Der große Überblick über die Privatbanken-Bilanzen 2018

Polo - Credit: Pixabay.com

Von Christian Kirchner

Wir bei Finanz-Szene.de haben in den letzten Wochen die Geschäftsberichte von einem Dutzend Privatbanken aus den letzten Jahren geflözt. Und sind auf ein häufig wiederkehrendes Muster gestoßen. Es geht ungefähr wie folgt:

  • Das letzte wirklich starke Jahr liegt in der Regel bereits ein Weilchen zurück
  • Die Institute kommen einfach nicht von ihren Kosten runter, was in der Regel auf IT-Investitionen, Regulierung und Restrukturierung geschoben wird
  • Folglich sind die Cost-Income-Ratios viel, viel zu hoch
  • Nicht wenige der untersuchten Institute werden kreativ, sobald sie sich beim Überschuss der Nulllinie zu nähern drohen. Schließlich reagiert die in der Regel gut betuchte Klientel allergisch, wenn die Damen und Herren ihres Geldes laut Geschäftsberichte mit Selbigem nicht gut umgehen können. Da sind dann der Kreativität in Form von Immobilien-Schubsereien, Spartenverkäufen, Aufwertungen und Anwachsungen keine Grenzen gesetzt.

Genug der abstrakten Vorrede, steigen wir ein in die konkreten Zahlen. Denn die liegen inzwischen für die meisten (großen) Privatbanken fürs abgelaufene Geschäftsjahr vor – auch für die, die bei unserer großen Privatbanken-Sause neulich noch gefehlt haben.

Vergleichen wir zunächst, wie sich die kumulierten Zins- und Provisionsüberschüsse in den vergangenen fünf Jahren entwickelt haben (also 2018 zu 2013): die stiegen immerhin zusammen um 12 Prozent oder 144 Mio. Euro…

Überschüsse der Banken 2013-2018

Quelle: eig. Recherche/Geschäftsberichte 14 Banken

…wobei, für die Branche nicht unüblich, die Zinsüberschüsse um 18% gefallen, die Provisionsüberschüsse indes um 25% gestiegen sind (woran vor allem die Expansion von Berenberg großen Anteil hatte).

Blicken wir hier in die Innenreien der Privatbankenlandschaft: Wie hat sich der Zinsüberschuss entwickelt 2018 gegenüber 2013?

 

Zinsüberschuss in Mio. Euro
2013 2018 Veränderung in %
Berenberg 32 53 66
Ellwanger & Geiger 2 2 0
von der Heydt 1 1 0
Bethmann 66 59 -11
Hauck&Aufhäuser 27 24 -11
Donner&Reuschel 57 50 -12
Fürst Fugger 7 6 -14
Bank Schilling 17 14 -18
Lampe 56 38 -32
MM Warburg 72 45 -38
Merck Fink 7 4 -43
Fürst Castell’sche 25 13 -48
Metzler 20 3 -85

 

…und wie der Provisionsüberschuss?

Provisionsüberschuss in Mio. Euro
2013 2018 Veränderung in %
Bethmann 50 97 94
Hauck&Aufhäuser 71 135 90
Fürst Fugger 17 24 41
Metzler 140 196 40
Bank Schilling 13 17 31
Donner&Reuschel 44 55 25
Fürst Castell’sche 12 15 25
Berenberg 234 279 19
Ellwanger & Geiger 4 4 0
von der Heydt 1 1 0
MM Warburg 132 121 -8
Merck Finck 47 43 -9
Lampe 87 78 -10

 

Das Dumme ist nur: Im gleichen Zeitraum 2013-2018, in dem die Zins- und Provisionsüberschüsse um rund 140 Mio. Euro gestiegen sind, sind die Verwaltungsaufwendungen um mehr als das Doppelte gestiegen – nämlich rund 300 Mio. Euro….

Verwaltungsaufwendungen Privatbanken 2013 bis 2018

Quelle: eig. Recherche/Geschäftsberichte

… und das annähernd „durch die Bank“…

Verwaltungsaufwendungen in Mio. Euro
2013 2018 Veränderung in %
Berenberg 235 372 58
Hauck&Aufhäuser 114 163 43
Bethmann 96 135 41
Metzler 144 180 25
Fürst Fugger 20 23 15
Lampe 128 146 14
Merck Finck 54 60 11
Donner&Reuschel 90 95 6
Ellwanger & Geiger 14 14 0
Fürst Castell’sche 27 27 0
von der Heydt 3 3 0
Bank Schilling 26 25 -4
MM Warburg 180 173 -4

 

… was, man ahnt es, zu einem deutlichen Einbruch des kumulierten Überschusses um rund 100 Mio. Euro bzw. knapp 60% beigetragen hat….

 

Quelle: eig. Recherche/Geschäftsberichte

…dem sich auch nur wenige Institute entziehen konnten…

 

Überschuss in Mio. Euro
2013 2018 Veränderung in %
Hauck&Aufhäuser 7 31 343
Fürst Fugger 2 5 150
Ellwanger & Geiger 3 3 0
von der Heydt 0 0 0
Bank Schilling 4 4 0
Lampe 21 15 -29
Fürst Castell’sche 5 3 -40
Berenberg 66 23 -65
Donner&Reuschel 6 2 -67
Metzler 7 2 -71
Bethmann 6 1 -83
Merck Fink 10 0 -100
MM Warburg 23 -15 -165

 

Kurzum: Rasch steigende Kosten bei nur langsam steigenden Erträgen  haben  eine Reihe von Instituten in die Nähe der „Nulllinie“ gedrückt, die oft nur kreativ verteidigt werden kann: Hier die Übersicht der wichtigsten Kennziffern aller großen Privatbanken mit bereits vorgelegten Zahlen, sortiert nach dem 2018er Überschuss nach Steuern und Gedöns (wie Abgaben) in Mio. Euro….

Zins-Überschuss Provisions-überschuss Kosten Überschuss 2018
Hauck&Aufhäuser 24 135 163 31
Berenberg 53 279 372 23
Lampe 38 78 146 15
Fürst Fugger 6 24 23 5
Bank Schilling 14 17 25 4
Ellwanger & Geiger 2 4 14 3
Fürst Castell’sche 13 15 27 3
Metzler 3 196 180 2
Donner&Reuschel 50 55 95 2
Bethmann 59 97 135 1
Merck Fink 4 43 60 0
von der Heydt 1 1 3 0
MM Warburg 45 121 173 -15

Quelle: Geschäftsberichte; Differenz bei Summe rundungsbedingt

…was wiederum heißt: Auf dem Höhepunkt des Konjunkturzyklus mit rekordniedrigen Kreditausfällen und annähernd Vollbeschäftigung erwirtschaften drei Viertel der „echten“ Privatbanken gerade einmal (wenn überhaupt) eine schwarze Null.

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Zwölf deutsche Fintech-Jungs, die ins Bankenlager wechselten

Von Heinz-Roger Dohms

Eine Pressemitteilung gab es zwar nicht – wohl aber einen Statuswechsel bei „Xing“: Richard Heller, bislang Leiter Firmenkunden bei Creditshelf, hat zum 1. Oktober rübergemacht zur Hypo-Vereinsbank. Dort firmiert er nun als Firmenkundenbetreuer.

Heller ist nicht der erste Fintech-Junge, der rübermacht ins Bankenlager. Sondern nach unserer Rechnung mindestens der zwölfte. Anlass genug, unsere einschlägige Tabelle entsprechend zu aktualisieren:

  War Ist
Richard Heller Firmenkundenchef bei Creditshelf  Firmenkundenbetreuer bei der Hypo-Vereinsbank
Tobias Stöger Gründer der Finanz-App Outbank Senior Project Manager bei Consorsfinanz
Sascha Dewald CEO von Finreach Bereichsleiter Privatkunden bei der DKB
Kilian Thalhammer Managing Director bei Paymill Produktchef bei Wirecard
Dominik Steinkühler Gründer Lendico Bereichsleiter bei der Commerzbank
Sebastian Hasenack Gründer Investify Leiter Online-VV bei DJE Kapital AG
Malte Klussmann Gründer Cringle Irgendwas in der Digitalfabrik der DKB
Arnulf Keese Deutschland-Chef Paypal Digitalchef der DKB
Dirk Elsner Deutschlands bekanntester Fintech-Blogger Senior Manager Innovation bei der DZ Bank
Christian von Hammel-Bonten Produktchef PPRO Paydirekt-Chef
Holger Spielberg Mobile-Payment-Chef bei Paypal Deutschland Technologiechef Aareal
Robin Buschman Gründer Giromatch „Head of Ecosystems“ bei der Commerzbank

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Sutorbank startet Online-Broker ohne Gebühren (aber mit Strafzinsen)

Trading Screens - Credit Pixabay.com

Von Christian Kirchner

Die Hamburger Sutor Bank steht unmittelbar vor dem Start eines „Null-Gebühren-Brokers“ namens Justtrade. Mit dem eigentlich für den Sommer und dann schließlich für den 1. Oktober angekündigten Launch hat es zwar noch nicht geklappt. Finanz-Szene.de liegt indes bereits das Preis-Leistungs-Verzeichnis mit Datum 1. Oktober vor. Demnach verlangt „Justtrade“ weder für die Depotführung noch das Verrechnungskonto Gebühren, auch alle Order im außerbörslichen Handel von Aktien und ETFs sowie im Direkthandel mit Emittenten (etwa von Zertifikaten) sind kostenfrei.

Die Besonderheit indes: Die negativen Einlagenzinsen der EZB reicht Justtrade in vollem Umfang weiter und verlangt -0,5% auf Guthaben. Zum gleichen Schritt – Minuszinsen in Höhe der EZB-Einlagenzinsen –  hatte sich 2017 bereits der Broker Flatex entschieden.

Hinter „Justtrade“ stehen die beiden Geschäftsführer Ralf Oetting und Michael Bußhaus – beide kommen von Onvista: Oetting war bis Sommer 2018 Vorstandsvorsitzender, Oetting bis Mai 2019 Geschäftsleiter Markt bei dem Broker, der 2017 von der Comdirect übernommen wurde. Die „Justtrade“-Website wird von Oettings und Bußhaus‘ Frankfurter JT Technologies GmbH betrieben. Das Einlagen- und Finanzkommissions-Geschäft erbringt die Sutor Bank.

Das Konzept erinnert an einen „Klon“ des Brokers Trade Republic, der in Deutschland der erste „Null-Gebühren-Broker“ war und nach eigenen Angaben bereits eine fünfstellige Kundenzahl generiert hat (eine Analyse des Geschäftsmodells finden Sie hier). Handelspartner der Transaktionen ist bei „Justtrade“ wie Trade Republic der Düsseldorfer Anbieter Lang & Schwarz (den wir uns neulich auch näher angeschaut hatten). Zudem gehört das Quotrix-Angebot der Börse Düsseldorf zur Palette. Eine Order über Xetra oder die Börse Frankfurt ist nicht möglich.

Die Idee des kostenlosen Brokers popularisiert hatte das 2013 gestartete US-Fintech „Robinhood“ – und damit einen Preiskrieg unter US-Onlinebrokern ausgelöst. Mit ungefähr fünf Jahren Verzögerung kommt dieses Geschäftsmodell nun auch in Deutschland an.

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600 Euro pro Kunde & 5,3 Mio € Verlust: Die Zahlen zu Exporo

Von Christian Kirchner

Unsere Sicht auf das Geschäftsmodell des Immo-Crowd-Marktführers Exporo hatten wir Ihnen neulich ja aufgedröselt. Nun hat sich (aus Anlass der am Mittwoch verkündeten Übernahme des Konkurrenten Zinsland) auch der Mann zu Wort gemeldet, der den „Business Case“ sogar noch ein gutes Stück besser versteht – nämlich Exporo-CEO Simon Brunke.

Getan hat er das im Podcast der „Online Marketing Rockstars“ (hier direkt zum Audio). Und was soll man sagen? Brunke war sehr auskunftsfreudig:

So führte er unter anderem aus, die Kunden-Akquisitionskosten von Exporo lägen bei rund 500 bis 700 Euro. Wobei man allerdings eine hohe „Conversion“ von rund 20% aus den Leads habe, die man über Kanäle wie Online- oder TV-Werbung generiere.

Und: Einmal an Bord, würden die inzwischen 20.000 Exporo-Kunden ihr Geld immer wieder neu anlegen, im Schnitt gehe es um knapp sechs Investments mit einer durchschnittlichen Anlagesumme von knapp 3000 Euro pro Jahr. Als Binnenumsatz blieben letztlich zwischen 5% und 6,5% an jedem von Anlegern investierten Euro bei Exporo.

„Profitabel“ freilich arbeitet Exporo dann doch noch nicht, auch wenn Gründer Brunke das neulich im Gespräch mit Finanz-Szene.de so angedeutet hatte. Sondern:  Laut dem 2018er-Abschluss, der seit dieser Woche im Bundesanzeiger einsehbar ist, hat Exporo voriges Jahr einen Fehlbetrag von 5,3 Mio. Euro erwirtschaftet, nach einem Minus von rund 4 Mio. Euro im Jahr zuvor. Viel mehr verrät der Abschluss leider nicht zu über das Unternehmen. Denn obwohl Exporo nach eigenen Angaben über eine halbe Mrd. Euro Anlegergelder vermittelt, gilt das Unternehmen zum Bilanzstichtag als „kleines Unternehmen“ in dem Sinne, dass es zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt:

  • maximal 50 Mitarbeiter
  • maximal 6 Mio. Euro Bilanzsumme
  • maximal 12 Mio. Euro Umsatz.

Da die Mitarbeiterzahl bei 107 lag, muss der Umsatz also streng genommen unter 12 Mio. Euro gelegen haben – und damit auch unter den 14 Mio. Euro, die „Deutsche Startups“ neulich genannt hatte. Aber sei’s drum.

Ein schwindelerregender Satz übrigens findet sich noch im Geschäftsbericht. So gibt der Wirtschaftsprüfer zum Besten:

„Wir verweisen auf die Angabe ‚Fortführung der Unternehmenstätigkeit‘ im Anhang, in denen die gesetzlichen Vertreter beschreiben, dass sich die Gesellschaft in einer angespannten Liquiditätslage befindet.“

Diese Feststellung freilich datiert auf den 5. Juni 2019 (das war der Tag des Testats).  Kurz darauf war der Satz vermutlich Makulatur. Denn da verkündete Exporo ein Funding in Höhe von 43 Mio. Euro. Was machen da schon 5,3 Mio. Euro Fehlbetrag?

Oder, wie sagt Brunke doch gleich im OMR-Podcast: Er habe erst lernen müssen, die „Burn Rate“ auf Anraten seiner Investoren hochzufahren. Mal sehen, wie weit die Lernkurve noch nach oben führt. Die Übernahme von Zinsland, über die zuerst „Finance Forward“ berichtete, jedenfalls soll zu einer niedrigen zweistelligen Millionenbewertung erfolgt sein. Allerdings floss nur ein Teil des Kaufpreises in bar – der Rest in Anteilen. Also nur ein teilweiser Effekt auf die angestrebte Cash-Burn-Steigerung.

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Berliner Fintech-Schmiede Finleap steigt bei Crosslend ein

Von Heinz-Roger Dohms

Finleap bleibt in Deal-Laune. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat sich die Berliner Fintech-Schmiede mit knapp 10% am ebenfalls in der Hauptstadt ansässigen Verbriefungs-Fintech Crosslend beteiligt. Wie aus dem Handelsregister hervorgeht, erfolgte der Einstieg ohne Kapitalerhöhung. Stattdessen erwarb Finleap die Anteile über ein sogenanntes „Secondary“ vom Schweizer Venture-Capital-Fonds Lakestar und vom „Luxemburg Future Fund“. Mit einer Beteiligung von gut 25% bleibt Lakestar dem Registerauszug zufolge trotzdem Crosslends wichtigster Gesellschafter.

Crosslend ist öffentlich bislang kaum in Erscheinung getreten – dreht aber trotzdem ein großes Rad. Das lässt sich daran erkennen, dass das Fintech in den Aufbaujahren 2015 bis 2017 aggregiert rund 18 Mio. Euro verbrannt hat; das sind ungefähr N26-Dimensionen. Geschäftsmodell von Crosslend ist die automatisierte Verbriefung von Krediten. Dafür kooperiert das Startup unter anderem mit der niederländischen ABN Amro und der Berliner Solarisbank (die ihrerseits dem Finleap-Schoß entstammt). Beide Institute hatten sich im vergangenen Jahr an einer 14 Mio. Euro schweren Kapitalerhöhung von Crosslend beteiligt. Nach Informationen von Finanz-Szene.de will Solaris den eigenen Anteil allerdings reduzieren (auch wenn sich das aus dem aktuellen Handelsregister-Eintrag noch nicht herauslesen lässt).

Finleap arrondiert seine eigene Firmengruppe durch den Einstieg bei Crosslend weiter. Anfang des Jahres hatten die Berliner das Hamburger Fintech Figo erworben, dieses zunächst mit dem eigenen Venture Finreach verschmolzen – und dann Figo/Finreach um weitere Ventures ergänzt, um daraus die „Finleap Connect“ zu formen. Darüber kaufte Finleap die KMU-Konto-Penta und will in Kürze den Check24-Herausforderer Joonko an den Start schicken.

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