansa-Bilanz (1,8 Mrd. Euro) durch die Anzahl der ausstehenden Meilen (besagte 225 Mrd.) dividiert.

Dieser errechnete Wert bildet laut Lufthansa die Realität aber nicht wirklich ab. Im Zuge eines Gerichtsverfahrens vor einigen Jahren (mehr dazu hier) bezifferte der Dax-Konzern den Wert einer Meile stattdessen auf 2,77 Cent. In dieser Größenordnung, so hieß es, bewege sich der Preis auch, wenn Bonus-Meilen verkauft würden (also zum Beispiel an die Fintechs).

Gefühlt würden nun aber wir sagen, dass der „Marktpreis“ vielleicht doch ein Stückchen unter den von der Lufthansa angeführten 2,77 Cent liegen dürfte. Zumal ja diverse Gründe für Abweichungen nach unten denkbar sind, etwa Mengen- bzw. Großkundenrabatte. Kalkulieren wir also einfach mal (auch weil es leicht zu rechnen ist) mit einem Preis von 2 Cent je Meile. Wo landen wir dann?

Wie viel Geld lässt sich welches Fintech die Kunden-Akquise via „Miles & More“ auf Basis unserer 2-Cent-Annahme kosten?

Anlage-Summe Auxmoney Weltsparen Exporo Liqid
500 € 10 €
1.000 € 10 €
5.000 € 40 € 20€ 140 €
10.000 € 80 € 40€ 300 €
25.000 € 200 € 40€ 300 €
50.000 € 400 € 80 € 300 €
100.000 € 800 € 240 € 300 € 500 €
250.000 € 2.000 € 240 € 300 € 1.300 €
500.000 € 4.000 € 240 € 300 € 2.500 €

Nochmal klar betont: Es handelt sich hier um ungefähre Schätzwerte unsererseits, nicht um die tatsächlichen Beträge (die wir nicht kennen, weil wir die Vereinbarungen zwischen den Fintechs und der Lufthansa nicht kennen). Doch selbst wenn man davon ausgeht, dass die realen Summen ein Stück abweichen, lassen sich ja zumindest über die Proportionalitäten eindeutige Aussagen treffen.

Liqid

Der Edel-Robo schreckt mit seiner 100.000-Euro-Mindestanlage die Normalkunden automatisch ab. Für größere Anlagesummen lassen die Berliner dafür aber so richtig etwas springen.

Auxmoney

Der Düsseldorfer Marketplace-Lender incentiviert (was uns ehrlich gesagt überrascht) die Kunden sogar noch etwas krasser als Liqid. Wobei wir – Meilensucht hin oder her – ja eher bezweifeln würden, dass ein Vielflieger mal eben sechsstellige Beträge über einen Online-Kreditmarktplatz ausreicht. Aber wer weiß.

Exporo

Im Gegensatz zu Liqid ist der Immo-Crowdfinanzierer besonders scharf auf Anleger mit eher überschaubaren Summen (während dem Neu-Kunden, der deutlich höhere Kunden mitbringen will, nicht mehr Meilen angeboten werden als dem, der 10.000 Euro mitbringen will). 23Mag an der Klientel liegen, die Exporo ansprechen will. Mag daran liegen, dass es wirklich so ist, wie Exporo-Vorstand Brunke jüngst im OMR-Podcast zu Protokoll gab – dass nämlich viele Kunden, die einmal auf der Plattform anlegen, dies danach immer wieder tun.

Weltsparen:

Beim Einlagen-Spezialisten „Weltsparen“ sind die Margen offenbar dünner als bei den drei anderen Geldanlage-Fintechs. Unter 5.000 Euro gibt es überhaupt keine Meilen (obwohl es auf der Weltsparen-Seite sehr wohl Angebote für dreistellige Anlagesummen gibt). Und selbst wer eine halbe Million mitbringt, kriegt gerade mal 12.000 Meilen – während es bei Auxmoney 200.000 sind, als mehr als das 15-Fache. Auch bei Weltsparen dürfte indes eine theoretische Anlagesumme sein, die meisten Partnerbanken akzeptieren ohnehin nur maximal 100.000 Euro.

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Beide Gründer verlassen den Sparkassen-Acquirer Payone

Von Heinz-Roger Dohms

Doppelter Paukenschlag bei Payone, dem Acquiring-Joint-Venture der deutschen Sparkassen und des französischen Ingenico-Konzerns: Mittwochfrüh erreichte uns zunächst die offizielle Mitteilung, dass einer der beiden Gründer, nämlich Technik-Chef Jan Kanieß, das Unternehmen „auf eigenen Wunsch verlässt“. Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ kommt es allerdings noch dicker für den Bezahlspezialisten. Denn wie uns eine Payone-Sprecherin gestern Abend bestätigte, ist auch der Abgang des zweiten Gründers Carl Frederic Zitscher ausgemachte Sache. Er soll im Laufe der ersten Jahreshälfte 2020 offiziell aus dem Unternehmen ausscheiden.

Der Doppel-Abschied zeigt, dass die neue Payone GmbH mit der gleichnamigen Ursprungsgesellschaft nicht mehr allzu viel zu tun hat – und Ingenico dank seines über 50%-igen Anteils die Geschicke des Joint-Ventures inzwischen maßgeblich bestimmt. Kanieß und Zitscher hatten Payone Anfang der Nullerjahre als Zahlungsdienstleister für das E-Commerce gegründet. 2015 folgte dann die Übernahme durch die BS Card Service, also den klassischen Acquirer der deutschen Sparkassen. Der Deal sorgte damals für großes Aufsehen, weil es das erste Mal war, dass ein bankeneigener Bezahldienst einen der neuen Online-Player übernahm.

Trotz des Exits blieben Zitscher und Kanieß damals an Bord – nicht nur als Mitglieder des Managements, sondern auch als Anteilseigner. Die Sparkassen hielten fortan 80% an der neuen „BS Payone“, die beiden Gründer jeweils 10%. Der nächste Einschnitt ließ allerdings nur wenige Jahre auf sich warten – denn 2017  stellte der Deutsche Sparkassenverlag die „BS Payone“ zum Verkauf. Nachdem zunächst der US-Konzern First Data mit seiner deutschen Tochter Telecash als Favorit für die Übernahme galt, setzten sich im Bieterrennen letztlich der französische Ingenico-Konzern samt seiner hiesigen Tochter Easycash durch (siehe unsere Exklusiv-Berichterstattung aus dem Mai letzten Jahres).

So entstand in letzter Konsequenz aus ursprünglich drei Unternehmen (nämlich die alte Payone, B+S Card Service und Easycash) die neue Payone GmbH, an der Ingenico etwas mehr als 50% hält, der Sparkassenverlag etwas weniger. Als Nachfolger für Technikchef Kanieß wurde am Mittwoch Roland Schaar präsentiert, bislang Chief Technology Officer beim europäischen Fintech-Konzern „4Finance Group“ (das hierzulande hinter diversen Kredit-Startups steht). Schwerer als der Abgang von Kanieß dürfte allerdings der Verlust von Zitscher wiegen, der gerade für viele E-Commerce-Kunden das Gesicht von Payone war. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

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