Laut der Unicredit hat die HVB nur noch 1,57 Mio. Kunden

Von Christian Kirchner

Der Geschäftsbericht der Hypo-Vereinsbank bietet genügend Platz für Details. Unter 260 Seiten geht seit Jahren nichts bei den Bayern; zuletzt waren es sogar 316 Seiten.

Umso erstaunlicher, dass der HVB gerade mal 26 Zeichen (inklusive der sogenannten Leerzeichen) reichen, um einer der wichtigsten Fragen zu beantworten, die einer Bank normalerweise gestellt werden. Nämlich: Wie viele Kunden hat sie?

2013 waren es demnach: „….rund 2,6 Millionen Kunden….“
2014: „… rund 2,5 Millionen Kunden…“
2015: „… rund 2,5 Millionen Kunden…“
2016: „… rund 2,5 Millionen Kunden…“
2017: „… rund 2,5 Millionen Kunden…“

Darüber hinaus erfährt der Kunde lediglich, dass sich die Zahl auf das Segment  „Commercial Banking“ bezieht, also das Privat- und Unternehmerkunden umfasst. Wie sich die Kunden verteilen? Um welche Konten es geht? Dazu schweigt der Geschäftsbericht. Auch auf Nachfrage hält die die HVB zu genaueren Zahlen seit Jahren bedeckt. Geschäftsgeheimnis.

Hat die Verschwiegenheit womöglich damit zu tun, dass die eigenen Zahlen kolossal abweichen von den Kundenzahlen, die die italienische Mutter Unicredit der deutschen Tochter zubilligt? Denn: In den Tiefen des „Nachhaltigkeitsberichts“ der HVB-Mutter Unicredit auf Seite 138 ist Finanz-Szene.de auf eine – gelinde gesagt – etwas andere Angabe gestoßen. Der Geschäftsbereich „Commercial Banking“ zählte demnach per 31. Dezember 2018 in Deutschland exakt 1.556.361 Kunden. Also fast eine Million weniger. 

Derlei chirurgische Präzision lädt dazu ein, auch die Unicredit-Nachhaltigkeitsberichte der Vorjahre zu konsultieren. Haben wir gemacht. Demnach…

  • … hat die HVB laut Unicredit-Zählung seit 2013 mehr als ein Fünftel ihrer Kunden verloren
  • … verliert die HVB seit 2015 (dem ersten Jahr der genauen Aufschlüsselung) in jedem Bereich Kunden: im Retail-Banking (-7% gegenüber 2015), dem Corporate Banking (-11%) und dem Private Banking (-16%)

Hier die Übersicht:

in Tausend 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Retail 1.319 1.248 1.221 1.229
Corporate 323 314 300 289
Private Banking 45 46 40 38
Summe 1.987 1.913 1.687 1.608 1.561 1.556

Quelle: Unicredit Nachhaltigkeitsberichte 2013-2018

Auffällig: Die Unicredit-Zahlen sind zumindest nach unserem Dafürhalten plausibler. Von 2014 auf 2015 ging es um netto 226.000 Kunden abwärts – ein Minus von 12% binnen nur eines Jahres. Dieser Rückgang fällt zeitlich genau zusammen mit der damaligen großen Restrukturierung, der auch ungefähr die Hälfte der Filialen zum Opfer fiel.

Ist das der Hauptgrund für die Verluste? Und wenn nein, wie kommt es dann, dass die HVB laut ihrer Mutter binnen weniger Jahre fast eine halbe Million Kunden verloren hat und nur noch auf knapp 1,6 Millionen Kunden insgesamt kommt – während sich die Tochter selbst in ihrem Geschäftsbericht 2017 weiterhin rund 2,5 Mio. Kunden bescheinigt? In beiden Angaben geht es schließlich um den gleichen Bereich: das „Commercial Banking“, mithin also der Bereich mit den Privat- und Geschäftskunden, nicht etwa dem Investmentbanking- und Großkundengeschäft.

Finanz-Szene.de hat in den vergangenen Tagen viele Stunden und viele Gespräche darauf verwendet, diese Fragen zu klären. Es ist uns – ehrlicherweise – nicht gelungen. Geraunt wird, die Verluste könnten ja schlicht mit dem Verkauf der Online-Tochter DAB und dem Private-Bank-Spezialisten Neelmeyer zu tun haben. Indes: Die Veräußerung der DAB (damals: 645.000 Kunden) im Jahr 2014 müsste erheblich größerer Spuren nach sich gezogen haben. Beim Bankhaus Neelmeyer wiederum ist unsere Annahme eine sozusagen gegenteilige: Das Bremer Traditionshaus  (Verkauf: 2016) ist gemessen an den Kunden derart klein bei Firmen- und vermögenden Privatkunden, dass es allenfalls einen sehr kleinen Teil der im Unicredit-Bericht beschriebenen Effekte verursacht haben könnte.

Was die HVB zu alldem sagt? Nichts. Außer, dass es eben verschiedene Möglichkeiten gebe, die Kunden zu zählen. Ansonsten: kein Kommentar.

Dabei lässt sich die ganze Gemengelage übrigens – wenn man will – sogar positiv interpretieren für die Hypo-Vereinsbank. Denn mit dem Kahlschlag bei Mitarbeitern seit 2013 (-34% auf noch 9.200), einer halbierten Filialzahl und einem Fünftel weniger Kunden ist es den Münchnern unterm Strich gelungen, ihre Gewinne wenigstens halbwegs zu verteidigen. Denn 2013 blieben im Privat- und Firmenkundensegment operativ 412 Mio. Euro Gewinn übrig, im letzten Jahr immerhin noch 369 Mio. Euro. Von der Cost-Income-Ratio von stets um die 70% können Deutsche Bank und Commerzbank nur träumen.

Und die Sache mit den Mitarbeitern hat sich dann auch erst einmal erledigt: nach zuletzt vier Jahren in Folge „rund 2,5 Millionen Kunden“ ist die Passage aus dem 2018er Abschluss schlicht ganz herausgeflogen. Zur Zahl der eigenen Kunden steht auf Länderebene bei der HVB nun gar nichts mehr.

Was wir dann doch so interpretieren, dass die (niedrigeren und sinkenden) Unicredit-Zahlen „stechen“.

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Größter deutscher Sparkassen-Versicherer steigt bei Finleap ein

Von Heinz-Roger Dohms

Der größte deutsche Sparkassen-Versicherer ist bei der Berliner Startup-Schmiede Finleap eingestiegen – das zeigen exklusive Recherchen von Finanz-Szene.de und unserem Kooperationspartner „Startupdetector.de“. Die Versicherungskammer Bayern (so der Name des Sparkassen-Versicherers) soll demnach 5,7% an dem Startup-Imperium halten.* Die exakte Investitionssumme konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Gemessen an den letzten Funding-Runden dürfte sie jedoch bei schätzungsweise 10 Mio. bis 15 Mio. Euro liegen.

Mit gebuchten Beitragseinnahmen von 8,3 Mrd. Euro ist die Versicherungskammer Bayern nicht nur der größte öffentliche Versicherer hierzulande – sondern sie zählt auch zu den zehn größten deutschen Versicherungen überhaupt. Die Mehrheit der Anteile (nämlich fast 84%) liegt bei 65 bayerischen, 23 rheinland-pfälzischen und sechs saarländischen Sparkassen. Mit anderen Worten: Die Sparkassen sind jetzt indirekt bei Finleap investiert – und sehr indirekt bei den Finleap-Ventures, von denen es rund ein Dutzend gibt. Dazu gehören unter anderem die Solarisbank, der KMU-Kontoanbieter Penta, der Private-Banking-Digitalisierer Elinvar und das kürzlich gestartete Kfz-Vergleichsportal

So pikant die Verbindung zwischen den Sparkassen und Finleap anmutet – vermutlich ist der Deal eher in einem Versicherungs- als in einem Banking-Kontext zu sehen. Denn: Während zu den Finleap-Gesellschaftern nur eine einzige Bank gehört (nämlich die niederländische NIBC), zählen nach dem Einstieg der Versicherungskammer Bayern nun vier Versicherungen zu den Investoren.  Neben den Münchnern sind das der chinesische Insurtech-Gigant Ping An (unseren Schätzungen zufolge mit einem Anteil von knapp 15%), die Hannover Rück (rund 8%) und die Signal Iduna (rund 4%).

In der Regel sind die Investments der Versicherer bei Finleap die Basis für weitergehende Kooperationen. So ist die Hannover Rück auch an Elinvar sowie an Finleaps Cybersecurity-Startup Perseus beteiligt. Ping An wiederum investierte jüngst bei Joonko, die Signal Iduna ist bei Finleaps B2B-Versicherer Element engagiert. Gut denkbar, dass auch die Versicherungskammer Bayern und Finleap ihre Partnerschaft noch vertiefen – auch wenn es hinter den Kulissen heißt, es gehe zunächst einmal um ein reines Finanzinvestment.

* In der ursprünglichen Fassung des Artikel hatten wir den Anteil mit lediglich rund 4,5% beziffert. Es sollen aber 5,7% sein, haben wir mittlerweile erfahren. Daraus ergibt sich, dass die Investitionssumme eher am oberen Ende der von uns geschätzten 10 bis 15 Mio. Euro liegen dürfte (oder gar leicht drüber).

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PSD2: Deutsche ING klemmt HBCI-Schnittstelle nun doch ab

Von Heinz-Roger Dohms

Wie setzen die deutschen Banken die PSD2-Richtlinie in der Praxis um? Diese Frage haben wir in den vergangenen Monaten pars pro toto am Beispiel der deutschen ING und ihres Umgangs mit der FinTS/HBCI-Schnittstelle verfolgt.

Vielleicht erinnern Sie sich: Unter der Überschrift „Wie sich die deutsche ING ihre eigene PSD2-Welt schafft“ beklagte unser Gästeblogger Klaus Igel Anfang Juni, dass die Oranje-Bank die Standard-Schnittstelle „nicht PSD2-fähig“ machen wolle. Er berief sich dabei auf die Aussage eines Service-Mitarbeiters auf der Website der Bank:

„Ihr Girokonto können Sie ab September nicht mehr mit Ihrer aktuellen Software über die HBCI-Schnittstelle führen. Das ist dann nur noch über die PSD2-Schnittstelle möglich. Bitte fragen Sie bei Ihrem Softwareanbieter nach, ob sie PSD2 unterstützen …”

Daraufhin regte sich ein zwar nicht gewaltiger, aber durchaus wahrnehmbarer Kunden-Aufstand, der schließlich zu einem teilweisen Einlenken der ING Deutschland führte. So schrieben wir Ende August unter der Headline „Wie die deutsche ING ihre PSD2-Mopperer besänftigt“:

Die ING Deutschland reagiert bei HBCI/FinTS im Grund genauso, wie zuletzt bereits bei der Erst-nicht-und-dann-doch-Einführung von Apple Pay: Sie rudert zurück. Mutmaßlich aufgrund des Kundendrucks erklärt die Bank […], zumindest den Lesezugriff über die HBCI-Schnittstelle nun doch erst einmal aufrechtzuerhalten. Ob die Bank darüber hinaus auch weiterhin den Vollzugriff – also zum Beispiel die Möglichkeit, Überweisungen zu veranlassen – anbietet? Ausgeschlossen scheint selbst diese Volte nicht mehr. Ein ING-Sprecher sagte auf Finanz-Szene.de, dies werde „geprüft“.

Wie die Prüfung ausgegangen ist? Der Lesezugriff bleibt zwar erhalten – zu einem Vollzugriff hat sich die größte deutsche Onlinebank aber nicht durchringen können, wie Gästeblogger Igel entdeckt und am Samstag via Twitter kundgetan hat.

Ist das nun ein Rückschlag für die „Open Banking“-Idee? Vermutlich. Doch wie merkte ebenfalls bei Twitter der BVR-Experte Matthias Hönisch an: „PSD2 ist nicht gleich ‚Open Banking‘ – unabhängig von dem, was die Kollegen der @ING_Deutschland da machen.“

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